Literatur-Blog für alle, die keine Angst vor heftigen Mischungen haben. Paul Auster, Margaret Atwood, Haruki Murakami treffen auf Simone de Beauvoir, Batman und Orphan Black. Dosenbier auf Oper und St. Pauli auf Crispr, Philosophie, Science und Sci-Fi.
Habt Ihr Lust auf einen kurzen Besuch in der malerischen Stadt Husum, der Heimat des berühmten Dichters Theodor Storm? Zwischen Weihnachten und Neujahr machen wir ja fast jedes Jahr Schleswig-Holstein unsicher und ich habe wirklich keine Ahnung, warum es uns bislang noch nicht in diese echt charmante Stadt an der Nordsee gezogen hat. Husum ist ein Ort an dem das Wetter tanzt und bei unserem Besucht herrschten definitiv schottische Verhältnisse bei denen wir alle paar Minuten ein anderes Jahreszeit hatten. Es hat uns auf jeden Fall auch ordentlich durchgepustet.
Ein büsschen Geschichte vorab
Bevor wir jedoch in die Spuren von Theodor Storm treten, werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte von Husum. Die Stadt, die als graue Perle der Nordsee bekannt ist, hat eine reiche Vergangenheit, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden, Kopfsteinpflasterstraßen und gemütlichen Gassen lässt einen förmlich in die Geschichte eintauchen.
Husum war nicht nur Heimat für Fischersleute und Händler, sondern auch der Geburtsort von Theodor Storm im Jahr 1817. Der Dichter, der sich oft von der norddeutschen Landschaft inspirieren ließ, verewigte Husum in seinen Werken, insbesondere in „Die graue Stadt am Meer“.
Sturm und Drang im Theodor Storm Museum
Unsere erste Anlaufstelle war das Theodor Storm Museum, ein Ort, an dem die Worte des Dichters lebendig werden. Das Museum, gelegen in einem historischen Gebäude, präsentiert nicht nur das Leben und Werk Storms, sondern auch die Zeit, in der er lebte. Als wir die Tür öffneten, wurden wir von einer wohltuenden Mischung aus Büchergeruch und norddeutscher Gemütlichkeit begrüßt. Man bekommt durchaus Lust sich mit einer Tasse Tee auf Storms Sofa zu packen und seine Bücherregale durchzugucken.
Briefe, persönliche Gegenstände und handschriftliche Notizen erweckten den Dichter zum Leben. Die Ausstellung vermittelte nicht nur einen Einblick in Storms literarisches Schaffen, sondern auch in seine Liebe zur norddeutschen Landschaft und seine tiefe Verbundenheit mit Husum.
Am grauen Strand, am grauen Meer Und seitab liegt die Stadt; Der Nebel drückt die Dächer schwer, Und durch die Stille braust das Meer Eintönig um die Stadt.
Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai Kein Vogel ohn Unterlaß; Die Wandergans mit hartem Schrei Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei, Am Strande weht das Gras.
Doch hängt mein ganzes Herz an dir, Du graue Stadt am Meer; Der Jugend Zauber für und für Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir, Du graue Stadt am Meer.
Unser nächste Weg führte uns der gleich zum Antiquariat gegenüber. Das Antiquariat, der perfekte Ort für alle Buchliebhaber*innen, bietet eine Schatzsuche durch vergangene Zeiten. Wollte unverzüglich den Laden übernehmen und mich zwischen den alten Schmökern, den vergilbten Seiten und dem Duft von altem Papier verstecken und erst wieder rauskommen, wenn die Welt wieder normal ist 😉 Das Antiquariat hat nicht nur Bücher, sondern auch Briefmarken, Postkarten und andere Schätze aus vergangenen Tagen.
Husum – wo der Himmel die Erde küsst
Husum ist ein wirklich hübsches Städtchen und der Ausflug hat großen Spaß gemacht. Da wir ja sehr häufig in Rendsburg sind und es von dort nach Husum nicht weit, werden wir sicherlich das eine oder andere Mal noch einen Abstecher machen. Würde die Stadt sehr gerne mal im Sommer sehen und am Hafen sitzen und Möwen gucken.
Man kann natürlich gar nicht nach Husum reisen ohne den „Schimmelreiter“ im Gepäck zu haben.
Die Umgebung von Husum mit ihren idyllischen Deichen und dem sich ständig verändernden Wetter schien geradezu maßgeschneidert für Storms Erzählung. Die düstere Stimmung des „Schimmelreiters“ fand sich in der rauen Schönheit der Landschaft wieder. Die Deiche, die als schützende Barrieren gegen die Naturgewalten dienen, werden hier zu Schauplätzen von übernatürlichen Ereignissen, die mich von der ersten Seite an fesselten.
„Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm ist eine Novelle, die im 18. Jahrhundert an der nordfriesischen Küste spielt. Die Hauptfigur, Hauke Haien, ist ein junger, aufstrebender Deichgraf mit visionären Ideen zur Verbesserung der Deiche und dem Schutz des Landes vor Sturmfluten. Hauke tritt die Nachfolge seines Vaters als Deichgraf an und bringt frischen Wind in die traditionelle Denkweise der Dorfgemeinschaft.
Entgegen den konventionellen Methoden schlägt Hauke den Bau eines neuen Deiches vor, der höher und stabiler sein soll als die bestehenden Deiche. Sein Plan stößt jedoch auf Widerstand in der konservativen Dorfgemeinschaft, die seinen innovativen Ansätzen skeptisch gegenübersteht. Haukes fortschrittliche Ideen und sein distanziertes, introvertiertes Wesen isolieren ihn zunehmend von den Dorfbewohnern.
Die Handlung kulminiert in einer verheerenden Sturmflut, die die Region heimsucht. Hauke, auf seinem weißen Schimmel, reitet auf dem Deich, um die Schutzmaßnahmen zu überwachen. Die Naturgewalten brechen jedoch über den Deich herein…
Die Geschichte wird häufig als eine düstere Allegorie über den menschlichen Hochmut und die Unberechenbarkeit der Natur interpretiert. Storm zeichnet ein Bild von einem Mann, der gegen die Konventionen kämpft, aber letztendlich den Kräften der Natur unterliegt. „Der Schimmelreiter“ ist ein Meisterwerk der deutschen Novellenliteratur, die auf einer alten Sage basiert. Ein Werk das sowohl durch seine psychologische Tiefe als auch durch seine atmosphärische Darstellung der nordfriesischen Landschaft beeindruckt.
Der ernste Gedankenstrich in Theodor Storms Novellistik erschien Theodor W. Adorno als „Falten auf der Stirn der Texte“ – was für ein hübscher Gedanke (danke an die Übersenderin dieses wunderbaren Zitates) mir waren nicht übermäßig viele Gedankenstriche aufgefallen, aber als ich meinen dicken Storm Wälzer mal durchblätterte, da sprangen sie mir dann tatsächlich ins Gesicht. Stimmt schon, seine Texte haben durchaus einiges an Falten im Gesicht 😉
„Der Schimmelreiter“ hat mir sehr gefallen. Die Sprache ist wundervoll, man ist ruckzuck in der Geschichte und ich konnte es gar nicht weglegen. Perfekte Herbst-/Winterlektüre – kann ich wirklich jedem ans Herz legen.
„Sturm und Stille“ von Jochen Missfeldt – Eine Zweisamkeit in Zeit und Stilleoder „wie ist denn das bloß möööööchlich“
Die Liebesgeschichte von Theodor Storm und Doris Jensen, seiner langjährigen Geliebten und späteren Ehefrau, erzählt vom Storm-Biografen Jochen Missfeldt. Kurz nachdem Theodor Storm seine Verlobte Constanze Esmarch 1846 geheiratet hat, geht er eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit der achtzehnjährigen Doris Jensen ein. Sie stammt wie er aus Husum, ist die Tochter des wohlhabenden Holzhändlers und Senators Peter Jensen. Dessen Familie zählt, wie auch Storms Familie mütterlicherseits, zum Husumer Patriziat: Man besucht sich, trinkt Tee und Punsch und spielt Whist und L’Hombre. Die Liebe der beiden ist für Storms junge Ehe eine schwere Belastung. Erst im Jahr 1848, Constanze ist im dritten Monat schwanger, geht Doris – wahrscheinlich auf Druck der Familienoberen – von Husum fort. Für sie beginnt eine fünfzehn Jahre währende Odyssee, eine Zeit des Lernens und der Selbstbehauptung. Doch das Liebesverhältnis dauert an, und als Constanze nach der Geburt ihres siebten Kindes überraschend stirbt, finden die beiden endlich zueinander.
Auf dem Deich versuchte ich, meinen Kopf aufrecht zu tragen und meinen Gang fester zu gehen, war aber bald in alten Träumereien versunken. Grübelnd und vergebens suchte ich Klarheit über meinen Lebensweg. Wollte ich wirklich Klarheit? War nicht alles gut, wie es war? Windstöße zerrten an unseren Kleidern, Wolken flogen in Fetzen und Lumpen. Über Nordstrand drohte ein schwarzblaues Wetterungeheuer, von dem mein Barometer nichts gewusst hatte.
Missfeldt zeichnet ein feinfühliges Porträt von Dorothea, einer Frau, die oft im Schatten ihres berühmten Mannes stand. Durch seine einfühlsame Erzählweise verleiht der Autor Dorothea eine eigene Stimme und lässt den Leser an den Gedanken und Emotionen dieser faszinierenden Frau teilhaben.
Die Handlung von „Sturm und Stille“ verwebt geschickt historische Fakten mit fiktionalen Elementen, um die Liebe und das Leben von Theodor und Dorothea zu beleuchten. Missfeldt gelingt es, die emotionalen Nuancen ihrer Beziehung einzufangen, und vermittelt dabei die Herausforderungen, denen das Paar in einer Zeit des Umbruchs und des gesellschaftlichen Wandels gegenüberstand.
Jochen Missfeldt verbindet geschickt historische Details mit einer poetischen Erzählweise, die den Leser mitnimmt auf eine Reise durch die Zeit und das Porträt eines außergewöhnlichen Frauenlebens und einer innigen turbulenten Beziehung
Ein wunderbar poetisches Buch – habe es sehr gerne gelesen.
Kennt ihr Husum? Oder habt ihr ein bißchen Lust bekommen mal hinzufahren? Habt ihr schon was von Theodor Storm gelesen, was würdet ihr mir als nächste Lektüre von ihm empfehlen? Freue mich von Euch zu hören und jetzt plane ich schon langsam mal die nächste Reise … by the Book…
Ich muss mein Lesen ändern. Pünktlich zur Weihnachtszeit habe ich mich nicht an Plätzchen, Lebkuchen oder Weihnachtsstollen überfressen sondern an spooky cozy Gothic Literatur. Habe davon in den letzten Monaten einfach ein bißchen viel gelesen. Die waren alle ganz gut, ich habe sie auch gern gelesen, aber jetzt ist einfach dieses leicht üble Gefühl da, wenn man einfach zu viel Junk Food hatte und ich brauche jetzt erst mal wieder was literarisch gesundes in den nächsten Wochen 😉
Aber ich will auch nicht zu streng sein mit mir. Die letzten Wochen waren wirklich fordernd für mich, vielleicht ist das dann der Ausgleich gewesen, dass es mich eher zu wohliger Wohlfühl-Grusel-Lektüre zog. Am Januar wird alles anders, da wird nur literarisch hochwertiges gelesen – ich schwör!
Ich hoffe, ich kann euch dennoch Lust auf das eine oder andere Buch machen und ich habe euch mit meinem Intro nicht gleich alle vertrieben 😉
Marple – inspiriert von Agatha Christie, neu erzählt von 12 Autorinnen erschienen bei Harper Collins, bislang noch nicht ins deutsche übersetzt
Wie bei wahrscheinlich fast jeder Compilation haben mir hier nicht alle Geschichten gleich gut gefallen, aber ich habe die Geschichten insgesamt alle sehr gerne gelesen. Naomi Alderman, Leigh Bardugo, Alyssa Cole, Lucy Foley, Elly Griffiths, Natalie Hayes, Jean Kwok, Val McDermid, Karen M. McManus, Dreda Say Mitchell, Kate Mosse und Ruth Ware hauchen der wohl berühmtesten Detektivin der Welt frischen Wind ein und lassen Miss Marple in gleich mehreren Geschichten um die Welt düsen. Miss Marple ermittelt außerhalb ihres Heimatdörfchens St. Mary Mead auch in der Karibik, in New York, in Hong Kong, London und an der Amalfi Küste. Die Dame kommt rum. Sie hat auch deutlich moderne Ansichten was ich als erfrischend empfand.
Jede Autorin und jeder Autor stellt Agatha Christies Marple aus ihrer ganz eigenen Perspektive dar und bleibt dabei den Merkmalen des Cozy Crime treu.
“Ah, my dear,” Aunt Jane smiles kindly, “the problem with that, you see, is that no one is ever the murdering sort until they are.”
Miss Marple wurde den Lesern zum ersten Mal in einer Geschichte vorgestellt, die Christie 1927 für das Royal Magazine schrieb, und hatte ihren ersten Auftritt in einem kompletten Roman in „The Murder at the Vicarage“ von 1930. Es ist 45 Jahre her, dass Agatha Christies letzter Marple-Roman, „Sleeping Murder“, 1976 posthum veröffentlicht wurde, zum Glück haben die zwölf Autorinnen alles dafür getan uns daran zu erinnern warum Jane Marple die berühmteste Detektivin aller Zeiten bleiben wird.
This House is haunted – John Boyne auf deutsch unter dem Titel „Haus der Geister“ im Piper Verlag erschienen, übersetzt von Sonja Finck
England 1867. Die junge Eliza Caine reist in die Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace begrüßt. Überrascht stellt Eliza fest, dass die beiden offenbar allein in dem viktorianischen Anwesen leben. Von den Eltern und anderen Angestellten fehlt jede Spur. Da sie die Kinder unmöglich ihrem Schicksal überlassen kann, bleibt sie – und stellt schon bald fest, dass sie doch nicht allein sind …
Before we learn to feel afraid of things, our bodies know how to do them anyway. It’s one of the more disappointing aspects of growing older. We fear more so we can do less.
So richtig warm geworden bin ich nicht mit dem Buch. Es war alles ein bißchen zu vorhersehbar aber vielleicht hat er ja auch eine Persiflage auf den Gothic Roman schreiben wollen und ich habe das nur nicht gemerkt? Falls das der Fall ist und einige Menschen auf Goodreads glauben das durchaus, dann hat das Jane Austen mit „Northanger Abbey“ etwas besser gemacht. Das ist ordentliche Unterhaltung, kann man gut lesen – aber schlaflose Nächte macht es nicht.
The Dark is rising – Susan Cooper auf deutsch unter dem Titel „Wintersonnenwende“ im CBT Verlag, übersetzt von Annemarie Böll
Habe ich nicht gelesen, sondern bei der BBC als Audio Drama gehört (gesprochen von Robert Mcfarlane unter anderem) – das war ein sehr großes Vergnügen und ich schicke noch mal einen lieben Dank an die liebe Bookclub Freundin die mich darauf aufmerksam machte. Die Fantasy Reihe die aus fünf Bänden besteht, kennt in UK jedes Kind – ob das hier in Deutschland auch der Fall ist weiß ich gar nicht. Auf TikTok ist es auf jeden Fall seit einer Weile Trend das Buch jedes Jahr am 20. Dezember (dem Tag vor Wills 11. Geburtstag) zu lesen, zwölf Tage lang jeweils ein Kapitel. Ein sehr schönes Ritual und das Buch ist perfekt dafür. Es spielt genau zu dieser Zeit, es gibt jede Menge Schnee, Weihnachten ist vor der Tür und die Geschichte selbst nimmt einen innerhalb kürzester Zeit gefangen.
In Cornwall, wo die Mythen um König Artus wurzeln, schrecken die Kräfte der Finsternis vor nichts zurück, um die Mächte des Lichts für immer zu besiegen. Gemeinsam mit den Mächten des Lichts und ihren Gefährten Will und Bran nehmen die Geschwister Jane, Barney und Simon den Kampf gegen das Böse auf.
“The strange white world lay stroked by silence. No birds sang. The garden was no longer there, in this forested land. Nor were the out-buildings nor the old crumbling walls. There lay only a narrow clearing round the house now, hummocked with unbroken snowdrifts, before the trees began, with a narrow path leading away.”
Will Stanton erfährt an seinem elften Geburtstag, dass er zu den Uralten gehört. Als Letzter einer langen Reihe von Auserwählten muss er den entscheidenden Kampf gegen das Böse ausfechten. Ohne zu zögern stellt er sich dieser Aufgabe. In der entscheidenden Nacht, während eines Schneesturms, holen die Mächte der Dunkelheit zu ihrem finsteren Schlag aus …
Große Leseempfehlung oder hört euch das an – das geht sicherlich auch jetzt gleich Anfang des Jahres noch gut, wenn alles noch ruhiger und gelassener ist als später im Jahr. Oder ihr wartet eben auch auf den 20. Dezember.
The Haunting Season – Ghostly Tales for long Winter Nights auf deutsch unter dem Titel „Schaurige Nächte“ im Dumont Verlag erschienen, übersetzt von Werner Löcher-Lawrence
Lange bevor Charles Dickens und Henry James die Tradition des übernatürlichen Horrors populär machten, waren die dunklen Winternächte eine Zeit, in der sich die Menschen bei flackerndem Kerzenlicht versammelten und sich voller Nervenkitzel gruselige Geschichte erzählten.
Acht Autor*innen erfinden diese Tradition neu und nehmen uns mit in frostige Sümpfe, dunkle Häuser, auf tief verschneite Anwesen oder auf einen Londoner Weihnachtsmarkt – das Gruselige ist immer und überall. Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Natasha Pulley, Jess Kidd, Laura Purcell, Andrew Michael Hurley, Kiran Millwood Hargrave und Elizabeth Macneal sind mit jeweils einer Geschichte vertreten. Am besten hat mir „The Chillingham Chair“ von Laura Purcell gefallen.
Fires blazed merrily in every hearth. Delicious scents of cinnamon and roast meat drifted up from the kitchen, and all the windows were laced with frost. It seemed impossible to believe that this house, this very chair, had appeared so menacing by night.
