Generation X – Douglas Coupland

coupland

Ich lese Bücher grundsätzlich am liebsten im Original, aber bei keinem anderen als diesem hatte ich so sehr das Gefühl, die deutsche Übersetzung – so gut sie auch ist-  kann diesem Roman einfach nicht gerecht werden. Es ist sicherlich auch kein Roman im herkömmlichen Sinne, der Text gliedert sich in drei Teile mit insgesamt 32 kurzen Kapiteln.

Die Protagonisten sind der Student Andrew Andrew, Claire Baxter, hauptberuflich Tochter aus gutem Hause, und Dagmar (ist das in den USA wirklich ein Männername???) genannt Dag, ein ehemaliger Werbefachmann, die Anfang der 90er Jahre nebeneinander in Urlaubsbungalows in Palm Springs wohnen. Sie haben –  typisch für die Generation X – schlecht bezahlte unspannende McJobs, für die sie ziemlich überqualifziert sind und versuchen, gemeinsam ihrer Quarter-Life-/Slacker-Krise zu entkommen.

Die drei erleben ihren Alltag und sich selbst durch die Geschichten, die sie sich gegenseitig erzählen, manche persönlich erlebt, manche einfach erfunden. Die Charaktere, die in ihren Geschichten vorkommen, repräsentieren die unterschiedlichen kulturellen Typen wie Yuppies, Oldies etc. und bringen uns vor allem auch den drei Protagonisten näher.

Anfangs konnte ich mit den dreien nicht viel anfangen. Keine Ahnung, ob meine eigene Quarter-Life-Crisis so lange her ist, dass ich mich nicht mehr erinnere oder vielleicht habe ich meine auch einfach verpasst, auf jeden Fall dauerte es etwas, bis ich mit ihnen etwas mehr anfangen konnte. Denn aus heutiger Sicht ist das teilweise Jammern auf hohem Niveau. Aber wir sind auch viel stärker von Wirtschaftskrisen, tatsächlichen Kriegen etc. geprägt, als die Generation X Anfang der 90er Jahre, die immens frustriert war von der immer stärkeren gesellschaftlichen Fokussierung auf permanenten Konsum und die Kommerzialisierung von allem und jeden.

I just want to show society what people born after 1960 think about things… We’re sick of stupid labels, we’re sick of being marginalized in lousy jobs, and we’re tired of hearing about ourselves from others —Coupland, Boston Globe, 1991

Auch wenn es etwas dauerte bis ich drin war, es ist beeindruckt wie Coupland es schafft – in seinem typischen Couplandism mit seinen Wortspielen, Slogans etc. – den Zeitgeist einzufangen.

Ich habe beim Lesen immer wieder nach den entsprechenden englischen Originalstellen gesucht und war erstaunt, wieviele alltagstaugliche Wortschöpfungen im Englischen tatsächlich von ihm stammen. Der Mann ist das wandelnde Urban Dictionary wie mir scheint (McJob, Poverty Jet Set, Brazilification, Boomer Envy, Decade Bendig etc.)

Die größte Schwäche des Buches ist meines Erachtens gleichzeitig seine größte Stärke. Es fängt den 90er Jahre Zeitgeist so treffend ein, es ist als würde man durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum zurückgehen, aber es wirkt dadurch gleichzeitig auch in der Zeit stehen geblieben. Schadet ein zu starker Zeitbezug der nachhaltigen Wirkung?

“Starved for affection, terrified of abandonment, I began to wonder if sex was really just an excuse to look deeply into another human being’s eyes.”

Ich habe mir beim Lesen permanent vorgestellt, wie sie heute so drauf wären – Claire, Dag und Andrew. Was würden sie denken, über sich selbst damals?

“When someone tells you they’ve just bought a house, they might as well tell you they no longer have a personality. You can immediately assume so many things: that they’re locked into jobs they hate; that they’re broke; that they spend every night watching videos; that they’re fifteen pounds overweight; that they no longer listen to new ideas. It’s profoundly depressing. ”

Ob der Kultstatus des Buches verdient ist oder nicht, ich fand es wunderbar unterhaltsam und spannend und werde es wohl irgendwann einmal im Original lesen.

timthumb

Foto credit: http://coupland.com/

„I wonder that all things seem to be from hell these days: dates, jobs, parties, weather …. Could the situation be that we no long believe in that particular place? Or maybe we were all promised heaven in our lifetimes, and what we ended up with can’t help but suffer in comparison.“

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