Gruseliger Horroctober

Zack ist er schon wieder vorbei mein liebster Monat. Viel zu warm, viel zu golden. Ich habe die neblig-düsteren Wochenenden doch ein bisschen vermisst, die meiner Lektüre etwas angemessener gewesen wären. Vermutlich sollten wir uns bei der drohenden Energiekrise aber über zu warme Monate erst einmal nicht beschweren. Die kalte nasse Jahreszeit wird sicherlich noch kommen. Ein guter Lesemonat war es – wenn natürlich dem Monatsthema geschuldet ein wenig mono-thematisch.

Hier also wieder im Schnell-Durchlauf meine Oktober-Lektüre:

„The Silent Companions“ – Laura Purcell auf deutsch unter dem Titel „Die stillen Gefährten“ im Festa Verlag erschienen übersetzt von Eva Brunner

Mein Highlight diesen Monat. Selten einen so spannenden modernen Gothic-Roman gelesen der stellenweise wirklich gruselig ist und einem klar machen, dass manche Türen vielleicht wirklich besser verschlossen bleiben…

Elsie Bainbridge nach kurzer Ehe frisch verwitwet und schwanger bezieht das alte Landgut ihres verstorbenen Mannes. In ihrem neuen Zuhause existiert ein verschlossener Raum. Als sich dessen Tür für sie öffnet, findet sie ein 200 Jahre altes Tagebuch und eine beunruhigende, lebensgroße Holzfigur – eine stille Gefährtin … und definitiv mehr als sie sich je erhofft hatte. Ein echter Pageturner hab bis kurz nach zwei nachts gelesen und mich dann vor meinem eigenen Schatten gegruselt 😉
Möchte auf jeden Fall auch die anderen Romane der Autorin lesen.

Imprisonment was never the real punishment: it was the people you were stuck with.

„The Vampyre“ – John Polidori erschienen im Black Letter Press Verlag

The Vampyre ist die erste in englischer Sprache veröffentlichte Vampirgeschichte, eine Novelle von John Polidori, dem Arzt von Lord Byron die 1819 erschien.

Die Geschichte erregte in Europa großes Aufsehen. Polidori schuf die erste Vampirerzählung der Weltliteratur und begründete gleichsam mit der Hauptfigur des Lord Ruthven den Typus des modernen Vampir und war bis zur Veröffentlichung von Dracula durch Bram Stoker im Jahr 1897 die unangefochtene Quelle sämtlicher Vampirgeschichten. Die Geschichte entstand am gleichen verregneten Wochenende wie Mary Shelleys „Frankenstein“ in der Villa Diodati am Genfersee aus einem dichterischen Wettstreit mit Lord Byron sowie Mary Shelley und Percy Bysshe Shelley.

Glück brachte sie dem jungen Arzt nicht. Die Geschichte wurde unter Lord Byrons Namen veröffentlicht, Polidori bekam vom Ruhm nicht wirklich was ab (vom Geld auch nicht), hatte Spielschulden, Liebeskummer und litt wohl auch unter Depressionen. Mit nur 26 Jahren starb er unter ungeklärten Umständen die auf Selbstmord hindeuteten. Über sein Leben und das seiner Mitstreiter:innen in der Villa Diodati zu lesen ist mindestens so spannend wie seine Novelle „Der Vampyr“.

Erwähnen möchte ich auch unbedingt den kleinen unabhängigen Verlag „Black Letter Press“ aus Hannover die wunderschöne, liebevoll gemachte dunkle Klassiker veröffentlichen.

Aubrey retired to rest, but did not sleep; the many circumstances attending his acquaintance with this man rose upon his mind, and he knew not why; when he remembered his oath a cold shivering came over him, as if from the presentiment of something horrible awaiting him.

„Sleepy Hollow“ und „Rip van Winkle“ – Washington Irving erschienen im Black Letter Press Verlag

Auch dies ein Klassiker aus dem Hause Black Letter Press. Bislang kannte ich nur die Verfilmung aus den 90er Jahren, die ich sehr liebe und es wurde Zeit mich mit einem Gothic Klassiker aus New England zu beschäftigen.

Irving beschäftigte sich mit der deutschen Romantik als ihm angeblich auf einer Reise durch England auf der Westminster Bridge in London die Idee zum kopflosen Reiter aus Sleepy Hollow kam. In Interviews beteuerte Irving jedoch stets das die Sage genau so in den Catskills erzählt werde und er sie selbst so erzählt bekomme habe. Es gab immer wieder einmal Plagiats Vorwürfe, dem Erfolg der Geschichte und dem Ruhm Irvings tat das jedoch keinen Abbruch.

Rip van Winkle geht wohl tatsächlich auf eine Sage zurück, allerdings auf eine deutsche. Irving hatte wie andere amerikanische Schriftsteller auch das Problem das die frisch gegründeten Vereinigten Staaten nicht wirklich auf eine Vergangenheit zurückblicken konnte aus der er Material ziehen konnte, daher verlegte er die deutsche Sage einfach in die Berge New Yorks.

Habe beide Geschichten gerne gelesen und große Lust bald mal wieder den Film anzuschauen.

All these, however, were mere terrors of the night, phantoms of the mind that walk in darkness; and though he had seen many spectres in his time, and been more than once beset by Satan in divers shapes, in his lonely pre-ambulations, yet daylight put an end to all these evils; and he would have passed a pleasent life of it, in despite of the devil and all his works, if his path had not been crossed by a being that causes more perplexity to mortal man than ghosts, goblins, and the whole race of witches put together, and that was – a woman.

„We have always lived in the castle“ – Shirley Jackson auf deutsch unter dem Titel „Wir haben schon immer im Schloß gewohnt“ im Diogenes Verlag erschienen, übersetzt von Anna Leube und Anette Grube

Ein Bücherschrank Fund in Würzburg im Oktober – das war ein Zeichen und das Buch musste umgehend in meinen Horroctober einfließen. Shirley Jackson die Grand Dame des „Uncanny“ des Unheimlichen, Seltsamen. Hier die Geschichte zweier Schwestern die allein mit ihrem Onkel in einem riesigen Haus leben und von der gesamten Dorfgemeinschaft gemieden werden. Ihre Familie wurde ein paar Jahre zuvor durch ein vergiftetes Abendessen ermordet, auch der Onkel hatte – allerdings nur wenig – vom Pilzgericht gegessen und sitzt seit dem verwirrt im Rollstuhl.

Constance wurde der Tat verdächtigt und verhaftet aber in der Gerichtsverhandlung freigesprochen, seit dem geht sie nicht mehr vor die Tür. Ihre Schwester Merricat ist höchst seltsam, erledigt die Einkäufe und besorgt wöchentlich Nachschub in der Bibliothek und versucht die zahlreichen echten und/oder imaginären Feinde der Familie mit Schutzzaubern im Zaum zu halten. Alles geht seinen mehr oder weniger seltsamen aber beständigen Gang bis eines Tages Cousin Charles auftaucht und alles durcheinander bringt…

Neben „The Haunting of Hill House“ mein liebster Roman von Shirley Jackson, ich kann auch die Verfilmung von Stacie Passon aus dem Jahr 2019 sehr empfehlen.

A pretty sight, a lady with a book

„Nothing but blackened Teeth“ – Cassandra Khaw erschienen im Titan Books Verlag

Der malayischen Autorin merkt man an, dass sie auch für die Gaming Industrie arbeitet. „Nothing but blackened Teeth“ ist ausgesprochen visuell und ein herrlich gruseliges Spukhausmärchen, durchdrungen von japanischer Folklore und voll von dramatischen Wendungen. Ein Herrenhaus aus der Heian-Ära steht verlassen da und vier Freund:innen die schnell merken, dass es keine gute Idee war in diesem Haus zu übernachten.

Eine kurze Novelle, perfekt für eine regnerische Nacht – wobei es schon düster zugeht und der Nachtschlaf könnte in Gefahr geraten. Habe es sehr gerne gelesen und werde die Autorin mal im Auge behalten.

But the interior didn’t smell like it’d had people here, not for a long, long time, and smelled instead like such old buildings do: green and damp and dark and hungry, hollow as a stomach that’d forgotten what it was like to eat

„The Fifty Year Sword“ – Mark Z. Danielewski auf deutsch unter dem Titel „Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ im Tropen Verlag erschienen, übersetzt von Christa Schuenke

Mit „House of Leaves“ hat Danielewski eines meiner liebsten Bücher erschaffen und es wurde höchste Zeit, dass ich mich mal wieder mit diesem außergewöhnlichen Autoren beschäftige. Bekannt für sein visuelles Schreiben, für seine kompliziert miteinander verwobenen Erzählebenen, typografischen Variationen und unterschiedlichem Seitenlayouts.