Die Spukgeschichten in der Sammlung haben mir gut gefallen. Die Atmosphäre ist wunderbar wohlig gruselig, am besten liest man die am Kaminfeuer und Kerzenlicht in einem alten Gebäude in dem es immer an der richtigen Stelle zu knacken und zu knarzen beginnt. Kann ich absolut empfehlen, die Geschichten sind auch wunderbar zum Vorlesen geeignet und was gibt es Schöneres als vorzulesen oder vorgelesen zu bekommen?
The Animals at Lockwood Manor – Jane Healey auf deutsch erschienen unter dem Titel „Die stummen Wächter von Lockwood Manor“ im Hanser Verlag, übersetzt von Susanne Keller
Hetty Cartwright muss eine Sammlung des Londoner Natural History Museum vor dem heraufziehenden Krieg in Sicherheit bringen – ins verfallene Herrenhaus Lockwood Manor. Doch das Haus wirkt auf Hetty wie verflucht: Ihre geliebten Exponate, der ausgestopfte Panther, die Kolibris und der Eisbär, verschwinden, werden zerstört und scheinen nachts umherzuwandern. Zusammen mit der Tochter des tyrannischen Hausherrn, Lucy Lockwood, versucht Hetty, die nächtlichen Geschehnisse zu ergründen, und bringt ein tragisches Geheimnis ans Licht. Eine fesselnde und betörende Geschichte über eine große Liebe und den Wahnsinn einer Familie, ihre lang vergrabenen Geheimnisse und versteckten Sehnsüchte.
Perhaps I could be like some desert plant, and these months together could be the rarest of summer rainstorms, could be all the water I would ever need to survive, to live on—but I knew that could not be true, for I was a creature of flesh and blood.
Hatte mich sehr auf das Buch gefreut. Ein großes Herrenhaus in dem es vielleicht spukt, dunkle Geheimnisse und eine queere Liebesgeschichte, das klang so perfekt – aber leider ging es mir hier wie mit dem Buch von John Boyne – ich wurde einfach nicht richtig warm mit der Geschichte. Das war mir alles viel zu an den Haaren herbeigezogen, die Stimmen der Protagonistinnen waren sich für meinen Geschmack zu ähnlich und mir gingen die ausgestopften Tiere auf die Nerven.
Muss man nicht lesen – das schnulzige Cover hätte mir eine Warnung sein sollen.
The Mistletoe Murder and other stories – P. D. James auf deutsch unter dem Titel „Der Mistelzweig-Mord: Weihnachtliche Kriminalgeschichten“ im Droemer Knaur Verlag erschienen
Mit PD James kann man ja nicht viel falsch machen. In diesem hübschen Bändchen finden wir vier bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten, die alle mehr oder weniger mit Weihnachten zu tun haben und perfekte kleine Krimihappen sind, die man wunderbar unterm Weihnachtsbaum lesen kann.
Der Mistelzweig-Mord«, die titelgebende Story, handelt von einer Weihnachtsfeier im Landhaus, die unter keinem guten Stern steht. In »A Very Commonplace Murder« geht es um eine illegale Affäre, die mit Mord endet und »The Boxdale Inheritance« und »The Twelve Clues of Christmas« sind neue Fälle für P. D. Jamesʼ Kult-Ermittler Commander Adam Dalgliesh, der längst in die Krimi-Literaturgeschichte eingegangen ist.
Bereavement is like a serious illness. One dies or one survives, and the medicine is time, not a change of scene.
Diese vier Weihnachts-Krimis zeigen das ganze Können der englischen Bestseller-Autorin P. D. James, von ihrem eleganten Stil über ihre Akribie bis zum unbestechlichen Blick hinter alle Fassaden
Wo die Wölfe sind – Charlotte McConaghy erschienen im S. Fischer Verlag, übersetzt von Tanja Handels
Juhuuuu – endlich mal kein Grusel, keine Herrenhäuser, keine Dienstboten! Hier geht es um Wölfe die in Schottland wieder ausgewildert werden sollen. „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy dreht sich um die Inti Flynn, eine Biologin, die sich für die Wiederansiedlung von Wölfen in den schottischen Highlands einsetzt. In der Geschichte geht es um die Beziehungen zwischen Mensch und Tier, Umweltschutz und die Folgen unseres Handelns für die Natur. Bei der Bewältigung ihrer anspruchsvollen Mission muss Inti auch mit persönlichen Dämonen fertig werden und sich mit der Komplexität der menschlichen Natur auseinandersetzen.
Der Roman ist sehr vielschichtig. Da sind zum einen die Herausforderungen der Gegenwart, denen sich Inti bei ihrer Arbeit mit den Wölfen stellen muss, und der Versuch, die Menschen in der Gegend, die Ackerbau und Viehzucht betreiben und Angst vor den Wölfen haben, davon zu überzeugen, dass die Wiederansiedlung eine gute Sache ist. Sie kümmert sich auch um ihre Zwillingsschwester, die ein Trauma erlitten hat.
Wir erhalten einen Einblick in die Vergangenheit der Schwestern, in der sie abwechselnd bei ihrer pragmatischen Mutter, einer Polizeidetektivin in Australien, und ihrem Vater, einem ehemaligen Holzfäller, einem Einsiedler, einem „fast verrückten“ Umweltschützer in Kanada, lebten.
“My father used to say the world turned wrong when we started separating ourselves from the wild, when we stopped being one with the rest of nature, and sat apart.”
Die Stärke des Romans ist für mich der Schreibstil, die klaren und schönen Beschreibungen der Wölfe, der Natur. Ich habe jede Menge Sätze rausgeschrieben, die ich großartig fand. Mein vielleicht einziger Kritikpunkt ist, dass ich erhofft hatte noch mehr über Wölfe zu erfahren. Vielleicht muß ich mir dafür mal ein Sachbuch besorgen, auf jeden Fall hat die Autorin mir diese Tiere immens nahe gebracht.
Charlotte McConaghy ist eine sehr talentierte Autorin und ich freue mich schon sehr darauf demnächst „Migrations“ zu lesen
Bellman & Black – Diane Setterfield auf deutsch erschienen im Karl Blessing Verlag unter dem Titel „Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman“ übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzner
Dark, atmospheric … utterly riveting sagt die Daily Mail und ich frage mich, ob ich eventuell ein anderes Buch gelesen habe. Ich fand Bellman & Black einfach nur sterbenslangweilig. Ich habe gelesen und gelesen und mich permanent gefragt wann jetzt mal irgendwas Bemerkenswertes passiert und dann war das Buch fertig. Vielleicht hätte der deutsche Titel mir eine Warnung sein können, hätte ich ihn vorher gewußt, denn nach der Lektüre weiß ich jetzt soviel mehr über das Wollspinnen als ich jemals wissen wollte und die großzügigen drei Sterne die ich vergeben habe auf Goodreads liegen einzig an ein paar schön geschriebenen Szenen.
“He felt something move in his chest, as though an organ had been removed and something unfamiliar left in its place. A sentiment he had never suspected the existence of bloomed in him. It traveled from his chest along his veins to every limb. It swelled in his head, muffled his ears, stilled his voice, and collected in his feet and fingers. Having no language for it, he remained silent, but felt it root, become permanent.”
William Bellman tötet als Kind eine Krähe, um seinen drei besten Freunden zu beweisen, wie gut er mit der Steinschleuder umgehen kann. Am Abend nach der Tat glaubt er, unter dem Baum, auf dem die Krähe saß, einen schwarz gekleideten Jungen zu sehen. Zunächst scheint dies kein schlechtes Omen zu sein: Als Jugendlicher beginnt William in der Wollspinnerei seines Großvaters zu arbeiten, sein Onkel ernennt ihn bald zum Teilhaber, und als die beiden plötzlich sterben, übernimmt William die Spinnerei und macht daraus ein Erfolgsunternehmen. Doch dann häufen sich die mysteriösen Todesfälle in seiner Umgebung, seine Frau und seine Kinder erkranken schwer. Und William begegnet immer wieder einer dunklen Gestalt, die ihm schließlich einen verhängnisvollen Pakt anbietet, um seine Existenz und sein Glück zu retten …
Habe hier noch „The Thirteenth Tale“ von der Autorin liegen, werde ich so schnell nicht lesen – laut der Kritiken soll es aber deutlich besser sein.
Ich hoffe euch ist mein Schauer-Grusel-Krimi-Marathon nicht auch auf den Magen geschlagen. Konnte ich euch für das eine oder andere Buch interessieren? Welche kanntet ihr, zu welchen hattet ihr ggf ganz andere Meinungen als ich?
Ich freue mich auf das neue Lesejahr mit euch und verspreche – es wird auch wieder etwas gehaltvoller.
Der November war eine gelungene Mischung aus Vorbereitung aufs Reading Weekend in Paris mit Werken von und über Hemingway, herbstlichem Grusel, einem Abstecher ins viktorianische London zum Auftakt meines Sherlock Holmes Marathons und einem spannenden Sachbuch über die Evolution des weiblichen Körpers. Hier dürfte dieses Mal wirklich für fast jeden was dabei sein 😉 Wie immer geht es direkt los in alphabetischer Reiheinfolge.
Cat Bohannon – Eve: How the female Body drove 200 Million Years of Human Evolutionauf deutsch erschienen im C. Bertelsmann Verlag
Eine Mythen entlarvende, aufschlussreiche Darstellung darüber, wie sich der Mensch entwickelt hat, die eine Paradigmenverschiebung in unserem Denken darüber bietet, was der weibliche Körper ist, wie er entstanden ist und wie diese Evolution immer noch unser aller Leben beeinflusst.
Wie hat der weibliche Körper 200 Millionen Jahre menschlicher Evolution vorangetrieben? • Warum leben Frauen länger als Männer? • Warum neigen Frauen eher zu Alzheimer? • Warum schneiden Mädchen in jedem schulischen Fach besser ab als Jungen, bis ihre Noten plötzlich in der Pubertät abfallen? • Ist Sexismus für die Evolution nützlich? • Und warum müssen Frauen jede Nacht wie verrückt schwitzen, wenn sie in die Menopause kommen?
Diese Fragen behandelt Cat Bohannon mit grenzenloser Neugier und scharfem Witz die letzten 200 Millionen Jahre, um die spezifische Wissenschaft hinter der Entwicklung des weiblichen Geschlechts zu erklären: „Wir brauchen eine Art Bedienungsanleitung für das weibliche Säugetier. Einen sachlichen, treffenden, ernsthaft erforschten (aber lesbaren) Bericht darüber, was wir sind. Wie sich weibliche Körper entwickelt haben, wie sie funktionieren, was es wirklich bedeutet, biologisch eine Frau zu sein. Etwas, das die Geschichte der Weiblichkeit neu schreiben würde. Dieses Buch ist diese Geschichte. Wir müssen den weiblichen Körper ins Bild rücken. Wenn wir das nicht tun, ist nicht nur der Feminismus beeinträchtigt. Moderne Medizin, Neurobiologie, Paläoanthropologie, sogar Evolutionsbiologie nehmen Schaden, wenn wir die Tatsache ignorieren, dass die Hälfte von uns Brüste hat. Also wird es Zeit, über Brüste zu sprechen. Brüste, und Blut, und Fett, und Vaginas, und Gebärmütter – alles. Wie sie entstanden sind und wie wir heute mit ihnen leben, ganz gleich, wie seltsam oder amüsant die Wahrheit ist.“
No other mammals on the planet have been observed regularly helping one another through birth. Or at least, none we know of. Two monkey species have been observed assisting in a birth, but each case seems incredibly rare. One was a black-and-white snub-nosed monkey in 2013, but it was hard to draw conclusions since it was a daytime birth and usually they occur at night. The second, involving a langur monkey, was recorded in 2014—and if it hadn’t been recorded, no one would have believed it. Chinese primatologists had observed this group of langurs for years and saw that the females generally gave birth alone. But not this time. On a rocky outcropping, an older female monkey hung around a younger mother who was clearly struggling in active labor. The newborn came out halfway. The older monkey quickly pulled the baby out of the mother’s vagina, held the kid for a minute, licked it, and then handed it to its mother. This may be the first clear evidence of active birth assistance in any mammal besides humans.”
Hab irre viel bei der Lektüre dieses Buches gelernt. Macht sich als Weihnachtsgeschenk wahrscheinlich richtig gut.
Arthur Conan Doyle – Eine Studie in Scharlachrotauf deutsch erschienen im Deutschen Bücherbund übersetzt von Gisbert Haefs
„Eine Studie in Scharlachrot“ ist der erste Roman von Sir Arthur Conan Doyles berühmter Sherlock-Holmes-Reihe. Die Geschichte beginnt damit, dass der Arzt Dr. John Watson einen Mitbewohner sucht und sich mit dem exzentrischen Detektiv Sherlock Holmes zusammentut. Die beiden werden in den Fall eines mysteriösen Mordes hineingezogen, bei dem ein Mann in einem verlassenen Haus in London tot aufgefunden wird. Das Opfer trägt einen scharlachroten Faden um das Handgelenk. Während Holmes mit seinen genialen deduktiven Fähigkeiten den Täter aufspürt, enthüllt die Erzählung auch die Hintergrundgeschichte des Mörders, die mit einem fanatischen religiösen Kult im amerikanischen Westen in Verbindung steht. „Eine Studie in Scharlachrot“ präsentiert die brillante Kombination von Holmes‘ Logik und Watsons Erzählkunst und markiert den Beginn einer faszinierenden Reihe von Kriminalgeschichten.
“To a great mind, nothing is little,‘ remarked Holmes, sententiously.”
Bin voll ins Sherlock Holmes Fieber geraten. Auch wenn ich die Romane und Erzählungen wahrscheinlich fast alle schon mal gelesen haben, macht es unfassbar viel Spaß die ganzen wunderschönen Bände jetzt noch einmal der Reihe nach zu lesen und dabei meine Book Nook zu bewundern, die ganz eindeutig das Arbeitszimmer von Sherlock darstellt.
Elizabeth Hand – A Haunting on the Hill erschienen bei Mulholland Books, bisher noch nicht auf deutsch übersetzt
Von der mehrfach ausgezeichneten Autorin Elizabeth Hand, kommt der allererste autorisierte Roman, der in die Welt von Shirley Jacksons „Spuk in Hill House“ zurückkehrt: eine spannende, zeitgenössische und beängstigende Geschichte von Sehnsucht und Isolation, die ganz für sich steht.
Holly Sherwin ist seit Jahren eine kämpfende Dramatikerin, aber jetzt, nachdem sie ein Stipendium erhalten hat, um ihr Stück „Die Hexe von Edmonton“ zu entwickeln, könnte sie endlich kurz vor ihrem großen Durchbruch stehen. Alles, was sie braucht, ist Zeit und Raum, um ihre Vision zum Leben zu erwecken. Als sie bei einem Wochenendausflug in den Norden auf Hill House stößt, ist sie sofort von dem opulenten, wenn auch verfallenden, gotischen Herrenhaus fasziniert, das fast versteckt außerhalb eines abgelegenen Dorfes liegt. Es ist riesig, alt und unheimlich – der perfekte Ort, um ihr Stück zu entwickeln und zu proben.
Trotz ihrer eigenen Bedenken stimmt Hollys Freundin Nisa zu, sich Holly anzuschließen und das Haus für einen Monat zu mieten, und bald darauf kommt eine Gruppe Schauspieler, jeder mit seinen eigenen Geistern, an. Doch während sie sich einrichten, werden die Eigenheiten des Hauses bekannt: Seltsame Kreaturen streifen über das Gelände, störende Geräusche hallen durch die Gänge, und die Zeit selbst scheint sich zu verschieben. Zu schnell finden sich Holly und ihre Freunde nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Haus selbst im Konflikt. Es scheint, als ob etwas all die Jahre in Hill House gewartet hat und nicht mehr alleine gehen will…
“Some call me witch, and through their hatred they’ve taught me how to be one…”
War etwas skeptisch vorab, aber Elizabeth Hand ist wunderbar gruseliger, wohliger Horror gelungen für alle Fans von Shirley Jacksons Klassiker.
Matt Haig – Die Radleys erschienen im Rowohlt Verlag, übersetzt von Friederike Levin
Gestatten: die Radleys. Eine ganz normale Familie. Bishopthorpe, ein kleines Städtchen im Herzen Englands: Hier leben die Radleys. Vater Peter ist Arzt, Mutter Helen mit Leib und Seele Hausfrau und engagiertes Lesezirkel-Mitglied. Ihre Kinder Rowan und Clara besuchen das örtliche College. Eine Bilderbuchfamilie, geachtet bei Nachbarn und Freunden. Doch warum muss Rowan selbst im Winter Sonnenschutzfaktor 60 auflegen? Warum ist Clara Veganerin und hat dennoch nicht das Gefühl, sich gesund zu ernähren? Warum schmilzt der treue Ehemann Peter beim Anblick fremder weiblicher Nacken dahin? Warum verstummen alle Vögel, sobald ein Radley vor die Tür tritt? Und warum ist plötzlich alles voller Blut?
“That is what the taste of blood does. It takes away the gap between thought and action.To think is to do. There is no unlived life inside you as the air speeds past your body, as you look down at the dreary villages and market towns…”
Wem „richtige“ Vampir Romane zu düster oder blutig sind, für den bieten sich die Radleys als perfekte Einstiegslektüre an. Keine große Literatur aber ich habe den Roman gerne gelesen, Matt Haig ist einfach eine sichere Bank wenn man nach leichter gut geschriebener Literatur sucht.
Ernest Hemingway – Paris: Ein Fest fürs Leben erschienen im Rowohlt Verlag übersetzt von Werner Schmitz
Paris – ein Fest fürs Leben“ von Ernest Hemingway ist eine autobiografische Erzählung, die die Erfahrungen des Autors und seiner Frau Hadley während ihrer Zeit in Paris in den 1920er Jahren dokumentiert. Der Roman bietet einen Einblick in das künstlerische und kulturelle Leben der Stadt, insbesondere in den Kreisen der damaligen literarischen Größen wie Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und Ezra Pound.
