21 Lektionen für das 21. Jahrhundert – Yuval Noah Harari

“In a world deluged by irrelevant information, clarity is power.”

In „Sapiens: A Brief History of Humankind“ führt uns Harari durch die Geschichte der Menschheit und nimmt uns in „Homo Deus“ mit in die Zukunft, in die wir als Spezies unterwegs sind. In den „21 Lessons for the 21st Century“ beschäftigt er sich mit den größten Herausforderungen, vor denen wir heutzutage stehen und was wir in der näheren Zukunft erwarten sollten. Es wird euch wahrscheinlich nicht überraschen, das ist überwiegend nicht gerade lustig, aber Harari verbreitet keinesfalls reine Weltuntergangsstimmung, sondern zeigt Wege auf, uns aus der Erstarrung zu lösen und erste Schritte zu machen, um mögliche Lösungen zu finden.

Wir können nicht wirklich vorhersagen, welche Änderungen Artifial Intelligence, Machine Learning und andere Technologien bringen werden und wie sie sich auf unser Leben auswirken werden, was wird sich hoffentlich dadurch verbessern wird, aber auch, auf welche Risiken wir vorbereitet sein sollten. Unsere Welt ist so derart anders, als die Welt von vor 500 Jahren zum Beispiel, wir können also davon ausgehen, dass die Welt schon in 100 Jahren eine wiederum komplett andere sein wird. Schon jetzt haben wir das Gefühl, dass sich permanent alles verändert und wir mit den Änderungen gar nicht mehr Schritt halten können. Ich denke, das Tempo wird sich eher erhöhen und wir müssen als Spezies lernen, uns auf diese Dauerveränderungen besser einzustellen.

Wie müssen wir unsere Kinder erziehen, was müssen sie in der Schule lernen, um für eine so volatile Zukunft das beste Rüstzeug zu haben? Wie können wir selbst lernen, wer wir eigentlich sind, bevor Algorithmen uns besser kennen, als wir selbst und uns nach Beliebigkeit manipulieren?

“Humans think in stories rather than in facts, numbers, or equations, and the simpler the story, the better.”

Harari beschäftigt sich mit diesen Fragen als auch mit den Themen Politik, Terrorismus, Bildung, Klimawandel, Religion etc. Wie schon in seinen vorherigen Büchern verteilt er kräftig Hirnfutter in Form von Fakten, regt zum Nachdenken an und bietet erste Lösungsideen, auf denen man weiter herum denken kann.  Dieses Buch ist philosophischer als die beiden vorherigen und bringt den Leser dazu, intensiv über uns als Menschheit, unsere Geschichte und Geschichten, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft nachzudenken.

Wenn wir als Spezies nicht einfach nur überleben, sondern auch eine lebenswerte Zukunft für alle (inklusive der Tier- und Pflanzenwelt) schaffen wollen,  muss es uns gelingen, uns von überholten Legenden und Geschichten zu lösen wie Nationalismus, Religionen oder unsere Besessenheit, mit dem Markt als einzig regulierendem Element. Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass unsere eigene Sicht auf die Welt nicht automatisch die Sicht eines anderen sein muss und das deren Leiden weniger ernst zu nehmen ist, als unser eigenes. Wenn wir es als Menschheit schaffen wollen im Angesicht von Klimawandel, Demokratie-Erodierung und sich immer tiefer spaltenden Bevölkerungen, dann wird uns das nur gelingen, wenn wir als Weltbürger zusammen kommen.

Ich hoffe nicht, dass die Erhaltung der Erde als einen für unsere Spezies bewohnbaren Planeten als weiteres Kapitel unter der „Tragedy of the Commons“ laufen wird.

Morality doesn’t mean ‘following divine commands’. It means ‘reducing suffering’. Hence in order to act morally, you don’t need to believe in any myth or story. You just need to develop a deep appreciation of suffering.” 

Ich hoffe, wir schaffen es Vorurteile und jegliches völkisches Stammesgehabe hinter uns zu lassen. Das war hilfreich für unsere Jäger & Sammler Vorfahren, wird uns aber bei den Problemstellungen, die wir als Menschheit heute vor uns haben, eher hinderlich sein.

“Questions you cannot answer are usually far better for you than answers you cannot question.”

Für mich ist Harari ein Licht in der Dunkelheit und ich finde seine Bücher enorm wichtig. Es ist vielleicht nicht sein bestes Buch, aber da war so viel in dem Buch, dass mich zum Nachdenken gebracht that. Auch wenn vieles natürlich spekulativ ist und er bewusst teilweise überzeichnet, es geht darum, den Leser zu provozieren und zum Nachfragen und Denken zu bringen und das kann meines Erachtens fast keiner so gut wie Harari.

Ich danke dem CH. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hier ist ein sehr spannendes Interview mit dem Autor:

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Lukrez und die große Wende

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Foto: Wikipedia

Der griechische Philosoph Epikur (341 – 270 BCE) gründete eine philosophische Schule, die hunderte von Jahren in der hellenistischen und römischen Welt gedeihte und viele Anhänger hatte. Von Epikur sind uns leider nur ganz wenige Fragmente seiner Schriften erhalten geblieben. Das wohl am besten erhaltene Schriftstück ist das vom römischen Dichter Lukrez verfasste Gedicht „Über die Natur der Dinge“. „The Swerve“ ist Stephen Greenblatts Interpretation, wie das Gedicht von einem humanistischen Beamten namens Poggio Bracciolini aus dem Vatikan im 15. Jahrhundert wieder entdeckt und gerettet wurde und welchen Einfluss dieses Ereignis auf den Verlauf der Geschichte nehmen sollte.

Bracciolini war ein Bücher- bzw Manuskriptjäger. Er und auch andere Humanisten seiner Generation suchten in ganz Europa in Klösterbibliotheken nach antiken Manuskripten und versuchten, diese vor dem Vergessen zu bewahren. Poggio entdeckte Lukrez‘ Gedicht vermutlich in einem deutschen Kloster im Jahr 1417. Poggio ist ein ungewöhnlicher Charakter seiner Zeit: er ist neugierig, in einer  Zeit in der das absolut nicht als Tugend gesehen wurde und er ist fasziniert von den Ideen und Schriften der heidnischen Antike, ein nicht ungefährliches Hobby für ihn, das ihn oft gefährlich nah in die Ecke der Ketzerei bringt.

Das Gedicht hatte immensen Einfluss auf die Denker der Renaissance. Sein Einfluss kam nicht nur von der großen Schönheit der Sprache, sondern auch von der subversiven Natur, die Epikurs Philosophie zu Grunde liegt. Epikur war ein Materialist. Er glaubte, dass alles in der Natur aus fundamentalen kleinen Partikeln besteht, die er Atome nannte. Diese Atome existieren in unbegrenzter Leere, aber nach Epikurs Ansicht in bestimmten Formen und Größen. Sie sind unsterblich und wurden nicht von irgendwem erschaffen und sie werden auch nie enden. Epikur glaubte, dass Atome sich ständig bewegen und miteinander kollidieren und dabei sämtliche existierende Formen des Universums bilden, inklusive des Menschen, die nach Epikurs Auslegung ebenfalls nicht einzigartig geschaffen werden. Darüberhinaus sind die Anhänger von Epikur überzeugt, dass es einen freien Willen gibt.

