Read around the world: Georgien

Der nächste Halt meiner literarischen Weltreise führt mich in ein Land, das geografisch oft als Rand Europas bezeichnet wird und kulturell doch seit Jahrhunderten Teil seiner Geschichten ist: Georgien. Ein Ort zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus, zwischen Ost und West, zwischen alten Königreichen, Imperien und modernen Umbrüchen. Georgien ist ein Land, das mich schon lange fasziniert, auch ohne dass ich bisher selbst dort gewesen bin. Ein entfernter Bekannter lebt seit seiner Hochzeit in Georgien und betreibt dort ein Weingut, und auch durch seine Erzählungen ist mir das Land über die Jahre immer wieder mal begegnet. Wir gehen außerdem gern georgisch essen (besonders mögen wir Chinkali (gefüllte Teigtaschen), Chatschapuri (gefülltes Käsebrot) oder Lobio ein Bohnengericht), und oft entstehen dabei immer wieder Überlegungen, doch mal eine Reise dorthin zu machen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Lesereise, die einige Blogger*innen vor ein paar Jahren nach Georgien unternommen haben – ich habe ihre Berichte damals mit großer Neugier verfolgt und gemerkt, wie sehr mich dieses vergleichsweise kleine Land beschäftigt.

Georgien wirkt auf den ersten Blick weit entfernt und schwer einzuordnen. Es ist kein klassisches europäisches Reiseziel, kein Land, das sich leicht in bekannte Kategorien fügt. Und doch zeigt sich bei näherem Hinsehen eine enorme kulturelle Dichte. Die eigene Sprache mit ihrem einzigartigen Alphabet, eine jahrtausendealte Weintradition, orthodoxes Christentum, das tief in Alltag und Politik verwoben ist, dazu Einflüsse aus Persien, Russland und dem Osmanischen Reich das alles existiert gleichzeitig. Dieses Nebeneinander macht Georgien so faszinierend: Tradition und Gegenwart stehen nicht in sauberer Trennung, sondern reiben sich ständig aneinander.

Historisch ist Georgien geprägt von Fremdherrschaft und dem immer wiederkehrenden Versuch, Eigenständigkeit zu bewahren. Königreiche, kurze Phasen der Unabhängigkeit, dann die Eingliederung ins Russische Reich, später die Sowjetunion das 20. Jahrhundert hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Unabhängigkeit nach 1991 brachte Hoffnung, aber auch Instabilität, Bürgerkriege und bis heute ungelöste territoriale Konflikte in Abchasien und Südossetien. Geschichte ist in Georgien nichts Abgeschlossenes, sondern etwas, das bis in die Gegenwart hineinwirkt in politischen Debatten ebenso wie in familiären Erinnerungen und kollektiven Traumata.

Politisch befindet sich das Land seit Jahren in einem Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Ausrichtungen. Einerseits gibt es eine starke proeuropäische Zivilgesellschaft, die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Nähe zur EU einfordert. Andererseits stehen konservative Kräfte, oligarchische Strukturen und starker russischer Einfluss diesen Bestrebungen entgegen. Dieses Ringen prägt das öffentliche Leben, sorgt für Proteste, politische Krisen und eine permanente Unruhe, die für Außenstehende schwer einzuordnen ist, für viele Georgier*innen jedoch zum Alltag gehört.

Besonders deutlich zeigen sich diese gesellschaftlichen Spannungen in der Situation der queeren Community. Zwar ist Homosexualität in Georgien seit vielen Jahren nicht mehr strafbar, und Antidiskriminierungsgesetze existieren formal. In der Realität jedoch ist das Leben für LGBTQIA+-Personen oft von Unsicherheit geprägt. Öffentliche Sichtbarkeit kann gefährlich sein, Pride-Veranstaltungen wurden wiederholt von gewalttätigen Gegendemonstrationen überschattet oder ganz verhindert. Die georgisch-orthodoxe Kirche nimmt großen Einfluss auf gesellschaftliche Normen und vertritt ein strikt konservatives Weltbild, das queeres Leben häufig als Bedrohung darstellt. Gleichzeitig wächst vor allem in urbanen Räumen wie Tbilissi eine junge, mutige Szene heran, die sich vernetzt, Räume schafft und langsam gesellschaftliche Veränderungen anstößt. Auch hier zeigt sich Georgien als Land der Gegensätze: repressiv und aufbrechend zugleich.

Gerade diese Gleichzeitigkeit macht Georgien so interessant für eine literarische Weltreise. Es ist kein Land der einfachen Erzählungen, sondern eines der Brüche, Übergänge und Ambivalenzen. Vielfalt entsteht hier nicht durch Größe oder Föderalismus wie zum Beispiel in Belgien, sondern durch historische Schichtung, durch das Überlagern von Identitäten, Sprachen, Loyalitäten und Lebensentwürfen. Georgien fordert dazu heraus, genauer hinzusehen, Widersprüche auszuhalten und die leisen Zwischentöne ernst zu nehmen.

Hier wie immer die vergleichenden Daten:

  • Bevölkerung: ca. 3,7 Mio. Menschen
  • Fläche: rund 69.700 km² und damit etwas kleiner als Bayern und etwa ein Fünftel der Fläche Deutschlands)
  • Bevölkerungsdichte: relativ gering, starke Konzentration auf Tbilissi und andere Städte
  • Sprachen: Georgisch (amtlich), daneben zahlreiche Minderheitensprachen
  • Politisches System: parlamentarische Republik, geprägt von politischen Spannungen und Reformprozessen

Georgien hat eine sehr eigenständige, international geschätzte Filmtradition, auch wenn sie oft eher im Arthouse- und Festivalbereich bekannt ist als im Mainstream. Vor einer Weile habe ich den Film „And Then We Danced“ gesehen aus dem Jahr 2019 von Levan Akin. Ein wirklich großartiger Film, den ich euch sehr ans Herz legen kann mit Levan Gelbakhiani und Bachi Valishvili. Bei seinem Erscheinen sorgte er in Georgien für erheblichen Aufruhr: Kinoaufführungen mussten von der Polizei geschützt werden, es kam zu Protesten konservativer und religiöser Gruppen, und der Film löste landesweite Debatten über Homosexualität, Tradition und gesellschaftlichen Wandel aus. Gerade diese Reaktionen machen deutlich, wie stark Kunst in Georgien bis heute politische und gesellschaftliche Fragen berühren kann.

Musikalisch bin ich dagegen ein komplett unbeschriebenes Blatt. Ich kenne ehrlich gesagt nicht eine einzige georgische Band / Künstler*in. Auch hier kann ich nur auf den Soundtrack zum Film „And then we danced“ verweisen, den ich wirklich interessant finde:

Georgien hat eine sehr lebendige Literaturszene, die gleichzeitig tief in der eigenen Geschichte verwurzelt ist, aber auch im Hier und Jetzt steht. Als unangefochtene Größe gilt Shota Rustaveli, dessen Nationalepos „Der Recke im Pantherfell“ bis heute einen zentralen Platz in georgischer Kultur und Literatur einnimmt. Unter den zeitgenössischen Autor*innen hat sich besonders Nino Haratischwili international einen Namen gemacht, deren bekanntestes Buch sicherlich „Ach Leben. Für Brilka“ ist, das ich ja auch für meinen Georgien Beitrag gewählt habe. Daneben kenne ich zumindest dem Namen nach noch Tamta Melashvili, die feministische und gesellschaftskritische Themen aufgreift.

Vor einer Weile habe ich das Buch „Einsame Schwestern“ von Ekaterine Togonidze gelesen, eine Autorin die ich auch auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. Ganz große Empfehlung. Ein dunkles Kleinod – perfekt für die dunkle Jahreszeit finde ich.

Jetzt aber zur Rezension eines Buches das schon seit Jahren ein absoluter Liebling in der Blogger*innen-Landschaft ist und gleich vorne weg auch mich ziemlich begeistert hat.

Acht Leben. Für Brilka von Nino Haratischwili erschienen im Ullstein Verlag


Dieser Roman ist ein echter Koloss und ich hatte anfangs Respekt vor seinem Umfang, aber sobald ich im Leben dieser Familie angekommen war verlor sich das schnell. Haratischwili erzählt eine Geschichte über ein ganzes Jahrhundert georgischer und sowjetischer Vergangenheit und zeigt dabei wie Politik und Ideologie ganz unmittelbar in das Leben einzelner Menschen eingreifen.

Besonders beeindruckt hat mich wie sie das Große und das Kleine verbindet. Revolutionen, Diktatur und Unabhängigkeitskämpfe laufen hier nicht abstrakt im Hintergrund ab sondern zeigen ihre Spuren in Alltag, Beziehungen und Selbstbildern. Die Familie mit ihrer geheimnisumwobenen Schokoladenrezeptur wird im Laufe der Jahrzehnte in alle Schichten der Gesellschaft gespült und die Figuren tragen ihre Hoffnungen und Verletzungen sichtbar mit sich herum. Ich mochte sehr wie sich einzelne Charaktere über viele Jahre entwickeln und wie vertraut sie einem beim Lesen werden.

Im Kreml wusste man, dass man mit Gesetzen und Zwängen allein die neuen Bürger nicht schlagartig zu musterhaften Sowjetbürgern machen konnte, und doch musste man die Jahre der „Umerziehung“ in den neuen Gebieten im Schnelldurchlauf durchführen. Ethnische Konflikte sollten auch in diesen Gebieten zugespitzt werden – schließlich hatte sich dieses Rezept in so vielen anderen Regionen bewährt.

Ich mochte auch wie der Roman über die alten Ost West Narrative nachdenkt. Gerade die Figuren die Georgien verlassen und im Westen Fuß fassen müssen erleben eine Art doppelte Entfremdung. Sie sehnen sich nach Heimat und merken gleichzeitig wie sehr sie von außen auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Ich mochte diese Perspektive weil sie differenziert und menschlich erzählt ist und weil sie einen Blick auf den postsowjetischen Raum ermöglicht der jenseits der üblichen Klischees bleibt.