“We would be together and have our books and at night be warm in bed together with the windows open and the stars bright.”
Hemingway beschreibt die Atmosphäre von Paris als vital und inspirierend, und er teilt seine persönlichen Erlebnisse, darunter auch seine Beziehung zu seiner ersten Frau Hadley. Der Titel „Paris – ein Fest fürs Leben“ spiegelt die lebendige und leidenschaftliche Stimmung wider, die Hemingway mit der Stadt verbindet. Die Erzählung vermittelt nicht nur die Freuden und Herausforderungen des Schriftstellerlebens, sondern auch die Dynamik der zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser künstlerisch aufgeladenen Umgebung. Hemingways prägnanter Schreibstil und seine Fähigkeit, lebendige Bilder zu malen, machen das Buch zu einem fesselnden Zeugnis seiner Zeit in Paris und seines persönlichen Wachstums als Schriftsteller.
Er kann wirklich gut schreiben der Herr Hemingway und es macht auch durchaus Spaß das Buch zu lesen insbesondere wenn man dann kurz drauf durch Paris stromert im Rahmen eines Reading Weekends, aber er ist echt eine ganz fürchterliche Lästerbacke. Jede und jeder der ihn mal unterstützt hat und dem er eigentlich vielleicht ein bisschen dankbar sein sollte bekommt sein Fett weg. Krass!
Paula McLain – Hemingway & Ich erschienen im Aufbau Verlag, übersetzt von Yasemin Dinçer
„Love & Ruin“ von Paula McLain ist ein historischer Roman, der sich auf das Leben von Martha Gellhorn konzentriert, einer amerikanischen Journalistin und Schriftstellerin, die auch die dritte Ehefrau von Ernest Hemingway war. Die Geschichte spielt in den 1930er und 1940er Jahren und führt die Leser durch Gellhorns faszinierendes Leben, ihre Arbeit als Kriegsberichterstatterin während des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs.
“Real writing, I was beginning to realize, was more like laying bricks than waiting for lightning to strike. It was painstaking. It was manual labor. And sometimes, sometimes if you kept putting the bricks down and let your hands just go on bleeding, and didn’t look up and didn’t stop for anything, the lightning came. Not when you prayed for it, but when you did your work.”
Der Roman erforscht ihre komplizierte Beziehung zu Hemingway, während beide versuchen, ihren Platz in der Welt des Journalismus und der Literatur zu finden. McLain beschreibt die Herausforderungen, denen Gellhorn als Frau und Kriegsreporterin gegenübersteht, sowie die intensiven Emotionen und Spannungen in ihrer Ehe mit Hemingway. „Love & Ruin“ bietet einen Einblick in die turbulenten politischen und persönlichen Zeiten, in denen Gellhorn lebte, und zeigt die Opfer und Hingabe einer Frau, die nach ihrer eigenen Identität strebte, während sie sich in einer von Männern dominierten Welt behauptete.
Habe schon den Band „The Paris Wife“ sehr gerne gelesen und auch dieser Roman um Martha Gellhorn ist klasse. Was für eine spannende Frau. Gegen sie sieht Hemingway stellenweise ganz schön blaß aus. Dieses Interview mit Martha Gellhorn fand ich unfassbar spannend:
Cathy Rentzenbrink – Dear Reader erschienen im Picardor Verlag, bislang nicht ins Deutsche übersetzt
Solange sie sich erinnern kann, hat sich Cathy Rentzenbrink in Geschichten verloren und wieder gefunden. Schon in ihrer Kindheit wurde sie selten ohne ein Buch gesehen und las heimlich noch lange, nachdem das Licht ausgeschaltet war. Als das Unglück zuschlug, hielten Bücher sie über Wasser. Schließlich wiesen sie ihr den Weg zu einem neuen Pfad, zuerst als Buchhändlerin und dann als Schriftstellerin. Egal, was die Zukunft bereithält, das Lesen wird immer helfen.
„Dear Reader“ ist eine bewegende, humorvolle und freudige Erkundung darüber, wie Bücher den Verlauf des Lebens verändern können, randvoll mit Empfehlungen von einer Leserin an eine andere.
Dies ist wirklich das ultimative Buch für Buchliebhaber. Cathy Rentzenbrink führt den Leser durch ein Labyrinth von Büchern von der Kindheit bis zur Mutterschaft und dem Verlust, wobei sie auf dem Weg einige ihrer liebsten und unvergesslichsten Geschichten empfiehlt. Es ist wirklich ein eigenartiges Buch zu kategorisieren – teilweise Memoiren, aber auch einfach ein Teil allgemeiner Plauderei über Bücher. Es fühlt sich an, als würde der Leser mit einer Freundin sprechen, die zufällig dieselbe Leidenschaft fürs Lesen teilt und viele Bücher liest.
“Don’t allow anything to dent your reading pleasure. Don’t let anyone tell you that what you like isn’t proper, that what brings comfort and ease to your soul isn’t good enough.”
Es ist wirklich spannend, wie transformativ Bücher wirklich sein können. In schweren Zeiten sind sie immer da – der stille Freund, der helfen kann, den Kopf frei zu bekommen und einen für eine Weile aus der realen Welt zu entführen. Sie können auch dazu beitragen, wie man die Welt sieht, die eigenen Horizonte erweitern und die Sicht auf das Leben verändern, direkt von Ihrem gemütlichen Lesesessel aus.
Hervé Le Tellier – Die Anomalie erschienen im Rowohlt Verlag, übersetzt von Romy & Jürgen Ritte
„Die Anomalie“ von Hervé Le Tellier ist ein Roman, der verschiedene Genres und Perspektiven geschickt miteinander verwebt. Die Geschichte beginnt mit dem mysteriösen Vorfall eines Flugzeugs, das während eines Transatlantikflugs für wenige Minuten in der Zeit verschwindet und dann sicher am Zielort landet. Der Roman beleuchtet die Auswirkungen dieses Ereignisses auf das Leben der Passagiere, die nach ihrer Rückkehr mit unerklärlichen Veränderungen und Konflikten konfrontiert sind.
“Es gibt ein Leben nach dem Tod, besonders nach dem der anderen.”
Der Plot entwickelt sich durch die Augen verschiedener Charaktere, darunter ein Schriftsteller, ein Bodyguard, eine Finanzmanagerin und andere, die alle an diesem ungewöhnlichen Ereignis beteiligt sind. Die Geschichte erkundet die Komplexität von Identität, Realität und den Auswirkungen von Entscheidungen. Mit Elementen von Science-Fiction, Thriller und Drama bietet „Die Anomalie“ eine fesselnde und tiefgründige Reflexion über das menschliche Dasein und die möglichen Verzweigungen, die durch eine solche Anomalie entstehen können.
Denke immer noch darüber nach was ich machen würde wenn ich auf einmal der Bingereaderin gegenüberstehen würde und über all die Implikationen. Eines meiner Bücher 2023 – große Empfehlung!
Das war der November meine Lieben! Und – war etwas dabei für euch? Welches kennt ihr, welches mochtet ihr oder vielleicht auch nicht? Freue mich wie immer sehr auf eure Rückmeldungen und verspreche auf jeden Fall mehr Sherlock Holmes in den kommenden Monaten.
Unser Bookclub hat sich im November in ein wirklich großartiges literarisches Abenteuer gestürzt: Wir wandelten auf den Spuren der „Lost Generation“ und hatten ein paar wunderbare Tage voller Literatur, Champagner und natürlich Paris!
Paris, die Stadt der Liebe und der Literatur, war der perfekte Schauplatz für unser jüngstes Reading Weekend mit dem Bookclub. Unsere Reise führte uns durch winzige Gassen, zu den historischen Bars und Wohnungen der Schriftsteller*innen der „Lost Generation“. In den Fußstapfen von Größen wie Ernest Hemingway, Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald, Man Ray, William Faulkner, Ezra Pound und James Joyce entdeckten wir die literarischen Wirkstätten, die diese Künstler in den 1920er Jahren inspirierten.
Ernest Hemingway: Ein Blick in sein Paris Eine unserer erste Station war die Wohnung von Ernest Hemingway, einem der prägenden Köpfe der „Lost Generation“. Hemingway, bekannt für seinen minimalistischen Schreibstil, lebte in den 1920er Jahren in Paris. Seine Wohnung in der Rue du Cardinal Lemoine war Treffpunkt für viele Künstler seiner Zeit. Wir betraten die Räume, in denen Hemingway seine Geschichten schmiedete, und spürten die Energie vergangener kreativer Genies.
Ein Höhepunkt unseres Hemingway-Trips war der Besuch von Bars und Restaurants, die er frequentierte. Das „La Contrescarpe “ und das „Le Select“ waren nicht nur Orte in denen ordentlich gebechert wurde, sondern auch Schauplätze, an denen Ideen geboren wurden, die die Welt der Literatur veränderten.
Gertrude Stein: Im Zentrum der Kreativität Unser Weg führte uns weiter zu Gertrude Steins Wohnung in der Rue de Fleurus. Die Salonière und Sammlerin von Kunst und Literatur war eine zentrale Figur im Pariser Kulturleben. Hier versammelten sich die Köpfe der „Lost Generation“ zu anregenden Diskussionen. Wären sehr gerne einmal in die Wohnung reingegangen um zu schauen, ob die Atmosphäre ihrer Wohnung noch immer spürbar ist, so dass etwas von ihrer Faszination für avantgardistische Kunst und ihre Spürnase für künftige Größen der Literatur auf uns abfärbt.
F. Scott Fitzgerald: Zwischen Glanz und Tragödie Die Wohnung von F. Scott Fitzgerald in der Rue Vaugirard war ein weiterer Stop auf unserer Tour. Der Autor von „Der große Gatsby“ und seine Frau Zelda prägten die Pariser Bohème.
Man Ray, William Faulkner, Ezra Pound und James Joyce: Vielfalt der Einflüsse Unsere Tour führte uns durch die Viertel Montparnasse und Saint-Germain-des-Prés, wo Künstler wie Man Ray, William Faulkner, Ezra Pound und James Joyce ihre Spuren hinterließen. Die Diversität der Einflüsse dieser Schriftsteller spiegelte sich in ihren Werken wider und prägte das kulturelle Erbe dieser Zeit.
Shakespeare und Company: Ein Buchladen mit Geschichte Einen besonderen Stopp legten wir im Buchladen „Shakespeare und Company“ ein. Gegründet von Sylvia Beach in den 1920er Jahren, war der Laden ein Treffpunkt für viele Schriftsteller der „Lost Generation“. Beach veröffentlichte sogar James Joyces bahnbrechenden Roman „Ulysses“. Heute wird der Geist dieses einzigartigen Ortes von George Whitman in Ehren gehalten, der den Laden in den 1950er Jahren wiedereröffnete. Ein Ort, an dem Literatur lebendig wird und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt. Und der einem wirklich wirklich zum Kaufen von Büchern verführt. Für mich ist besonders der Teil mit den antiquarischen Büchern gefährlich. Habe eine wunderschöne John Steinbeck Ausgabe gefunden!
Abseits der literarischen Entdeckungen haben wir natürlich auch Sightseeing betrieben. Der Eiffelturm darf nie fehlen – ich liebe ihn besonders bei Nacht wenn Madame Eiffel zur vollen Stunde glitzert und funkelt. Das Pantheon ist so beeindruckend und sowohl der Jardin du Luxembourg mit seinen grünen Alleen und der Palais du Luxembourg waren wunderbare Oasen der Ruhe inmitten der Stadt.
Die Geheimnisse unter den Straßen: Eine Reise in die Pariser Katakomben Ein weiteres Highlight unseres Trips war der Abstecher in die faszinierende Welt der Pariser Katakomben. Unter den glanzvollen Boulevards und charmanten Gassen erstreckt sich ein unterirdisches Labyrinth, das mit Geschichte und Geheimnissen gefüllt ist. Die Katakomben, ursprünglich als Steinbrüche genutzt, wurden im 18. Jahrhundert zu einem beeindruckenden unterirdischen Friedhof umgestaltet.
Der Ort hat eine gespenstische, aber faszinierende Atmosphäre, die uns in die Tiefen der Pariser Vergangenheit entführte. Bin aber wirklich nicht sicher, ob ich da allein eine Nacht verbringen würde. Bissl gruselig war es schon.
Gutes Essen, Wein und Gespräche: Ein Genuss für die Sinneoder auch A moveable Feast Das Lesen wurde ergänzt durch eine ganze Reihe kulinarischer Erlebnisse. In den Straßencafés probierten wir leckere französische Köstlichkeiten und genossen exzellenten Wein. Und jedes einzelne Restaurant in dem wir gegessen haben, war richtig gut und natürlich durfte auch ein kurzer Marktbesuch nicht fehlen, bei dem wir zumindest ein bißchen Käse für zu Hause eingekaufen konnten.
At home in Sèvres: Hemingway am Kamin und Bouef Bourgignon am Tisch Unsere Unterkunft in Sèvres, zwischen Paris und Versailles gelegen, war ein perfekter Rückzugsort. Das Haus meiner Freundin – die uns wunderbar umhegte, bekochte und eine großartige Gastgeberin ist. – war der ideale Ort, um über Hemingways Roman „Paris – ein Fest für die Liebe“ zu sprechen. Der Kamin wurde zum Mittelpunkt unserer Gespräche, begleitet von einem köstlichen Bouef Bourgignon und Champagner, der einem das Gefühl gab Teil der „Lost Generation“ zu sein.
Für unser Reading Weekend lasen wir Hemingways „Paris – ein Fest für die Liebe“ das den Leser den Leser in die Welt der Bohème und der Künstler entführt. Die lebendige Beschreibung der Pariser Szene machte unsere eigenen Erfahrungen noch intensiver. Wir hatten für den regulären Bookclub schon Paula McLains „Hemingway und ich“ gelesen und hätte uns jemand zugehört, man hätte uns für ausgesprochene Hemingway-Expertinnen halten können. Wir haben ziemlich viel über ihn gehört und gelesen in letzter Zeit, heißt aber nicht, dass wir dem zugegebenermaßen großen Schriftsteller kritiklos gegenüberstehen. Eine faszinierende aber sehr schwierige Persönlichkeit, der immer wieder genau die Menschen in seinem Buch „Paris – Ein Fest für die Liebe“ aufs übelste beschimpft. Ob Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald oder der arme Ford Maddox Ford – jeder bekam sein Fett weg. Dennoch habe ich die kurzen Paris – Vignetten gerne gelesen und kann es als Begleitlektüre für ein Paris Wochenende auf jeden Fall empfehlen.
Ich hatte außerdem Andrea Weiss‘ „Paris war eine Frau“ dabei. Das Buch ist ist eine fesselnde Erkundung der weiblichen Pioniere der Pariser Bohème während der 1920er Jahre. Weiss wirft in diesem Sachbuch einen inspirierenden Blick auf Frauen wie Sylvia Beach, Gertrude Stein, Djuna Barnes und viele andere, deren kreative Beiträge oft im Schatten ihrer männlichen Zeitgenossen standen. Diese Frauen prägten nicht nur die literarische Szene, sondern auch die Kunst, Politik und den Feminismus ihrer Ära. Das Buch enthüllt ihre faszinierenden Lebensgeschichten, ihre Beziehungen zueinander und ihre Einflüsse auf die Entwicklung der Moderne. „Paris war eine Frau“ ist eine Hommage an die weibliche Schaffenskraft in einer Zeit des kulturellen Wandels und bietet einen neuen Blick auf die dynamische Welt der „Lost Generation“ in Paris.
Wir hatten ein wirklich unvergessliches Wochenende in Paris und ich freue mich schon auf unseren nächsten gemeinsamen Trip – jetzt hallt allerdings erst einmal Paris noch eine ganze Weile nach und mein völlig verrückter gar nicht vernünftiger Spontan-Kauf einer kleinen Tischlampe für die ich noch den perfekten Platz finden muß wird mich zumindest immer an dieses Reading Weekend erinnern.
Vielleicht plane ich die Reise irgendwann noch einmal mit einer Gruppe literaturbegeisterter Menschen – sagt Bescheid, falls ihr dann mitfahren möchtet 🙂
Kein reiner Horroctober wie sonst, sondern eine Mischung aus etwas SciFi, Gothic Horror und eine Prise Manga, die aber durchaus auch ein paar schaurige Momente hatte. Das war ein sehr schöner Lesemonat – ich liebe den Oktober und er könnte für mich gerne immer doppelt so lange sein. Insbesondere durch unsere Landwoche die wir abends fast ausschließlich lesend im Bücherzimmer verbrachten kam diesen Monat einiges zusammen, die fürs „Gruppenfoto“ dann leider teilweise fehlten, weil ich sie dort vergessen hatte.
Aber jetzt reins ins Vergnügen, diesen Monat gehört oder gelesen in alphabetischer Reihenfolge:
Sunyi Dean – The Book Eaters erschienen im Harper Voyager Verlag (bislang nicht übersetzt):
Hätte ich die wunderbaren Kafka-Bände unserer Gastgeberin gegessen, ich wäre wohl selber mit Haut und Haar verschlungen worden. Also ganz gut, wenn man keine Bookeaters in seiner Wohnung hat: In den Mooren von Yorkshire lebt eine geheime Gruppe von Menschen, für die Bücher Nahrung sind und die den gesamten Inhalt eines Buches behalten, nachdem sie es gegessen haben. Für sie sind Spionageromane ein gepfefferter Snack, Liebesromane sind süß und lecker. Der Verzehr einer Landkarte kann ihnen helfen, sich an Reiseziele zu erinnern, und Kinder, die sich daneben benehmen, werden gezwungen, trockene, muffige Seiten aus Wörterbüchern zu essen.
