Frauenleserin Blogparade

 

Schuld sind Frau Schiefgelesen und Frau Buchpost. Ganz klar. Sie haben mich zur Teilnahme an dieser großartigen Blogparade animiert und mich noch dazu auf den sehr spannenden Blog „Frauenleserin“ aufmerksam gemacht, der mir bislang durch die Lappen gegangen war. Also auf zum Bekenntnis ablegen:

 

  • Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wieviele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wieviele davon wurden von Autorinnen verfasst?Ich habe erstaunliche 110 Bücher gelesen in diesem Jahr, soviele wie noch nie. Keine Ahnung wie ich das geschafft habe, ich fürchte nach wie vor den Preis zahlt der nächtliche Schlaf.Von den 110 Büchern habe ich laut meiner Goodreads Analyse nur 41 Bücher von Autorinnen gelesen, das kann und soll definitiv im nächsten Jahr besser werden. Aber die meisten meiner Lesehighlights waren Bücher von Autorinnen:
    – Siri Hustvedt „A Woman looking at men looking at women
    – Mary Beard „Women and Power
    – Tara Westover „Befreit
    – ML Rio „If we were Villains
    – Chimamanda Ngozi Adiechie – A Feminist Manifesto
    – Ottessa Moshfegh „Eileen
    – Sibylle Anderl „Das Universum und ich“
    – Lily King „Euphoria“
    – Yaa Gyasi „Homecoming
    – Elizabeth Gilbert „Das Wesen der Dinge und der Liebe

  • Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)Finde es sehr schwer eines rauszupicken, aber wenn ich unbedingt wählen müsste dann wäre es wohl Siri Hustvedts Buch „A Woman looking at men looking at women„. Ich lerne durch ihre Bücher so viel und liebe ihre Art zu schreiben, wie sie es schafft Wissenschaft und Kultur so mühelos miteinander zu vereinen. Sie ist eine begnadete Brückenbauerin und es gibt wenige Menschen neben denen ich lieber einmal bei einer Dinnerparty sitzen möchte.
  • Welche Autorin hast Du in diesem Jahr für Dich entdeckt und was macht Sie für Dich so besonders?Ich bin da wahrscheinlich etwas spät auf der Party erschienen, aber ich habe tatsächlich erst dieses Jahr Mary Beard und Chimamanda Ngozi Adichie entdeckt und kann mir ein Leseleben ohne sie jetzt gar nicht mehr vorstellen. Ihre Wucht und Präzision Dinge auszudrücken, die mir irgendwie im Kopf rumgehen ich aber im Leben nicht so auf Papier bringen könnte. Das sie die Dinge beim Namen nennen, nicht um den heißen Brei rumreden und enthusiastisch für ihre Themen brennen.OK  – meine Traum Dinnerparty besteht aus Siri Hustvedt, Chimamanda Ngozi Adichie, Ursula LeGuin und Mary Beard 🙂
  • Welche  weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)Tara Westovers „Befreit“ ganz klar und ohne großartig nachdenken zu müssen. Ich fand es so bewundernswert wie sie ihren Weg gemacht hat. Es aus einem derart fundamentalistischen bildungsfernen Umfeld bis nach Cambridge zu schaffen ist schon eine immense Leistung. Von der Dame könnte sich mein Schweinehund gelegentlich eine Scheibe abschneiden.
  • Welches Buch einer Autorin möchtest Du in 2019 unbedingt lesen?
    Ich glaube es wird Zeit Toni Morrisons „Beloved“ mal wieder zu lesen und außerdem endlich die „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ von Karosh Taha und Washington Black von Esi Edugyan.

Eine umfassende Liste meiner liebsten Bücher 2018 wird es dieses Jahr nicht geben. Mein Entscheidungsmuskel ist erschlafft 😉

Ich wünsche Euch allen einen richtig guten Rutsch und ein wunderbares 2019!

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Homegoing – Yaa Gyasi

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Ohne Frage eine der anspruchsvollsten Familiengeschichten, die ich bislang gelesen habe. Yaa Gyasi verfolgt ihre Geschichte über 7 Generationen, schreibt aus 14 unterschiedlichen Perspektiven – normalerweise etwas, wo ich vor lauter Stammbaum schnell den Überblick verliere und schnell die Flinte ins Korn werfe.

Unglaublich, wie sie es schafft, jede Person auf ein paar Seiten so derart individuell, einzigartig und klar rüber zu bringen. Wow. Die Geschichte beginnt mit zwei Halbschwestern: Effia und Esi – die sich niemals kennenlernen. Die eine verschlägt es als Sklavin in die USA, die andere bleibt als Frau eines Sklavenhändlers in Ghana und an den jeweiligen zwei Standorten entwickeln sich die beiden Familienlinien weiter.

