Meine Woche

Gesehen: Central do Brasil / Central Station (1998) von Walter Salles mit Fernanda Montenegro und Vinicius de Oliveira. Wirklich schönes Road Movie aus Brasilien und eine bezaubernde Freundschaft zwischen einer verbitterten ehemaligen Lehrerin und einem kleinen Jungen.

Gehört: Sugar Man – Rodriguez, Shout – Lulu, Dreams Go – POLIÇA, As alive as you need me to be – Nine Inch Nails

Gelesen: How unchecked greed and wealth worship are devouring the world, Wie umgehen mit Richtern die in der AFD sind

Getan: den Bookclub bewirtet, das Sommerfest des Literaturhauses besucht, mit lieben Freund*innen zum Essen getroffen, das Münchner Buchfest am Schleusenhäuschen besucht, einen Malkurs gemacht und TENNIS gespielt (zum ersten Mal – hat riesigen Spaß gemacht)

Gefreut: dass wir im Halbfinale sind!

Geärgert: über das Wahldebakel

Getrauert: nein

Gelacht: über den Co-ometer und über „being coldplayed

Gegessen: ein sehr feines Risotto und Cantuccini

Getrunken: Vin Santo

Geklickt: die Liste der NYT mit ihren 25 besten Büchern für 2025 bis jetzt

Gestaunt: Spider Wrestling???

Gewünscht: einen Flaschengarten, einen Reisepinsel, so einen Hinterhof

Geplant: Geburtstagsgeschenke finden für die Bingereader Gattin

Gefunden: nix

Gekauft: Bücher auf dem Münchner Buchfest, gute Pinsel für den Malkurs, Tennisbälle

Gedacht: Economics is now playing the role of Catholic theology in Medieval Europe. It has become an ideology that tells people that the world is what it is because it has to be, however unjust, wasteful and inefficient it may look. // Ha-Joon Chang

Meine Woche

Gesehen: Frère et Sœur (2022) von Arnaud Desplechin mit Marion Cotillard und Melvil Poupaud. Drama um ein komplett zerstrittenes Geschwisterpaar. Interessante Prämisse, meines Erachtens aber wirklich nicht gut umgesetzt.

Gehört: Smalltown Boy – Bronski Beat ft Perfume Genius

Gelesen: über die Salt Path Kontroverse, Debatte um Arbeitszeit: Fragen und Antworten aus der Forschung, Wie gelingt ein würdevolles Leben in einer ungerechten Welt?

Getan: mit einer lieben Freundin sehr gute Gespräche geführt, Gärten bewundert und darin geerntet, über einen Friedhof spaziert, mit dem kleinen Neffen Fußball gespielt, viel Zug gefahren und mit dem Schwiegerpapa durch München spaziert

Gefreut: über die schöne Zeit mit dem kleinen Neffen

Geärgert: wie sehr der Spätkapitalismus Menschen korrumpiert

Getrauert: siehe geärgert. Bin wahnsinnig enttäuscht

Gelacht: auf jeden Fall

Gegessen: Johannisbeeren direkt vom Strauch

Getrunken: Kölsch

Geklickt: auf diese Doku über den Umbau des Münchner Hauptbahnhofs

Gestaunt: über diesen Schwamm

Gewünscht: diesen Klopapierhalter, diese Teetassen, diese Schuhe

Geplant: meine fast zehn Jahre alten grauen Sneakers zu ersetzen

Gefunden: nix

Gekauft: nix

Gedacht: Art washes away from the soul the dust of everyday life

Meine Woche

Gesehen: The Salt Path (2024) von Marianne Elliott mit Gillian Anderson und Jason Isaacs. Verfilmung des gleichnamigen Buches. Sind letztes Jahr ein Stück Salt Path gewandert und mochten das Wiedersehen zumal Gillian Anderson beim Filmfest war und wir sie sehr nah und live sehen konnten (Scully 🖤)

Gehört: Hildergard – Zelenaia Dubrovonka, Killer – The Raveonettes, Bar Lonely – Franz Ferdinand

Gelesen: über Klimagerechtigkeit, Interdependence is my new retirement plan, Allein auf einer irischen Insel

Getan: Gillian Anderson Fangirl gewesen, mit lieben Freundinnen getroffen: zum Abendessen, zur Susan Sontag Ausstellung und zur Trier Erkundung und damit einhergehend viel Zug gefahren

Gefreut: mein kleiner Blog wurde im Börsenblatt erwähnt, über einen Pulli den ich geschenkt bekommen habe und den Sieg im EM Auftaktspiel

Geärgert: nein

Getrauert: dass ich es nicht in die Marc Aurel Ausstellung geschafft habe

Gelacht: über Ignaz und diese kleine Giraffe

Gegessen: Eifeler Wildschweinschinken

Getrunken: Mosel Riesling

Geklickt: auf diese Rede von Frau Merkel

Gestaunt: wie gut Railfinder funktioniert

Gewünscht: diese Bücherecke, dieses Bild, diesen Mantel

Geplant: diesen Wein trinken

Gefunden: eine Topf-Pflanze

Gekauft: Bücher

Gedacht: The US is being run by the Facebook comments section

Meine Woche

Gesehen: Schaue noch immer Martijn Doolard beim Renovieren seiner Hütte in den italienischen Alpinen zu. Mittlerweile bin ich bei Folge 120 und liebe es noch immer.

Gehört: Gone – HAIM, All I ever want – The Cure (65daysofstatic remix), Endsong – The Cure (Mogwai remix)

Gelesen: dieses Interview mit Jacinda Ardern, Everyone I know is worried about work, Efficiency without morality is tyranny

Getan: einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, den CSD besucht, im Bookclub „The Fraud“ diskutiert, mit lieben Freund*innen gegessen und getrunken, ein wunderbar lauschiges Cafe in München entdeckt und zwei Arzttermine erfolgreich hinter mich gebracht, in der Dachgeschoss Hölle zerflossen

Gefreut: über wunderbare nachträgliche Geburtstagsgeschenke und über die vielen Besucher*innen auf der Pride Parade in Budapest

Geärgert: über die unsägliche Julia Klöckner und das Entfernen der Regenbogenfahne auf dem Dach des Bundestages, toll allerdings die Aktion von Grünen und Linke

Getrauert: nein

Geschockt: über eine Kündigung

Gelacht: über OfGarbage

Gegessen: sehr leckeren Orangen-Grapfefruit Salat mit Burrata

Getrunken: Rose und Pflaumen Shrub

Geklickt: auf die großartige Abschiedsrede von Annalena Baerbock

Gestaunt: über das Origami Ballet

Gewünscht: Rolläden, diesen Cardigan, dieses Wohnzimmer

Geplant: Gillian Anderson treffen und die Bürgerversammlung besuchen

Gefunden: eine Kiste mit Büchern die ich vor dem Regen retten musste 😉

Gekauft: ein Einzugsgeschenk

Gedacht: Wie versprochen gab ich diesen Text am 12. Mai ab, vor mehr als sechs Wochen. Ich tat mich
schwer damit. Beinah täglich, scheint es, verschieben sich Grenzen. Grenzen des Sagbaren,
Grenzen des Machbaren. Beinah täglich bauen wir menschlich ab, senken wir unsere ethischen
Standards, gewöhnen wir uns an neues Leid. Heute ist der 25. Juni und ich fürchte mich davor,
einen Text vom 12. Mai vorzutragen und zu sehen, wo wir uns seitdem hin entwickelt haben. Wie
viele Wahrheitsverdrehungen wir seitdem erlebt haben. Wie viele weitere Begriffe schamlos in ihr
Gegenteil verkehrt wurden. Vielleicht hat inzwischen ein Staat ein Ministerium für Nächstenliebe
eingerichtet, das Migrantinnen und Migranten wissentlich in den sicheren Tod „remigriert“. Am 12.
Mai scheint mir das dystopisch, aber wie sieht das am 25. Juni aus? //Nava Ebrahimi

Meine Woche

Gesehen: Midsommar (2019) von Ari Aster mit Florence Pugh und Jack Reynor. Folk Horror in Schweden unter wolkenlosem Himmel. Immer noch einer meiner liebsten.

Gehört: Vamos a la playa – DJ Koze ft Soap & Skin, Mistake – Moby, schegge – Giorgio Poi, Nantes – Barbara, Fólk fær andlit – Hildur Guðnadóttir

Gelesen: What the comfort class doesn’t get

Getan: Gipsy Rufina in Mikes Vintage Pub gesehen, gerutscht, im Garten gegrillt, einen Literaturwalk durch Schwabing gemacht, die Fotoausstellung „A closer look“ von Bruce Gilden gesehen und die Ausstellung „Farben Japans“ sowie den Biergarten am Wiener Platz mal wieder besucht

Gefreut: über liebe USA Besucher*innen, das positive Feedback zum Walk

Geärgert: über all die autokratischen alten Männer mit viel zu viel Macht

Getrauert: nein

Gelacht: mit dem kleinen Zain auf der Rutsche

Gegessen: Flammkuchen

Getrunken: saures Radler

Geklickt: auf „Why I joined DOGE“ und Demi Moore is done with the male gaze

Gestaunt: wie gut ich dieses Gefühl kenne

Gewünscht: dieses Spray, diesen Insektenfänger, dieses Outfit

Geplant: die Susan Sontag Ausstellung im Literaturhaus besuchen

Gefunden: ein paar neue passende Timberland Schuhe in einer Verschenk Box

Gekauft: Eis

Gedacht: Desinformation ist selten ein Zufallsprodukt. Sie ist ein Geschäftsmodell.

