Meine Woche

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Gesehen: „Joan Didion – The Center will not hold“ (2017) von Griffin Dunne. Biopic über eine großartige Autorin. Unbedingt anschauen, ist absolut sehenswert.

Nocturnal Animals“ (2016) von Tom Ford mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal. Beklemmender Film mit wunderbaren Bildern.

Halloween“ (1978) von John Carpenter mit Jamie Lee Curtis. So viel besser als ich dachte, da kann sich so mancher Horrorfilm heute eine Menge abschauen.

Gehört: „Take me somewhere nice“ – Mogwai, „Coolverine“ – Mogwai, „Mesa“ – Cayatana, „Thinning“ – Snail Mail, „This Corrosion corroded“ – Andrew Liles, „Discourse on Lightning“ – Moljebka Pvlse, „Gil-Estel“ – Thangorodrim, „Blood & Chalk“ – EMA

Gelesen: über die massenhafte Opioide-Abhängigkeit in den USA, über diesen Buchladen den man in Schottland mieten kann, über den ersten Roboter der eine Staatsangehörigkeit bekam sowie die Überlegungen Roboter als „elektronische Personen“ zu führen, how the superrich have founded a new class of intellectuals, über die verschwindenden Insekten und über Istanbuls Bibliotheken als sichere Häfen in unruhige Zeiten

Getan: Mogwai live gesehen, viel gelaufen, einen Barkeeper Kurs besucht, ein belgisches Dinner genossen mit Gästen aus den verschiedensten Ländern und spannende Unterhaltungen geführt

Geplant: eine Lesung besuchen und Freunde unter die Haube bringen

Gegessen: salziges Guiness-Karamel Shortbread und sehr leckere belgische Hackbällchen

Getrunken: belgisches Trappistenbier

Gelacht: For all who think they might have a bad day

Geärgert: über meine kaputte Fahrradbremse

Gewein: bye bye Lovefilm und bye bye Octavia

Gefreut: über ein email von Mr Raven, viel Zeit mit guten Freunden verbracht zu haben und endlich wieder mit dem sporteln begonnen zu haben

Geklickt: auf die Liste mit den 100 Büchern die man 2017 gelesen haben sollte, diesen Ted Talk über den Bau eines Tempels und diesen TED Talk darüber was eigentlich problematisch ist mit Blick auf TED

Gewünscht: dieses Neonlicht, diese Leselampen, dieses Tablett

Gefunden: nix

Gestaunt: über diese wunderschönen Fotos bedrohter Tierarten

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Happy Halloween

Halloween ist eines meiner liebsten Ausreden für durchgeknallte Deko, gruselige Filme und Bücher, zu viele Süßigkeiten und obskure Verkleidungungen.

Dieses Jahr musste der Bookclub daran glauben, den ich zu einer Halloween-Party light verdonnert habe, inklusive eines waschechten Scream-Auftritts.

Die Halloween-Lektüre dieses Jahr begann für mich mit einem Buch, auf das ich schon während der Leipziger Buchmesse aufmerksam wurde. Wenn bei Diogenes Phantasy/Horror erscheint, horche ich besonders auf und habe mich vertrauensvoll mit Stefan Bachmann auf einen Trip in ein düsteres Pariser Schloß begeben.

Die Geschichte war spannend und stellenweise schon ein wenig gruselig. Die Geschichte wird auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Die erste erzählt die Geschichte von Aurélie, die im Jahr 1780 in einem Schloß aufwächst. Ihr Vater baut einen Palast unter seinem Palast, den er „Palast der Schmetterlinge“ nennt und in dem sich ein gefährliches Geheimnis verbirgt.

In der zweiten Zeitebene geht es um Anouk in der heutigen Zeit. Anouk wurde von einer geheimnisvollen, elitären Gruppe eingeladen, an einer Expedition teilzunehmen, um eben diesen Palast unter dem Palast aus der Zeit der französischen Revolution auszugraben. Ihr kommt diese Einladung ganz recht, da es ihr eine willkommene Ausrede liefert, ihre nervige Familie für ein paar Wochen hinter sich zu lassen.

Aber weder Aurélie noch Anouk ahnen, was sich da im Untergrund verbirgt..

Kaum im Palast in Paris angekommen, ist gar nichts so, wie es scheint. Das Ganze ist mehr oder weniger eine Falle, in die Anouk und ihre Begleiter fröhlich hineintappen und wo unbekannte beginnen sie zu jagen.

