Day 11 Book-a-Day Challenge: A book you thought you didn’t like but you did

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This is an easy one. I remember the day in Bookclub we went through the list of books that had been voted for for the next six month and I was „What ? A Western? – You must be kidding me…“

I so didn’t want to read this book. I don’t like Westerns, I don’t do them, I was stubborn as hell but the first moment of appeasement came when I saw the cover – holy cow that was a great cover. I loved it and would put it up on the wall as a poster anytime.

What can I say ? The book totally surprised me. I liked it so much better than I ever anticipated. The „Sisters Brothers“ is a tragic comedy about two contract killers and their weird and bloody trip through the United States in 1851.

Herman Kermit Warm is about to die. His death was ordered by the „Commodore“ and the brothers Charlie and Eli Sisters are about to get this done. Their trip leads them from Oregon to sunny California where they try to find Warm. It is a trip through the American West deeply enveloped in the feverish hunt for Gold. Their journey is often interrupted by weird and cold blooded meetings.

The brothers are as different as brothers can be. Charlie the stone cold ruthless killer and Eli the brooder who is constantly thinking about some existential question. When they finally arrive in California things take a pretty surprising turn.

This book is filled with remarkable characters: Losers and Cheaters and all the guys you would find in a John Steinbeck novel. The story takes you to the melancholy and sometimes humorous Wild West and we even get to develop some sympathy with the two killer brothers who are bound by Blood, Violence and Love.

The cover is by Dan Stiles one of my favorite Illustrators and designers and was voted one of the best covers of 2011. Thanks to this posting today I follow him on Instagram.

This is why I love my Bookclub. They make me read books I would never have picked up, we have heated discussions, forge coalitions that last until the next book, fall in love with characters that others despise and no debate ever cannot be peaceful solved with another glass of wine. This book was by the one nearly all of us could agree upon that it was a really good one.

Thank you Guys – this one is for you 🙂

OK everybody – which book did you read that you thought you wouldn’t like but did in the end ?

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Die Sisters Brothers“  im Goldmann Verlag.

The Sheltering Sky – Paul Bowles

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In diesen Roman muss man eintauchen, sich einlassen auf diese um sich greifende Lethargie, die einen ganz subtil, intensiv und unheilvoll umgibt. Port, seine Frau Kit und Tunner, ein Freund des Ehepaares, lassen sich durch die nordafrikanische Wüste treiben auf ständiger erfolgloser Suche nach einer besseren Zukunft. Eine Zukunft, die sie nach dem zweiten Weltkrieg nicht in Amerika zu finden glauben. Sie sind eine ruhe- und ziellose Gruppe, seltsam nichtssagend und verbringen die meisten Zeit des Tages schlafend, dem wirklichen Leben und den Einheimischen nach Möglichkeit aus dem Weg gehend.

„Each man’s destiny is personal only inso as it may resemble what is already in his memory.“

Kit und Port haben eine dysfunktionale Beziehung, die sie auf dieser Reise versuchen zu reparieren. Aber das wird einfach nichts. Kit ist ständig von unheilvollen Vorahnungen erfüllt, Tunner versucht Kit aus Langeweile zu verführen und Port besteht durch und durch aus permanenter, unendlicher Traurigkeit.

„We’ve never managed, either one of us, to get all the way into life“.

Die immerwährende Lethargie bietet Gleichgültigkeit, Entfremdung und Fehlkommunikationen fruchtbaren Boden und die menage-a-trois bringt die Einsamkeit und den fiebrigen Wahn zum Vorschein.

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Paul Bowles ging 1947 von New York nach Tanger in Marokko und neben dieser Flucht Richtung Wüste gibt es noch einige Gemeinsamkeiten zwischen Bowles und Port.

„Another important difference between tourist and traveler is that the former accepts his own civilization without question; not so the traveler, who compares it with the others, and rejects those elements he finds not to his liking.”

Paul Bowles hatte in Bernardo Bertolucci’s Verfilmung von „The Sheltering Sky“ zwei Gastauftritte, war aber wohl mit dem Gesamtergebnis des Filmes nicht ganz zufrieden. Trotzdem werde ich mir den Film bei Gelegenheit mal ansehen und von Mr Bowles möchte ich auf jeden Fall noch weiteres lesen.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Himmel über der Wüste“ im Goldmann Verlag.