Meine Woche

Gesehen: Petite Maman (2021) von Céline Sciamma mit Joséphine und Gabrielle Sanz. Wunderschöner Film um ein kleines Mädchen, dass um seine Großmutter trauert. Hat mir sehr gefallen.

Priscilla (2023) von Sofia Coppola mit Cailee Spaeny und Jacob Elrodi. Biopic über Priscilla Presley mit tollen 1950 vibes. Wußte vorher nicht sehr viel über Priscilla und fand dieses Biopic echt gut.

Stanley Tucci – Searching for Italy (2021). Man möchte sofort wieder los reisen und bekommt unfassbar Hunger. Perfekt für die Urlaubsverlängerung.

Gehört: All I ever am – The Cure (65daysofstatic Remix), Where to look – Nilüfer Yanya, Drains – mary in the junkyard

Gelesen: Wenn die Stechuhr beim Stechen schweigt – Über die unablässigen Forderungen nach mehr Leistung und Arbeit

Getan: Erkältung auskuriert, Balkonpflanzen gegossen, mit lieben Freundinnen gegessen und getrunken, Tarte gebacken, Aprikosenmarmelade gemacht

Gefreut: über ein dreimonatiges ZEIT Abo zum Geburtstag

Geärgert: über meinen blöden juckenden Ausschlag an den Armen

Getrauert: um die ermordeten demokratischen Politiker*innen in den USA

Gelacht: über Maren Kroymann als Matheleugnerin

Gegessen: Aprikosen Tarte

Getrunken: Zitronenwasser

Geklickt: Owls in Towels

Gestaunt: über katzengroße Shrimps

Gewünscht: dieses Poster, diesen Weihnachtsbaum-Anhänger (ja ja ist Juni I know), diese Book Nook

Geplant: die Ausstellung „Die Farben Japans“ besuchen

Gefunden: Blumentöpfe, Balkonkästen und Schnittmuster in einer Verschenk-Kiste

Gekauft: Bücher

Gedacht: “We have a world where friction gets automated out of experiences, aestheticised in curated lifestyles, and dumped onto underfunded infrastructure and overworked labour. The effort doesn’t disappear; it just moves… Friction has become a class experience.” //Kyla Scanlon

Mai Lektüre

Der Mai war ein toller Lesemonat – mit berührenden Geschichten, diversen Perspektiven, unerwarteten Fundstücken und viel literarischer Reiselust. Besonders bewegt haben mich zwei Bücher über ungewöhnliche Berufe: Schwere Lasten und Marzahn, mon Amour. So sehr, dass ich jetzt ernsthaft darüber nachdenke, Kranfahrerin zu werden (Fußpflegerin aber eher nicht). Beide Bücher waren für mich klare 5-Sterne-Titel Ein echtes Highlight war auch die Lesung von Annett Gröschner, von der ich sogar eine persönliche Widmung bekommen habe: „Für die künftige Kranfahrerin.“ 🧡

Einen völlig anderen, aber gleichfalls eindrucksvollen Ton schlug Andrew O’Hagan in „Caledonian Road“ an – ein moderner Gesellschaftsroman à la Dickens, der das Leben entlang einer Londoner Straße in all seinen Facetten einfängt. Mit Christine Frohmanns „Vier Wochen“ kam schon ein erster Hauch Italien auf, während mich Monique Roffey mit „Die Meerjungfrau von Black Conch“ auf die karibische Insel Trinidad und Tobago entführte.

Ein überraschender Fund aus dem Bücherschrank war Bernard Berensons „One Year’s Reading for Fun“ – eine kleine literarische Zeitreise. Weniger überzeugt hat mich hingegen Christine Brückners „Wenn du geredet hättest, Desdemona“ das mich leider nicht richtig gepackt hat und das ich abgebrochen habe. Schade, hatte mich sehr darauf gefreut.

Auch auf die Ohren gab’s im Mai einiges: Olga Ravns „Die Angestellten“ als Hörbuch war eine faszinierende, leicht verstörende Mischung aus Science-Fiction, Poesie und Gesellschaftskritik. Und mit Neil deGrasse Tysons „Astrophysics for People in a Hurry“ habe ich zwischendurch einen kleinen Ausflug ins Weltall gemacht.

Was ihr hier noch nicht findet, sind die Bücher, die mich Ende Mai mit auf meine Reise nach Italien begleitet haben – die stelle ich euch bald in einem separaten Beitrag vor: Read Around the World: Italien.