Dass Haratischwili viele weibliche Stimmen in den Mittelpunkt stellt gefällt mir besonders. Sie zeigt wie wenig dokumentiert die Erfahrungen dieser Frauen in der offiziellen Geschichtsschreibung sind und wie viel Kraft nötig ist um trotz Gewalt, Verlust und politischer Willkür weiterzugehen. Niza die Erzählerin schreibt ihre Familiengeschichte für ihre Nichte auf und schafft damit einen ganz besonderes Erinnerungsraum. Ein Buch in das man eine ganze Weile versinken kann, aber Vorsicht der Schokoladen-Konsum beim Lesen geht unweigerlich ganz schön in die Höhe.

Wer noch mal zu den vorherigen Stationen (Sri Lanka, Italien, Trinidad & Tobago, Nigeria, Südkorea, China, Israel, Belarus, Japan, DR & Republik Kongo, USA, Polen, Chile, Afghanistan, Vietnam, Ukraine, Mauretanien, Mexiko, Niederlande, Malaysia, Belgien) zurückreisen möchte wird in meiner Kategorie „Read around the World“ fündig.

Bin immer noch ein bißchen in Georgien und würde das Land wirklich sehr gerne mal besuchen. War einer von Euch schon mal da? Und habt ihr Musik- und Literatur-Tipps? Bin ganz Ohr 🙂

Dezember Lektüre

Inspiriert von meiner momentanen Kulisse habe ich mich diesen Monat durch viele winterige und bergige Geschichten gelesen, inklusive eines echten Doorstoppers: Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili für meine Read Around the World Challenge (Georgien-Beitrag kommt asap).
Für den Bookclub gab’s Muriel Spark, und Weihnachten ist für mich einfach nicht Weihnachten ohne ein oder zwei Cosy Crimes.

Alles großartige Bücher, durch die Bank weg würde ich sagen 4 – 4,5 Sterne.

Vardø – Kiran Millwood Hargrave übersetzt von Carola Fischer erschienen im Diana (Penguin) Verlag

Kiran Millwood Hargraves „Vardø“ ist ein gut lesbarer interessanter Roman, Geschichten über Hexenverfolgungen nehmen mich emotional extrem mit habe ich gemerkt.

Die Geschichte beginnt im Winter 1617 im abgelegenen Vardø im Norden Norwegens, wo ein gewaltiger Sturm nahezu alle Männer der kleinen Fischergemeinde tötet. Zurück bleiben die Frauen, die sich dann gegen alle damaligen Regeln notgedrungen selbst versorgen lernen. Achtzehn Monate später haben sie sich eine fragile Unabhängigkeit erarbeitet, doch diese wird jäh zerstört, als Absalom Cornet aus Schottland eintrifft: ein fanatischer, gottesfürchtiger Mann, der die Frauen „auf den rechten Weg“ bringen soll – und in Wahrheit als Hexenjäger kommt.

Im Zentrum stehen Maren, die in Vardø aufgewachsen ist und Familie im Sturm verloren hat, und Ursa, Absaloms Frau, die aus dem vergleichsweise komfortablen Bergen stammt und in einer lieblosen Ehe gefangen ist. Ihre vorsichtige Annäherung ist einer der wenigen warmen Lichtblicke in diesem ansonsten sehr düsteren Roman.

Was mich besonders getroffen hat, ist die Erkenntnis, dass nicht einmal die letzte Ecke der Welt sicher war vor religiösem Fanatismus, Denunziation und Gewalt. Millwood Hargrave zeigt gnadenlos, wie schnell Gemeinschaften kippen können, wenn Angst, Macht und Ideologie zusammenkommen. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt: Sind das wirklich „andere Menschen“ gewesen? Oder hätten viele von ihnen in anderen Zeiten Sklaven gehalten, im Nationalsozialismus jüdische Menschen verraten, heute vielleicht wieder bereitwillig Ausgrenzung und Gewalt unterstützt? Der Gedanke, dass wahrscheinlich ein signifikanter Teil jeder Gesellschaft anfällig für autoritäre, faschistische Denkmuster ist, ist zutiefst deprimierend und beschäftigt mich nach der Lektüre noch immer.

Sprachlich gefiel mir Vardos Roman gut: roh, poetisch und oft brutal, passend zur lebensfeindlichen Landschaft und den entbehrungsreichen Lebensumständen. Die Kälte, der Hunger, die Angst – all das ist fast körperlich spürbar.

Dass der Roman auf realen Ereignissen basiert, dem Sturm von Vardø und den Hexenprozessen von 1621, macht das Gelesene noch schwerer zu ertragen. Man weiß im Grunde von Anfang an, worauf alles hinausläuft, und genau das macht es so quälend: Man möchte eingreifen, warnen, etwas verhindern – und kann es nicht.

So bleibt Vardø für mich ein atmosphärisch dichtes Buch, dass ich aber nicht wirklich an mich ran lassen wollte. Wer sich auf diese Thematik einlässt, bekommt eine erschütternde Geschichte – sollte aber wissen, dass sie einen emotional nicht unberührt lässt.

Das finstere Tal – Thomas Willmann erschienen im Liebeskind Verlag

Ein einsamer Reiter zieht in ein abgelegenes Tal, die Berge ragen bedrohlich auf, unausgesprochene Gewalt liegt in der Luft. Zack hat man ein Bild im Kopf. Das finstere Tal ist ohne Zweifel ein Roman, der denkt wie ein Film und sich auch genauso liest. Totale, Schnitt, Nahaufnahme: Thomas Willmann inszeniert sein literarisches Debüt mit der Präzision eines Regisseurs. Dass er sich im Filmhandwerk gut auskennt, merkt man auf jeder Seite.

Der sogenannte Alpenwestern ist klug gebaut, atmosphärisch dicht und handwerklich sehr souverän. Ein Fremder kommt in ein hochgelegenes Bergdorf, das von einer Bauernfamilie brutal kontrolliert wird. Lange passiert wenig, dann nimmt die Geschichte Fahrt auf und entwickelt einen ziemlichen Sog. Ab der zweiten Hälfte wird das Buch zu einem Pageturner an dem es spannungs-technisch wenig auszusetzen gibt.

Und doch bin ich mit diesem Roman nicht so recht warm geworden. Ich kann nicht einmal genau sagen warum. Die starke Cinematografie, das sehr bewusst eingesetzte Western-Vokabular und die klar gezogenen Rollen haben bei mir glaube ich eher Distanz als Nähe erzeugt. Ich habe bewundert, was hier gemacht wird, mich aber emotional selten wirklich hineingezogen gefühlt.

Sie hatten Waffen. Sie haben sich verteidgt. Viel geholfen hat es ihnen nicht.“ ….
„Sie wollen nicht, dass er vorbereitet ist, im Fall des Zweifels?“ bohrte er nach.
Die Frau überlegte eine Weile. Diesmal rang sie um eine ernst gemeinte Antwort. „Es ist nicht das Vorbereiten. Es ist das Suchen danach, wo man das Vorbereitete anbringen könnte.

Die Sprache ist historisch gefärbt, teilweise sperrig, aber expressiv und konsequent durchgezogen. Das funktioniert gut und trägt viel zur Stimmung bei. Auch die zahlreichen filmischen und literarischen Referenzen von Sergio Leone bis Cormac McCarthy, sind reizvoll manchmal fast ein bisschen zu viel.

Unterm Strich ist Das finstere Tal ein sehr gelungenes Debüt, ein Roman, der völlig zu Recht fast durchweg gute Kritiken bekommt. Für Fans von Western, Heimatroman mit dunkler Kante ist das sicher ein Volltreffer. Für mich persönlich blieb es eher eine beeindruckende Übung in Stil und Atmosphäre als eine Geschichte, die mich wirklich gepackt hat.

Das Buch wurde 2014 auch unter dem gleichen Titel von Andreas Prochaska verfilmt.

Das Schneemädchen – Eowyn Ivey erschienen im Kindler (Rowohlt) Verlag übersetzt von Claudia Arlinghaus

Eowyn Iveys Debütroman „Das Schneemädchen“ führt ins Alaska der 1920er Jahre, eine Landschaft von großer Schönheit und Härte, die für mich definitiv eine der Hauptfigur ist. Im Zentrum stehen Mabel und Jack, ein Ehepaar in den Fünfzigern, das nach einer Totgeburt und vielen Jahren unerfüllten Kinderwunsches insgesamt noch einmal neu beginnen möchte. Der Umzug in die Abgeschiedenheit Alaskas soll ein einfaches, selbstbestimmtes Leben ermöglichen, fern von schmerzhaften Erinnerungen und sozialen Erwartungen. Doch der Alltag als Siedler*innen ist entbehrungsreich: körperliche Erschöpfung, Isolation und unverarbeitete Trauer lasten schwer auf beiden, besonders auf Mabel.

Ein seltener spielerischer Moment im frischen Schnee bringt Bewegung in ihr erstarrtes Leben. Als das gemeinsam gebaute Schneemädchen am nächsten Morgen verschwunden ist und Spuren in den Wald führen, beginnt sich ihr Leben mit einer gewissen Magie zu füllen. Mit Faina tritt ein Mädchen in ihr Leben, dessen Herkunft bewusst unklar bleibt. Ob sie ein wildlebendes Kind oder eine märchenhafte Erscheinung ist, lässt der Roman offen. Gerade dieses Schweben zwischen Realität und Möglichkeit macht für michden Reiz der Geschichte aus.