Generation X – Douglas Coupland

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Ich lese Bücher grundsätzlich am liebsten im Original, aber bei keinem anderen als diesem hatte ich so sehr das Gefühl, die deutsche Übersetzung – so gut sie auch ist-  kann diesem Roman einfach nicht gerecht werden. Es ist sicherlich auch kein Roman im herkömmlichen Sinne, der Text gliedert sich in drei Teile mit insgesamt 32 kurzen Kapiteln.

Die Protagonisten sind der Student Andrew Andrew, Claire Baxter, hauptberuflich Tochter aus gutem Hause, und Dagmar (ist das in den USA wirklich ein Männername???) genannt Dag, ein ehemaliger Werbefachmann, die Anfang der 90er Jahre nebeneinander in Urlaubsbungalows in Palm Springs wohnen. Sie haben –  typisch für die Generation X – schlecht bezahlte unspannende McJobs, für die sie ziemlich überqualifziert sind und versuchen, gemeinsam ihrer Quarter-Life-/Slacker-Krise zu entkommen.

Die drei erleben ihren Alltag und sich selbst durch die Geschichten, die sie sich gegenseitig erzählen, manche persönlich erlebt, manche einfach erfunden. Die Charaktere, die in ihren Geschichten vorkommen, repräsentieren die unterschiedlichen kulturellen Typen wie Yuppies, Oldies etc. und bringen uns vor allem auch den drei Protagonisten näher.

Anfangs konnte ich mit den dreien nicht viel anfangen. Keine Ahnung, ob meine eigene Quarter-Life-Crisis so lange her ist, dass ich mich nicht mehr erinnere oder vielleicht habe ich meine auch einfach verpasst, auf jeden Fall dauerte es etwas, bis ich mit ihnen etwas mehr anfangen konnte. Denn aus heutiger Sicht ist das teilweise Jammern auf hohem Niveau. Aber wir sind auch viel stärker von Wirtschaftskrisen, tatsächlichen Kriegen etc. geprägt, als die Generation X Anfang der 90er Jahre, die immens frustriert war von der immer stärkeren gesellschaftlichen Fokussierung auf permanenten Konsum und die Kommerzialisierung von allem und jeden.

I just want to show society what people born after 1960 think about things… We’re sick of stupid labels, we’re sick of being marginalized in lousy jobs, and we’re tired of hearing about ourselves from others —Coupland, Boston Globe, 1991

Auch wenn es etwas dauerte bis ich drin war, es ist beeindruckt wie Coupland es schafft – in seinem typischen Couplandism mit seinen Wortspielen, Slogans etc. – den Zeitgeist einzufangen.

Ich habe beim Lesen immer wieder nach den entsprechenden englischen Originalstellen gesucht und war erstaunt, wieviele alltagstaugliche Wortschöpfungen im Englischen tatsächlich von ihm stammen. Der Mann ist das wandelnde Urban Dictionary wie mir scheint (McJob, Poverty Jet Set, Brazilification, Boomer Envy, Decade Bendig etc.)

Die größte Schwäche des Buches ist meines Erachtens gleichzeitig seine größte Stärke. Es fängt den 90er Jahre Zeitgeist so treffend ein, es ist als würde man durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum zurückgehen, aber es wirkt dadurch gleichzeitig auch in der Zeit stehen geblieben. Schadet ein zu starker Zeitbezug der nachhaltigen Wirkung?

“Starved for affection, terrified of abandonment, I began to wonder if sex was really just an excuse to look deeply into another human being’s eyes.”

Ich habe mir beim Lesen permanent vorgestellt, wie sie heute so drauf wären – Claire, Dag und Andrew. Was würden sie denken, über sich selbst damals?

“When someone tells you they’ve just bought a house, they might as well tell you they no longer have a personality. You can immediately assume so many things: that they’re locked into jobs they hate; that they’re broke; that they spend every night watching videos; that they’re fifteen pounds overweight; that they no longer listen to new ideas. It’s profoundly depressing. ”

Ob der Kultstatus des Buches verdient ist oder nicht, ich fand es wunderbar unterhaltsam und spannend und werde es wohl irgendwann einmal im Original lesen.