Die Gruppe besteht aus dem warmherzigen Will, der Plaudertasche Lilly, dem durchgeknallten Jules und der verbitterten unzugänglichen Anouk, die zur Anführerin der Gruppe wird. Sie müssen zusammenhalten und einen kühlen Kopf bewahren in diesem bizarren teuflischen Spiel, das gefährlicher ist, als sie es sich jemals haben Träumen lassen. Etwas Böses wartet auf sie in den Tiefen des Schlosses.

„Es gibt Menschen, die besitzen die besondere Fähigkeit, überall unglücklich zu sein, egal wo, egal mit wem und egal warum“

Im Laufe der Geschichte wird klar, dass die Story von Anouk und Aurélie miteinander verbunden ist, das Buch hat einen ziemlichen Sog entwickelt und ich hatte es in kürzester Zeit durchgelesen.

Die Atmosphäre des Buches hat mir überaus gefallen. Es erinnert manchmal an Gaston Leroux‘ „Phantom der Oper“, die Bilder im Kopf haben perfekt zu den stürmisch-dunklen Herbstabenden gepasst, an denen ich das Buch gelesen habe.

 

 

Falls ich dachte, ETA Hoffmann würde meine Nerven mehr schonen, dann hatte ich mich getäuscht. Der gute ETA gilt ja ein bisschen als der Urvater des deutschen Schauerromans und in „Der Sandmann“ hat er Edgar Allen Poe durchaus Konkurrenz machen können, was das Grusel-Niveau anging.

Die Geschichte beginnt mit einer Reihe von Briefen zwischen Nathanael, seiner Verlobten Clara und deren Bruder Lothar. Nathanael beschreibt darin eine Figur namens Sandmann aus seiner Kindheit, die ihn nachhaltig geängstigt hat. Der Sandmann soll laut Erzählungen nachts zu den Kindern kommen und ihnen die Augen stehlen. Diese Sandmann-Figur verschmilzt in Nathanaels Bewußtsein mit dem Auftauchen eines Mannes namens Coppelius, der im Arbeitszimmer des Vaters mit diesem Alchemie betreibt. Der kleine Nathanael hatte sich versteckt, um endlich rauszufinden was der geheimnisvolle Besucher bei seinem Vater will und Coppelius bedroht Nathanael damit, ihm die Augen rauszuschneiden, als er ihn entdeckt und tötet im Laufe der Nacht den Vater, bevor er verschwindet.

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Jahre später studiert Nathanael an der Universität in einer benachbarten Stadt und trifft dort auf einen Händler namens Coppola, in dem er den teuflischen Sandmann/Coppelius wiederzuerkennen glaubt. Clara und Lothar versuchen, ihn in ihren Briefen zu beruhigen und ihm zu versichern, es handle sich lediglich um eine kindliche Wahnvorstellung, an der nicht wirklich etwas dran ist und sie hoffen, er wird sich beruhigen, wenn er nur wieder für ein paar Tage nach Hause kommt.

Zu Hause angekommen scheint er zeitweise Coppelius/Coppola zu vergessen, dann aber gibt es wieder Perioden, in denen er von nichts anderem spricht und er entzweit sich zunehmend von Lothar und Clara, die seine Geschichte absurd finden.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, wir treffen auf künstliche Menschen und viel symbolhaftes und der Leser kann sich einfach niemals sicher sein: Sind Coppelius/Coppola ein und dieselbe Person und tatsächlich der Sandmann? Was symbolisieren die Augen im Kontext der Geschichte? Ist Nathanael wahnsinnig und bildet sich alles nur ein, oder …?

„Aber viele hochzuverehrende Herren beruhigten sich nicht dabei; die Geschichte mit dem Automat hatte tief in ihrer Seele Wurzel gefaßt es schlich sich in der Tat abscheuliches Mißtrauen gegen menschliche Figuren ein.“

Ein großartiges Märchen ganz in der Tradition der schwarzen Romantik (für dich ich zugegebenermassen eine sehr große Schwäche habe), das man ähnlich fiebrig liest, wie es geschrieben zu sein scheint. Nathanaels Story ist mir noch eine ganze Weile nachgegangen.

ETA Hoffmann hat sie 1817 geschrieben und sie ist eine seiner bekanntesten Geschichten. Sigmund Freud hat den Sandmann in seinem Essay „Unheimlich“ knapp 100 Jahre später interpretiert, Unmengen an Symbole und Metaphern laden zum fröhlichen Spekulieren ein. „Der Sandmann“ ist mehrfach als Oper verfasst worden und auch in der Popkultur finden sich Referenzen auf die Geschichte, zum Beispiel gibt es in Neil Gaimans Comics „Sandman“ die Figur des Corinthian, der von Morpheus geschaffen wurde und der die Auge seiner Opfer stiehlt.

