Der Buchhändler von Archangelsk – Georges Simenon

simenon

Jonas Milk, ein vierzigjähriger jüdischer Flüchtling aus Russland lebt in einer französischen Kleinstadt und betreibt ein Buch-Antiquariat. Er liebt Briefmarken, Bücher und seine junge untreue Ehefrage Gina – die eines Tages zusammen mit seinen wertvollsten Briefmarken verschwindet. Eine dumme, unnötige Lüge seinerseits führt dazu das er immer stärker in den Verdacht gerät, mit dem Verschwinden seiner Frau etwas zu tun zu haben. Und dann meldet sich, kurz bevor es zu seiner Verhaftung kommt, doch noch jemand, der ihn ganz und gar von jeglicher Schuld reinwaschen könnte, aber er nutzt die Gelegenheit nicht.

Ein ganz typischer Non-Maigret ist das. Die Schreibweise ist wie immer sehr nüchtern und einfach, aber voll psychologischer Finesse. Er erinnert mich immer ein wenig an Patricia Highsmith, denn so einfach diese Krimis wirken, sie haben es in sich. Die Protagonisten in den Non-Maigret’s sind fast immer männlich, sind häufig sehr in ihren Routinen gefangen und verspüren oft aber nicht immer, dass in ihrem Leben etwas fehlt und werden durch ein außergewöhnliches aus ihrem Leben geworfen und plötzlich gelten Regeln dann nicht mehr. Die äußere Handlung spielt nur eine sekundäre Rolle. Simenon’s Beobachtungsgabe und Gespür für Atmosphäre sind außergewöhnlich.

Simenon wurde für seine Fließband-Schreibe häufig kritisiert. Im Laufe seines Lebens verfasste Simenon über 100 Romane etwa 150 Erzählungen und knapp 200 Groschenromane und über 1000 Kurzgeschichten unter verschiedenen Pseudonymen. Ironie war nicht seins und gelegentlich spürt man die mangelnde Qualität durch seine Hast beim Schreiben, aber seine Krimis sind trotzdem einfach gut und er hatte auch eine Menge berühmter Bewunderer. Von Andre Gide mit dem er eng befreundet war, über Walter Benjamin, Ernest Hemingway, Patricia Highsmith, Kurt Tucholsky, Dashiell Hammett, Thornton Wilder bis hin zu Gabriel Garcia Marquez, der ihn sogar für „den wichtigsten Schrifsteller unseres Jahrhundert“ hielt.

Seinen eigenen Angaben zufolge war er als Liebhaber ähnlich produktiv wie als Schriftsteller. Fellini gegenüber behauptete er einmal mit über 10000 Frauen geschlafen zu haben. Er ist nicht unbedingt liebevoll mit seinen Frauen umgegangen und zumindest eine seiner vier Ehefrauen landete nicht zuletzt auch seinetwegen vorübergehend in der Psychiatrie.

„Er log, und das war ein Fehler. Es wurde ihm in dem Augenblick klar, als er den Mund öffnete, um Fernand Le Bouc zu antworten; und aus Schüchternheit, letztlich aus einem Mangel an Kaltblütigkeit ließ er die Worte unverändert, die ihm über die Lippen kamen.“

Hier ein interessantes kurzes Interview mit Monsieur Piepeau:

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