Arundhati Roy @International Literature Festival Berlin

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Fotos: A Kuscu

„India has always lived in several centuries simultaniously“

Arundhati Roy war vermutlich der Star des Internationale Literatur Festivals in Berlin. Meterlange Schlangen warteten auf Einlass zur Podiumsdiskussion mit ihr aus Anlass der Veröffentlichung ihres ersten Romans seit zwanzig Jahren „The Ministry of Utmost Ministry“.

Das muss man ihr natürlich auch erst einmal nachmachen. Gleich mit dem Erstlingswerk „The God of Small Things“ 1997 den Booker Prize gewinnen, dann zwanzig Jahre lang auf den nächsten Roman warten lassen und peng – dann gleich wieder auf der renommierten Shortlist des Booker Prizes zu landen.

Arundthai Roy ist die Grande Dame der indischen Literaturszene und hat in der Zwischenzeit alles andere als faul in der Hängematte gelegen. Sie hat ihre Bekanntheit nach dem Gewinn des Bookerprizes 1997 dazu genutzt, sich als Aktivistin um drängende politische Themen in Indien, aber auch außerhalb, zu kümmern. Sie hat sich für umweltschützende Maßnahmen wie z. B.  gegen den Bau von Dämmen in Indien engagiert, sich für die Unabhängigkeit Kashmirs und gegen Hindu-Nationalismus ausgesprochen, sich mit den Klagen auf Volksverhetzung der indischen Regierung auseinandergesetzt und jede Menge Essays und Non-Fiction Bücher produziert.

Ihr Werk umfasst dabei Bücher zum Thema Globalisierung, Kapitalismus, Demokratie und hat sie als politische Philosophin und Aktivistin auf die politisch-literarische Weltbühne katapultiert.

Ihre Essays haben sie oft genug in Teufels Küche gebracht und ihr viel Ärger und Abneigung eingehandelt. Fast jedes Mal nahm sie sich vor, aufzuhören, den Finger in die Wunde zu legen und Ärger zu machen, bis sie es nicht mehr aushielt und sie sich doch wieder zu Wort melden musste.

Immer wieder bekundet sie auch, dass es eigentlich das belletristische Schreiben ist, dem ihr Herz gehört „“To me, there is nothing higher than fiction. Nothing. It is fundamentally who I am. I am a teller of stories. For me, that’s the only way I can make sense of the world, with all the dance that it involves.”

 

In Berlin diskutierte sie ihren Roman mit Gabriele von Arnim und las daraus einige Passagen.

„Das Ministerium des äußersten Glücks“ beginnt mit Anjum, die aus Gründen, die später erläutert werden, auf einem Friedhof lebt. Anjum ist eine „Hijra“, ein hinduistischer Begriff, der sich frei mit Hermaphrodite, Eunuch, drittes Geschlecht oder Transgender übersetzen lässt. Seit ihrer Jugend lebt Anjum im Khwabgah, was soviel wie Schlafquartier, Haus oder Palast der Träume bedeutet und für sie ein Ort der Freiheit und der Selbstentfaltung ist. Zusammen mit den anderen Hijras bildet sie so etwas wie eine Familie.

Beim Besuch in einem Gujarati Schrein erlebt Anjum das Massaker an Hindu-Pilgern und die darauf folgende Vergeltung der Regierung gegen Muslime und zieht sich auf den Friedhof zurück. Sie legt ihre farbenfrohe weibliche Kleidung ab und kleidet sich in einen maskulinen Pathan Anzug und baut über den Gräbern einen Zufluchtsort, eine Art Schutzraum für Menschen, Tiere und Exzentrikern aller Art wie Obdachlose, Aussteiger, Unberührbare etc. Eine Republik der Verlorenen gegen die brutale Realität des zeitgenössischen Indiens.

Die Geschichte bringt uns von Dehli nach Kaschmir, wo Indien und Pakistan um die Kontrolle ringen und die Einwohner des vielleicht schönsten Tals der Erde sich in Flüchtlinge, Märthyrer, Freiheitskämpfer und Spione verwandeln.

Arundhati Roys Buch gleicht einem farbenfrohen Patchwork Teppich aus einzelnen Erzählsträngen. Schmerzhaft, lustig, sexy, realistisch, magisch und ausschweifend. Ich war mit dem riesigen Aufgebot an Personen überfordert. Mir fehlte die Dynamik in der Geschichte, viele Hauptpersonen verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Ich habe mich mit Arundthai Roys Buch sehr, sehr schwer getan.

Es ist definitiv ein Abbild des chaotischen, uneinigen Indiens mit dem Crescendo unterschiedlicher Stimmen und Stimmungen, aber es hat mich lange nicht so gepackt wie „The God of Small Things“.

Wir lesen den Roman auch noch gemeinsam im Bookclub und vielleicht werde ich durch die erneute Lektüre einige Zusammenhänge besser verstehen, momentan fühle ich mich etwas verloren.

