Meine Woche

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Gesehen: „First Reformed“ (2017) von  Paul Schrader mit Ethan Hawke. Großartiger Film um einen Priester voller Zweifel. Wunderbare Bilder, Ethan Hawke in Höchstform und richtig guter Soundtrack.

Gehört: „First Reformed“ – Lustmord, „Agrippina“ – Georg Friedrich Händel, „Giftraum“ – Diary of Dreams,  „They’ll come, they come – Immanu El, „Night of your Ascension“ – Wrekmeister Harmonies, „Arms to work legs to run“ – Unknown connection failure

Gelesen: Alice Coote: my life as a man, The life and tragic death of Sophie Hingst, Ferrante Fatigue, dieses Interview mit Neal Stephenson, Can Sci-Fi writer prepare us for an uncertain future?

Getan: das Diary of Dreams Konzert, die Alexander Kluge Ausstellung im Literaturhaus und den Bookclub besucht, die wundervolle Agrippina Inszenierung der Bayrischen Staatsoper gesehen, ein Auto gemietet und Möbelhäuser besucht

Geplant: eine Arbeitswoche in Dortmund

Gegessen: Pasta mit Auberginen, grünen Bohnen und Büffelmozzarella

Getrunken: Malbec

Gefreut: über das erfolgreiche Bett-Hunting

Geklickt: auf George Monbiots TED Talk „Neoliberalism’s time has passed. We need a new politics of belonging“

Gestaunt: The atlas of moons

Gewünscht: diese Kommode, dieser Sessel, dieses Outfit

Gefunden: nix

Gekauft: ein größeres Bett

Gedacht: „Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast“ (Albert Einstein)

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#Women in Science (1) Marie Curie

Man muß nichts im Leben fürchten, man muß nur alles verstehen.

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Marie Skłodowska Curie wurde 1867 in Warschau im damaligen Königreich Polen geboren, was Teil des russischen Reiches war. Ihre Eltern gehörten zur gebildeten Mittelschicht, verloren jedoch durch patriotische Investitionen viel Geld während der polnischen Aufstände. Ihr Vater Władysław Skłodowski unterrichtete Mathematik und Physik und war Direktor eines Gymnasiums für Jungen. Mit dem Verbot von Laborunterricht durch die russischen Behörden brachte der Vater vieles davon nach Hause und unterrichte seine Kinder in der Nutzung. Er verlor später seinen Posten und war gezwungen, deutlich schlechter bezahlte Jobs anzunehmen, was zur stetigen Verarmung der Familie führte. Maries Mutter leitete ein renommiertes Mädchenpensionat, doch nach Maries Geburt kündigte sie. Sie starb 1878 an Tuberkulose, als Marie zehn Jahre alt war. Die Mutter war strenge Katholikin, der Vater eher Atheist. Der Tod der Mutter und ihrer Schwester drei Jahre zuvor brachten Marie vom Glauben ab.  

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1883 verließ Marie das Gymnasium mit einer Goldmedaille für überragende Leistungen. Da Frauen zum Studium nicht zugelassen waren, begann sie mit ihrer Schwester Bronisława Vorlesungen der sogenannten „Fliegenden Universität“ zu besuchen, eine patriotische polnische Organisation, die sich der Lehre verschrieben hatte und auch Frauen unterrichtete. Marie traf mit ihrer Schwester eine Absprache, dass sie sie finanziell unterstützen würde, während ihrer Studien in Paris und Bronisława sie gleichfalls zwei Jahre später unterstützen würde bei ihrem Studium in Paris. Um diese Unterstützung leisten zu können, nahm Marie eine Position als Gouvernante an. Erst als Hauslehrerin in Warschau, dann für zwei Jahre in Szczuki bei entfernten Verwandten ihres Vaters. Dort verliebte sie sich unglücklich in den Sohn der Familie, der sie heiraten wollte, dies nach dem Verbot der Eltern aber nicht weiter ernstlich verfolgte. Kazimierz Zorawski wure später ein erfolgreicher Mathematiker. 