Ausgehend vom Materialismus glaubte Epikur auch nicht an irgendeine Form von Leben nach dem Tod oder Auferstehung. Wenn wir sterben, setzen wir unsere Atome frei und diese formen dann neue Dinge. Er lehnte Religion grundsätzlich als Irrglauben und Täuschung ab, die den Menschen davon abhalten, glücklich zu sein. Damit der Mensch nach Glück streben kann und glücklich sein kann, muss er sich von diesen Illusionen lösen.

Epikurs Materialismus war – nicht sehr überraschend – absolute Ketzerei für die Christen und aus diesem Grund wurde Epikur stets heftig von ihnen attackiert. Eine der nachhaltigsten und am Weitesten verbreite Anschuldigung gegen ihn war der Vorwurf seines grenzenlosen Hedonismus. Dieser Vorwurf lässt sich aber recht leicht widerlegen. Epikur glaubte nämlich, dass der Mensch maßvoll leben sollte und durch Reflektion und Kontemplation ein gelassenes Leben führen kann, das frei von Ängsten und körperlichen Schmerzen ist. Für Epikur ist diese Kombination aus Gelassenheit und Freiheit von Angst und Schmerz der Weg zum Glück.

Als Poggio das Manuskript „Von der Natur der Dinge“ in die europäische Gesellschaft des 15. Jahrhunderts entlässt, war es kein Wunder, dass die christlichen Autoritäten versuchten, es zu unterdrücken wo sie nur konnten. Was das Gedicht rettete und seine Zerstörung verhinderte, war seine absolut wunderbare Sprache. Selbst christliche Gelehrte konnten sich dieser Wirkung nicht völlig entziehen und es wurde – oft heimlich – immer wieder untereinander ausgetauscht und abgeschrieben. Auch der Atomismus/Materialismus Epikurs begann seinen Einfluss zu entfalten, den man am Stärksten in den Werken von Malern wie Raphael oder Leonardo da Vinci sieht oder in den Schriften von Machiavelli, Giordano Bruno und einigen anderen.

Greenblatt hat mich mit diesem Buch sehr beeindruckt. Er hat ein intellektuelles, aber sehr eingängiges Buch geschrieben, das sich intensiv mit Epikurs Philosophie, Lukrez‘ Poesie und Poggio Braccolinis wunderbarem Triumph beschäftigt. „The Swerve“ erhielt den Pulitzer Preis 2012 und wer das Buch liest, versteht sehr schnell warum. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher dieses Jahr. Lukrez’ Gedicht “Von der Natur der Dinge” ist überraschend modern und war zu seiner Zeit unglaublich radikal. Greenblatt schafft es wunderbar, die Geschichte des „Buchjägers“ Poggio Bracciolini mit dem Fall Roms und dem Finden von raren antiken griechischen und römischen Dokumenten die in Klöstern verborgen sind zu verbinden.

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Wie gut es für die Nachwelt ist, dass die meisten Texte im Laufe der Jahrhunderte nicht aus einer intellektuellen Stimulanz heraus wieder und wieder von Mönchen kopiert wurden, sondern aus einem mechanischen Akt des Gehorsams heraus, das wurde mir erst durch Greenblatts Buch bewusst. Ein intellektuell stimulierter Mönch wäre deutlich mehr in Versuchung gewesen, mit dem Text zu interargieren und ihn gegebenenfalls zu ändern oder zu ergänzen, wodurch wir den Mönchen im Nachhinein für ihr stumpfes Abschreiben dankbar sein können.

“The Swerve” ist nicht nur eine romantische Geschichte über besessene Buchjäger, es ist so so viel mehr. Das Buch erzählt von Leidenschaft und Opferbereitschaft, aber auch von Fanatismus und philosphischer Entschlossenheit. Die Glaubenskriege, die heute toben sind nichts Neues, sondern im Grunde nur eine Weiterführung der Kämpfe von Angst gegen Rationalität und Glaube gegen Logik. Ketzer, die an Atome und nicht an die Seele und ein Leben nach dem Tod glaubten, wurden lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt, oft nach qualvoller Folter und Verstümmelungen, alles im Namen der Religion. Ideen haben schon immer eine unglaubliche Kraft besessen, waren gefährlich und konnten einem im Handumdrehen das Leben kosten. Intoleranz ist leider nichts neues und sehr weit sind wir in unserer Entwicklung da leider noch nicht gekommen. Überraschend fand ich auch, dass Thomas Jefferson sich selbst als Epikureer gesehen hat und Amerika auf sein „Streben nach Glück“ auf den philosophischen Gedanken von Demokrit und Epikur basiert. Auf diese Grundwerte sollten sich nicht nur die Amerikaner wieder einmal zurückbesinnen, denn mit Angst alleine werden wir unsere Zivilisation nicht weiterentwickeln.

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Die Lektüre von Lukrez‘ Gedicht kann ich nur jedem ans Herz legen. Wer Latein spricht, den beneide ich, doch auch deutsche Übersetzung war von unglaublicher Klarheit und Schönheit und es ist eines der Bücher, das man immer wieder aus dem Regal nimmt um darin zu blättern und sich festzulesen. Die Büchergilde hat mit der Ausgabe in der Übersetzung von Klaus Binder ein absolutes Schmuckstück geschaffen.

The Swerve“ ist auf deutsch unter dem Titel „Die Wende: Wie die Renaissance begann“ im Siedler Verlag erschienen.

Über der Natur der Dinge“ ist bei der Büchergilde Gutenberg erschienen.

Hirngymnastik Stoizismus

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“The aim of life is self-development. To realize one’s nature perfectly—that is what each of us is here for.”
Oscar Wilde

Die Hirngymnastik beschäftigt sich dieses Mal mit dem Stoizismus, einer Schule der Philosophie, die von Zenon von Kition etwa 301 vuZ gegründet wurde. Der Name Stoa geht auf eine Säulenhalle (Stoa) auf dem Marktplatz in Athen zurück, auf der Zenon seine Lehrtätigkeit aufnahm. Die frühen Stoiker wurden durch frühere philosophische Schulen und Denker beeinflusst, insbesondere durch Socrates, die Kyniker aber auch die Anhänger Platons und die Sophisten.

Die Stoiker waren vielleicht die eigentlichen Erfinder der Selbsthilfe-Bewegung. Neben der theoretischen Wissensvertiefung ging es ganz stark immer wieder um die Frage: „Wie lebe ich ein ethisch-moralisches gutes Leben?“. Es ist eine Gedankenschule, die immer auch das Gemeinwohl im Sinn hat, aber deutlich stärker auf das Individuum und dessen Weiterentwicklung ausgerichtet ist.

Der Stoizismus erreichte in seiner zweiten Periode (auch unter dem Begriff mittlere Stoa bekannt) das römische Reich. Cicero war einer der ersten, der sich mit dieser Philosophierichtung beschäftigte, ohne selbst ein Stoiker zu sein. In der dritten und letzten Phase verbreitete sich der Stoizismus weit im Römischen Reich und einige der bekanntesten und wichtigsten Schriftstücke des Stoizismus stammen aus dieser Zeit. Wichtige Stoiker waren Marcus Aurelius, Seneca, Epictetus sowie Gaius Rufus.

Als das Christentum die offizielle Religion des römischen Reiches wurde, begann der Stoizismus an Bedeutung zu verlieren, gemeinsam mit einigen anderen Gedankenschulen. Ihre Grundideen überlebten aber und beeinflussten viele historische Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Boethius, Thomas von Aquin, Erasmus, Montaigne, Descartes oder Spinoza. Auch die modernen Existentialisten wurden durch den Stoizismus beeinflusst. Es ist eine Philosophie, die aktuell eine Art Wiedergeburt erlebt und von modernen Methoden in der Logotherapie, der kognitiven Verhaltenstherapie beeinflusst wird und Überschneidungen mit dem Zen Buddhismus und dem Humanismus aufweist.

Für die Stoiker war die praktische Ethik der wichtigste Teil ihrer Philosophie: wie kann man sein Leben auf die bestmögliche Art leben? Gleichzeitig waren sie sich bewusst darüber wie schwer es ist, realistische und praktikable ethische Grundsätze für sich zu entwickeln, ohne zu verstehen wie die Welt funktioniert und die eigenen Grenzen und die Grenzen des menschlichen Verstandes zu akzeptieren.

Der Stoizismus beschäftigte sich daher mit drei Studienfeldern. Der Ethik, der Physik und der Logik. Unter Physik verstanden die Stoiker aber eher das, was wir heutzutage Naturwissenschaft und Metaphysik nennen würden. Natürlich sind viele der ursprünglichen stoischen Lehren durch die moderne Naturwissenschaft überholt worden. Das hätten die Stoiker der Antike allerdings auch erwartet, denn sie waren sich stets der Grenzen ihres Wissens bewusst und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber stets aufgeschlossen.

Eine der wichtigen Grundideen des Stoizismus leitet sich aus dem Studium der Metaphysik und Naturwissenschaften ab – das Verständnis, dass wir der Natur entsprechend leben sollten. Ein „gutes Leben“ (eudaimonia) beinhaltet das Kultivieren seiner eigenen moralischen Werte um ein guter Mensch zu werden. Die vier Kardinalstugenden der Stoiker sind: Weisheit (sophia), Mut (andreia), Gerechtigkeit (dikaiosyne) und Gelassenheit (sophroysne).

Einem bedeutenden Vertreter des Stoizismus widmet sich das folgende Buch:

James Romm: „Seneca und der Tyrann“ – Die Kunst des Mordens ans Neros Hof

Es ist jetzt nicht so, als habe ich noch nie etwas mit Römischer Geschichte am Hut gehabt und natürlich habe ich von den dekadenten und intriganten Römern gehört, wie heftig es dort allerdings zuging, war mir irgendwie doch nicht klar. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber gelegentlich kam mir Trump schon fast wie ein Waisenknabe vor im Gegensatz zu Caligula, Nero und Co. Im alten Rom wurde nicht nur tagtäglich gelogen und betrogen, da wurde auch gemordet als gäbe es kein Morden. Vater, Mutter, Kind, jeder gegen jeden – da konnte auch der Stoizismus eines Seneca nicht mehr viel ausrichten und auch er war diesbezüglich kein Kind von Traurigkeit, wie uns James Romm Buch zeigt.

Man kann Seneca als Mann der Widersprüche bezeichnen, aber das wäre schon reichlich freundlich. Er wollte einfach immer alles gleichzeitig sein und leben: Die asketischen Werte der Stoiker, ohne aber auf das luxuriöse Leben eines römischen Multimillionärs zu verzichten. In seinen Essays schreibt er wieder und wieder über die heroische Freiheit, die der Selbstmord mit sich bringt, während er selbst als Politiker an Neros Hof und dessen persönlichem Philosoph Ermordungen dulden musste, die fast schon an der Tagesordnung waren, inklusive der Ermordung von Neros Mutter, einer einstigen Gönnerin Senecas.

„Von all den fesselnden, aber zugleich wenig schlüssigen Indizien für Senecas Seelenzustand ist dies sicherlich das fesselndste und zugleich auch das uneindeutigste. Wir entnehmen es einer Erzählung, die ein Mann mehrere Jahrzehnte nach dem Geschehen hörte und aufschrieb, ohne seiner Sache selbst sicher zu sein. Tacitus war freilich nicht bereit, diese Fußnote der Geschichte zu verwerfen, ebenso wenig, wie viele moderne Historiker dies tun wollen. Immerhin beschwört sie die fast unheimliche Vorstellung herauf, Seneca könnte sich trotz seines Zurückschreckens vor einer aktiven Teilnahme Hoffnungen gemacht haben, am Ende als neuer Princeps dazustehen – als erster gekrönter Philosoph der westlichen Welt.“

Ein antiker Historiker gibt Seneca gar die Schuld, aus Habgier heraus die Rebellion von Boudicca, der Krieger-Königin im antiken England, verschuldet zu haben, die mit 80.000 getöteten römischen Soldaten und mindestens ebenso vielen britischen Kriegern endete. Seneca watete quasi in Blut und konnte sich am Ende dann doch nicht zu Tode bluten. In seinem verzweifelten zweiten Selbstmordversuch versuchte er dann, den großen Socrates zu imitieren und einen Schierlingsbecher zu trinken, aber auch das brachte noch immer nicht das gewünschte Ergebnis, am Ende musste er sich zu Tode baden. Immer noch eine der abgefahrensten Todesursachen von denen ich bislang so hörte.

Frauen hatten nicht viel zu sagen. Weder in philosophischen Kreisen noch am römischen Hof. Sie waren dynastische Geburtsmaschinen, die nach man nach Belieben heiraten, betrügen, sich von ihnen scheiden lassen oder im schlimmsten Fall ermorden konnte. Nero machte nicht einmal vor seiner eigenen Mutter Agrippina halt, eine Frau die strategisch an Neros Machtübernahme mitwirkte und sicherlich auch kein Wässerchen trüben konnte.

Eine besondere Rolle spielte eine Konkubine und ehemalige Sklavin namens Epicharis:

„Das weit und breit einzige Exempel moralischer Festigkeit lieferte die Freigelassene Epicharis, die sich weigerte, Namen von Mitverschörern zu nennen. Die junge Frau, die Lukans Haushalt angehörte und das Komplott mit Feuereifer unterstützt hatte, befand sich noch in Haft, nachdem sie ihren Versuch, in Misenum Proculus für die Verschwörung zu gewinnen, abgestritten hatte. Nero befahl nun, die Frau zu foltern – mit rotglühenden Eisenplatten und auf der Streckbank. Er glaubte, den Widerstand einer Frau auf diese Weise brechen zu können. Epicharis ertrug indes die Qualen für viele Stunden stillschweigend. Ihr Körper war danach so übel zugerichet, dass sie am nächsten Tag auf einem Sessel in die Folterkammer getragen werden musste. Dennoch brachte sie es, in dem verriegelten Raum sich selbst überlassen, fertig, ihr Busenband zu lösen, es zu einer Schlinge zu knoten und sich an einer der Stützen, die den Baldachin des Sessels trugen, zu erhängen.“

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Romm schreibt wunderbar anschaulich und lebendig. Man taucht völlig ab in die römische Welt und leidet mit der armen Octavia, dem Britannicus oder den anderen unschuldigen Leuten, die sich häufig nichts weiter haben zu Schulden kommen lassen, als irgendwie doof – sprich gefährlich – in der Erblinie zu sitzen und daher aus dem Weg geräumt zu werden. Es ist üblich, im alten Rom die Leute zum Selbstmord aufzufordern. Das hat den Vorteil, dass es keinen Mörder gibt und der sich selbst Tötende die Hälfte seines Vermögens behalten kann und seine Familie in Sicherheit weiß.

„Unglaublich ist, was ich ertrug, als ich mich selbst nicht ertragen konnte“, schreibt er in für ihn typischer Zuspitzung. Dann ließ er seine Gedanken auf ihren gewohnten Wegen wandeln, hin zur Suche nach einem tugendhaften Leben, einem gewissenhaften Leben, Unpässlichkeiten verderben, so sinniert Seneca, den Leib auf dieselbe Weise, wie Laster und Dummheit die Seele verderben. Der Leidende weiß vielleicht nicht einmal, dass er leidet, so wie ein Mensch im Tiefschlaf nicht weiß, dass er schläft. Nur die Philosophie kann die Seele eines Menschen aus einem solchen Koma wecken. Die Philosophie, Lucilius, ist das, was du mit deinem ganzen Sein und Wesen betreiben musst. Lass alles sein außer der Philosophie, so wie du alle deine Angelegenheiten schleifen lassen würdest, wenn dich eine schwere Krankheit befiele“

Seneca selbst bleibt schwer zu fassen, Romm interpretiert dessen Gedanken und Emotionen aus Mangel an echten Quellen und vieles bleibt einfach unklar. Er ist eine interessante, vielschichtige Persönlichkeit der sich seiner Schwächen bewusst zu sein scheint. Es ist tragisch, wie Seneca am Ende dem apokalyptischen Leben am Hof nicht entkommen kann und er qualvoll auf sein tragisches Ende wartet. Ein großartiges Buch, das wich nur schwer aus der Hand legen konnte. Unbedingte Empfehlung.

Ich danke dem Beck-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Im Rahmen dieser Hirngymnastik habe ich mich noch mit folgenden Werken großer Stoiker beschäftigt:

Meditations“ von Marcus Aurelius

Dieses ursprünglich auf griechisch verfasste Werk war nie für eine Veröffentlichung geplant. Die Tagebucheinträge des einzigen römischen Kaisers, der gleichzeitig auch Philosoph war, Marcus Aurelis (121-180 vuZ), vereinen eine Reihe spannender mentaler Denkübungen, Einsichten und Reflektionen. Marcus Aurelius arbeitet an sich, reflektiert, meditiert, denkt und versucht, sich und das Universum um sich herum zu verstehen. Die Einträge zeugen von seinen Zweifeln, seinen Ängsten aber auch seinen leidenschaftlichen und glücklichen Momenten. Er beschäftigt sich mit Ethik und Werten, menschlicher Rationalität, göttlicher Vorsehung und seinen eigenen Emotionen.

“The happiness of your life depends upon the quality of your thoughts.” 

“Dwell on the beauty of life. Watch the stars, and see yourself running with them.” 

“Waste no more time arguing about what a good man should be. Be one.”

“When you arise in the morning think of what a privilege it is to be alive, to think, to enjoy, to love …” 

Marcus Aurelius Tagebucheinträge haben sich zu einem der größten Werke der Philosophie entwickelt, die bis heute von Lesern, Denkern, Politikern gelesen, hinterfragt, bewundert und konsultiert werden. Ein Buch, das man wunderbar neben dem Bett liegen haben kann, morgens einfach aufschlagen einen kurzen Abschnitt lesen und man hat den ganzen Tag etwas, worüber man nachdenken kann. Perfekt.

“Das Buch vom geglückten Leben“ – Epiktet

Dieses Büchlein des Epictetus ist quasi ein stoisches Handbuch für ein moralisch-ethisches Leben. Zusammengestellt von einem seiner Schüler ist es ein zeitloses kleines Juwel mit Aphorismen und Gedanken, die einen guten Einblick in die Gedankenwelt der Stoiker bieten.

„Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden.“

„Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.“

 

“Von der Gelassenheit” – Seneca

Hier kommt Seneca selber noch einmal mit bedeutenden wirkungsvollen Einsichten in die Lebenskunst. Er schreibt über die Wichtigkeit von Vernunft und Moral und bietet profundes Wissen, Lehrsätze und eloquente, klarsichtige und zeitlose Weisheit an.

„Vor allem meide man Depressive und solche, die über alles und jedes jammern, denen jeder Anlaß für Klagen recht kommt. Mag solch ein Mensch einem auch treu und wohlgesinnt sein, er ist trotzdem ein Feind unserer Ruhe und Gelassenheit, ein Begleiter ohne seelisches Gleichgewicht, der ständig über alles seufzt und jammert.“

„Alle Grausamkeit entspringt der Schwäche.“

„Ich habe angefangen, mir selbst ein Freund zu sein. – Damit ist schon viel gewonnen, denn man kann dann niemals mehr einsam sein. Wisse auch, daß ein solcher Mensch allen ein rechter Freund sein wird.“

Auch wenn er selbst vielleicht selbst nicht in der Lage war, seinen eigenen Richtlinien immer zu folgen, es zu versuchen und jeden Tag ein bisschen besser zu werden, ist auf jeden Fall ein Anfang auf dem Weg zu einem glücklichen Leben.

Kluge Köpfe II

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Als sich vor ein paar Tagen „meine“ Siri Hustvedt mit Miriam Meckel in Zürich zum Gespräch traf, wurde ich vor lauter Neid schon ein bisschen ohnmächtig. Es gibt einfach Menschen mit wahnsinnig attraktiven Gehirnen und mit diesen beiden Damen würde ich liebend gerne mal ein paar Nächte durch diskutieren und über die Zukunft der menschlichen und künstlichen Intelligenz sprechen.

Miriam Meckel untersucht in ihrem Buch „Mein Kopf gehört mir“ in 14 Stationen die unterschiedlichen Wege, in denen die Menschen momentan versuchen, ihr Hirn zu tunen und sich mit Hilfe der Technologie in mehr oder weniger Cyborgs zu verwandeln. Dabei reicht es ihr bei weitem nicht, entsprechende Literatur darüber zu lesen, Frau Meckel startet eigentlich überall den Selbstversuch und führt protokollarisch Tagebuch über ihre Erlebnisse.

