Mein Lesejahr 2025

2025 war mein bisher intensivstes Lesejahr und zwar mit deutlichem Abstand. 157 Bücher sind es geworden. Eine Zahl, die mich selbst ein wenig überrascht hat, auch wenn sie sich im Rückblick völlig stimmig anfühlt. Denn Lesen hatte in diesem Jahr ganz klar Priorität: keine Serien, nur wenige Filme, kaum Fernsehen, ein paar Wochen abgeschieden in den Bergen = Bücher, Bücher, Bücher.

Auffällig war dabei eine Verschiebung, die sich ganz ohne bewusste Entscheidung ergeben hat. Ich habe deutlich mehr deutschsprachige Literatur gelesen als sonst, während in den vergangenen Jahren oft anglo-amerikanische Titel überwogen. Gleichzeitig finden sich – gerade auch in meiner Top 20 – viele übersetzte Romane, die mir lange im Kopf geblieben sind. Diese Mischung hat mein Lesejahr schon besonders gemacht.

Die Auswahl dieser Top 20 ist mir trotzdem echt nicht leicht gefallen. Bei so vielen starken Leseerfahrungen hätte die Liste problemlos noch länger ausfallen können. Für diesen Rückblick habe ich mich bewusst ausschließlich auf Romane konzentriert auch wenn ich 2025 ein paar wirklich hervorragende Sachbücher und Biografien gelesen habe, die es ebenso verdient hätten, hier erwähnt zu werden. Vielleicht bekommen sie an anderer Stelle noch ihren eigenen Raum.

Es war ein wirklich großartiges Lesejahr: mit tollen Entdeckungen, ein paar sehr beglückenden Wiederentdeckungen und Büchern, die mich nicht nur während der Lektüre, sondern auch weit darüber hinaus begleitet haben. Geschichten, Sätze, Figuren, die geblieben sind.

Besonders schön waren aber auch die literarischen Begegnungen außerhalb der Bücher. Der Besuch des Erlanger Poetinnenfests gemeinsam mit Constanze von Zeichen und Zeiten war ein echtes Highlight, ebenso die Lesungen mit Ulrike Draesner, Annett Gröschner, Anja Kampmann, Kaleb Erdmann, Dimitrij Kapitelman, Fikri Anıl Altıntaş, Kristine Bilkau, Jonas Lüscher und Kerstin Holzer. Dazu kam der Besuch der Frankfurter Buchmesse, der mir jenseits des Trubels vor allem durch viele schöne Gespräche und Begegnungen in Erinnerung bleiben wird. Und nicht zuletzt die Susan-Sontag-Ausstellung im Literaturhaus München, die mich sehr beeindruckt hat.

Der Book Swap im Amerika Haus im Oktober hat dafür gesorgt, dass die Regale nicht leerer werden und der Therese Ghiese Spaziergang sowie die von mir durchgeführten literarischen Spaziergänge durch Schwabing haben mich noch mal eine Menge Ecken in München entdecken lassen, die mir bis dahin unbekannt geblieben waren. Ab März biete ich wieder Spaziergänge an – bei Interesse meldet euch gerne.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr möchte ich außerdem zwei Reihen erwähnen, die den Blog 2025 maßgeblich geprägt haben und mir selbst besonders ans Herz gewachsen sind. Zum einen „Read around the World„, eine Reihe mit der ich literarisch inzwischen immerhin 22 Länder bereist habe. Ein Unternehmen also, das noch lange nicht abgeschlossen ist, worüber ich glücklich bin denn jede neue Lektüre öffnet mir einen weiteren Horizont.

Zum anderen habe ich mit „Stimmen, die bleiben“ eine neue Reihe begonnen, die mir auf einer sehr persönlichen Ebene wichtig ist. In loser Folge erinnere ich darin an Schriftstellerinnen, die mich geprägt haben: weil ich mit ihren Texten aufgewachsen bin, weil ich sie erst spät für mich entdeckt habe oder weil sie mir immer wieder das Gefühl geben, dass Literatur mehr ist als bloße Worte auf Papier. Dass sie Halt geben kann, Widerstand leistet, tröstet — kurz: ein Rettungsanker sein kann in Zeiten, die sich zunehmend verdunkeln.

Drei Autorinnen habe ich 2025 bereits vorgestellt — Anna Seghers, Carry Brachvogel und Marie-Luise Kaschnitz — und jede von ihnen steht auf ihre eigene Weise für eine Stimme, die bis heute nachhallt. Schon in den nächsten Tagen wird hier ein weiterer Beitrag dieser Reihe folgen, und ich freue mich darauf, diese Vorstellung von Autorinnen fortzusetzen, deren Texte geblieben sind, die aber gerne etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen dürften.

