#WomeninSciFi (17) Der Report der Magd von Margaret Atwood oder Gilead ist überall

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Janine vom Blog „Frau Hemingway“ hat einen Literaturblog, auf dem ich mich wunderbar heimisch fühle. Ich streife an ihren Regalen entlang, nehme hier mal ein Buch raus, freue mich da wieder über eines, dass ich auch habe und bin ein wenig neidisch auf ihren Lesesessel, der unglaublich bequem aussieht und das coole Moby Dick Poster.

Sie hat sich mit Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ der wohl realistischsten und bedrohlichsten Dystopie gewidmet, die die Science Fiction Welt so zu bieten hat. Auf nach Gilead also, auch wenn es weh tut – hoffen wir, dass wir es so weit nie werden kommen lassen:

Nachdem Desfred zum ersten Mal das „Ritual“ über sich ergehen lassen hat, musste ich die Serie kurz pausieren und meinem Blick vom Fernseher abwenden. Das „Ritual“ findet an den fruchtbaren Tagen Desfreds statt und dabei versucht der Kommandant Fred, in dessen Haus Desfred leben muss, sie zu schwängern während die Ehefrau des Kommandanten Desfreds Hände festhält. Der Kommandant und dessen Frau tun so als würden eigentlich sie ein Kind zeugen; die Magd Desfred ist überhaupt nicht anwesend, obwohl sie gerade vergewaltigt wird. Es ist sowohl im Buch „Der Report der Magd“ als auch in der Serie „The Handmaid´s Tale“ eine sehr intensive und zugleich beängstigende Szene, leider gibt es von dieser Art Szene bei Margaret Atwood genügend und mein Herz würde auch in den neun weiteren Folgen der Serie nicht zur Ruhe kommen.

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Foto: Piper Verlag

„Der Report der Magd“ handelt von der Republik Gilead, die durch einen Staatsstreich von einer christlich-fundamentalistischen Gruppierung in den Vereinigten Staaten gegründet wird. Die Regeln dieses Staates sind sehr strikt und die Bibel dient als Rechtfertigung für alles. Am schlimmsten sieht es für die Frauen aus: Sie dürfen nichts besitzen, haben keinerlei Mitspracherecht und müssen die Rolle der kindergebärenden Hausfrau übernehmen. Das heißt, wenn die Frau noch Kinder gebären kann, denn ein Großteil kann es nicht mehr. Aus diesem Grund kommt Desfred auch so eine besondere Rolle als Magd zu. Die Mägde sind Frauen, die vor der Gründung Gileads bereits ein Kind geboren und also bewiesen haben, dass sie zeugungsfähig sind.

Gilead ist überall

Obwohl „Der Report der Magd“ in der Zukunft spielt, streitet Margaret Atwood vehement ab, dass ihr Buch Science-Fiction sei. Margaret Atwood definiert Science-Fiction als etwas, dass passiert, obwohl es heute noch nicht möglich ist. Das ist in „Der Report der Magd“ schlicht nicht der Fall, weil alles, was darin passiert, gab es bereits in der Vergangenheit oder gibt es in der Gegenwart. Die Geschichte von Desfred ist weitergesponnene Gegenwart und das macht Margaret Atwood sehr eindrucksvoll.

Besser als im Buch kommt dieser Punkt jedoch in der Serie zur Geltung: Hier lässt sich mittels der Rückblenden sehr leicht nachvollziehen, wie sich eine demokratische Gesellschaft in einen totalitären Staat verwandelt. Zum Beispiel wurde zuerst das Wahlrecht beschnitten, dann durften sämtliche Frauen kein eigenes Geld mehr haben und am Ende durften sie durch ein Berufsverbot auch nicht mehr arbeiten. Der Prozess von ein paar kleinen Gesetzesänderungen bis hin zu Desfreds gesellschaftlich-akzeptierten Gefangenschaft war schleichend und erinnert stark an das „Boiling Frog Paradigma“. Hierbei wird ein Frosch in einen Topf mit angenehm-temperierten Wasser gesetzt, anschließend wird dieses Wasser sehr langsam erhitzt und der Frosch wird sterben, weil er lebendig gekocht wird, aber eben nicht aus dem Topf springt. Der Mensch in einer Gesellschaft ist oftmals genauso lethargisch.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass Gilead auch hier sein könnte. Gilead könnte zu jeder Zeit überall entstehen. Es ist ein furchtbarer Gedanke, aber er kommt beim Lesen des Buchs oder Sehen der Serie immer mal wieder in den Vordergrund. Es wird zwar die Geschichte Desfreds erzählt, aber genauso gut könnten es auch du und ich sein, die gemeinsam zu einer Zusammenkunft der Mägde gehen, um jemanden steinigen zu müssen, der vermeintlich ein Verbrechen begangen oder auch einfach bei diesem ganzen Wahnsinn nicht mehr mitgespielt hat.

Mehr von Gilead:

  • Buch „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood (ISBN: 978-3492311168, Taschenbuch, Piper Verlag, 12,00 €)
  • Essay „Wie Utopia entstand“ im Buch „Aus Neugier und Leidenschaft – Gesammelte Essays“ von Margaret Atwood (ISBN: 978-3827006660, Hardcover, Berlin Verlag, 28,00 €)
  • DVD „The Handmaid´s Tale“ (Komplette Serie, 21,99 €)

Hier noch der link zur Rezension der englischen Folio-Ausgabe von „The Handmaid’s Tale“.

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2 Kommentare zu “#WomeninSciFi (17) Der Report der Magd von Margaret Atwood oder Gilead ist überall

  1. Meine Freundin hat das Buch vor kurzem gelesen und mir empfohlen. Schön, dass du es rezensiert hast. Kannte bisher nur den englischen Titel, wusste aber nicht, dass es auch eine Serie gibt. Also erstmal das Buch und dann die Serie. 🙂

  2. Ich kenne das Buch noch nicht, habe aber die erste Staffel der Serie gesehen (teils musste ich mich überwinden). Wachsamkeit ist nötig…

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