Meine Woche

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Gesehen: „Odysseus und die Sterne“ (1976) von Ludvik Raza. Tschechischer Kinder Sci-Fi Film den ich als Kind mal gesehen habe und irgendwie nie vergessen habe. Immer noch großartig 🙂

The Master“ (2012) Paul Thomas Anderson mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman. Ein brillianter, beunruhigender seltsamer Film um einen charismatischen Sektenführer in den 1950ern (Ron Hubbard?) der mir sehr gefallen hat.

The Bookshop“ (2017) von Isabel Coixet mit Emily Mortimer und Bill Nighy. Für anglophile Bücherfreunde der perfekte Film, schöne Bilder, viele Bücher noch mehr Tee. Macht Spaß ist aber recht brav.

Alien: Resurrection“ (1997) von Jean-Pierre Jeunet. Nee auch nach 20 Jahren ist der nicht wirklich besser, aber ich hab so nach und nach alle noch mal geschaut. Wenigstens ist Sigourney Weaver wie immer großartig.

Gehört: „Messiah“ – Georg Friedrich Händel, „This is America“ – Childish Gambino, „Crystal Japan“ – David Bowie, „It must have been the Coffee“ – Kaada, „Toy“ – Netta

Gelesen: über Bayerns neues Polizeigesetz, über die Verschlankung und Perfektionierung von Kinderbuchfiguren, über den bislang unveröffentlichten Roman „Barracoon“ von Zora Neale Hurston, What to do when Google gets into the Military, How women’s writing is surpressed und dieses Interview mit dem Physiker Carlo Rovelli

Getan: einen spannenden Workshop erfolgreich durchgeführt, ein interessantes Netzwerk-Treffen gehabt, im Kino gewesen und am Konzept für das neue Workshop-Modul und ein Org-Modell gearbeitet

Geplant: Rachel unter die Haube bringen in London 😉

Gegessen: Orientalischen Blumenkohlsalat

Getrunken: English Breakfast Tea

Gelacht: über Michelle Wolfs beim White House Correspondence Dinner

Geärgert: noch immer über den saublöden Söder und dem Rest dieser seltsamen Partei

Gefreut: über die rege Teilnahme an der #noPAG Demo

Geklickt: auf die beliebtesten Bibliotheken der Welt

Gewünscht: diese Buchstütze, dieses Regal, dieses Bild

Gefunden:  dieses Buch 🙂

Gekauft: Kinokarten

Gestaunt: über das Telefonat des Google Assistant und China fängt an Geoengineering zu betreiben

Gedacht: Error, Fear and Suffering are the Mother of Invention (Ursula LeGuin)

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Meine Woche

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Gesehen: „The Hunger Games“ (2012) von Gary Ross. “ The Hunger Games – Catching Fire“ (2013) „The Mockingjay Pt I (2014) + II (2015) von Francis Lawrence mit Jennifer Lawrence. Gute Unterhaltung und die letzte Rolle von Philip Seymour Hoffman 😦

Babylon Berlin“ (2017) von Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten. Deutsche Krimi-Serie die in der Weimarer Republik spielt. Düster und durchaus sehenswert.

Gehört: „Hinterland“ von Winterlight, „Zu Asche, Zu Staub“ – Severija, „Curse Words“ – Wolvves NYC, „Origin Pattern“ – Pixelife, „I’m alive“ – Beth Ditto, „Delirious“ – Susanne Sundfor,

Gelesen: diesen Nachruf auf Ursula LeGuin von Margaret Atwood, dieses Interview mit Björk, we only learn if we repeat, Sarah Waters on 20 years of Tipping the Velvet, über die Wasser-Krise im Iran, Google X and the science of radical innovation, diesen Artikel über Patchwork Arbeit

Getan: sehr schwierige Gespräche geführt aber auch die Kanada-Tour finalisiert und mit lieben Freundinnen zum Essen getroffen

Geplant: eine Buchpräsentation im Ägyptischen Museum und die Hochschule für Musik besuchen

Gegessen: Gefüllte Tortilla und eine vorzügliche Seezunge

Getrunken: diesen Weißwein

Gelacht: Meine Reaktion wenn jemand ein Buch ausleiht und nicht zurückgibt

Geärgert: über Menschen die beim ersten Mal „Why“ stehen bleiben

Gefreut: mein Murakami ist endlich da

Geklickt: auf Alan Watts „Choice„, auf diese wunderschönen preisgekrönten Fotos und auf den Podcast „Hurry Slowly“ von Jocelyn K Glei

Gewünscht: dieses Geschirr, diesen Hometrainer, diesen Schreibtisch

Gefunden: nix

Gekauft: diesen Fenstersauger, diese Vase, diesen Teelichthalter

Gestaunt: über diesen Text: This year, we talk about the future we want.