„Es wird unsere Aufgabe für die Zukunft sein, den Verbindungsbalken zwischen den Hemisphären des neuen Weltgeistes aus menschlicher und künstlicher Intelligenz zu bauen. Wenn es schlecht läuft, werden wir verlieren von dem, was unsere Welt und das Leben schön macht: Kreativität, Emotionen, geistige Einzigartigkeit und die Fähigkeit, Menschen und Dinge zu lieben. Wenn es gut läuft, wird es uns gelingen, die beiden Zustände zu verbinden und in einer großartigen Welt zu leben…“

Das geht von 24 Stunden in der Dunkelkammer, Neuro Enhancer Pillen und Stromstößen fürs Gehirn bis hin zu Spracherkennung über das Gedankenlesen. Nicht alle Versuche gingen spurlos an ihr vorbei und sie hat sich da weit aus ihrer Komfortzone rausgewagt.

Besonders gefiel mir, dass Meckel nie plakativ ins Schwarz-Weiße verfällt. Sie zeigt kritisch Gefahren auf, erklärt aber auch die durchaus bestehenden positiven Möglichkeiten, insbesondere für die Medizin. Immer wieder werden wir mit der Frage konfrontiert, sollen wir wollen, was wir können, was bedeutet das aus ethischer Sicht für die Menschen und wie weit können wir die möglichen Folgen absehen, weil aktuell vieles noch nicht durch Langzeitstudien erforscht ist?

Ein spannendes und unterhaltsames Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und ich hoffe noch immer auf einen Besuch der Autorin in München. Mein Hirn war jedenfalls permanent on fire und ich könnte problemlos die ganze Nacht mit Frau Meckel diskutieren – auch ganz ohne Hirnboosting durch Stromzufuhr.

Ich bedanke mich beim Piper Verlag für das Rezensionsexemplar.

Verteidigung des liberalen Charakter

Dieses kleine Büchlein hatte unglaublich viele großartige Erkenntnisse geboten für mich, ich kam aus dem Unterstreichen überhaupt nicht mehr raus. Strenger führt aus, dass die Menschen ihre Freiheiten als selbstverständlich und naturgegeben ansehen und nicht als etwas, dass man sich erarbeiten muss und für das es sich zu kämpfen lohnt.

Wir sehen die politische Stabilität und die Menschenrechte zum Beispiel als eines unserer Grundrechte an und in dem Moment, wo irgendwer diese Rechte beschneidet oder uns ins Gehege kommt, kreiden wir das dem jeweiligen Politiker oder der Gesellschaft als solches an, sehen es aber in der Regel nicht als unser ureigenes Problem an, das wir proaktiv mit lösen müssen.

Die meisten sind so sehr damit beschäftigt, sich selbst zu optimieren durch Sport, die passende Ernährungsweise oder dem optimierten Schlafverhalten, dass neben Beruf und Selbstoptimierung maximal noch Zeit für Beruf und etwas Familie bleibt, aber für die Gesellschaft bleibt am Ende nichts übrig.

Wir haben meistens kein größeres Ziel, als uns selbst zu verbessern, was dazu führt, dass unsere gesellschaftlichen Systeme einknicken oder von rechts unterwandert werden. Wir sind zuviel mit uns selbst beschäftigt und haben keine Zeit und nicht genügend Interesse, der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Eine Kritik, die ich mir auch persönlich gefallen lassen muss. Ich sehe einiges positiver als Strenger, aber grundsätzlich trifft er mit vielen Punkten ins Schwarze.

Die größte Leistung der westlichen Aufklärung liegt darin, dass sie den Menschen die Möglichkeit, gibt ihr Leben frei gestalten zu können und es heute mehr Auwahl gibt als je zuvor. Das ist aber nicht nur Anlass zur Freude, denn es bedeutet auch, dass die Menschen sich ihre existentiellen Fragen nach dem Warum, ihrer Identität, dem Sinn etc. selbst beantworten und ihrem Leben einen eigenen Sinn geben müssen. Manche Menschen befreit diese Freiheit, doch für einige bedeutet es ein zu viel an Verantwortung, Mut und Anstrengung und das auch noch ohne Erfolgsgarantie.

„Wo negative Freiheit als Freiheit von äußeren Zwängen definiert ist, besteht die positive darin, dass wir wirklich autonom sind. Wahre Selbstbestimmung erfordert Vernunft, Wissen und Disziplin. Mit negativer Freiheit ist durchaus vereinbar, dass wir zu Sklaven unserer Leidenschaften, Begierden oder auch äußerer Manipulation werden. Der Begriff der positiven Freiheit hingegen gibt einer starken menschlichen Intuition Ausdruck: Wahrhaft frei sind wir nur dann, wenn wir die negative Freiheit mit Inhalten füllen, für die wir uns bewusst entschieden haben.“

Die westlichen Gesellschaften werden nicht überleben können, wenn die Menschen nicht bereit sind, ihre persönliche und gesellschaftliche Freiheit zu verteidigen.

Mit eines der wichtigsten Bücher für mich, die ich dieses Jahr gelesen habe. Spannend und bringt das Hirn garantiert auf Hochtouren.

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Ich habe hier ja schon bis zum Abwinken seine beiden Bücher „Sapiens“ und „Homo Deus“ besprochen, beworben und vielfach verschenkt und zugegebenermaßen ist hier nichts neues drin, da es sich hier um einen Auszug aus seinen beiden Büchern handelt. Trotzdem. Es hat sich gelohnt, dieses Büchlein zu lesen.

Der erste Teil erzählt die Geschichte des Geldes. Wie und warum wurde es erfunden? Warum hat es so eine derart große Bedeutung in unserem Leben und macht es uns eher glücklich oder unglücklich? Im zweiten Teil entwickelt er Zukunftsszenarien zur Zukunft der Menschheit, des Individuums und der Gesellschaft. Wir befinden uns am Rande einer Revolution, ob wir das wollen oder nicht.

Seine brillianten Einsichten, Klarsicht und seine Weitsichtigkeit sorgen für Lektüre die den Leser aufrüttelt, zum Nachdenken bringt und wer sich bislang nicht sicher war, ob er seine beiden Bücher lesen sollte, spätestens nach diesem Auszug dürfte alles klar sein.

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Die beiden Essays machte Susan Sontag über Nacht zu einer literarischen Sensation und waren die ersten, die versucht die Grenzen zwischen der sogenannten „Hoch- und Trivialkultur“ zu überwinden.

„Camp“ auf Deutsch vielleicht mit dem Begriff „Kitsch“ oder „affektiert“ zu übersetzen ist eine bestimmte Form des Ästhetizismus. Eine bestimmte Art, die Welt zu sehen. Es hat nicht unbedingt mit Schönheit im klassischen Sinne zu tun, sondern mehr mit einer Versinnbildlichung der artifiziellen stilisierten Form.

The more we study Art, the less we care for Nature“

„The ultimate camp state means it’s good because it’s awful“

Mir hat der zweite Essay „One Culture and the New Sensibility“ vielleicht sogar noch besser gefallen. Es beschäftigt sich mit der nach wie vor aktuellen Debatte um den Bruch zwischen low und high brow Kultur und die Weiterentwicklung in die sogenannte nobrow Kultur.

