Homo Faber – Max Frisch

Max Frisch

Egal was Walter Faber auch versucht, er schafft es einfach nicht seinen Flug zu verpassen. Er versteckt sich in der Bar, wird ohnmächtig in der Toilette, ignoriert tapfer auch die durchdringensten letzten und allerletzten Boarding-Aufrufe für ihn. Aber es hilft alles nichts. Er glaubt seine Maschine gehört zu haben als sie startet, fühlt sich sicher, da packt ihn die Stewardess an der Schulter und schwupps sitzt er in der Maschine.

Als Ingenieur der UNESCO ist er auf dem Weg nach Mexiko, um Turbinen zu installieren, aber bei der Zwischenlandung hat er aus unerfindlichen Gründen keine Lust mehr weiterzufliegen. Aber nun sitzt er eben doch im Flieger und dieser stürzt über der Wüste von Mexiko tatsächlich ab.

Nein, jemand wie Homo Faber glaubt da nicht an Schicksal oder schlechte Sternkonstellationen. Er ist Techniker und Vernunftsmensch durch und durch. Den Absturz überstehen alle weitestgehend unverletzt und nach ein paar Tagen kann die Reise weitergehen. Er hat im Flieger einen Düsseldorfer getroffen, den Bruder seines früheren besten Freundes, den dieser in Guatemala besuchen will. Kurzerhand begleitet er den Düsseldorfer auf seiner Reise nach Guatemala. Joachim, seinen früheren besten Freund, treffen sie leider nur erhängt auf. Es stellt sich heraus, dass Joachim Fabers frühere Geliebte Hanna geheiratet hat, diese aber zwischenzeitlich geschieden waren.

Faber ist ständig in Bewegung. