Zelda und F. Scott Fitzgerald

Kyra Stromberg – Zelda und F. Scott Fitzgerald

 

Zelda und F. Scott Fitzgerald waren das wahrscheinlich bekannteste Paar Amerikas in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Sie waren beide schön, berühmt und furchtlos. Er der Autor, der seinen Durchbruch schon in jungen Jahren machte, auch wenn die Kritiker ihn lange nicht ganz ernst nahmen.

Sie eine überaus ambitionierte Frau, die einen erfolgreichen Mann an der Seite haben wollte und selbst viel erreichen wollte. Zusammen waren sie ein rauschendes Paar, dass stets im Scheinwerferlicht stand und stehen wollte, sich aber alles andere als gegenseitig gut getan hat.

Zelda Sayre, die Tochter eines Richters aus Alabama, war eine junge Frau, die gleichfalls einiges an literarischem Talent mit sich brachte. Ihre Briefe, Tagebücher und ein Roman sind leider alles, was davon übrig geblieben ist. Zelda war Scott Fitzgeralds Muse und Inspirationsquelle  “I truly have married the heroine of my novels,” äußerte der Autor 1921 in einem Interview.

F Scott Fitzgerald meldete sich 1917 zum Militärdienst als Lieutenant, ihm wurde aber recht schnell klar, dass er nicht wirklich für’s Militär gemacht war. Während dieser Zeit schreibt er seinen ersten Roman „The Romantic Egoists“, der später unter dem Titel „This Side of Paradise“ veröffentlicht wurde. Der Roman wurde 1920 veröffentlicht, als F Scott 23 Jahre alt war. 1918 traf er Zelda auf einem Ball in der Nähe von Montgomery, Alabama. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick und er bat sie schon nach kürzester Zeit um ihre Hand, sie lehnte jedoch ab. Um sie für sich zu gewinnen, beschloss er reich und berühmt zu werden.

Das allerdings stellte sich doch als schwerer als geplant heraus. Sein erster Roman fand keinen Verlag und er sah sich gezwungen, einen Job in einer Werbeagentur anzunehmen, wo er für 90 US$ im Monat Werbesprüche für Anzeigenkampagnen erstellte. Als er endlich einen Verlag fand und sein Roman veröffentlicht wurde, stellte er Zelda erneut einen Heiratsantrag und wurde dieses Mal tatsächlich erhöht.

Sie antwortet auf seinen Antrag:

Scott, my darling, Everything seems so easy and simple; this golden dawn. The fact I know I’ll be yours forever–that I belong to you–is truly liberating after all the tensions during the past month…. Waiting doesn’t seem so hard. I love you, my treasure…”

Hemingway war nicht der einzige Freund, der die Verbindung der beiden eher kritisch sah. Auch Alexander McKaig schrieb folgendes in sein Tagebuch:

“I visited Scott Fitz and his wife, a very dramatic, provincial Southern belle. She chews gum and shows her knees. I don’t think this marriage can last. Both of them get drunk. I think in a few years they’ll be divorced. Scott will write something important and die at the age of 23 in an attic…“Fitz should leave Zelda alone and stop chasing her…. The sad thing is that Fitz is completely overwhelmed by Zelda’s personality…. She’s the role model for all the feminine characters in his novels…”. Despite these critical remarks, even the author of the journal was eventually seduced by Zelda’s charisma: “She’s, without a doubt, the most beautiful and intelligent woman I’ve met”. Arriving in New York to be close to her husband, Zelda created quite a sensation among her husband’s acquaintances. The couple prospered, also thanks to Scott’s literary success.

