Dezember Lektüre

Inspiriert von meiner momentanen Kulisse habe ich mich diesen Monat durch viele winterige und bergige Geschichten gelesen, inklusive eines echten Doorstoppers: Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili für meine Read Around the World Challenge (Georgien-Beitrag kommt asap).
Für den Bookclub gab’s Muriel Spark, und Weihnachten ist für mich einfach nicht Weihnachten ohne ein oder zwei Cosy Crimes.

Alles großartige Bücher, durch die Bank weg würde ich sagen 4 – 4,5 Sterne.

Vardø – Kiran Millwood Hargrave übersetzt von Carola Fischer erschienen im Diana (Penguin) Verlag

Kiran Millwood Hargraves „Vardø“ ist ein gut lesbarer interessanter Roman, Geschichten über Hexenverfolgungen nehmen mich emotional extrem mit habe ich gemerkt.

Die Geschichte beginnt im Winter 1617 im abgelegenen Vardø im Norden Norwegens, wo ein gewaltiger Sturm nahezu alle Männer der kleinen Fischergemeinde tötet. Zurück bleiben die Frauen, die sich dann gegen alle damaligen Regeln notgedrungen selbst versorgen lernen. Achtzehn Monate später haben sie sich eine fragile Unabhängigkeit erarbeitet, doch diese wird jäh zerstört, als Absalom Cornet aus Schottland eintrifft: ein fanatischer, gottesfürchtiger Mann, der die Frauen „auf den rechten Weg“ bringen soll – und in Wahrheit als Hexenjäger kommt.

Im Zentrum stehen Maren, die in Vardø aufgewachsen ist und Familie im Sturm verloren hat, und Ursa, Absaloms Frau, die aus dem vergleichsweise komfortablen Bergen stammt und in einer lieblosen Ehe gefangen ist. Ihre vorsichtige Annäherung ist einer der wenigen warmen Lichtblicke in diesem ansonsten sehr düsteren Roman.

Was mich besonders getroffen hat, ist die Erkenntnis, dass nicht einmal die letzte Ecke der Welt sicher war vor religiösem Fanatismus, Denunziation und Gewalt. Millwood Hargrave zeigt gnadenlos, wie schnell Gemeinschaften kippen können, wenn Angst, Macht und Ideologie zusammenkommen. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt: Sind das wirklich „andere Menschen“ gewesen? Oder hätten viele von ihnen in anderen Zeiten Sklaven gehalten, im Nationalsozialismus jüdische Menschen verraten, heute vielleicht wieder bereitwillig Ausgrenzung und Gewalt unterstützt? Der Gedanke, dass wahrscheinlich ein signifikanter Teil jeder Gesellschaft anfällig für autoritäre, faschistische Denkmuster ist, ist zutiefst deprimierend und beschäftigt mich nach der Lektüre noch immer.

Sprachlich gefiel mir Vardos Roman gut: roh, poetisch und oft brutal, passend zur lebensfeindlichen Landschaft und den entbehrungsreichen Lebensumständen. Die Kälte, der Hunger, die Angst – all das ist fast körperlich spürbar.

Dass der Roman auf realen Ereignissen basiert, dem Sturm von Vardø und den Hexenprozessen von 1621, macht das Gelesene noch schwerer zu ertragen. Man weiß im Grunde von Anfang an, worauf alles hinausläuft, und genau das macht es so quälend: Man möchte eingreifen, warnen, etwas verhindern – und kann es nicht.

So bleibt Vardø für mich ein atmosphärisch dichtes Buch, dass ich aber nicht wirklich an mich ran lassen wollte. Wer sich auf diese Thematik einlässt, bekommt eine erschütternde Geschichte – sollte aber wissen, dass sie einen emotional nicht unberührt lässt.

Das finstere Tal – Thomas Willmann erschienen im Liebeskind Verlag

Ein einsamer Reiter zieht in ein abgelegenes Tal, die Berge ragen bedrohlich auf, unausgesprochene Gewalt liegt in der Luft. Zack hat man ein Bild im Kopf. Das finstere Tal ist ohne Zweifel ein Roman, der denkt wie ein Film und sich auch genauso liest. Totale, Schnitt, Nahaufnahme: Thomas Willmann inszeniert sein literarisches Debüt mit der Präzision eines Regisseurs. Dass er sich im Filmhandwerk gut auskennt, merkt man auf jeder Seite.

Der sogenannte Alpenwestern ist klug gebaut, atmosphärisch dicht und handwerklich sehr souverän. Ein Fremder kommt in ein hochgelegenes Bergdorf, das von einer Bauernfamilie brutal kontrolliert wird. Lange passiert wenig, dann nimmt die Geschichte Fahrt auf und entwickelt einen ziemlichen Sog. Ab der zweiten Hälfte wird das Buch zu einem Pageturner an dem es spannungs-technisch wenig auszusetzen gibt.

