Kurzgeschichten für lange Nächte

Ich bin kein großer Kurzgeschichten-Fan, ich glaube das ist – wie bei Gedichten auch – so ein „aquired taste“ wie Rotwein, Whisky, Blauschimmel-Käse. Kurzgeschichten haben es nicht leicht bei mir, drohen immer mal wieder in die Ecke zu fliegen, wenn ich in die Geschichten nicht reinkomme (wie kürzlich beispielsweise bei George Saunders), daher wiegen die hier aufgelisteten für mich um so mehr, denn die haben mich in der Regel von der ersten Zeile nicht mehr losgelassen.

Eine liebe Freundin hat mir vor kurzem einen Kurzgeschichten Band zugeschickt: Victoria Hislops Sammlung mit Kurgeschichten von Frauen und zu meinem Entzücken fand ich dort meine Lieblingsgeschichte „The Lottery“ wieder, was mich auf den Gedanken brachte, meine Bibliothek zu durchforsten, um meine persönliche Sammlung aus den für mich besten Kurzgeschichten der Welt hier zu präsentieren.

Einige kann man im Internet finden, da habe ich den link ensprechend angehängt und bin jetzt sehr gespannt, ob Euch meine Sammlung gefällt, welche ihr davon kennt und vielleicht auch mögt oder eben auch nicht. Fehlt euch etwas? Freue mich sehr auf Eure Kommentare und etwaigen Ergänzungen. So long äh short 😉

Isaac Asimov – The Martian Way
Margaret Atwood – Torching the Dusties
Margaret Atwood – Death by Landscape
Paul Auster – Augie Wren’s Christmas Story
James Baldwin – The Outing
Karen Blixen – The Monkey
Wolfgang Borchert – Nachts schlafen die Ratten doch
Jorge Luis Borges – Die Bibliothek von Babel
Octavia Butler – The Morning, and the evening and the night
TC Boyle – Dogology
Ray Bradbury – The Veldt
Ray Bradbury – A sound of Thunder
Ray Bradbury – The Million-Year Picnic
Albert Camus – The Artist at Work
Truman Capote – Handcarved Coffins
Truman Capote – Miriam
Raymond Carver – Neighbors
Angela Carter – The Bloody Chamber
Ted Chiang – Story of Your Life
Roald Dahl – Lamb to the Slaughter
Philip K Dick – The Golden Man
Philip K Dick – The Minority Report
Charles Dickens – The Signal-Man
Charles Dickens – A Christmas Carol
Denis Diderot – Gründe meinem alten Nachtrock nachzutrauern
Joan Didion – On Self-Respect
Emma Donoghue – Words for Things
Fjodor Dostojewski – Weihnachtsbaum und Hochzeit
Fjordor Dostojewski – Weiße Nächte
Arthur Conan Doyle – The Adventure of the Blue Carbuncle
Agatha Christie – The Witness for the Prosecution
Jennifer Egan – Safari
Harlan Ellison – I have no mouth and I must scream
Sheridan Le Fanu – Green Tea
William Faulkner – A Rose for Emily
F Scott Fitzgerald – The Curious Case of Benjamin Button
Gillian Flynn – The Grownup
EM Forster – The Machine Stops
Neil Gaiman – Der Fluch der Spindel
Neil Gaiman – Snow, Glass, Apples
Ursula LeGuin – Coming of Age in Karhide
Ursula LeGuin – The ones who walk away from Omelas
Graham Greene – The Third Man
Ernest Hemingway – The Snows of Kilimanjaro
O. Henry – The Robe of Peacej
Patricia Highsmith – The stuff of Madness
Aldous Huxley – Young Archimedes
Washington Irving – The Legend of Sleepy Hollow
Mary Gaitskill – The Other Place
Charlotte Perkins Gilman – The Yellow Wallpaper
Maria Dahvana Headley – See the Unseeable, Know the Unknowable
Judith Hermann – Kaltblau
Siri Hustvedt – Mr. Morning
Henry James – The Turn of the Screw
Shirley Jackson – The Lottery
Franz Kafka – Die Verwandlung
Franz Kafka – In der Strafkolonie
Stephen King – Rita Hayworth and Shawshank Redemption
Stephen King – Children of the Corn
Heinrich Kleist – Die Marquise von O
Lautréamont – Die Gesänge des Maldoror
Stanislaw Lem – Test
HP Lovecraft – Cool Air
HP Lovecraft – The Dunwich Horror
Guy de Maupassant – Der Horla
Herman Melville – Bartleby, the Scrivener
Laurie Moore – How to become a writer
Daphne Du Maurier – Don’t look back
Daphne Du Maurier – The Birds
Haruki Murakami – Kinos Bar
Haruki Murakami – Yesterday
Haruki Murakami – The Elephant Vanishes
Vladimir Nabokov – Terra Incognita
Joyce Carol Oates – Where are you going, where have you been?
Dorothy Parker – Sentiment, A Telephone Call
Sylvia Plath – Johnny Panic and the Bible of Dreams
Edgar Allan Poe – The Tell-Tale Heart
Edgar Allan Poe – The Pit and the Pendulum
Annie Proulx – Brokeback Mountain
Karen Russell – Vampires in the Lemon Grove
Karen Russell – Reeling for the Empire
JD Salinger – For Esme
JD Salinger –  A Perfect Day for a Banana-Fish
Oliver Sacks – Altered States
Jean-Paul Sartre – The Room
Jean-Paul Sartre – The Wall
Arthur Schnitzler – Traumnovelle
Ali Smith – Free Love
Robert Louis Stevenson – The Body Snatcher
Bram Stoker – Dracula’s Guest
Donna Tartt – The Ambush
James Tiptree Jr – And I awoke and found me here on the Cold Hill’s side
Mark Twain – Cannibalism in cars
Jules Verne – Der ewige Adam
Kurt Vonnegut – Harrison Bergeron
HG Wells – Empire of the Ants
Jeanette Winterson – Days like this
Virginia Woolf – A mark on the wall
Richard Yates – Saying Goodbye to Sally
Banana Yoshimoto – Lizard
Stefan Zweig – Die Schachnovelle
Stefan Zweig – Brief einer Unbekannten

