Read around the world: Rumänien

Bei Rumänien hatte ich sofort ein paar Bilder im Kopf: Transsilvanien, Dracula, die Karpaten, Ceaușescu, vielleicht noch graue Plattenbauten und die Donau. Und genau das ist wahrscheinlich schon das Problem. Denn diese wenigen Bilder sagen erstaunlich wenig über ein Land aus, das historisch zwischen Mittel-, Ost- und Südosteuropa liegt, sprachlich aus der Reihe fällt und im 20. Jahrhundert einige der radikalsten politischen Umbrüche Europas erlebt hat. Rumänien ist geprägt von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, von Diktatur und Revolution, von enormer Abwanderung, aber auch von einer jungen, urbanen Gesellschaft und einer starken europäischen Orientierung.

Geografisch liegt Rumänien an der Schnittstelle zwischen Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Mit rund 238.000 Quadratkilometern ist es etwa zwei Drittel so groß wie Deutschland. Die Landschaft ist erstaunlich vielfältig: Die Karpaten ziehen sich in einem großen Bogen durch das Land, im Zentrum liegt das historische Transsilvanien, im Süden erstreckt sich die Walachei und im Osten die Moldau. Die Donau bildet über weite Strecken die südliche Grenze und mündet schließlich in das Schwarze Meer. Das Donaudelta gehört zu den größten und artenreichsten Feuchtgebieten Europas.

Die Geschichte Rumäniens beginnt allerdings lange vor dem modernen rumänischen Staat. Teile des heutigen Landes gehörten in der Antike zum Königreich Dakien, das zu Beginn des 2. Jahrhunderts vom Römischen Reich erobert wurde. Diese römische Vergangenheit spielt bis heute eine wichtige Rolle im rumänischen Selbstverständnis. Auch die rumänische Sprache erinnert daran: Obwohl Rumänien von überwiegend slawischsprachigen Ländern umgeben ist, ist Rumänisch eine romanische Sprache und damit mit Italienisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch verwandt.

Über viele Jahrhunderte existierte kein einheitlicher rumänischer Staat. Die historischen Regionen Walachei und Moldau standen lange unter starkem Einfluss des Osmanischen Reiches, während Transsilvanien zeitweise zum Königreich Ungarn und später zur Habsburgermonarchie gehörte. Diese unterschiedlichen historischen Entwicklungen erklären auch, warum Rumänien kulturell und architektonisch bis heute regional sehr verschieden ist.

1859 schlossen sich Moldau und Walachei unter Alexandru Ioan Cuza zusammen, der entscheidende Schritt zur Entstehung des modernen Rumänien. 1877 erklärte das Land seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich, die ein Jahr später international anerkannt wurde. 1881 entstand das Königreich Rumänien. Nach dem Ersten Weltkrieg vergrößerte sich das Staatsgebiet erheblich, unter anderem um Transsilvanien. Das sogenannte „Großrumänien“ umfasste nun allerdings auch zahlreiche ethnische Minderheiten, darunter Ungarn, Deutsche, Juden, Roma und Ukrainer.

Besonders schwierig ist die rumänische Geschichte während des Zweiten Weltkriegs. Unter dem autoritären Militärdiktator Ion Antonescu verbündete sich Rumänien 1940 mit den Achsenmächten und beteiligte sich ab 1941 am deutschen Angriff auf die Sowjetunion. Das Antonescu-Regime war selbst für die Verfolgung, Deportation und Ermordung hunderttausender Jüdinnen und Juden sowie Roma verantwortlich. Rumäniens Beteiligung am Holocaust wurde nach dem Krieg jahrzehntelang verdrängt und gehört bis heute zu den schwierigsten Kapiteln der nationalen Erinnerungskultur.

1944 wechselte Rumänien die Seiten und kämpfte in den letzten Kriegsmonaten gegen Deutschland. Nach dem Krieg geriet das Land jedoch zunehmend unter sowjetischen Einfluss. 1947 musste König Michael I. abdanken, die Monarchie wurde abgeschafft und Rumänien wurde eine kommunistische Volksrepublik.

