2016 – Das Jahr in Büchern

Good riddance you motherf*** of a Year – hoffen wir das nächste wird besser. Meine Oma sagte immer 7 ist eine Glückszahl, von daher stehen die Chancen gut.

Happy new Year on a brick wall, street-art style

Ein Jahresrückblick ist ja immer eine gute Ausrede für eine weitere Liste und das ich die liebe hat man ja sicherlich schon gemerkt.

Meine Goodreads Bücher-Challenge hatte ich bewusst recht hoch gesteckt und zwar auf 110 Bücher. Habe ich nicht ganz geschafft, aber 107 ist trotzdem gut, sind aber auch einige Comics, Graphic Novels und recht dünne Bücher dabei. Geschrieben habe ich über nahzu jedes Buch das ich gelesen habe. Jetzt zum Ende hin ist es knapp geworden und daher werde ich eine Rezension zu diesen Büchern hier leider nicht mehr schaffen:

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Gefahren des Lesens“ ist ein großartiges Buch – das perfekte Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk für alle Leseratten, Bücherwürmer, Bibliophile und ähnliche Verrückte. Habe es mit großem Vergnügen auf der langen Zugfahrt in den hohen Norden gelesen – ganz ohne Vollrausch, versprochen. Unbedingt kaufen eines für euch und eines zum Verschenken.

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Dafür brauchts das hier nicht unbedingt. Hatte mich sehr drauf gefreut, ich mag die Reihe von Reclam eigentlich sehr. Nur hier wurde ich nicht warm. Es klang so bemüht intellektuell, ging so in Verteidigungshaltung. Wäre ich Herr Scheck hätte ich das jetzt in die Tonne geworfen, sorry.

Hier noch eine literarische Überraschung. Hatte das Buch nicht auf dem Schirm, aber die Bingereader-Gattin hat mir fast körperlich gedroht, wenn ich nicht sofort und auf der Stelle dieses Buch lese … Und es hat mir wirklich sehr gefallen. Spielt in der Kunstszene der 80er Jahre in New York und ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Unbedingte Empfehlung für:

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OK – aber jetzt kommt sie wirklich die Liste. Versprochen. Habe meine Best Books 2016 ein bisserl nach Genre sortiert. Ist ja immer ganz schön schwierig die Auswahl zu treffen. So viele die ganz knapp nicht genannt werden konnten.

OK Top 12 Belletristik (eines für jeden Monat sozusagen) 😉

Kein Ranking – zufällige Anordnung wie auf dem Bild von oben links im Uhrzeigersinn, die Mitte zuletzt.

The Vegetarian – Han Kang
Unterleuten – Juli Zeh
In Cold Blood – Truman Capote
Die Toten – Christian Kracht
The Pursuit of Love – Nancy Mitford
Die geheime Geschichte von Twin Peaks – Mark Frost
Atlas Shrugged – Ayn Rand
Chocolates for Breakfeast – Pamela Moore
Der Hals der Giraffe – Judith Schalansky
The Ship of Theseus – JJ Abrams & Doug Dorst
Carol – Patricia Highsmith
The Interestings – Meg Wolitzer

Habe auch sehr viel Science Fiction und Sachbücher gelesen, daher hier jeweils die Top 5:

Sci-Fi:

The Handmaids Tale – Margaret Atwood
Station Eleven – Emily St. John Mandel
Idoru – William Gibson
What we talk about when we talk about Clone Club – Gregory Pence
Normal – Warren Ellis

und zum Abschluss die Top 5 der Sachbücher:

Hoffnung in der Dunkelheit – Rebecca Solnit
Sapiens A Brief History of Humankind – Yuval Noah Harari
Von Beruf Schriftsteller – Haruki Murakami
The Selfish Gene – Richard Dawkins
History of Western Philosophy – Bertrand Russell

Hier die Bücherlisten der geschätzen Kollegen, hoffe ich habe niemanden vergessen 🙂

Was sagt ihr zu meiner Auswahl ? Lob, Kritik – fehlt euch was oder gabs Überraschungen? Freue mich von Euch zu hören.
Morgen gibt es dann die Konzerte und Filme 2016 – juhuuu mehr Listen.

