Women of Letters – Louise Labé

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Es wird Zeit für eine weitere Reihe, denn es braucht einen Scheinwerfer, der sich auf die Femmes de Lettres / Women of Letters richtet, denen ich mit dieser Reihe gerne etwas mehr Aufmerksamkeit widmen möchte. Wie Katharina Herrmann vom Blog Kulturgeschwätz schon in ihrem klugen Text „Frauen lesen ohne Digitalisierung unmöglich“ schreibt, es gibt von vielen Autorinnen keine lieferbaren Editionen (mehr) und „Kein normaler Lesender wird sich unter diesen Bedingungen die Mühe machen, verstorbene Autorinnen als Klassiker wiederzuentdecken. Wenn keine günstigen und gut gemachten Editionen der Werke von Frauen vorliegen, werden sie in der Schule nicht gelesen werden, ich vermute, an der Universität wird es ähnlich sein, denn zumindest in der Schule liegt die Schmerzgrenze für Lektüren bei 10 Euro. Es gibt keine Ausgaben, es gibt keine Erinnerungskultur, es gibt keine Unterrichtsmodelle – jeder Versuch, an verstorbene Autorinnen zu erinnern, wird im Nichts verpuffen, wenn ihre Bücher nicht verfügbar sind.“

Daher mein Wunsch, die Autorinnen vor allem des sechzehnten, siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts zu Wort kommen zu lassen, die vergessen oder nie richtig entdeckt wurden und deshalb bislang kaum zugänglich waren.

Den Auftakt mache ich mit Louise Labés „Torheit und Liebe“, einer wunderschönen Ausgabe aus dem Secession Verlag, die meinen Wunsch wunderbarerweise teilen und eben diesen Frauen in ihrer „Femmes des Lettres“ Reihe einen wichtigen Platz in ihrem Programm eingeräumt haben.

Labé wurde etwa 1520 in Lyon geboren. Sie war eine Dichterin, die erstaunlich modern über Verlangen und Lust schrieb und eine kleine nachhaltige Sammlung an Sonneten hinterließ, die sie von anderen Autoren ihrer Zeit deutlich unterscheidet. Sie wurde in eine reiche Familie hineingeboren – ihr Vater war Seiler und sie selbst wurde „La Belle Cordière (die schöne Seilerin) genannt. Der größte Teil ihres Lebens läßt sich nur noch vage rekonstruieren, wie so häufig bei Autoren des 15. oder 16. Jahrhunderts.

Obwohl ihre Eltern selbst nicht lesen konnte, erhielt Labé eine sehr gute klassische Erziehung, vermutlich an der örtlichen Klosterschule. Sie hat ein recht abenteuerliches Leben geführt, die Gerüchteküche brodelte damals. Sie hätte sich als Mann verkleidet, sei der Armee beigetreten und habe in der Schlacht von Perpignan gekämpft. Auch wenn ihre persönliche Geschichte geheimnisumwoben und viel auf Hörensagen und Legenden basiert, so ist doch nicht von der Hand zu weisen, das sie eine der einflußreichsten französischen Dichterinnen ihrer Zeit war.

Ihre Heimatstadt Lyon war der kulturelle Mittelpunkt der Region und Labé begann früh, sich mit anderen Dichtern ihrer Zeit zu treffen. Sie heiratete ihrerseits einen Seiler, den um einiges älteren Ennemond Perrin, der kaum kulturell interessiert war. Die Ehe blieb kinderlos.

1564 brach die Pest in Lyon aus und ein Jahr später erkrankte Louise Labé und starb nach kurzer Zeit, wobei nicht sicher ist, ob sie tatsächlich an der Pest starb. Sie wurde auf ihrem Landgut in Parcieux-en-Dombes außerhalb der Stadt beerdigt.

Auch wenn Lousie Labé nur ein schmales Bändchen hinterlassen hat, ihre Werke werden bis heute in Frankreich aufgelegt. Ihre Sonette gehören zu den schönsten in französischer Sprache. Insbesondere ihr feministisch anmutender Widmungsbrief an Clémence de Bourges ist ein frühes Zeugnis aufklärerischen und emanzipatorischen Denkens und Schreibens und ich konnte fast nicht glauben, dass dieser Brief vor fast 500 Jahren verfasst wurde.

