Washington Black – Esi Edugyan

„A man who has belonged to another learns very early to observe a master’s eyes; what I saw in this man’s terrified me.“

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Erasmus Wilde ist der Master der Faith Plantation in Barbados. Es ist das Jahr 1830 und George Washington Black genannt „Wash“ ist ein zehnjähriger Sklave, der auf den Zuckerohrfeldern arbeitet. Er hat keine Familie, nur Big Kit, eine weitere Sklavin, die auf den Feldern arbeitet und sich um ihn kümmert. Gemeinsam träumen sie davon, nach dem Tod nach „Dahomey“ zurückzukehren.

Erasmus ist der älteste Sohn eines Forschers und Abenteurers, der die Aufgabe hat, die Plantage für die Familie zu leiten. Er kann seinen jüngeren Bruder Christopher, genannt Titch“, absolut nicht leiden, der ebenfalls Forscher und Abenteurer ist. Titch ist auf die Plantage gekommen, um dort ein Fluggerät, seinen „Cloud-Cutter“, eine Mischung aus Heißluftballon und Schiff, zu testen. Dafür benötigt er entsprechendes Gewicht und sucht sich dieses in Form eines kleinen Sklavenjungen aus – Wash.

Zu Titchs Überraschung entpuppt sich Wash als sehr begabter Zeichner, der die Messungen und Notizen von Titch mit Zeichnungen versieht. Der kleine, gänzlich ohne Bildung aufgewachsene Junge gewöhnt sich langsam an das Leben in Freiheit. Kann es für ihn die Möglichkeit geben, ein eigenständiges Leben voller Bildung und Abenteuer zu führen?

“I thought of my existence before Titch’s arrival, the brutal hours in the field under the crushing sun, the screams, the casual finality edging every slave’s life, as though each day could very easily be the last. And that, it seemed to me clearly, was the more obvious anguish- that life had never belonged to any of us, even when we’d sought to reclaim it by ending it. We had been estranged from the potential of our own bodies, from the revelation of everything our minds and bodies could accomplish.”

Nach einem schrecklichen Unfall flieht Titch gemeinsam mit Wash im Cloud Cutter von der Plantage und ein weltumspannendes Abenteuer über die USA, Kanada, die Arktis bis nach Europa beginnt.  Das der rachsüchtige Erasmus eine Belohnung von 1,000 Pfund auf den Kopf des kleinen Wash ausgesetzt hat, ist nicht das einzige Problem mit dem Titch und Wash sich herumschlagen müssen.

„Washington Black“ von Esi Edugyan ist ein großartiger historischer Abenteuerroman, der den Leser auf Washs abenteuerliche und verwirrende Reise mitnimmt. Nachdem er die Plantage verlassen hat, erlebt Wash die unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen und wird gleichzeitig mit dem Rassismus und dem Hass konfrontiert, der Sklaven entgegengebracht wird. Können seine artistischen Fähigkeiten jemals als seine eigenen anerkannt werden? Wird es ihm möglich sein, eine eigene Stimme zu entwickeln?

„Washington Black“ ist eine Charakterstudie des kleinen Wash und ein Kommentar zur Situation der Sklaverei und der Rassentrennung im 19. Jahrhundert.

“You took me on because I was helpful in your political cause. Because I could aid in your experiments. Beyond that I was of no use to you, and so you abandoned me.” I struggled to get my breath. “I was nothing to you. You never saw me as equal. You were more concerned that slavery should be a moral stain upon white men than by the actual damage it wreaks on black men.”

Der Roman stand zu Recht 2018 auf der Longlist des Man Booker Prizes. Die Geschichte ist gelegentlich etwas unglaubwürdig, aber wahnsinnig gut geschrieben macht großen Spaß in seiner üppigen Erzählweise, die an die Abenteuerromane erinnert, die ich früher wahnsinnig gerne gelesen habe. Der Roman hat auch uneingeschränkte Zustimmung im Bookclub erhalten, das passiert gar nicht so häufig bei uns.

Esi Edugyan ist eine Autorin, die ich definitiv im Auge behalten werde. Eine weitere schöne Rezension des Buches findet ihr hier bei Miriam vom Blog 1001 Bücher.

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