„One important consequence of the new sensibility is that the distinction between high and culture seems less and less meaningful.“

4 Hirne und die daraus entstandenen Texte/Bücher, die garantiert den Blickwinkel erweitern und die eigenen Synapsen zum Glühen bringen. Hier die klugen Köpfe noch mal im Überblick:

  • Miriam Meckel „Mein Hirn gehört mir“ erschienen im Piper Verlag
  • Carlo Sprenger „Abenteuer Freiheit“ erschienen im Suhrkamp Verlag
  • Yuval Noah Harari „Money“ erschienen im Vintage Verlag
  • Susan Sontag „Notes on Camp“ erschien im Penguin Verlag

A Woman looking at Men looking at Women – Siri Hustvedt

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Siri und ich haben fast einen ganzen Monat miteinander verbracht, das war eine überaus spannende und intensive Zeit, ich habe so wahnsinnig viel gelernt und weiß gar nicht, wo ich mit meiner Rezension beginnen soll….

Siri Hustvedt versucht mit diesem Buch eine Brücke zu schlagen zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften und allein das finde ich so inspirierend und wunderbar. Für mich macht das eine ohne das andere fast keinen Sinn und ich mag die Verknüpfung sehr. Die Essays decken eine enorme Bandbreite an Themen: Kunst, Feminismus, Psychologie, Philosophie, Neurowissenschaften, Artifical Intelligence … und nach jedem Kapitel brauchte ich erst mal eine kurze Pause zum Durchschnaufen, googeln, um mich mit Hintergrundwissen zu den jeweiligen Künstlern, Philosophen etc. zu versorgen. Sie gesteht keiner der Disziplinen absolute Wahrheit zu und das genau macht ihre Essays so spannend.

Hustvedt hat sich immer schon für Biologie interessiert und dafür, wie Wahrnehmung und Erkenntnis funktioniert. Das Buch selbst ist in 3 Teile aufgeteilt. Der erste Teil „A Woman Looking at Men Looking at Women“ beschäftigt sich mit dem Thema Voreingenommenheit (Biases) mit Blick auf Wahrnehmung und Gender in der Kunst, der Literatur und der Welt im Allgemeinen. Dabei untersucht sie, Künstler wie Picasso, De Kooning, Louise Bourgoise, Susan Sontag, Karl Ove Knausgaard, Robert Maplethorpe und andere. Überaus spannend und gerade, weil ich von Kunst viel zu wenig Ahnung habe, viel Neues für mich. Louise Bourgoise insbesondere ist eine Künstlerin, deren Entdeckung ich Siri Hustvedt verdanke und die mich sehr fasziniert.

19 feb siri hustvedt

Der zweite Teil „The Delusions of Certainty“ beschäftigt sich mit dem uralten Leib/Seele Problem, das der Menschheit schon seit den Zeiten der alten Griechen schlaflose Nächte bereitet. Es geht um das Bewusstsein und sie beleuchtet es aus einer Vielzahl an Perspektiven. Ist das Bewusstsein das Gleiche wie das Hirn und wenn nicht, wo genau sitzt das Bewusstsein im Körper? Und was genau hat das Bewusstsein mit dem Körper zu tun? Hier ist mir vom Denken gelegentlich schwindelig geworden – es ist klasse, wenn man quasi spürt, wie Gehirnzellen Sex haben und neue Gedanken produzieren.

“The best works of art are never innocuous: they alter the viewer’s perceptual predictions. It is only when the patterns of our vision are disrupted that we truly pay attention and must ask ourselves what we are looking at.” 

Im dritten und letzten Teil geht es um die Frage „What are we?“, Vorträge zum Thema Conditio Humana, neurologische Erkrankungen und um Hysterie. Sie stellt Forschungsergebnisse aus den Bereichen Soziologie, Neurobiolgoie, Geschichte, Genetik, Statistik und Psychologie vor und beschäftigt sich in diesem Kapitel auch sehr tiefgreifend mit dem Thema Suizid.

Beim Lesen ihrer Essays hat man das Gefühl, Siri persönlich kennenzulernen. Sie öffnet sich ihren Lesern sehr, lässt uns teilhaben an ihren Studien und ihrer persönlichen Weiterentwicklung. Sie hat eine wunderbare zugängliche Art zu schreiben, auch wenn die Lektüre teilweise alles andere als einfach war. Ich mochte ihre persönlichen Details die sie teilt, wenn sie über ihre Tochter schreibt oder ihre Eltern, wie sie aufgewachsen ist.

“The history of art is full of women lying around naked for erotic consumption by men.” 

Besonders interessant fand ich, dass sie an den Büchern von Steven Pinker (den ich ja kürzlich mit großer Begeisterung las) viel auszusetzen hat und gerade das fand ich interessant. Nachzuvollziehen, wo die unterschiedlichen Blickwinkel liegen, zu versuchen, gleichzeitig zwei unterschiedliche Thesen im Kopf zu behalten und dem Wunsch nach schwarz/weiß – richtig/falsch zu widerstehen, und sich stattdessen darauf einzulassen, einfach zu lernen, nicht final entscheiden zu müssen. Es ist Hustvedt ein großes Anliegen, die Kluft zwischen den beiden Disziplinen zu überbrücken, ein Anliegen, das mir auch sehr am Herzen liegt. Ich finde es soooo schade, wie viele Naturwissenschaftler wenig Interesse an Kunst und Kultur haben, fürchte aber, dass es „in der Kultur“ fast noch schlimmer aussieht, wo es fast schon en vogue ist, sich nicht für Physik, Mathematik oder andere Naturwissenschaften zu interessieren.

“In order to be accepted, women must compensate for their ambition and strength by being nice. Men don’t have to be nearly as much d as women. I do not believe women are natively nicer than men. They may learn that niceness brings rewards and hat names ambition is often punished. They may ingratiate themselves because such behavior is rewarded and a strategy of stealth may lead to better results than being forthright, but even when women are open and direct, they are not always seen or heard.” 

Ich fand es faszinierend darüber nachzudenken, wo und wie die Naturwissenschaft Einfluss auf uns im täglichen Leben hat mit Blick auf Computer, Mobiltelefone, Elektrizität, künstlicher Intelligenz und umgekehrt der Einfluss der Geisteswissenschaften auf unser Leben in der Literatur, der Kunst, Geschichte, Philosophie, Poesie, Tanz etc.

Wir müssen uns nicht zwischen den beiden entscheiden und ich wünschte mir, „Science + Art“ würden viel stärker miteinander arbeiten, statt gegeneinander.

Siri Hustvedts Essays sind auf keinen Fall leichte Kost, sie zwingen uns zum Nachdenken. Ich fand insbesondere die Frage spannend, warum die Naturwissenschaften immer als hart und maskulin, die Geisteswissenschaften als weich und feminin klassifiziert werden und welchen Einfluss das auf uns und unsere Voreingenommenheit hat.

Hustvedt kann sich ganz und gar nicht mit dem gängigen Gebrauch von Computer-Terminologie in Bezug auf unser Hirn anfreunden und sie zerlegt diese Argumente recht eindrucksvoll. Gleichermassen zerlegt sie Aussagen zu biologischen und psychologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern.

