Connection with Reader could not be established

 

 

Es wird wieder einmal Zeit für einen Rückblick über die Bücher, die nicht funktioniert haben für mich in der letzten Zeit. Ich schwärme euch ja deutlich lieber die Ohren voll, aber da hier ja schonungslos jedes Buch erwähnt wird, das ich lese, muss ich auch zu denen stehen, bei denen es partout nicht schnackeln wollte zwischen uns.

Da ich mittlerweile sehr genau auswähle, was ich lesen will und mich deutlich seltener überreden lasse, geht es bei den meisten hier auch um überraschende Enttäuschungen. Die Bücher wollte ich alle lesen und mögen, aber keines von denen konnte wirklich eine Verbindung zu mir herstellen.

Ich bewundere ja immer die „echten“ Literaturkritiker, die sich dann ganz selbstsicher sagen „schlechtes Buch“, belanglos, doof, ich zweifele da schon eher an meinem Geschmack und glaube auch, es gibt für jedes Buch eine richtige Zeit, die habe ich hier vielleicht nicht immer erwischt.

Ich möchte also niemanden aktiv auffordern diese Bücher NICHT zu lesen, ich berichte nur kurz und schmerzlos drüber, warum die für mich nicht funktioniert haben.

22136966_10154946238485823_5300470354344883487_o

The Opposite of Loneliness – Marina Keegan

Als das Buch im Bookclub auf der Votingliste stand, habe ich umgehend dafür gestimmt. Zum einen hatte ich es bereits zu Hause, zum anderen war ich aber auch sehr gespannt darauf. Die tragische Geschichte um die viel zu früh verunglückte Autorin hat dem Buch insbesondere im angloamerikansichen Raum viel Aufmerksamkeit beschert.

Kurzgeschichten und Essays können bei mir auch häufiger mal daneben gehen und bei „The Opposite of Loneliness“ war das ganz klar der Fall. Ich fand die Geschichten einfach nicht sonderlich interessant. Es ging viel um Privilegien, um Beziehungen und sie waren durch die Bank weg recht traurig, was eigentlich eher ein plus von meiner Seite aus ist. Ich hatte große Schwierigkeiten, in die Geschichten reinzukommen, die Protagonisten von einer zur nächsten auseinanderzuhalten und war einfach etwas gelangweilt.

Die non-ficition Essays gefielen mir etwas besser, aber ich muss ehrlich sagen, ich habe das Buch irgendwann genervt in die Ecke geworfen. Das Bookclub Treffen selbst verpasste ich dann leider, aber die meisten tendierten durch die Bank weg zu „hmmmm ja“ hatte ich den Eindruck von dem, was ich nach dem Treffen hörte und was die Goodreads Bewertungen aussagten.

DSC_0031

The Blackwater Lightship – Colm Toibin

Nicht viel besser erging es mir mit dem Buch aus dem Monat davor im Bookclub. Ich glaube auch eines derer, für das ich gestimmt habe, denn die beiden Bücher, die ich vorher von ihm las, hatten mir beide richtig gut gefallen (The Master und Brooklyn) und bei der Lesung von „Nora Webster“ vor einigen Monaten im Literaturhaus habe ich mich ebenfalls bestens unterhalten.

Dieses Buch spielt in den 1980er Jahren um den an AIDS erkrankten schwulen Declan, wird aus der Sicht seiner Schwester erzählt, die er bittet, die Nachricht an seine Mutter und Großmutter weiterzugeben und dreht sich darum, wie eine zerbroche Familie versucht zu heilen, während der Sohn im Sterben liegt.

Ich konnte mit den Figuren wenig anfangen, die blieben mir allesamt fremd und ich fand die Leuchtturm/Meer Metaphern etwas überzeichnet. Das Buch hat fast durchweg gute Kritiken bekommen und war 1999 auch für den Booker Prize auf der Shortlist. Bestimmt ein gutes Buch, aber irgendwas hat mir hier gefehlt.

Sorry Colm, not this time 😦

The Circle – Dave Eggers

Hier weiß ich mich zumindest in einigermaßen guter Gesellschaft. „The Circle“ fanden viele nicht sonderlich gut, meine ich mich zu erinnern und der Film, der gerade rauskam, bekommt auch eher maue Kritiken.

Ich fand das Thema interessant, hab es anfangs auch ganz interessiert gelesen, irgendwann war ich nur noch gelangweilt. Die eindimensionale Protagonistin Mae Holland ging mir tierisch auf die Nerven, einen Spannungsbogen konnte ich auch nicht entdecken und irgendwann war es mir einfach egal, ob noch was passiert. Hab nur noch quergelesen, es wurde immer absurder und irgendwann mochte ich dann nicht mehr.

