Meine Woche

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Gesehen: „Solaris“ (1972) von Andrei Tarkovsky mit Donatas Banionis und Natalya Bondarchuk. Dieser Film ist ein Meisterwerk, der mit jedem mal sehen besser wird.

Mythos Suhrkamp“ Reportage von Sigfried Ressel. Die Republik – ihre Diskurse – ihr Verlag.

Leonardo da Vinci – die Welt malen“ Dokumentation von Sandra Paugam anläßlich des 500. Todestages des Universalgenies.

Gehört: „Solaris“ – Eduard Artemiev, „Weihnachtsoratorium“ – Johann Sebastian Bach

Gelesen: How my local library changed my life, Margarete Stokowskis Vorschläge zur Gleichberechtigung, Robert Macfarlane why we’re drawn into darkness, Das „Last Supper“ Gemälde einer Nonne aus der Renaissance macht sein Debut, The biggest lie tech people tell themselves and others, If you don’t want kids you don’t have to want a career instead, On the 19th century invention of the madwoman und diese Kurzgeschichte von Olga Tokarczuk

Getan: den Markt der unabhängigen Verlage besucht, die Erika Mann Ausstellung im wunderbaren Hildebrandhaus besucht und den Bookclub bewirtet

Geplant: Firmen-Umzug innerhalb des Gebäudes organisieren

Gegessen: veganes Sushi im Kansha und Lebkuchenmännchen

Getrunken: unter anderem diesen, diesen und diesen wunderbaren Wein auf der Mövenpick Weinverkostung 20/20

Gefreut: über diese vielversprechende Mukoviszidose Behandlung, über meinen großartigen Adventskalender, eine spannende Virginia Woolf Biografie aus Berlin und ein sehr großzügiges Wein-Geschenk

Geweint: nein

Geklickt: auf Sasha Baron Cohens inspirierende Rede, 73 questions with Olivia Cole, auf Neil Gaimans Gedanken zur Liebe, Hannah Gadsby on being diagnosed with autism und auf 15 commercials directed by David Lynch

Gestaunt: A timeline of 7 million years of human evolution, Are we living in a simulation? und über diese großartigen Fotos aus Wales

Geärgert: nein

Gelacht: über die großartige Tweetsammlung von Frau Kaltmamsell

Gewünscht: Baby Yoda, diese Lampe, dieses Outfit

Gefunden: nix

Gekauft: dieses Buch von Stefan Zweig aus dem Topalian & Milani

Gedacht: “Don’t limit your challenges, challenge your limits.” // Martonek Jr

Meine Woche

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Gesehen: „Batman Begins“ von Christopher Nolan – meine liebste Batman Verfilmung. Kann man gut alle paar Jahre nochmal gucken.

Erika und Klaus Manns Côte d’Azur“ – Arte Literatour-Doku. Sehr sehenswert insbesondere mit Blick auf unseren Ausflug nach Nizza im August

Orange is the New Black“ bis Folge 11 geguckt – wahnsinnig gute Season aber wirklich düster

Gehört: „SOS“ – Portishead, „Smashed to Pieces in the Still of Night“ – Esben & The Witch, „Doing it to Death“ – The Kills, „Scout“ – The Raveonettes, „Corynorhinus“ – Hans Zimmer/James Newton Howard

Gelesen: Tariq Krim über Entschleunigung, diesen Artikel über neurologische „Schönheits-OPs“, diesen Artikel in der Zeit zum Brexit und diesen im New Yorker zum gleichen Thema, , diese Artikel zu Crispr für mich eines der spannensten und wichtigsten Themen momentan,  diesen Artikel über Leben und Arbeiten im Silicon Valley und diesen Artikel über die vergessenen Philosophinnen des 17. Jahrhunderts

Getan: die Sonne auf dem Balkon genossen, sehr viel diskutiert und philosophiert – let’s just call it Brainsex – yeahhhh, ein Mini-Bookclub Meeting gehabt, im Englischen Garten spazieren gegangen

Geplant: meine Interviewfragen beantworten, die ALS Spendenaktion nochmal ankurbeln, den Biologie-Crash-Course beenden.