Ich möchte ETA Hoffmann allen Freunden des düster-schaurigen heftig ans Herz legen, lohnt sich auf jeden Fall.

In „Die Kinetik der Lügen“ geht es um nichts Geringeres als die Entschlüsselung des Frankenstein-Mythos. Hatte die damals 18jährige Mary Shelley (bzw. damals noch Godwin) wirklich eine Art Vision oder Eingebung oder haben die erfolglosen Gebrüder Grimm etwas damit zu tun? Im Jahr 1816 war eine Menge los am Genfer See. Die It-Girls and Boys der englischen Society gaben sich im Jahr ohne Sommer ein Stelldichein in Genf. Der bankrotte Lebemann Lord Byron, der nicht ohne seinen Leibarzt John Polidori reist, trifft dort mit seinem Schriftstellerkollegen Percey Shelley zusammen, der neben seiner Gattin auch noch seine Geliebte Mary (später dann auch mal Gattin) im Schlepptau hat.

Regen und Kälte verhindern gesunde Bergwanderungen und daher vertreiben sie sich die Zeit in einer Villa am See intensiv miteinander, aber auch mit dem Erfinden von Schauergeschichten.

„…auch wenn er fand, Shelley könnte seine Verse zuweilen etwas sorgfältiger setzen, voller Bewunderung. Dieses Gedicht war ein Mosaik aus Poesie & Politik: zarte Bilder wechselten mit harschen Attacken. Politiker: machtgeile Gespenster, Untote. Die Ehe: ein Privatkerker. Beamte: Söldner dre Tyrannei. Gott: ein Lügner. – Eine Legion von Fußnoten war aufgeboten, den Angriff gegen alles zu führen, was sich auf Gott & Gesetz berief… – Der Buchdrucker hatte seinen Namen herausgeschnitten, aus Angst vor den Gerichten.“

200 Jahre später beschäftigt sich ein unterbeschäftigter Dokumentarfilmer am CERN mit der Frage nach dem Ursprung des Frankenstein Manuskripts. Die Zeitebenen geraten ins Taumeln und wirbeln die Lebensläufe der Akteure im heutigen Genf mit denen aus dem Jahr 1816 mächtig durcheinander.

Trunschkes intellektuelle Detektivgeschichte macht Spaß, fordert einen aber auch durchaus. Die liebevolle Buchgestaltung macht das Buch aus dem homunculus Verlag wieder zu einem ganz besonderen Leckerbissen.

Jetzt aber erst mal Schluß mit den Romanen, jetzt lassen wir uns zur Abwechslung mal von Gedichten das Fürchten lehren:

Es ist schwierig, „Die Blumen des Bösen“ zusammenzufassen, nicht nur aufgrund der großen Anzahl an Gedichten in diesem Band, die Vielzahl an Symbolen, Bilder tun ihr übriges. Gleich zu Anfang adressiert Baudelaire das Gedicht „An den Leser“, wo er ein Blendwerk von Sünden, Lastern und monströsen Kreaturen aufzählt, die dem modernen Menschen zu schaffen machen. Das Schlimmste von allem sei allerdings „Ennui“ (Langeweile), die mehr als alles andere den Wunsch des Menschen nach Tugend unterwandert.

In seinen Gedichten zeichnet Baudelaire das Bild vom Poeten als stets mißverstandenem Außenseiter (Segen/Der Albatross/Zigeuner auf der Fahrt), der die Aufgabe hat, aufgrund seiner Sprachgabe tiefer liegende Wahrheiten aufzudecken (Die Leuchttürme). Er will in einem Zustand kompletter Reinheit existieren und ist doch ständig frustriert ob seiner Fehler und Schwäche für Laster. Er sieht sich selbst als Helden, weiß aber, dass das bedeutet, dass er leiden muß.

Baudelaire leidet besonders unter seiner Obsession mit Frauen, insbesondere Frauen, die dunkel, sinnlich, mysteriös und gemein sind („Als ich bei einer Jüdin lag“ / Verdammte Frauen). Sie quälen ihn und füllen ihn gleichzeitig mit Lust und Hass (Lethe / Der Vampir) er ist ihnen verfallen und gelegentlich möchte er ihnen etwas antun (Das Gift) oder erfreut sich daran, sie zum Fürchten zu bringen.