Die kommunistische Diktatur prägt das Bild Rumäniens bis heute vor allem durch einen Namen: Nicolae Ceaușescu. Er kam 1965 an die Macht und entwickelte einen zunehmend autoritären Personenkult. Anfangs verfolgte Rumänien teilweise einen eigenständigeren Kurs gegenüber der Sowjetunion, was Ceaușescu im Westen zeitweise sogar Anerkennung einbrachte. Im Inneren wurde sein Regime jedoch immer repressiver. Die Geheimpolizei Securitate überwachte weite Teile der Bevölkerung, politische Opposition wurde verfolgt und Meinungsfreiheit existierte kaum.

Besonders dramatisch verschlechterte sich die Lage in den 1980er Jahren. Ceaușescu wollte die Auslandsschulden des Landes möglichst schnell zurückzahlen und ordnete dafür massive Sparmaßnahmen an. Lebensmittel, Strom und Heizenergie wurden rationiert, während gleichzeitig gigantische Prestigeprojekte entstanden. Das bekannteste Beispiel ist der heutige Parlamentspalast in Bukarest, eines der größten Verwaltungsgebäude der Welt, für dessen Bau ganze Stadtviertel abgerissen wurden.

Auch die Bevölkerungspolitik des Regimes hatte verheerende Folgen. Abtreibungen und Verhütungsmittel wurden stark eingeschränkt, weil Ceaușescu die Geburtenrate erhöhen wollte. Frauen wurden damit faktisch zu Instrumenten staatlicher Bevölkerungspolitik. Tausende Frauen starben an den Folgen illegal durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche, gleichzeitig stieg die Zahl der Kinder, die in staatlichen Heimen lebten.

Im Dezember 1989 brach das Regime schließlich innerhalb weniger Tage zusammen. Aus Protesten in Timișoara entwickelte sich eine landesweite Revolution. Ceaușescu und seine Frau Elena wurden festgenommen, in einem kurzen Militärprozess zum Tode verurteilt und am 25. Dezember 1989 erschossen. Rumänien war das einzige Land des ehemaligen Ostblocks, in dem der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in einer gewaltsamen Revolution und mit der Hinrichtung des bisherigen Staatschefs endete.

Die Transformation danach verlief alles andere als einfach. Rumänien musste gleichzeitig demokratische Institutionen aufbauen, seine Wirtschaft von einer staatlich kontrollierten Planwirtschaft auf eine Marktwirtschaft umstellen und sich mit weit verbreiteter Korruption und alten Machtstrukturen auseinandersetzen. Viele Menschen verloren in den 1990er Jahren wirtschaftliche Sicherheit, während andere von den neuen Möglichkeiten profitierten.

Gleichzeitig orientierte sich Rumänien zunehmend Richtung Westen. 2004 trat das Land der NATO bei, 2007 folgte der Beitritt zur Europäischen Union. Seit Anfang 2025 gehört Rumänien vollständig zum Schengen-Raum. Die Kontrollen an den Luft- und Seegrenzen waren bereits 2024 abgeschafft worden, Anfang 2025 folgten auch die Landgrenzen.

Politisch ist Rumänien heute eine semipräsidentielle Republik, in der sich Präsident und Regierung die Exekutivgewalt teilen. Die vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt, dass auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kommunismus Fragen nach Vertrauen in politische Institutionen, Korruption und der Stabilität der Demokratie aktuell bleiben.

Besonders deutlich wurde das bei der Präsidentschaftswahl 2024. Nachdem der weitgehend unbekannte rechtsextreme Kandidat Călin Georgescu überraschend die erste Runde gewonnen hatte, annullierte das rumänische Verfassungsgericht die Wahl. Die Entscheidung und der Umgang mit möglichen Manipulationen und ausländischer Einflussnahme lösten eine heftige gesellschaftliche und internationale Debatte aus. Bei der neu angesetzten Wahl im Mai 2025 gewann schließlich der proeuropäische ehemalige Bukarester Bürgermeister Nicușor Dan die Präsidentschaft.