1925 wurde „The Great Gatsby“ veröffentlicht. Mit dem Buch konnten sie erst einmal ihre Schulden zahlen. Die Kritiken waren anfangs alles andere als glorreich. Um die ständig steigenden Schulden zu begleichen, wanderten die Fitzgeralds nach Europa aus und Scott schrieb vorwiegend gut verkäufliche Kurzgeschichten am Fließband. Sein Freund Hemingway gibt ausschließlich Zelda die Schuld an der finanziell desaströsen Lage, dass Fitzgerald auf dem Weg war, ein Alkoholiker zu werden und er sein großes Talent an Kurzgeschichten verschleudert. Hemingway schreibt in einem Brief über Fitzgerald „He represents the greatest tragedy of a talent in our cursed generation”.

Zelda wußte, wie sehr Hemingway sie verabscheute und unterstellte den beiden ein homoerotisches Verhältnis, was beide jedoch vehement abstritten. Sie versuchte zunehmend, als eigenständige Künstlerin wahrgenommen zu werden und litt darunter, sich als Fitzgeralds persönliche Flappergirl-Muse zu fühlen, deren Exzentrismus als Vorlage in ihrem Tagebuch wohlgelitten war, ihn in seiner Ehefrau jedoch zunehmend störten. Sie stritten regelrecht, wem die Erinnerungen in Zeldas Tagebuch gehörten und er verbot ihr, diese in eigenen Texten zu verwenden.

1929 war kein gutes Jahr für das Paar. Scott kam nur langsam mit seinem vierten Roman voran, was seine Depressionen weiter verschlimmerte. Er hat das Gefühl nach dem „Gatsby“, fast 50 Kurzgeschichten, Artikeln und Filmvorlagen leer geschrieben zu sein. Dazu kommt das ausufernde Partyleben in exklusiven sozialen Zirkeln, das viel Kraft kostet. Zelda kämpft zu dieser Zeit mit eigenen psychologischen Problemen und versucht sich stärker in die Kunst zu stürzen. Sie veröffentlicht ebenfalls einige Kurzgeschichten, einige wurden in beider Namen veröffentlicht, sie muß jedoch hinnehmen, dass die Geschichten deutlich mehr Geld einbringen, wenn sie von Scott alleine unterzeichnet sind. 1930 lebt sich das Paar immer weiter auseinander. Zelda isoliert sich zunehmend in ihrer eigenen Welt und benimmt sich aus Scotts Sicht seltsam.

Sie ist eine begnadete Tänzerin, nimmt Unterricht bei der berühmten Madame Egrova, diese ist beeinduckt von ihrem Talent, ist aber der Meinung sie habe zu spät begonnen ernsthaft zu tanzen und sieht keine Chance, dass Zelda eine professionelle Tänzerin wird. Dennoch gibt sich sich einem erschöpfenden Training hin, das achtstündige Training hätte wohl auch eine wesentlich jüngere Frau erschöpft. Sie wollte nicht mehr nächtelang mit Scott um die Häuser ziehen und Parties feiern. Scott war wütend über ihren Mangel an Aufmerksamkeit, ihre Obsession mit Madame Egrova und geht weiterhin alleine auf Sauftouren und Parties. Ihre Streitereien werden zunehmend heftiger, auch weil Zelda nicht mehr die Rolle des gehorsamen Flapper Girls spielen wollte, aus deren Leben und Tagebucheinträgen Scott sich das Material für seine Bücher und Kurzgeschichten holte.

1932 verschlechtert sich ihr Zustand und sie kann auch nicht mehr für die gemeinsame Tochter sorgen. Ihr einziger Roman „Save Me the Waltz“ wird noch im gleichen Jahr veröffentlicht. 1934 jedoch wird sie nach einem Nervenzusammenbruch in eine Klinik in der Nähe von Baltimore eingewiesen.

Das war der Anfang vom Ende. Zelda sollte bis zu ihrem Lebensende immer wieder längere Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen haben. Scott und Zelda bleiben bis zu ihrem jeweiligen Lebensende freundschaftlich miteinander verbunden. Scott versucht sein Glück in Hollywood, wo er recht erfolglos Drehbücher schreibt. 1940 stirbt Scott ganz plötzlich an einem Schlaganfall mit nur 44 Jahren. Er hinterlässt den unvollendeten Roman „The Last Tycoon“.