Ich hatte das Gefühl im Kreis zu lesen, ein Roman wie ein nie enden wollender Wired-Artikel.

 

 

Arcadia – Iain Pears

Niiiiemals hätte ich damit gerechnet, mich bei diesem Buch so fürchterlich zu langweiligen. Irgendwann in den 90ern habe ich „The Instance of the Fingerpost“ gelesen und weiß noch, wie ich eine ganze Nacht durchgelesen habe, weil es so spannend und gut geschrieben war.

Ich hatte mich so auf das Buch gefreut. Die perfekte Lektüre für den einwöchigen Urlaub zu Hause, wo ich mich gespannt durch diesen Schinken fräsen wollte. Die Kritiken auf Goodreads waren richtig gut, immer wieder wurde es mit David Mitchells „Cloud Atlas“ verglichen und es hatte auch alle Zutaten, die auf ein spannendes Leseabenteuer hoffen lassen: Zeitreise, dystopische Zukunft und eine Shakespeare-Welt mit komplexen Strukturen und miteinander verwobenenem Plot.

Nach über 200 Seiten mochte ich nicht mehr. Es war einfach fad, bis auf Rosalind fand ich die Charaktere auch nicht weiter spannend und bis auf die Passagen, in denen es um Psychomathematik und Paralleluniversen ging, war es auch nicht „geekig“ genug für meinen Geschmack.

Welches Buch habt ihr zuletzt in die Ecke geworfen und warum?

Advertisements

Arcadia – Jim Crace

11071776_10152721219645823_5154719784014557821_n

Ein ungewöhnliches Buch ist es auf jeden Fall. Crace war mir komplett unbekannt und ich bin nicht einmal mehr ganz sicher, wie dieses Buch überhaupt bei mir gelandet ist. Gefunden? Geschenkt bekommen? Es wäre auch fast schon einmal in einer Flohmarktkiste gelandet, hätte ich nicht zufällig entdeckt, dass es auf der Liste der 1001 besten Bücher steht und das hat mich dann doch neugierig gemacht, was Cover und Beschreibung auf dem Buchrücken sonst nicht geschafft hätten.

Es ist die Geschichte von Victor, einem exzentrischen einsamen alten Millionär, der seinen Geburtstag feiern möchte. Er hat keine wirklichen Freunde, war nie verliebt, hat keine Familie, verlässt nur selten sein Penthouse. Victors Leben startete in absoluter Einsamkeit und endet in extremem Reichtum.  Vom Kind einer Bettlerin zum Millionär, dem mittlerweile der gesamte Soap Market gehört.

Für alle weltlichen Angelegenheiten hat er seinen Angestellten Rook, wie er ein Kind des Soap Markets. Rook hintergeht Victor, nimmt Bestechungsgelder von den Marktbetreibern und wird von Victor gefeuert, als dieser dahinterkommt. Victor plant aus dem Markt ein Arcadia zu machen, einen Glaspalast für den Markt als sein Vermächtnis an die Nachwelt. Rook versucht dies aus Rache zu verhindern.

„It takes a man who’s certain of his wealth to choose to walk when he could ride.“

Aber für dieses Zitat alleine hat sich die Lektüre des Buches auf jeden Fall gelohnt:

„Most city people – men at least – are wedded to their jobs, and when you take those jobs away they soon become as empty and as brittle as blown eggs. Work is for the idle. It gives a chaptered, tramline narrative to life; it empties suburbs and estates and provides the displaced, liberated residents with dramas structured by the clock.“

Da sind garantiert noch einige tiefgreifende Ideen im Buch, die sich mit den Themen Stadt und Land, Gesellschaft, Moral und Moderne beschäftigen, aber so poetisch das Buch auch ist, die Story selbst hat mich eher kaltgelassen und ich hab nicht groß die Energie oder die Lust gehabt, hier nach tiefschürfenden Gedanken zu suchen.

11050643_10152721219690823_6520936078016007620_n

Es ist irgendwie ein ulkiges beigefarbenes Buch. Crace ein Autor, der nicht viel verrät. Die Stadt bleibt ungenannt, wir wissen nicht in welchem Jahr das Buch spielt, aber es war mir ehrlich gesagt auch nicht so wichtig. Es hat nur etwas über 300 Seiten, aber ich habe ewig gebraucht es fertigzulesen. Vielleicht lag es an meine Erkältung, aber irgendwo schrieb auch ein anderer Leser, dass das Buch nicht gerade „unput downable“ ist.

Sicher tue ich ihm Unrecht und es gibt eine Menge Crace Fans, die seine Bücher lieben und mich jetzt auf die stille Treppe schicken, aber ich bin nicht recht warm geworden mit ihm – ich denke er wird es verkraften 😉