Lose inspiriert vom russischen Märchen der Schneejungfrau, bleibt Ivey stets nah an einer realistischen Erzählweise. Der magisch-realistische Aspekt bleibt zurückhaltend. Stattdessen stehen der Alltag der Siedler*innen, ihre Arbeit und die langsame Entstehung von Gemeinschaft im Vordergrund. Mich hat das teilweise sehr an Laura Ingalls „Unsere kleine Farm“ erinnert, eine Buchreihe die ich wahnsinnig gern gelesen habe.

Iveys Sprache ist ruhig, atmosphärisch und sehr sicher für ein Debüt. Die Beziehung zwischen Mabel und Jack wird feinfühlig und ohne Sentimentalität erzählt, und die Natur Alaskas wirkt als emotionaler Resonanzraum der Handlung. Das Schneemädchen ist ein stiller, poetischer Roman mit zeitloser Anmutung. Eine klare Leseempfehlung für winterliche Tage, für Schneeferien in der Berghütte oder als stimmungsvolle Lektüre in der Weihnachtszeit. Ein starkes Debüt und ich wünsche uns allen eine Freundin wie Esther 🙂

Eine klare Leseempfehlung für winterliche Tage – ideal für Schneeferien in der Berghütte oder als stimmungsvolle Lektüre unterm Weihnachtsbaum.

Das achte Leben (Für Brilka) – Nino Haratischwili erschienen im Ullstein Verlag

Für mein Read around the world Projekt war Das achte Leben für Brilka mein literarischer Abstecher nach Georgien und ich hätte mir kein passenderes Buch wünschen können. Dieser Roman ist ein echter Koloss und ich hatte anfangs Respekt vor seinem Umfang, aber sobald ich im Leben dieser Familie angekommen war verlor sich das schnell. Haratischwili erzählt eine Geschichte über ein ganzes Jahrhundert georgischer und sowjetischer Vergangenheit und zeigt dabei wie Politik und Ideologie ganz unmittelbar in das Leben einzelner Menschen eingreifen.

Besonders beeindruckt hat mich wie sie das Große und das Kleine verbindet. Revolutionen, Diktatur und Unabhängigkeitskämpfe laufen hier nicht abstrakt im Hintergrund ab sondern zeigen ihre Spuren in Alltag, Beziehungen und Selbstbildern. Die Familie mit ihrer geheimnisumwobenen Schokoladenrezeptur wird im Laufe der Jahrzehnte in alle Schichten der Gesellschaft gespült und die Figuren tragen ihre Hoffnungen und Verletzungen sichtbar mit sich herum. Ich mochte sehr wie sich einzelne Charaktere über viele Jahre entwickeln und wie vertraut sie einem beim Lesen werden.

Im Kreml wusste man, dass man mit Gesetzen und Zwängen allein die neuen Bürger nicht schlagartig zu musterhaften Sowjetbürgern machen konnte, und doch musste man die Jahre der „Umerziehung“ in den neuen Gebieten im Schnelldurchlauf durchführen. Ethnische Konflikte sollten auch in diesen Gebieten zugespitzt werden – schließlich hatte sich dieses Rezept in so vielen anderen Regionen bewährt.

Ich mochte auch wie der Roman über die alten Ost West Narrative nachdenkt. Gerade die Figuren die Georgien verlassen und im Westen Fuß fassen müssen erleben eine Art doppelte Entfremdung. Sie sehnen sich nach Heimat und merken gleichzeitig wie sehr sie von außen auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Ich mochte diese Perspektive weil sie differenziert und menschlich erzählt ist und weil sie einen Blick auf den postsowjetischen Raum ermöglicht der jenseits der üblichen Klischees bleibt.

Dass Haratischwili viele weibliche Stimmen in den Mittelpunkt stellt gefällt mir besonders. Sie zeigt wie wenig dokumentiert die Erfahrungen dieser Frauen in der offiziellen Geschichtsschreibung sind und wie viel Kraft nötig ist um trotz Gewalt, Verlust und politischer Willkür weiterzugehen. Niza die Erzählerin schreibt ihre Familiengeschichte für ihre Nichte auf und schafft damit einen ganz besonderes Erinnerungsraum.

Bin immer noch ein bißchen in Georgien und würde das Land sehr gerne mal besuchen. In den nächsten Tagen poste ich hier meinen Read around the world „Georgien“ Beitrag dazu.

A far cry from Kensington – Muriel Spark auf deutsch unter dem Titel „Weit weg von Kensington“ im Diogenes Verlag erschienen, übersetzt von Otto Bayer

Muriel Sparks „A far cry from Kensington“ ist eine feinsinnige, zugleich bissige literarische Satire auf die Londoner Verlagswelt der 1950er Jahre, die Mrs Hawkins mit sichtbarem Vergnügen seziert. Lektoren, Verleger, Möchtegern-Autoren und literarische Hochstapler bevölkern diesen Kosmos auf der einen Seite, die eher ärmeren Bewohner aber mindestens genauso schlagfertigen Bewohner ihres Boarding Houses auf der anderen Seite.

Im Zentrum steht Mrs Hawkins: klug, unabhängig, moralisch standfest und mit einem bemerkenswerten Talent für gute Ratschläge. Viele von uns nahmen sie auf den ersten Seiten als deutlich älter wahr, als sie tatsächlich ist. In ihrer ruhigen Art und ihrem klaren Blick auf menschliche Schwächen erinnerte sie mich stellenweise an Olive Kitteridge.

In the end I concluded it was better to belong to the ordinary class. For the upper class could not live, would disintegrate, without the ordinary class, while the latter can get on very well on its own.

Unübersehbar finde ich, ist die Nähe zwischen Figur und Autorin. Spark kannte das literarische Milieu aus eigener Erfahrung, und die Frage, ob A Far Cry from Kensington als (teilweiser) Schlüsselroman zu lesen ist, liegt nahe. Dass es womöglich reale Vorbilder für den berüchtigten pisseur de copie gab, ist nie eindeutig bestätigt worden doch gerade diese Schwebe zwischen Fiktion und persönlicher Abrechnung verleiht dem Roman seine besondere Schärfe und wunderbaren Witz.

Muriel Spark zählt zu den großen Stimmen der britischen Nachkriegsliteratur. Ihr Stil ist präzise, ironisch und von einer fast unbestechlichen moralischen Klarheit geprägt. Privat galt sie als ziemlich eigenwillig und kompromisslos. Über drei Jahrzehnte lebte sie mit der Künstlerin Penelope Jardine zusammen, der sie ihr gesamtes Vermögen sowie die Rechte an ihren Büchern vermachte. Das Verhältnis zu ihrem Sohn Robin Spark hingegen war zerrüttet.

„I began to remind myself that I was Mrs Hawkins and didn’t need a dinner at the Savoy, while Hugh Lederer proceeded with his protest to the effect that in a privileged job like publishing one didn’t care about the pay.“

Aktuell gibt es gerade zwei neu erschienene Biografien zu Muriel Spark auf die ich sehr neugierig bin und ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

Habt ihr neben „The Prime of Miss Jean Brodie“ noch Empfehlungen?

Berghütte – Fanny Desarzens erschienen im Atlantik Verlag, übersetzt von Claudia Steinitz

Manchmal liest man ein Buch genau im richtigen Moment. Ich habe „Berghütte“ auf der Rückfahrt aus den Bergen gelesen, unterwegs zum Weihnachtsfest nach Hause. Als ich die letzte Seite umblätterte, rollte der Zug in den Münchner Hauptbahnhof ein. Dieser Übergang von der Höhe zurück ins Tal, von der Stille in den Alltag hätte kaum besser zu diesem kleinen Roman passen können.

Fanny Desarzens erzählt von drei Männern, die ihr Leben den Bergen verschrieben haben. Zwei von ihnen führen Wandergruppen, der dritte lebt und arbeitet in einer Hütte hoch oben. Dort treffen sie sich immer wieder, teilen Brot, Wein, Feuer und Geschichten. Die Berge sind für sie mehr als Landschaft: Sie sind ein Zustand, ein Versprechen von Freiheit und Einfachheit, ein Ort, an dem alles Wesentliche greifbar scheint.

Doch diese scheinbare Selbstverständ-lichkeit beginnt zu bröckeln. Nach überstandenem Drama, dann aber beinahe unmerklich, verändert sich einer der Freunde. Desarzens wählt für diese Entwicklung einen leisen Ton, der umso eindringlicher wirkt. Sie interessiert sich weniger für das Ereignis selbst als für das Davor und Danach: für das Schweigen, das Aushalten, das Unvermögen, über Angst und Verlust zu sprechen.

Besonders gelungen fand ich die Art, wie Desarzens Nähe und Distanz zugleich beschreibt. Die Freundschaft der drei Männer ist tief, getragen von gemeinsamen Ritualen und einer stillen Loyalität und doch bleibt vieles unausgesprochen. Gerade darin liegt die Melancholie dieses Textes.

Mit einer poetischen, klaren Sprache und präzisen Bildern entfaltet Berghütte auf wenigen Seiten eine große emotionale Wirkung. Die Landschaftsbeschreibungen sind eindrucksvoll und spiegeln teilweise das Innenleben der Freunde. Beim Lesen stellte sich eine stille Sehnsucht ein: nach Höhe und Weite, nach Bergwanderungen und frisch gebackenem Brot.

Ein sehr schönes Debüt, das ich wirklich gerne gelesen habe und das 2023 sehr verdient den Schweizer Literaturpreis gewonnen hat.

Er nimmt den Pickel in die rechte Hand. Einen Moment sagt er sich, dass er auch gern einen Abdruck hinterlassen will. Er würde gern mit dem Metall in den Felsen kratzen, Linien zeichnen, Buchstaben bilden. Er würde gern seinen Namen schreiben. Doch er hängt den Pickel wieder an seinen Gürtel. Die Sonne steht hoch, sie strahlt auf den Uvarose und färbt ihn rosa. Bei diesem Licht wäre es unmöglich, Galel dort zu sehen. Man würde höchstens etwas wahrnehmen, das sich bewegt. Dann kommt eine enge Schlucht wie eine Ader.

