Meine Woche

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Gesehen: „The Handmaid’s Tale“ (2017) Grandiose Serien-Verfilmung von Margaret Atwoods gleichnamigem Buch mit Elizabeth Moss, Samira Wiley und Joseph Fiennes. Düster, beeindruckende Bilder, jeder Emmy ist hier wirklich verdient.

Solaris“ (2002) von Steven Soderbergh mit George Clooney und Viola Davis. Verfilmung von Stanislaw Lems gleichnamigem Roman. Wenn er auch nicht ganz an die russische Verfilmung aus dem Jahr 1972 rankommt, unbedingt sehenswert.

Gehört: „If you really love nothing“ – Interpol, „Lucid Intrusion“ – Ajna, „Violence“ – Skaen, „Islands“ – Frida Sundemo, „Die Unendlichkeit“ – Tocotronic, First Sleep – Cliff Martinez, „Unconquered“ – thisquietarmy

Gelesen: über den Rausschmiss von Barbara Laugwitz, das Geschäft mit Fake News, How to start a Book club, the paradox of Karl Popper, diesen Artikel über Katherine Johnson aus Hidden Figures

Getan: mit Michael Ondaatje Geburtstag gefeiert, ein spannendes literarisches Dinner im Walter & Benjamin und Dublin unsicher gemacht

Geplant: ein richtig gutes Bootcamp durchführen

Gegessen: unglaublich gutes koreanisches BBQ im Arisu in Dublin

Getrunken: Guinness und Jameson Black Barrel

Gelacht: über irish jokes

Geärgert: das die Literary Pub Tour ausgebucht war

Gefreut: über die tolle Zeit in Dublin

Geklickt: Everything we know about addiction is wrong und auf dieses Interview mit Aldous Huxley

Gewünscht: eigentlich alles aus dem Shop der Science Gallery

Gekauft: Bücher und Whisky

Gestaunt: über die Bibliothek im Trinity College – so wunderschön und über Ally Sherlock wir haben sie zufällig gestern auf der Straße singen hören (ohne zu wissen wer sie ist) mein Video ist nix daher schaut euch mal das an – unglaublich

Gefunden: nix

Gedacht: Youth is a wonderful thing. What a crime to waste it on children (George Bernard Shaw))

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#WomeninSciFi (35) The Heart goes last – Margaret Atwood

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Die Sci-Fi Women haben einen freien Sonntag gefordert, was will man machen – da fügt man sich natürlich. Deshalb ab jetzt #WomeninSciFi immer samstags. Heute hat die Grand Dame der speculative Fiction das Zepter in der Hand:

Gute Dystopien oder Atwoods bevorzugter Begriff „spekulative Fiktion“ sagen viel mehr über unsere aktuellen Probleme und den Zustand unserer Gesellschaft aus, als über eine mögliche Zukunft. Dieses Genre beherrscht Atwood einfach. Dieser Roman ist nicht ganz so stark wie die „Oryx und Crake“ Reihe, aber ein etwas schwächerer Atwood ist immer noch besser als vieles andere.

Wenn man auf der Straße lebt, weil die Wirtschaft komplett zusammengebrochen ist und so gut wie nichts mehr funktioniert oder die Gesellschaft zusammenhält, man sich vor marodierenden Banden schützen muss, bekommen auch extreme Angebote eine gewisse Attraktivität.

Charmaine und Stan, beide etwa Mitte Dreißig, sind nach dem Absturz aus ihrem Mittelklasse-Leben gezwungen im Auto zu leben, sie leben von Essensresten die sie finden, jeder Tag ein neuer Überlebensakt.

Das seltsame Angebot übermittelt sich ihnen in Form eines TV Spots in dem Interessenten für das Positron Projekt in Consilience (Wortspiel aus „Con“ für convict = Straftäter und „resilience“ = Anpassungsfähigkeit) gesucht werden. Der Deal: sie leben künftig einen Monat als glückliche Mittelstandsfamilie mit hübschem Haus, Motorroller und Arbeitsplatz – und einen Monat im Knast.

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Du bekommst alles auf dem Tablett serviert, aber während du im Knast bist, ziehen am Wechseltag deine „Alternates“ in dein Haus, sitzen auf deinem Sofa und essen von deinen Tellerchen. Musik- und Fernsehprogramm sind auf beruhigende Doris Day und Frank Sinatra Schmonzetten beschränkt, aber Beggers can’t be choosers und der eine Monat Knast lässt sich auch irgendwie überstehen und vielleicht hält es ja auch die Liebe frisch, wenn man sich immer nur alle zwei Monate sieht.