Der Autor wurde diskret und ohne große öffentliche Anteilnahme beerdigt, nur von ein paar engen Freunden begleitet. Nur 8 Jahre später stirbt Zelda bei einem Feuer in der Klinik, in der sich Zelda zu diesem Zeitpunkt aufhielt.

Die beiden bleiben jedoch für immer das goldene Paar der zwanziger Jahre. Auf dem Grabstein stehen beide Namen: F. Scott Fitzgerald und Zelda Sayre. Die Getrennten endlich vereint? Das versöhnliche Bild erscheint gewagt. Vielleicht ließe sich vorsichtiger daraus lesen: Zwei Unvereinbare, deren Verbindung sich nie auflöste.

Die Grabinschrift ist der letzte Satz aus dem „Großen Gatsby“. Sie gilt für beide: „So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom – und treiben doch stetig zurück, dem Vergangen zu.“

F. Scott Fitzgerald – The Last Tycoon

Ich bin nicht sicher, warum dieses Buch von ihm mich derart mitgenommen hat. Das hätte doch „The Great Gatsby“ sein sollen, den ich natürlich auch sehr mochte. Ich werde das Gefühl nicht los, dieses Buch hätten den „Gatsby“ überflügelt, wenn er die Chance gehabt hätte, es fertig zu stellen.

“These lights, this brightness, these clusters of human hope, of wild desire—I shall take these lights in my fingers. I shall make them bright, and whether they shine or not, it is in these fingers that they shall succeed or fail.”

Dieser Roman ist selbst in seiner Unfertigkeit wunderbar subtil und aufrüttelnd. Die Charaktere sind ein bisschen so, wie die aus dem „Gatsby“ hätten sein können. Fitzgerald behandelt seine Frauenfiguren und Minderheiten deutlich besser als in seinen anderen Werken.

Die Geschichte spielt in Hollywood in den 1930er Jahren und Hollywood ist genauso glamourös und halbseiden wie die Parties im „Great Gatsby“ und wie Fitzgerald auch schreibt, eine notwendige Ablenkung vom Krieg der immer stärker heraufzuziehen drohte.

“People fall in and out of love all the time. I wonder how they manage it.” 

Der Protagonist dieses Romans, Monroe Stahr, unterscheidet sich von denen aus seinen anderen Protagonisten. Star ist ein hart arbeitender Mann mit einem selbstgenügsamen Charakter. Er ist kein Playboy, sondern ein überaus talentierter Produzent, der oft rund um die Uhr an den schwierigsten Aufgaben arbeitet, auch um den Gedanken an den Tod seiner Frau zu entfliehen. Schon damals wurde in solchen Fällen Benzedrine geschluckt, wenn einfach noch keine Zeit zum schlafen war und Stahr scheint ebenfalls überwiegend von Dorgen und Kaffee gelebt zu haben.

Die Atmosphäre Hollywoods ist unglaublich lebendig eingefangen. Die Liebesgeschichte(n) sind weitestgehend zweitrangig. Dies ist überwiegend ein Buch über die Industrie und die mächtigen Männer, die sie dominieren. Die Probleme zu dieser Zeit waren hauptsächlich der aufkommende Kommunismus, die Zensur, die Gewerkschaften  und die knappen Studio Budgets. Es war eine Zeit, in der der Durchschnittsamerikaner noch so unter den Nachwirkungen der großen Depression zu leiden hatte, das ein Kinobesuch einen fast unmöglichen Luxus darstellte. Klassenunterschiede waren zu der Zeit noch deutlich spürbarer und die Reichen hatten häufig Angst vor einem Aufstand der Arbeiterklasse.