Schwere Lasten – Annett Gröschner erschienen im C. H. Beck Verlag

Schwere Lasten ist eines dieser Bücher, die man aufschlägt und dann plötzlich das Gefühl hat, man würde einer Stimme lauschen, die man schon lange kennt. Vielleicht, weil sie einen an die eigene Oma erinnert. Vielleicht, weil sie aus einer Zeit erzählt, die einem trotz aller historischen Distanz so schmerzlich gegenwärtig vorkommt. Bei mir war es beides. Ich habe die Autorin auf einer Lesung erlebt, war von ihrer Art zu erzählen sofort gepackt – und wusste: Dieses Buch brauche ich in meinem Leben.

Im Mittelpunkt steht Hannah, eine Frau mit einem Leben, das man kaum fassen kann: geboren noch unter dem Kaiser, überlebt sie zwei Diktaturen, zieht sechs Kinder groß (zwei davon kann sie nicht begraben), betreibt einen Blumenladen, wird dann Kranführerin in der DDR – und lebt zuletzt in Hellersdorf, wo es für den Traum vom Garten nur zum Beet unter dem Fenster reicht. Eine Figur, so dicht und dreidimensional gezeichnet, dass man das Gefühl hat, sie könnte gleich zur Tür hereinkommen.

Was Gröschner gelingt, ist ein literarisches Kunststück: Die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts wird nicht nacherzählt, sondern durchlebt – in Hannahs Alltag, in ihrer Arbeit, in ihren Verlusten und kleinen Hoffnungen. Besonders die Kapitel zu den Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs haben mich tief getroffen. Sie haben Erinnerungen an die Geschichten meiner Großmutter geweckt, die die Kriegsjahre in Quedlinburg überlebt hat. Weniger Bomben vielleicht, aber dieselbe Angst, dieselbe Ungewissheit. Und heute? Wieder Menschen in Kellern und U-Bahn-Schächten. Wieder Kriege. Wie krass lernresistent sind wir Menschen eigentlich?

Je besser sie den Kran beherrschte, desto mehr Gefallen fand sie an ihrer Position. Bald nannte sie ihren Kran Mimi. Sie redete mit Mimi, wie sie mit den Blumen geredet hatte. Und nicht selten dachte sie, dass sie mehr mit ihrem Arbeitsgerät redete als mit Karl.

Was dieses Buch auch ist: ein Denkmal für die Frauen der Arbeiterklasse. Für die, die gearbeitet haben, bis nichts mehr ging – und trotzdem nie wirklich Teilhabe bekamen. Für die, die sich alles vom Mund absparen mussten, während man heute mit blanker Selbstverständlichkeit fordert, sie mögen doch bitte länger arbeiten, länger schuften. Schwere Lasten zeigt, wie viel Menschen tragen müssen – und wie wenig sie dafür häufig bekommen.

Habe seitdem echt mal gegoogelt, was man braucht, um diesen Beruf zu ergreifen. Zwischen all den Bullshit Jobs, die uns umgeben und oft nur um sich selbst kreisen, erscheint mir der der Kranführerin unter Umständen realer, sinnvoller, vielleicht sogar erstrebenswerter als Beruf. Verantwortung, Übersicht, etwas bewegen – ganz buchstäblich. Und vielleicht auch ein bisschen Würde. Genau wie bei Hannah. Die mir allerdings berechtigt in den Hintern treten würde ob meiner romantisierenden Gedanken. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: „anständig bleiben.“ Große Empfehlung für dieses Buch – das habe ich sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen.

Marzahn Mon Amour – Katja Oskamp erschienen im Hanser Verlag


Ich muss zugeben, ich war überrascht, wie sehr mich dieses Buch berührt hat. Katja Oskamp, geboren 1970 in Leipzig, hat ursprünglich Theaterwissenschaft und später am Leipziger Literaturinstitut studiert. Nach einigen literarischen Veröffentlichungen wechselte sie irgendwann beruflich völlig die Spur – und wurde medizinische Fußpflegerin in Berlin-Marzahn. Berlin Mon Amour basiert auf ihren Erlebnissen in diesem Beruf, mitten in einer Plattenbausiedlung, fernab vom hippen Mitte und Prenzlauer Berg – und genau das macht das Buch so besonders.

Ich hatte beim Lesen immer wieder Flashbacks an einen Sommer in den frühen 90ern, als ich Ferien bei einer Freundin in Hellersdorf in „der Platte“ gemacht habe. Damals stand gefühlt in jedem Treppenhaus ein Berg aus ausrangierten DDR-Möbeln, und es gab diese älteren Damen mit Berliner Schnauze, die den ganzen Tag das Treiben draußen vom Fensterbrett aus kommentierten – herrlich direkt, witzig und ohne Blatt vorm Mund. Einige dieser Damen hätten auch wunderbar bei Katja Oskamp im Fußpflegesalon Platz nehmen können. Genau diese Lebensnähe macht das Buch so stark.