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Charmaine und Stan lassen sich auf den Deal ein und insbesondere Charmaine fällt es anfangs sehr leicht, die Werbetrommel-Ansagen der Positron Leitung zu glauben. Sie gleitet in ihr Stepford Wife Leben und ist eigentlich rundum glücklich, obwohl die ihr zugeteilte Aufgabe in der Euthanesie von unangepassten Außenseitern liegt. Der etwas skeptischere Stan arbeitet auf einer Hühnerfarm. Langsam aber sicher leben sich die beiden auseinander.

Als Charmaine dann eine Affaire mit ihrem „Alternate“ beginnt, wird alles richtig kompliziert und unabhängig voneinander merken Stan und Charmaine, was wirklich hinter den Gefängnismauern vor sich geht.

Das letzte Drittel des Buches wird dann recht bizarr mit seinen lebensechten Gummipuppen, den Heerscharen an Marilyn Monroe und Elvis Doubles und reichlich Sex. Kein Buch für moralisch schnell Erschütterte, aber eine spekulative Tour-de-Force, die sich mit Kapitalismus, Biotech, Neurowissenschaften und Identität beschäftigt.

„Would Doris Day’s life have been different, he muses, if she’d called herself Doris Night? Would she have worn black lace, dyed her hair red, sung torch songs?”

Auch wenn sie gelegentlich über das Ziel hinausschießt, man merkt Atwood an, wieviel Spaß sie beim Schreiben dieser seltsamen 50er Jahre Gesellschaftskonstellation hatte. Das Buch steckt voller spannender Ideen und Spekulationen, es ist teils Satire, teils Science Fiction und stellenweise unglaublich witzig.

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Seine Freiheit aufgeben für noch so edle Zwecke ist und bleibt eine schlechte Idee, egal wie heroisch das Set-up auch ursprünglich vielleicht ist, am Ende fliegen einem soziale Experimente wie diese einfach unweigerlich um die Ohren.

Ich habe das Gefühl, Atwood hat mit jedem Buch mehr Spaß am Schreiben. Von altersmilde oder ruhiger werden keine Spur. You go Girl, ich warte schon sehnsüchtig auf ihr nächstes Buch.

Hier ein tolles Interview zu „The Heart Goes Last“

 

Auf deutsch ist das Buch unter dem Titel „Das Herz kommt zuletzt“ im Berlin Verlag erschienen.

Canada by the Book III

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Und dann lag diese Brücke vor uns und die Zivilisation hatte uns wieder. Nach so viel Wäldern, Tieren und Natur freuten wir uns sehr, wieder Urbanität um uns zu haben. Wir waren sehr gespannt und wurden direkt beim Einchecken im Hotel in Vancouvers friendly gaybourhood sehr positiv überrascht:

 

 

Nicht nur, dass unser Hotel schon aus der Ferne durch seine Regenbogenfahne äußerst symphatisch auf uns wirkte, wir erhielten auch noch ein Upgrade auf eine Suite – so konnte der letzte Abschnitt der Reise gerne beginnen.

Vancouver ist eine wahnsinnig schöne Stadt, an unserem Ankunftstag feierten jede Menge francophine Menschen den WM-Sieg der Franzosen am Strand. Mir ist selten eine offenere, positivere Stadt begegnet, die ganz bestimmt auch ihre Schattenseiten hat, in den paar Tagen die wir da waren, haben wir aber davon nichts mit bekommen.

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Wir haben lecker gegessen, kilometerweit die Stadt durchstreift, ganz wunderbare Stunden im Aquarium und natürlich der beeindruckenden Bibliothek verbracht. Langeweile hatte keine Chance und abends saßen wir bis spät nachts auf dem Balkon im 23. Stock, ließen die Beine durchs Balkongeländer baumeln, tranken Wein und guckten Sterne.

 

 

Zum Abschluß gab es noch mal ein paar Tage entspannende Natur auf Vancouver Island mit ausgiebigen Wanderungen und viel Zeit um einfach nur am Meer zu sitzen.

