Meine Woche

2066 Gesehen: „The Haunting“ die brilliante Verfilmung von Shirley Jackson’s „The Haunting of Hill House“ – unbedingt ansehen!

Die Ehe der Maria Braun“ von Fassbinder. Muss man mal gesehen haben, große Kunst, aber puh fand ich Frau Braun nervig.

The Second Best Exotic Marigold Hotel“ mit den wunderbaren Damen Dench und Smith. Leichte Unterhaltung die fast garantiert anschleßend im indischen Lieblings-Lokal endet 😉

Gehört: „Für mich, solls rote Rosen regnen – Hildegard Knef (mein Geburtstagslied), „Zebra“ – Beach House, „Says“ – Nils Frahm

Gelesen: diesen Artikel über Margaret Atwood und ihr Buch für die „Library of the Future“, diesen Artikel über die abgefahrensten Fragen an die New York Library und einen Artikel über Rainer Werner Fassbinder

Getan: unseren armenischen Beer Bash in der Firma besucht, in den Geburtstag reingefeiert, gestern den ganzen Tag leider mit Magenkrämpfen auf dem Sofa verbracht, aber getröstet von vielen lieben Anrufen und Geburtstagsgrüßen

Gegessen: diese wunderbaren Mini-Quiches, die noch entschieden besser schmecken, wenn man sie auf dem passenden Geschirr serviert 😉

Getrunken: ein Gläschen Ledaig und Glentauchers – in den passenden schicken Whisky-Gläsern – tolles Geschenk 🙂

Gefreut: dass ich so wunderbare Freunde habe und dazu noch eine großartige Familie Geärgert: der Magen-Darm-Krempel darf jetzt gerne wieder abdüsen

Gelacht: My train of thought derailed. There were no survivors.

Geplant: nix – let’s plan less

Gewünscht: diese Woche Geschenkt bekommen. Sooo viel, wow:
Bücher: Haruki Murakami gleich 3 Stück – Wenn der Wind singt / Pinball 1973, Birthday Stories, The Strange Library W. B. Yeats – Selected Poems, Tania Schlie – Wo Frauen ihre Bücher schreibenBücherwelten – Von Menschen und Bibliotheken, George R. R. Martin – A Game of Thrones, David Whitehouse – Mobile Library, T. C. Boyle – The Harder They Come Ein wunderschöner kleiner 50er Jahre Nierentisch, etwa wie dieser,  Ein Abo für die neue englische Literaturzeitschrift „The Happy Reader„, 2 wunderschöne Teller aus dem Literaturhaus, mein Lieblings-Parfum, eine richtig gute Flasche Bordeaux, Büchergutscheine, selbstgemachte Marmelade und einen Gutschein für ein japanisches Abendessen und dieses sehr passende Tshirt

Gekauft: dieses Tshirt

Gefunden: nix

Geklickt: auf diese Vorträge zur TEDWomen 2015, The Lake Radio – immer wieder spannend und schön und auf dieses Interview mit Toni Morrison

Gewundert: wie zutraulich unser Eichhörnchen Willy mittlerweile ist

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Words of Advice – Be critical. Be kind. Tread softly.

562349_10151342236425823_1491052478_nHAD I the heavens’ embroidered cloths,
Enwrought with golden and silver light,
The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half light,
I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams;
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.

– W. B. Yeats –

It’s been too long since I’ve read Yeats. Was reminded of this poem today in a movie. So beautiful and so true. It’s far too easy to destroy somebodies dream…

So – be critical and kind (and read more poetry)

Disgrace – JM Coetzee

disgrace

Auch beim zweiten Lesen ist es kein tröstlicheres Buch. Es verstört, deprimiert, ist großartig und wie immer bei Coetzee ein intellektuelles Abenteuer,, auf das man sich bei ihm einlassen muss.

David Lurie, Professor für Kommunikationswissenschaften, aber eigentlich Spezialist für die englische Romantik in Kapstadt, rutscht aus seinem Leben raus. Die Welt, die er kannte und in der er sich eingerichtet hatte, wird ihm zunehmend fremd. Tapfer bekämpft er die drohende Midlife-Crisis anfangs noch mit regelmäßigem Sex mit einer Prostituierten, einer Sekretärin und dann trifft er auf dem Campus auf seine ehemalige Studentin Melanie. Sie ist nicht wirklich an einem Flirt mit dem fast doppelt so alten Professor interessiert, er aber lässt nicht locker, bis er sie schlussendlich doch in sein Bett bekommt.

