Book-a-Day Challenge – Day 20

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Not sure if Bookaholics, Bookworms and the like need a manual for reading, but this one really is a little gem and even the most seasoned reader will find something here. It talks about all the important questions that keep the bibliomaniac up at night. Why do we read? What should we read? How to find the right books to read and what on earth is the perfect order for our books?

Do we read enough of the classics (sounds a lot like do I eat enough greens) and the pleasures and difficulties that come with eating and drinking while reading. What are the right places and times to read and are we reading too fast or not fast enough?

Finally somebody who get’s it. Who understands how important these questions are for any serious bookaholic and it is a pleasure to read about it from a likeminded person who’s writing makes you turn another page and another one and another one until you are far too quickly at the end of this wonderful little treasure.

So do yourself a favour and get this book for yourself and all the bookworms in your life – it’s a great book to get lost in but one word of caution: it might cause you to go back to your shelves, pull some forgotten gem out and another one and before you know it you might start rearranging your library.

Enjoy!

Compliment this great book „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ by Felicitas von Lovenberg (who is the publishing director of Piper) with Ella Berthoud’s „The Novel Cure“ and Andrea Gercks „Lesen als Medizin“ and finally Alberto Manguel’s „The History of Reading

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Day 12 – Massive Tome

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… also known as Doorstopper 😉

Margaret Atwood’s „Alias Grace“ is such a doorstopper and one I totally loved when I first read it and I’m looking forward to watching the mini-series on Netflix.

Let me introduce the story so you might wanna read it as well 😉

Toronto 1843, Grace a young servant is found guilty of the doppel murder of her employer. At the last second the death penalty gets transformed into a life long prison sentence. She spends years in prison before she can finally leave. In the household of the Director she meets the psychatrist Simon Jordan, who tries to get to the bottom of the story: is Grace indeed a cold blooded murderer or actually quite innocent?

The topic of Grace Marks kept the press in Canada, the US and Great Britain pretty busy at the time. The question if the – at the time sixteen year old servant – was responsible for the death of her employer and his lover was a question people tinkered about for ages.

The story is told from her perspective and from the young psychiatrist Simon Jordon who opened a modern mental asylum and hoped initially that the case of Grace Marks brings him enough popularity to have a positive influence on his asylum.

The story is supplemented with extracts from court and medical cases, newspaper articles, books and other sources.

Besides the question of Grace’s guilt, the novel draws an elaborate picture of the situation of women, poor people and the development of psychiatry in the 19th century.

The story is beautifully written, an absolute page turner that you will have a hard time to forget.

I hope I made a convincing case for Alias Grace – what was the last doorstopper you read and would like to recommend?

 

The book has been published in German under the same title by Piper Verlag.

Chocolates for Breakfast – Pamela Moore

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Pamela Moore hat nicht einfach nur ein großartiges Buch geschrieben, sondern ein außergewöhnliches, seinerzeit verpöntes, feministisches und äußerst freizügiges – und das mit gerade einmal 18 Jahren, in den ziemlich verklemmten 50er Jahren des voherigen Jahrhunderts. Das ist eine echte Leistung und ich kann es noch immer nicht fassen, dass ich bis vor Kurzem nichts über dieses Buch wusste.Erwartungsgemäss landete das Buch damals auch auf dem Index, aber das spricht meistens ja eher für die dort gelandeten Bücher.

Ich wurde durch die Rezension von Frau Klappentexterin auf das Buch aufmerksam (hier nachzulesen) und bin so froh, diese Entdeckung gemacht zu haben. Ich habe ohnehin eine Schwäche für „Coming-of-Age“-Romane und hier wäre mir wirklich etwas durch die Lappen gegangen. „Chocolates for Breakfast“ mag vom Titel her an Bridget Jones erinnern, die beiden könnten jedoch nicht weniger miteinander zu tun haben. „Chocolates for Breakfast“ ist ein melancholisch-dunkler, fieberhafter, eleganter Roman, der deutlich macht, wie furchtbar diese Jahre zwischen Kindheit und Erwachsensein eigentlich sein können.

Das Buch spielt im Jahr 1956 und wir lernen  die 15jährige Courtney Farrell in ihrem noblen Internat in Connecticut kennen, wo sie versucht, sich von einer unglücklichen eventuell gegenseitigen Verliebtheit in ihre Lehrerin zu erholen. Sie versinkt immer tiefer in ihrer Depression und die Schule informiert Cournteys Eltern entsprechend.