„Da die Zeit gekommen ist, Mademoiselle, wo die strengen Gesetze der Männer die Frauen nicht länger daran hindern, sich der Gelehrsamkeit und den Künsten zu widmen, scheint es mir, dass diejenigen, die in solch günstigen Umständen leben, diese schickliche Freiheit, welche sich unser Geschlecht früher so sehr wünschte, zum Studium nutzen und den Männern das Unrecht vor Augen führen sollten, das sie uns zufügten, indem sie uns die Befriedigung und die Ehre vorenthielten, welche uns hieraus erwachsen konnten…“

Nach dem Erscheinen ihres Œuvres bis zu ihrem Tod scheint Louise Labé recht zurückgezogen gelebt zu haben. Die Blütezeit Lyons entdete ebenfalls kurz darauf mit dem Ausbruch der Religionskriege in Frankreich.

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Bild: Wikipedia

Der leinengebundene Band „Torheit und Liebe“ enthält neben dem Widmungsbrief, das berühmte Streitgespräch zwischen Folie und Amor, sowie Labés Elegien und Sonette jeweils in französisch und deutscher Sprache. Übersetzt aus dem Mittelfranzösischen von Monika Fahrenbach-Wachendorff enthält der Band auch ein sehr informatives Nachwort von Elisabeth Schulze-Witzenrath.

Louise Labé ist definitiv eine Dichterin, die auch in Deutschland bekannter sein sollte und ich hoffe, ich konnte etwas Lust machen, sich mit ihr und ihrem Werk zu beschäftigen.

Ich danke dem Secession-Verlag für das Rezensionsexemplar.

#Women in SciFi (53) Unser Leben in den Wäldern – Marie Darrieussecq

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Ich lese und schaue sehr gerne Dystopien und kürzlich fiel mir auf, dass mich eher Plots interessieren, in denen die Gesellschaft zerbricht oder sich die Welt von einem Schreckensscenario erholen muss, als solche, in denen sich eine totalitäre Gesellschaft ausbildet (z.B. The Handmaid’s Tale). Vielleicht sind mir letztere etwas zu nah an der Wirklichkeit. Marie Darrieussecq hat auf ein paar Seiten eine komplexe, intelligente Geschichte geschaffen, die mich in Teilen an Ishiguros „Never let me go“ erinnerte.

Dieses kleine Büchlein wurde mir vom Verlag unaufgefordert zugeschickt und ich hätte nie gedacht, dass es mich so derart packen würde. Die Protagonistin der Geschichte ist eine Psychotherapeutin mit stark schwächelnder Gesundheit. Sie erzählt in Form eines Tagebuchs, wie es dazu kam, dass sie sich in den Wäldern versteckt, es ist im Grunde ein langer Monolog mit kurzen aktuellen Einschüben:

„Gut. Womit fang ich an. Ich glaube, die elementaren Vorsichtsmaßnahmen , an die wir uns halten, muss ich nicht erläutern, die liegen auf der Hand: das Verwischen unserer Datenspuren, unserer Identitäten usw. Das Organisieren unseres Verschwindens. Wenn jemand verschwindet, und zwar, ohne dass die es entschieden haben, das stört sie am meisten. Wir sind alle verschwunden. Wobei sie schon wissen, wir sind da, in einer Art verkehrten Welt.“

Die Geschichte spielt im frühen 22. Jarhundert. Die Erzählerin erklärt den kulturellen Kontext für die, die eventuell einmal ihre Aufzeichnungen finden sollten. Die meisten Menschen haben sich freiwillig Implantate setzen lassen, mit denen sie jederzeit überwacht werden können. Es gibt Terrorangriffe unbekannter Herkunft und es herrscht insgesamt eine bedrückende Atmosphäre. Die Wohnungen sind in der Regel sehr klein und haben teilweise nicht einmal mehr Fenster. Da die meisten Jobs von Robotern und AI übernommen werden, leben die meisten Menschen in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Einer der wenigen einfachen Jobs die übrig sind, ist das emotionale Training und assoziertes Denken von AI für 2$ die Stunde. Psychische und physische Gesundheit wird groß geschrieben, allerdings sind die Menschen aufgrund von Umwelteinflüssen deutlich kränker.