„The Fifty Year Sword“ steht dem wieder in nichts nach. Ein Umschlag der von Nadelstichen durchdrungen ist umgibt eine Geistergeschichte für Erwachsene die Danielewski in Kooperation mit dem holländischen Künstler Peter van Sambeek erschuf.

Die Geschichte handelt von einer Halloween Party für Kinder bei der ein Geschichtenerzähler auftaucht. Die örtliche Näherin Chintana ist für fünf Waisenkinder verantwortlich, die nicht nur von der Rachegeschichte des Geschichtenerzählers gefesselt sind, sondern auch von der langen schwarzen Kiste, die er ihnen vorsetzt. Als es auf Mitternacht zugeht, wird die Kiste geöffnet, eine verhängnisvolle Mutprobe wird gemacht, und die Kinder sowie Chintana werden mit den Konsequenzen einer wiederholten und nun vorausgesagten Bosheit konfrontiert.

Ich fand es unnötig anstrengend zu lesen und nicht wirklich interessant. Zufällig stolperte ich gerade wieder über die Musik seiner Schwester die unter dem Künstlernamen „Poe“ auftritt und die ich ganz gerne höre.

What I have to tell you, he began slowly. I must show you. But what I show you I must also tell you. I have only myself and where I’ve been and what I found and what I now bring. And it will frighten you.

„Wolf in White Van“ von John Darnielle erschienen im Picador Verlag

Wolf in White Van ist der erste Roman des amerikanischen Autors und Musikers John Darnielle, dem Kopf der Band „The Mountain Goats“. Wolf in White Van erzählt die Geschichte von Sean Phillips, einem zurückgezogen lebenden Spieleentwickler, dessen Gesicht schwer entstellt ist. Die Handlung, die nicht chronologisch erzählt wird, wechselt zwischen Seans Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter, um die Umstände des Vorfalls zu beschreiben, der ihn entstellt hat. Ein fiktives Play-by-Mail-Rollenspiel namens Trace Italian spielt eine wichtige Rolle in dem Roman.

Der Roman beschäftigt sich mit den eskapistischen Qualitäten von Fantasyliteratur und Rollenspiele insbesondere als Mittel zur Bewältigung von Traumata. Wolf in White Van erhielt bei seiner Veröffentlichung positive Kritiken und wurde für den National Book Award 2014 nominiert.

Habe ich sehr gerne gelesen und ich kann nur empfehlen bei der Lektüre seine Musik im Hintergrund laufen zu lassen. Muss unbedingt noch mehr von John Darnielle lesen.

This is why people cry at the movies: because everybody’s doomed. No one in a movie can help themselves in any way. Their fate has already staked its claim on them from the moment they appear onscreen.

Der Fürst des Nebels / Der Mitternachtspalast / Der dunkle Wächter – Carlos Ruiz Zafon erschienen im Fischer Verlag, übersetzt von Lisa Grüneisen

Vielleicht kann mir ja eine schlaue Leser:in hier erklären, warum diese 3 Bände als Nebel-Trilogie gelten, denn ich konnte kein verbindendes Element in den Büchern erkennen, so sehr ich auch danach gesucht habe. Dennoch habe ich die Lektüre durchaus genossen. Perfekte Strandlektüre für die unter uns die nicht so gerne am Strand liegen, sondern lieber durch neblige Paläste oder Wälder wandern oder Strandspaziergänge bevorzugen bei denen einem ordentlich der Wind um die Ohren pfeift.

In allen drei Bänden kämpfen jugendliche Protagonist:innen gegen dunkle Mächte, die Geschichten spielen aber mal in Spanien, mal in Indien und mal in Frankreich meist in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Es sind Zafóns Erstlingswerke und sie waren für ein jugendliches Publikum gedacht, man kann aber von der ersten Seite an spüren, wie die typischen Zafón Elemente im Entstehen sind und auch wenn sie eine ungleich kleinere Rolle spielen, auch hier sind Bücher wieder wie so oft zumindest heimliche Hauptdarsteller.

Ich lese mich jetzt langsam aber sich teilweise erneut durch Zafóns Werk, das ja aufgrund seines frühen Todes recht überschaubar geblieben ist. Auf ARTE lief auch gerade eine interessante Doku über ihn. Geht es eigentlich nur mir so, oder sieht Zafón ein wenig wie der kleine Bruder von Guillermo del Toro aus?