Meine Woche

beckmann

Gesehen: Die „Dix/Beckmann Ausstellung“ in München – genial !

Gehört:  Chelsea Wolfe, .Com/Kill und Solar Fake – eine konzert-reiche Woche 🙂

Gelesen: einen sehr interessanten Artikel über James Baldwin in der Zeit

Getan: mich auf den Urlaub gefreut

Gegessen: Überbackene Zucchini mit Schafskäse und Walnuss-Parmesan

Getrunken: Sprizz

Gefreut: den Wonnie-Geburtstag jetzt rundum organisiert zu haben (hoffe ich)

Geärgert: über eine Über-Ordnerin am Backstage

Gelacht: über meine wenig heldenhafte Haltung bei ollen Nachtfaltern

Geplant: die Yoga-Zehnerkarte im Urlaub aufzu-yogen

Gewünscht: diese Hängematte

Gekauft: einen Bildband über Fotografinnen für Wonnie und ein Buch über die Kunst der klassischen Moderne für mich

Gefunden: eine BBC Dokumentation über Vladimir Nabokov

Geklickt: auf dieses Bett. Oft. Weil ich das gerne hätte. Emmas Designblog macht mich immer so haben wollend

(diese Auflistung bei philuko gesehen für toll befunden und übernommen – hoffe, das ist ok).

Giovanni’s Room – James Baldwin

Giovannis Room

Unsere Juli-Lektüre für den Buchclub und die hat mich total überrascht. Ein kleines dünnes Büchlein, hab es auch durchaus auf dem Radar gehabt, aber hätte nicht gedacht, dass es mich derart aus den Schuhen haut. Wow – das Buch ist wirklich im wahrsten Sinne des Wortes heartbreaking. So wunderschön, so elegant. Das Paris der 50er Jahre und diese zwei jungen Männer, die unweigerlich auf eine Katastrophe zusteuern, denn David traut sich einfach nicht.