Die Erzählerin ist Teil DER GENERATION, einer kleinen experimentellen Kohorte an Mittelklasse-Menschen (die jetzt erwachsen und um die 40 Jahre alt sind), für die ein Zwilling geklont wurde, die sogenannten Hälften, deren einzige Aufgabe es ist, als Körperersatzteillager für die Mitglieder DER GENERATION zu fungieren.

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Die Hälften leben sediert in einer krankenhausähnlichen Einrichtung und sind dort in einen künstlichen Schlaf versetzte. Die ärmeren Leute aus den einfacheren Schichten haben nur sogenannte „Krüge“, in denen sie künstlich erzeugte Ersatz-Herzen, Lungen etc. aufgewahren.

Ich will nicht zuviel verraten, aber die Protagonistin wird Teil einer Widerstandsbewegung, die sich mit ihren befreiten Hälften in die Wälder zurückzieht und die gängigen Praktiken in der Gesellschaft in Frage stellt. Die Hälften, die ihr Leben lang sediert vor sich hinvegetiert haben, sind kaum alleine lebensfähig und müssen selbst die fundamentalsten Dinge wie gehen, sprechen etc. beigebracht bekommen.

Ein kurzer, spannender, intensiver Roman der einen noch lange beschäftigt und den man am Ende direkt noch einmal von vorne lesen möchte.

Marie Darrieussecq hat seit 1996 16 Bücher veröffentlicht. Sie arbeitete bis 2017 auch als Psychoanalytikerin und lebt mit ihrer Familie in Paris.

Unser Leben in den Wäldern wird momentan unter der Regie von Magali Magistry verfilmt und ich bin schon sehr gespannt darauf.

Ich danke dem Secession-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Book-a-Day-Challenge Day 9

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The story feels like a very reduced film script which I think is very typical of her novels. There is a subtle subdued bleakness and very little that could be described as a plot. It takes some time to find your way around the get an idea of the characters and what is really going on. I really enjoyed the heavy dreamlike atmosphere

The only thing that moves in Laos the French said is the river Mekong and following the pregnant girl from Cambodia to India along the Mekong felt like this. There is this simmering slowly burning mystery to the novel only there is not really a mystery. This made me feel a little bit cheated at the end, like when I was a kid and forced my kaleidoscope open, only to be sooo disappointed when I discovered it’s only a tube of mirrors containing some loose coloured beads …

OK so we the young pregnant girl in Cambodia who is rejected by her family and sent off into the wilderness. She is sleeping rough, begging and eating whatever she finds. Eventually she has to give up her baby. The story than moves on to Calcutta to the Vice-Consul and his relation the the French ambassador’s wife. It’s not really clear what this part has to do with the pregnant girl walking out of Cambodia it’s only somehow clear she will also end in Calcutta.

Marguerite Dumas doesn’t give a damn if her readers understand, she tells the story from her perspective and I read somewhere it’s based on an encounter she once had in India. Not everything is revealed and explained but in order to enjoy the book you need to let the writings flow around you, like a wave.

I can understand that some readers will be turned off by her writing style, I enjoyed this weird little book, but would probably have had some issues if it would have been a lot longer…

Have you read anything by Marguerite Dumas before? Anything you would recommend?

Check out JG Ballard’s „The Drowned World“ if you would like to remain in a feverish sticky atmosphere or the diaries of Anaïs Nin.

Eine Liebe Swanns – Marcel Proust

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Eine Liebe Swanns ist eine Liebeserklärung auf 300 Seiten, bei der man irgendwann merkt, dass das Objekt dieser Liebe überhaupt keine Wichtigkeit hat, nur das Lieben an sich ist wichtig.

Ich bin primär einmal froh, dass ich dieses Buch tatsächlich geschafft habe. Es war zu gleichen Teilen ein beglückendes Erlebnis aber auch wahnsinnig frustrierend.

Es ist der erste Teil – wenn ich mich nicht täusche – von Prousts Monumentalwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und kann als Novelle für sich stehen. Dennoch hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, mir fehle der Kontext.

Die Sprache ist natürlich wunderschön, da sind brilliante Sätze, aber ganz ehrlich – Swann ist ein ziemlicher Idiot. Das, was er Liebe nennt, hat für mich nicht wirklich etwas mit Liebe zu tun, es handelt sich eher um eine ungesunde Besessenheit, eine eifersüchtige, unehrliche, ja kranke Liebe.