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Auch auf Vancouver Island gab es eine Menge Bären, was unseren Wanderungen gelegentlich etwas Aufregung bescherte, die konnte schon recht einsam werden die Strecken und plötzlich hört und sieht man überall Bären 😉

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Selbst am Ende der Welt finde ich noch eine kleine Bibliothek:

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Den letzten Tag verbrachten wir in Victoria, der Hauptstadt von Vancouver Island. Selten ist uns ein Abschied nach einem Urlaub so schwer gefallen. Immer wieder schauen wir mal, was man zu den Einwanderungsbedingungen nach Kanada so finden kann….

 

Man kann natürlich unmöglich nach Kanada reisen ohne Margaret Atwood zu lesen und ich hatte beschlossen das Buch von ihr mitzunehmen, mit dem bei mir vor vielen Jahren das Atwood-Fieber begann. Auch wenn das Buch in Toronto spielt und nicht in Vancouver hat es für die Reise definitiv gepasst:

„Cat Eye“ – Margaret Atwood

 

 

Cat’s Eye ist die Geschichte von Elaine Risley, einer kontroversen Malerin, die für eine Retrospektive ihrer Arbeiten in ihre Heimatstadt Toronto zurückkehrt. Es wird für sie ein Erinnerungstrip in ihre Kindheit und Jugend, der sie an das Mädchen-Trio erinnert, mit denen sie zum allerersten Mal in ihrem Leben in die Geheimnisse von Freundschaft, Sehnsüchten und Betrügereien eingeweiht wird.

Es sind nicht nur positive Erinnerungen, die Wunden, die das Bullying ihrer zeitweise besten Freundin hinterlassen haben, sind tief. Elaine muss sich ihrer Identität als Tochter, Liebhaberin, Künstlerin und Frau bewusst werden und einen Weg finden, mit den quälenden Erinnerungen der Vergangenheit fertig zu werden.

“Another belief of mine: that everyone else my age is an adult, whereas I am merely in disguise.” 

Cat’s Eye ist Atwood at her best. Ein verstörender, mitfühlender, stellenweise irre komischer Roman, den man lange nicht vergessen kann und der auch beim Wiederlesen nichts von seiner aktuellen Prägnanz verloren hat.

Auf deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Katzenauge“ im Piper Verlag.

Danke, dass ihr solange mit mir in Kanada unterwegs wart. Ein ganz besonderes Land mit großartiger Landschaft und tollen Menschen. Wir werden definitiv wieder kommen – meine heimische Bibliothek hat noch einiges an kanadischen Autoren auf Lager, dass ich mitnehmen kann.

Hier geht es noch mal zum ersten und zweiten Kanada-Bericht.

Meine Woche

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Gesehen: „Moonlight“ (2016) von Barry Jenkins mit Trevante Rhodes und Janelle Monáe. Eine unglaublich poetisch-melancholische Liebesgeschichte mit phantastischen Bildern und wunderbarem Soundtrack.

A Ghost Story“ (2017) von David Lowery mit Rooney Mara und Casey Affleck. Ein poetisch leiser Film mit beeindruckenden Bildern und großartigem Soundtrack.

The Girl with all the Gifts“ (2016) von Colm McCarthy mit Sennia Nannua, Gemma Arterton und Glenn Close. Ein etwas anderer Zombie-Film der mir gut gefallen hat.

Gehört: „Neighborhood #2“ – Arcade Fire, „Their Helicopters Sing“ – Godspeed You! Black Emperor, „Eats Darkness“ – Apostle of Hustle, „Hug of Thunder“ – Broken Social Scene, „Mountains made of Steam“ – A Silver Mt Zion

Gelesen: Angela Merkel und die Roboter und Where do whales go when they die

Getan: in Montreal Streetart fotografiert und die Biosphere besucht, viel gewandert im Banff Nationalpark, Bären, Rentiere und Elche fotografiert und den kanadischen Mücken als all you can eat Buffet gedient 😉

Geplant: wandern im Jasper Nationalpark

Gegessen: Bison Burger

Getrunken: Kokanee Bier (lecker) und Lot40 Rye Whisky (bäh)

Gelacht: über die Rentiere (?) die in Banff über den Zebrastreifen gingen

Geärgert: über die Mücken

Gefreut: über die phantastische Landschaft

Geklickt: Jane Brown, the english Cartier-Bresson

Gewünscht: dieses Haus

Gekauft: ein Canada-Notizbuch und ein Tshirt

Gestaunt: wie unglaublich schön dieses Land ist und wie schwierig es ist hier Zeitungen zu finden