Anfang 1890 wurde Marie von ihrer Schwester Bronisława nach Paris eingeladen, die kurz zuvor einen polnischen Arzt und politischen Aktivisten in Paris geheiratet hatte. Marie sagte zunächst ab, da sie sich die Reise nicht leisten konnte, wurde dann aber von ihrem Vater finanziell unterstützt, der mittlerweile eine etwas lukrativere Position gefunden hatte. Während all der Zeit als Gouvernante war Marie stets am Lernen, lesen, Briefe schreiben und sie bereitete sich selbst auf die Universität vor. Anfang 1889 kehrte sie nach Warschau zu ihrem Vater zurück und kümmerte sich um ihn. Währenddessen arbeitet sie als Gouvernante, hielt Vorträge an der Fliegenden Universität und begann, ihr praktisches naturwissenschaftliches Training in einem chemischen Labor in der Warschauer Altstadt, das von ihrem Cousin geleitet wurde.

Erst Ende 1891 hatte sie genug Geld erspart um nach Paris zu gehen. Dort lebte sie für kurze Zeit bei ihrer Schwester und deren Mann, bevor sie sich, um es ruhiger zu haben und näher an der Universität zu sein, ein kleines armseliges Dachgeschosszimmer mietete im Quartier Latin. Sie studierte Physik, Chemie und Mathematik an der Universität Paris. Sie bestritt ihren Unterhalt von ihren mageren Ersparnissen oft hungernd und frierend. Um Heizkosten zu sparen, trug sie fast immer sämtliche Klamotten, die sie besaß. Oft vergaß sie zu essen, wenn sie durch ihre Studien abgelenkt war.

ca 1920 Foto: Wikipedia

Marie Skłodowska studierte tagsüber und gab abends Unterricht, verdiente aber kaum genug, um zu überleben. 1893 machte sie ihren Abschluss in Physik und begann, im Labor von Professor Lippmann zu arbeiten. Derweil studierte sie weiter und machte 1894 ihren zweiten Abschluß in Chemie.

Skłodowska begann ihre wissenschaftliche Karriere in Paris mit der Untersuchung der magnetischen Eigenschaften verschiedener Stahlsorten im Auftrag der Société d’encouragement pour l’industrie nationale. In diesem Jahr lernte sie auch Pierre Curie kennen und durch ihre gemeinsamen Interessen an Naturwissenschaften begannen sie, immer mehr Zeit miteinander zu verbringen. Pierre Curie war Lehrer an der École supérieure de physique et de chimie industrielles de la ville de Paris. Marie und Pierre verliebten sich ineinander und Pierre hielt um Maries Hand an. Zunächst gab sie ihm einen Korb, da Marie nach wie vor plante, nach Polen zurückzukehren. Curie gab jedoch nicht auf und schlug ihr vor, mit ihr nach Polen zu gehen, selbst wenn er dort nur als Französischlehrer würde arbeiten können. Ihren Sommerurlaub 1894 verbrachte Skłodowska mit ihrer Familie in Warschau. Pierre schrieb ihr regelmässig und sie kehrte auf seine Bestürmungen hin nach Paris zurück . Pierre machte 1895 seinen Doktor und Marie begann ihre Doktorarbeit. Im September des gleichen Jahres heirateten sie in einer standesamtlichen Zeremonie in Sceaux. Mit Pierre fand Marie eine lebenslange Liebe, einen Partner und einen wissenschaftlichen Kollegen, auf den sie sich komplett verlassen konnte. Sie teilten neben der Wissenschaft auch ihre Leidenschaft für lange Radtouren und Reisen, die die beiden noch näher zusammenbrachte.

Die Entdeckung der Röntgenstrahlung Ende 1895 erregte weltweit Aufsehen und löste zahlreiche Forschungsaktivitäten aus. Marie Curie, die auf der Suche nach einem Thema für ihre Doktorarbeit war, beschloss, sich den „Becquerel-Strahlen“ zuzuwenden.

Sie untersuchte zahlreiche uranhaltige Metalle, Salze, Oxide und Mineralien, die ihr von befreundeten Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt wurden. Sie stellte dabei fest, dass die „Becquerel-Strahlung“ eine Eigenschaft bestimmter Atome und keine chemische Eigenschaft der untersuchten Verbindung ist.