Mich nervte, dass er von Odette nicht lassen konnte, dass sie beide dieses irrsinnige Spiel permanent weiterführen. Aber gut, dass ist wohl die Macht der Liebe, auch wenn es sich um eine ziemlich korrumpierte Form handelt. Menschen können sich auf abenteuerlichste Weise selbst hinters Licht führen und wenn sie genug Zeit haben, finden sie dennoch rationale Erklärungen für ihr Verhalten.

„Von allen Arten der Erzeugung von Liebe, von allen Wirkkräften zur Verbreitung der heiligen Krankheit, ist sicher dieser gewaltige Erregungssturm, der uns manchmal erfasst, eine der zuverlässigsten. Dann fällt das Los unweigerlich auf die Person, mit der wir im Augenblick gerade gern zusammen sind; sie ist es, die wir lieben werden. Es ist dabei gar nicht nötig, dass sie uns bis dahin mehr oder auch nur ebensosehr wie andere gefiel. Es musste nur dazu kommen, dass unsere Neigung für sie plötzlich ausschließlich wurde.“

Bewundernswert ist Prousts Gabe, die sozialen Feinheiten herauszuarbeiten, die Beschreibung des Salons der Verdurins und die vielen feinen Haarrissen gleichenden Brüchen in den Begegnungen der Salonbesucher, ihrer Konflikte, Geheimnisse und wie er vorsichtig und fast zärtlich ihre jeweiligen Schwächen herausarbeitet.

Proust, der Chirurg mit der Feder, spielt natürlich auch auf vielschichtige Weise mit der Macht der Erinnerung. Mal unabhängig vom berühmten Madeleine Beispiel, ist es in „Eine Liebe Swanns“ die Macht der Musik, die kaum versteckten Tiefen im Bewußtsein des Protagonisten freizulegen. Das Freisetzen von Erinnerungen durch die Kunst ist das eigentliche Herz dieser Geschichte.

Ich freue mich, endlich etwas von Proust gelesen zu haben, brauche jetzt aber dringend etwas Abstand vom „Fin de Siecle“, wobei so einen Salon hätte ich ja schon auch gerne 😉

Habt Ihr Proust gelesen? Wie war euer Leseerlebnis?

Es ist Sarah – Pauline Delabroy-Allard

„Es ist Sarah“ ist ein Bestseller aus Frankreich, geschrieben von der gerade knapp über 30-jährigen Pauline Delabroy-Allard, es ist ihr Debüt und sie kam mit dem Roman immerhin in die zweite Runde des Prix Goncourt.

An einem Silvesterabend verliebt sich die Erzählerin dieses Romans Hals über Kopf in die aufregende Sarah. Die namenlos bleibende Erzählerin ist komplett fasziniert von dieser vor Leben sprühenden Frau, die ihr ruhiges Leben als Lehrerin mit kleinem Kind und Lebensgefährten total aus den Fugen wirft.

Sie liebt es, mir Romane vorzulesen, sie imitiert die verschiedenen Figuren mit verschiedenen Stimmen, fuchtelt bei den Dialogen mit den Händen.“

Die in Paris spielende Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen hat mir richtig gut gefallen. Ich bin kein großer Liebesroman-Fan, aber hier ist die Sprache so schön, die Erzählweise interessant. „Es ist Sarah“ legt ein unglaubliches Tempo an dem Tag. Mit Sarah ist es einem keine Minute langweilig und so ganz kann man es der Protoganistin nicht verdenken, dass ihr gelegentlich die Puste ausgeht mit dieser 1000 Volt-Frau.

Warum die beiden nach der anfänglich heftigen Verliebtheit nicht einfach glücklich und zufrieden zusammen in Paris leben können, habe ich nicht ganz verstanden. Aber vermutlich wäre die Hälfte aller Filme nicht gedreht, die meisten Bücher nicht geschrieben, wenn die Menschen alle einfach rational und wenig dramatisch wären 😉

Nicht bei ihr zu sein wird sinnlos nach der ersten Nacht.“

Insbesondere den ersten Teil des Romans mochte ich sehr. Ich habe aber auch definitiv eine Schwäche für Romane mit inkludiertem Soundtrack, den ich beim Lesen ablaufen ließ. Das Schöne an einem selbst zusammengestellten Soundtrack ist auch, dass man entscheiden kann, ob man die Stücke in Allegro oder Andante hören möchte.