Charles Baudelaire wurde 1821 in Paris geboren und wird als einer der ersten modernen Poeten gesehen. Er machte sich das Alltägliche und die Wechselfälle des Lebens in der Großstadt zu Eigen, er war fasziniert vom Verbotenen, von den dunklen Schattenseiten des Paris im 19. Jahrhundert. Seine spartanischen Bilder und seine durchdringende Ironie brachten die Poesie weg von den Romantikern und entschieden in die Moderne hinein. Er hat sich nicht davor gedrückt sich Themen wie Sex, Tod, Lust und psychologischen Dramen zu widmen. Seine Gedichte sind makaber, aber amüsant und gelegentlich auch abstossend.

 

Der Vampir

Die du wie des Messers kalter Stoss
In mein jammernd Herze bist gefahren,
Die du stark bist wie Dämonenscharen
Und im tollen Rausch erbarmungslos,

Die in meinem Geist schwach und gering
Eingenistet sich und eingebettet,
Schändliche, an die ich festgekettet
Wie der Sträfling an den Eisenring!

Wie der Spieler seiner tollen Sucht,
Wie der Trinkder Begierde Krallen,
Wie der Leichnam ist dem Wurm verfallen,
So verfiel ich dir, o sei verflucht!

Oft rief ich das rasche Schwert herbei,
Dass es mir die Freiheit neu erringe,
Und ich bat das falsche Gift, es bringe
Mir Erlösung aus der Tyrannei.

Doch verächtlich hat das rasche Schwert,
Hat das falsche Gift zu mir gesprochen:
»So hat dich die Sklaverei zerbrochen,
Dass du nimmer der Erhebung wert.

Tor und Schwächling, selbst wenn unsre Kraft
Dir Erlösung von der Schmach gegeben,
Würde deiner Küsse Leidenschaft
Deines Vampirs Leichnam neu beleben

Er konnte nicht wirklich gut von seinem Schreiben leben und musste so alle 6 Monate etwa umziehen, um von seinen Gläubigern nicht erwischt zu werden. Les Fleurs du Mal wurden 1840 veröffentlicht, nachdem er jahrelang an den Gedichten arbeitete.

Die düstere Stimmung der meisten Gedichte passt hervorragend in diese Reihe, ich war also durch die Bank weg begeistert von meiner diesjährigen literarischen Halloween-Ausbeute.

Zur Einstimmung gibt es hier noch meinen extra spooky Soundtrack

und meine Top 10 Horror-Filme, für alle die sich gerne noch eine extra Schicht Gänsehaut möchten:

  1. Only Lovers left alive – Jim Jarmusch (2013)
  2. The Hunger – Tony Scott (1983)
  3. A Girl walks home alone at Night – Ana Lily Amirpour (2014)
  4. Possession – Andrzej Zulawski (1981)
  5. It Follows – David Robert Mitchell (2014)
  6. The Babadook – Jennifer Kent (2014)
  7. Suspiria – Dario Argento
  8. Let the Right one in – Thomas Alfredson (2008)
  9. Der Exorzist – William Friedkin (1973)
  10. The Neon Demon – Nicolas Winding Refn (2016)

Wem das alles noch immer nicht genug ist, der kann sich den Trick or Treat Beitrag vom letzten Jahr durchlesen.

Stay scared 😉

Was sind Eure liebsten Horror-Bücher oder Filme ? Mögt ihr Halloween? Lieblingskostüm? Fragen über Fragen 🙂

 

Stefan Bachmann – Der Palast der Finsternis erschien im Diogenes Verlag (dem ich herzlich für das Rezensions-Exemplar danke)
ETA Hoffmann – Der Sandmann erhältlich im Suhrkamp Verlag
Olaf Trunschke – Die Kinetik der Lügen erschien im Homunculus Verlag
Charles Baudelaire – Die Blumen des Bösen erschien im Diogenes Verlag

Trick or Treat ?

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Dieses Jahr hatte ich Lust, mich Halloween thematisch stärker zu widmen. Mir ist gerade unabhängig von diesem „Feiertag“ gerade nach einer Prise Horror, Grusel, Düsterkeit. Daher gibt es bei momentan nicht nur mehr Vampir- und Horrorfilme als sonst, sondern auch entsprechende Lektüre.