1997 wurde ihre Tochter Irene geboren. Um ihre Familie zu unterstützen, begann Marie an der École Normale Supérieure zu unterrichten. Die Curies hatten nie ein eigenes Laboratorium. Die meisten ihrer Forschungen führten sie in einem feuchten Schuppen in einem Hinterhof durch. Sie hatten keinerlei Ahnung wie desaströs sich die Strahlung, der sie ausgesetzt waren, auf ihre Gesundheit auswirken würde, während sie permanent komplett ungeschützt mit den radioaktiven Substanzen arbeiteten. Die Schule unterstützte ihre Forschung nicht, aber sie erhielt finanzielle Unterstützung von Bergbau- und metallverarbeitenden Unternehmen, sowie von unterschiedlichen Organisationen und Staaten.

Marie und Pierre Curie ca 1903

1989 veröffentlichen die Curies eine gemeinsame Abhandlung in der sie von der Existenz eines neuen Elementes berichteten, das sie „Polonium“ genannt hatten, zu Ehren von Maries Heimatland, das nach wie vor russisch besetzt war.  Um jeglichen Zweifel zu beseitigten arbeiteten sie daran, Polonium und Radium in reiner Form herzustellen. Es gelang ihnen nie, reines Polonium herzustellen, doch nach vielen verzweifelten Versuchen konnten sie 1910 pures Radium isolieren.

„Man merkt nie, was schon getan wurde, man sieht immer nur, was noch zu tun bleibt“

Zwischen 1898 und 1902 veröffentlichten die Curies zusammen oder separat insgesamt 32 wissenschaftliche Abhandlungen. Eine davon beschäftigte sich mit der Fähigkeit des Radiums, kranke Tumorzellen zu zerstören.

Anfang 1903 traten bei Marie und Pierre Curie erste gesundheitliche Probleme auf, die sie jedoch auf Überarbeitung zurückführten. Marie Curie hatte im August 1903 eine Fehlgeburt, die sie gesundheitlich weiter schwächte. Als die Royal Society dem Ehepaar am 5. November 1903 die Davy-Medaille zusprach, die jährlich für die wichtigste Entdeckung auf dem Gebiet der Chemie vergeben wird, musste Pierre Curie allein nach London reisen, um den Preis entgegenzunehmen.

1904 erhielt Marie Curie ihren Doktor an der Universität von Paris. Das Ehepaar wurde im gleichen Monat zur Royal Institution in London eingeladen um über die Radioaktivtät zu sprechen. Als Frau war es Marie nicht erlaubt, dort zu sprechen, so dass Pierre nur alleine vor den Gelehrten sprechen konnte. Die Industrie begann, Radium herzustellen und die Curies beschlossen sehr bewusst, ihre Entdeckung nicht patentieren zu lassen, da Wissenschaft ihrer Meinung nach immer der Allgemeinheit frei zugänglich sein müsse. Ebenfalls im gleichen Jahr erhielten das Ehepaar Curie gemeinsam mit Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik „in Anerkennung der außerordentlichen Leistungen, die sie sich durch ihre gemeinsame Forschung über die von Professor Henri Becquerel entdeckten Strahlungsphänomene erworben haben“. Marie Curie war somit die erste Frau, die jemals den Nobelpreis verliehen bekam.

„Man könnte sich vorstellen, daß das Radium aber auch in verbrecherischen Händen sehr gefährlich werden könnte, und man müsse sich fragen, ob es für die Menschheit gut ist, die Geheimnisse der Natur zu kennen, ob sie reif ist, daraus Nutzen zu ziehen, oder ob ihr diese Erkenntnis zum Schaden gereichen könnte.“

Marie und Pierre lehnten es ab, den Preis persönlich in Stockholm in Empfang zu nehmen, da sie mit ihren Studien zu beschäftigt waren. Darüberhinaus mochte Pierre Curie keine öffentlichen Veranstaltungen und fühlte sich außerdem zunehmend krank. Da sie als Nobelpreisgewinner um eine Vorlesung nicht herum kamen, fuhren sie 1905 nach Stockholm. Mit dem gewonnen Geld gönnten sie sich ihren ersten Laborassistenten. Doch all der internationale und nationale Ruhm, Angebote der Universität von Genf etc. reichten nicht, um den Curies ein vernünftiges Labor zu verschaffen. Nach vielen Beschwerden versprach die Universität Paris, ihnen eines auszustatten, dieses wurde jedoch erst 1906 fertig.