Die Stärke und Klarheit von Hustvedts Denken gibt mir Zuversicht in unsere Spezies. Sie ermuntert uns, Vertrauen in unsere Instinkte zu haben, gleichzeitig aber kritisch auf mögliche Fehlinterpretationen zu achten und Bauchgefühl mit Daten zu untermauern. Wahrheiten können Fiktionen sein und es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass wir die Faktenlage kritisch checken und bereit sind, lieb gewonnene Überzeugungen zu hinterfragen.

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Ich habe mich beim Lesen ein bisschen in Siris Hirn verliebt und hoffe, ich habe noch mal Gelegenheit, sie live auf einer Lesung oder einem Vortrag zu treffen. Dieses Buch ist Hirngymnastik pur. Tun Sie sich und Ihrem Hirn einen Gefallen und lesen Sie es. Man spürt beim Lesen, wie die Synapsen qualmen, das Gehirn dehnt sich auf ungeahnte Ausmaße aus und kehrt danach nie wieder in seine ursprüngliche Form zurück.

“There is no perception without memory. But good art surprise us. Good art reorients our expectations, forces us to break the pattern, to see in a new way.” 

 

Books & Booze: Die Freiheit, frei zu sein – Hannah Arendt

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Schon Kierkegaard war ja der Meinung, dass eines der lächerlichsten Dinge am modernen Leben die Tatsache sei, dass der Mensch keine Zeit mehr habe zu reflektieren – das schein im 19. Jahrhundert also nicht großartig anders gewesen zu sein als heute. Cocktail Bars sind aber auf jeden Fall ein Ort, an dem man sich die Zeit und den Raum nehmen kann und nehmen sollte, nachzudenken und über den Lauf des Lebens zu reflektieren.

Philosophie und Cocktails haben eine lange und intime Geschichte, über die wir jetzt gerne noch deutlich mehr schreiben würde, das Problem ist, Hannah Arendt, über die wir heute Abend schreiben und der unser heutiger Cocktail gewidmet ist, partout keine Philosophin sein wollte.

Sie gilt als eine der einflussreichsten politischen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts, auch wenn sie diesen Titel für sich selbst stets ablehnte. Ich habe mich ewig darüber gewundert, überlegt ob es in einer falschen Bescheidenheit begründet liegt, bis Thomas Meyer, Dozent für Philosophie an der LMU München, bei einer Veranstaltung im Literaturhaus München meinte, seiner Einschätzung nach habe sich Arendt mit dieser Äußerung einfach von der Philosophie distanzieren wollen, die sie bis zu einem gewissen Grad für die Gräueltaten des Holocaust und des Nationalsozialismus mit verantwortlich machte. Eine für mich neue, aber durchaus einleuchtende Theorie.

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Sie wirft der Philosophie vor, feindselig auf die Politik zu blicken und mit Blick auf die Gräueltaten des Holocaust und des Nationalsozialismus versagt zu haben. Sie kritisiert die künstliche Trennung zwischen praktischer und theoretischer Philosophie. Die politische Theorie stellte für sie eine mögliche Alternative zur Philosophie dar.

Der Text „Die Freiheit, frei zu sein“, der letztes Jahr wiederentdeckt wurde, ist erstaunliches Bestsellerlisten-Material. Er ist alles andere als zugänglich, es scheint, als wolle die Bevölkerung sagen „traut uns sowas Schwieriges zu“, „wir wollen nicht nur Leichtverdauliches“. Die Menschen wollen nicht mehr unterfordert werden und wehren sich gegen die sprachliche und intellektuelle Verwahrlosung unserer Zeit. Wollen einer konservativen Revolution etwas entgegensetzen, die allen voran ausgerufen wird von einem Typen, der das Wort „Freiheit“ nicht einmal buchstabieren kann.

Der Text ist das Transkript einer Rede, dass sie vor einem konservativen Think Tank in Chicago hielt, für die alles Denken und alle Philosophie nach Plato eigentlich nur noch eine Fußnote darstellte.

Gerade diesem steifen Publikum kommt Arendt – vermutlich charmant wie immer – gleich mit der Revolution ins Haus.

„Mein Thema heute ist, so fürchte ich, fast schon beschämend aktuell. Revolutionen sind inzwischen alltägliche Ereignisse, denn mit der Beendigung des Imperialismus haben sich viele Völker erhoben, um „unter den Mächtigen der Erde den selbständigen und gleichen Rang einzunehmen, zu dem die Gesetze der Natur und ihres Schöpfers es berechtigen.“

Revolutionen werden für die Freiheit gemacht. Aber Freiheit von was? In der Regel folgen auf Befreiungen erst einmal Terror und die wichtigste Frage ist nicht so sehr wie erlange ich Freiheit, sondern wie bewahre ich die Freiheit? Freiheit darf für Hannah Arendt nicht in der Passivität bleiben (noch einmal ein Wink mit dem Zaunpfahl nach Freiburg) Freiheit muss rückverankert in die Gesellschaft sein, es muss das Ziel jedes Einzelnen sein, Freiheitsräume zu schützen, denn Freiheit geht jeden an.

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Hannah Arendt hat mit diesem gut fünfzig Jahre alten Text ein Gegengift in die Welt gesetzt, dass uns hilft darüber nachzudenken, was in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft erhaltenswert ist.

Der Text hat durchaus ein gewisses Mass an Reflektions-Komplexität, bietet uns aber einen so positiven Begriff von Freiheit, dass wir Hannah Arendt mit dieser Books & Booze Ausgabe einen eigenen Cocktail widmen wollen.

Die Münchner Küchenexperimente sind im Labor verschwunden und kamen dann mit dieser köstlichen und überaus süffigen Mischung wieder hervor:

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100 ml stark aufgebrühten grünen Tee

Tonic und Gin eurer Wahl

Eiswürfel

Den grünen Tee schön stark aufbrühen und dann abkühlen lassen. Mit den Eiswürfeln in ein Glas geben und mit Tonic und Gin nach Wunsch auffüllen.

Ladies and Gentlemen, versuchen Sie diesen Cocktail – ich bin sicher, Frau Arendt hätte ihn mit ihrer „Bae“ Mary McCarthy bei circa 20 Zigaretten lässig an einem Nachmittag weggeschlürft.

Es lebe die Freiheit und Hannah Arendt 😉

Wer noch mehr möchte – hier der link zu ihrem unvergesslichen Interview mit Günter Gaus:

Wer noch etwas mehr über Hannah Arendt wissen möchte, dem empfehle ich ihr „Last Interview„.

Enlightenment Now – Steven Pinker

Pinker

Optimismus und positives Denken sind einfach nicht cool, wer etwas auf sich hält, sieht die Welt als einen Ort voller ungelöster und unlösbarer Probleme und Risiken, wer die Welt positiver sieht, den hält man gerne schon mal für einen für einen naiven Deppen ohne jede Fähigkeit zum kritischen Denken.

Schon John Stuart Mill, ein eher optimistischer Philosoph, beobachtete das und schrieb dazu im Jahr 1828:

“I have observed that not the man who hopes when others despair, but the man who despairs when others hope, is admired by a large class of persons as a sage.”

