Olga lesen! Olga sehen!

IMG_3784

Dieses Buch stand schon lange bevor Olga Tokarczuk den Literatur-Nobelpreis gewann auf meiner Wunschliste.

In einem abgelegenen polnischen Dorf lebt Janina Duszejko recht einsam am Waldesrand. Sie nutzt die langen Winternächte, um Astrologie zu studieren, komplizierte Horoskope zu berechnen und mit einem jungen Freund die Gedichte von William Blake zu übersetzen.

Die meisten halten sie für eine miesepetrige Einsiedlerin, die Tiere lieber mag als Menschen, aber niemand sollte die Stärke und den Mut etwas älterer Damen unterschätzen. Als ihr unsymphatischer Nachbar (und Wilderer) „Big Foot“ tot gefunden wird und mehr und mehr Leichen, die alle mit der Jagd zu tun hatten, unter mehr als mysteriösen Umständen auftauchen, nimmt Dusjezko die Ermittlungen in die Hand.

Sie glaubt, die Tiere seien es, die sich an den Menschen rächen, doch ihre Versuche, die örtliche Polizei von ihrer These zu überzeugen, scheitern kläglich. Sie ist außerdem davon überzeugt, dass die Morde astrologisch angekündigt wurden, aber auch diese Idee findet selbst unter ihren Freunden, der Second-Hand-Shop Besitzerin „Good News“ oder Dizzy, mit dem sie Gedichte übersetzt, kein Gehör.

Janina Dusjezko hasst ihren Vornamen und liebt es, den Menschen in ihrer Umgebung eigene Namen zu verpassen, die deutlich besser zu ihnen passen, als ihre Rufnamen. 

The naming of Big Foot occured in a similar way. It was quite straightforward – it suggested itself to me when I saw his footprints in the snow…Unfortunately, I couldn’t choose a suitable name for myself. I regard that the one that’s written on my identity card as scandalously wrong for me and unfair – Janina. I think my real name is Emily, or Joanna. Sometimes I think it’s something like Irmtrude too. Or Bellona. Or Medea.“

Sie hasst Jäger und leidet mit den Tieren in ihrer Umgebung mit. Immer wieder kümmert sie sich um verwundete Tiere, die bei ihr auftauchen. Sie ist außerdem eine genaue Beobachterin, sie erkennt die Zusammenhänge, die gegenseitigen Abhängigkeiten von Beziehungen und steht sehr im Einklang mit der Natur.

Drive your plow over the bones of the dead ist eine Zeile aus William Blakes „Proverbs of Hell“, so wie auch die Zitate am Anfang jedes Kapitels Zitate aus seinen Gedichten sind.

Die Geschichte ist so voller Anspielungen, reich an Wortspielen, wundervoll atmosphärisch und hat ein großartiges dunkles Ende. Ein zutiefst zufriedenstellender Thriller mit märchenhaften Elementen und ein großartiges Stück Literatur, das große Lust auf mehr Olga macht.

Es war zudem unglaublich passend, dass Agnieszka Hollands Verfilmung des Romans unter dem Titel „Spoor“ gerade dieser Tage in der Arte Mediathek zu sehen ist.

Buch und Film haben mich gleichermaßen begeistert und ich kann beide uneingeschränkt empfehlen. Oh und die Gedichte von William Blake möchte ich jetzt auch lesen.

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Der Gesang der Fledermäuse“ im Kampa Verlag.

Was habt ihr oder möchtet ihr von Olga Togarczuk lesen?

Meine Woche

dfad

Gesehen: „The Hole in the Ground“ (2019) von Lee Cronin mit Seána Kerslake. Irischer atmosphärischer Horror mit tollen Bildern um eine Mutter die ihren Sohn im Wald wiederfindet neben einem riesigen Loch und der nicht mehr der selbe zu sein scheint.

Marriage Story“ (2019) von Noah Baumbach mit Scarlett Johansson, Adam Driver und Laura Dern. Grandios gespielte Trennungsgeschichte, puh die ging mir an die Nieren.

Bikram“ (2019) Doku über den Guru und Gründer des Bikram-Yoga der jede Menge Frauen belästigte und teilweise vergewaltigte. War schockiert, dass der heute noch unbehelligt Kurse gibt.

Gehört: „The Hole in the Ground“ – Stephen McKeon, „Weile Waile“ – Lisa Hannigan, „Exit in Darkness“ – Mono & A. A. Williams, „It must have been love“ – Roxette, „Careful“ – Boy Harsher, „Heart & Feather“ – Twin Tribes, „Stone in Focus“ – Aphex Twin

Gelesen: Feminismuserfahrungen alter Frauen, Obdachlosigkeit gibt es in Finnland nicht mehr, diesen Artikel über Ursula LeGuin, Tokarczuk und Handke: Vielfalt und Einfalt, dieses Interview mit Guillermo del Toro und über den Octopus of outer space

Getan: viel Zug gefahren, die Weihnachtsparty in Dortmund besucht, mit Freunden zum Essen getroffen, die Orlando Ausstellung im Literaturhaus und die Winston Link Ausstellung in der Versicherungskammer Bayern angesehen

Geplant: ein Team Dinner und den Bookclub besuchen

Gegessen: Kohlrabi-Frikadellen

Getrunken: Dortmunder Bier

Gefreut: Frauen haben in Finnland die Macht übernommen und über das Weihnachtspackerl vom Beck Verlag

Geweint: Marie Fredriksson 😦

Geklickt: auf Hawking’s black hole paradox explained

Gestaunt: The Deep Sea

Geärgert: über die Wahl in UK

Gelacht: When you realize that St. Nicholas was a Klingon

Gewünscht: diesen Türklopfer, dieses Buch, dieses Outfit

Gefunden: ziemlich unglaubliche Dinge in Rollcontainern beim Office-Umzug

Gekauft: nix

Gedacht: Special congratulations to older voters who went Tory, fucking over the younger generations for decades and guaranteeing them a brexit they hate because you liked the man with the funny hair who isn’t afraid to say those racist things you enjoy. // James Felton

Meine Woche

018

Gesehen: „Solaris“ (1972) von Andrei Tarkovsky mit Donatas Banionis und Natalya Bondarchuk. Dieser Film ist ein Meisterwerk, der mit jedem mal sehen besser wird.

