Meine Woche

batman

Gesehen: „Mulholland Drive“ (2001) von David Lynch mit Naomi Watts. Mein absoluter Lieblingsfilm. Ab und an muss ich den sehen. Diese Bilder, die Musik und Los Angeles – unbedingte Empfehlung.

Aeon Flux“ (2005) von Karyn Kusama mit Charlize Theron. Stylischer Sci-Fi Film der überwiegend in Berlin gedreht wurde. Die Kritiken waren nicht besonders, mir hat er aber gefallen. Ich glaube Fans der ursprünglichen Serie fanden einige Fehler, da ich die nicht kenne – no prob.

Gehört: „Differance“ – Jambinai, „Echo of Creation“ – Jambinai, „Mulholland Drive“ – Angelo Badalamenti, „Llorando“ – Rebekah del Rio, „Diana and Camilla“ – Angelo Badalamenti, „Fire“ – Beth Ditto, „The Relical and Keeper“ – Graeme Revell

Gelesen: diesen Artikel über „Thick Data“, warum man zur Abwechslung verstärkt andere Menschen mögen sollte, statt alleiniger Selbst-Optimierung, Douglas Coupland findet „9-5 barbaric„, Herr Murakami spricht über sein neues Buch. Über den Koch und Reisenden Anthony Bourdain

Getan: ein paar krasse Informationen verdaut, einen inspirierenden Spaziergang am Maisinger See in toller Gesellschaft gemacht, mit dem Papa gefeiert und die Mandelblüten in der Mainzer Ritterstraße bewundert

Geplant: ein paar überfällige Anmeldungen abschicken

Gegessen: Spundekäs

Getrunken: Riesling-Schorle

Gelacht: Askhole – a person who constantly asks for your advice, yet always does the opposite of what you told them

Geärgert: über die nervigen Bauchschmerzen

Gefreut: wie sehr sich mein Papa über unser Dresden-Wochenende-Geschenk gefreut hat

Gewünscht: diesen Iglu, wenn ich einen Garten hätte, dieses Poster

Geklickt: auf John Steinbecks USA, Cynthia Nixon liest Emily Dickinson und auf diesen Guide mit dem man die Welt erlesen kann

Gekauft: Wein beim Winzer

Gefunden: meinen alten Schulpavillon wo ich die ersten 4 Schuljahre verbracht habe

Gewundert: schon wieder keine Verspätung mit dem Zug – hurra

Generation X – Douglas Coupland

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Ich lese Bücher grundsätzlich am liebsten im Original, aber bei keinem anderen als diesem hatte ich so sehr das Gefühl, die deutsche Übersetzung – so gut sie auch ist-  kann diesem Roman einfach nicht gerecht werden. Es ist sicherlich auch kein Roman im herkömmlichen Sinne, der Text gliedert sich in drei Teile mit insgesamt 32 kurzen Kapiteln.

Die Protagonisten sind der Student Andrew Andrew, Claire Baxter, hauptberuflich Tochter aus gutem Hause, und Dagmar (ist das in den USA wirklich ein Männername???) genannt Dag, ein ehemaliger Werbefachmann, die Anfang der 90er Jahre nebeneinander in Urlaubsbungalows in Palm Springs wohnen. Sie haben –  typisch für die Generation X – schlecht bezahlte unspannende McJobs, für die sie ziemlich überqualifziert sind und versuchen, gemeinsam ihrer Quarter-Life-/Slacker-Krise zu entkommen.

Die drei erleben ihren Alltag und sich selbst durch die Geschichten, die sie sich gegenseitig erzählen, manche persönlich erlebt, manche einfach erfunden. Die Charaktere, die in ihren Geschichten vorkommen, repräsentieren die unterschiedlichen kulturellen Typen wie Yuppies, Oldies etc. und bringen uns vor allem auch den drei Protagonisten näher.

Anfangs konnte ich mit den dreien nicht viel anfangen. Keine Ahnung, ob meine eigene Quarter-Life-Crisis so lange her ist, dass ich mich nicht mehr erinnere oder vielleicht habe ich meine auch einfach verpasst, auf jeden Fall dauerte es etwas, bis ich mit ihnen etwas mehr anfangen konnte. Denn aus heutiger Sicht ist das teilweise Jammern auf hohem Niveau. Aber wir sind auch viel stärker von Wirtschaftskrisen, tatsächlichen Kriegen etc. geprägt, als die Generation X Anfang der 90er Jahre, die immens frustriert war von der immer stärkeren gesellschaftlichen Fokussierung auf permanenten Konsum und die Kommerzialisierung von allem und jeden.

I just want to show society what people born after 1960 think about things… We’re sick of stupid labels, we’re sick of being marginalized in lousy jobs, and we’re tired of hearing about ourselves from others —Coupland, Boston Globe, 1991

Auch wenn es etwas dauerte bis ich drin war, es ist beeindruckt wie Coupland es schafft – in seinem typischen Couplandism mit seinen Wortspielen, Slogans etc. – den Zeitgeist einzufangen.

Ich habe beim Lesen immer wieder nach den entsprechenden englischen Originalstellen gesucht und war erstaunt, wieviele alltagstaugliche Wortschöpfungen im Englischen tatsächlich von ihm stammen. Der Mann ist das wandelnde Urban Dictionary wie mir scheint (McJob, Poverty Jet Set, Brazilification, Boomer Envy, Decade Bendig etc.)