Und doch bin ich mit diesem Roman nicht so recht warm geworden. Ich kann nicht einmal genau sagen warum. Die starke Cinematografie, das sehr bewusst eingesetzte Western-Vokabular und die klar gezogenen Rollen haben bei mir glaube ich eher Distanz als Nähe erzeugt. Ich habe bewundert, was hier gemacht wird, mich aber emotional selten wirklich hineingezogen gefühlt.

Sie hatten Waffen. Sie haben sich verteidgt. Viel geholfen hat es ihnen nicht.“ ….
„Sie wollen nicht, dass er vorbereitet ist, im Fall des Zweifels?“ bohrte er nach.
Die Frau überlegte eine Weile. Diesmal rang sie um eine ernst gemeinte Antwort. „Es ist nicht das Vorbereiten. Es ist das Suchen danach, wo man das Vorbereitete anbringen könnte.

Die Sprache ist historisch gefärbt, teilweise sperrig, aber expressiv und konsequent durchgezogen. Das funktioniert gut und trägt viel zur Stimmung bei. Auch die zahlreichen filmischen und literarischen Referenzen von Sergio Leone bis Cormac McCarthy, sind reizvoll manchmal fast ein bisschen zu viel.

Unterm Strich ist Das finstere Tal ein sehr gelungenes Debüt, ein Roman, der völlig zu Recht fast durchweg gute Kritiken bekommt. Für Fans von Western, Heimatroman mit dunkler Kante ist das sicher ein Volltreffer. Für mich persönlich blieb es eher eine beeindruckende Übung in Stil und Atmosphäre als eine Geschichte, die mich wirklich gepackt hat.

Das Buch wurde 2014 auch unter dem gleichen Titel von Andreas Prochaska verfilmt.

Das Schneemädchen – Eowyn Ivey erschienen im Kindler (Rowohlt) Verlag übersetzt von Claudia Arlinghaus

Eowyn Iveys Debütroman „Das Schneemädchen“ führt ins Alaska der 1920er Jahre, eine Landschaft von großer Schönheit und Härte, die für mich definitiv eine der Hauptfigur ist. Im Zentrum stehen Mabel und Jack, ein Ehepaar in den Fünfzigern, das nach einer Totgeburt und vielen Jahren unerfüllten Kinderwunsches insgesamt noch einmal neu beginnen möchte. Der Umzug in die Abgeschiedenheit Alaskas soll ein einfaches, selbstbestimmtes Leben ermöglichen, fern von schmerzhaften Erinnerungen und sozialen Erwartungen. Doch der Alltag als Siedler*innen ist entbehrungsreich: körperliche Erschöpfung, Isolation und unverarbeitete Trauer lasten schwer auf beiden, besonders auf Mabel.

Ein seltener spielerischer Moment im frischen Schnee bringt Bewegung in ihr erstarrtes Leben. Als das gemeinsam gebaute Schneemädchen am nächsten Morgen verschwunden ist und Spuren in den Wald führen, beginnt sich ihr Leben mit einer gewissen Magie zu füllen. Mit Faina tritt ein Mädchen in ihr Leben, dessen Herkunft bewusst unklar bleibt. Ob sie ein wildlebendes Kind oder eine märchenhafte Erscheinung ist, lässt der Roman offen. Gerade dieses Schweben zwischen Realität und Möglichkeit macht für michden Reiz der Geschichte aus.

Lose inspiriert vom russischen Märchen der Schneejungfrau, bleibt Ivey stets nah an einer realistischen Erzählweise. Der magisch-realistische Aspekt bleibt zurückhaltend. Stattdessen stehen der Alltag der Siedler*innen, ihre Arbeit und die langsame Entstehung von Gemeinschaft im Vordergrund. Mich hat das teilweise sehr an Laura Ingalls „Unsere kleine Farm“ erinnert, eine Buchreihe die ich wahnsinnig gern gelesen habe.

Iveys Sprache ist ruhig, atmosphärisch und sehr sicher für ein Debüt. Die Beziehung zwischen Mabel und Jack wird feinfühlig und ohne Sentimentalität erzählt, und die Natur Alaskas wirkt als emotionaler Resonanzraum der Handlung. Das Schneemädchen ist ein stiller, poetischer Roman mit zeitloser Anmutung. Eine klare Leseempfehlung für winterliche Tage, für Schneeferien in der Berghütte oder als stimmungsvolle Lektüre in der Weihnachtszeit. Ein starkes Debüt und ich wünsche uns allen eine Freundin wie Esther 🙂

Eine klare Leseempfehlung für winterliche Tage – ideal für Schneeferien in der Berghütte oder als stimmungsvolle Lektüre unterm Weihnachtsbaum.

Das achte Leben (Für Brilka) – Nino Haratischwili erschienen im Ullstein Verlag

Für mein Read around the world Projekt war Das achte Leben für Brilka mein literarischer Abstecher nach Georgien und ich hätte mir kein passenderes Buch wünschen können. Dieser Roman ist ein echter Koloss und ich hatte anfangs Respekt vor seinem Umfang, aber sobald ich im Leben dieser Familie angekommen war verlor sich das schnell. Haratischwili erzählt eine Geschichte über ein ganzes Jahrhundert georgischer und sowjetischer Vergangenheit und zeigt dabei wie Politik und Ideologie ganz unmittelbar in das Leben einzelner Menschen eingreifen.