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Foto credit: http://coupland.com/

„I wonder that all things seem to be from hell these days: dates, jobs, parties, weather …. Could the situation be that we no long believe in that particular place? Or maybe we were all promised heaven in our lifetimes, and what we ended up with can’t help but suffer in comparison.“

The Goldfinch – Donna Tartt

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Eine Autorin sehr zu mögen, die nur etwa alle 10 Jahre ein Buch veröffentlicht, kann eine ziemlich anstrengende Sache sein. Mit ihrem Debut hatte mich Donna Tartt Mitte der 90er Jahre vollkommen umgehauen. An einem eisigen Dezembertag mit fiebriger Erkältung im Bett liegend, habe ich „The secret history“ angefangen und konnte im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr aufhören. Ich habe non-stop gelesen bis morgens um 4.30 Uhr, bis ich es endlich durch hatte. Und da lag ich dann schlaflos und durfte nahezu 10 Jahre warten, bis Madame Tartt endlich fertig war mit „The Little Friend“ – und der hat mich dann massloss enttäuscht. Wir kamen nicht zurecht miteinander, der kleine Freund und ich.

Entsprechend ungeduldig und nervös war ich daher, als nach den erwarteten 10 Jahren mit dem „Goldfinch“ endlich wieder Tartt-Time war. Wie wird das dieses Mal werden? Lesefieber und endlose Begeisterung wie beim ersten Mal oder wird das wieder schief laufen und ggf. mein letzter Tartt sein, den ich lese? Mein Bookclub hat mir die Entscheidung, ob ich mich dran traue oder nicht, auf jeden Fall abgenommen, denn der Distelfink war unsere Januar-Lektüre. Und es gab eine Menge zu diskutieren.

*Trommelwirbel* – „The Goldfinch“ ist großartig! Auch wenn er mich nicht ganz in das gleiche hypnotische suchtartige Bingereading gestürzt hat wie beim ersten Mal, sind wir doch mehr als Freunde geworden. Schon der Anfang ist ein sehr gelungener Einstieg. Der Erzähler, Theo Decker, sitzt in einem Amsterdamer Hotel und sucht in den holländischen Zeitungen, die er nicht wirklich lesen kann, nach seinem Namen im Zusammenhang mit einem Verbrechen. Erklärt wird das erst einmal nicht, sondern wir gehen 14 Jahre zurück in der Geschichte, zu dem Tag an dem Theo seine Mutter verliert, bei einem nicht näher erläuterten Terroranschlag in einem Museum. Die beiden befinden sich in unterschiedlichen Räumen, als die Explosion passiert, Theo überlebt, lässt sich von einem Fremden, den er kurz zuvor mit seiner Enkelin im Museum gesehen hatte, dazu verleiten, eines der Gemälde von der Wand und mitzunehmen, bevor er unerkannt nach Hause eilt, sicher, dort seine Mutter zu treffen.

Nach all der Action der Eröffnung nimmt der Roman jetzt eine andere Geschwindigkeit auf. Es ist ziemlich herzzerreissend Theo’s Einsamkeit zu erleben, seine Angst, wie er so plötzlich aus seinem Leben gekegelt wird, den Boden unter den Füßen verliert und dieser Boden bleibt ab da immer ein schwankender. Seine Mutter ist tot, sein Vater bleibt verschwunden, er landet bei der Familie eines befreundeten Schulkameraden und als er sich gerade so ein wenig eingelebt hat, taucht der Vater auf und wieder wird er entwurzelt.

Der Roman ist lang und es gibt auch keine wirklichen Abkürzungen. Von New York’s vornehmer Upper West Side aus geht es in die Wüste von Las Vegas, zurück in die Lower East Side und nach Amsterdam. Wir lernen unglaublich viel über Holz und Möbelrestauration durch Hobie, machen Abstecher in die Philospophie, Kunstgeschichte, Proust, Dostojewski, schließen einen russische Drogenhändler und einen kleinen Hund ins Herz und leiden mit Theo.

