Happy Pride

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Nur weil die Pride-Veranstaltungen im echten Leben abgesagt wurden, heißt das nicht, dass wir nicht hier auf dem Blog ein bisschen feiern und die Community unterstützen können.

Ich stelle euch hier meine 10 liebsten LGBTQ Romane bzw Biografien vor und würde mich riesig freuen, wenn ich euch nicht nur Lust auf die vorgestellten Bücher machen würdet, sondern ihr vielleicht für die Organisation „Queer Refugees Deutschland“ spenden würdet, ein Projekt das queere Geflüchtete in Deutschland unterstützt.

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Patricia Highsmiths dramatische Liebesgeschichte ist vielleicht einer der wichtigsten, Meilensteine in der queeren Literatur. Erstmals 1952 veröffentlicht und als „Roman einer Liebe, die die Gesellschaft verbietet“ angepriesen, wurde das Buch bald zu einem absoluten Kultklassiker.

Die Verfilmung aus dem Jahr 2016 mit Cate Blanchett und Roonie Mara machte das Buch dann auch dem Mainstream zugänglich.

Hier die ausführliche Rezension, die ich damals auf Birgits Blog „Sätze und Schätze“ in der Rubrik „Verschämte Lektüren“ veröffentlichte.

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Virginia Woolfs Orlando „Der längste und charmanteste Liebesbrief der Literatur“ konstruiert auf spielerische Weise die Figur des Orlando als fiktive Verkörperung von Woolfs enger Freundin und Geliebten, Vita Sackville-West. Der Roman, der sich über drei Jahrhunderte erstreckt, beginnt damit, dass Orlando, ein junger Adliger im Elisabethianischen England, auf den Besuch der Königin wartet und seine Erfahrungen aufzeichnet.

In der Mitte des Romans erwacht Orlando, jetzt Botschafter in Konstantinopel, und stellt fest, dass er jetzt eine Frau ist. Der Roman schwelgt in Farce und Ironie, und beschäftigt sich mit der Rolle der Frau im 18. und 19. Jahrhundert. Der Roman endet im Jahr 1928, wo Orlando jetzt Ehefrau und Mutter, an der Schwelle zu einer Zukunft steht, die neue Hoffnungen und Möglichkeiten für Frauen birgt.

Hier die ausführliche Rezension dazu.

Giovannis Room

Baldwins eindringlicher und umstrittener zweiter Roman ist ein Klassiker der schwulen Literatur. Im Paris der 1950er Jahre, das von Expatriates wimmelt und durch gefährliche Liaisons und versteckte Gewalt gekennzeichnet ist, kann ein Amerikaner seine Homosexualität nicht länger unterdrücken, obwohl er fest entschlossen ist, ein konventionelles Leben zu führen. Obwohl er eine junge Frau kennengelernt und ihr einen Heiratsantrag gemacht hat, gerät er in eine leidenschaftliche Affäre mit einem italienischen Barkeeper…

Hier die ausführliche Rezension.

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Lesbian Dickens – ein viktorianisches Murder-Mystery inklsuiver lesbischer Romanze – was will man mehr? 😉

London 1862. Sue Trinder, bei der Geburt verwaist, wächst unter Taschendieben und unter der rauen, aber liebevollen Fürsorge von Mrs. Sucksby und ihrer „Familie“ auf. Doch vom ersten Moment an, ist Sues Schicksal mit dem eines weiteren Waisenkindes verbunden, das in einer düsteren Villa nicht allzu weit entfernt aufwächst….

Bei der Lektüre fühlt man sich gelegentlich wie Alice, die in das Kaninchenloch fällt. Diese Geschichte hat mehr Drehungen und Wendungen als eine handelsübliche Schraube und ich konnte das Buch überhaupt nicht aus der Hand legen und habe die ganze Nacht durchgelesen bis es fertig war.

Hier die ausführliche Rezension.

fun home

Alison Bechdel schildert in der Graphic Memoir ihre schwierige Beziehung zu ihrem verstorbenen Vater.

