Miss Wyoming – Douglas Coupland

coupland

Von Coupland hatte ich irgendwie schon jede Menge gehört. Kultbuch-Autor, Generation X – muss man gelesen haben, hatte ich bislang aber nicht.

Miss Wyoming hab ich letzten Sommer beim Radeln in einer Kiste mit „zu verschenken Büchern“ gefunden und jetzt wars dann mal so weit. Gar nicht einfach zu beschreiben, wie es mir gefallen hat. Es ist ein bißchen so, als wäre man zu lange mit dem Kopf unter Wasser gewesen und irgendwann hält man es nicht länger aus.

Ein atemloses Erlebnis, man hetzt von einer Episode zu anderen und muß stets auf der Hut sein, um nix zu verpassen. Er hat einen eigenwilligen Schreibstil, nutzt sehr abgefahrene Sprachbilder und irgendwie schafft er es, eine fast schon kitschige Liebes- und Selbstfindungsgeschichte zu erzählen, ohne das es wirklich ins Kitschige abdriftet.

Susan Colgate, die gar nichts mit Zahnprodukten zu tun hat, sondern früher Kinder-Schönheitskönigin und B-TV-Sternchen und John Johnson, ein Fan besonderer synthetischer Produkte und ein mehr oder weniger erfolgreicher Filmproduzent mit mehr Tiefen als Höhen, sind beide Experten für diverse Achterbahnen im Leben und beide sind mal für eine Weile aus ihrem Leben ausgestiegen.

Sie überlebt als einzige einen Flugzeugabsturz, mimt ihren eigenen Tod und verschwindet für ein Jahr. Nach und nach erfährt man, was ihr in diesem Jahr alles passiert ist.

John geht nach seinem Nah-Tod-Erlebnis, bei dem er irgendwie Susan Colgate zu sehen glaubt, auf eine quasi-philosophische Selbstentdeckungstour.Er verschenkt all sein Hab und Gut und lebt ein Jahr als Obdachloser und wandert ziellos durch die Gegend.

Die beiden begegnen sich im ersten Kapitel, verbringen ein paar Stunden spazierengehend miteinander und sind sehr voneinander angetan. John hat Susan in einem Nah-Tod-Erlebnis irgendwie gesehen und ist seitdem auf der Suche nach ihr. Warum, weiß er selbst nicht so genau, als er sie dann aber trifft, ist er sofort Hals über Kopf in sie verliebt. Sie aber verschwindet und er setzt alles daran, sie wieder zu finden.

Die Suche bringt so einiges an abgefahrenen Action, Zufällen, Obskuritäten und nach und nach erfährt man immer mehr über die beiden Protagonisten. Ein Road-Movie der besonderen Art.

Das Buch zeigt die harte Wirklichkeit hinter den pinkfarbenen Miss-Wahlen und wieweit Eltern gehen, um ihre Kinder zu dem zu machen, was sie selbst nie erreichen konnten.

Einige der Nebendarsteller waren sehr spannend, ich hätte gerne noch mehr über Vanessa gelesen, die brillante Lisbeth Salander-ähnliche Hackerin, den schmierigen Eugene oder die Numerolgin.

Coupland hat einen sehr speziellen Schreibstil, den man mögen muss. Mir hat das Buch ganz gut gefallen, auch wenn ich jetzt nicht direkt zum Fan geworden bin. Generation X werde ich aber bei Gelegenheit wohl noch lesen. Ein bisserl viel Hype, aber es ist definitiv unterhaltsam und besser geschrieben als so manch anderer Schmarrn.

„Er erinnerte sich, dass die Frau aus seiner Vision im Krankenhaus ihm das Gefühl gegeben hatte, es gäbe irgendwo auf dem fremden Todesstern, der sein Herz war, eine verwundbare Stelle, in die er eine Bombe hineinschmuggeln, sich damit in die Luft sprengen und aus den Überresten wieder neu zusammen setzen konnte.“

„Du bist liebenswert Vanessa. John zerbrach sich den Kopf, wie er das was er als nächstes sagen wollte, in Worte fassen konnte. Aber du musst dir die Brust aufreißen, frische Luft an dein Herz lassen und dir einen Sonnenbrand darauf holen, und das kann einem verdammt Angst machen.“

Und das ist mein Song zum Buch:
Arcade Fire „Rebellion“

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