Mythos Suhrkamp“ Reportage von Sigfried Ressel. Die Republik – ihre Diskurse – ihr Verlag.

Leonardo da Vinci – die Welt malen“ Dokumentation von Sandra Paugam anläßlich des 500. Todestages des Universalgenies.

Gehört: „Solaris“ – Eduard Artemiev, „Weihnachtsoratorium“ – Johann Sebastian Bach

Gelesen: How my local library changed my life, Margarete Stokowskis Vorschläge zur Gleichberechtigung, Robert Macfarlane why we’re drawn into darkness, Das „Last Supper“ Gemälde einer Nonne aus der Renaissance macht sein Debut, The biggest lie tech people tell themselves and others, If you don’t want kids you don’t have to want a career instead, On the 19th century invention of the madwoman und diese Kurzgeschichte von Olga Tokarczuk

Getan: den Markt der unabhängigen Verlage besucht, die Erika Mann Ausstellung im wunderbaren Hildebrandhaus besucht und den Bookclub bewirtet

Geplant: Firmen-Umzug innerhalb des Gebäudes organisieren

Gegessen: veganes Sushi im Kansha und Lebkuchenmännchen

Getrunken: unter anderem diesen, diesen und diesen wunderbaren Wein auf der Mövenpick Weinverkostung 20/20

Gefreut: über diese vielversprechende Mukoviszidose Behandlung, über meinen großartigen Adventskalender, eine spannende Virginia Woolf Biografie aus Berlin und ein sehr großzügiges Wein-Geschenk

Geweint: nein

Geklickt: auf Sasha Baron Cohens inspirierende Rede, 73 questions with Olivia Cole, auf Neil Gaimans Gedanken zur Liebe, Hannah Gadsby on being diagnosed with autism und auf 15 commercials directed by David Lynch

Gestaunt: A timeline of 7 million years of human evolution, Are we living in a simulation? und über diese großartigen Fotos aus Wales

Geärgert: nein

Gelacht: über die großartige Tweetsammlung von Frau Kaltmamsell

Gewünscht: Baby Yoda, diese Lampe, dieses Outfit

Gefunden: nix

Gekauft: dieses Buch von Stefan Zweig aus dem Topalian & Milani

Gedacht: “Don’t limit your challenges, challenge your limits.” // Martonek Jr

Meine Woche

IMG_2524

Gesehen: „Columbus“ (2017) von Kogonada mit Haley Lu Richardson und John Cho. Wunderschöner intellektueller Film mit tollen Bildern, viel Architektur und perfektem Soundtrack. Unbedingt ansehen.

Ad Astra“ (2019) von James Gray mit Brad Pitt. Philosophischer Sci-Fi mit wunderschönen Bildern. Den sollte man auf jeden Fall auf der großen Leinwand sehen. Der Soundtrack ist ebenfalls großartig.

28 Days Later“ (2002) von Danny Boyle mit Cillian Murphy und Naomie Harris. Ein Killer-Virus der in England ausbricht und nahezu alle Menschen in zombieartige Killer verwandelt. Klingt nach Brexit-Wahn, ist aber ein wirklich guter Film.

Gehört: „Columbus Soundtrack“ – Hammock, Ad Astra Soundtrack,  „House of Cards“ – Radiohead, „Virðulegu Forsetar“ – Jóhann Jóhannsson, „Narcosis“ – Kokomo, „Trauma“ – Terpentine Valley, „Requiescene“ – Random Forst

Gelesen: über die frisch gebackene Literatur-Nobelpreisträgerin Olga TokarczukGoogle and their contributions to climate change deniers, the women who take the alt-right to court, to be a genius think like a 94 year old, Marina Abramovic on Yugonostalgia und a silent act of resistance: the hidden tattoo studios of Teheran

Getan: ein gutes Bootcamp durchgeführt, an der Isar entlang spaziert und einen schönen Abend beim Geburtstagsgeschenks-Dinner mit lieben Freundinnen verbracht

Geplant: Konzerte besuchen und Yoga machen

Gegessen: Kartoffel-Paneer-Salat und leckere Strozzapreti in der Goldmarie

Gefreut: über diese fröhlichen Damen auf dem Laufsteg und den Literaturnobelpreis für Olga Tokarczuk

Geweint: über den schrecklichen Anschlag in Halle

Gestaunt: A short film about two small spacecraft, an epic journey, taking risks and falling in love. Also Carl Sagan. By Penny Lane.

Gelacht: über Maren Kroymanns „Der Geburtstag“ und über diese ältere Dame und Trevor Noah die was zu Boris Johnson haben

Gewünscht: dieses Outfit, diese Decke, diesen Kalender und diesen Fitness-Guide

Gefunden: ein wunderschönes Foto in einem Buch

Gekauft: Bücher und eine Books-that-Matter-Box

Gedacht: Das Talent gleicht dem Schützen, der ein Ziel trifft, welches die übrigen nicht erreichen können; das Genie dem, der eins trifft, bis zu welchem sie nicht einmal zu sehen vermögen – Arthur Schopenhauer