„In unserem Sturm ist sie die Kapitänin. Ich werde zur Seemannsfrau.“

Mit Sarah wird es niemals langweilig, sie kann nicht genug bekommen vom Sex, von der Liebe, von der Musik, selbst vom Obst nicht, das sie isst. Ein Roman, der mich wirklich mitgerissen hat und der den Leser genauso verliebt zurücklässt, wie die namenlose Erzählerin.

Wer Lust auf eine spannende intellektuelle Liebesgeschichte hat, bei der man stets versucht ist, einen Nachtzug nach Paris, Venedig oder Triest zu buchen, der macht mit diesem Roman nichts falsch.

 

Ich danke der Frankfurter Verlagsanstalt für das Rezensionsexemplar.

Book-a-Day-Challenge – Day 6

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Today I would like to recommend a classic that I was given as a kid. It actually belonged to my father and both our names are written in their as proud owners. I wasn’t actually planning on re-reading it, I sort of got stuck in it, when I took it from the shelve, reading the first few lines.

Around the World in Eighty Days is the original Steampunk! It was first published by Jules Verne in 1873, and was published in monthly installments.

Each chapter is therefore has its own cliffhanger. The character of Phileas Fogg has become the stoic archetype for the cool gentleman traveller who is facing every adventure with black humour and a stiff upper lipp. The story is of course a little silly and childlike but also fast moving and fun, still a good read over a hundred years later. A interesting aspect of the story is the portrait of the American west in the 1870s from a European perspective.

The idea for the story came from the actual journey of an eccentric guy from Boston. George Francis Train. (He called himself „Citizen Train“). You can check him out on Wikipedia.

Not completely unexpected probably but Verne’s novel is a strong reminder how deeply the book is steeped in colonialist superiority:

„The steamer passed along near the shores, but the savage Papuans, who are in the lowest scale of humanity, but are not, as has been asserted, cannibals, did not make their appearance.“

In a similar way he describes Punjabis, Chinese, and Native Americans 😦 The book is a shameless celebration of the British Empire at its peak and Mr. Verne was quite the Anglophile. He constantly praises Phileas Fogg’s Englishness (his honor and stoicism) and bashes out at Passepartout’s Frenchness (chatty, emotional). There is of course also a love interest, Aouda, a rescued indian lady who keeps being the damsel in distress who the brave Phileas Fogg can rescue over and over again.

When Jules Vernes was a young boy he ran away from home, trying to smuggle himself on board a ship to sail the world and follow the adventures of Robinson Crusoe, a book he had read and admired. He was caught and promised his worried mother that from now on he would only travel in his dreams and that promise he pretty much kept. Not unlike Karl May, he rarely traveled he prefered to surround himself with books and research the maps and countries of his books without ever actually visiting them.

So – reading Jules Verne today can still be fun but the books need to be read within its historical context and with a critical mind.

Accompany „Around the World in 80 days“ with Nelly Bly’s account of her travel around the world, who actually met Jules Verne during her trip.

#WomeninSciFi (41) Das Buch von der Stadt der Frauen – Christine de Pizan

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Ich freue mich sehr, dass diese Reihe jetzt auch mit der Rezension einer waschechten wunderbaren Kunsthistorikerin aufwarten kann. Meine Freundin Moni entführt uns mit ihrer Besprechung aber nicht in die – dem Genre mehr entsprechenden Zeithorizont Zukunft sondern ins späte Mittelalter. Lehnen Sie sich zurück, machen Sie es sich bequem, wenn es jetzt in die vermutliche früheste Ära der Science Fiction Literatur geht:

Wie passt nun eine mittelalterliche Handschrift aus Frankreich in Sabines Reihe „Women in SciFi“?

Wenn die Utopie als Teilbereich von Science Fiction gilt, dann kann und muss man diese Schrift von Christine de Pizan dazu zählen. In einer Utopie verhält sich die Vorstellung dessen, was sein sollte, negativ zu dem, was ist.