Stahr ist einer der letzten „Prinzen Hollywoods“, die den Studios Millionen einbringen und dessen Entscheidungen stets Erfolge nach sich ziehen. Als während eines Erdbebens Wasser in eines der Studios eindringt, erblickt er plötzlich zwei Frauen, die auf dem Kopf der indischen Göttin Shiva (Bühnendeko) sitzen und an ihm vorbeifließen. Eine der beiden Frauen sieht exakt aus wie seine verstorbene Ehefrau. Es ist der Beginn einer Liebesgeschichte, die ihn am Ende zerstören wird.

Einer der besten Romane, der über Hollywood je geschrieben wurden, der auf Fitzgeralds eigenen schmerzvollen Erfahrungen als Drehbuchschreiber basiert. Es war richtig gehend schmerzhaft, den Roman zu lesen, mit dem Wissen, dass Fitzgerald ihn nie beenden konnte.

Oh man Fitzgerald, wenn Du doch nur ein einziges weiteres Jahr gelebt hättest.

Darf es noch ein bissl mehr sein von den fulminaten Fitzgeralds? Dann hätte ich hier noch etwas von Zelda: „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ und hier noch etwas von F. Scott, der berühmte „The Great Gatsby

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Meine Woche

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Gesehen: „Certain Women“ (2016) von Kelly Reichardt mit Kristen Stewart und Michelle Williams. Berührende Episoden aus Montana, die Provinz ist depri und brutal. Sehr guter Film.

Ghostbusters“ (2016) von Paul Feig. Keine Ahnung was die Empörung sollte, ich fand den Film sehr witzig und ich finde nicht so schnell was witzig 😉 Und Sigourney war dabei!

Citizienfour“ (2014) von Laura Poitras. Spannende Dokumentation über Edward Snowden. Unbedingt anschauen.

Z – The Beginning of Everything“ (2015) – Fernsehserie über Zelda und Scott Fitzgerald mit Christina Ricci. Serie über das Leben von Zelda Sayre und ihre Beziehzung zu F Scott Fitzgerald. Gibt nur 1 Staffel, gefiel mir gut, aber bei dem Akzent brauchte ich Untertitel – hilfe 😉

Gehört: The XX – „Say Something Loving“ Hauschka „Stromness“ und „My family lived here“ Le Trio Joubran „Maser„, The Kills „Whirling Eye“ Ashan „Fulfilling the Promise absolute

Gelesen: Chimamanda Ngozi Adichie on Feminism, diesen Artikel aus der Zeit zum Gender-Marketing Blödsinn, warum Margaret Atwood mehr Hoffnung mit Blick auf die Zukunft hat als viele ihre Leser, Stephen Hawking glaubt unsere Gier und unsere Dummheit könnten das Leben auf der Erde beenden und diesen Artikel über Transhumanismus

Getan: mich viel mit Change und meinem Tech Training beschäftigt, im Kino und auf einem Konzert gewesen, mit einer Freundin Hamburg unsicher gemacht und die Nacht durchgerockt

Geplant: das maximale aus der Konferenz rausholen nächste Woche

Gegessen: Banh Mi und leckeren Fisch im Portugiesen-Viertel

Getrunken: Astra

Gelacht: Sometimes you run into people who change your life for the better. Those people are called bartender.

Geärgert: das ich John Malkovich am Freitag abend verpasst habe

Gefreut: den wunderbaren Schwiegerdrachen getroffen und so viel Spaß gehabt

Gewünscht: den Barisieur, diese Leuchtschrift, dieses Tshirt

Geklickt: Why facts don’t change your mind aus dem New Yorker

Gekauft: ich hoffe auf einen schönen neuen St Pauli Hoody

Gefunden: den Ständer mit den kostenlosen Zeitungen und Zeitschriften bei Lufthansa

Gewundert: wie ungewohnt es geworden ist, wenn in Kneipen geraucht werden darf – ich kam mir irgendwann vor wie’n Räucherfisch 😉

Himbeeren mit Sahne im Ritz – Zelda Fitzgerald

Zelda Fitzgerald wird oftmals erwähnt als „Ehefrau von F. Scott Fitzgerald“, dabei war  diese intelligente, unkonventionelle und lebenshungrige Frau so viel als nur Ehefrau. Denn sie konnte auch mehr, als nur Ehefrau sein. Das sie selbst Talent zum Schreiben hatte, zeigt sich spätestens in dem jetzt veröffentlichten Buch „Himbeeren mit Sahne im Ritz“, das Erzählungen enthält, die teilweise unter ihrem, aber auch unter dem Namen ihres Mannes erschienen sind, einfach, weil seine Berühmtheit mehr Geld einbrachte.

