Washington Black – Esi Edugyan

„A man who has belonged to another learns very early to observe a master’s eyes; what I saw in this man’s terrified me.“

IMG_2491

Erasmus Wilde ist der Master der Faith Plantation in Barbados. Es ist das Jahr 1830 und George Washington Black genannt „Wash“ ist ein zehnjähriger Sklave, der auf den Zuckerohrfeldern arbeitet. Er hat keine Familie, nur Big Kit, eine weitere Sklavin, die auf den Feldern arbeitet und sich um ihn kümmert. Gemeinsam träumen sie davon, nach dem Tod nach „Dahomey“ zurückzukehren.

Erasmus ist der älteste Sohn eines Forschers und Abenteurers, der die Aufgabe hat, die Plantage für die Familie zu leiten. Er kann seinen jüngeren Bruder Christopher, genannt Titch“, absolut nicht leiden, der ebenfalls Forscher und Abenteurer ist. Titch ist auf die Plantage gekommen, um dort ein Fluggerät, seinen „Cloud-Cutter“, eine Mischung aus Heißluftballon und Schiff, zu testen. Dafür benötigt er entsprechendes Gewicht und sucht sich dieses in Form eines kleinen Sklavenjungen aus – Wash.

Zu Titchs Überraschung entpuppt sich Wash als sehr begabter Zeichner, der die Messungen und Notizen von Titch mit Zeichnungen versieht. Der kleine, gänzlich ohne Bildung aufgewachsene Junge gewöhnt sich langsam an das Leben in Freiheit. Kann es für ihn die Möglichkeit geben, ein eigenständiges Leben voller Bildung und Abenteuer zu führen?

“I thought of my existence before Titch’s arrival, the brutal hours in the field under the crushing sun, the screams, the casual finality edging every slave’s life, as though each day could very easily be the last. And that, it seemed to me clearly, was the more obvious anguish- that life had never belonged to any of us, even when we’d sought to reclaim it by ending it. We had been estranged from the potential of our own bodies, from the revelation of everything our minds and bodies could accomplish.”

Nach einem schrecklichen Unfall flieht Titch gemeinsam mit Wash im Cloud Cutter von der Plantage und ein weltumspannendes Abenteuer über die USA, Kanada, die Arktis bis nach Europa beginnt.  Das der rachsüchtige Erasmus eine Belohnung von 1,000 Pfund auf den Kopf des kleinen Wash ausgesetzt hat, ist nicht das einzige Problem mit dem Titch und Wash sich herumschlagen müssen.

„Washington Black“ von Esi Edugyan ist ein großartiger historischer Abenteuerroman, der den Leser auf Washs abenteuerliche und verwirrende Reise mitnimmt. Nachdem er die Plantage verlassen hat, erlebt Wash die unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen und wird gleichzeitig mit dem Rassismus und dem Hass konfrontiert, der Sklaven entgegengebracht wird. Können seine artistischen Fähigkeiten jemals als seine eigenen anerkannt werden? Wird es ihm möglich sein, eine eigene Stimme zu entwickeln?

„Washington Black“ ist eine Charakterstudie des kleinen Wash und ein Kommentar zur Situation der Sklaverei und der Rassentrennung im 19. Jahrhundert.

“You took me on because I was helpful in your political cause. Because I could aid in your experiments. Beyond that I was of no use to you, and so you abandoned me.” I struggled to get my breath. “I was nothing to you. You never saw me as equal. You were more concerned that slavery should be a moral stain upon white men than by the actual damage it wreaks on black men.”

Der Roman stand zu Recht 2018 auf der Longlist des Man Booker Prizes. Die Geschichte ist gelegentlich etwas unglaubwürdig, aber wahnsinnig gut geschrieben macht großen Spaß in seiner üppigen Erzählweise, die an die Abenteuerromane erinnert, die ich früher wahnsinnig gerne gelesen habe. Der Roman hat auch uneingeschränkte Zustimmung im Bookclub erhalten, das passiert gar nicht so häufig bei uns.

Esi Edugyan ist eine Autorin, die ich definitiv im Auge behalten werde. Eine weitere schöne Rezension des Buches findet ihr hier bei Miriam vom Blog 1001 Bücher.

Werbeanzeigen

Frauenleserin Blogparade

 

Schuld sind Frau Schiefgelesen und Frau Buchpost. Ganz klar. Sie haben mich zur Teilnahme an dieser großartigen Blogparade animiert und mich noch dazu auf den sehr spannenden Blog „Frauenleserin“ aufmerksam gemacht, der mir bislang durch die Lappen gegangen war. Also auf zum Bekenntnis ablegen:

 

  • Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wieviele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wieviele davon wurden von Autorinnen verfasst?Ich habe erstaunliche 110 Bücher gelesen in diesem Jahr, soviele wie noch nie. Keine Ahnung wie ich das geschafft habe, ich fürchte nach wie vor den Preis zahlt der nächtliche Schlaf.Von den 110 Büchern habe ich laut meiner Goodreads Analyse nur 41 Bücher von Autorinnen gelesen, das kann und soll definitiv im nächsten Jahr besser werden. Aber die meisten meiner Lesehighlights waren Bücher von Autorinnen:
    – Siri Hustvedt „A Woman looking at men looking at women
    – Mary Beard „Women and Power
    – Tara Westover „Befreit
    – ML Rio „If we were Villains
    – Chimamanda Ngozi Adiechie – A Feminist Manifesto
    – Ottessa Moshfegh „Eileen
    – Sibylle Anderl „Das Universum und ich“
    – Lily King „Euphoria“
    – Yaa Gyasi „Homecoming
    – Elizabeth Gilbert „Das Wesen der Dinge und der Liebe

  • Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)Finde es sehr schwer eines rauszupicken, aber wenn ich unbedingt wählen müsste dann wäre es wohl Siri Hustvedts Buch „A Woman looking at men looking at women„. Ich lerne durch ihre Bücher so viel und liebe ihre Art zu schreiben, wie sie es schafft Wissenschaft und Kultur so mühelos miteinander zu vereinen. Sie ist eine begnadete Brückenbauerin und es gibt wenige Menschen neben denen ich lieber einmal bei einer Dinnerparty sitzen möchte.
  • Welche Autorin hast Du in diesem Jahr für Dich entdeckt und was macht Sie für Dich so besonders?Ich bin da wahrscheinlich etwas spät auf der Party erschienen, aber ich habe tatsächlich erst dieses Jahr Mary Beard und Chimamanda Ngozi Adichie entdeckt und kann mir ein Leseleben ohne sie jetzt gar nicht mehr vorstellen. Ihre Wucht und Präzision Dinge auszudrücken, die mir irgendwie im Kopf rumgehen ich aber im Leben nicht so auf Papier bringen könnte. Das sie die Dinge beim Namen nennen, nicht um den heißen Brei rumreden und enthusiastisch für ihre Themen brennen.OK  – meine Traum Dinnerparty besteht aus Siri Hustvedt, Chimamanda Ngozi Adichie, Ursula LeGuin und Mary Beard 🙂
  • Welche  weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)Tara Westovers „Befreit“ ganz klar und ohne großartig nachdenken zu müssen. Ich fand es so bewundernswert wie sie ihren Weg gemacht hat. Es aus einem derart fundamentalistischen bildungsfernen Umfeld bis nach Cambridge zu schaffen ist schon eine immense Leistung. Von der Dame könnte sich mein Schweinehund gelegentlich eine Scheibe abschneiden.
  • Welches Buch einer Autorin möchtest Du in 2019 unbedingt lesen?
    Ich glaube es wird Zeit Toni Morrisons „Beloved“ mal wieder zu lesen und außerdem endlich die „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ von Karosh Taha und Washington Black von Esi Edugyan.

Eine umfassende Liste meiner liebsten Bücher 2018 wird es dieses Jahr nicht geben. Mein Entscheidungsmuskel ist erschlafft 😉

Ich wünsche Euch allen einen richtig guten Rutsch und ein wunderbares 2019!

Meine Woche

IMG_3354

Gesehen: „Koyaanisqatsi“ (1982) von Godfrey Reggio. Ein visualisiertes Gedicht über die Ausnutzung der Natur durch den Menschen, wunderbar vertont von „We stood like Kings“ – Unbedingt ansehen, auch im Original in der Vertonung von Philip Glass großartig.

Amy“ (2015) von Asif Kapadia. Bedrückende aber gelungene Dokumentation über Amy Winehouse. Was für ein schrecklicher Verlust.

Gehört: „Rehab“ – Amy Winehouse, „Eldoradoris“ – We stood like Kings, „Stay“ – Cat Power, „Last Things Last“ – Rachel’s, „The Glass Arena“ – Sone Institute, „West Coast Escapism“ – Omni Gardens, „To you I give“ – Crippled Black Phoenix,

Gelesen: Growing up in the library, Tim Berners-Lee will das Internet reparieren, Männer wir müssen reden, Saudi Women who fought for the right to drive disappear, diesen Artikel von Rebecca Solnit über Christine Blasey Ford, über die Hans-Bremse und über faschistische Kampfsportgruppen

Getan: viel ausgeruht und versucht endlich wieder fit zu werden

Geplant: einen Workshop geben zum Thema „Mental Models“ und unser Literatur-Wochenende planen

Gegessen: Linsensalat mit gerösteten Karotten

Getrunken: Minze-Zitronen-Wasser und viel Tee

Gelacht: über Banksy

Geärgert: nee

Gefreut: über meine spannende „Books that Matter“ Box. The monthly Book Subscription Box to empower and inspire. So ein wunderbares Geburtstagsgeschenk 🙂 Erstes Buch war: „Washington Black“ von Esi Edugyan

Geklickt: auf die Eröffnungsrede von Chimamanda Ngozi Adichie, auf dieses Interview mit Paul Krugman

Gewünscht: dieses Regal, dieses Haus, diese Konferenz

Gekauft: viel Musik

Gestaunt: Women of the World Nomad Games

Gefunden: das Rezept meiner Oma für Hefeklöße

Gedacht: „We all love ourselves more than other people, but care about their opinions more than our own“ (Marcus Aurelius)