Herz der Finsternis – Joseph Conrad

Conrad

Heute mal wieder ein Gruß aus der Papiermülltonne wo ich ja ab und an mal tauchen gehe. Das Buch war schon lange auf meiner Wunschliste, aber ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich dran getraut habe. So dünn das Büchlein auch ist, ich hatte schon genug darüber gehört, um gehörig Respekt davor aufzubauen.

Joseph Conrad hat dieses afrikanische Drama selbst erlebt, ähnlich wie sein Zeitgenosse Herman Melville, der in seinen Büchern meist auch auf selbst erlebte Abenteuer zurückgegriffen hat. Joseph Conrad und seine Familie stammten ursprünglich aus der Ukraine. Einem Teil der ehemals polnisch war, zu Conrad’s Lebzeiten allerdings an Rußland ging. Da sein Vater sich sehr als polnischer Patriot hervortat, wurde er verbannt und starb kurze Zeit später, seine Mutter hatte er schon während der Kindheit verloren. Ein Onkel nahm ihn zunächste in Frankreich auf und ließ ihn mit 16 Seemann werden. 1878 betrat Joseph Conrad erstmals britischen Boden und wurde einige Jahre später britischer Staatsbürger.

Er fuhr einige Jahre zur See und übernahm dann als Kapitän eines Flußdampfers an den Stanley-Wasserfällen im Kongo das Kommando. Er bekam dort schweres Fieber, das ihn sein Leben lang nicht mehr wirklich verlassen sollte und startete mit diesen Erlebnissen dort seine Karriere als Schriftsteller.

Sein Roman „Herz der Finsternis“ dreht sich um eine Reise ins Innere Afrikas, wo Kolonialwarenhändler den Dschungel in Belgisch-Kongo erschließen im Dienste europäischer Mächte und des Profits. Das Leben der Eingeborenen zählt nichts. Marlow (das Alter Ego Conrads und nicht der eigentliche Protagonist des Romanes) hat den Auftrag, einen Mann namens Kurtz zu finden, den erfolgreichsten aller Elfenbein-Lieferanten der gnadenlos und sadistisch die Ureinwohner ausbeutet. Kurtz ist eine nahezu mysthische Figur über die viel gesprochen und heimlich geflüstert wird, die Marlow aber bis fast zum Ende des Buches gar nicht trifft und auch dann nur recht kurz. Aber diese kurze Interaktion genügt – Marlow ist nahezu besessen von diesem Typen, der sich annähernd als Gott verehren lässt und sich obskuren Allmachtsphantasien hingibt.

Es herrscht eine irgendwie süßlich-dunkle unheilvolle Atmosphäre und die Zeit scheint fast stillzustehen. Das Buch lebt von Allegorien, Mehrdeutigkeiten die ich manchmal nicht immer durchdrungen habe. Das Buch ist in meinen Augen eine deutliche Kritik des Kolonialismus und Rassismus und prangert die Ausbeutung und brutale Gewalt gegen die Ureinwohner an. Der belgische König Leopold wird nicht gerade in einem positiven Licht gezeichnet und ich werde mich mit ihm mal noch näher beschäftigen. Das was in diesem Buch angedeutet wird ist ziemlich erschütternd. Das Buch muß ziemliche Wogen geschlagen haben, als es veröffentlicht wurde, nehme ich mal an.

Wenn ich bedenke, dass Conrad dieses Buch in Englisch geschrieben hat, einer Sprache die er erst mit 21 Jahren anfing zu lernen, noch einmal mehr Hut ab. Teilweise eine intellektuelle Herausforderung, aber durchaus empfehlenswert.

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