Books & Booze – J. D. Salingers Fänger im Roggen

Der heutige Beitrag zum obligatorischen Books & Booze ist ein Gastbeitrag der lieben Liveverliebt über ihr Lieblingsbuch (welches sie zudem in diversen Ausgaben besitzt).  Wir sind hierüber sehr dankbar, denn nach diesem Silvester ist uns noch nicht wieder nach alkoholischen Getränken 😉 Auf geht’s!

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Wie in vielen Geschichten von J. D. Salinger bleibt auch in Der Fänger im Roggen kaum eine Kehle trocken. Während Holden Caulfield, der wieder einmal einen Schulverweis kassiert hat, die Zeit bis zum Beginn der Weihnachtsferien in Manhattan überbrückt, begleitet den 16-Jährigen neben der Frage, was zum Teufel die Enten im Central Park eigentlich im Winter machen, auch die ständige Suche nach einem Drink.

Have just one more drink,“ I told him. „Please. I’m lonesome as hell. No kidding.“

Dahinter steckt nicht nur der Wunsch nach Gesellschaft, sondern auch nach Ablenkung. Denn trotz seines jungen Alters trägt Holden ungewöhnlich viel Weltschmerz mit sich herum. Erstaunlich ist auch, dass er als Minderjähriger keine allzu großen Probleme hat, an Alkohol zu kommen. Damit gibt er nicht das beste Vorbild ab, aber wen wundert das bei einer Salinger-Figur?

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Selbst mit zweifelhafter Vorbildrolle und stets einer Beschwerde auf den Lippen schließt man Holden Caulfield im Laufe der Geschichte doch ins Herz. Vielleicht wünscht man sich sogar, ihm in trinkgelaunten Momenten Gesellschaft zu leisten, an Orten wie Ernie’s Bar, dem Lavender Room oder der Wicker Bar im New York der 1950er-Jahre. Dort würde man ihm am besten Scotch and Soda bestellen – eine Mischung, zu der angeblich auch Salinger gerne gegriffen hat.

I ordered a Scotch and soda, and told him not to mix it—I said it fast as hell, because if you hem and haw, they think you’re under twenty-one and won’t sell you any intoxicating liquor.“

Ein weiterer Drink, der im Buch eine Rolle spielt, ist der Tom Collins.

She and old Marty were drinking Tom Collinses—in the middle of December, for God’s sake. They didn’t know any better.“

Sicher wäre Holden Caulfield unzufrieden, wenn er keinen Grund hätte, sich über andere Menschen zu beschweren. Also geben wir ihm einen Grund und mixen einen Tom Collins mitten im Januar:

  • 4,5 cl Gin (für einen echten Tom Collins benötigt man Old Tom Gin)
  • 1,5 cl Zuckersirup
  • 3 cl frischgepressten Zitronensaft
  • Mineralwasser
  • 1 Dash Angostura

Gin, Zuckersirup und Zitronensaft in ein mit Eis gefülltes Longdrink-Glas geben und umrühren. Mit Mineralwasser auffüllen und mit einem Dash Angostura abrunden. Den Drink mit einer Zitronenscheibe und einer Cocktail-Kirsche garnieren. Cheers!

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The Catcher in the Rye – JD Salinger

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Foto: Sabrina Q.

Im Mai hat unser Buchclub DEN „Coming-of-Age“-Klassiker schlechthin in Angriff genommen: „Der Fänger im Roggen“. Für die meisten von uns war es ein Wieder-Lesen und eine spannende Erfahrung, wie das Buch nach vielen Jahren beim erneuten Lesen wirkt.

Zum Inhalt muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen: Veröffentlicht wurde der Roman am 16. Juli 1951 als erstes Buch von J. D. Salinger. Es wurde umgehend immens populär unter jungen Leuten, nicht ganz so sehr mit der älteren Generation. Ich habe mich Holden Caulfield insbesondere beim ersten Lesen mit Anfang Zwanzig sehr verbunden gefühlt. Holden ist ein sechzehnjähriger Junge aus New York und so gar kein typischer Vertreter seiner Alterskollegen. Er hat wenig Interesse daran, sonderlich beliebt oder gesellig zu sein.

Holden ist der absolute Authentizitätsverfechter, er hat ein untrügliches Gespür für alles was „fake“ und somit „phony“ ist und hält mit seiner Abneigung dagegen absolut nicht hinterm Berg. „Phony“ ist böse und wer „phony“ ist, ist automatisch Holdens Feind.

Ist man je im Leben wieder so radikal in seinen Ansichten wie mit 16?

Ich glaube, Holden ist JD Salinger ziemlich ähnlich. Beide sind ziemliche Außenseiter und Einsiedler und versuchen sich ihre kindliche „Reinheit“ nicht nehmen zu lassen, halten Abstand von den Nicht-Authentizität der Welt und den „Phonies“. Er hat riesige Angst vor dem Erwachsenwerden, vor der Verantwortung, dem Verlust der Unschuld und versucht verzweifelt andere davor zu bewahren, die Unschuld der Kindheit zu verlieren. Wie viele Menschen mit 16 Jahren die Welt retten wollen und wie wenige sich diese wunderbare Eigenschaft tatsächlich ins Erwachsenenalter hinein bewahren.

Das der „Fänger im Roggen“ nie verfilmt wurde, liegt an Salingers Testament, wo es entsprechend festgelegt wurde. Wahrscheinlich wäre der einzig passende Schauspieler auch der junge Salinger selbst gewesen, der Holden hätte spielen können. Salinger war kein Hollywood Freund und auch Holden ist Filmen und der Filmindustrie eher abgeneigt.

„If there’s one thing I hate, it’s the movies, Don’t even mention them to me.”

Holden wirkt gleichzeitig wesentlich älter als 16 und dann wieder rührend kindlich naiv. Er zahlt lieber für eine gute Unterhaltung mit einer Prostituierten, als mit ihr zu schlafen, bewegt sich selbstsicher und weltgewandt in Bars und Hotels, die ich mich mit 16 vermutlich nicht einmal zu betreten getraut hätte. Seine Reife zeigt sich auch darin, wie wenig ihm materielle Dinge bedeuten. Die Episoden mit seiner kleinen Schwester sind die einzigen im Buch in denen Holden komplett ausgeglichen und glücklich zu sein scheint.

Denn meistens ist er einfach ziemlich deprimiert, wie wahrscheinlich 2/3 aller Sechzehnjährigen zu allen Zeiten der Welt. Seine Eltern, insbesondere seine Mutter engen ihn auf der einen Seite ziemlich ein, auf der anderen Seite erkennen sie so gar nicht, dass Holden vielleicht eigentlich Hilfe bräuchte. Wie alleine und einsam er sich fühlt, merkt außer seiner Schwester niemand und er vermisst seinen verstorbenen Bruder, dem er sich nach wie vor sehr verbunden fühlt:

“I started talking out loud to Allie. I do that sometimes when I get very depressed.”

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„The Catcher in the Rye“ ist ein Buch, das nach wie vor aktuell ist, denn Holdens Ängste sind universal und zu jeder Zeit aktuell. Das Buch zu lesen ist eine ganz besondere Erfahrung, ich kann es daher jedem nur ans Herz legen. Lest es zum ersten, zweiten oder xten Mal. Es lohnt sich.

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Foto: Sabrina Q.