Es gibt so viele Momente, die man einfach nicht vergessen kann in dem Buch. Die Momente, wo ein kleiner Hund nach 10 Jahren noch jemanden wiedererkennt, wie sich zwei einsame verletzte Teenager pausenlos mit Alkohol und Drogen wegschiessen, wie fest die Verbindung zwischen Menschen sein kann, auch wenn sie sich über Jahre nicht sehen und auch wie ein Bild ein Leben verändern kann. Wie die Schönheit eines Bildes helfen kann, Wunden zu heilen. Das Bild, der letzte Gegenstand, den Theo mit seiner Mutter verbindet und das er einfach nicht aufgeben kann.

Der Roman beschreibt einzigartig wie es ist, sich in die falsche Person verliebt zu haben, die mit der es einfach nicht funktionieren kann und wie perfekt sich diese Liebe trotzdem anfühlen kann und wie sehr es weh tut das zu erkennen.

„The Goldfinch“ ist oft mit Dickens „Great Expectations“ verglichen worden und der Vergleich passt auch wirklich. Die Story im Einzelnen nacherzählen zu wollen, würde den Rahmen sprengen hier und ich mag es auch nicht, wenn Rezensionen so viel über ein Buch verraten, dass man manchmal den Eindruck hat, man müsse es gar nicht mehr selber lesen.

„Only here’s what I really, really want someone to explain to me. What if one happens to be possessed of a heart that can’t be trusted–? What if the heart, for its own unfathomable reasons, leads one willfully and in a cloud of unspeakable radiance away from health, domesticity, civic responsibility and strong social connections and all the blandly-held common virtues and instead straight toward a beautiful flare of ruin, self-immolation, disaster?…If your deepest self is singing and coaxing you straight toward the bonfire, is it better to turn away? Stop your ears with wax? Ignore all the perverse glory your heart is screaming at you? Set yourself on the course that will lead you dutifully towards the norm, reasonable hours and regular medical check-ups, stable relationships and steady career advancement the New York Times and brunch on Sunday, all with the promise of being somehow a better person? Or…is it better to throw yourself head first and laughing into the holy rage calling your name?”

Mit diesem Buch begibt man sich auf eine Reise und fast beneide ich die Leute ein wenig, die sie noch vor sich haben. Ich habe überlegt, „The secret history“ noch einmal zu lesen, einfach weil ich mir sicher bin, dass ich jetzt wieder 10 Jahre warten muss auf den nächsten Donna Tartt Roman. Habe aber beschlossen, es nicht zu tun. Die Erinnerung ist zu kostbar, die mag ich mir nicht ruinieren, falls es mir nach so vielen Jahren vielleicht doch nicht mehr so gut gefällt.

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In der Zwischenzeit ist da ja noch Dickens und Dostojewski und Boris hat mich an Raymond Chandler erinnert und wenn ich all deren Werke durch habe, ist Frau Tartt ja vielleicht auch wieder soweit.

Donna Tartt ist eine sehr zurückgezogen lebende Autorin, die selten Interviews gibt und die immer wahnsinnig streng und kontrolliert auf Bildern aussieht (aber auch ziemlich gut), daher hatten wir uns im Bookclub gefragt, woher sie wohl die detaillierten Beschreibungen der Alkohol- und Drogenexzesse genommen hat. Aber vielleicht ist sie ja auch gar nicht so streng und kontrolliert wie sie ausschaut, denn mit etwas MEHR Disziplin, müsste es doch wohl zu schaffen sein, auch mal ein Buch in 5 Jahren oder so fertigzustellen.

Donna TarttThe new Queen of the Bob: author Donna Tartt. Photograph: Beowulf Sheehan

The Crow Road – Iain Banks

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„It was the day my grandmother exploded. I sat in the crematorium, listening to my Uncle Hamish quietly snoring in harmony to Bach’s Mass in B Minor, and I reflected that it always seemed to be death that drew me back to Gallanach.“

Kann es einen besseren ersten Satz geben in einem Buch als diesen? Was für ein Einstieg in ein Buch, das eine rockige, nie sentimentale Liebeserklärung an Schottland, Whisky, Mädchen, explodierende Großmütter und Autos ist.