Diese Auseinandersetzungen zeigen auch, wie politisch gespalten das Land inzwischen ist. Einerseits gibt es eine starke proeuropäische Orientierung, andererseits haben nationalistische und rechtspopulistische Parteien deutlich an Einfluss gewonnen. Dazu kommen Unzufriedenheit über Korruption, Lebenshaltungskosten und die großen Unterschiede zwischen prosperierenden Städten und ärmeren ländlichen Gebieten.

Wirtschaftlich hat Rumänien seit seinem EU-Beitritt enorme Fortschritte gemacht. Der Lebensstandard hat sich deutlich an den europäischen Durchschnitt angenähert. Besonders erfolgreich sind Bereiche wie IT und Softwareentwicklung sowie Teile der Automobil-, Elektronik-, Pharma- und Luftfahrtindustrie. Gleichzeitig spielen Landwirtschaft und traditionelle Industriezweige weiterhin eine wichtige Rolle.

Diese Entwicklung ist allerdings regional sehr unterschiedlich. Städte wie Bukarest, Cluj-Napoca und Timișoara haben sich zu modernen Wirtschafts- und Technologiezentren entwickelt, während manche ländlichen Regionen weiterhin von vergleichsweise niedrigen Einkommen und schlechter Infrastruktur geprägt sind. Gerade dieser Gegensatz zwischen schnell wachsenden Städten und strukturschwächeren Regionen gehört zu den großen Herausforderungen des Landes.

Eine der einschneidendsten gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte ist außerdem die massive Auswanderung. Seit dem Ende des Kommunismus und besonders seit dem EU-Beitritt haben Millionen Rumäninnen und Rumänen im europäischen Ausland Arbeit gesucht. Große rumänische Communities leben heute unter anderem in Italien, Spanien, Deutschland und Großbritannien.

Das hat zwei Seiten: Die Überweisungen dieser Menschen an ihre Familien sind wirtschaftlich wichtig, gleichzeitig fehlen dem Land dadurch in vielen Bereichen Arbeitskräfte, von Medizin und Pflege bis hin zu Handwerk und Landwirtschaft. In manchen Regionen sind ganze Generationen junger Menschen weggezogen, während Kinder bei Großeltern zurückblieben oder Familien über mehrere Länder verteilt leben.

Rumänien ist außerdem ethnisch vielfältiger, als es von außen oft wahrgenommen wird. Neben der rumänischen Bevölkerungsmehrheit gibt es unter anderem eine große ungarische Minderheit, besonders in Transsilvanien, sowie kleinere deutsche, ukrainische, türkische, tatarische und andere Gemeinschaften.

Eine besondere Rolle spielen die Roma. Sie bilden eine der größten Minderheiten des Landes, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich deutlich höher liegt als die offiziellen Volkszählungsdaten, da sich nicht alle Menschen als Roma registrieren lassen. Gleichzeitig gehören Roma weiterhin zu den gesellschaftlich am stärksten benachteiligten Gruppen Rumäniens. Diskriminierung, Armut, schlechte Wohnbedingungen und eingeschränkter Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sind bis heute große Probleme.

Auch bei Frauenrechten und queeren Rechten zeigt sich ein ambivalentes Bild. Frauen sind rechtlich gleichgestellt und in Ausbildung und Arbeitsleben stark vertreten, übernehmen aber weiterhin einen großen Teil der unbezahlten Sorgearbeit und sind politisch vergleichsweise schwach repräsentiert. Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt bleiben ebenfalls große gesellschaftliche Probleme.

Eine sichtbare LGBTQ+-Community und große Pride-Veranstaltungen vor allem in Bukarest stehen einer weiterhin stark konservativ und orthodox geprägten Gesellschaft gegenüber. Gleichgeschlechtliche Paare verfügen bislang nur über begrenzte rechtliche Anerkennung. Gleichzeitig wächst besonders in den größeren Städten die gesellschaftliche Sichtbarkeit queerer Menschen.

Kulturell ist Rumänien gerade wegen seiner Lage zwischen verschiedenen Regionen Europas faszinierend. Orthodoxe Traditionen treffen auf habsburgisches Erbe, osmanische Einflüsse und eine romanische Sprache. In Städten wie Sibiu, Brașov oder Timișoara findet man deutlich mitteleuropäisch geprägte Architektur, während sich in anderen Regionen orthodoxe Klöster, Holzkirchen und dörfliche Traditionen erhalten haben. Dazu kommt eine vielfältige Musik-, Film- und Literaturszene.

