Meine Woche

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Gesehen: „The Children Act“ (2017) von Richard Eyre mit der wunderbaren Emma Thompson. Gelungene Verfilmung des Romans von Ian McEwan.

The Nest of the Cuckoo Bird“ (1965) von Bert Williams. Charmantes grandios schlechtes Horror B-Movie. Kultfilm der lange als verschollen galt. Kann man kostenfrei auf der Seite byNWR sehen.

Gehört: „Ah, mio sor, schernito sen“ – Georg Friedrich Händel, „In Dharma“ – 42DE, „Plague Fort“ – Le temps du loup, „Thursday“ – Dronarivm, diesen Mix von Ryogo Yamamori, „Your best american girl“ – Mitski, „Under the same sky“ – The last ambient hero, „Meeting again“ – Max Richter, „The Nest of the cuckoo birds“ – Peggy Williams

Gelesen: Schon Mädchen glauben, dass sexuelle Belästigung normal ist, Lisa Brennan-Jobs Tochter vergibt ihrem Vater, Neil Gaiman: warum wir Bibliotheken brauchen, diesen Artikel über Jennifer Doudna und Crispr-Cas9, dieses Gespräch mit Emma Thompson und Ian McEwan, die Astronomin Jocelyn Bell spendet ihr Preisgeld in Millionenhöhe

Getan: Don Quijote in der Glyptothek gesehen, den geplanten Ausflug nach Kitzbühl aufgrund von Stau in Tegernsee beendet, gegen den Auftritt von Beatrix Storch in München protestiert und mit lieben Freunden zu Abend gegessen

Geplant: Michael Ondaatje im Literaturhaus sehen und nach Dublin fliegen

Gegessen: Ziegenkäse Tartes mit roter Beete

Getrunken: Tegernseer

Gelacht: It’s true that dogs are loyal friends, but cats don’t tell the police where you hide your drugs

Geärgert: über den ewigen Stau am Samstag

Gefreut: über den trotzdem schönen Ausflug nach Tegernsee

Geklickt: auf diese Coca-Cola Werbung, Elizabeth Gilbert on the difference between hobby, job, career and vocation, auf diesen TED Talk von Christoph Niemann und „Why Art thrives at Burning Man“ von Nora Atkinson

Gewünscht: diese Robot-Uhr, diese IKEA Lesezimmer, dieses Haus

Gekauft: mal wieder einen Spiegel

Gestaunt: über dieses Haus das um einen Baum herum gebaut wurde

Gefunden: nix

Gedacht: Die AFD nervt mehr als Wespen

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Bookclub Votings are in for 2018/19

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Foto: Grazvydas

Nervenaufreibende Diskussionen, Debatten und Entscheidungsfindungen haben sich ausgezahlt. Die Ergebnisse sind da und ich präsentiere euch hier die Bücher die wir im nächsten Bookclub-Jahr lesen werden und auf deren Rezensionen hier ihr euch freuen dürft:

Naomi Alderman – The Power
Chloe Benjamin – The Immortalists
Anthony Doerr – All the light we cannot see
Louise Erdrich – Future home of the living God
Andrew Sean Greer – Less
Anthony Marra – The Tsar of Love and Techno
Ian McEwan – The Children Act
David Mitchell – Slade House
Celeste Ng – Everything I never told you
ML Rio – If we were Villains
Mary Shelley – Frankenstein

Da sind dieses Mal gleich vier Bücher dabei die ich bereits gelesen habe, das gabs noch nie.

Was sagt ihr zu unserer Liste? Sind welche dabei die euch besonders interessieren – welche hättet ihr als Bookclub-Lektüre vorgeschlagen?

The Children Act – Ian McEwan

IMG_1817 Ein perfektes kleines Buch vom großen Ian McEwan. Nur wenige Autoren schaffen es, eine großartige Geschichte auf so wenige Seiten zu transportieren. Kurz und knapp ist schon nicht unbedingt einfach und dann auch noch diese wunderschöne Sprache. Traurig, tragisch und melancholisch.