 

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Christine de Pizan entwirft eine wünschenswerte zukünftige Gesellschaftsform, die von der Gleichberechtigung der Geschlechter geprägt ist. Sie schreibt: „Die Natur hat die Frauen mit ebenso vielen körperlichen und geistigen Gaben ausgestattet wie die weisesten und erfahrensten Männer.“

Wir gehen zurück ins Jahr 1405. ‚Das Buch von der Stadt der Frauen‘ erscheint in Paris. Geschrieben hat es Christine de Pizan. Sie wurde 1365 in Venedig geboren und wuchs in Paris auf. Mehr zu ihrer außergewöhnlichen Biographie findet sich im FrauenMediaTurm.

Da wir uns in der Zeit vor dem Buchdruck befinden, handelt es sich um eine Handschrift. Text und Bild wurden von Hand angefertigt. Insgesamt haben sich 25 Exemplare dieses Buches – allesamt französischsprachig – erhalten.

Die Handschrift mit der Signatur BNF ms. Fr. 607, die in der Bibliothèque Nationale in Paris aufbewahrt wird, entstand zu Christine des Pizans Lebzeiten und hat die Maße 345 mm x 255 mm. Das Material ist Pergament; der Einband ist aus gelbem, weichem Ziegenleder gefertigt. Dieses Exemplar ist die Grundlage für die Übersetzungen ins moderne Französisch, ins Englische, Niederländische, Italienische und Deutsche.

 

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Le Livre de la Cité des Dames, BNF ms. Fr. 607, fol. 67v

 

Der Text ist regelmäßig in zwei Kolumnen geschrieben; jede zählt zwischen 40 und 42 Zeilen. Auf insgesamt 79 folia ist ausschließlich der Text der Cité des Dames geschrieben (das ist bei Handschriften nicht immer so, Platz war knapp, Pergament wertvoll). Es gibt drei Abbildungen: fol. 2, fol.31v und fol. 67v sind jeweils mit Miniaturen ausgestattet.

Die Dreizahl ist kennzeichnend für den Aufbau des Buches, das ein allegorisch-didaktischer Traktat ist. Die drei unterschiedlich langen Kapitel der Schrift entsprechen den drei Bauabschnitten, in denen die Stadt der Frauen gebaut wird. Zuerst werden die Fundamente ausgehoben, dann die Häuser und Paläste gebaut, vollendet durch die Dächer, Stadttore und die Schlüsselübergabe. Ausgehende von der These, dass Männer und Frauen in intellektueller und moralischer Hinsicht vollkommen gleichwertig sind und deshalb auch so behandelt werden müssen, konstruiert Christine de Pizan eine Stadt, in der die tugendhaften Frauen sich auf ewig aufhalten können und dort Schutz vor den misogynen Angriffen ihrer Zeitgenossen finden. Bärbel Zühlke, die über das Buch von der Stadt der Frauen geforscht hat, schreibt dazu: „Der Prozess des Erbauens einer Stadt wird mit der intellektuell-physischen Tätigkeit des Schreibens eines Buches identifiziert.“ (in: Bärbel Zühlke: Christine de Pizan in Text und Bild. Zur Selbstdarstellung einer frühhumanistischen Intellektuellen, Stuttgart/Weimar 1994 (Ergebnisse der Frauenforschung; 36) S. 100).

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Le Livre de la Cité des Dames, BNF ms. Fr. 607, fol. 67v, Detail

 

Wird heute noch darüber gesprochen?

Leider viel zu wenig. In den jüngsten Spiegel-Artikel über Frauen, die „man heute kennen muss“, hat Christine de Pizan es leider nicht geschafft.

Auch die deutschsprachige Ausgabe des ‚Buches von der Stadt der Frauen‘ ist momentan nur antiquarisch zu haben.

Das Thema an sich ist erfreulicherweise für die koreanische Künstlerin Lee Bul aktuell: „Mich interessiert, wie sich Menschen in der Vergangenheit ihre utopische Zukunft vorstellten.“

Eine umfassende Werkschau, kuratiert von Stephanie Rosenthal, über utopische Sehnsüchte.

Lee Bul: Crash – 29. September 2018 bis 13. Januar 2019 – Gropius Bau in Berlin.