Ich mochte besonders die Dynamik zwischen den drei Frauen im Salon – da schwingt Solidarität, Humor und viel Lebenserfahrung mit. Oskamp schafft es, Menschen zu porträtieren, die sonst eher durchs Raster der Literatur fallen. Keine Hochglanzfiguren, keine Dramen à la Netflix – sondern echte, manchmal schrullige, immer aber würdevolle Persönlichkeiten. Und ganz ohne diesen voyeuristischen Blick, den man aus dem Reality-TV kennt.

Unsere Arbeit ist kostbar! Unsere Kundschaft ist Spitze! Marzahn, mon amour!“
„O Gott, sie dichtet wieder“, sagt Flocke und grinst.
„Muss ick doch, Schnuffelpuppe“, sage ich, von die Füße alleene kann ja keen Mensch leben.“

Ganz nebenbei habe ich auch realisiert, wie wenig Aufmerksamkeit wir eigentlich unseren Füßen schenken. Kaum ein Lifestyle-Ratgeber redet drüber, dabei tragen sie uns doch jeden Tag durchs Leben – und Katja Oskamp gibt ihnen (und denen, die sie pflegen) endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Ein warmherziges und ehrliches Buch, das dieses Jahr auch als Miniserie verfilmt und in der ARD Mediathek abrufbar ist – absolut empfehlenswert – beides.

Vier Wochen – Christine Frohmann erschienen im mikrotext Verlag

Vier Wochen hat mir richtig gut gefallen – ein Buch, das auf unaufgeregte Weise eine ganz besondere Stimmung einfängt. Perfekt, um sich auf den Italienurlaub einzustimmen: Sonne, Olivenbäume, ein bisschen Chaos – und das alles durch die Augen einer Patchworkfamilie mit Teenagern, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Besonders mochte ich wie die Autorin die Gefühlswelt der Jugendlichen einfängt – eine Welt, die mir mittlerweile echt fremd ist, aber hier so authentisch und sensibel erzählt wird, dass ich fast das Gefühl hatte auf die künftige Teenagerzeit meines Neffen vorbereitet zu sein. Die Konflikte, Unsicherheiten und Einstellungen der Jugendlichen wirkten absolut authentisch auf mich.

Was mir ebenfalls sehr gefallen hat: Die gesellschaftskritischen Aspekte, die immer wieder ganz selbstverständlich und klug mit einfließen. Ob es um Klassenunterschiede, familiäre Strukturen oder Erwartungshaltungen geht – Frohmann beobachtet genau und bringt diese Themen ganz natürlich in ihre Erzählung ein, ohne sie mit dem Holzhammer zu präsentieren.

„… denn in Italien war alles schön und wahr und gut, außer der Neigung zum Faschismus, die sie hier leider auch hatten, aber sie war schon voll auf Überidentifikation, eine Droge, die sie beide liebten.“

Ein ruhiges, atmosphärisches Buch über das Zusammenleben, das Sich-Finden und den Sommer – ohne große Dramen, aber mit viel Herz und klarem Blick. Wer ein Buch sucht, das nach Ferien schmeckt und trotzdem etwas zu sagen hat, ist hier genau richtig.

Die Meerjungfrau von Black Conch – Monique Roffey erschienen im Tropen Verlag übersetzt von Gesine Schröder

Das Buch habe ich euch ja bereits im Rahmen meiner literarischen Weltreise vorgestellt. Wer also Lust hat auf einen leicht fantastischen Ausflug nach Trinidas & Tobago der klickt jetzt bitte hier.

One year’s reading for fun – Bernard Berenson nur antiquarisch erhältlich

Dieses kleine Buch war ein echter Zufallsfund aus dem öffentlichen Bücherschrank – und ein überraschend unterhaltsamer Begleiter. Bernard Berenson, eigentlich berühmter Kunsthistoriker und Experte für italienische Renaissancekunst, hat darin seine Lektüregewohnheiten aus dem Jahr 1954 festgehalten – in kurzen Notizen, Reflexionen und Empfehlungen.

Was das Ganze besonders macht: In diesem Jahr versteckte sich Berenson, aufgrund seines jüdischen Hintergrunds, vor den Faschisten in Italien. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner langjährigen Sekretärin verbrachte er diese Zeit in seiner Villa I Tatti bei Florenz – abgeschottet von der Welt, aber umgeben von Kunst, antiken Skulpturen, einem prachtvollen Garten und natürlich: unzähligen Büchern.

Die Vorstellung, wie die drei dort leben – lesend, Rotwein oder Champagner trinkend, sich gegenseitig vortragend – hatte für mich beim Lesen fast etwas Filmisches. Ich musste ganz oft an Call Me by Your Name denken. So stell ich mir die Atmosphäre dort vor.