Vampire dürfen zu Halloween nicht fehlen, auch wenn ich dieses Jahr keinen gelesen habe, filmisch habe ich mich von ihnen verführen lassen. Listen sind immer gut (habe ich auch gerade wieder bei Emily the Strange gemerkt, dazu aber später). Hier also eine Liste mit meinen liebsten Vampirfilmen:

  1. Only Lovers left alive von Jim Jarmusch
  2. The Hunger von Tony Scott
  3. Let the Right One in von Tomas Alfredson
  4. A Girl walks home alone at night von Ana Lily Amirpour
  5. Dracula von Francis Ford Coppola
  6. Interview with a Vampire von Neil Jordan
  7. Underworld von Len Wiseman
  8. From Dusk Till Dawn von Robert Rodriguez
  9. The Lost Boys von Joel Schumacher
  10. Gothic von Ken Russell
  11. Blade von Stephen Norrington
  12. Twilight von Catherine Hardwicke (ja ja I know, aber ich mag Kristen Stewart)
  13. Daybreakers von den Spierig Brothers

Neben Bram Stokers „Dracula“ darf bei einem Halloween-Special keinesfalls „Carmilla„, von Joseph Sheridan Le Fanu fehlen, den ich bereits Anfang des Jahres gelesen hatte. Würde ich jedem Vampirfreund ans Herz legen, ist mittlerweile auch als Web-Serie verfilmt worden.

Auch ohne Vampire habe ich es dunkel-schaurig angehen lassen und habe den dunklen Marathon mit der ausgezeichneten Graphic Novel „Black Hole“ von Charles Burns gestartet.

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Black Hole beschäftigt sich mit einer Gruppe Jugendlicher, die sich mit einer Art Virus anstecken, der sexuell übertragbar ist und die sie auf krasse Art mutieren lässt (den einen wachsen Schwänze, ein Mädchen häutet sich wie eine Schlange etc). Es geht um die Frage, wie eine Gesellschaft mit ihren Außenseitern umgeht und wie der Virus die Jugendlichen beeinflusst, die ohnehin überaus gehemmt und unsicher sind, was ihren Pubertätskörper so betrifft.

Ich fand die Frage spannend was passiert, wenn irgendwann keiner mehr makellos und selbstsicher ist.

Eine ziemlich düstere Graphic Novel mit phantastischen wuchtigen Bildern. Unbedingt lesen.

Die schwarz-weiß Zeichnungen erinnerten mich beim Lesen an eine ganz alte Liebe: „Emily the Strange“ von Rob Reger und zack waren alle literarisch-wertvollen Anwandlungen erstmal aus dem Fenster und ich habe mich Stunden am Stück Emily und ihren Abenteuern gewidmet.

In „Die verschwundenen Tage“ taucht Emily in einer Stadt namens Blackrock auf und kann sich an absolut nichts erinnern. Nicht wie sie heißt, wo sie wohnt – gar nix. Sie hat einzig ein Notizbuch und einen Stift und versucht zu rekonstruieren, was ihr wohl passiert sein könnte und warum sie in Blackrock ist.

Das Buch hat mich wirklich überrascht. Einfach, weil ich nicht wirklich großartig was erwartet hatte, außer etwas exzentrischer Unterhaltung, aber das Buch ist ein richtiger Roman mit spannender Story und interessanten Charakteren und Listen. Jede Menge davon. Ich hatte solchen Spaß mit dem Buch, mit den Listen und Emily, ich habe mir in der Bibliothek gleich zwei weitere Bände ausgeliehen, die große Literatur muss also noch ein paar Tage warten, ich muss erst noch ein paar Abenteuer mit Emily bestehen, dann bin ich wieder bereit.

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13 Elements you will find in the first Emily the Strange novel:
1. Mystery
2. A beautiful golem
3. Souped-up slingshots
4. Four black cats
5. Amnesia
6. Calamity Poker
7. Angry ponies
8. A shady truant officer
9. Top-13 lists
10. A sandstorm generator
11. Doppelgängers
12. A secret mission
13. Earwigs

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Bevor ich jetzt aber Vorwürfe bekomme, dass weder „Emily the Strange“ noch „Black Hole“ gruselig genug seien und man für Halloween schon andere Kaliber benötigt, den versuche ich jetzt mit einem Klassiker der amerikanischen Horror- und Gruselliteratur zu besänftigen. Schon seit ein paar Jahren befindet sich die wunderschöne Büchergilden-Ausgabe von Ambrose Bierce „Hinter der Wand“ in meinem Besitz.

