Der Empfänger – Ulla Lenze

„Der Empfänger“ ist eine fiktive Geschichte angelehnt an die ihres Großonkels, der ins Visier der Geheimdienste gerät.

Der deutsche Auswanderer, Josef Klein versucht in New York auf die Füße zu kommen. Doch kurz vor dem Kriegseintritt der Amerikaner brodelt es im Big Apple. Antisemitische und rassistische Gruppierungen liegen im heftigen Widerstreit miteinander und viele deutsche Auswanderer jubeln Hitler aus der Ferne zu und versuchen, Anhänger zu finden.

Der Rheinländer Josef Klein lebt bescheiden und uninteressiert an Politik im multikulturellen Harlem. Er liebt Jazz, chinesische Küche und das Amateurfunken.

Darüber lernt er auch Lauren kennen, eine junge Frau, die große Sympathien für ihn hegt. Josefs technische Fähigkeiten erregen in den deutschen Auswandererkreisen, in denen er sich teilweise bewegt, nach und nach immer größere Aufmerksamkeit.

Er, der eigentlich nur ein friedliches Leben mit Musik, Funk und vielleicht einem Mädchen an seiner Seite sucht, gerät, bevor er es so richtig merkt, in das Spionagenetzwerk der deutschen Abwehr. Josef ist ein kleines Rädchen im Getriebe und versucht wiederholt, sich aus den Fängen der deutschen Spione zu winden.

Lenzes Roman spielt auf drei Zeitebenen. Der Roman beginnt im Jahr 1953 in Costa Rica, dazwischen erzählt er von seinem Aufenthalt im Gefangenenlager auf Ellis Island und Joes kurzer Stipvisite in der alten Heimat bei der Familie seines Bruders im Rheinland. Die letzte Zeitebene ist die seiner Zeit in New York im Jahr 1939, während seines bescheidenen glücklichen Junggesellenlebens und bevor ihm die Spionagetätigkeit zum Verhängnis wird.

„Weil er nicht weiter wusste, fuhr er zu Schmudderich. Er lief durch das „Halt!“ der Sekretärin mit einer Selbstsicherheit, die er nur hatte, wenn er wütend war.
Schmudderich hinter seinem Schreibtisch stand auf.
„Habe schon mit Dir gerechnet. Max rief mich vorhin an.“
„Ihr hättet mich ruhig fragen können.“
„Sei froh über das Geld. Wir könnten dir auch ein Hitler-Autogramm anbieten. Kein Witz. Ein paar echte Patrioten hier wollen nichts anderes.“
Josef lächelte nicht mit.
„Was?“, fragte Schmudderich. „Was willst du denn noch?“
„Aufhören. Ich arbeite nicht für Deutschland.“

Der Roman endet in Costa Rica mit einem Brief aus Neuss, in dem sich ein Stern-Magazin mit einer großen Reportage über den Einsatz des deutschen Geheimdienstes in Amerika befindet.

Lenzes Roman war ein großes Highlight für mich dieses Jahr – ich habe ihn sehr gerne gelesen, habe viel gelernt über die deutschen Geheimdiensttätigkeiten in den USA und die NS Affinität vieler deutscher Auswanderer.

Foto: Tom Coe, Unsplash

Ein eindringlicher Roman über einen bescheidenen Mann, der scheinbar unbeabsichtigt in die Fänge der Nationalsozialisten gerät und somit ein reiner Befehlsempfänger wird in den USA, genau wie Millionen Deutsche in seiner Heimat.

„Der Empfänger“ ist ein kluger und zeitgeschichtlich sehr interessanter Roman, mit spannenden Protagonisten, die man nicht so schnell wieder vergisst.

Ich danke dem Klett Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar.

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