17. Türchen: Northanger Abbey – Jane Austen

Northanger Abbey war der erste Roman, den Jane Austen geschrieben hat, und er klingt tatsächlich ein wenig anders, was ich aber gar nicht negativ meine. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Catherine Morland, ein siebzehnjähriges Mädchen, das in ländlichen Umgebung aufwächst. Sie liebt Bücher und ist hungrig auf das Leben als sie die Gelegenheit erhält, ihre wohlhabenden Nachbarn nach Bath zu begleiten und an der Wintersaison mit Bällen, Theater und anderen gesellschaftlichen Vergnügungen teilzunehmen.

Schon bald lernt sie eine neue Welt kennen, die der Welt in ihren Büchern ganz ähnlich ist und sie begegnet dem klugen jungen Herrn Henry Tilney. Sie findet auch eine neue beste Freundin, Isabella, eine temperamentvolle und kokette junge Frau, die sich als ganz anders erweist, als Cathrine es sich vorgestellt hat. Schon bald besucht sie das geheimnisvolle Schloss Northanger Abbey und muss feststellen, dass sich die reale Welt dann doch von dem unterscheidet, wie sie in ihren geliebten Schauerromanen beschrieben wird….

Zu der Zeit, als der Roman geschrieben wurde, explodierte das Genre der „Gothic Novels“ geradezu und das Lesen von Romanen war zu einer Obsession geworden, insbesondere für Frauen. Die britische Gesellschaft war jedoch ziemlich geteilter Meinung über die Auswirkungen der Romane auf die Werte und das Verhalten der Frauen. Viele hielten diese Romane für albern und befürchteten, dass die dramatischen Liebesgeschichten junge Frauen dazu verleiten könnten, bei der Wahl des Ehepartners ihren Familien nicht zu gehorchen. Die Befürworter des Romans vertraten hingegen die Ansicht, dass die Lektüre der Erfahrungen und Gefühle der verschiedenen Figuren die Fähigkeit der Leser stärke, Mitgefühl zu empfinden und in ihrem eigenen Leben moralisch zu handeln.

Es ist auf jeden Fall der Roman mit dem schönsten Jane Austen Zitat:

“The person, be it gentleman or lady, who has not pleasure in a good novel, must be intolerably stupid.”

Jane Austen hat mit „Northanger Abbey“ eine Satire auf die Gothic Romane geschrieben, aber für mich klingt auch durchaus ein wenig Wohlwollen durch, oder will ich das nur lesen, weil ich Gothic Novels immer schon geliebt habe und sie sind und bleiben mein heimliches Laster…

Wenn die Welt draußen doof ist, dann geht für mich eigentlich nur eine düstere Dystopie oder eine dunkel-romantische Gothic Novel und schon ist alles wieder gut.

Was sind eure literarischen Laster? 😉

Stolz und Vorurteil und Zombies – Seth Grahame-Smith & Jane Austen

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Was für ein wundervoll abgefahrenes Erlebnis. Als ich „Stolz und Vorurteil und Zombies“ aus einem norddeutschen Ramschtisch in einem Supermarkt (!!!) rettete, hätte ich mir nie träumen lassen, wie gut Zombies sich in Austens Welt einbetten lassen. Manchmal so gut, dass ich mir gelegentlich überlegt habe, ob Jane Austen dieses Buch nicht tatsächlich selbst geschrieben hat, am Ende Muffensausen bekommen hat und die Zombies nachträglich wieder rausgeschrieben hat 😉

“The business of Mr. Bennett’s life was to keep his daughters alive. The business of Mrs. Bennett’s was to get them married.”

Eine mysteriöse Plage befällt England und damit auch das ruhige kleine Dorf Meryton. Hordenweise Untoter erheben sich aus ihren Gräbern und plötzlich sind Etiquette und Anstand, Einladungen zum Tee und mögliche Heiratskandidaten die geringsten Probleme, mit denen sich die Protagonisten dieses Romans herumschlagen müssen.

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Elizabeth Bennet und ihre Schwestern sind in der ganzen Nachbarschaft berühmt-berüchtigt für ihr hervorragendes Training in einem Shaolin-Kloster und ihre dort erworbenen hervorragenden Zombie Kampfkünste. Wenn die 5 Schwestern sich Kill-Bill-artig zum Todesstern zusammenfinden, fliegen sofort Gliedmaße durch die Gegend, Blut fließt literweise und zuckende abgeschlagene Zombie-Köpfe zieren das vornehme Parkett.

“Elizabeth lifted her skirt, disregarding modesty, and delivered a swift kick to the creature’s head.”

Miss Bennet, I am quite aware of your superior talent for cutting down the Lord’s forsaken flock. I merely mean to spare your gown.‘
Thank you,‘ said Elizabeth, composing herself, ‚but I should rather my gown be soiled than my honor.”

Es ist eine ziemlich clevere Idee, den erstklassigen Austen-Text zu nehmen, diesen zum Großteil unangetastet zu lassen und ihn mit einer guten Prise frisch auferstandener blutdürstiger Zombies zu versehen. Wäre ich Englisch-Lehrerin, ich würde das Buch in der Schule lesen und wenn sie etwas angefixt sind, gleich noch ein paar Austens und Brontes hinter her schieben.

Das Buch ist richtig blutig und nix für Zartbesaitete, hat aber auch eine Menge Humor. Meine liebste Passage war die, in der Elizabeth so wütend ist auf Mr Darcy nach seinem Antrag, dass sie ihn erstmal ordentlich verdrischt und er leicht lädiert am Kaminsims landet.

“Of all the weapons she had commanded, Elizabeth knew the least of love; and of all the weapons in the world, love was the most dangerous.”

Bislang hatte ich Mr. Darcy immer für ein ziemliches Weichei gehalten, in dieser Variante der Geschichte kommt er für mich deutlich besser weg.

“Elizabeth: „Your balls, Mr. Darcy?“
Darcy: „They belong to you, Miss Bennett.”

“Elizabeth, having rather expected to affront him, was amazed at his gallantry; and Darcy had never been so bewitched by any woman as he was by her. He really believed, that were it not for the inferiority of her connections, he should be in some danger of falling in love, and were it not for his considerable skill in the deadly arts, that he should be in danger of being bested by hers–for never had he seen a lady more gifted in the ways of vanquishing the undead.”

Es war übrigens reiner Zufall, dass ich „Stolz und Vorurteil und Zombies“ jetzt gelesen habe. Das Buch hatte sich in meinem SUB einfach gerade nach oben gearbeitet, trotzdem ein witziger Zufall, dass während meiner Lektüre die Verfilmung des Buches Premiere hatte. Den werde ich mir auf jeden Fall anschauen.