Gedacht: The answers you get from literature depend on the questions you pose (Margaret Atwood)

#WomeninSciFi (17) Der Report der Magd von Margaret Atwood oder Gilead ist überall

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Janine vom Blog „Frau Hemingway“ hat einen Literaturblog, auf dem ich mich wunderbar heimisch fühle. Ich streife an ihren Regalen entlang, nehme hier mal ein Buch raus, freue mich da wieder über eines, dass ich auch habe und bin ein wenig neidisch auf ihren Lesesessel, der unglaublich bequem aussieht und das coole Moby Dick Poster.

Sie hat sich mit Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ der wohl realistischsten und bedrohlichsten Dystopie gewidmet, die die Science Fiction Welt so zu bieten hat. Auf nach Gilead also, auch wenn es weh tut – hoffen wir, dass wir es so weit nie werden kommen lassen:

Nachdem Desfred zum ersten Mal das „Ritual“ über sich ergehen lassen hat, musste ich die Serie kurz pausieren und meinem Blick vom Fernseher abwenden. Das „Ritual“ findet an den fruchtbaren Tagen Desfreds statt und dabei versucht der Kommandant Fred, in dessen Haus Desfred leben muss, sie zu schwängern während die Ehefrau des Kommandanten Desfreds Hände festhält. Der Kommandant und dessen Frau tun so als würden eigentlich sie ein Kind zeugen; die Magd Desfred ist überhaupt nicht anwesend, obwohl sie gerade vergewaltigt wird. Es ist sowohl im Buch „Der Report der Magd“ als auch in der Serie „The Handmaid´s Tale“ eine sehr intensive und zugleich beängstigende Szene, leider gibt es von dieser Art Szene bei Margaret Atwood genügend und mein Herz würde auch in den neun weiteren Folgen der Serie nicht zur Ruhe kommen.

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Foto: Piper Verlag

„Der Report der Magd“ handelt von der Republik Gilead, die durch einen Staatsstreich von einer christlich-fundamentalistischen Gruppierung in den Vereinigten Staaten gegründet wird. Die Regeln dieses Staates sind sehr strikt und die Bibel dient als Rechtfertigung für alles. Am schlimmsten sieht es für die Frauen aus: Sie dürfen nichts besitzen, haben keinerlei Mitspracherecht und müssen die Rolle der kindergebärenden Hausfrau übernehmen. Das heißt, wenn die Frau noch Kinder gebären kann, denn ein Großteil kann es nicht mehr. Aus diesem Grund kommt Desfred auch so eine besondere Rolle als Magd zu. Die Mägde sind Frauen, die vor der Gründung Gileads bereits ein Kind geboren und also bewiesen haben, dass sie zeugungsfähig sind.

Gilead ist überall

Obwohl „Der Report der Magd“ in der Zukunft spielt, streitet Margaret Atwood vehement ab, dass ihr Buch Science-Fiction sei. Margaret Atwood definiert Science-Fiction als etwas, dass passiert, obwohl es heute noch nicht möglich ist. Das ist in „Der Report der Magd“ schlicht nicht der Fall, weil alles, was darin passiert, gab es bereits in der Vergangenheit oder gibt es in der Gegenwart. Die Geschichte von Desfred ist weitergesponnene Gegenwart und das macht Margaret Atwood sehr eindrucksvoll.

Besser als im Buch kommt dieser Punkt jedoch in der Serie zur Geltung: Hier lässt sich mittels der Rückblenden sehr leicht nachvollziehen, wie sich eine demokratische Gesellschaft in einen totalitären Staat verwandelt. Zum Beispiel wurde zuerst das Wahlrecht beschnitten, dann durften sämtliche Frauen kein eigenes Geld mehr haben und am Ende durften sie durch ein Berufsverbot auch nicht mehr arbeiten. Der Prozess von ein paar kleinen Gesetzesänderungen bis hin zu Desfreds gesellschaftlich-akzeptierten Gefangenschaft war schleichend und erinnert stark an das „Boiling Frog Paradigma“. Hierbei wird ein Frosch in einen Topf mit angenehm-temperierten Wasser gesetzt, anschließend wird dieses Wasser sehr langsam erhitzt und der Frosch wird sterben, weil er lebendig gekocht wird, aber eben nicht aus dem Topf springt. Der Mensch in einer Gesellschaft ist oftmals genauso lethargisch.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass Gilead auch hier sein könnte. Gilead könnte zu jeder Zeit überall entstehen. Es ist ein furchtbarer Gedanke, aber er kommt beim Lesen des Buchs oder Sehen der Serie immer mal wieder in den Vordergrund. Es wird zwar die Geschichte Desfreds erzählt, aber genauso gut könnten es auch du und ich sein, die gemeinsam zu einer Zusammenkunft der Mägde gehen, um jemanden steinigen zu müssen, der vermeintlich ein Verbrechen begangen oder auch einfach bei diesem ganzen Wahnsinn nicht mehr mitgespielt hat.