Im Dezember 1904 brachte Marie ihre zweite Tochter Eva zur Welt. Nur zwei Jahre später kam Pierre in einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Marie war komplett erschüttert von seinem Tod. Die beiden waren selten mal voneinander getrennt gewesen und sie glaubte, ohne ihn nicht weiter arbeiten oder leben zu können. Die Universität Paris entschied ihr im gleichen Jahr die Professur ihres Mannes anzubieten, die sie annahm. Sie war damit die erste Frau, die als Professorin an der Universität Paris arbeitete.

Über die Schaffung eines internationalen Radiumstandards verständigten sich Marie Curie und Ernest Rutherford erstmals im Frühjahr 1910. Insbesondere der vermehrte Einsatz des Radiums in der Medizin erforderte genaue und vergleichbare Messwerte. Eine Kommission legte fest, dass die Maßeinheit für die Aktivität „Curie“ genannt werden sollte, und beauftragte Marie Curie mit der Herstellung einer 20 Milligramm schweren Radiumprobe aus kristallwasserfreiem Radiumchlorid, die als Standard dienen sollte

Trotz Marie Curies Ruhm als französische Wissenschaftlerin war die französische Öffentlichkeit sehr ausländerfeindlich (was sich auch schon in der Dreyfus Affäre gezeigt hatte). Während der Wahlen der Académie des sciences wurde sie von der rechten Presse als Ausländerin, Jüdin und Atheistin diffamiert.

1911 kam heraus, dass Marie eine etwa einjährige Affäre mit dem Physiker Paul Langevin hatte, einem früheren Studenten von Pierre Curie, ein verheirateter Mann mit Eheproblemen. Daraus entspann sich ein großer Presseskandal, der von Curies akademischen Rivalen umfassend ausgeschlachtet wurde. Curie (damals Mitte Vierzig) war fünf Jahre älter als Langevin und wurde von der Presse fälschlicherweise als jüdische Ehebrecherin dargestellt. Als der Skandal ausbrach, war sie gerade in Belgien auf einer Konferenz. Bei ihrer Rückkehr nach Hause fand sie einen wütenden Mob auf der Straße vor ihrem Haus und sie mußte mit ihren Töchtern in das Haus einer Freundin fliehen.

Ich fand es sehr bezaubernd, dass Albert Einstein – mit dem sie auch sehr gerne Radeltouren unternahm – ihr in dieser schwierigen Zeit brieflich zur Seite stand. Es war ein wie wir heute sagen würden ein freundschaftliches „Ignore the Haters“

Foto: Princeton University Press

Dieser Skandal kostete sie fast den zweiten Nobelpreis, der ihr von der Stockholmer Akademie im gleichen Jahr für Chemie verliehen wurde.  Dieser Preis wurde ihr „in Anerkennung ihrer Verdienste um den Fortschritt der Chemie durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, durch Isolierung des Radiums und die Untersuchung der Natur und der Verbindungen dieses bemerkenswerten Elementes“  verliehen, nicht ohne sie vorher versuchsweise dazu zu bringen, wegen des Skandals auf den Preis zu verzichten, was Curie ablehnte. Sie war somit die erste Frau die zwei Nobelpreise gewonnen hatte und ist neben Linus Pauling die einzige, die den Nobelpreis in zwei verschiedenen Feldern bekam.

Obwohl sie zunehmend unter unterschiedlichen Erkrankungen litt, war sie nach Ausbruch des ersten Weltkrieges sofort zur Stelle, um den Soldaten an der Front zu helfen. Sie begann eine mobile Röntgeneinrichtung zu schaffen, mit der verwundete Soldaten in unmittelbarer Nähe der Front untersucht werden könnten. Mit der Unterstützung der Französischen Frauenunion gelang es Marie Curie, einen ersten Röntgenwagen auszustatten.

Sie wollte auch direkt nach Kriegsausbruch ihre Nobelpreis-Medaille spenden, doch die französische Nationalbank verweigerte die Annahme. Sie kaufte daraufhin Kriegsanleihen von ihrem Nobelpreisgeld.