Bruce Bechdel war ein distanzierter und anspruchsvoller Englischlehrer und Direktor des städtischen Bestattungsinstituts, das Alison und ihre Familie als „Fun Home“ bezeichneten. Erst am College entdeckte Alison, die sich kürzlich als Lesbe geoutet hatte, dass ihr Vater ebenfalls schwul war. Wenige Wochen nach dieser Enthüllung war er tot und hinterließ seiner Tochter ein mysteriöses Vermächtnis, das es zu lösen gilt.

Hier die ausführliche Rezension.

Winterson

Warum glücklich sein, wenn man normal sein könnte? ist die hartnäckige Suche der Protagonistin nach Zugehörigkeit, nach Liebe, Identität, Heimat und einer Mutter.

Why Be Happy When You Could Be Normal? (Warum glücklich sein, wenn man normal sein könnte) ist eine Biografie über die Lebensaufgabe der Protagonistin ihr Glück zu finden. Das Buch erzählt davon wie sie aus ihrem Haus ausgesperrt wurde und die ganze Nacht auf der Türschwelle saß; es erzählt von einer Frau, die mehr religiöse Fundamentalistin als Mutter ist, mit falschen Zähnen und einem Revolver in der Kommode auf den Weltuntergang wartet und davon wie die schmerzliche Vergangenheit, von der Jeanette dachte, sie hätte sie längst überschrieben und verarbeitet immer wieder aufsteigt…

Hier geht es zur ausführlichen Rezension.

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Fried Green Tomatoes at the Whistle Stop Cafe ist ein Roman über zwei Frauen: Evelyn, eine etwas unglückliche Frau in den Wechseljahren, und die grauhaarige Frau Threadgoode, die ihre Lebensgeschichte erzählt. Zu ihrer Lebensgeschichte gehören zwei weitere Frauen – der draufgängerische Wildfang Idgie und ihre Freundin Ruth -, die gemeinsam in den 1930 Jahren ein kleines Lokal in Whistle Stop, Alabama hatten in dem es neben gutem Kaffee, Barbecue und Whisky auch jede Menge Liebe und Leidenschaft gab – und sogar gelegentlichen einen Mord.

Ein Buch das man nicht lesen kann ohne gleich danach die wunderbare Verfilmung aus dem Jahr 1991 anzuschauen und Lust auf gegrillte grüne Tomaten zu bekommen.

Hier geht es zur ursprünglichen Besprechung.

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Maggie & Me ist eine Biografie über das Überleben in im Arbeiterviertel einer schottischen Kleinstadt während der Thatcher-Jahre.

12. Oktober 1984. Eine IRA-Bombe sprengt das Grand Hotel in Brighton in die Luft. Wie durch ein Wunder überlebt Maggie Thatcher. In einer schottischen Kleinstadt sieht der achtjährige Damian Barr mit Schrecken zu, wie seine Mutter ihren Ehering abreißt und ihre Koffer packt. Er weiß, dass auch er überleben muss.

Damian, seine Schwester und seine Mutter ziehen mit ihrem gewalttätigen neuen Freund zusammen, während sein Vater mit der glamourösen Mary (the Canary) zusammenlebt. Je mehr Maggie Thatcher Fuß fasst, desto dramatischer wird das Leben für Damian: Maggie schafft die Schulmilch ab, zerschlägt die Gewerkschaften und sorgt dafür, dass Habgier als gute Eigenschaft gilt. Dem Rat von Maggie folgend, arbeitet Damian hart und plant seine Flucht aus Armut und Enge. Er entdeckt, dass Geschichten Leben retten können und schafft es  Gewalt, Streiks, Aids und Homophobie zum Trotz – sich in Glasgows einzigem Schwulenclub zu verlieben…

Hier geht es zur ausführlichen Rezension.