The Adventure of the Christmas Pudding – Agatha Christie auf deutsch unter dem Titel „Das Geheimnis des Weihnachtspuddings“ im Hoffmann & Campe Verlag erschienen

Das Geheimnis von Dower House – Nicholas Blake übersetzt von Jobst-Christian Rojahn erschienen im Klett-Cotta Verlag


Weihnachten ohne Christie? Unvorstellbar. Diese Sammlung kurzer Poirot-Geschichten ist cosy Crime in Reinform: englische Herrenhäuser, familiäre Spannungen, kleine Gemeinheiten, ab und an mal ein Mord – und natürlich Hercule Poirot mit seinen „little grey cells“. Die titelgebende Geschichte spielt zur Weihnachtszeit und wurde ursprünglich für wohltätige Zwecke geschrieben. Nach Jahren der Abstinenz möchte ich jetzt sehr unbedingt mal wieder einen klassischen englischen Christmas Pudding essen.

Das Geheimnis von Dower House ist ein klassischer englischer Whodunit mit Landhaus-Setting, verschrobenen Figuren und einer Prise Understatement. Nicholas Blake ist übrigens das Pseudonym des Lyrikers Cecil Day-Lewis, der später britischer Poet Laureate wurde – ein schönes Beispiel dafür, wie sich literarischer Anspruch und Crime perfekt verbinden lassen. Elegant, clever und herrlich oldschool.

Habe beide glücklich unterm Weihnachtsbaum gelesen.

Wie war euer Lese-Dezember? Welche Bücher haben euch am meisten begeistert und kennt ihr von meinen vorgestellten Büchern welche?

Meine Woche

Gesehen: Happiest Season (2020) von Clea DuVal mit Kristen Stewart und Mackenzie Davis. Ist kein Weihnachten ohne Happiest Season 😉

Felix Krull nach Thomas Mann von Bastian Kraft mit Nicola Fritzen, Pascal Fligg und Julian Mühlenhardt im Volkstheater München. Mir war es etwas zu klamaukik, aber die Zuschauer haben es geliebt.

Gehört: Henry, come on – Lana del Rey, Must be Santa – Bob Dylan, Merry Christmas Baby – Dum Dum Girls

Gelesen: dieses Interview mit Cate Blanchett, dieses Interview mit Gesine Schwan, Cynicism is the enemy of Action von Rebecca Solnit, wie man mit Eltern umgeht die politisch komplett anders ticken

Getan: Weihnachten nach Hause gefahren, sehr lecker gegessen, ins Theater gegangen, einen Absacker getrunken und viel gemalt

Gefreut: über Weihnachten zu Hause, die vintage Virginia Woolf „To the Lighthouse“ Ausgabe der Folio Society

Geärgert: nein

Getrauert: nein

Gegessen: Rinderbraten mit Röstkartoffeln und Rotkraut

Getrunken: Rotwein

Geklickt: auf diesen Fragebogen zum Jahresende von Ann Friedman

Gestaunt: Runaway supermassive black hole rocketing through home galaxy

Gewünscht: diesen Fresskorb, diesen Kalender, diese Regale

Geplant: einen langen Spaziergang

Gefunden: Bücher

Gekauft: nix

Gedacht: I arise in the morning torn between a desire to improve the world and a desire to enjoy the world. This makes it hard to plan the day.”― E.B. White

Meine Woche

Gesehen: Sturm kommt auf (2025) von Matti Geschonneck mit Josef Hader und Verena Altenberger. Verfilmung des Romans „Unruhe um einen Friedfertigen“ von Oskar Maria Graf. Fand ich richtig gut.

Little Lord Fauntleroy (1980) von Jack Gold mit Rick Schroder, Alec Guinness, Connie Booth und Captain Picard hat auch eine kleine Rolle 😉 Hab ich nun auch endlich mal den kleinen Lord gesehen und sehr gemocht.

Raumpatrouille Orion (1966) von Theo Metzger mit Dietmar Schönherr, Eva Pflug, Wolfgang Völz. Hab die Folgen auf YouTube entdeckt und konnte dann nicht widerstehen, ich liebe einfach die Duschköpfe und Bügeleisen.

Wallace & Gromit Christmas Advert 2025

Gehört: Lane 8 Winter Mixtape, Death Reverb and Decay – Christina Vantzou, The Subway – Chappell Roan, When it’s cold I would like to die – Moby

Gelesen: The anti-social century, Was 2025 gut gelaufen ist, The imperity of clean language

Getan: Besuch von lieben Freund*innen bekommen und schön gewandert, mit dem kleinen Neffen und Familie gespielt und Stollen gegessen, die Bücherstube in Nesselwang besucht (sehr schön!) und Pizza gegessen, viel Sport gemacht, Sterne geschaut und Weihnachtskarten geschrieben

Gefreut: über selbstgebackene Plätzchen und Stollen, einen Gänseblümchen Strauß, immer wieder über meinen wunderbaren Adventskalender und ein kleines Privat-Klavierkonzert

Geärgert: nein

Getrauert: um Rob Reiner

Gegessen: Pizza und Kasspatzn

Getrunken: literweise Tee und Allgäuer Winter Zauber

Geklickt: Why we need a war on cars, 125 Jahre Anna Seghers

Gestaunt: The best science pictures 2025

Gewünscht: diesen Pullover, diesen Weihnachtsbaum-Anhänger und dass sich ein bestimmter Vermieter jetzt bald mal mit positiven Nachrichten meldet

Geplant: den Weihnachts-Bookclub virtuell besuchen

Gefunden: nix

Gekauft: ein Buch und noch mehr Käse

Gedacht: An advanced city is not one where the poor can get around by car, but one where even the rich use public transportation.– Enrique Peñalosa

Meine Woche

Gesehen: Fargo (1996) von Joel Coen mit Frances McDormand, William H. Macy und Steve Buscemi. Dieser Oscar für Frances McDormand war absolut verdient.

Snow Bear (2025) von Aaron Blaise. Bezaubernder Kurzfilm über einen einsamen Eisbären, der zudem mit dem Klimawandel zu kämpfen hat. Wirklich süß.

Shogun (2024) Season 1 basierend auf dem gleichnamigen Roman von James Clavell mit Cosmo Jarvis, Hiroyuki Sanada und Anna Sawai. Ich mochte die Verfilmung aus den 1980er Jahren, in der Neuverfilmung gefiel mir die Atmosphäre und die Ästhetik besonders gut.

Gehört: Echoes – M83, Fig 8 – Merpire, This can’t go on – Billy Ryder Jones, Lost souls and christmas lights – The Echolon Effect

Gelesen: Aging Out of Fucks: The Neuroscience of Why You Suddenly Can’t Pretend Anymore, dieses Interview mit Renate Künast, Where do children play

Getan: auf die Edelsberghütte gewandert, Yin Yoga, Fitness, einen Korb geflochten, gelesen, Afternoon Cream Tea getrunken und sehr lieben Besuch bekommen

Gefreut: über für mich gebackene Haselnuss Makronen, dass Mary Beard einer der Booker Prize Judges 2026 ist und dass ich den Fuchs gesehen hab, der hier regelmässig durch die Gegend schleicht

Geärgert: nein

Getrauert: nein

Gegessen: Brotzeit Brettl

Getrunken: literweise Tee

Geklickt: auf dieses Interview mit Lea Ypi und auf diese Bilder von Martin Parr

Gestaunt: über den Sternenhimmel hier und die Sternschnuppen und über diese geplante Gartenstadt

Gelacht: auf jeden Fall

Gewünscht: diese Hütte, diese Whisky Gläser, diese Kerzenhalter

Geplant: Weihnachtskarten schreiben

Gefunden: einen bezaubernden kleinen Käseladen

Gekauft: Käse

Gedacht: I was afraid to be alone, but now I’m scared that’s how I like to be //Azure Ray

Meine Woche

Gesehen: A month in the country (1987) von Pat O’Connor mit Colin Firth, Kenneth Brannagh und Natasha Richardson. Schöne Verfilmung des gleichnamigen Romans von J. L. Carr.

Gehört: Blonde Hair now – MOONRIIVR, Deep love is the river – Flora Hibberd, Juice – White Lies

Gelesen: dieses Interview mit Kristen Stewart, The cultural decline of literary fiction, Naomi Klein on surrealism against fascism, der Spiegel Bestseller Aufkleber als Arschgeweih der Literatur und über die US Sanktionen gegen einen französische Richter

Getan: viel gewandert, Yin Yoga, Fitness, gemalt, gelesen und sehr lieben Besuch bekommen

Gefreut: über meinen Besuch und meinen tollen Adventskalender

Geärgert: über ein paar sehr blöde sexistische unterirdische Typen

Getrauert: um meine wahrscheinlich verlorene Oktopus Halskette – hoffe wirklich ich finde sie doch noch wieder

Gegessen: Schnitzel und sehr sehr viel Salat

Getrunken: literweise Tee

Geklickt: die NYT Buchliste der unabhängigen Verlage, auf diese kluge Erklärung über die anti-woke Bewegung, warum in RomComs jeder rennt

Gestaunt: ich habe unfassbare 8x hintereinander in einen Basketball Korb getroffen, über Braune Zwerge und die Robocop Statue in Detroit

Gelacht: über die putzigen Waldlaternen

Gewünscht: ich möchte meine Kette wiederfinden und diese gedrechselten Weihnachtskugeln

Geplant: ich würde sehr gerne irgendwann mal den alten Kanzlerbungalow anschauen

Gefunden: die Bingereader Gattin und ich haben unabhängig und über 100km entfernt von einander am gleichen Tag das Buch „Manhatten Transfer“ von John Dos Passos gefunden und mitgenommen

Gekauft: ein kleinen Elch und ein kleines Eichhörnchen aus Holz

Gedacht: There’s profit in the bandaid, not in healing the wound

November Lektüre

Wieder ein wirklich hervorragender Lesemonat! Dieses Mal sogar noch besser als zuletzt – kein einziger Flop, nicht mal in Sichtweite. Alle Bücher lagen stabil zwischen 4 und 5 Sternen, und jedes einzelne hat mich auf ganz eigene Weise überrascht, bewegt oder begeistert. Würde ich mich für ein „Buch des Monats“ entscheiden müssen, wäre das fast unmöglich, denn die Qualität war durchgehend beeindruckend. Ein paar Favoriten kristallisieren sich trotzdem heraus, aber selbst da trennen sie nur Nuancen.