Aber nicht nur der erste Satz ist brilliant, Banks schafft es diese für weitere gut 500 Seiten am Leben zu halten. Aber eine Warnung am Rande liebe Leser, einfach ist das Buch nicht in Englisch. Ganze Abschnitte im breitesten „Scots“, Zeitsprünge und die wechselnden Ich-Erzähler machen den Einsteig in das Buch etwas schwer. Wenn man sich an den Sound und die Zeitsprünge gewöhnt hat geht es, aber diese rasante Fahrt macht man am besten angeschnallt, mit einem guten Wörterbuch ausgestattet oder einfach mit der (wie ich mir habe sagen lassen) ordentlichen deutschen Übersetzung. Denn lesen sollte man diesen Roman auf jeden Fall, auch wenn mir „The Wasp Factory“ noch ein klein wenig besser gefallen hat.

Prentice McHoan ist der junge Mann, der uns hininzieht in diese Geschichte um drei schottische Familien mit ziemlich komplizierten Verbindungen. Wir folgen Prentice durch sein letztes College-Jahr, in dem er sich ziemlich viel mit dem Tod, dem Trinken, Sex, Glauben, Whisky und Drogen beschäftigt – oh und ja, was zur Hölle eigentlich mit Onkel Rory passiert ist, der seit etwa 10 Jahren verschwunden ist.

„People react more than they act, Prentice, she said eventually. Like you are with your dad; he raises you to be a good little atheist and then you go and get religion. Well, that’s just the way of things.“ I could almost hear her shrug.

„In every generation, there’s a pivot. Somebody everybody else revolves around, understand?“

„The Crow Road“ handelt nicht von vier Hochzeiten und einem Todesfall, sondern genau umgekehrt. Vier Todesfälle, eine Hochzeit, Unmengen an Whiskies und viele Hangover später scheint der clevere Prentice tatsächlich rausgefunden zu haben, was damals passiert ist mit dem Onkel.

Die Familiensage transportiert uns zurück in die 80/90er Jahre in Schottland. Gallanach, Oban, Lochgilphead – Ortsnamen, die schon nach Torf und Lochs und Highlands klingen, die Banks beschreibt als eine karge, manchmal trostlose erbarmungslose Landschaft, wo man sich abends im Pub trifft, viel zu viel trinkt und am Wochenende angeln und Rugby spielen geht.

Ein Land, in dem die jungen Leute gehen: nach Edinburgh, Glasgow oder London, um dort Karriere zu machen, aber irgendwann kehren sie fast alle wieder heim und wenn es nur für die Weihnachtsferien ist.

“People can be teachers and idiots; they can be philosophers and idiots; they can be politicians and idiots… in fact I think they have to be… a genius can be an idiot. The world is largely run for and by idiots; it is no great handicap in life and in certain areas is actually a distinct advantage and even a prerequisite for advancement.”

„The Crow Road“ ist ein Roman über Vater-Sohn-Beziehungen, in dem viel philosohiert wird über Religion und die Begierde, über den Körper und darüber, was nach dem Tod mit uns passiert. Vor allem aber ist es eine Geschichte über die Unzuverlässigkeit und Unbeständigkeit von Erinnerungen.

Ein großartiger Roman mit sehr komplexen, nachvollziehbaren Charaktären und richtig gut geschrieben. Große Empfehlung für alle, die wie ich ein kleines Stück von ihrem Herzen irgendwann mal in einem der schottischen Täler verloren haben 😉 Oder im Übrigen auch für Auto-Fans, denn die spielen eine ziemliche große Rolle im Buch. Einige der wichtigsten Szenen spielen in Autos, Verity wird im Rover ihrer Eltern geboren, verführt Prentice’s großen Bruder auf dem Dach eines Range Rovers und brennt mit ihm in einem XR3i durch. Prentice erbt einen Bentley etc. – die Liste der Auto-Referenzen im Buch könnte wohl ewig lang weitergehen.

“We’re not in prison, we’re not junkies and we’re not Young Tories…it’s no small achievement.”

Iain Banks ist letztes Jahr leider viel zu früh kurz nach einer Krebsdiagnose gestorben.

Sehr ans Herz legen möchte ich euch auch die BBC-Verfilmung von Crow Road aus dem Jahr 1996. Allein dieser wunderbare schottische Akzent – I love it!

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Die Straße der Krähen“ im Goldmann Verlag.