Am Rande Englands gibt es einen Geheimbund, eine Reihe übernatürlicher Wesen, die als Bücherfresser bekannt sind und Bücher wie Nahrung verzehren, wobei sie ihren gesamten Inhalt und ihr Wissen behalten. Bedroht durch ihre immer kleiner werdende Zahl, werden die Frauen der Bücherfresser zu einem Leben mit Eheverträgen und Kinderkriegen erzogen. Trotzdem ist Devon Fairweather, die einzige Tochter eines alten Clans, neugierig aufgewachsen, doch mit der Geburt und dem anschließenden Anfall ihrer erstgeborenen Tochter erkennt Devon die Wahrheit über ihre Lage. Als ihr zweiter Sohn als Gedankenfresser geboren wird, eine dunklere Untergruppe der Bücherfresser mit einem Hunger nach menschlichem Verstand, schwört Devon, nicht denselben Fehler zu machen, und flieht mit ihm. Doch die Freiheit ist nicht alles, und als Devon und ihr Sohn Cai versuchen, unter Menschen zu leben, ist sie gezwungen, schreckliche Dinge zu tun, damit sie überleben können. Gegen ihren Willen wird Devon immer tiefer in die inneren Abläufe ihrer Art hineingezogen, bis ihre Freiheit zu einem unsagbaren Opfer wird.
“´We can only live by the light we’re given, and some of us are given no light at all. What else can we do except learn to see in the dark?
„The Book Eaters“ ist ein außergewöhnlicher Dark-Fantasy-Roman, sehr viel düsterer als ich es erwartet hätte und mit einem spannenden Worldbuilding. Mir hat er so viel besser gefallen, als ich es erwartet hatte. Sunyi Dean entwirft eine zeitgenössische Gothic-Horror-Geschichte, in deren Mittelpunkt die Macht von Geschichten und das Ausbrechen aus restriktiver Erziehung und Umfeld stehen. Ein sehr passender Titel für ein Buch, das ich an nur zwei Abenden verschlungen habe.
Ruth Franklin – Shirley Jackson A Rather Haunted Life erschienen im Liveright Verlag (bislang nicht auf deutsch erschienen)
„Shirley Jackson: A Rather Haunted Life“ von Ruth Franklin ist eine fesselnde Biografie über das Leben und die Arbeit der berühmten amerikanischen Schriftstellerin Shirley Jackson. Das Buch folgt Jacksons Leben von ihrer Kindheit bis zu ihrem tragischen Tod nach und bietet einen tiefen Einblick in ihre komplexen Persönlichkeit und wie sie zu der Autorin wurde, die heute eine riesiger Kult-Anhängerschaft vorzuweisen hat.
Franklin bringt dem Leser nicht nur die faszinierende Welt von Shirley Jackson näher, sondern auch die gesellschaftlichen und kulturellen Einflüsse, die ihr Werk geprägt haben. Die Biografie zeigt, wie Jackson von klein auf mit Themen wie Isolation, sozialer Konformität und den dunklen Seiten des menschlichen Geistes geprägt wurde.
Die Autorin präsentiert Jackson als eine Frau, die gegen viele gesellschaftliche Erwartungen ankämpfte, um ihren Platz in der Welt der Literatur zu finden. Sie betont Jacksons Rolle als eine Pionierin des psychologischen Horrors und zeigt, wie ihre Geschichten eine bleibende Wirkung auf die Literaturwelt hatten.
If one is bewildered and unhappy, why not show it, and why will not people explain and comfort? But instead—this pretense at calm satisfaction, where underneath there is all the seething restless desire to be off, away from all this anger at self and others, to where there are other conventions, other thoughts, other passions
Insgesamt ist „Shirley Jackson: A Rather Haunted Life“ eine Biografie, die nicht nur das Leben einer außergewöhnlichen Schriftstellerin beleuchtet, sondern auch einen Einblick in die Entstehung des modernen Horror-Genres gibt. Franklin’s Buch ist sowohl für Fans von Shirley Jackson als auch für Literaturliebhaber, die sich für das Leben und die Arbeit von Schriftstellern interessieren, sehr empfehlenswert.
Tatsuki Fujimoto – Goodbye Eri erschienen im VIZ Media Verlag (bislang nicht auf deutsch erschienen)
Dieser Manga ist ein Geschenk der lieben Miss Booleana, die unermüdlich und um es gleich vorweg zu nehmen dieses Mal sehr erfolgreich versucht mir Mangas näher zu bringen. Mit dem Prinzip des „von rechts nach links lesen“ hab ich nach wie vor meine Schwierigkeiten, aber etwa bei der Hälfte hatte ich mich dann wirklich eingegroovt und keine Schwierigkeiten mehr. Die Geschichte fand ich richtig klasse:
Der junge Filmemacher Yuta denkt nach dem Tod seiner Mutter über Selbstmord nach, doch eine zufällige Begegnung mit einem mysteriösen Mädchen verändert sein Leben auf explosive Weise.
Fujimoto Tatsuki ist ein bekannter Manga-Autor und Zeichner aus Japan. Er ist besonders bekannt für seine Arbeit an „Chainsaw Man,“ einer äußerst beliebten Manga-Serie, die in der Weekly Shonen Jump-Zeitschrift des Verlags Shueisha veröffentlicht wurde. „Chainsaw Man“ erregte internationale Aufmerksamkeit und erlangte einen großen Fankreis aufgrund seiner ungewöhnlichen Handlung und des unkonventionellen Stils von Fujimoto Tatsuki.
Yuta, you have the power to decide for yourself how you’ll remember someone. That’s an incredible thing. I think maybe Eri wants you to choose how she’ll be remembered”
Der Manga-Autor ist auch für seine unkonventionellen und manchmal düsteren Geschichten bekannt, die Genrekonventionen oft brechen und eine Mischung aus Horror, Action und schwarzer Komödie bieten.
Yutas Karriere als Filmemacher begann mit der Bitte seiner Mutter, ihre letzten Momente zu filmen. Nach ihrem Tod lernt Yuta ein mysteriöses Mädchen namens Eri kennen, das sein Leben in eine neue Richtung lenkt. Die beiden beginnen, gemeinsam einen Film zu drehen, doch Eri birgt ein brisantes Geheimnis.
Ich habe im Übrigen eine Freundin die ich immer Eri nenne und an die ich während der Lektüre ständig denken musste 😉 Auf jeden Fall habe ich Lust auf Chainsaw Man bekommen – habe definitiv Blut geleckt.
Cyril Liéron / Benoît Dahan – Im Kopf von Sherlock Holmes erschienen im Splitter Verlag, übersetzt von Harald Sachse
„Im Kopf von Sherlock Holmes“ ist eine faszinierende Graphic Novel, die die Welt des legendären Detektivs Sherlock Holmes in ein modernes und visuell beeindruckendes Format überträgt. Geschrieben von Cyril Lieron und illustriert von Benoît Dahan, bietet die Graphic Novel eine neue Perspektive auf die berühmten Abenteuer von Holmes und Watson.
Die Zeichnungen sind detailliert und einfallsreich, und sie fangen die viktorianische Atmosphäre perfekt ein. Die Geschichte selbst ist clever und gut durchdacht, und die Charaktere sind gut entwickelt. Es ist eine erfrischende Neuinterpretation von Sherlock Holmes, die sowohl Fans des ursprünglichen Materials als auch neue Leser ansprechen wird.
„In Kopf von Sherlock Holmes“ bietet eine visuell beeindruckende und kreative Herangehensweise an die Welt von Sherlock Holmes und ist eine Graphic Novel, die sowohl Fans des berühmten Detektivs als auch Graphic Novel-Liebhaber gleichermaßen genießen werden. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk im Übrigen 😉
Ottessa Moshfegh – Lapvona erschienen im Hanser Verlag, übersetzt von Anke Caroline Burger
Es riecht nach Kot und Verwesung, nach Blut, Vieh und Schlamm – das ist Lapvona, der gottverlassenste Ort der Romanwelt. Hier ist niemand vom Glück begünstigt, am wenigsten Marek, der missgestaltete Sohn des Schafhirten. Doch sein Elend birgt auch eine große Kraft: baldige Nähe zu Gott durch Entsagung und Erniedrigung. Als er von Villiam, dem irren Landvogt, aufs Schloss berufen und als neuer Fürstensohn eingeführt wird, glaubt Marek sich zu Höherem erkoren. Denn noch ahnt er nicht, wie grausam nicht nur die Not, sondern auch die Sättigung den Menschen macht. In ihrem neuesten Meisterwerk entwirft Ottessa Moshfegh ein höllisches Panoptikum menschlicher Monstrosität und trifft in der grotesken Darstellung von Ungleichheit, Korruption und Tyrannei den Nerv unserer Zeit erschreckend genau.
When she asked the birds what to do, they answered that they didn’t know anything about love, that love was a distinctly human defect which God had created to counterbalance the power of human greed.
Bin ein großer Fan von Ottessa Moshfegh, aber mit diesem Roman hatte auch ich so meine Schwierigkeiten. Bin mit keiner der Figuren warm geworden, hab mich nicht wirklich für ihr Schicksal interessiert und war insgesamt einfach froh als ich damit durch war. Nicht schlecht, aber einfach nicht meins.
Laura Purcell – Bone China auf deutsch erschienen unter dem Titel „Das Porzellanhaus“ im Festa Verlag, übersetzt von Eva Brunner
„Bone China“ von Laura Purcell ist ein packender Gothic-Roman, der die Leser auf eine düstere und geheimnisvolle Reise ins viktorianische Cornwall mitnimmt. Die Geschichte folgt Hester Why, einer jungen Frau, die als Krankenschwester für den geheimnisvollen Haushalt des Meereskapitäns Celia Hardcastle angestellt wird. Das Anwesen, das von einer schrecklichen Tragödie gezeichnet ist, birgt dunkle Geheimnisse und unheimliche Geschehnisse.
Die Schwindsucht raubte Dr. Pinecroft mehrere Kinder und die Frau. Nur seine Tochter Louise ist ihm geblieben. Erfüllt von Trauer zieht er mit ihr in ein weitläufiges Anwesen am Meer, das einsam über den Klippen von Cornwall steht.
Aber Dr. Pinecroft hat Pläne: Überzeugt, dass eine Heilung möglich ist, lässt der Arzt einige an Schwindsucht leidende Gefangene in die Höhlen unter Morvoren House bringen. Was dort geschieht hat Folgen, die über die Jahrzehnte hinweg nachhallen. 40 Jahre später trifft Hester Why ein, um die inzwischen teilweise gelähmte und stumme Miss Louise zu pflegen. Doch in ihrem neuen Zuhause lauert das Unheil …
Anger has ever been a failing of mine. When it surges, it sings in my veins like a dram of gin. Any action seems possible, reasonable. It is only afterwards, when the fire fades, that I see the dark soot-stain of what I have done.”
Laura Purcell hat mit ihren Romanen eine ganz eigene Art von düsterer, geradezu beängstigender Lektüre geschaffen, die den Leser in einen Hauch von Horror und Unheimlichkeit hüllt. Ist Übernatürliches am Werk oder Wahnsinn? Die Charaktere sind tiefgründig und vielschichtig, und die Autorin spielt geschickt mit der Spannung und den Erwartungen der Leser. Dabei gelingt es ihr, die düstere Geschichte geschickt in die viktorianische Zeit und die geheimnisvolle Welt der Bone China zu integrieren.
„Bone China“ ist ein fesselnder Gothic-Roman, der Fans des Genres mit seiner düsteren Atmosphäre und den unheimlichen Elementen sicherlich begeistern wird. Laura Purcell beweist erneut ihr Talent für das Erschaffen von fesselnden und gruseligen Geschichten.
Gaudy Night – Dorothy L. Sayers auf deutsch erschienen unter dem Titel „Aufruhr in Oxford“ im Rowohlt Verlag, übersetzt von Otto Bayer
Gaudy Night ist ein 1935 in Großbritannien erschienener Kriminalroman von Dorothy L. Sayers. Die Autorin bricht mit etlichen Konventionen des Genres und erzählt hier nicht die Geschichte eines Mordes, sondern die Aufdeckung einer Serie gemeiner Streiche, die den Lehrkörper und die Studentinnen einer frühen britischen Frauenuniversität an den Rand der Verzweiflung treibt.
Aufruhr in Oxford ist der zehnte von insgesamt elf Romanen, in denen Sayers den Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey auftreten lässt, und der dritte von fünf, in denen Harriet Vane erscheint, die Kriminalschriftstellerin, in die Wimsey – zunächst unglücklich – verliebt ist. Die Geschichte wird aus Vanes Perspektive erzählt. Die Romane bilden als Serie nicht nur eine Gesamthandlung, sondern zeigen auch, wie die beiden Hauptfiguren durch ihre Erfahrungen kontinuierlich an Tiefe und Komplexität gewinnen. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Crown hat darum empfohlen, die Wimsey-Romane streng in der Reihenfolge zu lesen.
Wherever you find a great man, you will find a great mother or a great wife standing behind him — or so they used to say. It would be interesting to know how many great women have had great fathers and husbands behind them.
Dorothy Sayers‘ „Aufruhr in Oxford“ ist ein intelligenter und gut geschriebener Kriminalroman, der die Leser in die Welt der Universität und in die Gedankenwelt von Lord Peter Wimsey entführt. Die Geschichte ist gespickt mit literarischen und kulturellen Referenzen und bietet ein fesselndes Rätsel, das bis zum Schluss spannend bleibt. Die Charaktere sind sorgfältig ausgearbeitet, und die Autorin verwebt geschickt soziale, akademische und kriminelle Elemente, um eine faszinierende Handlung zu kreieren.
Der Roman gilt als einer der bedeutendsten des „Goldenen Zeitalters“ der britischen Kriminalliteratur. Er war unser Oktober Lektüre im Bookclub und wir hatten einen spannenden Diskussionsabend. Man findet zahlreiche Parallelen zwischen Sayers und ihrer Protagonistin Harriet Vane. Der Roman ist wirklich gut, allerdings würde ich ihn nicht als „Einstiegsdroge“ für Dorothy Sayers empfehlen, da er ein wirklich sehr untypischer Kriminalroman ist. Sehr positiv überrascht war ich über die sehr progressiven feministischen Ansichten im Roman, die ganz klar zu Tage treten in dem der Roman ganz zentral der Frage nachgeht, ob Frauen ein Leben haben können, das sie sowohl intellektuell als auch emotional erfüllt oder ob es immer ein Entweder/Oder sein muss.
Children of Time – Adrian Tchaikovsky auf deutsch unter dem Titel „Kinder der Zeit“ erschienen im Heyne Verlag, übersetzt von Birgit Herden
„Kinder der Zeit“ von Adrian Tchaikovsky ist ein fesselnder Science-Fiction-Roman, der sich durch seine einzigartige und originelle Prämisse auszeichnet. Die Geschichte handelt von der Menschheit, die verzweifelt nach neuen Lebensräumen im Weltraum sucht. Dabei stoßen sie auf einen ungewöhnlichen Planeten, auf dem eine eigenartige Form von intelligentem Leben existiert, die sich von allem unterscheidet, was die Menschen je zuvor getroffen haben.
Der Roman erkundet auf faszinierende Weise die Interaktion zwischen Menschen und dieser alienartigen Lebensform, die sich in Form von riesigen, intelligenten Spinnen manifestiert. Tchaikovsky gelingt es, den Leser total in die Welt der Spinnen hinein zu ziehen und sich teilweise sogar mit ihnen zu identifizieren.
That is the problem with ignorance. You can never truly know the extent of what you are ignorant about.
Die Geschichte ist tiefgründig und erforscht Themen wie Evolution, Kommunikation, Koexistenz und die Konsequenzen unserer Handlungen für die Umwelt. „Kinder der Zeit“ ist nicht nur ein spannender Science-Fiction-Roman, sondern auch eine Reflexion über die Menschheit und ihre Beziehung zur Natur.
Ein abgefahrener Roman, der sowohl fesselnd als auch nachdenklich stimmt. Kann man auch gut lesen, wenn man Spinnen nicht umbedingt mag.
All Systems Red – Martha Wells auf deutsch unter dem Titel „Tagebuch eines Killerbots“ im Heyne Verlag erschienen, übersetzt von Frank Böhmert
Nach Tchaikovskys „Kinder der Zeit“ hatte ich noch nicht recht Lust das All zu verlassen und habe mir kurzerhand Wells‘ Novelle als Hörbuch runtergeladen.
„All Systems Red“ ist der erste Band der „Murderbot Diaries“ von Martha Wells und bietet eine fesselnde Mischung aus Science Fiction und Charakterstudie. Die Geschichte dreht sich um einen Androiden, der sich selbst „Murderbot“ nennt und sich gegen seine Programmierung zur Wehr setzt. Er entwickelt unerwartet menschliche Emotionen und einen ausgeprägten Sinn für Autonomie.
I could have become a mass murderer after I hacked my governor module, but then I realized I could access the combined feed of entertainment channels carried on the company satellites. It had been well over 35,000 hours or so since then, with still not much murdering, but probably, I don’t know, a little under 35,000 hours of movies, serials, books, plays, and music consumed. As a heartless killing machine, I was a terrible failure.
Der Roman zeichnet sich durch eine humorvolle, zynische Erzählstimme aus, die dem Murderbot eine einzigartige Persönlichkeit verleiht. Die Handlung konzentriert sich auf die Bemühungen des Murderbots, seine Vergangenheit aufzudecken und gleichzeitig seine eigenen Fähigkeiten und die Welt um sich herum zu erforschen. Dabei trifft er auf ein Team von Forschern, die in gefährliche Situationen geraten, und beschließt, ihnen zu helfen.
„All Systems Red“ ist ein kompaktes Buch, das eine fesselnde Geschichte erzählt und gleichzeitig Fragen zur Menschlichkeit und zur Definition von Freiheit aufwirft. Die Charakterentwicklung des Murderbots ist beeindruckend, und die Erzählung bietet genügend Action und Spannung, um den Leser von Anfang bis Ende zu fesseln. Es ist eine großartige Einführung in die „Murderbot Diaries“ und ein Muss für Fans von intelligenter Science Fiction.
Das war der Oktober für euch. Bin gespannt, ob diesen Monat irgendwas dabei war, auf dass ich euch neugierig machen konnte oder das ihr bereits kennt? Freue mich sehr auf Feedback!
Die Isle of Skye, auch bekannt als „Insel des Nebels“, ist zweifellos eine der beeindruckendsten und faszinierendsten Destinationen in Schottland. Mit ihrer atemberaubenden Landschaft, dramatischen Küstenlinien und reichen kulturellen Erbe ist sie eine meiner absoluten Lieblingsinseln und der allerschönste Flecken Erde in Schottland.