Der Abend in Berlin hat mir Lust gemacht, mich mit ihren Essays zu beschäftigen, insbesondere die Serie „Things that can and cannot be Said“ über ihren Besuch mit John Cusack bei Edward Snowden klingt ausgesprochen spannend. Hier ein Artikel im Guardian darüber:

https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2015/nov/28/conversation-edward-snowden-arundhati-roy-john-cusack-interview

Ich danke dem Fischer Verlag für das Rezensionsexmplar „Das Ministerium des äußersten Glücks“

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Meine Woche

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Gesehen: „Certain Women“ (2016) von Kelly Reichardt mit Kristen Stewart und Michelle Williams. Berührende Episoden aus Montana, die Provinz ist depri und brutal. Sehr guter Film.

Ghostbusters“ (2016) von Paul Feig. Keine Ahnung was die Empörung sollte, ich fand den Film sehr witzig und ich finde nicht so schnell was witzig 😉 Und Sigourney war dabei!

Citizienfour“ (2014) von Laura Poitras. Spannende Dokumentation über Edward Snowden. Unbedingt anschauen.

Z – The Beginning of Everything“ (2015) – Fernsehserie über Zelda und Scott Fitzgerald mit Christina Ricci. Serie über das Leben von Zelda Sayre und ihre Beziehzung zu F Scott Fitzgerald. Gibt nur 1 Staffel, gefiel mir gut, aber bei dem Akzent brauchte ich Untertitel – hilfe 😉

Gehört: The XX – „Say Something Loving“ Hauschka „Stromness“ und „My family lived here“ Le Trio Joubran „Maser„, The Kills „Whirling Eye“ Ashan „Fulfilling the Promise absolute

Gelesen: Chimamanda Ngozi Adichie on Feminism, diesen Artikel aus der Zeit zum Gender-Marketing Blödsinn, warum Margaret Atwood mehr Hoffnung mit Blick auf die Zukunft hat als viele ihre Leser, Stephen Hawking glaubt unsere Gier und unsere Dummheit könnten das Leben auf der Erde beenden und diesen Artikel über Transhumanismus

Getan: mich viel mit Change und meinem Tech Training beschäftigt, im Kino und auf einem Konzert gewesen, mit einer Freundin Hamburg unsicher gemacht und die Nacht durchgerockt

Geplant: das maximale aus der Konferenz rausholen nächste Woche

Gegessen: Banh Mi und leckeren Fisch im Portugiesen-Viertel

Getrunken: Astra

Gelacht: Sometimes you run into people who change your life for the better. Those people are called bartender.

Geärgert: das ich John Malkovich am Freitag abend verpasst habe

Gefreut: den wunderbaren Schwiegerdrachen getroffen und so viel Spaß gehabt

Gewünscht: den Barisieur, diese Leuchtschrift, dieses Tshirt

Geklickt: Why facts don’t change your mind aus dem New Yorker

Gekauft: ich hoffe auf einen schönen neuen St Pauli Hoody

Gefunden: den Ständer mit den kostenlosen Zeitungen und Zeitschriften bei Lufthansa

Gewundert: wie ungewohnt es geworden ist, wenn in Kneipen geraucht werden darf – ich kam mir irgendwann vor wie’n Räucherfisch 😉

Meine Woche

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Gesehen: “Vivere“ von Angelina Maccarone. Deutsches Road-Movie mit Hannelore Elsner. Bin kein großer Fan deutscher Filme, den fand ich wirklich gut, Frau Elsner ziemlich großartig.

Orphan Black“ Season 3 zu Ende geschaut. Es geht weiter am 10.4. – da muss ich schließlich vorbereitet sein. Einfach unglaublich spannend …

Gehört: Raveonettes „Excuses„, Covenant „Call the Ships to Port„, The Last Shadow Puppets „Aviation„, Aurora „Running with Wolves

Gelesen: über diese Ideen die die Welt verändern werden, darüber was der Mathematik fehlt,  was David Sedaris beim Einkaufen in Tokio so erlebt, über diese syrische Architektin die den Wiederaufbau plant,

Getan: mit Imsomnia gekämpft, den Open-Yale-Kurs „Philosophy and the Science of Human Nature“ begonnen,  lieben Besuch bekommen und meine „Celebrating Poetry“-März-Spende an Room to Read überwiesen.

Gegessen: sehr leckere Waffeln

Getrunken: Unmengen an Tee und Weißwein von der Winzerer-Freundin

Gefreut: über eine glückliche Rückkehr

Geärgert: das ich oft immer noch zu emotional bin (I wanna be Data)

Gelacht: „I’m very patriotic, just not decided on the country yet“

Geplant: Celebrating „Ideas“ im April – mußte bei meiner Challenge bissl was umstellen, einen erfolgreichen Workshop durchführen nächste Woche und trotz allem fuck up ein schönes Teamevent in Amsterdam erleben

Gewünscht: diese Boxen, diesen Tisch, diese Küchen-Installation und solche Sommer-Abende bald mal wieder

Gekauft: Indie-Book-Day Nachzügler-Kauf: „Euphoria“ von der Büchergilde

Gefunden: nüscht

Geklickt: auf diese Diskussionsrunde zwischen Snowden, Chomsky und Greenwald, auf diesen TED Talk von Adam Grant warum Innovatoren oft Prokrastinierer sind und auf diesen TED Talk der einen Einblick in die Zukunft von „Virtual Reality“ gibt

Gewundert: wie fertig es macht, wenn man ein paar Tage nicht schläft