Und dann wäre da natürlich Transsilvanien. Für viele Menschen außerhalb Rumäniens ist die Region beinahe untrennbar mit Dracula verbunden. Bram Stokers berühmter Vampir hat allerdings mit der historischen Region und seinem vermeintlichen Vorbild Vlad III. Drăculea nur sehr lose zu tun. Stoker selbst war nie in Rumänien. Das internationale Dracula-Bild ist deshalb mindestens genauso sehr britische Popkultur wie rumänische Geschichte. Für den Tourismus funktioniert die Verbindung trotzdem bis heute hervorragend.

Die vergleichenden Daten:

Bevölkerung: ca. 19 Millionen Menschen
Fläche: rund 238.400 km²
Bevölkerungsdichte: rund 80 Menschen pro km²
Sprache: Rumänisch
Hauptstadt: Bukarest
Währung: Rumänischer Leu
Politisches System: semipräsidentielle Republik
EU-Mitglied: seit 2007
NATO-Mitglied: seit 2004

Auch bei Rumänien merke ich beim Recherchieren wieder, wie schnell man glaubt, bereits ein Bild von einem Land zu haben und weshalb ich diese Read Around the World Reihe für mich immer wieder so spannend: weil hinter den paar Bildern und Geschichten, die man mit einem Land verbindet, plötzlich unglaublich viele weitere Ebenen sichtbar werden. Besucht habe ich Rumänien bislang nicht, hätte aber große Lust dazu.

Literatur

Jetzt aber zur kulturellen Seite und ich starte heute wieder mit der Literatur. Gelesen habe ich ein Buch der deutsch-rumänischen Autorin Dana Grigorcea.

Tanzende Frau, Blauer Hahn – Dana Grigorcea erschienen im Penguin Verlag



Dana Grigorceas Tanzende Frau, blauer Hahn hat mich leider etwas ratlos zurückgelassen. Dabei mochte ich durchaus einiges an diesem Roman: die Sprache, diesen leicht schwebenden, manchmal skurrilen Ton und vor allem die Atmosphäre dieser Sommer in Bușteni im Rumänien der 1990er Jahre.

Im Zentrum stehen die Erinnerungen Roxanas, die ihre Ferien bei Großmutter und Großtante verbringt und gemeinsam mit ihrem Freund Camil das Leben und vor allem die Liebesgeschichten der Menschen im Ort beobachtet und weitererzählt. Dabei verschwimmen Realität und Fantasie zunehmend. Manche Episoden sind komisch, andere traurig oder ziemlich düster, und immer wieder blitzt ganz nebenbei auf, wie sehr die Jahre nach dem Ende des Kommunismus noch von dessen Folgen geprägt sind. Gerade weil wir vieles aus der Perspektive eines Kindes erleben, geschieht das eher am Rand und genau das fand ich durchaus gelungen.

Weniger funktioniert hat für mich allerdings die Konstruktion des Romans. Die einzelnen Geschichten habe ich ganz gern gelesen, aber mir fehlte zunehmend ein roter Faden und am Ende auch ein wirkliches Verständnis dafür, wie die verschiedenen Ebenen zusammengehören. Vor allem die Rahmenhandlung um die Schriftstellerin auf Lesereise mit dem Pianisten Thierry blieb für mich seltsam ungreifbar.

Ein atmosphärischer, sprachlich schöner und stellenweise wunderbar schräger Roman über Erinnerung, Liebe und das Geschichtenerzählen, der für mich als Ganzes leider nicht ganz zusammengefunden hat.

