Die hässliche Herzogin – Lion Feuchtwanger

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Meine Lieben – hier nun eine kurze Rezension aus der Rubrik “Schöner Scheitern an und mit Klassikern” – heute: „Die hässliche Herzogin“ von Lion Feuchtwanger.

Tief beschämt muss der Bingereader sich eingestehen, den historischen Betrachtungen zum Lebenswerk der Tiroler Herzogin Margarete in Tirol im ausgehenden Mittelalter nur mit Mühe die notwendige Aufmerksamkeit entgegengebracht zu haben. Ich habe wirklich gekämpft und mich durchgebissen, die Feuchtwanger Ausstellung im Literaturhaus besucht, viel über Herrn Feuchtwanger gelesen, aber der Zugang zu diesem Roman blieb mir irgendwie verwehrt.

Die Geschichte handelt von der Herzogin Margarete, die nach dem Tod ihres Vaters, Heinrich von Tirol, der ohne männlichen Erben gestorben ist, seine Nachfolgerin werden soll. Mit zwölf Jahren wird sie mit dem um einige Jahre jüngeren Johann von Luxemburg verheiratet. Liebe ist das natürlich nicht. Es gibt ein hin- und her um Macht und Einfluss rund um das kleine Herzogtum Tirol herum. Verschiedene gleichstarke Dynastien versuchen, die Herrschaft über Tirol zu erlangen. Die – von Herrn Feuchtwanger wiederholt ins Feld geführte außerordentliche Hässlichkeit Margaretes – ist eigentlich nicht die wichtigste Eigenschaft die sie hat, doch was fast alle übersehen ist, dass sie auch außerordentlich clever ist.

Das wäre schon durchaus interessant gewesen zu verstehen, wie sie sich behauptet als kluge und vermeintlich hässliche Frau, permanent von Aasgeiern umrundet, die sich das saftige Tirol gern unter den Nagel reissen würden, aber Feuchtwanger lässt einen der Herzogin nicht wirklich nahe kommen. Das hatte durchaus das Potential zur „Dynasty“-Soap im mittelalterlichen Tirol zu werden und wenngleich ich kein Soap-Niveau erwartet oder erhofft habe, es war – für meinen Geschmack – eher ein trockener Geschichtsbericht aus einem Sachbuch mit wenig Spannung, der mit Namen, Titeln, Herzogtümern nur so um sich gehauen hat.

Ich vermute aber, es liegt eher an mir als an Herrn Feuchtwanger, den ich mit meiner Kritik hier nicht in die Pfanne hauen möchte. Die Ausstellung „Erfolg“ im Literaturhaus war sehr interessant – ich kann sie nur jedem Münchner ans Herz legen. Die Ausstellung hat Lust auf diesen Schlüsselroman der 30er Jahre gemacht, nur die über 800 Seiten und mein nur mässig verlaufenes erstes Date mit Feuchtwangers Romanen lassen mich doch ein wenig zurückschrecken. Ich habe gesehen, dass es eine Verfilmung mit Bruno Ganz gibt , die wird es wohl – momentan zumindest – eher werden.

Die hässliche Herzogin war nicht meins, aber Leon Feuchtwanger ist mir durchaus näher gekommen. Auf ein neues – irgendwann vielleicht einmal.

erfolg

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3 Kommentare zu “Die hässliche Herzogin – Lion Feuchtwanger

  1. Vor einigen Jahren (und es hat auch einige Jahre gedauert) las ich fast alles von Feuchtwanger. Größtenteils gefiel es mir, vor allem die dicken Dinger. Nur eben die Maultasch, die steht immer noch halb gelesen im Regal.
    LG

  2. Obwohl mir die Person Feuchtwanger recht sympathisch ist – ich las seine Biografie von Wilhelm von Sternburg – habe ich von ihm nur den Jud Süß gelesen. Die Herzogin Maultasch steht noch ungelesen daneben.

    Den Stil, in dem dieser historische Roman verfasst ist – die Geschichte ist ja recht spannend – , würde ich als sehr fleißig bezeichnen, aber nicht so wirklich packend und literarisch ambitioniert. Das darf man ja jetzt so oberlehrhaft bekritteln, da er sich nicht mehr wehren kann.

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