Mehr von Gilead:

  • Buch „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood (ISBN: 978-3492311168, Taschenbuch, Piper Verlag, 12,00 €)
  • Essay „Wie Utopia entstand“ im Buch „Aus Neugier und Leidenschaft – Gesammelte Essays“ von Margaret Atwood (ISBN: 978-3827006660, Hardcover, Berlin Verlag, 28,00 €)
  • DVD „The Handmaid´s Tale“ (Komplette Serie, 21,99 €)

Hier noch der link zur Rezension der englischen Folio-Ausgabe von „The Handmaid’s Tale“.

Shakespeare & Co – Hagseed

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„The Tempest / Der Sturm“ ist eines meiner Lieblingsstücke von Shakespeare. Ich habe es zweimal in London im Theater gesehen und mag auch die Verfilmungen von Peter Greenaway „Prospero’s Books“ mit der phantastischen Musik von Michael Nyman sowie Julie Teymors Verfilmung „The Tempest“ mit Helen Mirren als Prospera.

Ich habe mich besonders gefreut, dass meine Lieblingsautorin im Rahmen des Shakespeare Projektes Hand an den Sturm gelegt hat.

Felix ist Direktor des Makeshiwig Theater Festivals und ein großer Visionär, dessen ausgefallene Interpretationen von Shakespeares Stücken die Kritiker gleichermässen entzückt und verwirrt. Als er gerade dabei ist, mit „The Tempest“ sein bislang größtes Werk umzusetzen,wird er hinterrücks und heimtückisch von seinem Geschäftspartner verraten und aus seiner Position entlassen. Nach dem Tod seiner kleinen Tochter die schrecklichste Sache die ihm hat passieren können.

Er zieht sich völlig von der Außenwelt zurück, verletzt, gedemütigt und einsam. Nach 12 Jahren kommt er aus seinem selbstgewählten Exil und nimmt eine Stelle als Theaterlehrer in einem nahegelegenen Gefängnis, Fletcher County Correctional Institute, an.  Dort ergibt sich nach einer Weile nicht nur die Gelegenheit, endlich „The Tempest“ aufzuführen, sondern auch umfassend Rache zu nehmen an denen, die ihn vor Jahren so hinterhältig verraten haben.
“Suddenly revenge is so close he can actually taste it. It tastes like steak, rare.” 

Hag-Seed ist überaus klug konstruiert und eine gelungene Nacherzählung. Felix als Prospero, der mit einem Haufen verurteilter Verbrecher eine ganz eigene phantasievolle und ungewohnte Version des Stückes präsentiert. Meines Erachtens schafft es Atwood, das Stück auch Menschen nahezubringen, die es nie auf der Bühne gesehen haben.
„But The Tempest is a play about a man producing a play – one that’s come out of his own head, his ‚fancies‘ – so maybe the fault for which he needs to be pardoned is the play itself.“

Felix‘ schon an Besessenheit grenzender Wunsch „The Tempest“ aufzuführen, hat aber nicht nur mit Rache zu tun. Seine Intentionen wurzeln in tiefer Trauer um seine verstorbene Tochter Miranda, der er mit der gleichnamigen Rolle im Stück ein Denkmal setzen möchte.

This Tempest would be brilliant: the best thing he’d ever done. He had been – he realizes now – unhealthily obsessed with it. It was like the Taj Mahal, an ornate mausoleum raised in honor of a beloved shade, or a priceless jeweled casket containing ashes. But more than that, because inside the charmed bubble he was creating, his Miranda would live again.