Ich wünsche Euch allen ein wunderbares 2017 – habt einen guten Rutsch und lasst es krachen 🙂

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Die Geheime Geschichte von Twin Peaks – Mark Frost

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Der Roman hat nicht einfach nur ein wunderbares Design,es führt den Leser tief in die Geschichte Twin Peaks‘ hinein. Kein Roman im klassischen Sinn, sondern eine Sammlung an Briefen, Dokumenten, Zeitungsauschnitten und Bildern. Ein bisschen Akte X meets Twin Peaks. Auf den ersten 100 Seiten ab und an etwas nachlässig, wenn es um absolute Detailgenauigkeit geht, aber die Atmosphäre ist einfach perfekt: zweideutig, düster, verwirrend. Man kann es einfach nicht aus der Hand legen. Die Fußnoten können den einen oder anderen gegebenenfalls etwas nerven, aber das „Ship of Theseus“ war mein bestes Trainingslager – ich habe sie alle gelesen und sie bringen nochmal deutliche Detailtiefe.

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Wer hofft, Antworten zu finden auf die offenen Fragen, der wird nicht enttäuscht, aber man muss aufmerksam sein, nichts überlesen. Es reicht keinesfalls, das Buch einfach hier und da aufzuschlagen und mal etwas drin zu stöbern. Man findet ab und an auch Antworten auf Sachen, die einem vorher überhaupt nicht klar waren, es lässt aber wiederum genug offen, um Lust auf die dritte Staffel zu machen.

„Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ ist das umfangreichste, spannendste und liebevollste Denkmal, das einer Fernsehserie jemals gewidmet wurde. Ein Geschenk an die treuen Fans, die sich von der chaotischen 2. Staffel nicht abschrecken ließen, die ja mit einem fetten Cliffhanger endet.

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Als Riesen-Fan der ersten Stunde musste ich also unbedingt den gesamten Twin Peaks Kanon wiederbeleben, um so up-to-date wie nur möglich zu sein, wenn es 2017 weitergeht. Neben dem pflichtgemäßen „bingen“ der ersten und zweiten Staffel, dem Reclam 100-Seiter über Twin Peaks, habe ich auch das „Geheime Tagebuch der Laura Palmer“ rausgekramt und zum Schluss schaue ich mir noch den Prequel Film „Fire walk with me“ an.

„Die Geheime Geschichte von Twin Peaks“ hat mich ziemlich begeistert. Es ist ein FBI-Dossier, das am Tatort gefunden wurde und einem nicht näher genannten FBI Agenten aus der heutigen Zeit zugesteckt wird, der den Inhalt der Akte für seine Vorgesetzten zusammenfasst. Das Hauptziel des FBI Agenten ist es, den Autor des Dossiers ausfindig zu machen, der nur als „Der Archivist“ bekannt ist. Die Geheimnisse und Rätsel führen uns tiefer und tiefer in die Seele Twin Peaks hinein.

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Foto: NME

Die Dokumente umfassen Tagebucheinträge aus dem 19. Jahrhundert, persönliche Briefe der Einwohner Twin Peaks bis hin zu Reports der Air Force. Kein Buch für Leute, die die Serie nur einmal nebenher in den 90er Jahren gesehen haben, man muss schon einen gewissen Obsessionsgrad haben. Twin Peaks hatte und wird immer einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen haben. Ganz egal was in der dritten Staffel passiert. The Fire walks with me – forever 😉