Wer nach all dem Grusel hier noch immer nicht genug hat, den verweise ich gerne auf meine Horroctober der vergangenen Jahre. Hier geht es zum Oktober 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016

Was hat euch diesen Monat gegruselt?

Happy Halloween

Für mich könnte Halloween wie die Adventszeit ja gerne fast den ganzen Monat stattfinden und ich lebe den Oktober auch sehr gerne im Horroctober und decke mich mit wohlig-gruseliger Lektüre ein und schaue natürlich auch den einen oder anderen thematisch passenden Film oder auch eine Serie. Netflix hat mit Mike Flannagan ja seit einiger Zeit einen Garanten für atmosphärischen Horror per Serie im Programm.

Heute möchte ich euch aber meine dunkel-düstere Lektüre aus dem Oktober vorstellen und hoffe, ich kann euch Lust auf das eine oder andere Buch machen.

Dieses Buch ist meine absolut wunderbare Wiederentdeckung, die ich Nadine und Alex vom Blog letusreadsomebooks verdanke, die das Buch auf Instagram posteten und ich war Feuer und Flamme. Das musste wieder ins Haus. Das Buch hatte ich irgendwann in den 90ern mal in einer Nacht durchgelesen, es heiß und innig geliebt und dann ist es irgendwo zwischen Schottland / London / Hamburg oder der WG in München verloren gegangen. Ich war schon auch etwas nervös, ob es nach so vielen Jahren meinen Erinnerungen und Erwartungen entsprechen würde – um es kurz zu machen: ja und ja und ja. Liebe es genauso wie damals und habe – Instagram sei Dank – auch rausgefunden, dass ich immer schon ein Dark Academia Girl bin, hatte nur nie eine Bezeichnung dafür. Man gebe mir Filme wie „Der Club der toten Dichter“, Bücher wie „The Secret History“, „Posession“ von A. S. Byatt, „Carmilla“ von Le Fanu (eignentlich fast alles wo Vampire drin sind), Harry Potter oder auch „Wuthering Heights“ von Emily Bronte etc etc und ich bin im 7. Bücherhimmel.

Aber jetzt kurz zu Donna Tartts Meisterwerk „The Secret History“. Ms Tartt schreibt ja immer gerne etwa 10 Jahre an einem Buch, ihr Gesamtwerk wird also voraussichtlich übersichtlich bleiben.

Die geheime Geschichte ist einer der besten Krimis, die ich je gelesen habe. Und das liegt vielleicht daran, dass es sich nicht um einen Krimi im herkömmlichen Sinne handelt, sondern um literarische Fiktion mit jeder Menge moralischer Ambiguität und dem Verlust der Unschuld als zentralen Themen. Die eigentlichen Straftaten spielen eine untergeordnete Rolle es geht auf subtile Weise um eine verheerende Kettenreaktion, die zum kollektiven Zerfall des Gefüges von fünf jungen Leben führt.

“Does such a thing as ‚the fatal flaw,‘ that showy dark crack running down the middle of a life, exist outside literature? I used to think it didn’t. Now I think it does. And I think that mine is this: a morbid longing for the picturesque at all costs.”

Und es ist der Schatten dieses Verbrechens, die Vorwegnahme seines Eintretens und die niederschmetternden psychologischen Nachwirkungen, die der Erzählung ihre wahre Substanz verleihen. Die Diskrepanz zwischen den gelegentlichen Gewissensbissen der Täter und ihrer egoistischen Rechtfertigung des Mordes macht dieses Buch so fesselnd und eindringlich. Hier geht es nicht primär um die Lösung eines komplizierten Kriminalfalls, sondern wir erleben das Ganze aus der Sicht des Erzählers, der ein widerwilliger Komplize des Verbrechens ist.

Dieses Buch ist voll von schrecklichen Menschen. So ziemlich alle Menschen, die unser Erzähler Richard trifft, sind auf irgendeine Weise furchtbar. Sie sind egozentrisch, elitär, soziopathisch und krasse Snobs. Auch Richard ist nicht gerade ein toller Typ. Aber das Faszinierende an diesem Romans besteht darin, dass man diese schrecklichen Menschen irgendwie zutiefst sympathisch findet.