Das Gefängnis als Insel, wo Felix alias Prospero seinen Coup plant, wo er sich nach der jahrelangen Demütigung über seine Feind erhebt, Gerechtigkeit erwirkt und seine Strafen verteilt, wo diese fällig sind.

Shakespeare ist einer, wenn nicht der größte Geschichtenerzähler der Welt. Seine Geschichten sind nicht nur brilliant, sondern absolut zeitlos. Seine Charaktere sind authentisch, egal ob sie im 16. oder im 21. Jahrhundert leben und man kann sich sehr gut mit ihnen identifizieren.

Mit dieser Basis hat Margaret Atwoods scharfsichtig  die Themen des „Tempest“ auf das Leben von Felix übertragen, der mehr und mehr zu Prospero wird. Als er die bittere Pille der Rache zu schmecken beginnt, zeigen sich feine Risse in seinem Verstand und fast wird er von seiner besessenen Verzweiflung bezwungen, doch er schafft den Weg zurück.

Großartig geschrieben, große Liebe: Shakespeare + Atwood, was für eine wunderbare Kombination, da würde ich gerne mehr lesen, aber ich freue mich auch auf die noch kommenden in der Reihe. Hier noch einmal alle im Überblick:

  • Jeannette Winterson – The Gap of Time (A Winter’s Tale)
  • Ian McEwan – Nutshell (Hamlet)
  • Howard Jacobsen – Shylock is my name (The Merchant of Venice)
  • Anne Tyler – Vinegar Girl (The Taming of the Shrew)
  • Jo Nesbo – Macbeth
  • Tracy Chevalier – New Boy (Othello)
  • Edward St. Aubyn – Dunbar (King Lear)
  • Gillian Flynn – Hamlet

Eine tolle Rezension zu „Hagseed“ findet ihr auch bei schiefgelesen.

Margaret Atwood hat sich im Übrigen auch mit dem Thema Gefängnis-Reformen beschäftigt, dieses Video fand ich ganz spannend:

Auf deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Hexensaat“ im Knaus Verlag.

Meine Woche

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Gesehen: „Mute“ (2018) von Duncan Jones mit Alexander Skrasgard. Ich würde vermutlich auch die Ästhetik aus Blade Runner klauen, wenn ich mal einen Film mache, aber geklaute Noir Anleihen aus allen Filmen dieses Genres machen noch keinen richtigen Film. Das war nix.

Gehört: „Keep the streets empty for me“ – Fever Ray, „If I had a heart“ – Fever Ray, „Orthodox Tales“ – Andrew Sherwell,  „The Cause of Labour is the hope of the world“ – Johann Johansson, „Flume“ – Hundreds ft Wallis Bird, „Wonder Woman’s Wrath“ – Rupert Gregson-Williams, „Clara“ – Richard Luke

Gelesen: über den Niedergang des Uber-Chefs Travis Kalanick, the dangers of automating inequality, the female price of male pleasure, the real Burning Man, Margaret Atwood über die Renaissance der Geschichte der Dienerin, why the end of cash could be the end of freedom

Getan: meditiert, ein neues Leadership-Trainingsmodul konzipiert, das Fever Ray Konzert besucht, einen London-Trip gebucht und mit Freunden lecker japanisch gegegessen

Geplant: erfolgreiche Meetings in Dortmund

Gegessen: Gado Gado

Getrunken: japanisches Bier

Gelacht: yep das beschreibt mich 100%

Geärgert: das in letzter Zeit ständig zu kleine Hallen für Konzerte gebucht werden und man immer weniger sieht

Gefreut: über unseren kalten aber wunderschönen Winterspaziergang gestern bei blauem Himmel und strahlenden Sonnenschein

Geklickt: auf diesen TED Talk mit Futurist Stewart Brand, Naomi Aldermans Interview mit Ursula LeGuin

Gewünscht: diesen Handfeger, diesen Notizblock, diese Wasserpflanzen

Gefunden: im Bücherschrank: Hildegard Hamm-Brücher „Der Politiker und sein Gewissen“, Kierkegaards Briefe und Patrick Dixons „The Future of Almost Everything“

Gekauft: dieses Regal, dieses Tshirt und dieses Buch und dieses

Gestaunt: über diese japanischen Trucks

Gedacht: “You cannot easily fit women into a structure that is already coded as male; you have to change the structure.” (Mary Beard)