Besonders beeindruckt hat mich wie sie das Große und das Kleine verbindet. Revolutionen, Diktatur und Unabhängigkeitskämpfe laufen hier nicht abstrakt im Hintergrund ab sondern zeigen ihre Spuren in Alltag, Beziehungen und Selbstbildern. Die Familie mit ihrer geheimnisumwobenen Schokoladenrezeptur wird im Laufe der Jahrzehnte in alle Schichten der Gesellschaft gespült und die Figuren tragen ihre Hoffnungen und Verletzungen sichtbar mit sich herum. Ich mochte sehr wie sich einzelne Charaktere über viele Jahre entwickeln und wie vertraut sie einem beim Lesen werden.

Im Kreml wusste man, dass man mit Gesetzen und Zwängen allein die neuen Bürger nicht schlagartig zu musterhaften Sowjetbürgern machen konnte, und doch musste man die Jahre der „Umerziehung“ in den neuen Gebieten im Schnelldurchlauf durchführen. Ethnische Konflikte sollten auch in diesen Gebieten zugespitzt werden – schließlich hatte sich dieses Rezept in so vielen anderen Regionen bewährt.

Ich mochte auch wie der Roman über die alten Ost West Narrative nachdenkt. Gerade die Figuren die Georgien verlassen und im Westen Fuß fassen müssen erleben eine Art doppelte Entfremdung. Sie sehnen sich nach Heimat und merken gleichzeitig wie sehr sie von außen auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Ich mochte diese Perspektive weil sie differenziert und menschlich erzählt ist und weil sie einen Blick auf den postsowjetischen Raum ermöglicht der jenseits der üblichen Klischees bleibt.

Dass Haratischwili viele weibliche Stimmen in den Mittelpunkt stellt gefällt mir besonders. Sie zeigt wie wenig dokumentiert die Erfahrungen dieser Frauen in der offiziellen Geschichtsschreibung sind und wie viel Kraft nötig ist um trotz Gewalt, Verlust und politischer Willkür weiterzugehen. Niza die Erzählerin schreibt ihre Familiengeschichte für ihre Nichte auf und schafft damit einen ganz besonderes Erinnerungsraum.

Bin immer noch ein bißchen in Georgien und würde das Land sehr gerne mal besuchen. In den nächsten Tagen poste ich hier meinen Read around the world „Georgien“ Beitrag dazu.

A far cry from Kensington – Muriel Spark auf deutsch unter dem Titel „Weit weg von Kensington“ im Diogenes Verlag erschienen, übersetzt von Otto Bayer

Muriel Sparks „A far cry from Kensington“ ist eine feinsinnige, zugleich bissige literarische Satire auf die Londoner Verlagswelt der 1950er Jahre, die Mrs Hawkins mit sichtbarem Vergnügen seziert. Lektoren, Verleger, Möchtegern-Autoren und literarische Hochstapler bevölkern diesen Kosmos auf der einen Seite, die eher ärmeren Bewohner aber mindestens genauso schlagfertigen Bewohner ihres Boarding Houses auf der anderen Seite.

Im Zentrum steht Mrs Hawkins: klug, unabhängig, moralisch standfest und mit einem bemerkenswerten Talent für gute Ratschläge. Viele von uns nahmen sie auf den ersten Seiten als deutlich älter wahr, als sie tatsächlich ist. In ihrer ruhigen Art und ihrem klaren Blick auf menschliche Schwächen erinnerte sie mich stellenweise an Olive Kitteridge.

In the end I concluded it was better to belong to the ordinary class. For the upper class could not live, would disintegrate, without the ordinary class, while the latter can get on very well on its own.

Unübersehbar finde ich, ist die Nähe zwischen Figur und Autorin. Spark kannte das literarische Milieu aus eigener Erfahrung, und die Frage, ob A Far Cry from Kensington als (teilweiser) Schlüsselroman zu lesen ist, liegt nahe. Dass es womöglich reale Vorbilder für den berüchtigten pisseur de copie gab, ist nie eindeutig bestätigt worden doch gerade diese Schwebe zwischen Fiktion und persönlicher Abrechnung verleiht dem Roman seine besondere Schärfe und wunderbaren Witz.

Muriel Spark zählt zu den großen Stimmen der britischen Nachkriegsliteratur. Ihr Stil ist präzise, ironisch und von einer fast unbestechlichen moralischen Klarheit geprägt. Privat galt sie als ziemlich eigenwillig und kompromisslos. Über drei Jahrzehnte lebte sie mit der Künstlerin Penelope Jardine zusammen, der sie ihr gesamtes Vermögen sowie die Rechte an ihren Büchern vermachte. Das Verhältnis zu ihrem Sohn Robin Spark hingegen war zerrüttet.

„I began to remind myself that I was Mrs Hawkins and didn’t need a dinner at the Savoy, while Hugh Lederer proceeded with his protest to the effect that in a privileged job like publishing one didn’t care about the pay.“

Aktuell gibt es gerade zwei neu erschienene Biografien zu Muriel Spark auf die ich sehr neugierig bin und ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

Habt ihr neben „The Prime of Miss Jean Brodie“ noch Empfehlungen?