Ein berauschender Roman über die alles verzehrende Liebesaffäre zwischen zwei Frauen in Paris…

Eine Lehrerin um die dreißig treibt durch ihr Leben in Paris, zieht eine Tochter allein auf und ist trotz ihres neuen Freundes einsam. Eines Abends, auf der der Silvesterparty eines Freundes, tritt Sarah – einem Tornado gleich ihr Leben. Die begabte junge Geigerin ist voller Energie – es ist der Beginn einer intensiven Beziehung, die das Leben beider Frauen komplett auf den Kopf stellt.

Hier geht es zur ausfühlen Rezension.

Nachtgewächs: Roman (suhrkamp taschenbuch): Amazon.de: Barnes ...

Djuna Barnes‘ seltsame Tour de Force, gehört laut dem TLS zu jener kleinen Klasse von Büchern, die irgendwie eine Zeit oder eine Epoche widerspiegeln“ Diese Zeit ist die zwischen den beiden Weltkriegen, und Barnes‘ Roman entfaltet sich im dekadenten Schatten der großen Städte Europas: Paris, Berlin und Wien.

Sie erzählt von einer Welt, in der die Grenzen von Klasse, Religion und Sexualität überraschend durchlässig sind. Nightwood ist der Klang von zerbrechenden Herzen, von fünf Menschen, die sich gegenseitig aussaugen und das Leben zur Hölle machen. Das Buch selbst macht es dem Leser schwer, es weigert sich förmlich seine Geheimnisse preiszugeben.

Man muss es sehr sehr langsam lesen, wird dann aber tatsächlich mit einer psychologischen Tiefe belohnt die verblüfft und es knistert noch immer mit derselben elektrischen Ladung, die es bei seiner ersten Veröffentlichung 1936 hatte.

Ein schwieriges, fiebriges, dunkles Juwel soll diese Reihe abschließen. Hier geht es zur Besprechung der Biografie von Djuna Barnes, für alle die sich noch ein bisschen mehr mit dieser spannenden Schriftstellerin beschäftigen möchten.

Ich hoffe es war etwas für euch dabei und ihr hattet Spaß an dieser Blog Pride. Vergesst bitte die Queer Refugees nicht – Happy Pride allerseits 🙂

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Habt Ihr Empfehlungen für mich – möchte gerne mein Lesespektrum erweitern. Welche LGBTQ Bücher haben euch besonders gefallen?

Fun Home – Alison Bechdel

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Berühmt war Alison Bechdel in der queeren Szene lange hauptsächlich für ihren Comic „Dykes to watch out for“.  Fun Home ist eine Graphic-Novel-Biografie der Künstlerin Alison Bechdel. Sie wächst mit zwei jüngeren Brüdern und ihren Eltern in einer Kleinstadt in den USA auf. So weit, so normal. Ihre Mutter ist Schauspielerin, ihr Vater lehrt Englisch an der High School und führt nebenher das Familien-Bestattungsunternehmen seiner Familie fort – oh und er ist ziemlich schwul, lebt aber den Schein des braven Familienvaters und outet sich nicht.

 “But how could he admire Joyce’s lengthy, libidinal ‘yes’ so fervently and end up saying ‘no’ to his own life? I suppose that a lifetime spent hiding one’s erotic truth could have a cumulative renunciatory effect. Sexual shame is in itself a kind of death.” 

In sieben Kapiteln erzählt Alison die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend, jeweils um ein Buch herum struktuiert (Le Brun’s „Icarus und Daedalus“ / Camus‘ „A Happy Death“ / Fitzgerald‘s „The Great Gatsby“ / Proust’s „In search of lost time“ / Grahame’s „The Wind in the Willows“ / James‘ „Washington Square“ and Joyce’s „Ulysses“) in denen sie geschickt die Parallelen zwischen diesen unterschiedlichen Werken und den Geschehnissen und emotionalen Entwicklungen innerhalb ihrer Familie zieht. Das gibt ihrer ohnehin schon spannenden Biografie nocheinmal zusätzliche Tiefe. Bechdel analysiert sich und insbesondere das Verhältnis zu ihrem Vater in einer so ästhetischen Schärfe und einer Sprache, die ich in einem Comic niemals vermutet hätte. Sie packt das Leben ihres Vaters wie einen Umzugskarton aus, schaut sich jedes Bild, jede Erinnerung an und versucht ihn und sein tragisches Leben „im closet“ zu verstehen, seine Motivationen und Gedanken insbesondere auch im Bezug auf sich selbst.