Wild – Cheryl Strayed

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Heute mal wieder ein Gruß aus dem Bucharchiv. Gelesen habe ich Cheryl Strayed „Wild“ auf der großen Südost-Asien-Tour im Januar letzten Jahres. Hatte das Buch auf dem Radar durch die positive Besprechung in der NY Times und war sehr überrascht, es in einem kleinen Second-Hand-Buchladen in Kambodscha zu finden. Genau wie Cheryl mit einem Rucksack unterwegs, der viel zu voll war und mit viel zu vielen unnützen Dingen (wie Büchern) bepackt, war es natürlich vollkommen unsinnig, so einen dicken Trümmer einzupacken – aber hey, irgendwie hab ich ihn in den Rucksack bekommen und das Buch hat mich wunderbar auf unseren Wanderungen begleitet und auch wenn ich anfangs dachte, ich würde es zurücklassen, wenn ich es ausgelesen habe, war nix zu machen, es hat mich so bewegt, ich habe es noch die ganze weitere Reise mitgeschlörrt und jetzt steht es hier zu Hause und beim Durchblättern rieselt noch immer Sand heraus.

Schade – ein „Unterwegs“-Foto hab ich nicht finden können, daher musste ich heute nochmal nachstellen. Sonst hätten wir hier eher Palmen, einen Street-Food-Stand, einen Bootstrip auf dem Mekong oder irgendeine andere Szene gesehen, in der ich das Buch gelesen habe.

„Wild“ ist die Geschichte einer jungen Frau, die mit Mitte 20 so ziemlich am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen zu sein scheint. Sie ist allein, der Tod der Mutter die mit Mitte Vierzig an Krebs gestorben ist, noch lange nicht verarbeitet, vor den Scherben einer zerbrochenen Ehe stehend, verschuldet und ohne Perspektive rutscht sie auch noch in eine unglückliche Affäre mit der großen Trösterin Miss Heroin, als sie beschließt, einen Rucksack zu packen, nach Kalifornien zu fliegen und eine sehr sehr lange Wanderung zu machen, um sich wiederzufinden.

„Hiking the PCT, …was my way back to the person I used to be.“

Sie ist eine vollkommen unerfahrene Hikerin, packt viel zu viel und vollkommen falsche Sachen ein, ist nicht vorbereitet und läuft einfach los. Es hat mir eine diebische Freude bereitet, mir die vielen pragmatischen, stets übervorbereiteten Leute mit Schaum vorm Mund vorzustellen, wie sie vor lauter Empörung über die Naivität der Progagonistin den Kopf schütteln und sich fragen, ob sie überhaupt weiterlesen sollen 😉

Ich mag das ja, das happy-go-lucky und habe auch meist die Erfahrung gemacht, am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es halt noch nicht zu Ende.

Cheryl macht diesen Trip, die ganzen 1100km des Pacific Crest Trails. Sie wandert bei 40 Grad im Schatten auf dem Modoc Plateau erlebt Rekord-Schneefälle in den High Sierras, trifft auf Bären, Klapperschlangen, Skorpione, vertrocknete Wasserstellen. Sie verliert unzählige Fußnägel, kann sich manchmal Ewigkeiten lang nicht waschen, ist oft hungrig und irgendwann verliert sie sogar ihre Wanderschuhe. Und selbst da gibt sie nicht auf. Diese vollkommen unvorbereitete nicht übermässig starke blonde, junge Frau kicks ass. Sie beisst sich durch. Sie bastelt sich Ersatzschuhe aus Klebeband und wandert darin weiter, bis ihre neuen Wanderschuhe irgendwo in der nächsten Kurierbox im Nirgendwo auftauchen. Zusammen mit dem nächsten Geld, ein paar Vorräten und dem nächsten Satz Bücher.

Ich habe Cheryl unglaublich für ihren Mut bewundert. Ich hätte ihn wohl nicht. Eine so lange Wanderung ganz alleine, ohne wirkliche Navigationskenntnisse, in Gegenden wo mir jederzeit Bär, Skorpion, Schlangen oder andere gefährliche Viecher begegnen können. Wow. Ich halte mich schon nicht für ein Weichei, aber ich glaube ich wäre beim ersten Skorpion im Zelt umgehend umgedreht.

“I knew that if I allowed fear to overtake me, my journey was doomed. Fear, to a great extent, is born of a story we tell ourselves, and so I chose to tell myself a different story from the one women are told. I decided I was safe. I was strong. I was brave. Nothing could vanquish me.