Ich liebe die sich langsam aufbauende Spannung und das Gefühl, dass ich als Leser gekonnt manipuliert wurde. Ja, das. Das letzte. Ich glaube, das ist es, was ich an diesem Roman am meisten liebe. Ich habe das Gefühl, dass Donna Tartt diesen Roman vollkommen unter Kontrolle hatte. Alles ist wohldurchdacht und einfach perfekt inszeniert

Große Empfehlung – unbedingt lesen 🙂

Der erste Roman von Mathias Menegoz ist ein ehrgeziges Unterfangen und überrascht auf mehren Ebenen: Er fühlt sich ganz und gar an wie die großen historischen Romane des 19. Jahrhunderts, nicht nur durch die Art der Geschichte, die er erzählt, und die Figuren, die er beschreibt, sondern auch durch seine Sprache, seinen Ton und seine Atmosphäre. Das Ergebnis ist ziemlich fesselnd. Es nimmt den Leser mit auf eine faszinierende Reise durch das österreichische Kaiserreich und insbesondere durch die geheimnisvollen Karpaten. Von Wien bis zu einem abgelegenen Schloss in der Wildnis, wo die Legende von Dracula entstand, erweckt Karpathia eine Welt wieder zum Leben, mit der sich Romanautoren nur selten ernsthaft auseinandergesetzt haben – oft ziehen sie es vor, sie als fast phantasievollen Hintergrund zu verwenden.

„Der Besitz, den die letzten Korvanyis bald erreichen würden, entsprach nur noch einem Teil der historischen Korvanya. Aus der Blütezeit blieben trotzdem ein paar Täler, die sich zwischen zahlreichen Hügeln an den Südhängen des Calimani-Gebirges um zwei kleine Nebenflüsse des Mieresch gruppierten. Stunde um Stunde ließen sich die Korvayis auf der Straße durchrütteln, die am Nordufer des Mieresch englangführte. Sie durchfuhren nur wenige, weit auseinanderliegende Dörfer. Schließlich bog die Kutsche in einen Seitenweg ein, der noch schlimmer war als der vorherige. Als handele es sich um eine übliche Formel, verkündete der Kutscher laut von seinem Sitz herunter „Mein Herr, Sie sind zu Hause“

Menegoz hat glaube ich unglaublich viel recherchiert und jede Menge Details über das Lebens in diesem abgelegenen Teil Österreich-Ungarns ausgegraben: Man lernt viel ohne das man das Menegoz jemals pedantisch rüberkommt, und es gelingt ihm, eine lebendige, glaubwürdige Welt zu zeichnen, weit entfernt von allen Klischees. Der Roman beginnt mit einer Nahaufnahme der Hauptfigur (Alexander, ein steifer Aristokrat, der nicht wirklich sympathisch ist), und läßt dann, Kapitel für Kapitel, neue Figuren eintreten, bis der Roman zu einem facettenreichen Epos wird, dessen Höhepunkt, eine kolossale Jagd, ein fast apokalyptischer Kampf der Kulturen zwischen der Welt der Leibeigenen, die seit Jahrhunderten in Knechtschaft leben, und einer sterbenden Aristokratie ist, die verzweifelt an ihren Privilegien festhält.

Das Buch mag an manchen Stellen etwas zu lang sein, vor allem gegen Ende, aber ich fand es nie langweilig. Ich fand es gleichzeitig spannend aber ganz gelegentlich auch ein bißchen schade ein so derart nüchternes vollkommen realistisches Buch zu lesen, dass dem Vampir-Mythos jeglichen Zauber nimmt. Dennoch eine wunderbare Herbstlektüre die ich auch vollumfänglich empfehle.

Der Aufbau der Handlung ist geradlinig und schnörkellos. Adam Snow biegt falsch in einen überwucherten Feldweg ein und entdeckt ein verfallenes edwardianisches Landhaus, das ihn in den verlassenen Garten zu ziehen scheint. Bei seinen Erkundungen hat er das seltsame Gefühl, dass sich die Hand eines kleinen Kindes in seine eigene schleicht. Dies setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die immer unheimlicher und bösartiger werden und Adam zu lähmenden Panikattacken und Albträumen veranlassen, während er versucht, das Geheimnis dieser kleinen Hand zu lüften.