Hier die Bücher in alphabetischer Reihenfolge – los geht’s:

Balle, Solvej – Über die Berechnung des Rauminhalts II erschienen im Matthes & Seitz Verlag, übersetzt von Peter Urban Halle

If you know, you know. Wer einmal in diese seltsam klar leuchtende Zeitschleife geraten ist, den lässt sie nicht mehr los. Auch der zweite Band knüpft nahtlos an Tara Selters ewigen 18. November an ein Tag, der für alle anderen neu ist, nur für sie nicht. Und doch fühlt sich dieser Band anders an: ruhiger, wacher, fast schon meditativ.

Balle lässt Tara durch Europa ziehen, auf der Suche nach Jahreszeiten, die ihr verwehrt bleiben. Sie ahmt Feiertage nach, jagt Schneeflocken im Norden und Herbstlicht im Süden wie jemand, der verzweifelt versucht, seinem inneren Kalender zu glauben. Besonders stark ist, wie der Roman unsere fixen Erwartungen an Zeit, Wetter, Traditionen auseinandernimmt. Die Idee, dass Jahreszeiten psychologische statt meteorologische Phänomene sind?

Gleichzeitig schleicht sich ein dunklerer Ton ein: Tara als „Monster auf der Wanderschaft“, das die Welt verbraucht, weil nichts wieder aufgefüllt wird. Eine fast schon ökologische Parabel über Konsum, Spuren, Verantwortung – alles verdichtet in einem einzigen, endlosen Tag.

Es ist windstill, und ich denke, es muss die Stille sein, die mich weckt, die Abwesenheit der Geräusche. Das ist sicher so, weil es schneit, aber ich verstehe es nicht, denn wie kann der Schnee Geräusche dämpfen, wenn sowieso alles still ist.

Und dann wieder diese Momente, in denen Tara akzeptiert, dass ihre Zeit nicht fließt, sondern ein Raum ist ein Gefäß, in dem man sich einrichten kann. Vielleicht, weil wir alle unsere eigenen Räume in der Zeit haben, ob wir wollen oder nicht.Vielleicht ist das das Berührendste an diesem Band: die langsame, verletzliche Annäherung an ein Leben außerhalb des Bekannten.

Vielleicht brauchen wir Balle-Zeitreisenden irgendwann ein gemeinsames Erkennungszeichen, mit dem wir rund um die Erde den 18. November feiern. Ich weiß nur eines: Für die nächsten beiden bereits erschienenen Bände warte ich garantiert nicht wieder bis zum 18.11. ich will jetzt mit Tara weiterreisen. Seid ihr auch dabei?

Baltasar, Eva – Mammut erschienen im Schöffling Verlag, übersetzt von Petra Zickmann

Ein Buch wie ein Schlag in die Magengrube – es packt einen total und man weiß gar nicht genau warum, denn es ist roh, sperrig und unangenehm. Eva Baltasar wagt in Mammut etwas radikal Eigenes: Eine Protagonistin, die mit entwaffnender Klarheit weiß, was sie will und gleichzeitig jede Art von menschlicher Nähe verachtet. Zu ihrem 24. Geburtstag plant sie, durch einen One-Night-Stand schwanger zu werden; später flieht sie aus Barcelona, sie löst sich von der Stadt wie von einem alten, unpassenden Mantel um aufs Land zu fliehen, um endlich irgendetwas zu spüren.

Was dann passiert, ist bizarr, düster, manchmal fast satirisch und immer kompromisslos. Baltasar kreeirt eine Figur, die ihr Leben mit kühler Pragmatik in die Hand nimmt und dabei permanent an die Grenzen des Erträglichen stößt – und uns mitreißt, obwohl wir nie ganz greifen können, warum. Genau das macht diese Figur so faszinierend: freundlich und menschenverachtend zugleich, brutal ehrlich, verletzlich ohne Sentimentalität.

Aber: Mammut ist kein Buch für jeden. Die Gewaltszenen besonders die gegenüber Tieren – haben mich abgestoßen, also hier echt mal Trigger Warning. Baltasar zeigt Natur und Mensch als ungeschönt brutal, fern jeder romantischen Dorfidylle. Leben ist hier immer auch Sterblichkeit, ob im Altenheim oder zwischen Schafen, Gicht und Einsamkeit.

Ein verstörendes, eigenwilliges Buch und vielleicht darum ziemlich einzigartig. Es ist der dritte Teil einer Trilogie, die aber komplett unabhängig voneinander gelesen werden kann. Große Empfehlung mit kleinen Abstrichen. Bin auf die anderen beiden Bände „Boulder“ und „Permafrost“ schon sehr gespannt.

Ich danke dem Schöffling Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eng, Tan Twan – The House of Doors auf deutsch unter dem Titel das Haus der Türen im Dumont Verlag erschienen, übersetzt von Michaela Grabinger

Auf Tan Twan Engs „The House of Doors“ hab ich mich schon lange gefreut und es hat mich umgehend gepackt mit einer leisen, fast hypnotischen Intensität, die einen unmerklich in eine andere Zeit und Welt zieht. Schon nach wenigen Seiten war ich mitten in der flirrenden Hitze Malaysias, konnte das Rascheln der Palmen hören und den Geruch von Regen und Meer beinahe spüren.

Ich habe eine besondere Schwäche für Romane, in denen Schriftsteller selbst zu Figuren werden – Geschichten über das Erzählen, über die Macht und die Verantwortung, die mit dem Schreiben einhergehen und genau das bietet The House of Doors auf meisterhafte Weise. Im Zentrum steht Lesley Hamlyn, die in den 1940ern auf einer Farm in Südafrika lebt und auf ihr früheres Leben im kolonialen Penang zurückblickt. Dort begegnet sie 1921 William Somerset Maugham „Willie“, der mit seinem Sekretär und Lebensgefährten Gerald Haxton reist. Maugham, 1874 in Paris geboren und einer der meistgelesenen britischen Autoren seiner Zeit, ist auf der Suche nach Geschichten, nach den feinen Rissen hinter den Fassaden menschlicher Beziehungen. Haxton begleitet ihn seit Jahren auf all seinen Reisen, ihre Beziehung bewegt sich zwischen tiefer Zuneigung, Abhängigkeit und dem permanenten Druck, ihre Liebe in einer Zeit der gesellschaftlichen Enge verbergen zu müssen.

Willie’s words had polished the lens through which I had always viewed my husband, and yet, at the same time, they shifted him slightly out of focus.

Tan Twan Eng beschreibt diese beiden mit einer Zartheit und Genauigkeit, die weit über bloße Hommage hinausgeht. Seine Beobachtungsgabe erinnert an Maugham selbst doch Eng nutzt die Perspektive der Kolonisierten, um die moralischen und kulturellen Bruchstellen dieser Welt offenzulegen. Lesley, gefangen zwischen Loyalität, Schuld und dem Wunsch nach Wahrheit, steht am Schnittpunkt dieser Spannungen. Das titelgebende „Haus der Türen“ ist dabei weit mehr als ein Schauplatz: Es ist ein Sinnbild für Erinnerung und Erzählung, für die unzähligen Türen, die wir im Leben öffnen oder verschlossen halten. Eng gelingt es, historische Begebenheiten die Begegnung mit dem Revolutionär Sun Yat-sen, den realen Mordfall Ethel Proudlock mit fiktionaler Raffinesse zu verweben, ohne den emotionalen Kern aus den Augen zu verlieren.

Der Roman liest sich wie ein fein komponiertes Musikstück, getragen von Melancholie, von der Schönheit des Vergehens und der Frage, wie aus Leben Literatur wird. Tan Twan Eng, selbst in Penang geboren, beweist einmal mehr sein Gespür für Atmosphäre, für leise Zwischentöne und das Unsagbare zwischen den Zeilen. Am Ende hat mich The House of Doors nicht nur berührt, sondern auch ganz schön neugierig gemacht – auf Maugham selbst, auf seine Romane, seine Kurzgeschichten und vor allem auf das faszinierende, widersprüchliche Leben eines Mannes, der wie kaum ein anderer wusste, dass jede Geschichte zwei Seiten hat: die erzählte und die verschwiegene.

Ich habe das Buch für den Bookclub und den „Read around the World“ Stopp in Malaysia gelesen.

Harpman, Jacqueline – I Who Have Never Known Men auf deutsch unter dem Titel Ich, die ich Männer nicht kannte im Klett-Cotta Verlag erschienen, übersetzt von Luca Homburg

Was für ein großartiges, wiederentdecktes Juwel aus den 1980er-Jahren. Der Roman folgt 40 Frauen, eingesperrt in einem Bunker, ohne irgendeine Erklärung weder für sie noch für uns. Unsere Erzählerin ist die Jüngste unter ihnen, aufgewachsen in Gefangenschaft, ohne Erinnerung an eine Welt davor. Und genau hier liegt die eigentliche Sprengkraft des Buches: Es verweigert sich jeder Form von Auflösung. Wer Antworten braucht, klare Strukturen, eine Art „Aha, deshalb“, wird hier garantiert scheitern. Aber wer bereit ist, durch die Finsternis zu gehen und sich vom Nichtwissen tragen zu lassen, wird mit einer Erfahrung belohnt, die einen noch lange verfolgt.