Gedacht: If you cannot slam the door against your emotions you will never chase them out once they got in (Michel de Montaigne)

In Cold Blood – Truman Capote

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Ich habe vor ein paar Jahren den Film “Capote” im Kino gesehen, ein Biopic, das sich recht intensiv mit Capotes Buch “In Cold Blood” und seine Beziehungen zu den verurteilten Mördern beschäftigt. Durch die im Film starke Verwebung zwischen Capote, Perry und Dick erwartete ich, dass er als Person in dem Buch auftaucht, da es ja um eine Tatsachenerzählung handelt. Der Autor taucht aber nicht auf in diesem Buch, was dem ganzen noch stärker etwas romanhaftes verleiht, auch wenn man natürlich von der ersten Seite an nicht nur weiß, was passieren wird, sondern auch, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt.

Wie bei der Verfilmung von „Titanic“ saß ich im Bett und wollte den Clusters permanent zurufen „aufpassen“, „schließt alles zu“, „lasst keinen herein“ – es war für mich ganz schwer auszuhalten, dieses Wissen, was gleich passieren wird und doch zu hoffen, vielleicht passiert es ja doch nicht.

„In Cold Blood“ ist vom Anfang bis zum Ende ein überaus intensives, spannendes und fesselndes Leseerlebnis. Der Schreibstil ist neutral und faktenbasiert und trotzdem gelingt es Capote, die Charaktere jedes einzelnen greifbar und anschaulich zu machen, egal, ob es sich um Familienmitglieder der Clutters handelt, die Fahnder, die Anwälte und sogar die der Mörder selbst. Er schafft das, ohne dem ganzen seine persönliche Meinung aufzudrücken und er hat damit das neue Genre des nicht-fiktiven Romans geschaffen, in dem er die Elemente des klassischen Kriminalromans mit sachlichem Journalismus und psychologischer Analyse verbindet.

Positiv überrascht hat mich auch die unerwartete Wendung, nicht sofort explizit zu beschreiben, wie Perry und Dick die Morde tatsächlich durchgeführt haben, sondern nimmt den Leser mit auf ihre Flucht und lässt uns an den Aufklärungsbemühungen der Fahnder und der Polizei teilhaben. Dadurch bleibt es einfach danach noch unglaublich spannend.

Der Leser erfährt sehr viel über die beiden Täter, sowohl durch ihre Interaktion miteinander, durch Briefe, Tagebucheinträge sowie Interviews mit Familienmitgliedern. Der Leser dringt tief in die Psyche der Täter ein und das ist gleichzeitig genial aber auch beklemmend und unangenehm. Man erwischt sich für ganz kurze Momente mit den Tätern zu sympatisieren, wahhh das will man wirklich nicht. Aber man versucht einfach zu verstehen, was bei denen schief gelaufen ist. Wie wurden die, wie sie sind? Perry Smith wurde in seiner Kindheit misshandelt und vernachlässigt, in Heime abgeschoben – ist das der Grund für seine Abgebrühtheit und seine Gewaltausbrüche oder ist er einfach ein Psychopath? Dick auf der anderen Seite schien eine recht normale harmonische Kindheit zu haben – war es hier der Autounfall der ihn mit lebenslangen Kopfverletzungen zurückgelassen hat?

“Imagination, of course, can open any door – turn the key and let terror walk right in.” 

 “I thought that Mr. Clutter was a very nice gentleman. I thought so right up to the moment that I cut his throat.” 

 “It is easy to ignore the rain if you have a raincoat” 

 Capotes 1965 erschienener Roman hat ganze Generationen von Schriftstellern seitdem inspiriert, dennoch ist „In Cold Blood“ ein Roman, dem die Zeit nicht viel anhaben konnte. Auch 50 Jahre später lassen einen diese schrecklichen Geschehnisse nicht los und der Eindruck ist so genauso frisch, lebendig und grausam, wie beim ersten Erscheinen des Buches – da bin ich mir sehr sicher.

Ein Buch, das sehr viele Leute in meinem Bekanntenkreis gelesen haben und fast jeder hat es sehr positiv bewertet. Im Film wurde Capotes Beziehung zu den beiden Tätern sehr kritisch beleuchtet, da – bei mir damals zumindest der Eindruck entstand, Capote habe sich ihre Freundschaft „erschlichen“, um Material für sein Buch zu bekommen und ihnen zu verstehen gegeben, er unterstütze sie bei ihrer Berufung, um die Todesstrafe in eine lebenslängliche Haftstrafe umzuwandeln. Wie stark er sich da wirklich eingesetzt hat und ob er sie – wie es im Film rüberkam – tatsächlich am Ende wie eine heiße Kartoffel fallen ließ, kann ich nicht beurteilen.

Nicht ganz unumstritten ist auch, wie groß Harper Lees Rolle war beim Schreiben des Buches. Das gilt aber auch andersrum, denn es gibt auch immer wieder Stimmen, die vermuten Capote hätte bei „To Kill a Mockingbird“ seine Hände im Spiel gehabt.

Wie auch immer. Ein wirklich tolles Buch, das ich jedem ans Herz legen kann, genauso wie Harper Lees „To Kill a Mockingbird“ und die „Capote“ Verfilmung.

Das Buch ist auf Deutsch unter dem Titel „Kaltblütig“ im Kein & Aber Verlag erschienen.