„How we deceive our parents, she thought as she propped the note beside the telephone. But it’s kinder this way; it would hurt them to know us better.“

Ihre Eltern kümmern sich recht wenig um Courtney, beide schieben sich die Verantwortung für sie gegenseitig zu und hoffen stet, der jeweils andere nimmt sie zu sich in den Ferien. Courtneys Mutter, Sondra, eine Schauspielerin auf dem absteigenden Ast, nimmt ihre Tochter dennoch zu sich nach Hollywood. Sie wohnen im Hotel „Garden of Allah“ wo sich Hollywoods Schauspieler die Klinke in die Hand geben. War Courtney im Internat unter dem Einfluß ihres Lehrerinnen-Schwarms noch ein überwiegend braves, intellektuelles Mädchen, beschließt sie, sich in Hollywood zum Mini-Vamp zu entwickeln. Schnell lernt sie, Alkohol schon tagsüber zu trinken, zu rauchen und es dauert auch nicht lange, bis sie einen ersten Liebhaber gefunden hat. Schokolade wird im Übrigen nicht gegessen, weder zum Frühstück noch zu einer anderen Tageszeit. Aber ziemlich viel getrunken.

“Oh, Al, shut up! Stop criticizing me! First I’m criticized for being a prude and sounding like a social worker or something, then I’m criticized for looking like a cheap broad. How am I supposed to live? Under the water or something, coming up only to say ‚I beg your pardon if I disturb you by coming up for air. I’ll do my best to remain submerged.”

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Obwohl wir es mit einem verträumten melancholischen Teenager zu tun haben, ist der Erzählstil recht flott. Man spürt an der einen oder anderen Ecke, dass es sich um das Erstlingswerk eines sehr jungen Menschen handelt, aber mich hat Pamela Moore immer wieder geplättet mir ihrer Reife, ihren treffenden scharfen Analysen, den wunderbaren Sätzen, ihren Reflektionen zum Erwachsenwerden, Verantwortung und der Suche nach Glück. Das hat nichts mit einfacher „Jugendliteratur“ zu tun. Das ist Literatur – und fertig.

„Last night, when I got back here, I realized that I couldn’t ever be different from what I had been brought up be. Maybe if I’d been farmed out to somebody like you when I was six or so, I could have been different. Now, I’m just stuck with cocktails at eleven and breakfast at noon.“

„Courtney was like her mother. If she were drowning, she would wave off the rescuers, in a last gesture of defiance, because they were fishermen in a rowboat and she wanted to be saved by a yacht.“

Vergleiche mit Sylvia Plaths „The Bell Jar“ kommen unweigerlich und dieser Roman muß sich nicht verstecken. Aber ähnlich wie bei der Lektüre von „The Bell Jar“ kann man auch „Chocolates for Breakfast“ nicht lesen, ohne die Protagonistin stets mit der Autorin zu vergleichen und natürlich auch ohne den Selbstmord Pamela Moores mit nur 26 Jahren auszublenden. Ähnlich wie Plath kämpfte auch Moore über Jahre mit Depressionen und Selbstmordgedanken.

Die Wiederentdeckung des Romans ist im Übrigen fast genauso spannend wie der Roman. Die Autorin Emma Straub bekam bei einer Lesung ihres ersten Romans eine Ausgabe von ihrem ehemaligen Französischlehrer geschenkt, der Sohn der Autorin. Straub war so derart begeistert von dem Roman, dass sie diesen an ihren Agenten weitergab und tatsächlich kam es dadurch zu einer Wiederveröffentlichung.

Im Anhang des Romans findet sich neben Informationen über die Autorin,  einem Essay von Moores Sohn, Kevin Kanarek, unter anderem auch ein Vergleich der amerikanischen mit der französischen Ausgabe, die sehr viel deutlichere lesbische Bezüge hat.
Moore hat 5 weitere Romane geschrieben, die aber nicht an den Erfolg ihres Erstlings anknüpfen können. Vielleicht kann ich den einen oder anderen davon ja auftreiben, ich hätte große Lust, mehr von ihr zu lesen.

Dieser Dialog in der französischen Ausgabe, der in der englischen fehlt, in der die Lehrerin Ms Rosen Courtney eine Existentialismus-Einführung, gibt ist mein liebstes Zitat im Buch:

„You know this kind of love, then?“
„Yes I do.“
„How did you find it?“
„I didn’t find it, I created it. I didn’t discover myself, I created myself. I did not „meet“ my destiny, I forged it for myself. You must understand that, in order to understand what I represent, and why my Love is linked to Truth.“

Der perfekte Roman für einen launisch-sonnigen Frühlingstag, am Besten mit einem gut gemixten Martini zu genießen. Ich versuche in der Zwischenzeit, Todd Hayes mal zu einer Verfilmung zu überreden.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Cocktails“ im Piper Verlag.

