Short but sweet – Damenwahl

Heute stelle ich euch in „Short but Sweet“ vier Ladies vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich liebe die Vorstellung, die vier könnten gemeinsam in einer Hotelbar sitzen und sich miteinander unterhalten und trinken. Madame de Salm serviere ich ein Glas Champagner, Ms Mitford einen Gin & Tonic, Andreas Burnier vielleicht ein Heineken und Caitlin Moran bekommt einen Cider von mir. Los geht’s in chronologischer Order

Constance de Salm – 24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau

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Ich merke, dass ich Briefromane überaus faszinierend finde. Egal ob es ein tatsächlich stattgefundener oder ein fiktiver ist – ich lese einfach gerne Briefe und noch einmal mehr, wenn es sich um ein sprachlich so kunstfertiges und poetisches Büchlein handelt.

Der Inhalt ist schnell erzählt und wird jedem, der einmal unglücklich verliebt war oder vor Eifersucht brannte, ganz und gar bekannt vorkommen. Auch wenn es heute vielleicht keine Briefe sind, die von Dienern und Boten hin und hergeschickt werden, ist die Situation doch absolut die gleiche und wer hat nicht schon ungeduldig aufs Handy-Display gestarrt, um endlich die ersehnte Antwort zu bekommen.

Madame de xxx schreibt ihrem Geliebten, nachdem sie zu Hause angekommen ist. Er hat sich nach einem gemeinsamen Theaterbesuch flüchtig von ihr verabschiedet und ist mit einer anderen Dame verschwunden. Die Eifersucht bringt sie fast zum Durchdrehen und sie versucht alles, um Klarheit zu bekommen, selbst vor einem Einbruch in sein Haus schreckt sie nicht zurück.

Das ist komplett egal, dass die Dame vor 200 Jahren lebte, ihre Gedanken und Gefühle sind so aktuell wie eh und je und daher kann ich diesen Briefroman uneingeschränkt empfehlen. Eine Frau, die trotz ihrer verliebten, eifersüchtigen Art nie unterwürfig wird, sondern ihren Schmerz und ihre Sorge zeigt, ohne sich zu erniedrigen.

„Guten Morgen, mein Freund; da bin ich, und meine Nacht war Grauen. Dein Bild und das ihre standen allzeit vor meinen Augen. Ich sah dich, hörte dich; sprach mit dir, geliebter, grausamer Freund; und wohl zwanzigmal erwachte ich mit schweißbedeckter Stirn und in schrecklicher Beklommenheit, ich wollte, ich könnte sie für dich malen. Soll ich es versuchen? Ich weiß nicht: Wir Frauen haben doch in unserer Seele unendlich viele Empfindungen, die auch der zärtlichste Geliebte kaum verstehen kann: für ihn gleichen sie einem Delirium; aber wäre selbst dieses Delirium der eigentliche Fehler der Liebe, ist es doch gleichwohl etwas Heiliges.“

Constance Marie zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1767 – 1845) war eine französische Dichterin und Schriftstellerin. Sie genoss eine für Frauen ihrer Zeit exzellente Ausbildung und und leitete einen angesehenen literarischen Salon, in dem u. a. Alexander von Humboldt, Stendhal und Alexandre Dumas verkehrten. “ 24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau “ war ihr einziger Roman und zugleich größter Erfolg ansonsten schrieb sie noch die Tragödie Sappho. Sie engagierte sich leidenschaftlich für die Emanzipation der Frau und wurde erstes weibliches Mitglied in einer der Pariser Akademien.

Mich hat der Roman an Marcelle Sauvageots „Ganz die Deine“ erinnert, die Rezension findet ihr hier. Da sind schon Parallelen, oder ?

Hier findet ihr bei Sätze und Schätze eine weitere Rezension.

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Nancy Mitford – The Pursuit of Love

Was für eine Familie! Die Oktober-Lektüre unseres Bookclubs hat uns einen sehr unterhaltsamen Roman präsentiert, über den wir wunderbar diskutieren konnten und der ausnahmslos jedem in unserer Runde gefallen hat. Eine Satire auf die  „NOCD“ (Not our class dear)-Flausen, die englische Upper Class und Familienmitglieder, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Britsh Humour at its best. Habe selten so häufig gekichert beim Lesen, seitenweise Sätze unterstrichen und mich einfach bestens amüsiert. Mitford schafft es ,in ihrer nahezu-Biografie selbst tragische Momente humorvoll zu verpacken. Viel interessanter jedoch als der Roman (der durchaus interessant ist) ist die Familie Mitford an sich.

“Always either on a peak of happiness or drowning in black waters of despair they loved or they loathed, they lived in a world of superlatives”

“My dear Lady Kroesig, I have only read one book in my life, and that is ‘White Fang.’ It’s so frightfully good I’ve never bothered to read another.” 

“Linda’s presentation of the ‚facts‘ had been so gruesome that the children left Alconleigh howling dismally, their nerves permanently impaired, their future chances of a sane and happy sex life much reduced.” 

Wir fragten uns, ob sie das damalige Äquivalent zu den heutigen Kardashians waren in deutlich intellektueller, aber vermutlich ist, wenn überhaupt ein Vergleich zur Familie Mann passender. Nancy Mitford war die älteste von 6 Schwestern und einem Bruder und fast jeder aus dieser Familie ist nahezu einen eigenen Roman wert. Besondere Aufmerksamkeit finden dabei Unity. Sie wurde 1914 geboren und von ihren Eltern zu Ehren des beendeten 1. Weltkriegs so optimistisch benannt. Sie verfällt noch in England in jüngsten Jahren dem Nationalsozialismus und reist mit gerade einmal 18 Jahren nach München, in der Hoffnung auf ihr Idol Hitler zu treffen. Sie schafft das sogar sehr schnell, die beiden freunden sich an, sie verfällt ihm ziemlich und schießt sich aus Kummer aufgrund der Kriegserklärung an England im englischen Garten eine Kugel in den Kopf – mit einer Pistole, die Hitler ihr geschenkt hatte. Aufgrund des kleinen Kalibers überlebt sie allerdings, geht zurück nach England und verstirbt nur wenige Jahre später an den Spätfolgen des Schusses. Peng.

Eine weitere Schwester, Diana, heiratet einen englischen Faschisten-Führer, Jessica wird Kommunistin, Nancy und Deborah wurden bekannte Schriftstellerinnen, einzig Pamela schien ein relativ aufsehensfreies Leben zu führen. Der Bruder, Tom, stirbt 1945 in Burma.

Ich kann die Lektüre von Nancy Mitfords Büchern nur empfehlen. Vor einer Weile las ich „Wigs on the Green“ ebenfalls richtig gut und es gibt eine sehr interessante Biografie von Susanne Kippenberger über die Familie, die ich unbedingt noch einmal lesen möchte.

Eine Bookclub-Freundin fand noch diese beiden interessanten Dokumentationen einmal über Unity,  https://youtu.be/Z9kBH47Ohlg sowie ein Interview mit der jüngsten Mitford Tochter Deborah. https://youtu.be/25IO32AxGq4

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Andreas Burnier – Knabenzeit

Bin gar nicht sicher, ob Andreas Burnier eigentlich glücklich wäre, hier als Frau genannt zu werden, geboren wurde sie als Catharina Irma Dessaur, sie nahm das Pseudonym Andreas Burnier an und wurde unter diesem Namen in den Niederlanden auch recht bekannt. Pünktlich zum Buchmessen-Schwerpunkt habe ich das kurze nur 112 Seiten lange Büchlein von Birgit von Sätze und Schätze erhalten und habe am gleichen Abend noch begonnen es zu lesen.

Der Titel „Knabenzeit“ bezieht sich auf die getrennten Schwimmzeiten für Mädchen und Jungen in öffentlichen Schwimmbädern. Die Protagonistin Simone musste sich mit 9 Jahren als Kind jüdischer Eltern verstecken. Die Geschichte wird chronologisch rückwärts erzählt und wir erleben Simone an den verschiedenen Stationen an denen sie für eine Weile unterkommen konnte. Das Mädchen ist häufig isoliert, ängstlich und alleine und beschäftigt sich neben den großen Themen wie Krieg, Verfolgung, Sorge um die Eltern auch noch mit ihrer eigenen Transsexualität/Homosexualität. Immer wieder werden ihr die Unterschiede und Ungerechtigkeiten zwischen Jungen und Mädchen / Männern und Frauen bewusst.