Und doch ist der Titel „A Year’s Reading for Fun“ fast ironisch: Die Lektüreliste ist alles andere als leichte Kost. Es wird überwiegend griechische und römische Philosophie gelesen, daneben Kunstgeschichte, Theologie und Klassiker der Literatur – auf Englisch, Italienisch, Altgriechisch, Deutsch. Die drei waren echt polyglott! Neben Goethe, Schelling und dem heute kaum noch gelesenen Jakob Burckhardt liest Berenson sogar Mein Kampf – um, wie er schreibt, den Feind zu verstehen.

Desultory reading was always a favorite pastime at ‚I Tatti‘.

Ein Buch für alle, die sich wie ich für Lesebiografien interessieren, für Geschichte, Kunst, Sprachen – und für das Lesen als Lebensform. Ich möchte das auch sehr gerne mal, ein Jahr in einer hübschen Villa mit Garten vor mich hin lesen – nur bitte komplett ohne Faschismus!

Caledonian Road – Andrew O’Hagan auf deutsch unter dem gleichen Titel im Ullstein Verlag erschienen, übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié

Ich muss gestehen, der erste Blick in Caledonian Road hat mich fast erschlagen – nicht nur wegen des Umfangs (über 600 Seiten!), sondern auch wegen der Vielzahl an Figuren, die gleich zu Beginn auf mich einprasselten. Doch zu meiner eigenen Überraschung war ich sofort drin. Ich musste kaum je zurückblättern, um zu klären, wer wer ist – was ich allein schon als beachtliche Leistung werte. O’Hagan gelingt es, jedem seiner Charaktere Tiefe und Kontur zu verleihen, ohne den Überblick zu verlieren.

Der Roman hat eine Dickens’sche Qualität: London – insbesondere die titelgebende Caledonian Road – wird zum atmenden, lebendigen Organismus. Die Straße ist nicht nur Kulisse, sondern Protagonist. Sie fängt die Extreme der britischen Gesellschaft ein: Armut, Reichtum, alte Eliten, neue Medien, Aktivismus, Migration, Ausbeutung – alles auf engstem Raum.

We participate in the systems that oppress people, we thrive on them, and we think that by going on festive marches and tweeting slogans to our like-minded friends we are somehow cleansed. Welcome to the orgy of white contrition.

Im Zentrum steht Campbell Flynn, gefeierter Intellektueller, politischer Kommentator und ganz klar ein Alter Ego des Autors. Besonders faszinierend fand ich seine Beziehung zu Milo, einem jungen Aktivisten und Hacker. Es war ziemlich offensichtlich, dass Milo Flynn finanziell ausnutzt – aber ich hatte das Gefühl, Campbell weiß das, akzeptiert es fast. Es wirkt wie eine Art moderner Ablasshandel: Er zahlt dafür, die Welt erklärt zu bekommen, die seine Generation mitgestaltet (und ziemlich verbockt) hat. Milo, bei aller Skrupellosigkeit, bleibt dabei erstaunlich offen – das Spiel zwischen ihnen ist eines auf Augenhöhe. Und obwohl Campbell letztlich alles verliert, war ich sehr berührt davon, dass Milo ihn nicht fallen lässt. Trotz aller Differenzen erkennt man: Da ist echte Menschlichkeit im Spiel.

Ein besonders emotionaler Strang war für mich die Geschichte des jungen polnischen Emigranten, der versucht, seinen Partner nach England zu bringen – und was es ihn kostet. Dieser Teil war sehr bewegend und hat mich lange beschäftigt. Auch weil dieser Fall auf wahren Begebenheiten beruht.

And now, in the North of England, just as in Kansas or Illinois, people vote against their own interests, because they detest a culture that sees them as needy, they hate the caring elites who like to tell them what is good for them. In the modern world, William told himself, people don’t mind being exploited so long as they can choose it themselves.

Die Darstellung der russischen Oligarchen war für mich etwas überzeichnet – fast schon klischeehaft. Aber vielleicht ist die Realität da tatsächlich so überdreht, wie O’Hagan sie zeichnet. Campbells Frau, mit all ihrer Ambivalenz, hat mir gut gefallen, während sein stinkreicher Schwager mir fast schon klischeehaft unsympathisch war – ein klassischer Repräsentant des alten Geldes, das sich jede Schuld und Verantwortung elegant vom Hals hält.