Das grüne Rollo – Heinrich Steinfest

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Von dem in Australien geborenen Österreicher Heinrich Steinfest ist man ja einiges gewohnt und wer seine Romane in die Hand nimmt, sollte sich auf groteskes, geistreiches Speedgeplauder gefasst machen.

Die Hauptrolle neben dem 10jährigen Protagonisten Theo spielt ein grünes Rollo, das eines Nachts pünktlich um 23.02 vor Theos Fenster erscheint. Das ist allein schon einigermassen gruselig, noch schlimmer wird es als Theo merkt, dass das Rollo ein ziemliches Eigenleben besitzt und das er nicht nur in ein fremdes Universum hineinsehen kann, sondern er auch von der anderen Seite von seltsamen Männern mit Ferngläsern beobachtet wird.

„Alle litten, die Kinder, die Eltern, die Klavierlehrerin, übrigens eine wirklich freundliche Frau, die anderes verdient hätte im Leben, als einen Krieg gegen den Talentmangel zu führen.“

„Ich fragte mich schon damals, wie es ein so dummer Mensch wie er ständig zu ausgezeichneten Noten in Mathematik brachte. Oder war es vielleicht so, dass eine gewisse Dummheit, eine bösartige Einfalt nötig waren, um in diesem Fach zu brillieren? Nirgends schien der Begriff des Fachidioten derart angebracht. Daß diese Disziplin den höchsten Stellenwert besaß, gleichermaßen geachtet wie gefürchtet, stellte eine unglaubliche Absurdität dar. Indem nämlich ausgerechnet die für die Schönheiten des Lebens blinden Spezialisten den Rest tyrannisieren durften. Kunst war unwichtig, Religion war unwichtig, Naturkunde war unwichtig, sogar Sport, der doch im Fernsehen häufig triumphierte, alles Essentielle schien unwichtig. Und so waren Deutsch und Englisch und die anderen Sprachen nur insofern von Bedeutung, als sie der Tyrannei der Mathematik nahekamen.“

Das Rollo erscheint jede Nacht zur gleichen Zeit und Theo entdeckt ein kleines Mädchen mit einem Strick um den Hals, das auf einem Laufband um sein Leben läuft. Er stürzt sich hinein ins Rollo und versucht, sie zu retten. Die Schrift im Buch wechselt zu grün, wenn Theo sich auf der anderen Seite des Rollos aufhält, ein gelungener optischer Effekt, der sofort an Michael Endes „Unendliche Geschichte“ denken lässt.

Es gelingt ihm nach einigen Abenteuern das Mädchen zu befreien und zurück in seine Welt zu bringen. Dort muß er allerdings feststellen, dass sie in seiner Realität von allen als seine kleine Schwester wahrgenommen wird, die schon immer zur Familie gehört hat. Theo entsorgt das Rollo, lässt es von einer Tante vernichten und hat wieder seine Ruhe.

Vierzig Jahre später ist Theo März Astronaut und mehrfacher Vater. Er nimmt an einem Flug zum Mars teil, erfährt, das seine kleine Schwester spurlos verschwunden ist und plötzlich ist auch das Rollo wieder da und Theo begibt sich erneut in die mysteriöse grüne Welt….

Der Roman ist nicht logisch, wer das streng erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Er ist für mich eine gekonnte Mischung aus Computerspiel, Kunstmärchen und Phantasy. Michael Ende meets Alice im Wunderland und trinken Tee mit Neil Gaiman, Parallelwelten treffen auf Existenzfragen und spannende Abenteuer rutschen auch mal ins Klischee ab. Ich habe mich wunderbar amüsiert, mich an der leisen Ironie, der teilweise absurden Vermischung von ganz normalen Begebenheiten mit plötzlich komplett paradoxen abgefahrenen Dingen erfreut, gleichzeitig aber auch das Gefühl gehabt, man hätte mehr aus dem Roman machen können.

Theos Beschreibung seiner Eltern ist stellenweise irre komisch und trifft den Zeitgeist, auch wenn da für einen zehnjährigen eine erstaunliche Weisheit herausklingt. Die Geschichte macht Spaß, aber ich hab jetzt nicht vor lauter Spannung die ganze Nacht weiterlesen müssen und ich habe auch nicht kurz nach 23.00 Uhr panisch ans Fenster geschaut, ob sich da jetzt ein Rollo entfaltet oder nicht.