Erinnert mich an unseren West Highland-Way Walk in Schottland vor ein paar Jahren. Eine Station musste ich aufgrund von verstauchtem Knöchel mit dem Bus zurücklegen und wir kommen in einen Ort der von der ganzen Atmosphäre und den Wäldern außenrum wirklich aussah wie Twin Peaks. Habe ich auch so gesagt „Hier sieht es aus wie in Twin Peaks“ – ein paar Minuten später, als wir in dem einzigen Laden des Ortes stehen und wir zur Tür rein kommen, läuft da wirklich – Ehre, Schwöre – die Titelmelodie von Twin Peaks. Fand ich einen Hauch spooky 😉

Falls ihr also echte Fans der Serie in eurem Freundes- oder Bekanntenkreis habt, dann ist das hier das perfekte Weihnachtsgeschenk für sie.

Hier noch ein Interview mit Mark Frost, das er vor ein paar Tagen gegeben hat und ein Buchtrailer der wirklich Lust aufs Buch macht:

Ich danke dem Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.

Twin Peaks – Gunther Reinhardt

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Die letzten Monate waren echte Rollercoaster Rides für jeden Twin Peaks Fan. Nach 25 Jahren voller Gerüchte, Ankündigungen, Dementi ist es dann tatsächlich passiert. Lynch und Frost verkünden hoch offiziell, dass es 2017 tatsächlich die langerwartete Forsetzung der Kultserie um Agent Cooper, die Log Lady, Laura Palmer und all die anderen unvergesslichen Charaktere geben wird. Wooohoooo 🙂

Reinhardt macht einen wirklich guten Job in der neuen Reclam 100 Seiten Reihe, Fans oder Neugierige mit der Twin Peaks Welt (wieder) vertraut zu machen. Es liest sich gut, gibt einen sehr guten Überblick und zeigt den nachhaltigen Einfluss der Serie auf die Popkultur. Er spricht über den Einfluss, den Lynchs cinematographische Vision auf die Serie hatte und wie sehr im Grunde sämtliche Serien die heutzutage laufen, auf Twin Peaks‘ Einfluss zurückzuführen sind. Wir haben uns mittlerweile an Erzählbögen gewöhnt, die über ganze Staffeln laufen, denken uns nicht mehr viel bei experimentellen Stories und abgefahrenen Kamerashots, doch als Twin Peaks Premiere hatte, waren das bahnbrechend neue Sachen und haben erst einmal die meisten Leute ziemlich verstört.

Als die Serie damals im Fernsehen lief, war ich noch viel zu jung, um die vielen Finessen, die stilistischen Aspekte wirklich zu durchdringen, aber das hier was ganz Besonderes passierte, das merkte ich und ich blieb eigentlich dem düster-mysteriösen im Fernsehen tief verbunden. Wären die X-Files ohne Twin Peaks möglich gewesen?

Es gibt wunderbare Infographiken, zum Beispiel „Die Einwohner von Twin Peaks“, eine Übersicht aller Sachen, die in den ersten beiden Staffeln gegessen und getrunken wurden oder die Karte von Twin Peaks mit allen Drehorten. Der Autor gibt den notwendigen Kontext, der den Einstieg in die kommende Staffel erleichtern wird und er weist Serien-Neulinge drauf hin, das es nur Sinn macht weiterzulesen, wenn man die Serie vorher gesehen hat oder wenn man sie noch einmal sehen möchte.

Genau das ist der Plan. Das ultimative Twin Peaks Wochenende mit beiden Staffeln und dem Film und was ich sonst noch so habe an Büchern und Devotionalien – mehr dazu hier demnächst auf diesem Kanal, wenn es heißt: „The Owls are not what they seem…“

OK, Twin Peaks Fan oder „Fans in the Making“ – dieses Büchlein ist die beste Vorbereitung auf ein ultimatives Twin Peaks Wochenende. Backt Cherrie Pie und Donuts, kocht Kaffee und los gehts, wir müssen schließlich wieder up-to-date sein, wenn es 2017 endlich weiter geht. And don’t forget: The Owls are not what they seem …

Ich danke dem Reclam Verlag für das Rezensionsexemplar.