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Ambrose Bierce ist neben Edgar Allen Poe der Meister des amerikanischen Gothics und war wohl nicht wirklich ein heiterer Zeitgenosse. Bekannt als „Bitter Bierce“ und Misanthrop erster Güte sind seine düsteren, schrägen Geschichten auch heute noch zeitgemäß. Sie haben einen sehr amerikanischen Touch, der Bürgerkrieg spielt in einigen Geschichten eine Rolle, die Expansion Richtung Westen und ab und an hatte ich Bilder aus dem Film „There will be Blood“ vor den Augen.

Die Büchergilden-Ausgabe ist ein absolutes Schmuckstück. Die Zeichnungen von Klaus Böttger geben dem Buch eine ganz besondere morbide Note. Hier passen Illustrationen und Geschichten perfekt zueinander.

Die Geschichten werden nahezu immer aufgeklärt, man fühlt sich gelegentlich an Sherlock Holmes erinnert, auch wenn diese Erklärungen weitaus weniger von Logik und Deduktion bestimmt sind, als von Horror, Übersinnlichem und Unerklärbarem.

Bierce eigenes Ende könnte einer seiner düsteren Kurzgeschichten entsprungen sein. Mit 70 unternimmt er noch einmal eine Reise nach Mexiko, gerät dort in die Revolution und scheint sich dem Revolutionär Pancho Villa angeschlossen zu haben. Um die Jahreswende 1913/14 verliert sich jede Spur von ihm, in seinem letzten erhaltenen Brief rechnet er mit seiner standrechtlichen Erschießung. Aber genaues weiß man nicht. Man hat nie eine Spur von ihm finden können.

Am besten haben mir die Geschichten „Der Tod Halpin Fraysers“, „Moxons Meister“, „Das Verfluchte Ding“ und „Die mondhelle Straße“ gefallen.

 

Zum Abschluss noch ein wunderschön illustriertes Märchen von Neil Gaiman.

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Ich bin kein großer Märchen-Fan. Der ganze niedliche Prinzessinnen-böse Stiefmütter-treudoofe Königinnen war nie meins, daher hatte ich keine übergroßen Erwartungen  für „Der Fluch der Spindel“, Neil Gaiman als Autor und die wunderschönen Zeichnungen waren allerdings Grund genug, dem ganzen zumindest eine Chance zu geben.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Schneewittchen und Dornröschen. Die junge Königin erfährt von ihren drei treuen Gefolgsleuten , den Zwergen, dass das Nachbar-Königreich schon von Jahrzehnten von einer seltsamen Schlafkrankheit heimgesucht wurde, die sich jetzt auch in ihrem Königreich ausbreitet.

Im Gegensatz zu den ganzen Weichei-Königinnen bekannter Märchen nimmt diese junge Königin die Lösung des Problems selbst in die Hand und zieht mit den Zwergen los, um der Seuche Einhalt zu gebieten und ihrem Ursprung auf den Grund zu kommen.

Gaiman mischt hier die ursprünglich deutliche dunkleren Töne alter Märchen mit einigen progressiveren Elementen und bastelt daraus ein wunderbar melancholisch unheimliches  Märchen mit zauberhaften Bildern.

Ein letzter Tipp, weil ich sie euch einfach nicht vorenthalten kann: Shirley Jackson, die sowas wie die Urmutter des finsteren Horror/Gruselromans, was einem irgendwie ulkig vorkommt, wenn man bedenkt, dass sie eine Mittelklasse-Hausfrau aus Vermont war, deren erster Roman 1948 erschien. Besonders bekannt wurde sie mit ihre Kurzgeschichte „The Lottery“, die erstmals in der New York Times erschien und bergeweise Leserpost bescherte, die die Bedeutung der Geschichte zu erfassen versuchten. Sie hat nach wie vor großen Einfluss in diesem Genre, die „Tribute von Panem“-Trilogie zeigt beispielsweise große Parallelen zu der Kurzgeschichte auf.

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Ihr Roman „The Haunting of Hill House“ ist eines meiner Lieblingsbücher, unbedingt lesen, meine Rezension dazu findet ihr hier.

Hoffe ich konnte Euch etwas Lust machen auf die etwas dunkler melancholisch gruseligeren Seiten des Oktobers. Von wem lasst ihr euch gerne gruseln?

Trick or Treat? Happy Halloween allerseits 🙂

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Charles Burns – „Black Hole“ erschienen im Reprodukt Verlag
Rob Reger – „Emily the Strange: Die verschwundenen Tage“ erschienen im cbj Verlag
Ambrose Bierce – „Hinter der Wand“ erschienen bei der Büchergilde Gutenberg
Neil Gaiman – „Der Fluch der Spindel“ erschienen im Knesebeck Verlag