„It was as I drew close to it and looked down that I felt the small hand holding mine. I thought my heart would stop. But this time the hand did not clutch mine and there was no sense that I was being pulled forward. It was, as on that first evening, merely a child’s hand in mine“

Hills schriftstellerisches Geschick besteht darin, zwischen ihren spärlichen Zeilen einen mehrdeutigen Raum zu schaffen, fast so, als würde sie ein Gedicht konstruieren. Mit ihrer präzisen und sorgfältig strukturierten Prosa schafft sie es immer wieder wohligen Nervenkitzel zu erzeugen. Bei Susan Hill liegt man sicherlich nicht atemlos vor Angst im Bett, aber perfekt für ein stürmisch-verregnetes cozy Wochenende bei denen man sich ein klein wenig gruseln mag.

Eulen haben irgendetwas an sich. Sie tauchen in allen großen Kulturen seit der Steinzeit auf. Sie sind Geschöpfe der Nacht und damit der Magie. Sie sind die Vögel der Unheilverkündigung, die vogelkundlichen Boten der anderen Seite. Aber Eulen – mit ihren flachen, intelligenten Gesichtern, ihren großen, runden Augen, ihrem väterlichen Blick – sind auch beruhigend vertraut. Wir sehen sie als weise, wie die Eule der Athene, und treu, wie Hedwig aus Harry Potter. Mit anderen Worten: menschenähnlich.

Keine andere Tierart hat uns so in ihren Bann gezogen.

„There is something about owls. More than any other family of birds they produce a reaction in us, and have done so across time and continents. It is atavistic; we are generelly programmed to care for lookalikes. In ancient times the owl was known as the „human-headed bird“. We for for that manlike face.

In „Das geheime Leben der Eule“ erforscht John Lewis-Stempel die Legenden und die Geschichte der Eule.

Ein sehr schönes Buch bei dem ich immens viel über Eulen gelernt habe und jetzt möchte ich wirklich auch eine Hedwig haben!

Laura Carlin nimmt uns mit in die atmosphärische, überbordende Armut und die schmutzigen, von Krankheiten befallenen Gassen und Hinterhöfe des London der 1830er Jahre. In dieser eindeutig Dickens’schen Welt lebt die junge Hester White in den Slums, sie hat ihre Eltern verloren und ist auf der Suche nach einem Weg, der sie aus ihrer misslichen Lage herausführen kann. Dunkle, alptraumhafte Taten geschehen, während arme Leute in der Stadt verschwinden, aber es kümmert niemanden so richtig, denn schließlich betrifft es nur ein paar arme Menschen die wenig Bedeutung finden in dieser Zeit. Nachdem sie bei einem Unfall mit einer Pferdekutsche verletzt wird, findet sich Hester in einer glücklichen Lage wieder. Der Besitzer der Kutsche, Calder Brock, bietet ihr medizinische Hilfe an und nimmt sie mit auf sein Landhaus. Hester erhält die Stelle als Gesellschafterin von Calders Schwester Rebekah.

“Instead of the majesty of Westminster Abbey and the grandeur of the Banqueting House, here the houses spill over each other; dishevelled and ugly. A sickly, rotten stench rises from the streets and the rain-bloated gutters. Some thoroughfares bulge with black mud where pools of fetid water have collected, while others are narrow and meandering. All are swart with the lack of daylight and connected by alleyways and byways that seep over the scabbed ground.”

Rebekah ist eine intelligente, starke und unabhängige Frau, die Hester unter ihre Fittiche nimmt und der dankbaren Hester Nachhilfeunterricht gibt. Die beiden Frauen entwickeln eine romantische Beziehung, die die Normen und Konventionen der Gesellschaft in Frage stellen. Doch es gibt Geheimnisse, und es dauert nicht lange, bis Hester und Rebecca in ein Netz aus Intrigen und Gefahren verstrickt sind.

Ein Roman der an Sarah Waters „Fingersmith“ erinnert und mich definitiv gut unterhalten hat.

Hier noch mal die Roman im Überblick:

  • The secret history von Donna Tartt auf deutsch erschienen unter dem Titel „Die geheime Geschichte“ im Goldmann Verlag
  • Karpathia von Mathias Menegoz erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt
  • The Small Hand von Susan Hill auf deutsch erschienen unter dem Titel „Die kleine Hand“ im Kampa Verlag
  • The secret life of the owl von John Lewis-Stempel
  • The wicked cometh von Laura Carlin