Auch in Voltaires „Candide“ bekommt der Optimismus die Fresse voll, auch wenn es sich nach Pinkers Meinung gar nicht wirklich um Optimismus handelt in diesem Fall, denn wer glaubt, die Welt ist schon so gut wie sie nur sein kann, der denkt eher fatalistisch, dann akzeptiert man einfach was ist, ein echter Optimist würde eher sagen: „auch wenn die Welt nie perfekt sein wird, vieles kann verbessert werden wenn wir daran arbeiten.“ In diesem Sinne bin ich ein echter Optimist und habe mich sehr gefreut, in Herrn Pinker einen Verwandten im Geiste getroffen zu haben.

In “Enlightenment Now” argumentiert Pinker unterstützt durch Unmengen an Daten, dass unser Leben deutlich besser geworden ist und nicht deutlich schlechter, auch wenn viele das Gefühl haben. Die Menschen sind global gesehen gesünder, sicherer, weniger gewalttätig, besser gebildet, toleranter geworden, leben länger und haben in der Regel erfülltere Leben.

Es ist zwar krass, dass es überhaupt nötig, ist Prinzipien wie Vernunft, Humanismus, Wissenschaft und Fortschritt zu verteidigen, aber wo wären wir als Menschheit ohne diese Prinzipien. Wie weit wir bereits gekommen sind, zeigt Pinker in seinem Buch, in dem er diese Entwicklung chronologisch erklärt und damit den „common sense“ des Öfteren heftigst zum Vibrieren bringt.

Schleche Nachrichten sind überall, machen einfach die besseren Schlagzeilen und sind in aller Munde, auch viele Intellektuelle üben sich mittlerweile derart in Schwarzmalerei und versuchen uns davon zu überzeugen, dass die Welt ein immer schrecklicherer, dunkler, gefährlicherer Ort wird, wenn in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist. Natürlich ist die Welt nicht perfekt, aber ein deutlich besserer Ort, als uns viele glauben machen wollen und das führt dann zu so katastrophalen Setbacks wie Trump oder dem Erstarken der Rechten, der neuen Gesellschaftsfähigkeit von rechtskonservativen Ideen oder auch für ganz Durchgeknallte wie die Klimawandel-Abstreiter oder Flat-Earthler. Wenn kritisches Denken in Wahn umkippt …

„If you had to choose a moment in history to be born, and you did not know ahead of time who you would be – you didn’t know whether you were going to be born into a wealthy family or a poor family, what country you’d be born in, whether you were going to be a man or a woman – if you had to choose blindly what moment you’d want to be born, you’d choose now.“ (Barack Obama)

Der Fortschritt hat das Leben nicht nur in westlichen Ländern verbessert, sondern weltweit. Das durchschnittliche Lebensalter weltweit war bis ins 19. Jahrhundert etwa 30 und liegt heute weltweit bei 71. Die Säuglingssterblichkeit ist deutlich gesunken und viele Infektionskrankheiten komplett ausgerottet. Es gibt deutlich weniger Hunger in der Welt, selbst in den ärmsten Ländern ist Übergewicht mittlerweile häufiger an der Tagesordnung, als Untergewicht. Im Durchschnitt sind die Menschen gesünder, mehr Menschen können lesen und schreiben, der IQ ist weltweit gestiegen und sie haben mehr Einkommen zur Verfügung. Was nicht bedeutet, wir können die Hände in den Schoss legen, aber doch immerhin den positiven Trend  anerkennen.

„For an American woman, being pregnant a century ago was almost as dangerous as having breast cancer today.“

Es mangelt weiter an Chancengleichheit für alle und wir müssen aufpassen, dass die Einkommensunterschiede nicht zu hoch werden, denn die Tatsache allein, dass es faktisch allen besser geht als früher, wird nicht reichen, um aus krassen Ungleichheiten entstehende Probleme zu bekämpfen.

Natürlich gibt es auch richtig große Probleme, die wir dringend angehen müssen und die Pinker klar bennent. Wenn wir es nicht schaffen, in kürzester Zeit unseren CO2 Level zu reduzieren und die Erderwärmung in den Griff bekommen, werden wir vor katastrophalen Problemen stehen, die wir eventuell nicht mehr händeln können. Pinker will das lösen, in dem wir weltweit auf Atomstrom umsatteln, denn nur so sei eine realistische Senkung des CO2 Ausstosses zu ermöglichen – eine Idee, die mir natürlich nicht gefallen hat, seine Argumentation hat mich diesbezüglich aber zumindest zum Nachdenken gebracht.

“To the Enlightenment thinkers the escape from ignorance and superstition showed how mistaken our conventional wisdom could be, and how the methods of science—skepticism, fallibilism, open debate, and empirical testing—are a paradigm of how to achieve reliable knowledge.”

Das Buch zeigt deutlich, dass wir hinter die Schlagzeilen gucken und unsere eigenen Vorurteile und Voreingenommenheiten auf den Prüfstand stellen müssen. Die humanistischen Kräfte müssen wir verteidigen und verstehen, dass sie hinter dem kontinuierlichen Fortschritt stehen, den wir bislang erlebt haben. Sicherlich werden einige Herrn Pinker als zu optimistisch und hoffnungsfroh empfinden, aber vielleicht ist das ein bisschen wie in der Schule. Für die einen war eine schlechtere Note im Halbjahreszeugnis der notwendige Ansporn, jetzt richtig Gas zu geben, für andere die Entscheidung, in das Fach gar nicht mehr zu investieren. Wer zu viel „Doom und Gloom“ verbreitet läuft meines Erachtens Gefahr, dass die Leute ganz aufgeben und den Kopf in den Sand stecken, weil es ja eh keinen mehr Sinn hat bzw. sie in die Arme von Populisten getrieben werden, die einfache Lösung für hoch komplexe Probleme bieten.

“The idea of a universal human nature brings us to a third theme, humanism. The thinkers of the Age of Reason and the Enlightenment saw an urgent need for a secular foundation for morality, because they were haunted by a historical memory of centuries of religious carnage: the Crusades, the Inquisition, witch hunts, the European wars of religion. They laid that foundation in what we now call humanism, which privileges the well-being of individual men, women, and children over the glory of the tribe, race, nation, or religion. It is individuals, not groups, who are sentient—who feel pleasure and pain, fulfillment and anguish. Whether it is framed as the goal of providing the greatest happiness for the greatest number or as a categorical imperative to treat people as ends rather than means, it was the universal capacity of a person to suffer and flourish, they said, that called on our moral concern.” 

Egal ob man mit Pinkers Thesen einverstanden ist (und ich hatte auch so manches, woran ich heftig geknabbert habe) dieses Buch ist wichtig und gehört zu Recht zu Bill Gates Lieblingsbüchern,  ich würde es sehr gerne einigen Leuten in die Hand drücken. Wir haben nur eine Chance, die riesigen Probleme in der Welt zu lösen, wenn wir den Werten der Aufklärung, Vernunft, Wissenschaft und Humanismus treu bleiben und diese auch verteidigen.

“But it’s in the nature of progress that it erases its tracks, and its champions fixate on the remaining injustices and forget how far we have come.”

Auf deutsch erscheint das Buch unter dem Titel „Aufklärung jetzt: Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung“ im September 2018 im S. Fischer Verlag