Die größte Schwäche des Buches ist meines Erachtens gleichzeitig seine größte Stärke. Es fängt den 90er Jahre Zeitgeist so treffend ein, es ist als würde man durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum zurückgehen, aber es wirkt dadurch gleichzeitig auch in der Zeit stehen geblieben. Schadet ein zu starker Zeitbezug der nachhaltigen Wirkung?

“Starved for affection, terrified of abandonment, I began to wonder if sex was really just an excuse to look deeply into another human being’s eyes.”

Ich habe mir beim Lesen permanent vorgestellt, wie sie heute so drauf wären – Claire, Dag und Andrew. Was würden sie denken, über sich selbst damals?

“When someone tells you they’ve just bought a house, they might as well tell you they no longer have a personality. You can immediately assume so many things: that they’re locked into jobs they hate; that they’re broke; that they spend every night watching videos; that they’re fifteen pounds overweight; that they no longer listen to new ideas. It’s profoundly depressing. ”

Ob der Kultstatus des Buches verdient ist oder nicht, ich fand es wunderbar unterhaltsam und spannend und werde es wohl irgendwann einmal im Original lesen.

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Foto credit: http://coupland.com/

„I wonder that all things seem to be from hell these days: dates, jobs, parties, weather …. Could the situation be that we no long believe in that particular place? Or maybe we were all promised heaven in our lifetimes, and what we ended up with can’t help but suffer in comparison.“

Miss Wyoming – Douglas Coupland

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Von Coupland hatte ich irgendwie schon jede Menge gehört. Kultbuch-Autor, Generation X – muss man gelesen haben, hatte ich bislang aber nicht.

Miss Wyoming hab ich letzten Sommer beim Radeln in einer Kiste mit „zu verschenken Büchern“ gefunden und jetzt wars dann mal so weit. Gar nicht einfach zu beschreiben, wie es mir gefallen hat. Es ist ein bißchen so, als wäre man zu lange mit dem Kopf unter Wasser gewesen und irgendwann hält man es nicht länger aus.

Ein atemloses Erlebnis, man hetzt von einer Episode zu anderen und muß stets auf der Hut sein, um nix zu verpassen. Er hat einen eigenwilligen Schreibstil, nutzt sehr abgefahrene Sprachbilder und irgendwie schafft er es, eine fast schon kitschige Liebes- und Selbstfindungsgeschichte zu erzählen, ohne das es wirklich ins Kitschige abdriftet.

Susan Colgate, die gar nichts mit Zahnprodukten zu tun hat, sondern früher Kinder-Schönheitskönigin und B-TV-Sternchen und John Johnson, ein Fan besonderer synthetischer Produkte und ein mehr oder weniger erfolgreicher Filmproduzent mit mehr Tiefen als Höhen, sind beide Experten für diverse Achterbahnen im Leben und beide sind mal für eine Weile aus ihrem Leben ausgestiegen.

Sie überlebt als einzige einen Flugzeugabsturz, mimt ihren eigenen Tod und verschwindet für ein Jahr. Nach und nach erfährt man, was ihr in diesem Jahr alles passiert ist.

John geht nach seinem Nah-Tod-Erlebnis, bei dem er irgendwie Susan Colgate zu sehen glaubt, auf eine quasi-philosophische Selbstentdeckungstour.Er verschenkt all sein Hab und Gut und lebt ein Jahr als Obdachloser und wandert ziellos durch die Gegend.

Die beiden begegnen sich im ersten Kapitel, verbringen ein paar Stunden spazierengehend miteinander und sind sehr voneinander angetan. John hat Susan in einem Nah-Tod-Erlebnis irgendwie gesehen und ist seitdem auf der Suche nach ihr. Warum, weiß er selbst nicht so genau, als er sie dann aber trifft, ist er sofort Hals über Kopf in sie verliebt. Sie aber verschwindet und er setzt alles daran, sie wieder zu finden.

Die Suche bringt so einiges an abgefahrenen Action, Zufällen, Obskuritäten und nach und nach erfährt man immer mehr über die beiden Protagonisten. Ein Road-Movie der besonderen Art.

Das Buch zeigt die harte Wirklichkeit hinter den pinkfarbenen Miss-Wahlen und wieweit Eltern gehen, um ihre Kinder zu dem zu machen, was sie selbst nie erreichen konnten.

Einige der Nebendarsteller waren sehr spannend, ich hätte gerne noch mehr über Vanessa gelesen, die brillante Lisbeth Salander-ähnliche Hackerin, den schmierigen Eugene oder die Numerolgin.

Coupland hat einen sehr speziellen Schreibstil, den man mögen muss. Mir hat das Buch ganz gut gefallen, auch wenn ich jetzt nicht direkt zum Fan geworden bin. Generation X werde ich aber bei Gelegenheit wohl noch lesen. Ein bisserl viel Hype, aber es ist definitiv unterhaltsam und besser geschrieben als so manch anderer Schmarrn.

„Er erinnerte sich, dass die Frau aus seiner Vision im Krankenhaus ihm das Gefühl gegeben hatte, es gäbe irgendwo auf dem fremden Todesstern, der sein Herz war, eine verwundbare Stelle, in die er eine Bombe hineinschmuggeln, sich damit in die Luft sprengen und aus den Überresten wieder neu zusammen setzen konnte.“

„Du bist liebenswert Vanessa. John zerbrach sich den Kopf, wie er das was er als nächstes sagen wollte, in Worte fassen konnte. Aber du musst dir die Brust aufreißen, frische Luft an dein Herz lassen und dir einen Sonnenbrand darauf holen, und das kann einem verdammt Angst machen.“

Und das ist mein Song zum Buch:
Arcade Fire „Rebellion“