Schön fand ich auch, dass Campbell seinem alten Freund – trotz zunehmender Zweifel an dessen Integrität – nicht den Rücken kehrt. Das hat ihn für mich menschlicher gemacht, auch wenn man ihm an vielen Stellen seine Eitelkeit und sein moralisches Schwanken anmerkt. Caledonian Road ist ein Buch voller Reibung, voller Ambivalenzen. Es geht um Macht und Moral, Generationenkonflikte, Klasse, Migration, Liebe und Verlust – und es schafft es dabei, trotz der vielen Themen nie den erzählerischen Fokus zu verlieren. Man spürt, dass O’Hagan ein exzellenter Beobachter ist – und dass er seine Figuren liebt, selbst die, an denen er scharfe Kritik übt.

Für mich ein kluges, vielschichtiges Buch mit einem spannenden, manchmal wütend machenden, aber immer lebendigen Blick auf unsere Gegenwart.

Die Angestellten – Olga Ravn erschienen im März Verlag

Dieses Hörbuch war eine absolute Entdeckung für mich – Die Angestellten von Olga Ravn ist ein faszinierender, sprachlich dichter Text, der sich irgendwo zwischen Science-Fiction, Poesie und philosophischem Gedankenexperiment bewegt. Ich habe es in der ARD Mediathek gehört, die ich inzwischen wirklich zu schätzen gelernt habe – tolle Produktionen, großartige Sprecher:innen, und Die Angestellten war da ein echtes Highlight.

Das Buch spielt auf einem Raumschiff und besteht aus einer Sammlung von Berichten und Aussagen der dort tätigen Menschen und humanoiden Mitarbeiter:innen. Die Grenze zwischen „echt“ und „künstlich“, zwischen Körper und Funktion, zwischen Erinnerung und Programmierung verschwimmt dabei immer mehr – und genau darin liegt die große Stärke dieses Textes: Er stellt existenzielle Fragen in einer ganz ruhigen, fast lyrischen Sprache.

Was heißt es, ein Mensch zu sein? Was bedeutet Arbeit, wenn der Körper zur Maschine wird? Und: Was bleibt von uns, wenn alles effizient, aber seelenlos ist?

Die Umsetzung als Hörspiel war absolut gelungen – atmosphärisch, verstörend schön, mit Stimmen, die perfekt zur kühlen, gleichzeitig melancholischen Stimmung passten. Für alle, die Sci-Fi jenseits von Action suchen, und sich auf ein intensives, fast meditatives Hörerlebnis einlassen wollen: große Empfehlung.

Astrophysics for People in a hurry – Neil de Grasse Tyson auf deutsch unter dem Titel „Das Universum für Eilige“ im Hanser Verlag erschienen, übersetzt von Hans-Peter Remmler

Dieses Hörbuch war genau das Richtige für zwischendurch: Neil deGrasse Tyson nimmt uns in „Astrophysics for People in a Hurry“ mit auf eine rasante, aber gut verständliche Reise durch Raum, Zeit, Dunkle Materie und all die anderen kosmischen Rätsel, die uns normalerweise einschüchtern könnten.

Wie auch in seinen TV Dokus gelingt es ihm, auch komplexe Themen greifbar und unterhaltsam zu vermitteln – ohne sie zu banalisieren. Ob Urknall, Quantenphysik oder das Ende des Universums: Tyson erklärt so, dass man Lust bekommt, tiefer einzusteigen, statt sich erschlagen zu fühlen. Ein kleiner Bonus: Er liest das Hörbuch selbst – und seine Stimme trägt viel zur Wirkung bei finde ich.

Perfekt für alle, die sich für die großen Fragen interessieren, aber (noch) keinen Doktortitel in Physik haben – oder einfach etwas klüger aus dem nächsten Spaziergang oder Pendelweg zurückkehren wollen. Universum to go sozusagen.

Was waren eure Highlights im Mai und welche der vorgestellten Bücher habt ihr auch gelesen/gehört? Wie fandet ihr sie?

Meine Woche

Gesehen: Neapel, Salerno, Herculaneum, die Amalfi Küste und Procida

Gehört: Scandalo – Gianna Nannini, Mud and Blood – Gipsy Rufini

Gelesen: Warum wir wieder mehr „friction“ brauchen

Getan: sehr viel gewandert, geschwommen, geradelt, Weinprobe gemacht, gelernt Nudeln und frittierte Pizza zu machen, Boot und Zug gefahren, gelesen und Ausgrabungen angeschaut

Gefreut: über unsere wundervolle Zeit in Italien und das unsere Blumen auf dem Balkon hier sich so wunderbar entwickelt haben

Geärgert: nein

Gelacht: über meine diversen Sprach-Unglücke

Getrauert: um eine Katze die vor unseren Augen überfahren wurde – das war wirklich schrecklich

Gegessen: Pizza Napoli, Spaghetti, Gelato, Zitronen-Salat und Seeigel!