Trotz des dystopischen, beinahe außerweltlichen Settings ist „I Who Have Never Known Men“ zutiefst menschlich. Harpman stellt große Fragen, ganz ohne philosophisches Trommelwirbel:
Was macht uns eigentlich zu Menschen? Wie verändern sich Zeit, Erinnerung und Identität, wenn die Welt unverständlich wird?

Besonders faszinierend ist die Dynamik zwischen der Erzählerin und den anderen Frauen. Während die 39 Gefährtinnen noch ums Festhalten an früheren Leben ringen, kennt die Erzählerin diese Welt nur aus ihren bruchstückhaften Erinnerungen. Das macht sie analytischer, neugieriger und auf eine seltsame Weise freier. Die Beziehungen zwischen den Frauen, ihr ständiges Anpassen, ihr Zusammenwachsen und Zerfallen: Das alles wirkt gleichzeitig zart und gnadenlos.

I was forced to acknowledge too late, much too late, that I too had loved, that I was capable of suffering, and that I was human after all.

Und ja, das Buch ist düster. Richtig düster. The Road wirkt dagegen fast gemütlich. Harpman erspart uns jede Form von Trost. Keine Erklärungen, keine Erlösungen, keine epische Enthüllung am Ende. Nur die Frage, was bleibt, wenn alles, was wir für menschlich halten: Liebe, Nähe, Hoffnung einfach weg ist.

Die Stille in diesem Roman ist lauter als jedes World-Building. „I Who Have Never Known Men“ ist brillant, zutiefest verstörend, philosophisch – ein Roman mit einem letzten Satz, der einem quasi in die Magengrube haut.

Im Grunde könnte meine Rezension lauten: I who have never known a book like that.
Jacqueline Harpman ist eine Autorin die man unbedingt wiederentdecken sollte.

Hertmans, Stefan – Dius erschienen im Diogenes Verlag übersetzt von Ira Wilhelm

Es gibt Zufälle, die so schräg sind als wäre kurz ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum entstanden und man zweifelt, ob das Buch sich vielleicht ins echte Leben ausgedehnt hat. Während ich Stefan Hertmans’ „Dius“ las ein Buch, in dem Vittore Carpaccios Bilder eine recht zentrale Rolle spielen fand ich auf meinem täglichen Spaziergang mit der kleinen Gasthündin im offenen Bücherschrank ausgerechnet einen Bildband dieses Malers. Carpaccio, nicht da Vanci oder Michaelangeo, ein Maler, den man nun wirklich nicht an jeder Ecke erwartet. Plötzlich wurde aus einer ohnehin schon intensiven Lektüre ein kleines multimediales Erlebnis: Musik über die Playlist, die beim Diogenes-Zoom-Abend mit dem Autor empfohlen wurde, Hertmans’ Worte im Buch und dann diese Bilder, die direkt daneben aufschlugen und die mich wirklich sehr fasziniert haben.

Im Zentrum des Romans steht Anton, ein Kunsttheoretiker voller Sehnsucht, der oft eher beobachtet als handelt. Schon früh gibt es eine Szene, die sich ins Gedächtnis brennt: ein Autounfall, ein Hirsch, eine beinahe tödliche Bewegung. Hertmans schreibt das mit einer Intensität, die einen sofort in Antons Kopf zieht. An seiner Seite steht Dius, zunächst sein Student, dann sein Freund impulsiver, unmittelbarer, ein Künstler, der die Welt mit den Händen begreift. Zwischen den beiden entsteht eine enge, zugleich fragile Verbindung, getragen von Gesprächen über Kunst und Natur, aber auch von all dem, was unausgesprochen bleibt. Am Ende geht Dius nach Italien, Anton bleibt zurück – und die Lücke zwischen ihnen erzählt ebenso viel wie ihre gemeinsamen Jahre.


Hertmans verankert diese Freundschaft in einem alten Bauernhaus in den weiten Westflämischen Poldern, einer Landschaft, die wie ein Resonanzraum wirkt, Seine Naturbeschreibungen sind präzise und voller Zärtlichkeit, und immer wieder stellt der Text die Frage, wie man Schönheit überhaupt fassen kann – ob Sprache reicht, um zu vermitteln, was Kunst, Landschaft oder ein Mensch in uns auslösen können.

In solchen Momenten weiß ich warum Dius in mein Leben treten musste: weil wir beiden den Durst nach längst vergangenen Zeiten teilen, die uns durch die frühen Erinnerungen irgendwie in den Körper eingeschrieben sind und uns unbehaust werden lassen im Lärm unserer Gegenwart. Kultur ist etwas Unbegreifliches; das Höchste ist mit dem Abgründigsten verwandt, und voll all den Jahrhunderten voller Schmerz, Verzückung und Verwirrung bleibt uns am Ende nur diese himmlische Musik, bei der sich mein Herz vor Verlangen zusammenkrampft, während ich unter der leichten Daunendecke liege….


Anton, ist Kunsttheoretiker, der oft an den Rändern des Lebens entlanggleitet. Einer, der eher denkt als handelt, der seine Sehnsüchte und seine Melancholie mit sich herumträgt und im Gegensatz Ein Gegenpol, lebendig, impulsiv, handfest im besten Sinn. Er denkt nicht nur über Kunst nach, er greift nach ihr, verschmilzt mit Material und Werkzeug, ein Mensch, der mit seiner Umgebung in eine Art physischer Resonanz tritt. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, die nicht idyllisch ist, sondern vibrierend; eine Beziehung, in der Nähe und Verrat, Inspiration und Verletzlichkeit von Anfang an mitschwingen.

Gerade weil Dius kein klassisch plotgetriebenes Buch ist, wirkt das, was geschieht, umso intensiver. Hertmans schildert ein Leben, das von Verlust, Erinnerung und dem Bedürfnis nach Nähe geprägt ist aber auch von dem Versuch, sich über Kunst und die Betrachtung der Welt neu zu verorten. Durch die kunsthistorischen Exkurse, die Musik und die Naturbeobachtungen entsteht ein Geflecht, das gleichzeitig poetisch, scharf und berührend ist. Es ist ein Buch über das Sehen im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Dius hat mich sehr berührt, und als Nächstes wartet nun Hertmans’ Krieg und Terpentin auf mich. Danke an Susanne vom Diogenes Verlag für ihre treffsichere Empfehlung und natürlich an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dius war außerdem die Lektüre für meinen Read around the World Belgien Stop.

Kim, Monika – Das Beste sind die Augen erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag, übersetzt von Jasmin Humburg

Ich hatte mich durchaus auf Horror eingestellt – aber was Monika Kim in diesem Debüt abliefert, hat meine Vorstellung doch noch mal ordentlich übertroffen. Es geht um die koreanisch-amerikanische Schülerin Ji-won, die versucht, ihre Familie zusammenzuhalten, während sie sich gleichzeitig durch alltägliche Mikroaggressionen, Fetischisierung und unterschwelligen Rassismus kämpft. Und irgendwo auf diesem Weg kippt etwas in ihr – langsam, aber unaufhaltsam.


Ji-won ist keine Karikatur und keine reine Horrorfigur, sondern eine vielschichtige, verletzte, wütende junge Frau die irgendwann einen Weg wählt, der definitiv ins Dunkle führt. Und ja, es geht um Augen. Um das Essen von Augen. Um eine Obsession, die eng mit dem neuen Freund ihrer Mutter zusammenhängt, einem weißen Mann, der die Familie so unverhohlen exotisiert, dass es einem schon beim Lesen unangenehm wird.

Stark fand ich die Stellen, in denen Kim zeigt, wie unterschiedlich Rassismus aussehen kann: Der offensichtliche, laute Typ wie George – aber auch die Sorte, die sich hinter vermeintlichem „Ich bin doch einer von den Guten“ versteckt. Diese leisen, schmierigen, hohlen Gesten, die sich erst später als echte Gefahr entpuppen.

Männer wie George sind nicht wie wir. Nicht wie ich, nicht wie Ji-hyun. Nicht einmal mein Vater, ein anderer Mann, kann George das Wasser reichen, da seine Macht nicht allein der Tastsache entspringt, dass er einen Penis hat. Sie basiert auf seiner weißen Haut. Für uns ist diese Art der Bestimmtheit und Selbstsicherheit unmöglich. Uns Mädchen wird von klein auf eingebläut, dass wir nachweislich weniger wert sind als unsere männlichen Zeitgenossen. Wir sind kleiner, schwächer, dümmer. Wenn wir Erfolg haben, dann nur, weil Männer es uns erlauben. Und als asiatische Frauen sind wir besonders machtlos und fremdartig, mit unserer vermeintlichen Porzellanhaut, der zierlichen Figur, der „Schlitzaugenpussy“ und dem ruhigen, unterwürfigen Naturell.

Allerdings wirken einige der Charaktere ziemlich schablonenhaft und bestimmte Wendungen waren schon früh vorhersehbar. Noch eine Warnung: wer empfindlich auf Splatter reagiert, sollte sich auf etwas gefasst machen. Einige Szenen gehen wirklich an die Grenze selbst mir wurde es zwischendurch mulmig und so ganz schnell geht das bei mir eigentlich nicht.

„Das Beste sind die Augen“ ist mutig, ungewöhnlich und wagt eine Perspektive, die man so selten liest. Ji-wons Abstieg ist verstörend, aber zugleich auch nachvollziehbar erzählt und weckt sogar stellenweise Mitgefühl. Und ganz ehrlich: Wenn wir seit Jahrzehnten empathisch erzählte Serienkiller-Stories über weiße Typen lesen, dann ist es absolut an der Zeit, dass auch andere Stimmen diesen Raum bekommen.