Berghütte – Fanny Desarzens erschienen im Atlantik Verlag, übersetzt von Claudia Steinitz

Manchmal liest man ein Buch genau im richtigen Moment. Ich habe „Berghütte“ auf der Rückfahrt aus den Bergen gelesen, unterwegs zum Weihnachtsfest nach Hause. Als ich die letzte Seite umblätterte, rollte der Zug in den Münchner Hauptbahnhof ein. Dieser Übergang von der Höhe zurück ins Tal, von der Stille in den Alltag hätte kaum besser zu diesem kleinen Roman passen können.

Fanny Desarzens erzählt von drei Männern, die ihr Leben den Bergen verschrieben haben. Zwei von ihnen führen Wandergruppen, der dritte lebt und arbeitet in einer Hütte hoch oben. Dort treffen sie sich immer wieder, teilen Brot, Wein, Feuer und Geschichten. Die Berge sind für sie mehr als Landschaft: Sie sind ein Zustand, ein Versprechen von Freiheit und Einfachheit, ein Ort, an dem alles Wesentliche greifbar scheint.

Doch diese scheinbare Selbstverständ-lichkeit beginnt zu bröckeln. Nach überstandenem Drama, dann aber beinahe unmerklich, verändert sich einer der Freunde. Desarzens wählt für diese Entwicklung einen leisen Ton, der umso eindringlicher wirkt. Sie interessiert sich weniger für das Ereignis selbst als für das Davor und Danach: für das Schweigen, das Aushalten, das Unvermögen, über Angst und Verlust zu sprechen.

Besonders gelungen fand ich die Art, wie Desarzens Nähe und Distanz zugleich beschreibt. Die Freundschaft der drei Männer ist tief, getragen von gemeinsamen Ritualen und einer stillen Loyalität und doch bleibt vieles unausgesprochen. Gerade darin liegt die Melancholie dieses Textes.

Mit einer poetischen, klaren Sprache und präzisen Bildern entfaltet Berghütte auf wenigen Seiten eine große emotionale Wirkung. Die Landschaftsbeschreibungen sind eindrucksvoll und spiegeln teilweise das Innenleben der Freunde. Beim Lesen stellte sich eine stille Sehnsucht ein: nach Höhe und Weite, nach Bergwanderungen und frisch gebackenem Brot.

Ein sehr schönes Debüt, das ich wirklich gerne gelesen habe und das 2023 sehr verdient den Schweizer Literaturpreis gewonnen hat.

Er nimmt den Pickel in die rechte Hand. Einen Moment sagt er sich, dass er auch gern einen Abdruck hinterlassen will. Er würde gern mit dem Metall in den Felsen kratzen, Linien zeichnen, Buchstaben bilden. Er würde gern seinen Namen schreiben. Doch er hängt den Pickel wieder an seinen Gürtel. Die Sonne steht hoch, sie strahlt auf den Uvarose und färbt ihn rosa. Bei diesem Licht wäre es unmöglich, Galel dort zu sehen. Man würde höchstens etwas wahrnehmen, das sich bewegt. Dann kommt eine enge Schlucht wie eine Ader.

The Adventure of the Christmas Pudding – Agatha Christie auf deutsch unter dem Titel „Das Geheimnis des Weihnachtspuddings“ im Hoffmann & Campe Verlag erschienen

Das Geheimnis von Dower House – Nicholas Blake übersetzt von Jobst-Christian Rojahn erschienen im Klett-Cotta Verlag


Weihnachten ohne Christie? Unvorstellbar. Diese Sammlung kurzer Poirot-Geschichten ist cosy Crime in Reinform: englische Herrenhäuser, familiäre Spannungen, kleine Gemeinheiten, ab und an mal ein Mord – und natürlich Hercule Poirot mit seinen „little grey cells“. Die titelgebende Geschichte spielt zur Weihnachtszeit und wurde ursprünglich für wohltätige Zwecke geschrieben. Nach Jahren der Abstinenz möchte ich jetzt sehr unbedingt mal wieder einen klassischen englischen Christmas Pudding essen.

Das Geheimnis von Dower House ist ein klassischer englischer Whodunit mit Landhaus-Setting, verschrobenen Figuren und einer Prise Understatement. Nicholas Blake ist übrigens das Pseudonym des Lyrikers Cecil Day-Lewis, der später britischer Poet Laureate wurde – ein schönes Beispiel dafür, wie sich literarischer Anspruch und Crime perfekt verbinden lassen. Elegant, clever und herrlich oldschool.

Habe beide glücklich unterm Weihnachtsbaum gelesen.

Wie war euer Lese-Dezember? Welche Bücher haben euch am meisten begeistert und kennt ihr von meinen vorgestellten Büchern welche?

