Karine Tuil – Die Zeit der Ruhelosen

Auf Karine Tuil wurde ich irgendwann in einem Magazin aufmerksam, wo ihr Buch „Die Gierigen“ vorgestellt wurde. Kurze Zeit später las ich das Buch und war hellauf begeistert. So musste natürlich auch das neue Buch von ihr – „Die Zeit der Ruhelosen“ direkt ins Haus einziehen und relativ bald gelesen werden.

Das Buch hat einen fulminanten Start. Wir lernen einen der Hauptakteure kennen, Romain Roller, der als französischer Soldat direkt an der Front in Afghanistan gekämpft hatte. Die Sätze im ersten Kapital sind lang, es reihen sich Beschreibungen des Erlebten aneinander, starke Gefühle, Angst, Panik, Verwundungen. Man rast quasi durch die Erinnerungen mit Puls 180. Ein wirklich gelungener Start.

Wechselweise handeln die Kapitel von verschiedenen Personen, neben Romain Roller geht es auch um Osman Diboula, aus einem der Pariser Banlieu stammenden Politiker, und seine Frau Sonia. Francois Vely, der eigentlich Levy heißt und seinen Namen änderte, um seine jüdische Herkunft zu vergessen/zu verleugnen.

„Wenn du von deinen Freunden nicht enttäuscht werden willst, achte bei ihrer Auswahl auf den Bestand ihrer Bibliothek.“

Und dann wäre da noch Marion, eine Journalistin, das verbindende Glied in der Kette. Francois Vely heiratete sie, kurz nachdem seine erste Frau sich auf die Nachricht über die anstehende Hochzeit aus dem Fenster stürzte. Marion muss atemberaubend schön sein. Denn auch Romain Roller ist scheinbar zwanghaft besessen von ihr, nachdem er sie in Zypern kennenlernte, wo die Soldaten vor ihrer Heimkehr aus Afghanistan einige Tage „entspannen“ sollten.

Macht ist das große Oberthema des Buches, alle wollen Macht, um jeden Preis. Nur wer Macht hat, ist angesehen, hat etwas zu sagen und bekommt überall Zugang.

„Du bist privilegiert, Geld macht Eindruck, aber es entstellt auch Beziehungen, es verzerrt das Urteil, vergiss das nicht.“

Die Ehe von Francois und Marion geht bergab, sie erlebt ein auf und ab mit Romain, der traumatisiert ist von den Erlebnissen des Krieges. Osman weigert sich, als Quotenfarbiger in der Politik dargestellt zu werden und verliert dadurch zunächst seinen Posten.

„Das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass man seiner Identität auf immer und ewig unterworfen ist.“

Leider ist keiner der Charaktere besonders sympatisch. Alle bleiben recht oberflächlich, von keinem erfährt man wirklich viel außer des Strebens nach Status und Anerkennung. Nach dem fulminanten Start flacht das Buch zunehmend ab.

Alle Charaktere sind am Ende miteinander verwoben, ergeben ein tragisches Gesamtbild des „rise and fall“ – bis einer stirbt. Wer von ihnen, das müsst ihr euch selbst herausfinden 🙂

Deutlich begeisterter war Constanze von Zeichen und Zeiten, ihre Rezension findet ihr hier.

Vielen Dank für das Rezenzionsexemplar an den Ullstein Verlag.

 

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