“We believe the one who has power. He is the one who gets to write the story. So when you study history, you must ask yourself, Whose story am I missing? Whose voice was suppressed so that this voice could come forth? Once you have figured that out, you must find that story too. From there you get a clearer, yet still imperfect, picture.”

“This is the problem of history. We cannot know that which we were not there to see and hear and experience for ourselves. We must rely upon the words of others. Those who were there in the olden days, they told stories to the children so that the children would know, so that the children could tell stories to their children. And so on, and so on.” 

Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines neuen Charakters geschrieben. Erst Effia und Essi, dann jeweils 6 ihrer Nachkommen. Auf diese Weise werden nicht nur die Schicksale der beiden Familien, sondern auch die historischen Ereignisse in Ghana und den USA miteinander verwoben. Durch die Augen der Protagonisten erleben wir die Stammeskonflikte in Ghana im 18. Jahrhundert, den absoluten Horror des transatlantischen Sklavenhandels, der unter amerikanischen und britischen Sklavenhändlern aufblühte.

Was mir bis dato nicht bewusst war, dass es Sklaverei auch vorher in Afrika gab. Bei Stammeskonflikten wurden oft Angehörige des unterlegenen Stammes als Hausmädchen, Ehefrauen, Dienstboten, als Sklaven mitgenommen und die westlichen Sklavenhändler waren eifrig dabei, Öl ins Feuer dieser Konflikte zu gießen und die Stämme dazu zu bringen, ihnen die Verlierer aus solchen Konflikten zu verkaufen.

“You want to know what weakness is? Weakness is treating someone as though they belong to you. Strength is knowing that everyone belongs to themselves.” 

Auf gerade einmal 300 Seiten wird so derart viel an geschichtlichem Wissen und Charakterstudien übermittelt, dass mein Hirn wohl noch eine Weile mit diesem Thema beschäftigt sein wird. Es war spannend, dieses Buch im Bookclub direkt nach Zora Neale Hurstons „Their Eyes were watching God“ zu lesen. Die passende Anschlusslektüre wäre wohl Colson Whiteheads „The Underground Railroad“, das auch schon eine Weile in meinem Regal steht. Wir waren uns bei der Diskussion im Übrigen so einig wie selten. Ich glaube fast jede hat dem Roman 5 Sterne gegeben.

Das Buch ist, wie zu erwarten, keine einfache Lektüre. Brutalität, Blut, Auspeitschungen, Rassismus, die unerträgliche Überlegenheit der Sklavenhändler, die fürchterliche Angst, die der „Fugitive Slave Act“ von 1850 brachte, etc.
Gyasi behandelt diese Themen mit viel Sensibilität, sie schafft ein ehrliches und realistisches Porträt der Gewalt, ohne voyeuristisch zu wirken.

Eine mutige, ungeschminkte Geschichte über die noch immer anhaltenden Effekte der Kolonisation Afrikas und des Sklavenhandels. Unglaublich, dass es sich bei diesem Buch um ein Debüt handelt, was für ein Talent. Ich bin sehr gespannt auf das nächste Buch dieser großartigen Autorin, die ihrem Vorbild Toni Morrison alle Ehre macht.

Danke an Leila, für die Übersendung dieser spannenden Artikel über die Autorin:

und

https://www.theguardian.com/books/2017/oct/28/yaa-gyasi-my-writing-day

sowie dieses spannende Interview/Lesung mit ihr:

Auf deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Heimkehren“ im Dumont Verlag.

Bookclub Votings are in for 2017/2018

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our Bookclub in session

Last night the white smoke came up and we finally have a new round of books to keep us going for yet another year of heated discussions, great food and too much wine.

The voting can be tough as we have a lot more suggestions usually then what is possible in a year, a highly complicated voting system with an even more fascinating system of possibilities for bribery 😉

But here we go, we nailed down 10 books that got more than 3 votes, leaving us with two more to choose from the list later on or flexiblity for some emergency read we might want to squeeze in.

The lucky winners this year are:

  1. Arundhati Roy – The ministry of utmost happiness
  2. Paul Beatty – The Sellout
  3. Jeannette Winterson – The Gap of Time
  4. Matthew Sullivan – Midnight at the Bright-Ideas Bookstore
  5. Marina Keegan – The Opposite of Loneliness
  6. Matt Haig – The Humans
  7. Yaa Gyasi – Homegoing
  8. Zora Neale Hurston – Their Eyes are watching God
  9. Fredrik Backman – A man called Ove
  10. David Grossman – A horse walks into a bar

So what do you think – did we do a good job? Did we vote for interesting books? Anything you have already read or plan to read?

Stay tuned for our reviews and now happy reading everyone