Unbedingt hervorheben möchte ich aber die Gestaltung des Buches. Der Schutzumschlag ist wunderschön, das grün des Rollos findet sich auf dem Buch selbst, in der Schrift innen und sogar beim Lesebändchen wieder. Einfach perfekt!

Also dann, viel Spaß bei Eurer Reise „ins Grüne“.

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„Der Eindruck, ob jemand blöd oder gescheit sei, hänge fast immer von der Auswahl der Fragen ab. Wenn man einen Arzt zu Krankheiten befragt, wirke dieser in der Regel intelligenter als bei einem Gespräch über Scheibenbremsen. „Meine Englischlehrerin, bestätigte ich, klingt auch nur so lange klug, wie sie englisch redet.“

„Hätte es allerdings geregnet, wäre ich nicht so optimistisch gewesen. Auch mitten in der Stadt nicht. Schlechtes Wetter wirkt dämpfend, gutes dagegen verführerisch. Das würde ich noch oft im Leben feststellen.“

Herz der Finsternis – Joseph Conrad

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Heute mal wieder ein Gruß aus der Papiermülltonne wo ich ja ab und an mal tauchen gehe. Das Buch war schon lange auf meiner Wunschliste, aber ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich dran getraut habe. So dünn das Büchlein auch ist, ich hatte schon genug darüber gehört, um gehörig Respekt davor aufzubauen.

Joseph Conrad hat dieses afrikanische Drama selbst erlebt, ähnlich wie sein Zeitgenosse Herman Melville, der in seinen Büchern meist auch auf selbst erlebte Abenteuer zurückgegriffen hat. Joseph Conrad und seine Familie stammten ursprünglich aus der Ukraine. Einem Teil der ehemals polnisch war, zu Conrad’s Lebzeiten allerdings an Rußland ging. Da sein Vater sich sehr als polnischer Patriot hervortat, wurde er verbannt und starb kurze Zeit später, seine Mutter hatte er schon während der Kindheit verloren. Ein Onkel nahm ihn zunächste in Frankreich auf und ließ ihn mit 16 Seemann werden. 1878 betrat Joseph Conrad erstmals britischen Boden und wurde einige Jahre später britischer Staatsbürger.

Er fuhr einige Jahre zur See und übernahm dann als Kapitän eines Flußdampfers an den Stanley-Wasserfällen im Kongo das Kommando. Er bekam dort schweres Fieber, das ihn sein Leben lang nicht mehr wirklich verlassen sollte und startete mit diesen Erlebnissen dort seine Karriere als Schriftsteller.

Sein Roman „Herz der Finsternis“ dreht sich um eine Reise ins Innere Afrikas, wo Kolonialwarenhändler den Dschungel in Belgisch-Kongo erschließen im Dienste europäischer Mächte und des Profits. Das Leben der Eingeborenen zählt nichts. Marlow (das Alter Ego Conrads und nicht der eigentliche Protagonist des Romanes) hat den Auftrag, einen Mann namens Kurtz zu finden, den erfolgreichsten aller Elfenbein-Lieferanten der gnadenlos und sadistisch die Ureinwohner ausbeutet. Kurtz ist eine nahezu mysthische Figur über die viel gesprochen und heimlich geflüstert wird, die Marlow aber bis fast zum Ende des Buches gar nicht trifft und auch dann nur recht kurz. Aber diese kurze Interaktion genügt – Marlow ist nahezu besessen von diesem Typen, der sich annähernd als Gott verehren lässt und sich obskuren Allmachtsphantasien hingibt.

Es herrscht eine irgendwie süßlich-dunkle unheilvolle Atmosphäre und die Zeit scheint fast stillzustehen. Das Buch lebt von Allegorien, Mehrdeutigkeiten die ich manchmal nicht immer durchdrungen habe. Das Buch ist in meinen Augen eine deutliche Kritik des Kolonialismus und Rassismus und prangert die Ausbeutung und brutale Gewalt gegen die Ureinwohner an. Der belgische König Leopold wird nicht gerade in einem positiven Licht gezeichnet und ich werde mich mit ihm mal noch näher beschäftigen. Das was in diesem Buch angedeutet wird ist ziemlich erschütternd. Das Buch muß ziemliche Wogen geschlagen haben, als es veröffentlicht wurde, nehme ich mal an.

Wenn ich bedenke, dass Conrad dieses Buch in Englisch geschrieben hat, einer Sprache die er erst mit 21 Jahren anfing zu lernen, noch einmal mehr Hut ab. Teilweise eine intellektuelle Herausforderung, aber durchaus empfehlenswert.