Athen by the Book

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Nach mehreren Besuchen in Griechenland stand endlich auch Athen auf dem Programm und die Stadt hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen.

Über das Tourist Office kann man Stadtführungen mit einheimischen Nachbarschafts-Tourguides buchen und wir hatten mit unserer Stadtführerin richtig Glück. Katarina war so enthusiastisch und wusste unglaublich viel über die Geschichte und die Mythologie und ich glaube, hätte ich nicht für einen Call gegen 5 im Hotel sein müssen, wir würden noch immer mit ihr durch die Stadt laufen und keine Ecke unentdeckt lassen.

 

Leider weigerte sie sich standhaft, von uns ein Trinkgeld zu nehmen, sie sind sehr stolz, die Frauen in Athen 🙂

Ich konnte natürlich nicht ohne entsprechende Lektüre nach Athen reisen und um die Akropolis entsprechend würdigen zu können, packte ich Mary Beards „Partheon“ ein. Unser Aufstieg bei gefühlten 40 Grad im Schatten mit 10000 anderen Touristen ließ nicht viel Feierlichkeit aufkommen, aber interessant war es auf der Akropolis auf jeden Fall und man hat natürlich auch eine großartige Aussicht.

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Mary Beard nimmt uns in dem Buch auf die fast 2500 Jahre lange Geschichte mit, die das weltberühmte Gebäude hinter sich hat. In einem Wettstreit um die Vorherrschaft in Athen rangen Athene und Poseidon um die Gunst der Athener, die zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Athener waren. Poseidon versprach Wasser, Athene Oliven und wir wissen, wie die Stadtbewohner sich entschieden.

Zur Ehre ihrer Schutzpatronin bauten die Athener der Göttin Athene den Parthenon mit einer über 10m hohen Statue der Göttin, von der leider kein Stückchen mehr übrig ist. Die Römer übernahmen später den Tempel und ehrten darin ihre eigenen Götter und nur wenig später verwandelten die Christen den Tempel in eine Kirche.

Während des Ottomanischen Reiches wurde das Gebäude in eine Moschee verwandelt und dummerweise lagerten sie dort ihr Schießpulver. Als die Venetianer die Akropolis befeuerten, um die Türken aus Athen zu befreien, gingen Teile davon in die Luft und zerlegten den Tempel zu großen Teilen. Als nächster kam Lord Elgin und „rettete“ die Trümmer und den wunderschönen Marmor-Fries und brachte ihn nach London, wo wir ihn heute im Britischen Museum bewundern können.

Durch das Buch wurde mir klar, dass ein Gebäude nur dann so lange existieren kann wie zB der Parthenon, wenn es in Gebrauch ist. Man sollte sich also eher freuen, dass die Christen und die Muslime den Tempel für ihre Zwecke nutzten, denn wäre der Parthenon schon deutlich früher eine Ruine gewesen, wäre heute wahrscheinlich überhaupt nichts mehr da.

„For to study the Parthenon is to be brought face to face with the very fragility of our grip on the Greek and Roman world, and with the challenges that are involved in even the simplest attempts to describe it, let alone explain or make sense of it.

The Parthenon in other words, offers an object lesson in those tantalizing processes of investigation, deduction, empathy, reconstruction and sheer guesswork that must be the hallmarks of any study of classics and the classical past.“

 

Besonders gut gefallen hat mir Zeus‘ Tempel und das Hadrianstor. Der Tempel wurde ca 680 BC zu Ehren des Göttervaters errichtet und seine 16 übrig gebliebenen Säulen korinthischen Stils lassen ahnen, wie beeindruckend dieser Tempel einst aussah. Er war einer der größten Tempel des antiken Griechenlands.

Das Hadrianstor wurde im Jahr 132 Kaiser Hadrian gewidmet. Es war kein Stadttor sondern ein Ehrenmonument. Hadrian hatte die Stadt wesentlich vergrößern und neue Viertel erbauen lassen. Es gibt zwei Inschriften auf der Seite zur Altstadt: „Dies ist Athen, einst Theseus Stadt“ und auf der anderen Seite „Dies ist Hadrians, nicht Theseus’ Stadt“.

Ein Buch das ebenfalls auf keiner Griechenland-Reise fehlen darf, ist die großartige Neuerzählung des Trojanischen Krieges aus weiblicher Sicht von Natalie Haynes.

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Die Geschichte von der Belagerung Trojas war nie nur die Geschichte von einer oder zwei Frauen, Haynes gibt allen Frauen in der Geschichte eine Stimme.

Als Creusa mitten in der Nacht erwacht, steht Troja in Flammen. Zehn endlose Jahre des Krieges und der Belagerung durch die Griechen gehen in Troja in dieser Nacht zu Ende. Die Griechen haben durch eine List gewonnen und in den nächsten Stunden wird sich das Leben, wie Creusa es kannte, in Asche verwandeln…

Die schrecklichen Konsequenzen des Falls der Stadt Troja erstrecken sich vom Berg Olympus bis zum Berg Ida, über griechische Inseln und über den Ozean hinweg. Die Geschichten der Frauen erzählen vom Krieg, von den Schrecken der anschließenden Sklaverei und auch davon, wie dieser schreckliche Krieg überhaupt anfing.

„A Thousand Ships“ gibt den Frauen, Mädchen und Göttinnen eine Stimme, die für so lange Zeit still waren. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen – große Empfehlung.

Wer etwas Zeit mitbringt, sollte sich in Athen unbedingt mit dem Shuttle-Bus zum neuen großen Kulturzentrum SNFCC bringen lassen. Dort finden eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen statt, die Architektur der Gebäude ist beeindruckend und auch wer kein griechisch lesen kann, sollte unbedingt einen Abstecher in die dortige Bibliothek machen, die ist umwerfend.

 

Athen ist eine aufregende, pulsierende Stadt, die sehr viel mehr zu bieten hat als nur die Akropolis, die man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Ganz lieben Dank noch einmal an Katarina, unsere tolle Stadtführerin und für den nächsten Besuch in der Stadt haben wir auch noch ein paar Sachen offen gelassen, die wir uns dann anschauen wollen.

So – hab ich euch jetzt Lust auf Griechenland gemacht? Dann kommt einfach mit, wenn ich euch in ein paar Tagen mit nach Naxos nehme.

 

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3 Kommentare zu “Athen by the Book

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