Von Inverness aus machten wir uns im Bus auf den Weg und kamen nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichten wir die kleine Stadt Kyle of Lochalsh, die über die Skye Bridge mit der Isle of Skye verbunden ist. Die Überquerung der Brücke war bereits ein aufregendes Erlebnis, da wir einen ersten Blick auf die raue Schönheit der Insel erhaschen konnten.
Unsere Basis auf der Isle of Skye war die malerische Hafenstadt Portree. Diese farbenfrohe Stadt ist das Herz der Insel und ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungen. Wir hatten das Glück, eine winziges Zimmer im Portree Hotel n der Nähe des Hafens zu bekommen, von wo aus wir die Stadt bequem zu Fuß erkunden konnten.
Einer der Höhepunkte in Portree ist der Hafen selbst. Die bunten Gebäude entlang der Uferpromenade verleihen der Stadt ein wirklich charmantes Flair.
Unser erster Ausflug war der Scorrybreac Circular Walk. Dieser Rundweg bietet nicht nur eine atemberaubende Aussicht, sondern auch einen Einblick in die faszinierende Geschichte und die reiche Tierwelt der Insel.
Der Scorrybreac Circular Walk beginnt im Herzen von Portree und führte uns entlang der Küste, vorbei an malerischen Buchten und majestätischen Klippen. Der Weg ist gut markiert und die Gesamtlänge des Weges beträgt etwa 5 Kilometer, sodass er in etwa 2 bis 3 Stunden bequem zu bewältigen ist. Daher war noch ein zweiter Walk möglich, bei dem wir die Wälder hinter Portrees Candle Fabrik erkundeten.
Meine Lektüre war nicht 100% Skye kompatibel, denn Peter Mays „Moorbruch“ spielt zwar auch auf einer Hebriden-Insel allerdings auf Lewis, einer der äußeren Hebrideninseln.
Peter Mays „Moorbruch“ ist ein atmosphärischer Kriminalroman und bildet den dritten Teil seiner Lewis-Trilogie. Die Handlung spielt zwar nicht auf Syke – aber immerhin auch einer Hebrideninsel auf Lewis. Der Roman setzt die Geschichte des Detectives Fin Macleod fort, der sowohl mit persönlichen Dämonen als auch mit komplexen Mordfällen zu kämpfen hat.
Der Roman verbindet wie ich finde die einzigartige Umgebung mit gut ausgearbeiteten Charakteren und vermittelt ein Gefühl für die Landschaft und die Menschen auf Lewis. May fängt die raue Schönheit der äußeren Hebriden ein und macht sie zu einer zentralen Figur in der Geschichte.
Die Handlung verknüpft einen alten Fall, der ein Flugzeugunglück betrifft, mit einer zeitgenössischen Mordermittlung und zieht den Leser schnell in ein komplexes Netz aus Geheimnissen und Emotionen.
Unser geführter Trip mit dem Mini-Bus begann frühmorgens in Portree. Einige Ecken auf Skye sind mit dem Bus nicht gut erreichbar, daher hatten wir schon im Vorfeld diese Tour gebucht. Trotz des trüben Himmels war unsere Vorfreude spürbar, als wir uns auf den Weg zu den Fairy Glens machten. Diese mystische Landschaft, von grünen Hügeln und seltsam geformten Felsen geprägt, fühlte sich an, als wären wir in eine andere Welt getaucht. Unser Guide erzählte uns Geschichten von den Feen, die angeblich hier leben, und wir konnten uns lebhaft vorstellen, wie sie zwischen den Hügeln spielen.
Der nächste Halt auf unserer Reise waren die Fairy Pools. Obwohl der Regen uns zunehmend durchtränkte, konnte uns nichts davon abhalten bis ganz nach oben zu wandern. Die natürlichen Pools sind von unberührter Schönheit und bieten einen atemberaubenden Kontrast zur rauen Landschaft um sie herum.
Trotz des ständigen Regens erreichten wir schließlich Neist Point, einen Ort, der für seine dramatischen Klippen und den Leuchtturm bekannt ist. Die wilden Wellen des Atlantiks prallten an den Felsen, und wir fühlten uns winzig in dieser majestätischen Kulisse.
Der Regen wollte einfach nicht aufhören, aber das hinderte uns nicht daran, Kilt Rock zu besichtigen. Dieser imposante Felsvorsprung erhebt sich aus dem Ozean und erinnert tatsächlich an einen Tartan-Kilt. Die schäumenden Wasserfälle ergänzten das Bild perfekt und sorgten für eine dramatische Szenerie.
Unser letzter Halt war der Quiraing, ein Ort, der einen dann direkt wieder Hobbits erwarten ließ die um die Ecke biegen. Trotz des ständigen Niederschlags war die Aussicht auf die bizarren Felsformationen und die scheinbar endlose Weite der Berge und Täler schlichtweg atemberaubend.
Am Ende des Tages, als wir müde, aber glücklich zurück nach Portree fuhren, war uns klar, dass der Regen eine ganz eigene Magie in die Landschaft gebracht hat. Trotzdem waren wir froh aus den nassen Klamotten zu kommen und uns am Abend im nächsten Pub aufzuwärem.
Die passenste aller Lektüren im Urlaub war mein Hörbuch „The Ghost Woods“ von C. J. Cooke – perfekter, atmosphärischer Horror:
„The Ghost Woods“ von C. J. Cooke ist ein beklemmender und wundervoll atmosphärischer Roman, der die für mich perfekten Zutaten enthält: düstere Wälder, gefährliche Pilze, LGBTQ+ Protagonistinnen und unheilvolle Mythen…. Die abgelegene Kulisse der schottischen Highlands verstärkt die unheimliche Atmosphäre, und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Wer psychologischen Thriller mit einem Hauch Übernatürlichem mag, dem kann ich nur zu diesem Roman raten. Perfekt für den Horroroctober.
Ein weiterer sehr schöner Ausflug führte uns zum Dunvegan Castle, das seit über 800 Jahren von der MacLeod Clan bewohnt wird, ist eines der ältesten ständig bewohnten Schlösser Schottlands und stolz darauf, die älteste Familiengeschichte in ganz Großbritannien zu beherbergen.
Die Burg selbst ist ein architektonisches Juwel, mit schroffen Steinmauern, majestätischen Türmen und einem malerischen Blick auf die Dunvegan-Bucht. Besucher können durch die beeindruckenden Räume des Schlosses schlendern, von den historischen Schlafzimmern bis zum beeindruckenden Speisesaal. Hier kann man sich vorstellen, wie das Leben in vergangenen Zeiten im Schloss war.
Die wahren Schätze des Dunvegan Castle offenbaren sich für uns jedoch in seinen Gärten. Die Gartenanlagen sind eine botanische Sensation und bieten eine spektakuläre Vielfalt an Pflanzen und Blumen. Von seltenen und exotischen Pflanzen bis hin zu üppigen Rasenflächen und Teichen – die Gärten sind ein Paradies für Naturliebhaber und Fotografen gleichermaßen.
Der Höhepunkt unseres Skye Aufenthaltes war definitiv unsere Wanderung zum Old Man of Storr -zweifellos einer der spektakulärsten Orte auf dieser bezaubernden Insel.
Der Aufstieg zum Old Man of Storr ist eine Herausforderung, aber die Belohnung ist mehr als lohnenswert. Die markanten Felsnadeln, die sich majestätisch über die Landschaft erheben, sind ein Anblick, den man nicht so schnell vergisst. Auf unserem Weg dorthin bot sich uns eine atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Hügel und das Meer. Das Wetter hätte nicht besser sein können, mit strahlend blauem Himmel und warmem Sonnenschein, der die Landschaft in ein lebhaftes Farbenspiel tauchte.
Der Weg zum Old Man of Storr ist schon anspruchsvoll, aber macht richtig großen Spaß. Als wir schließlich das Gipfelplateau erreichten, wurden wir mit einem Panoramablick belohnt, der unsere Herzen höherschlagen ließ.
Nachdem wir den Ausblick vom Old Man of Storr ausgiebig genossen (und eine Million Fotos geschossen) hatten, machten wir uns auf den Rückweg und freuten uns auf unser Dinner im Bracken Hide. Dieses gemütliche Restaurant ist nicht nur für seine exzellente Küche bekannt, sondern auch für seine phänomenale Bar, die eine beeindruckende Auswahl an schottischen Whiskys bietet.
In der Bar des Bracken Hide Restaurant setzten wir uns gemütlich nieder und probierten einige der feinsten Whiskys, die Schottland zu bieten hat. Der Geschmack und die Aromen der verschiedenen Sorten führten uns auf eine Reise durch die schottische Whiskykultur, und wir genossen jeden Schluck in vollen Zügen.
Das Abendessen im Restaurant war ebenfalls ein Genuss. Frische, lokale Zutaten wurden meisterhaft zubereitet und serviert, und wir ließen uns von den kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen.
Passend zur Whisky Bar war auch die finale Urlaubslektüre: Henry Jeffreys „Empire of Booze“
„Empire of Booze“ von Henry Jeffrey ist eine spannende Erkundung der Geschichte und des Einflusses von Alkohol im gesamten Britischen Empire. Jeffreys Schreibstil ist sehr informativ und humorvoll, was das Buch zu einem unterhaltsamen Leseerlebnis sowohl für Geschichtsinteressierte als auch für Schnappsnasen macht 😉
Im Buch werden verschiedene Spirituosen und alkoholische Getränke besprochen, insbesondere in Bezug auf ihre Rolle im Britischen Empire und ihre Auswirkungen auf die kolonialen Beziehungen.
Whisky: Die Entwicklung und Ausbreitung von Whisky, sowohl in Schottland als auch in anderen Teilen des Empire, wird behandelt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf schottischem Whisky liegt.
Gin: Die Geschichte und Bedeutung von Gin in London und anderen Teilen des Empire werden ausführlich behandelt, einschließlich des berühmten „Gin Craze“ im 18. Jahrhundert.
Rum: Der Einfluss von Rum, insbesondere in der Karibik und in Verbindung mit der Sklavenarbeit auf Zuckerrohrplantagen, wird im Buch beleuchtet.
Portwein: Die Geschichte des Portweins und seine Bedeutung im Zusammenhang mit den Handelsbeziehungen zwischen Portugal und dem Britischen Empire werden ebenfalls beleuchtet.
Besonders spannend fand ich neben dem Whisky Kapitel auch das über Bier und insbesondere wie es zur Erfindung des IPAs kam, von dem wir auf unserem Trip auch so einige ausprobierten.
Dieses Buch ist ein sehr schönes Geschenk und es ist ja gar nicht mal mehr so lange hin bis Weihnachten.
Und damit sind wir nun am Ende unserer Schottland-Reise angekommen. Die Rückfahrt war eine mehrstündige Bus- und Zugfahrt nach Edinburgh und eine letzte Nacht am Flughafen. Das war einer unserer schönsten Urlaube und wir werden garantiert bald wieder hinfahren – we left our heart in the Highlands 😉
Kennt ihr Schottland? Wo seid ihr gewesen oder habt ihr vor mal hinzufahren?
Unsere Schottland-Tour im September war unsere lang ersehnte Nachholreise von 2020, als die Welt noch von Toilettenpapiermangel und Zoom-Meetings geplagt wurde. Das letzte Mal hatten wir die schottische Landschaft im Jahr 2008 erlebt, als wir uns auf den West Highland Way Walk wagten.
Die Reise in das Land der Dudelsäcke, Kilts und dampfenden Haggis begann mit einem beeindruckenden Knall – dem Anblick des Edinburgh Castle, das majestätisch über der Stadt thronte. Unsere wunderschöne Wohnung für eine Nacht, lag direkt daneben. Das war grundsätzlich perfekt, leider standen auf der Straße vor dem Haus ein paar Verkehrskegel, die natürlich jeden nächtlichen Betrunkenen und Nicht Betrunkenen dazu einladen auf dem Kopfsteinpflaster damit Fußball zu spielen. Ich war irgendwann echt versucht einen Eimer Wasser rauszukippen 😉
Der Greyfriars Graveyard in Edinburgh ist einer der bekanntesten Friedhöfe in Schottland und befindet sich im Herzen der Stadt, in der Nähe der Royal Mile und war damit auch direkt um die Ecke unserer Wohnung. Er wurde im Jahr 1562 gegründet und ist für seine historischen Grabsteine, Denkmäler und die faszinierende Geschichte bekannt. Der Friedhof hat die totalen Harry Potter Vibes und es gibt auch entsprechende Führungen mit einem Stopp an einem Grab das als Inspiration für Tom Riddells letzte Ruhestätte diente.
Der Friedhof ist auch für seine Verbindung zur schottischen Literatur und Geschichte bekannt, da er die letzte Ruhestätte von einigen bemerkenswerten Persönlichkeiten ist, darunter der Dichter Robert Burns und der Philosoph David Hume. Es gibt auch die Statue des treuen Hundes Bobby, der angeblich das Grab seines verstorbenen Herrchens John Gray bewacht hat.
Auf dem Greyfriars Kirkyard trafen wir nicht nur auf historische Grabsteine, sondern auch auf eine stilechte Gothic-Vampirfrau, die in einer Gruft stand und uns durchaus schaurige Schauer über den Rücken jagte.
Dr. Jekyll & Mr. Hyde – R. L. Stevenson
„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson ist ein zeitloser Klassiker, der die Leser auf eine fesselnde Reise in die Tiefen der menschlichen Psyche mitnimmt. Die Geschichte von Dr. Henry Jekyll, einem angesehenen Arzt und Wissenschaftler, der ein düsteres Geheimnis hütet, fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Die Spannung steigt, als Jekyll ein Experiment durchführt, um die dunklen und unterdrückten Teile seiner Persönlichkeit freizusetzen, was zur Entstehung von Mr. Edward Hyde führt, einem gefährlichen und skrupellosen Alter Ego. Die Erzählung entfaltet sich meisterhaft und lässt den Leser darüber nachdenken, wie weit manche Menschen gehen würden, um ihre inneren Dämonen zu zähmen.
Stevenson nutzt geschickt die Allegorie von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, um die Dualität der menschlichen Natur und die moralischen Konflikte, die damit einhergehen, zu erforschen. Das Buch stellt die Frage auf, ob das Gute und das Böse in jedem von uns existieren und wie leicht sie in uns hervortreten können. Mit seiner packenden Erzählweise und den komplexen Charakteren ist „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ nicht nur ein spannendes Gruselmärchen, sondern auch eine tiefgreifende Reflexion über die menschliche Seele und die Schattenseiten unserer eigenen Persönlichkeit. Dieser Klassiker bleibt auch heute noch ein Muss für jeden, der sich für psychologische Spannung und moralische Dilemmata interessiert.
Murder on the Flying Scotsmann – Carola Dunn
„Murder on the Flying Scotsman“ von Carola Dunn ist ein gemütlicher Cozy Krimi, der die Leser in das goldene Zeitalter der vornehmen Eisenbahnreisen mit Salons und Teestunden zurückversetzt. Die Geschichte spielt im berühmten Flying Scotsman Zug, wo die Protagonistin, Daisy Dalrymple inmitten einer Gruppe exzentrischer Charaktere ermittelt, um einen Mordfall zu lösen. Dunn gelingt es, die Atmosphäre der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen, und ihre Kombination aus historischem Ambiente und raffiniertem Krimiplot macht dieses Buch zu einem unterhaltsamen und spannenden Leseerlebnis und hat sich wunderbar im Zug nach Perth weglesen lassen.
Unsere nächste Station war Perth, wo ich einst für eine Weile gewohnt hatte. Auf den alten Pfaden zu wandern, fühlte sich an, als würde man in die Vergangenheit reisen – und das ganz ohne DeLorean. In dieser ehemaligen Hauptstadt Schottlands genossen wir den Anblick des majestätischen River Tay und wagten uns auf eine Wanderung auf den Kinnoull Hill.
Von Perth aus machten wir einen aufregenden Ausflug zum Dunnottar Castle. Der Weg dorthin führte uns entlang der dramatischen Steilküste, und wir fühlten uns wie die Stars unseres eigenen Abenteuerfilms. Die Ruine des Schlosses wirkte geradezu märchenhaft, und wir suchten nach versteckten Schätzen und Spuren vergangener Zeiten.
Pine – Francine Toon
„Pine“ von Francine Toon ist ein düsterer Roman, der die Leser in die abgelegenen Highlands Schottlands entführt. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf, das von düsteren Geheimnissen und unheimlichen Gerüchten umgeben ist. Die Hauptfiguren, Lauren und ihr Vater Niall, sind tiefgründig und komplex gezeichnet, und ihre Beziehung steht im Mittelpunkt der Handlung.
Toon nutzt geschickt Elemente des Übernatürlichen, um eine gruselige und unheimliche Stimmung zu erzeugen, ohne dabei den Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu verlieren. „Pine“ ist literarischer Horror, der mit jeder Seite an Intensität gewinnt und die Leser in eine Welt entführt, in der die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwimmen.
Der Roman beginnt in einer Halloween-Nacht. Auf dem Heimweg in ihrem Lastwagen nach einem „Verkleidungsabend“ stoßen Lauren und ihr Vater auf eine seltsame Frau in weißem Gewand, die auf die Straße stolpert. Sie nehmen sie mit nach Hause, doch am nächsten Morgen ist sie verschwunden, und Lauren stellt fest, dass Niall sich nicht mehr an das Ereignis zu erinnern scheint. Weitere geisterhafte und unerklärliche Ereignisse ereignen sich. Könnten sie Vorboten einer bevorstehenden Tragödie sein? Das Verschwinden der Teenagerin Ann-Marie weckt Erinnerungen an ein Geheimnis, das nie verschwunden ist, und Lauren – und das ganze Dorf – befürchten das Schlimmste.
Francine Toon ist in den Highlands aufgewachsen und nutzt die ihr vertraute Umgebung gekonnt, um eine düstere, unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Der Titel des Romans bezieht sich sowohl auf Christines Namen für ihre Tochter (Oren, das gälische Wort für „Kiefer“) als auch auf den Wald, der das Dorf umgibt.