Gegessen: diese Blätterteigtarte

Getrunken: Jever Fun und Becks Blue

Gefreut: über mehrere wunderbare Treffen mit Freunden und gute Unterhaltungen

Geärgert: Brexit 😦

Gelacht: über Patrick Stewarts sketch

Gewünscht: diesen schwebenden Blumentopf, diesen Roboter und dieses Bücherregal

Gekauft: dieses Buch und diese Zeitschrift

Gefunden: nix

Geklickt: George RR Martin interviewt Stephen King zum Thema „Gun Control“, Jocelyn K Gleis Vortrag zu „Working in the age of Destraction„, Jennifer Doudnas TED Talk „How Crispr lets us edit our DNA“

Gewundert: über die Brexit Entscheidung. Damit habe ich absolut nicht gerechnet 😦

Literarische Wiesn

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Wiesn und Literatur – da scheint was nicht zusammen zu passen, gerade das hat mich aber neugierig gemacht und ich bin der Einladung des Literaturhauses daher gerne gefolgt und habe mich überraschen lassen. An einem verregneten Tag wie heute kann man sich noch einmal weniger vorstellen, dass noch vor ein paar Wochen so ein strahlend blauer Himmel existieren konnte.

Der Münchner an sich, der geht ja nicht auf die Wiesn. Der geht nur einmal mit den Kindern, einmal mit der Arbeit, einmal mit den Spetzln und einmal, damit er wieder weiß, warum er nicht auf die Wiesn geht – eigentlich 😉 Als Zuageroaste hab ich meine Prinzipien dann mal auf Seite geworfen und bin gleich morgens um 10 Uhr losgezogen, eine für mich doch eher ungewöhnliche Wiesn-Uhrzeit.

Georg Reichlmayr, der nach 17 Tagen Wiesn-Führung schon fast keine Stimme mehr hatte, begleitete uns auf diesem literarisch-historischen Rundgang und hat uns so unglaublich viele, mir völlig unbekannte Ecken gezeigt. Erstaunlich, bin schließlich schon x-mal da gewesen und sicherlich kein Wiesn-Frischling.

Es macht Spaß, die Leute an den Käse- und Wurschtständen kennenzulernen, durch die fast leeren Zelte zu gehen und witzige, spannende, unglaubliche Wiesn-Anekdoten zu hören. Von wegen früher war alles besser und ruhiger und gesitteter. Totaler Schmarrn. Am Maurer-Montag haben sich die Handwerker der Stadt jedes Jahr ordentlich aufs Maul gehauen, ganze Zelte mussten geräumt werden, da wäre heute sofort eine riesige Schlagzeile fällig und Security würde das Gelände doch über Tage und Wochen weiträumig absperren 😉


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Wir haben das Wiesn-Engerl gesucht und gefunden, dass jedes Jahr in einem anderen Zelt angebracht wird, sind dem Bürgermeister zufällig über die Füße gelaufen, haben den Ochsen Max in der Ochsenbraterei bestaunt und erfahren, dass so manches Fahrgeschäft auf der Wiesn älter ist, als die vorgeblich alten auf der „Oidn Wiesn“, die witzigerweise zum Teil Nachbauten der Originale dort stehen haben.

Spannend auch, dass noch bis in die 70er Jahre hinein menschliche „Kuriositäten“ ausgestellt wurden, z.B. beim Schichtl, wo sich schon Joachim Ringelnatz von der kolossal dicken Frau zu dem Gedicht „Emmy der Koloss“ inspirieren ließ:

Die Riesendame der Oktoberwiese
Die Zeltwand spaltete sich weit, 
Und eine ungeheure Glocke wuchtete Herein. 
„Emmy, das größte Wunder unsrer Zeit!“ 
Dort, wo der Hängerock am Halse buchtete, 
Dort bot sich triefenden Quartanerlüsten 
Die Lavamasse von alpinen Brüsten, 
Die majestätisch auseinanderfloß. 
„Emmy, der weibliche Koloß.“ 
Hilflose Vorderschinken hingen 
Herunter, die in Würstchen übergingen. 
Und als sie langsam wendete: – Oho! – 
Da zeigte sich der Vollbegriff Popo 
In schweren erzgegoßnen Wolkenmassen. 
„Nicht anfassen!“ 
Und flüchtig unter hochgerafften Segeln 
Sah man der Oberschenkel Säulenpracht. 
Da war es aus. Da wurde gell gelacht. 
Ich wußte jeden Witz zu überflegeln, 
Und jeder Beifall stärkte meinen Schwung. 
Die Dicke schwieg. Ich gab die Vorstellung. 