„Not rape, not quite that, but undesired nevertheless, undesired to the core. As though she had decided to go slack, die within herself for the duration, like a rabbit when the jaws of the fox close on its neck. So that everything done to her might be done, as it were, far away.“

Die Affäre mit der Studentin Melanie wird in dieser neueren, strengeren Zeit nicht als Kavaliersdelikt oder gar als bewundernswerter, erotischer Handstreich gewertet, er wird aufgrund von „Verfolgung oder Bedrohung von Studenten durch Mitglieder des Lehrkörpers“ angezeigt und vor einen Untersuchungsauschuss zitiert. Er verweigert dort jede Aussage und räumt melancholisch resigniert das Feld.

Er fährt nach seiner Kündigung zu seiner lesbischen Tochter, die alleine auf einer Farm lebt. Aus seiner unselbständigen Tochter ist eine erwachsene Frau geworden, die die Farm gemeinsam mit einem Arbeiter namens Petrus bewirtschaftet. Neben der Landwirtschaft betreibt sie eine Hundepension.

Eines Tages dringen drei schwarze ins Farmhaus ein, schließen Lurie in der Toilette ein, wo er hilflos mit anhören muß wie die drei seine Tochter vergewaltigen. Anschließend rauben sie, was sie an Brauchbarem finden können und erschiessen die Hunde.

„It happens every day, every hour, every minute, he tells himself, in every quarter of the country. Count yourself lucky to have escaped with your life. Count yourself lucky not to be a prisoner in the car at this moment, speeding away, or at the bottem of a donga with a bullet in your head. Count Lucy lucky too. Above all Lucy.

A risk to own anything: a car, a pair of shoes, a packet of cigarettes. Not enough to go around, not enough cars, shoes, cigarettes. Too many people, too few things. What there is must go in circulation, so that everyone can have a chance to be happy for a day. That is the theory; hold on to the theory and to the comforts of the theory. Not human evil, just a vast circulatory system, to whose workings pity and terror are irrelevant.

Schlimmer als die Vergewaltigung selbst ist für Lucy der Hass, den sie währenddessen bei ihren Vergewaltigern spüren konnte. Sie trifft weitreichende, für David nur schwer zu ertragende Entscheidungen. Sie will auf der Farm bleiben, obwohl recht schnell klar wird, dass Petrus mit dem Verbrechen zu tun hatte. Sie wurde bei der Vergewaltigung geschwängert und entschließt sich, das farbige Kind auszutragen und sich unter den Schutz von Petrus‘ Familie zu stellen. Von der herrschenden Rasse und Klasse unterwirft sie sich als emanzipierte Frau den neuen Herren des Landes.

Das Buch ist hart, existentialistisch in einer einfachen, lakonischen Sprache geschrieben. Es verzichtet auf jegliche Zeitsprünge und man kann denke ich, durchaus nachvollziehen wenn man liest, dass Coetzee neben Defoe und Dostojewski auch stark von Beckett beeinflusst ist.

Coetzee wird immer mal wieder vorgeworfen, politisch nicht klar genug Stellung zu beziehen, weder in seinen Büchern noch im richtigen Leben. Seine Bücher brechen unbarmherzig mit dem, was uns normal erscheint und die fehlende moralische Klarheit machen sie zu keiner einfachen Lektüre.

Lurie ist kein übermässig symphatischer Protagonist, den ich aber auch nicht nicht mochte, er hat mir eher leid getan in seiner Hilflosigkeit. Seine Affäre mit Melanie ist ein letztes Aufbäumen, ein letztes Ausleben und Erleben einer Zeit, in die er noch gehörte. Alte Männer wie er schaffen es nicht mehr sich zu ändern und sich an neue Realitäten anzupassen. Aber nicht nur die Menschen leiden viel in diesem Roman, auch die Tiere. Am Ende arbeitet er als Helfer in einer Tierklinik, die Hunde einschläfert und ihnen einen gnadenvollen Tod gewährt. Auf viel mehr scheint auch David Lurie nicht mehr zu hoffen.

J. M. Coetzee hat für seinen Roman „Disgrace“ / „Schande“ 1999 zum zweiten Mal den renommierten Booker Preis bekommen.

That is no country for old men. The young
In one another’s arms, birds in the trees
– Those dying generations – at their song,
The salmon-falls, the mackerel-crowded seas,
Fish, flesh, or fowl, commend all summer long
Whatever is begotten, born, and dies.
Caught in that sensual music all neglect
Monuments of unageing intellect.
An aged man is but a paltry thing,
A tattered coat upon a stick, unless
Soul clap its hands and sing, and louder sing
For every tatter in its mortal dress,
Nor is there singing school but studying
Monuments of its own magnificence;
And therefore I have sailed the seas and come
To the holy city of Byzantium.

(W. B. Yeats)

Das Buch ist 2009 verfilmt worden mit John Malkovich als David Lurie und Jessica Haines als seine Tochter Lucy.

Das Buch ist auf deutsch unter dem Titel „Schande“ im Fischer Verlag erschienen.