Die Sprache ist karg und realistisch, ich hatte das Gefühl als würde sich Burnier an ein jugendliches Publikum wenden. Eine dunkle melancholische Geschichte, deren stellenweiser Sarkasmus vielleicht nicht für jeden etwas ist.

  „Ich versuchte mir vorzustellen, wie es wäre, gleich als Junge zur Welt zu kommen. Man würde sich nicht darüber wundern. Es wäre selbstverständlich, daß mit dem Körper alles in Ordnung war. Daß man Fußball spielen konnte, abends durch die Stadt gehen und Mädchen ansprechen, schwimmen, wenn Knabenzeit war. Einen Beruf wählen und in diesem Beruf weiter arbeiten, wenn man heiratete und Kinder bekam. Daß man keine öden Sachen zu tun brauchte wie Handarbeiten oder Tischdecken. Daß man zu den Menschen gehörte, die im Leben etwas leisteten: Soldaten, Wissenschaftler, Minister, Entdeckungsreisende , Ingenieure, Direktoren, und nicht zu der unbedarften Hälfte, die, ob arm oder reich, die gleiche Hausarbeit verrichten mußte. Zu denen, die selbst kein Geld verdienten und sich wie Pfauen aufputzen mußten, um der anderen Hälfte zu gefallen.“

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Caitlin Moran – How to be a Woman

Witzig wie Nancy Mitford, aber deutlich unterschiedlichen Klassen angehörig. Auch Moran kommt aus einem Haushalt mit einer unüberschaubaren Anzahl an Geschwistern, aber statt in einem Schloss wohnen sie in einem Sozialbau und auch sonst gibt es im Alltag von Nancy und Caitlin vermutlich wenig überschneidende Elemente.

Mich hat an dem Buch etwas irritiert, dass es sich als feministisches Buch präsentierte „Feminism–now with jokes!“ tatsächlich ist es ist aber eigentlich vielmehr eine Biografie und man erfährt eine Menge über Caitlin Moran. Was gar nicht so schlimm ist, wenn man weiß, worauf man sich einläßt. Ich kenne Caitlin Moran aus meiner Zeit in London in den späten 90ern /Anfang 2000 und ich glaube, je besser man sie kennt, oder selbst in den 90ern in Großbritannien aufgewachsen ist, desto eher kann man mit ihrer Biografie etwas anfangen, denke ich. Sie ist unglaublich witzig und stellenweise fremdschämend ehrlich. Es geht ihr weniger um theoretische Implikationen des Feminismus, sondern sie schaut dem Feminismus knallhart unter den Rock und ins Gesicht.

Sie berichtet von ihrer Teenagerzeit, ihrem Übergewicht, stört sich an Haaren die an den immer falschen Stellen wachsen und im späteren Teil des Buches mit dem Verlieben, Kinderkriegen, Abtreibungen und warum es auch für Feministinnen vollkommen in Ordnung ist, sich eine Putzfrau zu engagieren.

“It’s difficult to see the glass ceiling because it’s made of glass. Virtually invisible. What we need is for more birds to fly above it and shit all over it, so we can see it properly.” 

Viele interessante Gedanken in dem Buch, die es für mich insgesamt zu einer witzigen und interessanten Lektüre machten, würde es aber wohl in meinem Bekanntenkreis eher British Natives empfehlen.
“No one has ever claimed for a moment that childless men have missed out on a vital aspect of their existence, and were the poorer, and crippled by it. Da Vinci, Van Gough, Newton, Faraday, Plato, Aquinas, Beethoven, Handel, Kant, Hume, Jesus. They all seem to have managed childlessness quite well.”

Sehr cool fand ich ihren Test mit dem man herausfinden kann, ob man eine Feministin ist: “Put your hand in your underpants. a. Do you have a vagina? and b. Do you want to be in charge of it? If you said ‚yes‘ to both, then congratulations! You’re a feminist“

Und eine Erklärung dafür, was Feminismus eigentlich bedeutet hat sie auch: “What is feminism? Simply the belief that women should be as free as men, however nuts, dim, deluded, badly dressed, fat, receding, lazy and smug they might be. Are you a feminist? Hahaha. Of course you are.” 

Konnte ich Euch jetzt auf eines der Bücher Lust machen ? Mit welcher Autorin würdet ihr am ehesten was trinken gehen?