 “Gatsby’s self-willed metamorphosis from farm boy to prince is many ways identical to my father’s. Like Gatsby, my father fueled this transformation with the „colossal vitality of his illusion“. Unlike Gatsby he did this on a school teacher’s salary.” 

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Im Haus herrscht nahezu arktische Kälte. Der Vater ist hauptsächlich ein kunst- und designorientierter Bohemien, der im falschen Jahrhundert geboren zu sein scheint. All seine Kraft und Energie geht in die perfekte Renovierung und Inneneinrichtung des Hauses, die Kinder sind für ihn hauptsächlich freundliche Helfer, derer er sich für die Renovierungsarbeiten oder für Hilfe im Bestattungsinstitut bedient. Er ist kein böser Vater, hauptsächlich ein wahnsinnig distanzierter. Die Mutter ist ebenfalls eher eine Nebenfigur, nicht wirklich richtig da, ein freundlicher Mitbewohner im Haus, in dem jeder seinen eigenen kreativen Ambitionen nachgeht.

 “It was a vicious cycle, though. The more gratification we found in our own geniuses, the more isolated we grew.” 

“My father once nearly came to blows with a female dinner guest about whether a particular patch of embroidery was fuchsia or magenta. But the infinite gradations of color in a fine sunset – from salmon to canary to midnight blue – left him wordless.” 

Bechdel versucht, ihre eigene Homosexualität und ihre Identifikation über das Sexualleben des Vaters zu interpretieren. Sie sieht ihr eigenes Coming-out (das Ulysses Kapitel) als Katalysator für den Tod ihres Vaters, auch wenn es nicht wirklich einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen gibt. Kurz vor seinem Tod forderte Bechdels Mutter die Scheidung, der Unfall des Vaters somit auch ein möglicher Selbstmord? Immer wieder hat Bechdels Vater Affären mit Jungs, die er als Helfer bei der Hausrenovierung, als Babysitter oder im Bestattungsinstitut beschäftigt. Es gibt auch eine Anzeige, er kommt durch den Besuch bei einem Psychotherapeuten allerdings um eine Strafverfolgung herum. Die Mutter kennt diese Seite ihres Mannes, spricht allerdings erst nach dem Tod des Vaters mit ihrer Tochter darüber.

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 “Feminism is the theory. Lesbianism is the practice.” 

 Eine Biografie, die mich von der ersten Seite an total gepackt hat. Konnte sie nicht weglegen und als ich ein paar Stunden später fertig war, habe ich umgehend ihre „Are you my Mother“, eine weitere Graphic Novel von Alison Bechdel, bestellt.

Bechdel erlangte mit der Veröffentlichung von „Fun Home“ 2006 ziemliche Berühmtheit. In den USA gibt es wohl kaum jemanden, der das Buch nicht gelesen hat. Es ist im Buch-Kanon einiger Schulen gelandet, was bei einigen konservativen Gruppen für ziemliche Empörung sorgte. In Missouri demonstrierten christliche Gruppen bis das Buch aus der öffentlichen Bücherei entfernt wurde, allerdings war es schon ein paar Monate später wieder erlaubt.

 Ich kann „Fun Home“ nur empfehlen, vielleicht auch gerade für Leute, die das Genre der Graphic Novels erstmal ausprobieren wollen, ein gutes Einstiegswerk dafür.

Ein interessantes Interview imt Alison Bechdel zur Entstehung des Buches:

 

Das Buch erschien auf deutsch unter dem gleichen Titel bei Kiepenheuer & Witsch.