Oktober by the Book

Kein reiner Horroctober wie sonst, sondern eine Mischung aus etwas SciFi, Gothic Horror und eine Prise Manga, die aber durchaus auch ein paar schaurige Momente hatte. Das war ein sehr schöner Lesemonat – ich liebe den Oktober und er könnte für mich gerne immer doppelt so lange sein. Insbesondere durch unsere Landwoche die wir abends fast ausschließlich lesend im Bücherzimmer verbrachten kam diesen Monat einiges zusammen, die fürs „Gruppenfoto“ dann leider teilweise fehlten, weil ich sie dort vergessen hatte.

Aber jetzt reins ins Vergnügen, diesen Monat gehört oder gelesen in alphabetischer Reihenfolge:

Sunyi Dean – The Book Eaters erschienen im Harper Voyager Verlag (bislang nicht übersetzt):

Hätte ich die wunderbaren Kafka-Bände unserer Gastgeberin gegessen, ich wäre wohl selber mit Haut und Haar verschlungen worden. Also ganz gut, wenn man keine Bookeaters in seiner Wohnung hat:
In den Mooren von Yorkshire lebt eine geheime Gruppe von Menschen, für die Bücher Nahrung sind und die den gesamten Inhalt eines Buches behalten, nachdem sie es gegessen haben. Für sie sind Spionageromane ein gepfefferter Snack, Liebesromane sind süß und lecker. Der Verzehr einer Landkarte kann ihnen helfen, sich an Reiseziele zu erinnern, und Kinder, die sich daneben benehmen, werden gezwungen, trockene, muffige Seiten aus Wörterbüchern zu essen.

Am Rande Englands gibt es einen Geheimbund, eine Reihe übernatürlicher Wesen, die als Bücherfresser bekannt sind und Bücher wie Nahrung verzehren, wobei sie ihren gesamten Inhalt und ihr Wissen behalten. Bedroht durch ihre immer kleiner werdende Zahl, werden die Frauen der Bücherfresser zu einem Leben mit Eheverträgen und Kinderkriegen erzogen. Trotzdem ist Devon Fairweather, die einzige Tochter eines alten Clans, neugierig aufgewachsen, doch mit der Geburt und dem anschließenden Anfall ihrer erstgeborenen Tochter erkennt Devon die Wahrheit über ihre Lage. Als ihr zweiter Sohn als Gedankenfresser geboren wird, eine dunklere Untergruppe der Bücherfresser mit einem Hunger nach menschlichem Verstand, schwört Devon, nicht denselben Fehler zu machen, und flieht mit ihm. Doch die Freiheit ist nicht alles, und als Devon und ihr Sohn Cai versuchen, unter Menschen zu leben, ist sie gezwungen, schreckliche Dinge zu tun, damit sie überleben können. Gegen ihren Willen wird Devon immer tiefer in die inneren Abläufe ihrer Art hineingezogen, bis ihre Freiheit zu einem unsagbaren Opfer wird.

“´We can only live by the light we’re given, and some of us are given no light at all. What else can we do except learn to see in the dark?

„The Book Eaters“ ist ein außergewöhnlicher Dark-Fantasy-Roman, sehr viel düsterer als ich es erwartet hätte und mit einem spannenden Worldbuilding. Mir hat er so viel besser gefallen, als ich es erwartet hatte. Sunyi Dean entwirft eine zeitgenössische Gothic-Horror-Geschichte, in deren Mittelpunkt die Macht von Geschichten und das Ausbrechen aus restriktiver Erziehung und Umfeld stehen. Ein sehr passender Titel für ein Buch, das ich an nur zwei Abenden verschlungen habe.

Ruth Franklin – Shirley Jackson A Rather Haunted Life erschienen im Liveright Verlag (bislang nicht auf deutsch erschienen)


„Shirley Jackson: A Rather Haunted Life“ von Ruth Franklin ist eine fesselnde Biografie über das Leben und die Arbeit der berühmten amerikanischen Schriftstellerin Shirley Jackson. Das Buch folgt Jacksons Leben von ihrer Kindheit bis zu ihrem tragischen Tod nach und bietet einen tiefen Einblick in ihre komplexen Persönlichkeit und wie sie zu der Autorin wurde, die heute eine riesiger Kult-Anhängerschaft vorzuweisen hat.

Franklin bringt dem Leser nicht nur die faszinierende Welt von Shirley Jackson näher, sondern auch die gesellschaftlichen und kulturellen Einflüsse, die ihr Werk geprägt haben. Die Biografie zeigt, wie Jackson von klein auf mit Themen wie Isolation, sozialer Konformität und den dunklen Seiten des menschlichen Geistes geprägt wurde.

Die Autorin präsentiert Jackson als eine Frau, die gegen viele gesellschaftliche Erwartungen ankämpfte, um ihren Platz in der Welt der Literatur zu finden. Sie betont Jacksons Rolle als eine Pionierin des psychologischen Horrors und zeigt, wie ihre Geschichten eine bleibende Wirkung auf die Literaturwelt hatten.

