Mitten ins Herz – Francoise Sagan

sabine20332

Da hat einiges nicht gestimmt mit dem Buch. Zum einen sieht es aus wie eine absolute Kitsch-Schmonzette, der Titel ist auch nicht gerade einer, der mich vom Hocker haut und dann auch noch Bastei Lübbe. Hmmm. Hätte ich nicht vor vielen Jahren sehr begeistert Sagan’s „Bonjour Tristesse“ gelesen, dieses Büchlein hätte keine Chance gehabt. Es war glaube ich auch eine Papiermüll-Rettungsaktion und mit knapp 200 Seiten, habe ich mich einfach mal heran gewagt.

Es war auch besser als ich dachte, wenn auch lange nicht so gut wie ich „Bonjour Tristesse“ in Erinnerung habe. Mathieu, der Protagonist erhält von seinem Arzt die Prognose, unheilbar an Lungenkrebs erkrankt zu sein und nur noch 6 Monate zu leben. Daraufhin begleiten wir Mathieu durch diesen Tag, an dem er sich mit dieser Tatsache abzufinden versucht, viel Introspektive betreibt und sich von den wichtigen Frauen in seinem Leben verabschiedet.

Boah ging er mir dabei teilweise auf den Keks. Mathieu gibt sich einerseits sehr Camus‘ „Der Fremde“-mässig, so cool mit Kippe im Mundwinkel als kühler Denker durch die Gegend schreitend, sich mit hübschen Frauen schmückend und dann ist da so ganz und gar nichts cooles an ihm, wenn er mit den Frauen über seinen drohenden Tod spricht. Er ist ein Egoist durch und durch, aber er sagt ab und an ein paar sehr lesenswerte Sätze, daher konnte ich das ganz gut verzeihen. Ich habe es bei Goodreads auch immerhin mit 4 Sternen bewertet, denn obwohl der Egoist Mathieu mich streckenweise nervte und das Ende echt grottig ist, haben mich die paar guten Sätze ganz positiv gestimmt.

Dieses kurze Büchlein kann man gut mal zwischendurch schieben, aber wenn man es nicht gelesen hat, dann geht die Welt auch nicht unter.

Hier ein paar der Sätze die ich mochte:

„Zu jener Zeit, nebenbei bemerkt, war es nicht mehr üblich, Lokalrunden auszugeben. Ohne wirklich wichtigen Grund lud man seine Umgebung nicht mehr einfach so auf ein Glas ein. Es war eben nicht die Zeit für Geschenke. Geschenke wurden von der Steuer weder gebilligt noch entschuldigt, geschweige denn überhaupt zugelassen.“

„Er fühlte sich nämlich so lebendig wie noch nie, was sicher am Weißwein lag, am Alkohol, dem man in diesem Jahrhundert so ungerechtfertigterweise so viel Übles nachsagte, ihm, der doch der Freund des Menschen, das Wundermittel für dessen Seele und der Verbündete seines Körpers war.“

„Es war nicht der rechte Zeitpunkt, sich zu langweilen, das wußte er!“

„Schluß mit der Grübelei! Es lebe das Leben!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s