Das perfekte Hörbuch für lagen Busfahrten bei denen draußen nebelumwobende Wälder und Berge am Fenster vorbeifliegen. Große Empfehlung!
Ein weiteres Highlight war unser Ausflug nach St. Andrews, wo wir die berühmte Universität besichtigten, die beeindruckende Cathedral bewunderten und die Ruinen der majestätischen Abbey bewunderten. St. Andrews, eine bezaubernde Küstenstadt an der Ostküste Schottlands mit einer Fülle an sehr beeindruckenden Ruinen.
Die St. Andrews Cathedral, eine majestätische Ruine aus dem 13. Jahrhundert, ist ein architektonisches Meisterwerk und ein wichtiger historischer Ort. Ihre Überreste zeugen von der einstigen Pracht und Bedeutung dieses religiösen Zentrums. Die angrenzende St. Rule’s Tower bietet einen tollen Blick über die Stadt und die umliegende Küste.
Die University of St. Andrews, eine der ältesten Universitäten im englischsprachigen Raum, die malerischen Universitätsgebäude verleihen der Stadt einen Hauch von Hogwarths insbesondere wenn die Studis am Wochenende in ihren Roben durch die Stadt ziehen.
Nach vier Tagen Perth war es Zeit dort unsere Zelte abzubrechen. Inverness ist die Hauptstadt der schottischen Highlands und liegt am Nordostende des berühmten Loch Ness. Die Stadt ist von einer atemberaubenden natürlichen Landschaft umgeben, darunter die Cairngorms-Berge und den Moray Firth. Inverness ist bekannt für sein historisches Erbe, darunter das Inverness Castle, das zwar von außen beeindruckend ist, aber normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Die Stadt bietet eine charmante Mischung aus Geschichte und Moderne, wobei sie als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region dient.
Unser erster Stopp war die berühmte Buchhandlung „Leakey’s“, die so groß ist, dass man fast darin verloren gehen kann. Ich hätte Tage darin verbringen können und es war ganz besonders fies so gut wie nichts kaufen zu können, da wir ja mit unseren Rucksäcken unterwegs waren, die ohnehin schon tonnenschwer waren.
Natürlich durfte ein Ausflug zum Loch Ness nicht fehlen, wo wir gespannt auf Nessie warteten, die sich aber leider nicht blicken ließ, aber die Aussicht auf Urquart Castle war atemberaubend.
Ein entspannter Walk entlang des River Ness rundete unseren Besuch in der Stadt ab und bot die perfekte Gelegenheit, die schottische Natur zu genießen und ein paar Erinnerungsfotos zu schießen. Inverness Castle war leider geschlossen, aber wir machten das Beste aus unserer Zeit und bestaunten das majestätische Gebäude von außen.
Begleitlektüre in Inverness war ein Krimi: Das Unrecht von Inverness – Douglas Skelton erschienen im Dumont Verlag
In Skeltons drittem Rebecca-Connolly-Thriller verfolgt die in Inverness lebende schottische Journalistin einen Anwalt, der Beweise hat, die die Verurteilung von James Stewart wegen Mordes an seinem schwulen Liebhaber in Frage stellen könnten. Das Medieninteresse an Spruchbändern an historischen Stätten, die die Unschuld seines Namensvetters, des 1752 wegen Mordes an einem Regierungsbeamten hingerichteten Clanführers James Stewart, verkünden, hat diesem neueren Justizirrtum große Aufmerksamkeit beschert. Das Lokalkolorit hat dem Krimi nochmal deutlich Aufwind verpasst, der für mich ansonsten etwas dahin plätscherte. Als Vor Ort Lektüre passabel, ansonsten würdeich wohl eher nicht zu einem weiteren Band aus der Reihe greifen.
So meine Lieben – jetzt habe ich euch durch unsere erste Schottland Woche und die entsprechenden Lektüren geführt. Habt ihr Lust für den zweiten Teil mit nach Skye zu kommen?
Ich habe mich den ganzen Juni mit Kreta, dem Meer und der Antike beschäftigt, auch wenn der eigentliche Urlaub nur zwei Wochen dauerte. Ich lese ja nach Möglichkeit immer gerne Bücher die zu meinem jeweiligen Aufenthaltsort passen, natürlich in Kombination mit innerer Wetterlage, aber diese Kombination ist auf jeden Fall eine meiner liebsten. Ich habe schon vor dem Urlaub mit der Lektüre begonnen, bzw den gesamten Monat diesem Themenkomplex gewidmet, da ich einige gewichtige Bücher zu diesem Thema angesammelt hatte, die ich unmöglich noch in den Koffer bekommen hätte, so dass ich mich bei den Büchern, die ich vor Ort lesen wollte und konnte, etwas beschränken konnte.
Meine beiden Lieblingsländer bzw -inseln sind Griechenland und Schottland bzw Kreta und Skye und ich habe das riesige Glück, dieses Jahr sogar beide besuchen zu können. Unser Urlaub war phänomenal schön und ich kann mich nur schwer wieder in diese meer-ferne bayrische Lebenswelt zurückfinden.
Landschaftlich sind sich die beiden Länder übrigens viel ähnlicher als man so denkt, ich werde auch in diesen Bericht hier ein Schottland-Bild einmogeln und ihr müsst versuchen, herauszufinden welches es ist 😉
Jetzt aber erst einmal zur Lektüre, wie immer ein kurzer Schnelldurchlauf in alphabetischer Reihenfolge:
Das lebende Meer – Jacques-Yves Cousteau übersetzt von Isolde Kolbenhoff, erschienen im Verlag Buch und Welt (nur noch antiquarisch erhältlich)
Jacques-Yves Cousteaus unentdeckter Kontinent ist der Meeresgrund und die Gräben der Tiefsee. Durch seine hartnäckigen Versuche seit den 1950er Jahren das Steigen und Fallen der rätselhaften Tiefenstreuschichten im Meer zu erforschen, und sein Drang, immer mehr über das Leben auf dem Meeresgrund zu erfahren, führten zur Erfindung der Tiefsee-Kameraschlitten, die tausend Meter unter der Meeresoberfläche über den Meeresboden gleiten und Phänomene fotografieren, die bis dahin nie ein Mensch zu Gesicht bekommen hatte.
Mit Hilfe seiner „tauchenden Untertasse“, einem Düsen-Uboot mit Bullaugen und mechanischen Greifern begegnen wir in diesem Buch lange unbekannten Lebewesen wie silberne Fische, die wie eine Triangel geformt sind, Fische deren Haut wie ein Schachbrett in Felder aufgeteilt ist, Tiefseehaie, Riesenkranken und vieles mehr. Wir lernen den Lastwagenfisch kennen und freunden uns mit „Ulysses“ an, einem Riesen-Zackenbarsch, der den Tauchern wie ein treuer Hund durchs Wasser folgt und ihr Lieblingstier wird.
Cousteau und seine Mannschaft (bis auf seine Ehefrau alles Männer) sind aber in mancher Hinsicht auch Kinder ihrer Zeit. Ich war ziemlich schockiert, über ihr vorsätzliches brutales Erschlagen von Haien, weil diese ein kleines verletztes Walbaby gefressen hatten oder ihr Reiten auf Riesenschildkröten. Das Buch ist eine Sammlung von National Geografic Artikeln die zwischen Januar 1954 und Juli 1961 erschienen waren und diese anfänglich überwiegend von Abenteuerlust getriebenen Expeditionen sind später nach und nach wissenschaftlicher geworden und der Tier- und Umweltschutzgedanke begann auch Cousteau und seine Leute stärker zu beeinflussen. Wir haben es zu einem großen Teil auf jeden Fall Cousteau zu verdanken, dass das Mittelmeer nicht zu einem Atommüll-Lager wurde, denn die Plände in den 1950/60er Jahren sahen exakt das vor und es war unter anderem dem unermüdlichen Protest von Cousteau und anderen zu verdanken, dass man von dieser Idee irgendwann absah.
Neben den Beobachtungen des Lebens auf dem Meeresgrund, standen auch Tauchexpeditionen zu gesunkenen Schiffen auf dem Programm und ein Experiment bei dem zwei Männer erstmalig eine Woche lang ununterbrochen unter Wasser leben.
„Noch immer degradieren manche Biologen das Mittelmeer zu einem „sterilen“ Meer. Ich wünschte, ich könnte bei derartigen Gelegenheiten diese Leute an Bord der Calypso haben. Zwischen der Cote d’Azur und Korsika sind wir oft dem begegnet, was wie ein Rudel hier ansässiger großer Blauwale aussah. Ein dutzendmal im Jahr fuhren wir hier durch und stellten immer mindestens zwei große Wale fest, die herumwanderten, als hätten sie Eigentumsrechte.“
Ein spannendes Zeitdokument, das mich beim Lesen wiederholt in meine Kindheit zurückbeamte, wo ich fieberhaft mit dem Opa vorm Fernseher saß, wenn Cousteau mit seinem knallgelben Uboot abtauchte und wir gemeinsam mit ihm die Tiefsee erforschten. Ein Buch das ich mit einigen Einschränkungen auch heute noch mit großem Interesse und Spaß gelesen habe.
Reisende Helden (Travelling Heroes) – Robin Lane Fox übersetzt von Susanne Held erschienen im Klett-Cotta Verlag
Im Zentrum des Buches stehen die reisenden Zeitgenossen Homers: euböische Griechen des 8. Jahrhunderts, die als Seefahrer und Piraten rund um das Mittelmeer unterwegs waren, Handel trieben und neue Welten entdeckten. Fundstück für Fundstück trägt der Autor zusammen, was sich über diese frühen Griechen herausfinden lässt.
Reisende Helden, das sind auch die Figuren des Mythos, die weit herumkamen: etwa Dädalus, der sogar fliegen konnte, Herkules, der kreuz und quer im Mittelmeerraum seine Arbeiten verrichtete, oder die unglückliche Io, die von Zeus erst verführt und dann in eine Kuh verwandelt wurde. Indem Robin Lane Fox den unendlichen Schatz der griechischen Mythen mit der Sachwelt der archäologischen Funde verknüpft, lässt er vor unseren Augen ein lebendiges Bild dieser Zeit entstehen.
Robin Lane Fox’ reisende Helden sind verwegene griechische Seefahrer aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., die ferne Länder und Küsten entdeckten. Das Wissen und die Geschichten aus der Fremde integrierten sie in ihre Vorstellungswelt und legten so den Grundstein für die griechische Kultur.
„Im Norden Kretas, in Knossos, fanden Archäologen eine Bronzeschale aus dem 10. Jahrhundert, die von einem Zyprer hergestellt und von einem Phönizier mit einer Inschrift versehen wurde, diese wurde als Bezug auf eine frühere Weihung der Schale an den ägyptischen Gott Amon interpretiert. Das weit gereiste Stück gelangte schlussendlich in das Grab eines Griechen auf Kreta, zusammen mit griechischer Keramik aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Es berührt damit gleich drei Punkte aus der Geschichte des Odysseus: Kreta, Phönizien und (wenn auch nicht sicher) Ägypten.
Der Autor glaubt wahrscheinlich etwas ganz originelles und mitreissendes zu erzählen, indem er so viele archäologische Beweise wie möglich mit allen möglichen obskuren griechischen Mythologien und ihren Variationen, Einflüssen und Geschichten kombiniert aber es ist alles ziemlich zäh insgesamt. Er präsentiert dazu riesige Menge an Informationen in manchmal erschöpfender Ausführlichkeit, gemischt mit interessanten aber etwas fragwürdigen Schlussfolgerungen. Ich bin mit dem Buch nicht warm geworden und daher nicht sicher, ob ich noch ein weiteres Buch von ihm lesen würde.
Kurze Geschichte der antiken Welt – Siegfried Lauffer erschienen im dtv Verlag(nur noch antiquarisch erhältlich)
Siegfried Lauffer war Professor für Alte Geschichte an der Universität München. Das Buch bietet eine sehr gute Einführung in die griechische und römische Geschichte von der kretisch-mykenischen Kultur bis in das frühe Mittelalter. Dieser Prof kann wirklich gut schreiben und er betont hier die stark matriarchalische, mutterrechtliche Religion, Familien und Gesellschaftsverfassung altmediterraner Völker, in deren Mittelpunkt (endlich mal) die Frau, nicht der Mann stand, im Gegensatz zur patriarchalischen, vaterrechtlichen Ordnung der indogermanischen Völker.
„In dem sich Europa seiner Grundlagen bewußt wird, wird es sich auch seiner Einheit bewußt“
„Der starke Gegensatz von Stadt und Land war Schuld daran, daß die hellenistische Kultur, die von den Städten ausging, das Hinterland nicht voll erfaßte. Die Landbevölkerung führte weiterhin ihr eigenes Leben, bewahrte ihr altes Volkstum, ihre Sprache und Religion. Sie konnte daher auch zur Regierung des Landes kein rechtes Verhältnis gewinnen. Diese kulturelle und politische Kluft zwischen Stadt und Land, Staat und Untertanen mußte sich in der weiteren Entwicklung bemerkbar machen.“
Die Lagune oder wie Aristoteles die Naturwissenschaften erfand – Armand Marie Leroi übersetzt von Susanne Schmidt-Wussow und Manfred Roth erschienen im Theiss Verlag
Für sein Buch – einer gut geschriebene Mischung aus Reisebericht, Biografie, Biologiegeschichte und erkenntnisphilosophischer Erörterung, der man gebannt in hochfliegende Überlegungen zur Philosophie des Geistes folgt – begibt sich Armand Marie Leroi auf die Spuren des großen Griechen. Es ist die Biologie, die für Leroi bei Aristoteles alles grundiert: Das Erstaunen vor der unglaublichen Vielfalt der Lebensformen, die Bereitschaft, sich noch in die winzigste Schnecke, den schleimigsten Wurm zu vertiefen, um zu erfassen, welches Maß an Komplexität in ihrer Gestaltung steckt. Vor allem aber trieb Aristoteles die Suche nach dem Warum um: Welche Ursachen stecken hinter dem Rüssel des Elefanten, der Schwimmblase der Fische, dem Umstand, dass Kinder ihren Eltern ähnlich sehen? Während Platon mit dem Kopf in abstrakten Ideen steckte, grub Aristoteles, um die Welt zu begreifen, im Lagunenschlamm, zog Getier hervor und sezierte Gedärme.
Das große Papierboot, Argonauta argo, ähnelt einem Oktopus. Das Tier selbst ist wenige beeindruckend, aber sein Gehäuse ist wunderschön: so dünn und weiß wie eine Eierschale und von perfekter planispiraler Geometrie. Und obwohl das Große Papierboot palagisch weit draußen im Meer lebt, wird es häufig angespült. Nach STürmen findet man sie zu Hunderten sterbend am Strand“
Der kretische Gast – Klaus Modick erschinen im Kiepenheuer & Witsch Verlag
Kreta 1943: Der deutsche Archäologe Johann Martens soll im Auftrag der Wehrmacht die Kunstschätze der besetzten Insel katalogisieren. Der Einheimische Andreas wird zu seinem Fahrer und Führer, doch verbindet beide bald mehr. Die Lebensart der Kreter und noch mehr Andreas’ schöne Tochter Eleni schlagen Martens immer mehr in ihren Bann. Als die Deutschen eine Razzia planen, muss sich Johann entscheiden, wo er steht.
Das Buch gibt einen wirklich guten Einblick in die Geschichte der Insel Kreta zur Zeit der Besetzung. Es ist gut geschrieben und war das perfekte Buch um vor Ort gelesen zu werden. Erstaunlich wie freundlich einem die Menschen in Kreta begegnen, obwohl die Deutschen sich dort vor etwas mehr als 70 Jahren viel Schreckliches verursacht und viel Schuld auf ihre Schultern geladen haben.
Karsch habe daraufhin die Dorfbewohner zusammentreiben lassen und Auskunft über die Herkunft der Waffen verlangt. Geantwortet hatte niemand. Also habe Karsch drei Männer exekutieren lasen, eine kurze Frist gesetzt und mit weiteren Erschießungen gedroht. Als aber die nächsten drei an an die Wand gestellt worden seien und das Kommando bereits die Gewehre angelegt habe, sei von den umliegenden Hausdächern plötzlich heftiges Feuer auf die Soldaten eröffnet worden.
Women in the Ancient World – Jenifer Neils erschienen im Verlag British Museum Press
Von der treuen Ehefrau bis zur mächtigen Königin, von der unberührbaren Priesterin bis zur Prostituierten mit hohem Lebensstandard – das tägliche Leben und die Rollen der Frauen in der antiken Welt Griechenlands und Roms, Ägyptens und des Nahen Ostens waren faszinierend und vielfältig und gingen oft über die traditionelle Vorstellung von der Stellung der Frau hinaus. Anhand von Themen wie häusliches Leben, Religion, Arbeit, Mütter und Trauernde, Stereotypen, Kostüme und Körper erforscht dieses lebendige Buch die Traditionen und Trends verschiedener Kulturen und vergleicht und kontrastiert die Haltungen der einzelnen Gesellschaften anhand faszinierender Gegenüberstellungen von Bildern.
Die Autorin wirft einen frischen und zum Nachdenken anregenden Blick auf neue Betrachtungsweisen dieser Bilder und zeigt die Zeichen auf, die verraten, wie eine Frau zu sehen ist, ob als Beispiel für perfekte Weiblichkeit oder als Objekt der Verachtung. Dieses Buch ist wunderschön gestaltet und enthält eine Vielzahl von Illustrationen, von öffentlicher Kunst bis hin zu häuslichen Artefakten, von denen viele speziell fotografiert wurden. Es enthüllt fesselnde Details über das alltägliche Leben der Frauen in der antiken Welt, die alle Leser erfreuen, informieren und unterhalten werden, oft mit überraschenden Anklängen an unsere heutige Zeit.
In general, the more elaborate the costume the higher the rank of the person depicted… Those without clothes are often slaves or children, but older girls usually dressed like adults. Women with special religious rank often wore distinctive garments, such as the Vestal Virgins in Rome or wome in the Panathenaic processions in Athens… The prize for the most elaborate form of female dress in antiquity must surely go to the Minoans of Bronze Age Crete. Their tight bodices contrasted with their wide flounced skirts, and if the works of art are accurate renderings of women’s outfits, they regularly exposed their ample breasts.
Das Buch ist ein Begleitband zu einer empfehlenswerten aber mittlerweile beendeten Ausstellung die ich vor einer Weile im Britischen Museum gesehen habe.
Göttlich aber war Kreta – Hans Pars erschienen im dtv Verlag (nur noch antiquarisch erhältlich)
Seit der Archäologe Sir Arthur Evans an der Stätte des alten Knossos auf Kreta die Ruinen eines Königspalastes freigelegt hat, sind wir genauer über die Vergangenheit dieser Insel unterrichtet. Hier blühte schon ein hohes kulturelles Leben, ein Jahrtausend bevor der griechische Dichter Homer in seinen berühmten Epen die Eroberung Troias besang. Von Kreta holten die Griechen Künstler und Künste auf ihr Festland.
Mit Hans Pars blicken wir nun in die viertausendjährige Vergangenheit dieser Insel; der Autor erweckt die toten Zeugnisse aus längst vergangenen Tagen, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden, zu neuem, sprechendem Leben. Aus den Bruchstücken von Wandbildern prunkvoller Paläste, aus bemalten Gefäßen und Reliefs auf Goldbechern und steinernen Vasen erschafft er ein lebendiges Bild der einstmals großen Zeit Kretas. Er hat ein umfassendes, auch in den Einzelheiten immer lebendig gehaltenesWerk über Kunst, Kultur und Geschichte Kretas geschrieben.
„Die Bevorzugung der Frau ist das sozial auffälligste in der kretischen Bilderchronik. Das hat seinen Grund in der noch dem ältesten griechischen Historiker bekannten uralten mutterrechtlichen Struktur der kretischen Gesellschaft, die ihren Ausdruck in einem Überwiegen der weiblichen Gottheiten findet. Der erste Platz ist den Frauen eingeräumt, und sie zeigen sich vor aller Öffentlichkeit in ihrem hohen Rang.“
Wenn Haie leuchten – Julia Schnetzer erschienen bei hanserblau
Aktuellste Forschung und ein Gespür für das Kuriose: Die Meeresbiologin Julia Schnetzer über Meeresmücken, giftige Kugelfische, Delfinnasen und andere faszinierende Meeresbewohner
Das Meer ist unser erstaunlichstes und rätselhaftestes Ökosystem. Es waren mehr Menschen auf dem Mond als am Grund des Ozeans. Zu Unrecht, findet Meeresbiologin und Science-Slammerin Julia Schnetzer. Denn in der Unsterblichkeit von Quallen, der Sprache der Delfine und dem Lebensrhythmus von Unterwassermücken verbergen sich nicht nur neueste Erkenntnisse über unsere Umwelt, sondern auch über uns Menschen.
Der Kauf dieses Buchs unterstützt die Organisation MovingSushi, die Korallenriffe vor der Westküste des afrikanischen Kontinents erforscht und versucht, mithilfe der Fluoreszenz der Tiere Haibeifang in der Fischerei zu minimieren.
Wie ist das Ganze aber nun bei Fischen? Werden die auch von solchen Illusionen getäuscht? Diese Frage wirkt auf den ersten Blick etwas abwegig, vielleicht war sie deswegen nie wirklich in der Wissenschaft relevant. Zumindest bis jetzt. Zugegebenermaßen ist das auch nicht ganz einfach zu testen. Man kann die Fische ja schlecht fragen. Um dieses Kommunikationsproblem zu lösen, hat man die Fische mit einem klassischen Belohnungssystem trainiert: Immer, wenn sie bei einer Auswahl von zwei unterschiedlich großen Kreisen den größeren Kreis mit der Schnauze anstupsten, wurden sie mit Futter belohnt. Sobald sie gut trainiert waren, wurden ihnen die Delboeuf- und die Ebbinghaus-Illusionen gezeigt und geguckt, welche der beiden Kreise sie auswählen….
Oktopia – Matthias Wittmann & Michèle Ganser erschienen bei der Büchergilde Gutenberg
Was haben Ozean und Weltall gemeinsam? Wie sind Kraken und Menschen entstanden? Was genau sind Kopffüßer – und warum heißen die so komisch? Kraken sind die ältesten intelligenten Lebewesen unseres Planeten, wahre ≫Aliens≪, deren Fähigkeiten uns staunen lassen.
Michael Stavarič und Michèle Ganser haben ein Sachbuch voll überraschender Wendungen kreiert, das wesentlich mehr bietet als schlichte Wissensvermittlung. Gemeinsam mit ihren Leser*innen begeben sie sich ins Reich der Kraken und laden ein zum gemeinsamen Abenteuer.
Ein Buch, das so ungewöhnlich wie der Krake selbst ist: zum Mitdenken und Mitmachen, voll witziger Details und plastischer Beschreibungen. Dass man danach zwangsläufig alles Wichtige über Licht, Erde, Evolution, Genetik und so weiter weiß, bleibt fast schon ein Nebeneffekt.
Ich folge Michèle Ganser schon länger auf Instagram und mag ihre Zeichnungen sehr. Dieses kluge dünne Büchlein ist ein Juwel und jede einzelne Zeichnung im Buch wert als Druck an meiner Wand zu landen.
Die große Herausforderung bei der Durchführung von Experimenten mit Kraken besteht darin, diese daran zu hindern, zurückzublicken und das Verhalten der Wissenschaftler zu beobachten. Kraken können durchaus listig Verknüpfungen zwischen den Apparaturen und den Blicken der Krakenforscherinnen herstellen und deren Pläne immer wieder auch durchkreuzen. Sie spielen also gewissermaßen mit unseren Erwartungshaltungen, da sie uns – wir wir ihnen auch – Handlungsmotive unterstellen, auch wenn Begriffe wie „Motiv“, „Intention“ und „Interesse“ in der Krakenwelt nicht existieren.
Leider ist er hiermit vorbei der Lesemonat Juni und ihr müsst mit mir nun Kreta und das Meer verlassen. Ich hoffe die Reise hat euch gefallen und ich konnte euch nicht nur auf die Insel sondern auch auf das eine oder andere Buch hier Lust machen, auch wenn dieses Mal einige Bücher dabei waren, die leider nur noch antiquarisch erhätlich sind.
Welche kennt ihr, auf welche habt ihr Lust bekommen und was ist euer Lieblingsland bzw eure Lieblingsinsel und noch viel wichtiger – habt ihr mein dazwischen gemogeltes Bild aus Schottland entdecken können?
Im Herzen Böhmens liegt die bezaubernde tschechische Stadt Karlovy Vary (Karlsbad), bekannt für ihre Thermalquellen und ihre beeindruckende Architektur, bietet die Stadt eine malerische Kulisse, die uns in vergangene Zeiten entführte. Seit dem 14. Jahrhundert pilgerten Adelige, Künstler und Schriftsteller in den Kurort für die Gesundheit, aber lange auch weil jede*r der etwas auf sich hielt einfach zum wässern nach Karls-, Marien- oder Franzensbad fuhr. Mit dem Zug von uns zwar nur 4 Stunden entfernt, allerdings muss man in der Regel mindestens zweimal umsteigen. Trotz eines zweistündigen unfreiwilligen Aufenthalts in dem wohl langweiligsten Nest der Welt „Schirmding“ kamen wir dann doch irgendwann mit der Lokalbahn an und wurden direkt mit beeindruckender Filmkulisse begrüßt.
Es war wunderbar entspannend, diese bezaubernde Stadt zu erkunden, die Kuranlagen zu besuchen, im Park zu relaxen, im berühmten Hotel Pupp Kuchen zu essen, das Heilwasser zu probieren und die eine oder andere köstlichen böhmischen Spezialität zu testen. Obwohl das Wetter nicht perfekt war, konnte uns nichts davon abhalten, die Magie von Karlovy Vary zu erleben.
Die eleganten Kurhäuser, Hotels, Villen und beeindruckenden Kolonnaden entlang des Flusses Teplá versetzten uns in eine andere Zeit. Es war, als ob wir in einem Wes Anderson-Film gelandet wären, wo jede Ecke des Bildes sorgfältig komponiert und farbenfroh war. Und das schreibe ich obwohl ich gar kein ausgesprochener Wes Anderson Fan bin, aber seine Bildsprache erkenne ich mittlerweile durchaus.
Ein Besuch in Karlovy Vary wäre nicht vollständig ohne einen Abstecher zu den berühmten Kuranlagen. Wir schlenderten entlang der beeindruckenden Kolonnaden, die von Mineralquellen gesäumt waren. Einige der Quellen boten kostenloses Heilwasser zum Probieren an, und ich wagte mich mutig, das mineralhaltige Wasser zu kosten. Es hat einen gewöhnungsbedürftigen Geschmack und auch wenn ich die gesundheitlichen Vorteile der Quellen sicherlich anerkenne, war mir die -wie es hieß – abführende Wirkung nicht ganz geheuer und wir hielten uns eher an das Becherovka Heilwasser das wir ebenfalls in kleinen Schlückchen zu uns nahmen. Wir haben uns auch direkt ein bisschen wohler gefühlt 😉
Ein weiteres Highlight unserer Reise war der Besuch des renommierten Hotel Pupp. Dieses prächtige Hotel ist nicht nur für seine luxuriöse Ausstattung und seinen erstklassigen Service bekannt, sondern auch als Drehort für den Bond-Film „Casino Royal“. Die opulente Einrichtung, der Hauch vergangener Eleganz geben einem wirklich das Gefühl durch ein Loch im Raumzeit-Kontinuum in den 1880er Jahren oder so gelandet zu sein.
Man denkt auch deshalb unweigerlich an Wes Anderson wenn man in Karlovy Vary ist, da das Hotel Bristol angeblich als Inspiration für die Außenkulisse des Grand Budapest Hotels gedient haben soll. Aber urteilt einfach selbst:
Natürlich kann man unmöglich ohne passende Literatur nach Karlsbad reisen und ich entschied mich für „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ von Jaroslav Kalfař, das schon eine Weile in meinem heimischen Bücherregal herumlungerte. Das war auf jeden Fall schon mal eine sehr gute Wahl:
„Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ ist ein Roman des tschechischen Autors Jaroslav Kalfar. Der Roman wurde 2017 veröffentlicht und erzählt die fiktive Geschichte von Jakub Procházka, einem Astronauten aus der Tschechischen Republik.
Die Handlung des Romans spielt in einer alternativen Realität, in der die Sowjetunion noch existiert und die Tschechoslowakei ein eigenes Raumfahrtprogramm hat. Jakub Procházka wird als einer der ersten tschechischen Astronauten ausgewählt und macht sich auf den Weg zu einer Mission zum Rand des Universums. Während seiner Reise reflektiert Jakub über sein Leben, seine Familie, seine Heimat und die Bedeutung von Raumfahrt für die menschliche Existenz.
Jaroslav Kalfar, der Autor des Romans, wurde 1988 in der Tschechoslowakei geboren und emigrierte im Alter von 15 Jahren mit seiner Familie in die USA. Er studierte an der University of Central Florida und begann seine Karriere als Autor. „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ war sein Debütroman und wurde von Kritikern positiv aufgenommen. Kalfar wurde für seinen einfallsreichen Schreibstil und seine Fähigkeit gelobt, Science-Fiction-Elemente mit menschlichen Erfahrungen und Emotionen zu verbinden.
Der Roman beschäftigt sich mit Themen wie Identität, Heimat, Familie und den Drang des Menschen nach Entdeckung und Erkundung. Durch die Verbindung von historischen Ereignissen mit Science-Fiction-Elementen schafft Kalfar eine einzigartige Erzählung, die den Leser zum Nachdenken anregt und richtig Spaß macht.
„Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ ist eine faszinierende und einfallsreiche Geschichte, die den Leser auf eine Reise durch Zeit und Raum mitnimmt und gleichzeitig tiefgründige Fragen über das menschliche Dasein stellt.
Außerdem entschied ich mich für Joseph Roths „Hotel Savoy“ das ebenfalls schon lange in meinem Regal steht. Der Roman spielt nicht in Karlsbad, aber in einem Grandhotel während des 1. Weltkriegs und thematisiert soziale Ungleichheit, politischemnWandel und zwischenmenschlichen Beziehungen.
Mit seinem eleganten Schreibstil und tiefgründigen Charakteren verwebt Roth geschickt historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen. „Hotel Savoy“ ist ein lesenswertes Werk, das einen Einblick in eine vergangene Ära gibt und gleichzeitig zeitlose Themen behandelt. Ich bin mit Roths Schreibstil dennoch nicht 100% warm geworden und war ganz dankbar, dass es sich um ein recht dünnes Büchlein handelte. Man wird direkt von der ersten Seite an ins Getümmel geworfen und die schrägen Typen im Hotel erinnerten mich an John Irvings „Hotel New Hampshire“ aber die Figuren blieben mir recht fern und ich glaube Joseph Roth und ich das wird nix. Hatte wahrscheinlich eher einen Roman im Stil von Stefan Zweig erwartet.
Fazit: Unser verlängertes Wochenende in Karlovy Vary war eine Reise voller Zauber und Nostalgie. Die Stadt bietet eine einzigartige Mischung aus Geschichte, Architektur und toller Natur. Die böhmischen Wälder durch die wir ein kleines bißchen wandern konnten auf dem Weg zum Diana Sprung und durch die wir mit dem Zug durchfuhren machen riesige Lust auf einen Wanderurlaub dort und den werden wir auf jeden Fall mal machen, vielleicht verbunden dann mit einem Abstecher nach Marienbad.
Wart ihr schon mal da? Hat es euch gefallen? Habt Ihr Tipps für uns für einen Wanderurlaub in den böhmischen Wäldern oder für einen Kurztrip nach Marienbad?
Der April war ein richtig guter Lesemonat. Das gruselige Wetter draußen hat für viel Lesezeit gesorgt, der freie Freitag ebenso. Ich habe gemerkt, wie gerne ich ein bißchen thematisch lese und habe mir durch Wald & Naturbücher versucht den Frühling eben literarisch ein bißchen ins Haus zu holen. War das schon eine Hirngymnastik oder nur ein thematischer Lesemonat? Wer weiß das schon und wen kümmert es. Lasst uns starten – ich stelle euch wieder kurz und knapp in alphabetischer Reihenfolge vor was ich diesen Monat gehört und gelesen habe:
Heimkehr – Wolfgang Büscher erschienen im Rowohlt Verlag
Wolfgang Büscher macht den Traum seiner Kindheit wahr. Er zieht in den Wald und erlebt dort Frühjahr, Sommer, Herbst. Ein Fürstenhaus an der hessisch-westfälischen Grenze, wo Büscher aufwuchs, überlässt ihm eine Jagdhütte – mitten im Wald, mitten in Deutschland. Hier schlägt er sein Feldbett auf. Kein Strom, kein fließend Wasser. Er richtet sich auf eine stille Zeit ein, auf Holzhacken und Feuermachen, eine Jagd ab und zu, eine Wanderung, ein Schützenfest, auf radikale Einsamkeit und eine Schwärze der Nächte, die in der Stadt unbekannt ist. Das Jahr wird ungeahnt dramatisch, Sturm, Hitze und Käferplage bringen den halben Wald um.
Das klang sehr vielversprechend, hat für mich aber so gar nicht gehalten was ich mir versprochen hatte. Da war eine Menge los im Wald und von Ruhe und Einsamkeit konnte keine Rede sein. Ich wollte wohl doch nichts von Schützenfesten und Jagdausflügen mit Fürsten lesen. Keine Empfehlung – ich fand es langweilig.
„Und wenn es so zugeht, wenn auf dem Wühltisch der Identitäten so einiges herumliegt und lockt, wenn gar nicht genau gesagt werden kann, wer einer ist – ist das dann alles, was über ihn gesagt werden kann?“
Die Fledermaus – Gunnar Decker erschienen im Berenberg Verlag
Eine Fledermaus im Schlafzimmer – nur stoische Naturen bleiben da unbeeindruckt. Nachdem sich bei Gunnar Decker der erste Schreck gelegt hatte, wurde er neugierig und wollte mehr über die unheimliche Herrin des Nachthimmels in Erfahrung bringen. Über ihre erstaunliche Fähigkeit, sich in stockdunklen Räumen zu orientieren, zu fliegen, obwohl sie keine Federn wie der Vogel, sondern Arme und Beine wie der Mensch hat. Über ihre zunehmende Gefährdung und die Tatsache, dass die Fledermaus ein Wildtier ist, zu dem man – in beiderseitigem Interesse – den nötigen Abstand bewahren sollte. (Man holt sich schließlich auch keinen Wolf in die Wohnung.) Und über die zahllosen Legenden und Mythen. Denn natürlich gilt: Am Vampir kommt kein Fledermaus-Forscher vorbei.
Spannende Mischung aus Tierporträt, informativem Sachbuch und umfassender Kulturgeschichte – hat mir gut gefallen und ich habe noch so einiges über Fledermäuse erfahren, was ich nicht wußte. Finde sie weiterhin unendlich faszinierend, werde aber auch weiterhin respektvoll Abstand halten.
„Der Ruhepuls einer Fledermaus sinkt im Winterschlaf auf 3 bis 5 Herzschläge pro Minute, davon träumt jeder indische Yogi-Meister. Ihr normaler Puls im Wachzustand liegt bei 400 Schlägen pro Minute, im Jagdflug steigert er sich dann bis auf tausend Herzschläge pro Minute!“
The Geometer Lobachevsky – Aiden Duncan erschienen im Tuskar Rock Verlag
Nikolai Lobatschewski erkundet 1950 ein Moor in den irischen Midlands, wo er Landvermessungen vornimmt. Eines Nachmittags, kurz nach seiner Ankunft, erhält er ein Telegramm, das ihn zu einem „besonderen Termin“ nach Leningrad zurückruft.
Lobatschewski mag kein großes Genie sein, aber er erkennt ein Todesurteil, wenn er es sieht, und geht auf eine kleine Insel im Mündungsgebiet des Shannon, wo die Inselfamilien Seetang ernten und sich mit dem Spalten von Steinen abmühen. Hier muss Lobachevsky über den Tod nachdenken, darüber, wie er ihn vermeiden kann und ob er seine Heimat jemals wiedersehen wird.