Wer Lust auf mehr Literatur-Tipps aus Rumänien hat – hier die bereits besprochenen Bücher, die mir durchweg gut gefallen haben:

Karpathia – Mathias Menegoz
Atemschaukel – Herta Müller
Dracula – Bram Stoker (ist nicht rumänisch, aber bei Transsilvanien kann man halt wirklich nicht anders, als an Dracula denken)

Musik

Auch musikalisch ist Rumänien deutlich vielfältiger, als man auf den ersten Blick vielleicht vermutet. Neben traditionellen Formen und folkloristischen Einflüssen gibt es eine starke Pop-, Elektro-, Rock- und Alternative-Szene. International bekannt geworden sind vor allem Künstlerinnen und Künstler wie Inna, Alexandra Stan oder Edward Maya, deren Dance- und Pop-Hits weit über Rumänien hinaus erfolgreich waren. Gleichzeitig spielen traditionelle Elemente weiterhin eine große Rolle, etwa bei Künstlern, die Volksmusik mit Hip-Hop, Elektronik oder Rock verbinden.

In der alternativen Szene findet man außerdem spannende Post-Rock-, Metal- und Indie-Bands. Besonders gefällt mir (nach Tipp vom immer zuverlässigen Gerhard vom Blog Kulturforum ) die Band „Am Fost La Munte Și Mi-a Plăcut“, deren atmosphärischer, instrumentaler Sound irgendwo zwischen Post-Rock und härteren Klangwelten liegt. Insgesamt scheint mir die rumänische Musikszene ähnlich vielschichtig wie das Land selbst: zwischen Tradition, Balkan-Einflüssen, internationalem Pop und sehr eigenständigen Nischen.

Film

Für die Film-Rubrik hatte ich wieder Unterstützung von der wunderbaren Sabrina Schaub – vielen lieben Dank:

In Rumänien entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Filmtheater und eine Filmindustrie, die nach 1945 ihren wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte und gleichzeitig zunehmend von Propaganda geprägt war. Wo Heldengeschichte, Action und Krimis die Leinwände und Bildschirme beherrschten, fanden kritische Filme kaum statt. Das änderte sich erst 1989 nach dem Sturz von Nicolae Ceaușescu. 

Heute dominiert das Autorenkino, das international als „rumänischen Nouvelle Vague“ bezeichnet wird. Es ist geprägt von Realismus, Gesellschaftskritik und schwarzem Humor. Aber auch von Hürden: In Rumänien gibt es nur noch rund 70 Kinos und eine undurchsichtige Filmförderung. Trotzdem entstehen Filme mit internationaler Reichweite – wie Der Tod des Herrn Lazarescu (2005) von Cristi Puiu, der einen schwarzhumorigen Blick auf das Gesundheitswesen Rumäniens in den 1990er Jahren wirft. In 4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage (2007) erzählt Cristian Mungiu eine Abtreibungsgeschichte, die den Alltag der Menschen und die Kämpfe von Frauen in der Ceaușescu-Zeit zeigt.

Ein Geheimtipp für Genrefans ist der Found-Footage-Film Be My Cat: A Film For Anne (2015), in dem Regisseur und Hauptdarsteller Adrian Țofei von Anne Hathaway besessen ist. Um sie für einen Film zu gewinnen, geht er über Leichen. Das ist alles recht unangenehm und nichts für schwache Nerven, zeigt aber, was Filmschaffende in Rumänien mit wenig Budget und viel Kreativität schaffen können.

Wer mehr über die Entwicklung des rumänischen Kinos von 1912 bis in die Gegenwart erfahren möchte, kann in dem Buch Klassiker des rumänischen Films von Dana Duma, Stephan Krause und Anke Pfeifer 25 Filme und ihre Regisseur:innen kennenlernen.

Und ein Tipp für alle mit Bibliotheksausweis: Aktuell kann man über das Portal Filmfriend eine Auswahl rumänischer Filme kostenlos streamen.

Zum Schluss würde ich gern noch von euch hören: Was verbindet ihr mit Rumänien? Habt ihr Buch-, Film- oder Musiktipps, die ich unbedingt noch entdecken sollte? Und wart ihr vielleicht sogar schon einmal dort? Rumänien gehört ja eher nicht zu den Ländern, die bei klassischen Urlaubszielen sofort ganz oben genannt werden – umso neugieriger wäre ich auf eure Erfahrungen. Wie hat es euch gefallen, was hat euch überrascht und gibt es einen Ort, den ihr besonders empfehlen würdet?

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