Besonders lachten selbst recht runde Leute. 
Ich wartete, bis sich das Volk zerstreute. 

Aus irgendeinem Grund hab ich eine Menge Oskar Maria Graf, Karl Valentin, Gerhard Polt oder Ludwig Thoma erwartet und ja auch bekommen, Leute wie Erika und Thomas Mann, Bert Brecht, Mark Twain oder Thomas Wolfe habe ich mir da nicht so recht vorstellen können.

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Foto: lora924.de

„Die Festwiese, die größte, glaub ich, der Welt, ist herrlich anzuschauen, alle Münchner sind lustig, diese Stadt is wie gemacht für Feste! Feiert sie, zeigt sie ihr wahres Gesicht.“ (Erika Mann)

“ «München hat mich beinahe umgebracht», stöhnte Thomas Wolfe nach einer Wiesnschlägerei. Doch trotz gebrochener Nase und etlicher Platzwunden hielt er seiner Schicksalsstadt zeitlebens die Treue. Kein Ort auf der Welt bezauberte den großen amerikanischen Schriftsteller mehr, kein Ort bescherte ihm – im Guten wie im Bösen – so überwältigende Gefühle.“ Er berichtet über seine Wiesn-Erlebnisse in seinem Roman „Geweb und Fels“

„Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horwath war natürlich ebenso vertreten, wie der erste Film der über die Wiesn inszeniert wurde. Das war 1923 und der Produzent und Hauptdarsteller war kein Anderer, als der Münchner Komiker Karl Valentin. „Mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf dem Oktoberfest“ heißt die Valentinade, ein Kurzfilm. Konnte leider keinen Clip dazu finden. Sonst hätte ich den gerne hier verlinkt.

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Bert Brecht, Karl Valentin und Liesl Karlstadt mit ihrer Schaubude auf der Wiesn, wo sie das Kabarett-Programm „Oktoberfestschau“ aufführten.

Interessant auch, wer verantwortlich war für die Elektrifizierung des Oktoberfests – kein anderer nämlich als der Vater von Albert Einstein, der in München eine eigene Fabrik für elektrische Geräte gegründet hatte (Elektrotechnische Fabrik J. Einstein & Cie). 

Again what learned 😉 Wir hatten nach gut 2 Stunden und etwa 6 km Fußmarsch Hunger und Durst und ließen uns eine sehr leckere, kühle Augustiner-Mass schmecken.

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Wer nächstes Jahr die Wiesn auch mal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, dem kann ich eine Stadtführung mit Georg Reichlmayr nur empfehlen. Buchen kann man so eine Tour über http://www.muenchen-stadtführung.de (Literarisch-historischer Rundgang über das Oktoberfest). Herr Reichlmayr hat übrigens auch ein sehr spannendes Buch geschrieben: „Die Geschichte der Stadt München“. Erschienen ist es hier.

Und zum Schluss lassen wir den für mich unerwartetsten Wiesn-Besucher zu Wort kommen, Thomas Mann:

München mit seinen Bauernbällen im Fasching, seiner Märzenbier-Dicktrunkenheit der wochenlangen Monstre-Kirmes seiner Oktoberwiese wo eine trotzig-fidele Volkhaftigkeit, korrumpiert ja doch längst von modernem Massenbetrieb, ihre Saturnalien feierte

Gut, ob er diese Beobachtungen aus eigener Hand hatte wissen wir nicht, aber mir gefällt einfach das Bild eines krachledernen Thomas Mann schunkelnd im Paulaner Zelt oder auf der Schiffschaukel.

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