Unsere April Bookclub Lektüre habe ich auf dem Kindle gelesen und es ist mir unfassbar schwer gefallen es zu Ende zu bringen. Ständig sind meine Gedanken abgeschweift, es war einfach wirklich wahnsinnig langweilig und ich möchte in diesem Leben nichts mehr über Landvermessung und Seetang lesen. Das letzte Kapitel wirkte als hätte er dringend noch den Bus bekommen müssen und hat dann im Laufen die letzten 10 Seiten geschrieben. War auch im Bookclub nicht wirklich der Renner, zwei mochten es sehr, die meisten empfahlen es als gut wirkendes Schlafmittel.
Zur See – Dörte Hansen erschienen im Penguin Verlag
Die Fähre braucht vom Festland eine Stunde auf die kleine Nordseeinsel, manchmal länger, je nach Wellengang. Hier lebt in einem der zwei Dörfer seit fast 300 Jahren die Familie Sander. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben. Nun hat ihr Ältester sein Kapitänspatent verloren, ist gequält von Ahnungen und Flutstatistiken und wartet auf den schwersten aller Stürme. Tochter Eske, die im Seniorenheim Seeleute und Witwen pflegt, fürchtet die Touristenströme mehr als das Wasser, weil mit ihnen die Inselkultur längst zur Folklore verkommt. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Er ist der erste Mann in der Familie, den es nie auf ein Schiff gezogen hat, nur immer an den Strand, wo er Treibgut sammelt. Im Laufe eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht.
Das erste Drittel des Romans habe ich wirklich gerne gelesen, dann flachte mein Interesse ein kleines wenig ab. Hätte mir vielleicht etwas mehr stringente Handlung gewünscht, empfand es als etwas unzusammenhängende kurze Episoden. Altes Land gefiel mir etwas besser, aber Frau Hansen kann schreiben und selbst ein Buch das nicht vollends vom Hocker haut, ist immer noch ein sehr gutes.
“Alle Inseln ziehen Menschen an, die Wunden haben, Ausschläge auf Haut und Seele. Die nicht mehr richtig atmen können oder nicht mehr glauben, die verlassen wurden oder jemanden verlassen haben. Und die See soll es dann richten, und der Wind soll pusten, bis es nicht mehr wehtut.”
Quallen – Samuel Hamen erschienen im Matthes & Seitz Verlag
Von den direkten Gezeiten über die küstennahe Kontinentalschelfzone, von der Oberfläche des offenen Meeres bis hinab in dessen tiefste, kaum erforschte Bereiche bringen sie mit ihren ungeheuer reizbaren, »wie Hirnmasse in Häute verwandelten Leibern« nicht nur das Wasser zum Leuchten: Quallen. Seit Menschengedenken entziehen sich die Medusen jeglicher Festschreibung. Sie winden und wandeln sich wie organisiertes Wasser in den sie umströmenden Wellen und lassen die Imagination Funken sprühen. Doch gleich, ob als Störfaktor oder Symbol des Digitalen und Immersiven, als gestalterische Idee des Art Déco, als rückgratloses Schreckbild, Alien des Meeres, queeres Wappentier oder alarmistisches Emblem eines radikalen Wandels, bei dem selbst Wissenschaftler:innen mitunter an ihre Grenzen stoßen – Quallen, so zeigt Samuel Hamen in diesem schillernden Portrait, zucken nicht mit Wimpern, sondern mit Tentakeln, die je nach Art schon bei flüchtigem Kontakt starke Verbrennungen verursachen können. Wer es dennoch wagt, ihren Schwebebewegungen zu folgen, dem offenbart sich ein Einblick in die früheste Erdgeschichte wie auch in alle erdenkbaren Zukünfte.
Ich liebe Quallen und habe diesen Band wahnsinnig gerne gelesen. Wirklich spannend, gut geschrieben und sehr schön illustriert. Die Naturkunden Reihe ist eine kleine Schatztruhe an wunderschön gestalteten gut recherchierten Büchern – irgendwann möchte ich sie alle haben 🙂
„Die Blase von der die Rede ist, ist höchstwahrscheinlich der obere Teil der Physalia physalis, die gemeinhin Portugiesische Galeere genannt wird. Wem dieser Ausdruck noch nicht bellizistisch genug ist: Im Englischen trägt sie den Kosenamen Floating Terror. Von ihrem länglichen, halb durchsichtigen Körper, der an eine Boje erinnert und mit einer Gasmischung gefüllt ist, hängen angelschnurähnliche Tentakel herab, die üblicherweise eine Länge von acht bis zehn Metern erreichen und hochwirksame Gase absondern können.“
The Fifth Season – N. K. Jemisin unter dem Titel „Zerrissene Erde“ im Heyne Verlag erschienen übersetzt von Susanne Gerold
Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt. Seit sich im Herzen des Landes Sansia ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, dessen Asche den Himmel verdüstert, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Kampf ums nackte Überleben steht erst noch bevor.
Ich hatte es langsam bereits geahnt und das Buch hat er jetzt wohl final für mich bestätigt. Ich lese nicht so wahnsinnig gerne Space Operas. Das Buch ist wirklich gut geschrieben, es ist wahnsinnig intelligent und ich kann es Fans von Ursula LeGuin, Frank Herbert oder Octavia Butler nur ans Herz legen, aber ich freue mich auf eine Verfilmung, denn ich liebe SciFi und Space Opera – im Film, aber lese es einfach nicht so gerne. Daher werde ich die Trilogie auch nicht beenden und drücke mir und uns die Daumen, dass die Verfilmung nicht mehr allzu lange auf sich warten läßt.
“For all those that have to fight for the respect that everyone else is given without question.”
Wald – Doris Knecht erschienen im Rowohlt Verlag
Eine Frau allein in einem abgelegenen Haus in den Voralpen: Marian hat alles verloren. Die Krise und eigene Fehler trieben sie in den Bankrott, zum völligen Rückzug. Aber auch ihr Versuch, im geerbten Haus wieder zu sich zu finden, wird zum Überlebenskampf. Mühsam lernt Marian, sich zu versorgen, sie fischt, wildert, stiehlt Hühner, und dann ist da Franz … Eine starke, gefallene Frau mit dem Willen zum Neuanfang, und das Landleben als Spiegel einer brüchigen bürgerlichen Welt – Doris Knecht erzählt mit unverwechselbarem Ton und auf mitreißende Weise davon, wie es ist, wenn man sein schönes Leben auf einen Schlag verliert.
Gelegentlich fremdel ich ja etwas mit deutscher Gegenwartsliteratur aber Frau Knecht ist genau wie Frau Hansen ganz mein Ding. Ein sehr intelligenter Roman der der Leser:in tief in die Seele schaut und den Finger in die Wunde unserer brüchigen bürgerlichen Welt hält mit ihren Unzulänglichkeiten und ihrer Doppelmoral. Große Empfehlung.
„Die Zeiten waren nicht normal, nicht ihre, und da es ihr nicht gelang, Sorgen und Furcht mit der Erinnerung an etwas Schönes zu kalmieren, vertrieb sie sie eben mit der Erinnerung an ein großes Scheitern.“
Der Klang der Wälder – Natsu Miyashita erschienen im Insel Verlag übersetzt von Sabine Mangold
Als der junge Tomura einem Klavierstimmer bei der Arbeit lauscht, fühlt er sich durch den Klang in die hohen, rauschenden Wälder seiner Kindheit zurückversetzt, und fortan prägt die Leidenschaft für die Musik sein Leben. Er lernt das Handwerk des Klavierstimmens, doch bei aller Hingabe ist da doch stets die Angst vor dem Scheitern auf der Suche nach dem perfekten Klang. Als er das Klavier der beiden Schwestern Kazune und Yuni stimmen soll, muss er erkennen, dass es dabei um mehr geht als um technische Versiertheit – und es »den einen« perfekten Klang nicht gibt. Und als er Kazune, die angehende Konzertpianistin, dann spielen hört, spürt er die Bestimmung seines Lebens: ihr Spiel zum Strahlen zu bringen.
Ein wunderschöner kleiner poetischer Roman, bei dem man sofort erkennt, dass es ein japanischer Roman ist, selbst wenn es keine Namen und Ortsbezeichnungen gebe. Leise und anmutig kommt es daher und ich habe ich sehr gerne gelesen.
„Mein Los war das Klavierstimmen, das mir den Duft der Wälder offenbart hatte. Ich konnte nicht mehr in die Berge zurück.“
The Shepherd’s Life – James Rebanks auf deutsch erschienen unter dem Titel „Mein Leben als Schäfer“ im Penguin Verlagübersetzt von Maria Andreas
James Rebanks‘ Familie lebt seit Generationen im englischen Hochland, dem Lake District. Die Lebensweise ist seit Jahrhunderten von den Jahreszeiten und Arbeitsabläufen bestimmt. Im Sommer werden die Schafe auf die kahlen Berge getrieben und das Heu geerntet; im Herbst folgen die Messen, wo die Herden aufgestockt werden, im Winter die Anstrengung, dass die Schafe am Leben bleiben, und die Erleichterung, die mit dem Frühling kommt, wenn die Lämmer geboren werden und die Tiere wieder in die Berge getrieben werden.
James Rebanks erzählt von einer archaischen Landschaft, von einer tiefen Verwurzelung an einen Ort. In eindrucksvoll klarer Prosa schildert er den Jahresablauf eines Hirten, bietet uns einen einzigartigen Einblick in das ländliche Leben. Er schreibt auch von den Menschen, die ihm nahestehen, Menschen mit großer Beharrlichkeit, obwohl sich die Welt um sie herum vollständig verändert hat.
Ich folge James Rebanks und seiner Frau seit geraumer Zeit auf Instagram und habe mich lange auf das Buch gefreut. Ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe eine ganze Menge über den Lake District und das Leben der Menschen dort gelernt. Ein großartiges Buch, das ich rundum empfehlen kann.
„Frankly, every time I see a dog off a lead I am left fretting and fearing the worst until I see it back on the lead and packed into its owner’s car. So I suffer, even on the nine out of ten occasions when it all ends ok. Paranoid, maybe, but it is my job to fret about my sheep’s safety, and responsible visitors know that this fear exists and act accordingly. One person’s freedom is another man’s misery.“
Verwobenes Leben – Merlin Sheldrake erschienen im Ullstein Verlag übersetzt von Sebastian Vogel
Sie sind in der Erde, in der Luft, in unserem Körper. Pilze sind überall, aber man übersieht sie leicht. Sie halten uns am Leben, bauen Schadstoffe in der Atmosphäre ab und verändern das Verhalten von Tieren. Sie beeinflussen, wie wir Menschen fühlen und denken und sind für alle Lebensformen unverzichtbar. Sie existieren an der Grenze zwischen Leben und Tod. Der größte bekannte Pilz umfasst zehn Quadratkilometer, wiegt mehrere Hundert Tonnen und ist zwischen 2.000 und 8.000 Jahre alt. Pilze verfügen über eine eigene Intelligenz ohne zentrales Gehirn und können ihre Umwelt manipulieren. Merlin Sheldrake dringt ein in das verborgene Netzwerk der Pilze.
Ein wirklich erhellendes Buch das einen in die geheimnisvolle Welt er Pilze mitnimmt und mich stellenweise mit vor Staunen weit offenem Mund zurückgelassen hat. Man hat einfach keine Vorstellung, was es mit diesem Mycel auf sich hat, wozu Pilze so fähig sind und ich bin ziemlich sicher, wenn es nicht die Oktopoden sind, die die Weltherrschaft irgendwann übernehmen, dann werden es die Pilze sein. Unbedingt lesen!
„A mycelial network is a map of a fungus’s recent history and is a helpful reminder that all life-forms are in fact processes not things. The “you” of five years ago was made from different stuff than the “you” of today. Nature is an event that never stops. As William Bateson, who coined the word genetics, observed, “We commonly think of animals and plants as matter, but they are really systems through which matter is continually passing.”
„The Hobbit“ – JRR Tolkien erschienen unter dem Titel „Der kleine Hobbit“ im Klett Kotta Verlag übersetzt von Wolfgang Krege
Ohne große Ansprüche lebt Bilbo Beutlin im Auenland, bis er von dem Zauberer Gandalf und einer Horde Zwerge aus seiner Beschaulichkeit und seinem gemütlichen Alltag gerissen wird. Auf einmal findet er sich mitten in einem Abenteuer wieder, das ihn zu dem riesigen und gefährlichen Drachen Smaug führt, der einen kostbaren Schatz in seinen Besitz gebracht hat und eifersüchtig hütet. Der Hobbit ist der Anfang aller modernen Fantasy und erzählt die Vorgeschichte zum Herrn der Ringe.
Der Hobbit war diesen Monat mein Hörbuch, denn für mich bedeutet das Auenland irgendwie immerwährenden Frühling. Je ungemütlicher es draußen war, desto mehr bekam ich Lust trotz Regen mit dem Hörbuch auf den Ohren in meinem persönlichen Auenland den Isarauen herumzulaufen und mit Bilbo Beutlin große Abenteuer zu bestehen. Ich hatte es vor vielen Jahren immer Sonntags als Hörspiel im Radio gehört und war gespannt, ob es mir wohl genauso gut gefällt wie beim ersten Hören und Lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Wo mir der „Herr der Ringe“ oft viel zu kampflastig ist und ich die vielen Szenen mit Schlachtgetümmel überblätterte ist der Hobbit eines meiner liebsten Fantasy Bücher. Wer den Regen nicht mehr sehen kann, sollte sich mit dem Hobbit ins Auenland begeben, da wo der ewige Frühling wohnt 😉
“There is nothing like looking, if you want to find something. You certainly usually find something, if you look, but it is not always quite the something you were after.”
Unter freiem Himmel – Markus Torgeby erschienen im Heyne Verlag übersetzt von Maximilian Stadler
Im Freien schlafen, umgeben von Bäumen, Dunkelheit und angenehmer Kälte. Dabei hoch zu den Sternen blicken und sehen, wie sich die Atemluft wie eine feine Wolke vor den Augen kräuselt. Vielleicht verpassen wir ja etwas, wenn wir immer nur in temperierten Räumen mit vier Wänden und einer Decke liegen. Markus Torgeby war ein erfolgreicher Langstreckenläufer, als er der Zivilisation den Rücken kehrte, in den Wald zog und fortan unter freiem Himmel schlief. Eine Erfahrung, die sein Leben und seinen Blick auf die Welt veränderte.
Mit dem Buch bin ich noch gar nicht fertig, aber ich wollte es hier schon mal hinein schmuggeln, denn es passt thematisch einfach so gut. Während ich mit meinen ganzen Waldbüchern beschäftigt war, habe ich dieses im öffentlichen Bücherschrank gefunden und da musste es natürlich mit. Ein wunderschön gestaltetes Buch und eine interessante Mischung aus Biografie und Ratgeber für alle die gerne mal unter freiem Himmel schlafen oder leben wollen. Mir reichen allerdings Wanderungen im Wald, das Bedürfnis da auch zu schlafen und gar noch auf nacktem Boden hält sich doch sehr in Grenzen. Insbesondere durch die Bilder ein wirklich schönes Buch.
„Im Jämtland, wo ich lebe, gibt es viele Nadelbäume und zwischendrin ein paar Birken. Ich gehe zuerst zu einer Birke und schäle ein paar Rindenfasern ab. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man lose Haut abziehen. Wenn eine Tasche meiner Jacke voll ist, habe ich genug, um ein Feuer zu entfachen. Danach breche ich streichholzdünne Fichtenzweige ab, sie wachsen immer ganz unten und dicht am Stamm. Knackt es, wenn man sie abbricht, sind sie ausreichend trocken – es spielt keine Rolle, ob es aus Kübeln gießt, die Äste weiter oben schützen die dünnen Zweige darunter.“
Der Wald – Peter Wohlleben erschienen im Heyne Verlag
Peter Wohlleben, Förster aus Passion, zeigt den Wald, wie er ist und wie er sein könnte. Denn was wir irrtümlich für unberührte Natur halten, ist viel zu oft nur eine Ansammlung von Bäumen, die den Zwecken von Forstwirtschaft und Jagd zu dienen hat. Natürlich wachsende Bäume gedeihen in einer Lebensgemeinschaft, die alles umfasst, von den Geheimnissen des Waldbodens bis zu den höchsten Wipfeln. Peter Wohlleben lässt uns den Zauber der Natur wiederentdecken und vermittelt ein tiefes Verständnis vom Leben und Zusammenleben der Bäume.
Mein zweites Buch des Autors und wieder ein Fund aus dem Bücherschrank. Peter Wohlleben ist was den Wald angeht für mich das was Jamie Oliver seinerzeit fürs Kochen für mich war. Ich lerne viel, gehe mit offenen Augen durch den Wald bzw meine Isarauen und beschäftige mich deutlich intensiver mit den Bäumen um mich herum. Dieses Buch war deutlich biografischer als „Das geheime Leben der Bücher“ und ich fand es sehr spannend, was er über seine Ausbildung zum Förster schreibt, wie sich er Berufsstand in den letzten Jahren verändert hat und wie wichtig die Jagd für einen gesunden Wald ist.
„Die Chance, es so weit zu schaffen, beträgt für jeden Buchenembryo, der in einer Buchecker im Herbst zu Boden fällt, durchschnittlich 1:1,7 Millionen. Hungrige Tiere, die strenge Erziehung oder Unglücksfälle dezimieren die Baumjugend so stark, dass in 400 Jahren nur ein Baum ein komplettes Leben durchläuft. Aber das reicht zur Arterhaltung völlig aus.
Habt ihr es wirklich bis hier unten durchgehalten – dann Respekt. Das war ein wirklich umfangreicher Monat und ich bin gespannt, was ihr sagt. Konnte ich euch auf das eine oder andere Buch Lust machen? Habt ihr bei dem einen oder anderen eine änliche oder ganz andere Meinung? Freue mich immer von euch zu hören und jetzt Jacke an, Schuhe an und ab in den Wald…