Die Erzählungen handeln ausschließlich von starken Frauen die ausziehen, die Welt zu erobern, entgegen der Konventionen der damaligen Zeit leben und sich als Frau behaupten. Sie portraitiert lebenshungrige, mutige und zeitweise etwas verrückte Frauen in den 20er und 30er Jahren auf dem Weg zur Selbstverwirklichung.

„Im Stillen erwartete sie Großes vom Leben, und zweifellos war das einer der Gründe, warum das Leben ihr Großes gewährte.“

Gleich in der ersten Erzählung wird der Protagonistin Gracie eine größere Rolle in einem Film versprochen, doch am Ende ist es mehr die Nebenbesetzung, als die Hauptrolle. Doch Gracie verzagt nicht und kommt am Ende noch zu ihrem – wenn gleich auch etwas anderen – Triumph. Es gibt zwischendurch auch sehr amüsante Stellen:

„Ich habe erlebt, wie die Butler und anderen Bediensteten um sie herumwirbelten wie Schneeflocken, sobald sie zum Weihnachtsball erschein, und ich habe mich gefragt, woher sie diese spontane Autorität nahm, denn selbst bei den feierlichsten Anlässen sah sie nie anders aus als eine sehr junge Frau mit sehr sauberen Ohren.“

Mir haben nicht alle Geschichten gleich gut gefallen, aber das ist ja auch normal. Die Männerwelt spielt in allen Erzählungen nur eine untergeordnete Rolle. Die Sprache der Erzählungen ist wahrscheinlich am besten als farbenfroh-blumig zu beschreiben.

„Für viele Menschen ist die Liebe so trügerisch wie die Marmelade in „Alice im Wunderland“ – gestern Marmelade, morgen Marmelade, nur heute gibt es keine. Jedenfalls nicht für Miss Ella, die immer noch von der Marmelade vergangener Tage zehrte und im Leben die Gefühle nur streifte, wie ein Vogel, der dicht über der Wasseroberfläche fliegt und dessen Flügel glitzernde Tropfen in die Luft wirbeln.“

Es macht Spaß, einen kurzen (zuweilen jedoch etwas zu kurzen) Einblick in die unterschiedlichen Leben und Charaktere zu bekommen. Das gelungene Cover verdient nochmals eine extra Erwähnung. Da musste natürlich das passende Badewasser her 😉

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Ich danke dem Manesse Verlag für das Rezensionsexemplar!

The Paris Wife – Paula McLain

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Unsere Juni Bookclub Lektüre beamt uns ins Paris der frühen 20 Jahre und beleuchtet die Zeit, die Hemingway in „A moveable Feast“ beschrieben hat, hier aus der weiblichen Perspektive seiner ersten Frau Hedley. Der blutjunge, gerade von seinen Verletzungen aus dem 1. Weltkrieg genesene Hemingway trifft in St. Louis die ein paar Jahre ältere, schüchterne Hadley Richardson.

Nach einer kurzen aber intensiven Werbe- und Balzphase heiraten die beiden und segeln schon kurze Zeit später nach Paris, wo sie nach anfänglichen Schwierigkeiten mitten ins dekadent lebendige Jazz Paris der explosiv sprunghaften trinkfesten „Lost Generation“ rund um Gertrude Stein, Alice Toklas, Ezra Pound, Scott und Zelda Fitzgerald und anderen geraten.