„Ein Gelehrter in seinem Laboratorium ist nicht nur ein Techniker; er steht auch vor den Naturgesetzen wie ein Kind vor der Märchenwelt.“

Nach dem Krieg begab sie sich mit ihren Töchtern auf eine Tour durch die Vereinigten Staaten, um Geld für ihre Radiumstudien zu sammeln. Eine reiche Mäzenin sammelte für sie Spenden und richtete den Marie Curie Radium Fond ein. Sie wurde 1921 vom damaligen US Präsidenten Warren G Harding empfangen, der ihr 1g in den USA gesammeltes Radium überreichte. Allein während ihres Aufenthaltes in den USA verliehen ihr neun Länder die Ehrendoktorwürde.

Im Frühjahr 1919 begannen die ersten Lehrveranstaltungen am Radium-Institut deren Leitung sie 1914 übernommen hatte. Mitarbeiter des Radium-Institutes veröffentlichten von 1919 bis 1934 insgesamt 438 wissenschaftliche Artikel, darunter 34 Dissertationen. 31 Artikel stammten von Marie Curie. Sie förderte bewusst Frauen und aus dem Ausland stammende Studierende. 1931 waren zwölf von 37 Forschern am Institut Frauen, darunter Ellen Gleditsch, Eva Ramstedt und Marguerite Perey, die bedeutende Beiträge zur Erforschung der Radioaktivität leisteten.

Anfang 1934 besuchte Marie Curie Polen zum letzten Mal. Sie verstarb am 4. Juli 1934 im
Curie Sancellemoz Sanatorium in Passy an einer Sonderform von Anämie, die vermutlich auf ihren langjährigen Umgang mit radioaktiven Elementen zurückzuführen ist.

Sie erlebte leider die Auszeichnung ihrer Tochter Irène mit dem Nobelpreis für Chemie, den diese 1935 gemeinsam mit ihrem Ehemann „in Anerkennung ihrer Synthese neuer radioaktiver Elemente“ erhielt, nicht mehr. Auch ihre Tochter starb mit nur 59 an Leukämie, vermutlich verursacht durch Poloniom-210.

Ihre Tochter Eve, die Autorin der Biografie, schlug etwas aus der Art und hatte keinerlei Interesse an Naturwissenschaften. Sie wollte zunächst Pianistin werden, wurde dann aber Journalistin und Schriftstellerin. Sie war in der Flüchtlings- und Kinderhilfe tätig und arbeitete mit ihrem Ehemann für die UNICEF. 1965 nahm sie gemeinsam mit ihm den Friedensnobelpreis entgegen, der in dem Jahr an die UNICEF verliehen wurde. Sie lebte später in New York und starb dort mit 102 Jahren.

Wie gefährlich Radioaktivität und Röntgenstrahlung für die Gesundheit sind, war zu Marie Curies Zeit nicht bekannt. Sie und ihr Mann hantierten mit den Proben ohne jegliche Schutzmaßnahmen. Marie Curie trug häufig Proben einfach in den Taschen ihres Laborkittels und erfreute sich oft an dem Licht, dass die Substanzen im Dunkeln abgaben.

Aufgrund ihrer radioaktiven Kontamination müssen Marie Curies Aufzeichnungen aus den 1890ern und sogar ihr Kochbuch nach wie vor in mit Blei abgeschirmten Boxen aufbewahrt werden; deren Betrachtung ist nur mit Schutzkleidung möglich.

Eve Curie – „Madame Curie“ erhältlich im Fischer Verlag.

„Nothing in life is to be feared, it is only to be understood. Now is the time to understand more, so that we may fear less.“ (Marie Curie)

Hirngymnastik – Physik

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Physik ist die Basis zum Verständnis der Welt um uns herum, der Welt in uns und auch der Welt über uns und damit eine der fundamental wichtigen Wissenschaften. Dennoch bin ich wahrscheinlich nicht die Einzige hier, die in der Schule einen großen Bogen um das Fach gemacht hat.

Mich interessieren die großen Zusammenhänge und das Warum. Das Wie in der Regel nicht so sehr. Damit bin ich in der Schule in der naturwissenschaftlichen Fächern nicht weit gekommen. Da ging es immer nur fröhlich induktiv zur Sache. Vom spezifischen zum Allgemeinen, wenn das Allgemeine überhaupt mal thematisiert wurde.