Constance de Salm – „24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau“ erschienen im Hoffmann & Campe Verlag
Nancy Mitford – „Englische Liebschaften“ erschienen im Ullstein Verlag
Andreas Burnier – „Knabenzeit“ erschienen im Wagenbach Verlag
Caitlin Moran – „How to be a Woman: Wie ich lernte eine Frau zu sein“ erschienen im Ullstein Verlag

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Nizza – Le weekend dans les livres

So ein verlängertes Wochenende kann sich im Glücksfall anfühlen wie eine ganze Woche Urlaub. Handgepäck mit Badehose, Sonnenbrille und nem kleinen Stapel Bücher und ab ging es am Freitag Abend ins wundervolle sonnig-warme Nizza.

Neben Strand und gutem Essen stand auch Kultur auf dem Programm. Eine Ausstellung des Streetart Künstlers Ernest Pignon Ernest und ein Besuch im Matisse Museum.

Ernest Pignon Ernests Ausstellung war richtig gut. Bin immer etwas zwiegespalten bei Streetart, die im Museum hängt, aber hier hat es wirklich gut funktioniert. Das vielleicht bekannteste Motiv von ihm ist ein Porträt von Rimbaud, das wir uns auch gleich als Poster gekauft haben. Mal schauen, ob wir ein schönes Plätzchen dafür finden:

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Neben ein paar sehr schönen Buchläden hatte Nizza auch eine Open Library zu bieten, bei der im Park Stühle und Bücherregale zum Schmökern einluden.

Ich bin in das Frankreich-Wochenende mit Marcelle Sauvageots „Fast ganz die Deine“ (Commentaire) eingestiegen. Ein wundervoller poetischer kleiner Brief-Roman. Marcelle Sauvageot wurde 1900 in Frankreich geboren und litt Zeit ihres Lebens an Tuberkulose. Als sie 1930 von Paris nach Hauteville ins Sanatorium zurückkehrt, erhält sie einen Brief ihres Geliebten, indem er ihr mitteilt: „Ich heirate… Unsere Freundschaft bleibt.

Melancholisch schön beschreibt Sauvegeot ihr Leiden, ihre Einsamkeit und denkt über die verschiedenen Formen der romantischen und sexuell motivierten Liebe nach. Sie schreibt einen Antwortbrief, den sie nie abschicken wird, analysiert ihre Verletzungen, ihre Wut, ihr Loslassen, bei dem sie wieder und wieder von einem Gefühl ins nächste taumelt. Es hat mich sehr beeindruckend wie treffend sie den ihren Liebeskummer beschreibt ohne jegliche Sentimentalität.

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„Das erste von einer Frau geschriebene Buch, aus dem nicht Unterwerfung spricht… Ein Buch voll erhabener Traurigkeit; ein Buch voller Würde! Großartig!“, schieb die Lyrikerin Clara Malraux sehr treffend.

Ein Abschied ohne Neuanfang. Unbedingt lesen !

„Die Theorie vom Marmeladenbrot“ von Titiou Lecoq sollte danach für etwas Leichtigkeit sorgen. Das Buch wurde mir dankenswerterweise von Herrn Brasch überlassen, dessen Rezension mich auf das Buch aufmerksam machte.

So ganz warm sind wir allerdings nicht miteinander geworden. Vielleicht hatte ich mir zuviel versprochen von einem Buch, das sich mit den Anfängen des Internets beschäftigte, die Entwicklung der Digital Natives, aber zum Teil verliefen die Erzählstränge für mich ins Leere und die Protagonisten blieben schablonenhaft.

Es war dennoch anregende Café-Lektüre und trotz der deprimierenden Theorie, die hinter dem Marmeladenbrot steckt, das schief geht, was schief gehen kann, hatte der Roman durchaus humorvolle Momente.

Der Roman beginnt 2006 und erzählt die miteinander verwobene Geschichte des rechtschaffenen Online-Journalisten Christophe, der Bloggerin Marianne, die als Opfer eines Sex-Videos unerwünschte Popularität erlangt, und dem jungen Hacker Paul, der gemeinsam mit Christophe versucht, Marianne zu helfen.

