The Murder of Roger Ackroyd – Agatha Christie

christie

Mord in der Bibliothek 😉

Früher habe ich tonnenweise Agatha Christie’s verschlungen und bin eigentlich nie so ganz sicher, welche ich schon gelesen habe und welche nicht. Deutsche Titel, Englische Titel, Verfilmungen, Miss Marple und M Poirot – alles durcheinander. Aber eigentlich ist das auch ganz egal. So wirklich geht es doch bei einem Agatha Christie Krimi um das Feeling. Cozy Krimis nennt man sie auch oder Häkelkrimi.

Idealerweise liest man diese Krimis an einem verregneten Sonntag, einen Pott Tee neben sich auf dem Sofa liegend und sich bei einbrechender Dunkelheit so ein ganz ganz klein wenig wohlig schauernd rekelt, während man die kleinen grauen Zellen mit der Lösung des Kriminalfalls betätigt.

Diesen speziellen Krimi habe ich vorgekramt, weil er als einziger Christie-Roman auf der berühmten Liste der 1001 Bücher gelandet war und ich mehrfach gelesen habe, der sei nun Christie’s Meisterwerk gewesen und ein Meilenstein der Kriminalliteratur.

Der Inhalt ist einigermaßen schnell erzählt und er enthält so die typischen Zutaten eines guten Häkelkrimis. Die Geschichte spielt in einem fiktiven englischen Ort und wir treffen hier im Laufe der Geschichte zum allerersten Mal auf Hercule Poirot, der sich als Frührentner zum Gemüseziehen in selbigen Ort zurückgezogen hat, aber beim ersten Anzeichen eines Verbrechens natürlich auf den Plan gerufen wird. Dr. Sheppard, der Dorfarzt, erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und er agiert wie sein berühmter Kollege Dr. Watson als Poirot’s Assistent. Eine Rolle, die in späteren Krimis zumeist Arthur Hastings übernimmt. Alles beginnt mit dem Selbstmord einer reichen Witwe, die Dr. Sheppard’s Patientin war. Über sie wird gemunkelt ihren gewalttätigen Ehemann vergiftet zu haben. Sie war mit dem reichen Witwer Roger Ackroyd verlobt, der kurz nachdem er den Abschiedsbrief der Verstorbenen in den Händen hält, der ihn davon in Kenntnis setzt, sie sei aufgrund dieses Giftmordes erpresst worden, halte es nicht mehr aus und scheide daher aus dem Leben, ebenfalls ermordet wird.

Der Brief scheint den Erpresser zu nennen, doch bevor Ackroyd diesen publik machen kann wird auch er ermordet, man findet ihn erdolcht in seiner Bibliothek. Nun gibt es einen ganzen Reigen an Verdächtigen: eine neurotische und verschuldete Schwägerin, einen Großwildjäger (die Captains und Majors aus ehemals Indien, die immer unverheiratet sind und aus irgendwelchen Gründen stets und ständig bei irgendwelchen Familien mithausen, ohne mit denen verwandt zu sein – seltsames Konzept – die gibts echt in jedem ihrer Krimis), snobistische Butler und schlitzorige Sekretäre, ebenfalls verschuldete Stiefsöhne und undurchsichtige Hausmädchen – ach seufz – alles so schön wie immer 🙂
Ein jeder verbirgt etwas und fast jeder hat eigentlich auch ein Motiv aber ein Hercule Poirot lässt sich nicht beirren und findet am ende natürlich die Lösung.

Dr. Sheppard hat eine wahnsinnig neugierige jungfernhafte Schwester namens Caroline Sheppard, die M Poirot in kriminalistischen Dingen annähernd das Wasser reichen kann. Eine sehr spannende, witzige Figur und man bekommt den Eindruck, hier taucht der Prototyp der späteren Miss Marple auf.

Der Plot ist gut, das Ende absolut überraschend und ich kann den Krimi nur jedem ans Herz legen, der Lust auf gute, einfache Unterhaltung hat, die sich anfühlt wie eine Spritztour ins England der 20er Jahre.

Als der Roman 1926 erschien hat er für ziemliches Aufsehen gesorgt, aufgrund seines sehr ungewöhnlichen Endes. Die Leser liebten oder hassten den Roman dafür. Frau Christie hat damit aber auf jeden Fall eine literarische Spezialität zumindest miterfunden.

Das Ms Christie der Todesstrafe nicht abgeneigt war, zeigt sich häufig in ihren Krimis, wo man es den überführten Tätern am Ende gerne überläßt, sich doch bitte fein säuberlich selbst aus dem Weg zu räumen. Diskret und ohne Aufssehen und natürlich mit einer stiff upper lipp 😉

Poirot’s allererster Auftritt ist einfach so wunderschön beschrieben:

„I demand of you a thousand pardons, monsieur. I am without defense. For some months now I cultivate the marrows. This morning suddenly I enrage myself with the marrows. I send them to promenade themselves – alas! not only mentally but physically. I seize the biggest. I hurl him over the wall. Monsieur, I am ashamed. I prostrate myself.“

Und noch ein schönes Zitat:

“The truth, however ugly in itself, is always curious and beautiful to the seeker after it.”

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