Getrunken: Vino und Limoncello Spritz

Geklickt: nein

Gestaunt: die ganze Zeit – wie unfassbar schön es in dieser Ecke der Welt ist

Gewünscht: so ein klitzekleines Häuschen wie wir es auf Procida hatten

Geplant: wieder laufen gehen

Gefunden: jeden Morgen Zitronen und Orangen in „unserem“ Garten

Gekauft: ein Tshirt, zwei Porzellan-Schalen, Zitronen-Pesto und Orangen Marmelade

Gedacht: The responsibility of privilege must always be to raise others up //Sarah Winman

Meine Woche

Gesehen: All creatures great and small (Season 1 – 4) von Ben Vanstone mit Samuel West, Anna Madeley, Nicholas Ralph, Callum Woodhouse und Rachel Shenton. Bezaubernde BBC Serie um eine Tierarztpraxis in Yorkshire in den 1930er Jahren. Hab ich schon in der alten Verfilmung geliebt

Gehört: Tavo akys – Katarsis, Wasted Love – JJ, Emo Song – The Haunted Youth, John Wayne – Billy Idol & Alison Mosshart, Witch – Suzanne Vega, Spike Island – Pulp

Gelesen: dieses Interview mit Tracy Chapman

Getan: laufen gegangen, Keller aufgeräumt, mit dem Bookclub „Caledonian Road“ diskutiert, einen Thomas Mann Vortrag gehört, auf einen kurzen Kaffee Stop mit einer lieben Blogger-Freundin getroffen, den ESC geschaut, mit lieben Freund*innen ein fränkisches Weinfest besucht und auf dem Hofflohmarkt in Sendling gestöbert

Gefreut: über meine kleinen Tomatenpflanzen die wachsen und gedeihen

Geärgert: über die Entlassung der Bibliothekarin der Kongressbibliothek

Gelacht: über eine verzweifelte Taubenrettungsaktion

Getrauert: nein

Gegessen: sehr leckeres selbstgebackenes Brot

Getrunken: fränkische Weine

Geklickt: auf den einsamsten Pub Schottlands

Gestaunt: über diesen pinkfarbenen Manta

Gewünscht: diese Lampe

Geplant: zum Frisör gehen

Gefunden: ein kleines Gewächshaus

Gekauft: einen Oktopus-Anhänger, Tshirts, schwarze Schuhe und eine Sammeltasse

Gedacht: The computer used to mean the world to me. The computer was a portal to the world I wished to be in. Times change, and I no longer wish to be in contact with much of the world that’s in my computer.

Meine Woche

Gesehen: La Grande Bellezza (2013) von Paolo Sorrentino mit Toni Servillo. Ein oppulenter Spaziergang durch Rom bei dem es um alles und um gar nichts geht. Mag den Film sehr.

Die Schlüssel zur Freiheit (2025) von und mit Wim Wenders. Kurzfilm über einen geheimen Raum in Reims in dem die Nazis 1945 ihre Niederlage erklärten. Hat mich sehr berührt.

Marzahn Mon Amour (2025) von Clara Zoë My-Linh von Arnim mit Jördis Triebel, Yvonne Yung Hee Bormann und Deborah Kaufmann. Sehr gelungene Mini Serie basierend auf dem gleichnamigen Roman von Katja Oskamp.

Gehört: Daze – Kara-Lis Coverdale, Anthems for a seventeen year old girl – Maggie Rogers & Sylvain Esso, Mean – Chelsea Wolfe & Health

Gelesen: Über die unablässigen Forderungen nach mehr Leistung und Arbeit, dieses Interview mit Maren Kroymann und Mithu Sanyal, diesen Artikel über den medialen Umgang mit der AFD und diesen über Annalena Baerbock

Getan: den Staffelsee entlang gewandert, mehr Pflanzen getauscht, uns mit Freund*innen getroffen und eine sehr schöne Lesung besucht mit Annett Gröschner

Gefreut: über weitere richtig schöne Bücher-Bilder die für mich gemalt wurden

Geärgert: über meinen Magen! Indisches Essen 1 – mein Magen 0. Aua aua aua – das war zu scharf

Gelacht: I should be able to log the conclave chimney livestream to letterboxd

Getrauert: um die wunderbare Margot Friedländer

Gegessen: selbstgebastelte Pizza

Getrunken: Weißwein

Geklickt: auf die 30 besten Romane gewählt von der LA Times

Gestaunt: gerade einen schönen Artikel über die Leiterin des Ardbeg Besucherzentrums gelesen, nun verlässt sie die Distille nach 30 Jahren

Gewünscht: diese Wanderhose, einen Schreinerworkshop besuchen und diese Handcreme

Geplant: (immer noch) den Keller aufräumen

Gefunden: nix

Gekauft: Zeit Geschichte „Thomas Mann“ und Schwebende Lasten

Gedacht: Wenn die Sehnsucht größer als die Angst ist, wird Mut geboren. Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg. //Rainer Maria Rilke