Ich danke dem Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.

Toller, Ernst – Eine Jugend in Deutschland erschienen im Rowohlt Verlag

Ernst Toller war ein Mensch, der das Wort „Humanität“ nicht nur schrieb, sondern lebte. Geboren 1893 in Samotschin, aufgewachsen in einer bürgerlich-jüdischen Familie, erlebte er als junger Mann den Ersten Weltkrieg an der Front – ein Erlebnis, das ihn zutiefst prägte und zum Pazifisten machte. Aus dem patriotischen Studenten wurde ein Suchender, ein Zweifler, ein Kämpfer für eine gerechtere, menschlichere Welt.

Sein autobiographisches Werk „Eine Jugend in Deutschland“ ist nicht nur Erinnerungsbuch, sondern ein erschütterndes, poetisches Bekenntnis. Toller beschreibt darin den Weg eines sensiblen, idealistischen Menschen, der den Krieg als Wahn erkennt und im Chaos der Nachkriegszeit versucht, durch Mitgefühl und Phantasie politische Verantwortung zu übernehmen.

In München wird er einer der führenden Köpfe der Räterepublik – nicht aus Machtstreben, sondern aus der Hoffnung heraus, eine neue, menschlichere Gesellschaft zu schaffen. Sein Leitsatz bleibt unverrückbar:

Wir kämpfen für eine gerechtere Welt, wir fordern Menschlichkeit, wir müssen menschlich sein.

Doch die Geschichte war grausam zu denen, die zu früh zu viel wollten. Nach dem Scheitern der Räterepublik wird Toller wegen Hochverrats zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Bedingungen sind entsetzlich – Hunger, Kälte, Isolation –, und doch entstehen in dieser Dunkelheit einige seiner hellsten Texte. In der Zelle schreibt er Antikriegsstücke wie „Masse Mensch“ und das zarte, tröstende „Schwalbenbuch“.

Zwei Schwalben fliegen vor mein Gitter,
sie bauen ihr Nest an der grauen Wand.
Ich sehe sie, wie sie fliegen und singen,
und mein Herz fliegt mit ihnen hinaus.

Diese Zeilen fassen alles, was Toller ausmacht: die Sehnsucht nach Freiheit, das Vertrauen in das Leben, selbst dort, wo es keine Hoffnung zu geben scheint.

Als er 1924 entlassen wird, ist er erst knapp dreißig Jahre alt – durch die Haft aber gealtert, innerlich wie äußerlich. Bis zu seiner Ausbürgerung 1933 schreibt er mehrere Dramen, in denen er die Fragen nach Verantwortung, Gewalt und Mitgefühl unermüdlich weiterstellt.

Im Exil – zunächst in England, dann in den USA – verliert er alles: seine Heimat, seine Sprache, seine Freunde, und zuletzt den Glauben, noch etwas bewirken zu können. 1939, in einem New Yorker Hotelzimmer, beendet er sein Leben – verlassen, bettelarm, und, wie er glaubte, überflüssig geworden.

Es ist eine bittere Wahrheit, dass Ernst Toller nach dem Krieg in der Bundesrepublik kaum Anerkennung fand. Die Bühnen, die ihn hätten ehren sollen, schwiegen. Dabei ist er ein Autor, dessen Werk – getragen von moralischem Mut und poetischer Zärtlichkeit – heute aktueller ist denn je.

„Eine Jugend in Deutschland“ ist ein Vermächtnis. Es ruft uns in Erinnerung, dass Menschlichkeit auch in Zeiten der Verzweiflung möglich bleibt, dass Widerstand ohne Hass denkbar ist. Toller war ein Dichter, ein Politiker, ein Idealist – und vor allem: ein Mensch, von deren Format wir heute mehr denn je brauchen.

Was waren eure Highlights im November und konnte ich euch auf das eine oder andere Buch Lust machen? Freue mich auf eure Rückmeldungen.

Read around the world: Belgien

Der nächste Halt meiner literarischen Weltreise führt uns wieder in ein Nachbarland – eines, das meine allererste Auslandsreise überhaupt war, meine Schul-Abschlussfahrt vor mehreren Äonen. Dort habe ich zum ersten Mal das Meer gesehen, stand staunend vor dieser unendlichen Weite, die ich bis dahin nur aus Filmen und Büchern kannte. Brügge und Gent haben mich damals richtig verzaubert, mit seinen Kanälen, dem Kopfsteinpflaster, den Häusern, die aussehen, als würde jeden Moment Ms Marple um die Ecke kommen. Und Brüssel habe ich gleich zweimal besucht – eine Stadt, die ich sehr gerne mag und ich erinnere mich an ein wahnsinnig gutes Abendessen in einem Restaurant in einer alten Bank – Belga Queen – kann ich sehr empfehlen und wenn ich mich recht erinnere, kam das Restaurant sogar in einem Roman vor, den ich vor einer Weile gelesen habe, in Robert Manesses „Die Hauptstadt“. Belgien ist also ein Nachbarland, das ich zumindest ein bißchen kenne, und dennoch eines, das in seiner Tiefe, Vielfalt und Komplexität immer noch weiter entdeckt werden kann.

Belgien wirkt auf den ersten Blick überschaubar: klein, dicht besiedelt, eines dieser Länder, das man leicht auf der Europakarte übersehen könnte, wenn man nicht gerade Pommes liebt. Es entfaltet dann aber bei näherem Hinsehen eine erstaunliche kulturelle und politische Vielschichtigkeit. Die drei offiziellen Sprachen: Niederländisch, Französisch und Deutsch sind keine bloßen Verwaltungsakte, sondern Ausdruck historischer Prägungen, Identitäten und rivalisierender kultureller Räume. Wer Belgien bereist, bewegt sich ständig zwischen ihnen: Flandern mit seinen flämischen Städten wie Gent oder Antwerpen, die französischsprachige Wallonie mit Lüttich oder Namur, dazwischen das politisch pulsierende Herz Brüssel sowie im Osten jene kleine deutschsprachige Gemeinschaft, die oft vergessen wird, die aber ihr ganz eigenes literarisches und kulturelles Erbe trägt.

Das Spannende an Belgien ist dieses Gefühl, dass die Vielfalt nicht wie in fernen, weiten Ländern als bunter Flickenteppich erscheint, sondern in dichter Nachbarschaft lebt. Man fährt nur wenige Kilometer und landet sprachlich in einer anderen Welt, mit anderen Traditionen, anderer Mentalität, anderem Humor. Schön ist, dass sich das in der Literatur widerspiegelt: Geschichten, die zwischen Sprachen wandern, zwischen Erinnerungen, Identitäten und Brüchen, zwischen regionalen Eigenheiten und europäischer Weite.

Politisch zeigt sich Belgien als föderale konstitutionelle Monarchie, in der sich die regionalen und sprachlichen Besonderheiten tief in die politischen Strukturen eingeschrieben haben. Regierung und Koalitionsbildung sind oft ein Geduldsspiel nicht, weil Belgier*innen besonders streitlustig wären, sondern weil die Macht zwischen Regionen und Gemeinschaften so fein austariert ist, dass jede Entscheidung mehrere Ebenen durchlaufen muss. Das Land besteht aus Regionen (Flandern, Wallonien, Brüssel) und Sprachgemeinschaften (niederländisch-, französisch- und deutschsprachig), die jeweils eigene Zuständigkeiten haben. Politik ist hier ein Balanceakt, eine ständige Suche nach Kompromissen und Koalitionen, die manchmal fragil wirken, aber doch seit Jahrzehnten dafür sorgen, dass das Land trotz Krisen und Spannungen funktioniert.

In gewisser Weise ist Belgien vielleicht eines der prototypisch europäischen Länder: klein, föderal, vielfältig, kompliziert – und gerade deshalb so interessant. Es steht für ein Miteinander, das nicht immer friktionsfrei ist, aber in seiner Reibung Ideen, Geschichten und Perspektiven hervorbringt, die untrennbar mit seiner kulturellen Identität verbunden sind.

Hier wie immer die vergleichenden Daten:

  • Bevölkerung: ca. 11,8 Mio. Menschen (Stand 2025)
  • Fläche: rund 30.700 km² (etwa so groß wie Baden-Württemberg)
  • Bevölkerungsdichte: sehr hoch, vor allem in Flandern und rund um Brüssel
  • Sprachen: Niederländisch, Französisch, Deutsch
  • Politisches System: föderale konstitutionelle Monarchie mit stark regionalisierten Zuständigkeiten

Auch wenn Belgien heute häufig überwiegend mit „Brügge sehen und sterben“ oder Pommes assoziiert wird man darf nicht vergessen, wie stark das Land die Pop- und Comic-Kultur geprägt hat. Tim und Struppi ist wohl das berühmteste Beispiel dafür: Der belgische Zeichner Hergé (bürgerlich Georges Remi) schuf mit dem Reporter Tim und seinem treuen Foxterrier Struppi eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Comicserien Europas. Der erste Band erschien 1929, die Reihe lief bis zum Tod Hergés 1983 und zwischenzeitlich wurden über 230 Millionen Alben verkauft, in unzählige Sprachen übersetzt. Tim und Struppi sind nicht nur ein Stück Abenteuer- und Kindheitsnostalgie, sondern auch ein Symbol für Belgien als Land, das mit einem Fuß in der Belletristik, dem anderen in der Pop- und Drachen-Kultur steht ein Beleg, wie sehr Geschichten, Erzählungen und Bildwelten belgisch sind.