If one is bewildered and unhappy, why not show it, and why will not people explain and comfort? But instead—this pretense at calm satisfaction, where underneath there is all the seething restless desire to be off, away from all this anger at self and others, to where there are other conventions, other thoughts, other passions

Insgesamt ist „Shirley Jackson: A Rather Haunted Life“ eine Biografie, die nicht nur das Leben einer außergewöhnlichen Schriftstellerin beleuchtet, sondern auch einen Einblick in die Entstehung des modernen Horror-Genres gibt. Franklin’s Buch ist sowohl für Fans von Shirley Jackson als auch für Literaturliebhaber, die sich für das Leben und die Arbeit von Schriftstellern interessieren, sehr empfehlenswert.

Tatsuki Fujimoto – Goodbye Eri erschienen im VIZ Media Verlag (bislang nicht auf deutsch erschienen)


Dieser Manga ist ein Geschenk der lieben Miss Booleana, die unermüdlich und um es gleich vorweg zu nehmen dieses Mal sehr erfolgreich versucht mir Mangas näher zu bringen. Mit dem Prinzip des „von rechts nach links lesen“ hab ich nach wie vor meine Schwierigkeiten, aber etwa bei der Hälfte hatte ich mich dann wirklich eingegroovt und keine Schwierigkeiten mehr. Die Geschichte fand ich richtig klasse:

Der junge Filmemacher Yuta denkt nach dem Tod seiner Mutter über Selbstmord nach, doch eine zufällige Begegnung mit einem mysteriösen Mädchen verändert sein Leben auf explosive Weise.

Fujimoto Tatsuki ist ein bekannter Manga-Autor und Zeichner aus Japan. Er ist besonders bekannt für seine Arbeit an „Chainsaw Man,“ einer äußerst beliebten Manga-Serie, die in der Weekly Shonen Jump-Zeitschrift des Verlags Shueisha veröffentlicht wurde. „Chainsaw Man“ erregte internationale Aufmerksamkeit und erlangte einen großen Fankreis aufgrund seiner ungewöhnlichen Handlung und des unkonventionellen Stils von Fujimoto Tatsuki.

Yuta, you have the power to decide for yourself how you’ll remember someone. That’s an incredible thing.
I think maybe Eri wants you to choose how she’ll be remembered”

Der Manga-Autor ist auch für seine unkonventionellen und manchmal düsteren Geschichten bekannt, die Genrekonventionen oft brechen und eine Mischung aus Horror, Action und schwarzer Komödie bieten.

Yutas Karriere als Filmemacher begann mit der Bitte seiner Mutter, ihre letzten Momente zu filmen. Nach ihrem Tod lernt Yuta ein mysteriöses Mädchen namens Eri kennen, das sein Leben in eine neue Richtung lenkt. Die beiden beginnen, gemeinsam einen Film zu drehen, doch Eri birgt ein brisantes Geheimnis.

Ich habe im Übrigen eine Freundin die ich immer Eri nenne und an die ich während der Lektüre ständig denken musste 😉 Auf jeden Fall habe ich Lust auf Chainsaw Man bekommen – habe definitiv Blut geleckt.

Cyril Liéron / Benoît Dahan – Im Kopf von Sherlock Holmes erschienen im Splitter Verlag, übersetzt von Harald Sachse


„Im Kopf von Sherlock Holmes“ ist eine faszinierende Graphic Novel, die die Welt des legendären Detektivs Sherlock Holmes in ein modernes und visuell beeindruckendes Format überträgt. Geschrieben von Cyril Lieron und illustriert von Benoît Dahan, bietet die Graphic Novel eine neue Perspektive auf die berühmten Abenteuer von Holmes und Watson.

Die Zeichnungen sind detailliert und einfallsreich, und sie fangen die viktorianische Atmosphäre perfekt ein. Die Geschichte selbst ist clever und gut durchdacht, und die Charaktere sind gut entwickelt. Es ist eine erfrischende Neuinterpretation von Sherlock Holmes, die sowohl Fans des ursprünglichen Materials als auch neue Leser ansprechen wird.


„In Kopf von Sherlock Holmes“ bietet eine visuell beeindruckende und kreative Herangehensweise an die Welt von Sherlock Holmes und ist eine Graphic Novel, die sowohl Fans des berühmten Detektivs als auch Graphic Novel-Liebhaber gleichermaßen genießen werden. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk im Übrigen 😉

Ottessa Moshfegh – Lapvona erschienen im Hanser Verlag, übersetzt von Anke Caroline Burger


Es riecht nach Kot und Verwesung, nach Blut, Vieh und Schlamm – das ist Lapvona, der gottverlassenste Ort der Romanwelt. Hier ist niemand vom Glück begünstigt, am wenigsten Marek, der missgestaltete Sohn des Schafhirten. Doch sein Elend birgt auch eine große Kraft: baldige Nähe zu Gott durch Entsagung und Erniedrigung. Als er von Villiam, dem irren Landvogt, aufs Schloss berufen und als neuer Fürstensohn eingeführt wird, glaubt Marek sich zu Höherem erkoren. Denn noch ahnt er nicht, wie grausam nicht nur die Not, sondern auch die Sättigung den Menschen macht. In ihrem neuesten Meisterwerk entwirft Ottessa Moshfegh ein höllisches Panoptikum menschlicher Monstrosität und trifft in der grotesken Darstellung von Ungleichheit, Korruption und Tyrannei den Nerv unserer Zeit erschreckend genau.