Die Hemingways scheinen lange die sesshaftesten und „normalsten“ zwischen all den wunderschönen Menschen, konkurrierenden Egos und leidenschaftlich Liebenden in ihrem Künstler-Freundeskreis zu sein.

McLain erzählt die bekannte Geschichte des sich quälenden unbekannten Künstlers, der eine ihn umsorgende, sich aufopfernde, ebenfalls unbekannte Frau heiratet und diese verlässt, als irgendwann aus dem unbekannten Künstler ein bekannter wird und sie nicht mehr interessant genug ist.

Auch wenn das nach Herzschmerz und Liebesschmonzette klingt und das Cover des Buches auch gefährlich danach aussieht, McLain schafft es mit ihrer ausgesprochen schönen Sprache, ein sich verfestigendes Bild zu zeichnen einer Beziehung, die nicht andauern konnte und gerade diesen Untergang der Beziehung beschreibt sie schneidend aber doch zärtlich, mit all seinen unschönen und schwierigen Phasen stets auf der Suche nach der absoluten Wahrheit.

Mir hat besonders gefallen, dass das hier eben keine Hemingway Biografie ist, sondern es sich um Hadley’s Geschichte handelt. Man spürt die tiefe Traurigkeit und auch ihre Hilflosigkeit.

“It gave me a sharp kind of sadness to think that no matter how much I loved him and tried to put him back together again, he might stay broken forever.”

Hemingway war schon bei seiner ersten Frau, wie auch bei allen anderen, stets auf der Suche nach einer vertrauensvollen Stütze, einem Menschen, der ihm die Kraft gibt, sich voll und ganz auf die Literatur zu stürzen. Als Hadley sein bis dahin komplettes literarisches Werk auf einer Zugfahrt verliert, beginnen sich für ihn erste Risse in seinem Vertrauen ihr gegenüber zu zeigen. Er brauchte uneingeschränkte Aufmerksamkeit und vollstes Vertrauen, beim geringsten Zweifel begann er sich nach der nächsten Frau umzuschauen, die ihm das bieten konnte und wollte.

“Sometimes I wish we could rub out all of our mistakes and start fresh, from the beginning,‘ I said. ‚And sometimes I think there isn’t anything to us but our mistakes.”

Hier ein Audio Clip in dem Hadley selbst über die verlorenen Manuskripte spricht:

Ich glaube, dass das einfach der Preis war, den Hemingway bereit war für seinen schriftstellerischen Erfolg zu zahlen und hat dafür die Frauen geopfert, wenn sie ihn nicht mehr unterstützen konnten oder wollten. Ich glaube nicht, dass er das böswillig getan hat, er war großzügig, insbesondere auch Hadley gegenüber, die sich nach der Scheidung nie mehr wiedergesehen haben, aber zumindest telefonisch in Kontakt blieben.

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Hemingway hat letzendlich einen hohen Preis gezahlt für seinen Erfolg, unglückliche Beziehungen, Süchte, Selbstmorde findet man ohne Ende in seiner Familie. Wer Hemingway und das Paris der 20er Jahre etwas besser verstehen will, dem kann ich „The Paris Wife“ nur empfehlen.

“He was such an enigma, really – fierce and strong and weak and cruel. An incomparable friend and a son of a bitch. In the end, there wasn’t one thing about him that was truer than the rest. It was all true.”

“Not everyone out in a storm wants to be saved”

Habe das Buch vor ein paar Jahren bereits als Hörbuch auf unserem Rucksack-Trip durch Laos gehört, Carrington MacDuffie war großartig und es war ein seltsames, aber spanenndes Gefühl gleichzeitig in Paris und in Luang Prabang zu sein.

Noch mehr 20er Jahre Feeling beschert im Übrigen Woody Allen’s „Midnight in Paris“, den man sich begleitend zum Buch unbedingt anschauen sollte.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Madame Hemingway“ im Aufbau Verlag.