Die weltbeste Geschichte vom Fallen – Daniel Faßbender

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Roofing, auch Rooftopping genannt, ist das todesmutige Baumeln an der Kante von Gebäuden – häufig sind Roofer junge Erwachsene auf der Suche nach Social-Media-Ruhm. Ständig auf der Suche nach dem nächsten atemberaubenden Foto, dem noch verrückteren Stunt, der den erhofften viralen Ruhm und idealerweise damit verbundenen Reichtum.

Vor allem in Rußland ist Roofing sehr verbreitet, dort wird es im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern auch nicht sonderlich hart bestraft und gilt eher als Kavaliersdelikt.

„Die weltbeste Geschichte vom Fallen“ ist dieser weitgehend unbekannten Szene der „Roofer“ gewidmet. Der namenlose 21jährige Protagonist verbringt den größten Teil seiner Zeit auf den Dächern Stockholms. Er ist weniger auf der Suche nach Social-Media-Ruhm, sondern sucht die Weite, das Licht und die Freiheit, insbesondere die Freiheit, seine Probleme zu vergessen. Die ständige Verlockung der hohen Gebäude…

Wenn er über die Dächer der Stadt klettert ist alles ganz klar für ihn, ergibt alles einen Sinn. Schwierigkeiten und Probleme sind nur unten auf der Erde für ihn zu finden. Auf seinen Touren trifft er auch auf ganz interessante Leute, zwei sind ganz besonders wichtig für ihn. Da ist zum einen der kleine, dicke alte Mann, der in einer winzigen Hütte auf einem Dach lebt und mit dem er stundenlang über alles mögliche quatschen kann, während sie literweise Kakao trinken und Zimtschnecken essen.

Allein vom Lesen habe ich Bauchweh bekommen und mich gefragt, wie man solche Unmengen an Zucker nur vertragen kann, ich hab fast gar kein süßes Gen und Zimtschnecke kann ich mir vielleicht einmal in 3 Jahren vorstellen. Aber als Sproß einer Zimtschnecken-Fabrikantenfamilie liegt ihm das Süße wahrscheinlich in den Genen.

Der andere wichtige Mensch ist Boyana, die ihm immer wichtiger wird, die ihn aber auch dazu bringen möchte Verantwortung zu übernehmen, sich seinen familiären Problemen zu stellen und nicht ständig die Flucht nach oben zu suchen….

Eine intelligent erzählte Geschichte mit interessanten Fakten, Humor und jeder Menge Großstadtflair. Das perfekte Buch für einen Städtetripp nach Stockholm. Ich hätte den Autor gerne gefragt, warum sein Roman dort spielt und nicht in Köln zum Beispiel, wo er wohnt.

Sein Manuskript war 2017 auf der Longlist des Blogbusters gelandet und Birgit von Sätze und Schätze hatte einen guten Riecher und Daniel Fassbender von Anfang an als ihren Blogbuster und ihre Fittiche genommen. Hier ihr Interview mit Daniel im Rahmen des Wettbewerbs:

Beim Video-Interview mit Daniel bekommt man einen ersten Eindruck von den schwindelnden Höhen auf denen er sich gerne rumtreibt.

Der Roman von Daniel Faßbender ist actionreich und spannungsgeladen und hat einen der beste Romananfänge die ich seit längerem gelesen habe. Er hat mich auf jeden Fall dazu gebracht in Vancouver im 23. Stock die Beine durchs Balkongitter hindurch baumeln zu lassen und eine Stadtführung über Münchens Dächer zu entdecken. Literatur verleiht Flügel 😉

Ich bin dann mal auf dem Sonnendeck … ohne Zimtschnecke

Herzlichen Dank an Birgit die ihn mir empfohlen und an den Mirabilis-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hier ein Video einer russischen Rooferin. Gucken auf eigene Gefahr, da wird einem schon beim Zuschauen schwindelig:

Hier gehts zur Autorenwebseite.

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