Das ist wirklich traurig, denn Physik wurde damit bei so vielen Menschen zum Hassfach, dabei ist es eine Wissenschaft, die unsere Vorstellungskraft herausfordert wie kaum eine andere. Konzepte wie die Relativitätstheorie, die Stringtheorie oder auch die Quantenphysik hauen dem gesunden Menschenverstand erst einmal einfach nur die Beine weg.

Physik ist auch die Basis für große Entdeckungen und Erfindungen wie Computer, Laser und Elektronenmikroskopie, ohne die wir unsere DNA vermutlich nicht hätten entschlüsseln können. Physik befasst sich mit dem Studium des Universums und den fernsten Galaxien bis hin zu den kleinsten subatomaren Partikeln oder der Nanotechnologie.

Wer Naturwissenschaften spannend findet, kommt um Physik nicht herum und daher wurde es einfach Zeit für eine entsprechende Hirngymnastik. Die hat mir aber auch wirklich einiges abgefordert und ich habe dabei versucht Bücher zu finden, die weitestgehend ohne Formeln auskommen, bzw. eher deduktiv vorgehen.

„Die Physik der Zukunft – Unser Leben in 100 Jahren“ – Michio Kaku

Das Buch ist ein guter Einstieg für Leute mit wenig naturwissenschaftlichem Grundwissen (wie ich). Kein Buch für Hardcore Science Freaks, dafür ist es zu leichtgewichtig.

Michio Kaku ist Professor für Theoretische Physik am City College of New York und defintiv jemand, der es schafft Physik spannend und mitreissend zu erzählen. Jedes der folgenden Kapitel  Computer, Künstliche Intelligenz, Medizin, Nanotechnologie, Energie, Raumfahrt, Wohlstand und die Zukunft der Menschheit ist jeweils in drei Unterbereiche aufgeteilt: die nahe Zukunft von heute bis 2030, die Mitte des Jahrhunderts 2030 – 2070 und die ferne Zukunft 2070 – 2100. In jedem Kapitel deckt er die wichtigen Entdeckungen und Erfindungen ab, die sich entwickeln werden ausgehend von den heutigen Technologien und unserem jetzigen Wissensstand.

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Foto: Scientific American

Kaku ist ein Optimist und sieht für nahezu alle Probleme der Menschheit eine technische Lösung. Damit werden einige ihre Schwierigkeiten haben, ich gehöre auch eher zu den manchmal zu optimistischen Vertretern und schwimme daher mit Kaku wunderbar auf einer Wellenlänge.

Besonders spannend fand ich das Computer Interface über eine Kontaktlinse, was eine ziemlich effektive Nutzung in der Medizin mit sich bringen könnte. Kaku sieht die Möglichkeit, das wir innerhalb der nächsten 100 Jahre in der Lage sein werden, Computer telepathisch zu bedienen. Es gibt bereits Sensoren für Paraplegiker, die ins Hirn gesetzt werden und die es ihnen dann ermöglichen, gedankliche Impulse in emails beispielsweise umzusetzen. Die nächste Entwicklung werden Arme und Beine sein, die von den Patienten über die Gedanken gesteuert werden.

Biotechnologie in Kombination mit Nanotechnologie gibt Raum für jede Menge spekulative Szenarien. Auch die Genetik ist natürlich ein großer Spekulations-Spielplatz. Wird Jurassic Park Wirklichkeit? Auch wenn die DNA möglicherweise bereits zu weit abgebaut ist, könnte man ggf die Genome von Vögeln und Echsen kreuzen um so einen Dinosaurier zu erzeugen ?

Kaku diskutiert auch die Frage nach der Zukunft der Arbeit. Wie werden wir in Zukunft leben, wenn Arbeit weitestgehend von Maschinen oder künstlicher Intelligenz übernommen wird ? Damit wir uns da eher in eine Zukunft Richtung Star Trek entwickeln und nicht vor lauter Faulheit und Sinnlosigkeit degenerieren, sollten wir lieber heute als morgen mit entsprechenden Diskussionen beginnen, wie die Zukunft ohne Arbeit aussehen soll.

Die größte Sorge bereitet Kaku der Klimawandel und die globale Erwärmung, die wir selbst bei hoffnungsvollen Zukunftprojektionen nur mit Schwierigkeiten in den Griff bekommen werden.