Musikalisch steht Belgien für mich ganz klar unter dem Stern des DUNK! Festivals. Ich habe es bisher noch nicht geschafft diese Kultstätte des Postrocks zu besuchen, aber irgendwann klappt das sicherlich noch mal. Mein lieber Blognachbar Gerhard vom Blog Kulturforum hat schon des Öfteren davon berichtet.

Vorstellen möchte ich euch heute die Band „We stood like Kings“ die ich vor ein paar Jahrenlive bei einem ganz besonderen Event erleben durfte. Auch hier gibts im Kulturforum entsprechendes nachzulesen – und das lohnt sich 🙂

Auch filmisch liefert Belgien ordentlich ab. Chantal Akerman gilt als eine der bedeutendsten belgischen Regisseurinnen und als zentrale Stimme des feministischen und experimentellen Kinos. Ihr Film „Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ (1975) ist ein radikal ruhiges, minutiös beobachtetes Porträt weiblicher Alltagsroutine und innerer Zermürbung ist wirklich ein Meilenstein der Filmgeschichte, der zeigt, wie politisch und effektiv scheinbar unspektakuläre Gesten sein können. Kann den Film wirklich nur empfehlen.

Nach all den Musik- und Filmtipps möchte ich Belgien nun auch literarisch vorstellen und habe dafür „Dius“ von Stefan Hertmans gelesen:

Dius – Stefan Hertmans erschienen im Diogenes Verlag, übersetzt von Ira Wilhelm

Es gibt Zufälle, die so schräg sind als wäre kurz ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum entstanden und man zweifelt, ob das Buch sich vielleicht ins echte Leben ausgedehnt hat. Während ich Stefan Hertmans’ „Dius“ las – ein Buch, in dem Vittore Carpaccios Bilder eine recht zentrale Rolle spielen – fand ich auf meinem täglichen Spaziergang mit der kleinen Gasthündin im offenen Bücherschrank ausgerechnet einen Bildband dieses Malers. Carpaccio, nicht da Vanci oder Michaelangeo, ein Maler, den man nun wirklich nicht an jeder Ecke erwartet. Plötzlich wurde aus einer ohnehin schon intensiven Lektüre ein kleines multimediales Erlebnis: Musik über die Playlist, die beim Diogenes-Zoom-Abend mit dem Autor empfohlen wurde, Hertmans’ Worte im Buch –und dann diese Bilder, die direkt daneben aufschlugen und die mich wirklich sehr fasziniert haben.

Im Zentrum des Romans steht Anton, ein Kunsttheoretiker voller Sehnsucht, der oft eher beobachtet als handelt. Schon früh gibt es eine Szene, die sich ins Gedächtnis brennt: ein Autounfall, ein Hirsch, eine beinahe tödliche Bewegung. Hertmans schreibt das mit einer Intensität, die einen sofort in Antons Kopf zieht. An seiner Seite steht Dius, zunächst sein Student, dann sein Freund impulsiver, unmittelbarer, ein Künstler, der die Welt mit den Händen begreift. Zwischen den beiden entsteht eine enge, zugleich fragile Verbindung, getragen von Gesprächen über Kunst und Natur, aber auch von all dem, was unausgesprochen bleibt. Am Ende geht Dius nach Italien, Anton bleibt zurück und die Lücke zwischen ihnen erzählt ebenso viel wie ihre gemeinsamen Jahre.

In solchen Momenten weiß ich warum Dius in mein Leben treten musste: weil wir beiden den Durst nach längst vergangenen Zeiten teilen, die uns durch die frühen Erinnerungen irgendwie in den Körper eingeschrieben sind und uns unbehaust werden lassen im Lärm unserer Gegenwart. Kultur ist etwas Unbegreifliches; das Höchste ist mit dem Abgründigsten verwandt, und voll all den Jahrhunderten voller Schmerz, Verzückung und Verwirrung bleibt uns am Ende nur diese himmlische Musik, bei der sich mein Herz vor Verlangen zusammenkrampft, während ich unter der leichten Daunendecke liege….


Hertmans verankert diese Freundschaft in einem alten Bauernhaus in den weiten Westflämischen Poldern, einer Landschaft, die wie ein Resonanzraum wirkt, Seine Naturbeschreibungen sind präzise und voller Zärtlichkeit, und immer wieder stellt der Text die Frage, wie man Schönheit überhaupt fassen kann – ob Sprache reicht, um zu vermitteln, was Kunst, Landschaft oder ein Mensch in uns auslösen können.


Anton, ist Kunsttheoretiker, der oft an den Rändern des Lebens entlanggleitet. Einer, der eher denkt als handelt, der seine Sehnsüchte und seine Melancholie mit sich herumträgt und im Gegensatz Ein Gegenpol, lebendig, impulsiv, handfest im besten Sinn. Er denkt nicht nur über Kunst nach, er greift nach ihr, verschmilzt mit Material und Werkzeug, ein Mensch, der mit seiner Umgebung in eine Art physischer Resonanz tritt. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, die nicht idyllisch ist, sondern vibrierend; eine Beziehung, in der Nähe und Verrat, Inspiration und Verletzlichkeit von Anfang an mitschwingen.

Gerade weil Dius kein klassisch plotgetriebenes Buch ist, wirkt das, was geschieht, umso intensiver. Hertmans schildert ein Leben, das von Verlust, Erinnerung und dem Bedürfnis nach Nähe geprägt ist – aber auch von dem Versuch, sich über Kunst und die Betrachtung der Welt neu zu verorten. Durch die kunsthistorischen Exkurse, die Musik und die Naturbeobachtungen entsteht ein Geflecht, das gleichzeitig poetisch, scharf und berührend ist. Es ist ein Buch über das Sehen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Dius hat mich sehr berührt, und als Nächstes wartet nun Hertmans’ Krieg und Terpentin auf mich. Danke an Susanne vom Diogenes Verlag für ihre treffsichere Empfehlung – und natürlich an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wer noch mal zu den vorherigen Stationen (Sri Lanka, Italien, Trinidad & Tobago, Nigeria, Südkorea, China, Israel, Belarus, Japan, DR & Republik Kongo, USA, Polen, Chile, Afghanistan, Vietnam, Ukraine, Mauretanien, Mexiko, Niederlande, Malaysia) zurückreisen möchte wird in meiner Kategorie „Read around the World“ fündig.

Weitere Romane belgischer Autor*innen die ich gelesen und empfehlen kann:

  • I who have never known men – Jacqueline Harpman
  • Trophäe – Gesa Schoeters
  • Auf der Suche nach Marie – Madeleine Bourdouxhe
  • Der Buchhändler von Archangelsk – George Simenon
  • Mit Staunen und Zittern – Amélie Nothomb

Was sind eure Tipps für Belgien? Würde gerne mal wieder hin und welche Buch-Musik-Film Tipps habt ihr? Freue mich von euch zu hören und bin sehr gespannt!

Meine Woche

Gesehen: Torn Curtain (1966) von Alfred Hitchcock mit Paul Newman, Julie Andrews und ein sehr junger Günter Strack neben einer ganzen Reihe anderer bekannter deutscher Schauspieler. Sehr unterhaltsam.

Gehört: Zielloses Blatt im Wind – Karl die Große, Perennial – Kathi Deakin, X-Ray – The Notwist, Open Water – Die Sterne, An echo skips a name – Apparat

Gelesen: Warum niemand mehr allein arbeiten und entscheiden kann, Byung-chul han über Gärten im Winter, dieses Interview mit Anthony Hopkins

Getan: zur Reha nach Pfronten gefahren, viel gewandert, Yin Yoga gemacht, gemalt und geschrieben

Gefreut: über mein schönes Zimmer und auf meinen Adventskalender

Geärgert: nein

Getrauert: nein

Gegessen: Kaiserschmarrn

Getrunken: literweise Tee

Geklickt: auf die wirklich schönen Weihnachtsfilmchen von Apple und Amazon

Gestaunt: über die Illustrationen aus Edmund Weiss‘ „Bilderatlas der Sternenwelten

Gelacht: Gurkenscheiben = salad cookies

Gewünscht: mehr Schnee

Geplant: Cream Tea im Teeshop im Dorf

Gefunden: nix

Gekauft: nix

Gedacht: Ich werde aufgrund meines Alters oft fälschlicherweise für einen Erwachsenen gehalten

Meine Woche

Gesehen: Stromboli (1950) von Roberto Rossellini mit Ingrid Bergman und Mario Vitale. Drama um eine Frau die sich in eine Ehe flüchtet um einem Flüchtlingslager zu entkommen und auf der Insel Stromboli landet. Hat mir sehr gefallen.

Gehört: Dead End Dreams – Diary of Dreams, Seasons of Illusion – Ladytron, Chains of Love – Charlie xcx

Gelesen: Refusing to choose is a choice, In what specific way are you annoying?, The nuclear family is a failed experiment

Getan: mit lieben Freund*innen getroffen, das Diary of Dreams Konzert besucht, den Bookclub bewirtet, einen Münchner Stadtspaziergang gemacht, Yin Yoga, an der Isar spaziert und gepackt

Gefreut: über meinen Adventskalender – bin sehr gespannt darauf

Geärgert: nein

Getrauert: nein

Gegessen: Tagliatelle mit Trüffel

Getrunken: alkoholfreien Gin & Tonic

Geklickt: auf die Bravo Covers, auf das Gespräch von Günter Gaus mit Gustaf Gründgens, auf „Railfinder

Gestaunt: back when only men could knit

Gelacht: meanwhile in an agency

Gewünscht: diesen Retro Telefonhörer fürs Smartphone, diese Duftstäbchen, diese Jacke

Geplant: einen Ikea Besuch

Gefunden: Kiefernzweige

Gekauft: den Inhalt für den Adventskalender für die Bingereader Gattin

Gedacht: „Ich habe kein literarisches Interesse, sondern bestehe aus Literatur“ (Franz Kafka + me)