Alle drei versuchen, die Anonymität des Internets zu bewahren, ahnen aber bereits von der Ausweglosigkeit ihres Vorhabens. Wir treffen die drei im Jahr 2015 wieder. Sie sind noch immer befreundet, etwas erwachsener geworden vielleicht, aber nach wie vor gleicht ihr Leben dem Marmeladenbrot. Christophe hat nach wie vor Ärger im Job, wo Clicks mehr zählen als journalistische Qualität und seine Ehe ist am Zerbrechen.

Paul betreibt weiterhin im Internet sein lukratives halbseidenes Penis-Vergrößerungs-Geschäft, kann sich aber aufgrund einer Angststörung kaum aus der Wohnung bewegen und hat ebenfalls ordentliche Beziehungsprobleme.

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Marianne hat nach wie vor keinen Job und hält sich mit Botendiensten für Pauls Internetgeschäft über Wasser. Sie bloggt weiter ein wenig, hat mittlerweile eine Tochter mit ihrem schwulen Kumpel und dümpelt antriebslos durchs Leben.

Alle drei kommen an einen „Swim or Sink“ Moment in ihrem Leben, ob sie es schaffen, verrät das Buch uns nicht. Die Charaktere fand ich jetzt nicht weiter liebens- oder bemerkenswert, die Themen wie Netzanonymität, Big Data und der Wandel, den das Internet durchlaufen hat, waren ganz interessant.

Der Roman ist ganz unterhaltsam, unbedingt gelesen haben muss man ihn nicht.

Bringt mich zum letzten Roman „Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq. Auf meinen ersten Houellebecq war ich mächtig gespannt. Im Englischen wurde der Titel wohl mit „Whatever“ übersetzt, das würde es für mich ehrlich gesagt schon treffen.

Sicher habe ich auch den Fehler gemacht, das Buch am Strand zu lesen, es ist derart trost- und hoffnungslos, dass man durchaus Lust bekommt, sich im Meer zu ertränken. Ich fand es nicht schlecht, aber wirklich vom Hocker gehauen hat es mich nicht.

Die „Ausweitung der Kampfzone“ beschäftigt sich mit den (fehlenden?) Abenteuern eines 30jährigen IT Spezialisten (den ich eher für Mitte 50 gehalten hätte, wäre sein Alter nicht explizit genannt worden).

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Er verkauft langweile IT Programme an Kunden, die diese eigentlich nicht brauchen oder wollen, gibt gelangweilten Angestellten entsprechende IT Schulungen in der Provinz und nimmt an noch langweiligeren Abendveranstaltungen teil.

Er ist sexuell frustriert und ist dabei mit Raphael, einem  ziemlich hässlichen IT Kollegen, in bester Gesellschaft.  Der ist Mitte 20 nicht sehr charmant und wenig attraktiv und daher noch immer ein Jungmann. Jeglicher Versuch, sich dem weiblichen Geschlecht zu nähern schlagen fehl.

Aus irgendeinem Grund habe ich immer damit gerechnet, unser IT Protagonist würde Raphael nun zum Selbstmord animieren, war aber nicht so.

Es wird viel geraucht, getrunken und gekotzt, es gibt ein paar interessante Gedanken aber alles in allem kein so guter Start für mich. Hier stehen noch die „Elementarteilchen“ rum – kann mir das jemand empfehlen, oder soll ich aufgeben? Eine sehr interessante Rezension (die ich eben noch einmal nachgelesen habe findet man bei Sätze und Schätze)

Wären uns am Montag nachmittag nicht noch unsere strahlend blauen Leihräder gestohlen worden vor dem Restaurant, es wäre ein perfektes Wochenende gewesen. Aber mit diesem einen kleinen Wermutstropfen kann ich leben.

Nizza ist eine sehr schöne Stadt und wir hatten ein wundervolles Wochenende. Die Narben des kürzlich verübten Attentats an der Promenade kann man noch immer sehen und spüren, aber glücklicherweise schaffen die Terroristen es nicht, den Menschen den Lebensmut zu nehmen – wir sind und bleiben „en terrasse“

Liberte-egalite-fraternite-Fuck-terrorism

Marcelle Sauvageot „Fast ganz die Deine“ ist bei dtv erschienen
Titiou Lecoq „Die Theorie vom Marmeladenbrot“ ist im Ullstein Verlag erschienen
Michel Houllebecq „Ausweitung der Kampfzone“ ist bei Wagenbach erhältlich