Es ist die Geschichte einer Familienrichterin, eine Frau die, selbst kinderlos, stets über verschiedenste familienrechtliche Fälle den Überblick behalten muss, während ihr eigenes Leben gerade den Bach runterzulaufen droht. Langsam aber sicher hat sich jede Erotik und Intimität aus ihrer Ehe geschlichen und sie hat es nicht einmal wirklich bemerkt. Erst als ihr Mann ihr von seinem Plan erzählt, Sex mit einer anderen (natürlich jüngeren) Frau haben zu wollen, bemerkt sie, wie sehr sich ihre Ehe am Abgrund befindet.

Den Sexplänen ihres Mannes stimmt sie überraschenderweise nicht jubelnd zu, sie zieht sich zurück und beschäftigt sich vielleicht noch intensiver als zuvor mit ihren Fällen, die sich meist um Kinder drehen und die sie ihre eigene Kinderlosigkeit besser händeln läßt. Auf diese Weise gerät auch der schwerkranke junge Mann aus einer Zeugen Jehova Familie in ihr Leben, der aus religiösen Gründen eine lebensrettende Bluttransfusion verweigert und, da er noch nicht ganz volljährig ist, auf Fiona trifft, die diese Entscheidung für ihn treffen muss. Ist er nur ein Papagei, der nachplappert, was ihm seine Eltern und die religiösen Altvorderen vorplappern, oder ist das wirklich seine eigene tiefe Überzeugung, dass es richtig ist, diese Transfusion zu verweigern und zu sterben.

Die Geschichte ist wundervoll erzählt, der Konflikt selbst für nicht gläubige Menschen wie mich nicht nur nachvollziehbar, nachfühlbar würde es eher treffen. Wie unglaublich schwierig, aus einem solchen Glaubenssystem auszusteigen, wenn man ein Leben lang nichts anderes erlebt hat und wie sehr das ganze Leben aus den Fugen gerät, wenn solch ein lang etabliertes Glaubenssystem angegriffen oder zerstört wird. Mit dem Ende selbst hatte ich gerechnet, die überraschenden Wendungen selbst habe ich nicht kommen sehen.

Es ist diese Entscheidung, vor der eigentlich alle McEwan Charaktere immer wieder stehen, die dieses Buch ausmachen. Die Entscheidung wird nicht nur das Leben des Jungen, Adam, verändern, es wird auch Fiona’s Leben verändern, ob sie will oder nicht. “Blind luck, to arrive in the world with your properly formed parts in the right place, to be born to parents who were loving, not cruel, or to escape, by geographical or social accident, war or poverty. And therefore to find it so much easier to be virtuous.”

McEwan gibt Einblick in das Leben und die Arbeit einer Familienrichterin und konfrontiert uns mit schwierigen moralischen und juristischen Fragen, die über das übliche wer zahlt wem wieviel Unterhalt und wer darf das Kind an wievielen Tagen im Monat sehen weit hinaus geht. Bei Fiona Mayes Fällen geht es häufig um Leben und Tot, Macht und Glaube. Die Schicksale lassen sie nicht einfach wieder los. Sie setzt sich oft noch lange nach dem Urteil damit auseinander. “Not men who ran the world, but who made it run.” Wie bei den siamesischen Zwillingen, wo sie die Entscheidung treffen muss, ob man einen Zwilling töten darf, um den anderen am Leben erhalten zu können. Religion ist nur ein weiterer Faktor, der in die Entscheidungsfindung mit hineingenommen werden muss. Fiona’s Entscheidung zu Adam verwirrt ihn zutiefst, er sucht ihre Nähe, will ihre Entscheidung, aber auch sie selbst verstehen.

Diese Suche ist meines Erachtens großartig erzählt, die Rahmenhandlung um Fiona’s Ehekrise herum habe ich eher aus einer gewissen Distanz betrachtet. Das Leben schreibt die besten Romane. Ist einfach so.

Eine weitere Rezension zu Ian McEwan’s „Kindeswohl“ findet ihr hier: https://deepread.wordpress.com/2015/01/25/kindeswohl-von-ian-mcewan/

Das Buch ist auf deutsch unter dem Titel „Kindeswohl“ im Diogenes Verlag erschienen.