When she asked the birds what to do, they answered that they didn’t know anything about love, that love was a distinctly human defect which God had created to counterbalance the power of human greed.

Bin ein großer Fan von Ottessa Moshfegh, aber mit diesem Roman hatte auch ich so meine Schwierigkeiten. Bin mit keiner der Figuren warm geworden, hab mich nicht wirklich für ihr Schicksal interessiert und war insgesamt einfach froh als ich damit durch war. Nicht schlecht, aber einfach nicht meins.

Laura Purcell – Bone China auf deutsch erschienen unter dem Titel „Das Porzellanhaus“ im Festa Verlag, übersetzt von Eva Brunner


„Bone China“ von Laura Purcell ist ein packender Gothic-Roman, der die Leser auf eine düstere und geheimnisvolle Reise ins viktorianische Cornwall mitnimmt. Die Geschichte folgt Hester Why, einer jungen Frau, die als Krankenschwester für den geheimnisvollen Haushalt des Meereskapitäns Celia Hardcastle angestellt wird. Das Anwesen, das von einer schrecklichen Tragödie gezeichnet ist, birgt dunkle Geheimnisse und unheimliche Geschehnisse.

Die Schwindsucht raubte Dr. Pinecroft mehrere Kinder und die Frau. Nur seine Tochter Louise ist ihm geblieben. Erfüllt von Trauer zieht er mit ihr in ein weitläufiges Anwesen am Meer, das einsam über den Klippen von Cornwall steht.

Aber Dr. Pinecroft hat Pläne: Überzeugt, dass eine Heilung möglich ist, lässt der Arzt einige an Schwindsucht leidende Gefangene in die Höhlen unter Morvoren House bringen. Was dort geschieht hat Folgen, die über die Jahrzehnte hinweg nachhallen.
40 Jahre später trifft Hester Why ein, um die inzwischen teilweise gelähmte und stumme Miss Louise zu pflegen. Doch in ihrem neuen Zuhause lauert das Unheil …

Anger has ever been a failing of mine. When it surges, it sings in my veins like a dram of gin. Any action seems possible, reasonable. It is only afterwards, when the fire fades, that I see the dark soot-stain of what I have done.”

Laura Purcell hat mit ihren Romanen eine ganz eigene Art von düsterer, geradezu beängstigender Lektüre geschaffen, die den Leser in einen Hauch von Horror und Unheimlichkeit hüllt. Ist Übernatürliches am Werk oder Wahnsinn? Die Charaktere sind tiefgründig und vielschichtig, und die Autorin spielt geschickt mit der Spannung und den Erwartungen der Leser. Dabei gelingt es ihr, die düstere Geschichte geschickt in die viktorianische Zeit und die geheimnisvolle Welt der Bone China zu integrieren.

„Bone China“ ist ein fesselnder Gothic-Roman, der Fans des Genres mit seiner düsteren Atmosphäre und den unheimlichen Elementen sicherlich begeistern wird. Laura Purcell beweist erneut ihr Talent für das Erschaffen von fesselnden und gruseligen Geschichten.

Gaudy Night – Dorothy L. Sayers auf deutsch erschienen unter dem Titel „Aufruhr in Oxford“ im Rowohlt Verlag, übersetzt von Otto Bayer


Gaudy Night ist ein 1935 in Großbritannien erschienener Kriminalroman von Dorothy L. Sayers. Die Autorin bricht mit etlichen Konventionen des Genres und erzählt hier nicht die Geschichte eines Mordes, sondern die Aufdeckung einer Serie gemeiner Streiche, die den Lehrkörper und die Studentinnen einer frühen britischen Frauenuniversität an den Rand der Verzweiflung treibt.

Aufruhr in Oxford ist der zehnte von insgesamt elf Romanen, in denen Sayers den Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey auftreten lässt, und der dritte von fünf, in denen Harriet Vane erscheint, die Kriminalschriftstellerin, in die Wimsey – zunächst unglücklich – verliebt ist. Die Geschichte wird aus Vanes Perspektive erzählt. Die Romane bilden als Serie nicht nur eine Gesamthandlung, sondern zeigen auch, wie die beiden Hauptfiguren durch ihre Erfahrungen kontinuierlich an Tiefe und Komplexität gewinnen. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Crown hat darum empfohlen, die Wimsey-Romane streng in der Reihenfolge zu lesen.

Wherever you find a great man, you will find a great mother or a great wife standing behind him — or so they used to say. It would be interesting to know how many great women have had great fathers and husbands behind them.

Dorothy Sayers‘ „Aufruhr in Oxford“ ist ein intelligenter und gut geschriebener Kriminalroman, der die Leser in die Welt der Universität und in die Gedankenwelt von Lord Peter Wimsey entführt. Die Geschichte ist gespickt mit literarischen und kulturellen Referenzen und bietet ein fesselndes Rätsel, das bis zum Schluss spannend bleibt. Die Charaktere sind sorgfältig ausgearbeitet, und die Autorin verwebt geschickt soziale, akademische und kriminelle Elemente, um eine faszinierende Handlung zu kreieren.