Beim Lesen ist man komplett bei ihr, man leidet mit ihr, man freut sich ähnlich ekstatisch über die Dusche und selbst einen Schokoriegel essen beim Lesen fand ich schwierig, weil ich mich schuldig fühlte, wenn sie dabei so hungrig war 😉

Es gibt keine ellenlangen Naturbeschreibungen, es ist viel mehr eine Reise durch ihre innere Landschaft und das machte das Buch so überaus lesenwert für mich. Die Verwandlung die sie durchlebt, die Stärke die sie gewinnt, aber auch die vielen Momente der Schwäche und Einsamkeit.

Cherly Strayed ist meistens alleine gewandert, hat ab und an ein paar Tage lang die Gesellschaft von Mitwanderern genossen, mit ihnen gegessen, das Essen und die Erfahrungen geteilt und am Lagerfeuer wurden die wichtigsten Trail-Neuigkeiten ausgetauscht.

“The thing about hiking the Pacific Crest Trail, the thing that was so profound to me that summer—and yet also, like most things, so very simple—was how few choices I had and how often I had to do the thing I least wanted to do. How there was no escape or denial. No numbing it down with a martini or covering it up with a roll in the hay. As I clung to the chaparral that day, attempting to patch up my bleeding finger, terrified by every sound that the bull was coming back, I considered my options. There were only two and they were essentially the same. I could go back in the direction I had come from, or I could go forward in the direction I intended to go.”

Besonders gefallen haben mir die Passagen in denen sie über ihre Beziehung zu Büchern und dem Geschriebenen schreibt, wie es ist, wenn man so alleine wandert und abends beim Lagerfeuer mit der Stirnlampe am Kopf dasitzt und ein paar Seiten liest, während man sein Essen auf den Knien balanciert. Die Wanderung macht sie stärker und die Bücher helfen ihr dabei. Sie liest sich selbst raus aus ihrem Loch, ihrer Schwäche, ihrer Depression. Die Bücher helfen ihr auf dem Weg zu bleiben, nicht mehr davon abzukommen, to become Cheryl „Un-Strayed“.

“What if I forgave myself? I thought. What if I forgave myself even though I’d done something I shouldn’t have? What if I was a liar and a cheat and there was no excuse for what I’d done other than because it was what I wanted and needed to do? What if I was sorry, but if I could go back in time I wouldn’t do anything differently than I had done? What if I’d actually wanted to fuck every one of those men? What if heroin taught me something? What if yes was the right answer instead of no? What if what made me do all those things everyone thought I shouldn’t have done was what also had got me here? What if I was never redeemed? What if I already was?”

Dieses Buch ist mit Vorsicht zu geniessen – es macht „itchy feet“, erzeugt Fernweh. Man will sofort seine Wanderschuhe schnüren und loslaufen. Ich werde es garantiert mitnehmen, wenn ich noch einmal den West Highland Way laufe. Viel weniger gefährlich und viel kürzer, aber auch eine wunderbare Gelegenheit viel Zeit mit sich, seinem Kopf und seinen Füßen zu verbringen.

Ich bin gespannt auf die Verfilmung, auch wenn ich eher Taylor Schilling in der Hauptrolle sehe, Reese Witherspoon ist schon ok.

Hier eine Liste der Bücher die den PCT nicht überlebt haben – nach Verzehr verbrannt 😉

The Pacific Crest Trail, Vol. 1 California – Jeffrey P. Schaffer
Staying Found – June Fleming
The Dream of a Common Language – Adrienne Rich*
As I Lay Dying – William Faulkner
**The Complete Stories – Flannery O’Connor
The Novel – James Michener
A Summer Bird-Cage – Margaret Drabble
Lolita – Vladimir Nabokov
Dubliners – James Joyce
Waiting for the Barbarians – J. M. Coetzee
The Pacific Crest, Vol 2 Oregon and Washington – Jeffrey P. Schaffer
The Best American Essays 1991 – Robert Atwan, Joyce Carol Oates (Editors)
The Ten Thousand Things – Maria Dermout

*nicht verbrannt unterwegs – die ganze Strecke getragen
** nicht verbrannt, sondern eingetauscht gegen „The Novel“