All das hat dieses Lesejahr nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ geprägt. Bücher waren 2025 nicht bloß Konsum, sondern Lebensexlisier, Begleiter, Anlass für Austausch, für Nachdenken, und einfach auch echte Begeisterung. Die große Anzahl meiner Lektüre hat sicherlich auch mit der gegenwärtigen Weltlage zu tun. In einer Zeit, in der politische, gesellschaftliche und ökologische Krisen sich zu überlagern scheinen und die Welt oft wilder, unübersichtlicher und katastrophaler wirkt, wird Literatur für mich zu einem Ort der Ruhe. Sie bietet mir Halt, Orientierung und nicht zuletzt Trost: eine stille, aber verlässliche Quelle von Kraft und Zuversicht. Im Lesen entsteht für mich ein Raum, in dem Komplexität ausgehalten, Ambivalenzen gedacht und Hoffnung bewahrt werden können, und der mir hilft, all das, was draußen geschieht, ein Stück weit einzuordnen und selbst halbwegs unbeschadet hindurchzukommen.

Jetzt freue ich mich auf das Lesejahr 2026 – und so viel sei schon verraten: Es beginnt mit einem weiteren 5-Sterne-Banger. Wenn das kein gutes Zeichen ist, weiß ich es auch nicht. Hier jetzt im Überblick meine 20 liebsten Romane die ich 2025 gelesen habe und ganz ehrlich, morgen oder übermorgen könnte diese Liste schon wieder leicht anders aussehen.

Wer die dazugehörigen Rezensionen noch mal lesen mag: hier in alphabetischer Reihenfolge mit Verlinkung:

Danke für Eure Besuche auf meinem Blog, eure Kommentare, Empfehlungen, konstruktive Kritik, euer Zuspruch und unser Dialog und einige entstandene Freundschaften darüber bedeuten mir sehr viel und ich möchte mich letusreadsomebooks anschließen und einladen 2026 wieder zum Jahr der Blogs zu machen. Lasst uns mehr lesen, schreiben, kommentieren und weniger scrollen. Ich freue mich drauf 🙂

Wie war Euer Lesejahr 2025 – was waren eure Highlights?

8 Kommentare zu “Mein Lesejahr 2025

  1. Das ist eine grandiose Liste, Sabine! „Still Life“ wird auch auf meiner zu finden sein, wenn ich hoffentlich bald noch die Zeit und Muße finde, sie zu schreiben. Danke für viele schöne und anregende Beiträge in 2025!
    „Jahr der Blogs“ klingt doch reizvoll, ich werde gerne versuchen, meinen kleinen Beitrag zu leisten. 😉 Herzliche Grüße und ein gesundes, gutes und vor allem auch ein wunderbares Literaturjahr wünscht Barbara

  2. Hi Sabine,

    den Worten von Barbara kann ich mich nur anschließen. Dein Blog ist immer einer meiner Highlights (und die Zahl der von dir gelesenen Bücher treibt mir den Neidschweiß auf die Stirn 🙂

    Einige deiner genannten Titel stehen hier bereits im Regal und das Buch von Oskamp habe ich auch supergern gelesen.

    Also gut, wenn ihr das „Jahr der Blogs“ ausruft, bin ich dabei! Dir mit 2026 ein mindestens genauso schönes (Lese-)Jahr wie 2025.

    Liebe Grüße Anna

  3. Ach, was soll ich dazu sagen: Ein sehr, sehr schöner persönlicher Rückblick. Die Zahl der Bücher ist ja der Wahnsinn. Deine beiden Blogreihen finde ich sehr spannend. Bei mir ist sehr ähnlich: Bücher bieten gerade jetzt Ablenkung und Ruhe – vor dem Vergehen der Zeit, der Hektik, der schlimmen Weltenlage und vor den Auswüchsen von Social Media/Digitalisierung. Was mich allerdings im Gegenzug beunruhigt, wie bei den Kindern und Jugendlichen die Lesekompetenz sinkt. Das ist kein gutes Zeichen. Ich bin beim „Jahr der Blogs“ mit dabei und freue mich auf Deine Beiträge. Liebe Grüße nach München

  4. Liebe Sabine – Jahr des Blogs, find ich gut. Da hab ich die Kurve ja gerade noch (oder wieder) gekratzt 😉 Ansonsten kann ich nur „Wow!!!“ sagen zu Deinen ganzen literarischen Aktivitäten, vor allem natürlich zu Deinen Rezensionen – ausführlich, anschaulich und einfach immer schön und mit Liebe geschrieben. Vor Deinem Lesepensum kann ich nur den Hut ziehen. Von den aktuellen Sachen hab ich wieder mal kein einziges gelesen, weil ich in Sachen Literatur gefühlt einfach immer um Jahre hinterherhinke… Liebe Grüße, Gerhard

  5. Wow, tolle Bilanz! Bei mir wird „Schwebende Lasten“ sicher auch auf der Highlight-Liste stehen.

    Mir geht es ähnlich, Bücher sind das, woran ich mich festhalte. Ohne sie wär es nicht zum Aushalten.

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