Der Roman gilt als einer der bedeutendsten des „Goldenen Zeitalters“ der britischen Kriminalliteratur. Er war unser Oktober Lektüre im Bookclub und wir hatten einen spannenden Diskussionsabend. Man findet zahlreiche Parallelen zwischen Sayers und ihrer Protagonistin Harriet Vane. Der Roman ist wirklich gut, allerdings würde ich ihn nicht als „Einstiegsdroge“ für Dorothy Sayers empfehlen, da er ein wirklich sehr untypischer Kriminalroman ist. Sehr positiv überrascht war ich über die sehr progressiven feministischen Ansichten im Roman, die ganz klar zu Tage treten in dem der Roman ganz zentral der Frage nachgeht, ob Frauen ein Leben haben können, das sie sowohl intellektuell als auch emotional erfüllt oder ob es immer ein Entweder/Oder sein muss.

Children of Time – Adrian Tchaikovsky auf deutsch unter dem Titel „Kinder der Zeit“ erschienen im Heyne Verlag, übersetzt von Birgit Herden


„Kinder der Zeit“ von Adrian Tchaikovsky ist ein fesselnder Science-Fiction-Roman, der sich durch seine einzigartige und originelle Prämisse auszeichnet. Die Geschichte handelt von der Menschheit, die verzweifelt nach neuen Lebensräumen im Weltraum sucht. Dabei stoßen sie auf einen ungewöhnlichen Planeten, auf dem eine eigenartige Form von intelligentem Leben existiert, die sich von allem unterscheidet, was die Menschen je zuvor getroffen haben.

Der Roman erkundet auf faszinierende Weise die Interaktion zwischen Menschen und dieser alienartigen Lebensform, die sich in Form von riesigen, intelligenten Spinnen manifestiert. Tchaikovsky gelingt es, den Leser total in die Welt der Spinnen hinein zu ziehen und sich teilweise sogar mit ihnen zu identifizieren.

That is the problem with ignorance. You can never truly know the extent of what you are ignorant about.

Die Geschichte ist tiefgründig und erforscht Themen wie Evolution, Kommunikation, Koexistenz und die Konsequenzen unserer Handlungen für die Umwelt. „Kinder der Zeit“ ist nicht nur ein spannender Science-Fiction-Roman, sondern auch eine Reflexion über die Menschheit und ihre Beziehung zur Natur.

Ein abgefahrener Roman, der sowohl fesselnd als auch nachdenklich stimmt. Kann man auch gut lesen, wenn man Spinnen nicht umbedingt mag.

All Systems Red – Martha Wells auf deutsch unter dem Titel „Tagebuch eines Killerbots“ im Heyne Verlag erschienen, übersetzt von Frank Böhmert


Nach Tchaikovskys „Kinder der Zeit“ hatte ich noch nicht recht Lust das All zu verlassen und habe mir kurzerhand Wells‘ Novelle als Hörbuch runtergeladen.

„All Systems Red“ ist der erste Band der „Murderbot Diaries“ von Martha Wells und bietet eine fesselnde Mischung aus Science Fiction und Charakterstudie. Die Geschichte dreht sich um einen Androiden, der sich selbst „Murderbot“ nennt und sich gegen seine Programmierung zur Wehr setzt. Er entwickelt unerwartet menschliche Emotionen und einen ausgeprägten Sinn für Autonomie.

I could have become a mass murderer after I hacked my governor module, but then I realized I could access the combined feed of entertainment channels carried on the company satellites. It had been well over 35,000 hours or so since then, with still not much murdering, but probably, I don’t know, a little under 35,000 hours of movies, serials, books, plays, and music consumed. As a heartless killing machine, I was a terrible failure.

Der Roman zeichnet sich durch eine humorvolle, zynische Erzählstimme aus, die dem Murderbot eine einzigartige Persönlichkeit verleiht. Die Handlung konzentriert sich auf die Bemühungen des Murderbots, seine Vergangenheit aufzudecken und gleichzeitig seine eigenen Fähigkeiten und die Welt um sich herum zu erforschen. Dabei trifft er auf ein Team von Forschern, die in gefährliche Situationen geraten, und beschließt, ihnen zu helfen.

„All Systems Red“ ist ein kompaktes Buch, das eine fesselnde Geschichte erzählt und gleichzeitig Fragen zur Menschlichkeit und zur Definition von Freiheit aufwirft. Die Charakterentwicklung des Murderbots ist beeindruckend, und die Erzählung bietet genügend Action und Spannung, um den Leser von Anfang bis Ende zu fesseln. Es ist eine großartige Einführung in die „Murderbot Diaries“ und ein Muss für Fans von intelligenter Science Fiction.

Das war der Oktober für euch. Bin gespannt, ob diesen Monat irgendwas dabei war, auf dass ich euch neugierig machen konnte oder das ihr bereits kennt? Freue mich sehr auf Feedback!