Sein erstes Mal war mit einem Jungen aus der Nachbarschaft, aber aus Angst und Scham hat er sich direkt danach verkrümelt. Nach der Schule geht er wie viele junge Amerikaner in dieser Zeit nach Paris um sich zu finden. Oder aber viel eher, um vor sich selbst wegzulaufen. Er dümpelt vor sich hin, trifft irgendwann eine junge Frau, Hella, die er bittet, ihn zu heiraten. Sie braucht Bedenkzeit, reist alleine durch Spanien und David trifft in einer schäbigen Bar auf Giovanni, den atemberaubend schönen Barkeeper und verliebt sich in ihn. Die beiden haben eine heftige, leidenschaftliche, aber unglückliche Affäre. David möchte nicht so leben. Will die Normalität, will Hella nach ihrer Rückkehr aus Spanien heiraten und ganz normal und rein sein, Giovanni’s Room einfach hinter sich lassen und bricht dabei Giovanni’s Herz und auch sein eigenes. Es kommt zu einer fürchterlichen Katastophe.

Baldwin schafft es, dass man dieses Buch nicht einfach als Liebesgeschichte zwischen Männern oder Schwulenlektüre sieht, es ist einfach eine Liebesgeschichte. Und was für eine. Er schreibt eine Liebesgeschichte, in der nicht ein einziger schwarzer Charakter vorkommt, er schreibt eine Geschichte, die seinen Verlegern den Angstschweiß auf die Stirn trieb und die niemals veröffentlicht worden wäre, hätte er nicht bereits mit „Go tell it on the mountain“ einen riesigen Erfolgsroman hingelegt.

Nelson Algren schreibt wunderbar treffend über das Buch in „The Nation“: „This novel is more than another report on homosexuality. It is a story of a man who could not make up his mind, one who could not say yes to life. It is a glimpse into the special hell of Genet, told with a driving intensity and horror sustained all the way“.

Baldwin läßt sich nicht abschrecken. Er besteht auf der Veröffentlichung so, wie er das Buch geschrieben hat. Er schert sich nicht um unkende Verleger, die Kritikerverrisse und die Antipathie der afroamerikanischen Leserschaft prophezeien. Er schreibt und widmet das Buch „Lucien“. Seiner großen Liebe, die ihm Anfang der 50er Jahre in Paris das Herz gebrochen hat. Mit dem er eine ähnliche Affäre hatte und der nach drei Jahren heiratet und Baldwin am Boden zerstört zurückläßt.

Er setzt Lucien mit dem Buch ein Denkmal, aber er zeigt ihm auch das Ausmaß der Verwüstung, die dieser angerichtet hat, in dem er sich nicht zu ihrer Liebe und seiner Homosexualität bekannte, sondern lieber den heterosexuellen bürgerlichen Traum leben will. Man könnte sagen, so war das halt damals in den 50er. Phhh, das gibt es heute noch genauso. Es ist nicht unbedingt immer die Gesellschaft – die ist tatsächlich viel toleranter geworden, aber viele Menschen schaffen es einfach nicht, sich selbst einzugestehen was und wer sie sind. Und dann ist es fast egal, wie tolerant die Gesellschaft außenrum ist. Normal sein, nicht auffallen wollen – Homosexualität passt da nicht ins perfektionistische Weltbild. Da bleibt man lieber mit jemandem zusammen, den man gar nicht liebt oder heiratet jemanden, den man bestenfalls als guten Freund sieht, das war 1954 so und ist 2014 nicht anders.

Ich möchte ganz unbedingt noch mehr von und über James Baldwin lesen. Was für ein großartiger Autor. Und wieder ein Buch, das überquillt vor wundervollen Sätzen. Hier nur ein paar:

„People who believe that they are strongwilled and the masters of their destiny can only continue to believe this by becoming specialists in self-deception.“

„I felt sorrow and shame and panic and great bitterniss. At the same time – it was part of my turmoil and also outside it – I felt the muscles in my neck tighten with the effort I was making not to turn my head and watch that boy diminish down the bright avenue. The beast which Giovanni had awakened in me would never go to sleep again…“

„You know very well“, said Giovanni, slowly, „what can happen between us. It is for that reason you are leaving me.“ … He stuck his fist once against the window sill. „If I could make you stay, I would“ he shouted. „If I had to beat you, chain you, starve you – if I could make you stay, I would.“ he turned back into the room; the wind blew his hair. He shook his finger at me, grotesquely playful. „One day, perhaps, you will wish I had.“