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Kaku beschreibt einen Tag im Leben eines Menschen im Jahr 2100 – ob es so sein wird, werden die heutigen Leser in der Regel wohl nicht mehr erleben. Das Buch endet mit einem Zitat von Gandhi, das die Herausforderungen für die Menschheit am besten zusammenfasst:

Die Wurzeln der Gewalt

Reichtum ohne Arbeit,
Vergnügen ohne Gewissen,
Wissen ohne Charakter,
Handel ohne Moral,
Wissenschaft ohne Menschlichkeit,
Anbetung ohne Opfer,
Politik ohne Prinzipien

Ganz besonders möchte ich euch den Physik-Vortrag von Michio Kaku der „Floating University“ ans Herz legen, der für mich der Anstoss war, meine nächste Hirngymnastik der Physik zu widmen:

http://www.floatinguniversity.com/lectures-kaku

Und wer keine Lust hat zu lesen, der kann sich auch seinen Votrag „The Physics of the Future“ anhören:

„Das Top Quark, Picasso und Mercedes-Benz oder Was ist Physik“ – Hans Graßmann

Der Physiker und Mitentdecker des Top Quark stellt Erkundungen zum Wesen, zur Geschichte und zu den Grundzügen der Physik an und das ganz unterhaltsam – mittels einer Entdeckungsreise zu den elementaren Erkenntnissen über Raum, Zeit und Materie.

Erschienen ist das Buch Mitte der 90er Jahre, aber das hat einzig beim Kapitel über Gravitationswellen ein wenig gestört, ansonsten haben sich die Grundlagen der Physik in den zwanzig Jahren nicht großartig verändert. Graßmann startet mit der Geschichte der Physik, gibt Einblicke in die Teilchenphysik und den Aufbau der Materie und Antimaterie, geht auf Quantenphysik, Relativitätstheorie und Stringtheorie ein und beschäftigt sich dann mit dem Nutzen der Physik.

Hans Graßmann versucht der Physik ihren Schrecken zu nehmen. Wenn man weiß, wie es zum Sonnenbrand kommt und wie eine Gitarre funktioniert, kann auch den Aufbau der Welt und die Physik verstehen.

Der Stil des Buches war mir zu onkelhaft, dennoch habe ich gemerkt, wie weitere Puzzleteilchen in meinem Hirn ihr Plätzchen gefunden haben und damit hat das Buch letztlich seinen Zweck erfüllt. Ein paar Bilder und Grafiken würden dem Buch ganz gut tun.

„Wer sein ganzes Leben damit verbringt, dem Nützlichkeitsprinzip zu huldigen, wird früher oder später feststellen, wie unnütz er ist.“

Vermutlich würde Physik nach wie vor nicht zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählen, aber den ganz großen Schrecken hat es verloren und ich finde Naturwissenschaft viel zu spannend, um nicht auch Lust zu haben mich mit Physik zu beschäftigen. Ich hoffe, ich habe Euch mit dieser Hirngymnastik ein bisschen Lust darauf machen können.

Ich habe ich mich ja mit der Physik dem Universum bereits genähert, ich greife also zu den Sternen und mache mit Astrophysik/Kosmologie weiter.

Michio Kaku – „Die Physik der Zukunft“ ist im Rowohlt Verlag erschienen
Hans Graßmann – „Das Top Quark, Picasso und Mercedes Benz“ ist im Rowohlt Verlag erschienen.

 

Die Verzauberung der Welt – Ernst Peter Fischer

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Bevor ich überhaupt richtig lesen konnte, stand für mich fest, ich werde Wissenschaftlerin. Mein erster Berufswunsch war Astronautin, mein größter Wunsch, der sich leider nie erfüllt hat ein Teleskop, mit dem ich mit meinem Opa zusammen die Sterne vom Balkon aus angucken wollte. Meine Beziehung zu den Naturwissenschaften würde ich allerdings eher als eine „skinny love“ bezeichnen, wir sind nie so wirklich zusammengekommen. Ich war eine Weile ziemlich verknallt, die Naturwissenschaften von mir nicht recht überzeugt und die Schule hat dann sehr schnell und nachhaltig für Abkühlung gesorgt – wir sind dann eher entfernte Freunde geblieben. Schade. Ich mag nicht alles auf die Schule schieben, das ist irgendwie zu einfach, aber ein wenig konnte ich mich in Fischers Beschreibung hier schon wiederfinden:

„Kinder (nicht alle, aber viele) kommen ästhetisch neugierig in die Schule, um danach (nicht immer, aber viel zu oft) begrifflich gelangweilt nach Hause geschickt zu werden. Im Unterricht bekommen sie kaum eine Anleitung zum Staunen und Weiterfragen, dafür eine Menge Formeln und Gesetze, die sich abfragen lassen.“

„Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer das entzündet werden muß.“ (Francois Rabelais)

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Foto: Scientific American

Ich bin vielleicht daher ein Fan von Büchern die versuchen den Naturwissenschaften ihren Zauber zurückzugeben, der die Leser staunen läßt und ihnen nicht einzig und allein Seite um Seite Formeln um den Kopf haut. Üblicherweise habe ich eine größere Affinität zu anglo-amerikanischen Autoren, die mir oft zugänglicher erscheinen, Wissen humorvoller vermitteln. Eine Besprechung bei Jarg und – ich gebe es beschämt zu – das wunderschöne Cover – haben mich auf „Die Verzauberung der Welt“ aufmerksam gemacht.

Der erste Blick täuscht uns. Worauf es ankommt, ist der zweite Blick, und der zeigt Folgendes: Wissenschaft beginnt immer noch mit rätselhaften Erscheinungen der Natur, aber sie wandelt sie nicht mehr in verständliche Antworten um, sondern in solche, die noch rätselhafter sind als das Ausgangsphänomen. Wissenschaft entwertet nichts, von dem, was sie erklärt. Vielmehr verwandelt sie die wundersamen Geheimnisse der Wirklichkeit in die noch größeren Geheimnisse ihrer Erklärung. Und mit dieser Einsicht kehren wir zur Ausgangsfrage nach der guten Antwort zurück.

Ernst Peter Fischer berichtet über wichtige Entdeckungen berühmter Forscher wie Werner Heisenberg, Max Planck, Albert Einstein oder Peter Higgs. Er versucht Verbindungen herzustellen zwischen Kunst, Literatur und Philosophie und orientiert sich dabei, einem roten Faden gleich, an Novalis:

„Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen eine geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, romantisiere ich es.“

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„Wir können alle dasselbe wissen, müssen aber nicht versuchen, dies mit denselben Symbolen zu erreichen.“

„Wenn Döblin sich beklagt, dass er den Kosmos nicht verstehen kann, weil er mit den mathematischen Begriffen nicht zurechtkommt, dann versucht er ein grundlegendes Bedürfnis durch ein unpassendes Argument zu rechtfertigen. Man muß ihm keinen Nachhilfeunterricht in Tensoranalysis geben. Man muß ihm ein Symbol oder ein Bild vorlegen, das seine Wahrnehmung anspricht, und zwar so, dass dabei das Bild des Kosmos entsteht, das Einstein versteht.“

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Foto: Scientific American

Ich habe den Zauber eines wissenschaftlich-romantischen Blicks auf die Welt ganz deutlich gespürt, auch wenn kritischere Stimmen dem Buch gelegentliche Längen vorwerfen oder wen genau das Buch erreichen soll. Mich hat es erreicht und ich kann es nur allen weiterempfehlen, die wie ich gerne die „romantischen“ Seiten der Naturwissenschaften suchen, die staunen wollen, weiterfragen, weiterlesen. Eine Zeitschrift (und der dazugehörige Blog) die ebenfalls die Verbindung von Naturwissenschaften, Kunst, Kultur und Philsopie propagiert und dabei ganz ausgezeichnetes storytelling praktiziert ist Nautilus.

„Farben sind der Ort wo unser Gehirn und unser Universum sich begegnen“ (Paul Cézanne)

„Echte Probleme haben keine Lösung, sondern eine Geschichte“ (Nicolaus Gomez Davila)

Ansonsten halte ich es mal mit Herrn Dawkins, der wegen seines militanten Atheismus nicht ganz unumstritten ist, den ich aber sehr gerne lese:

„Science is interesting, and if you don’t agree, f**k off!“

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Foto: Scientific American

„Die Verzauberung der Welt“ ist im Pantheon Verlag erschienen.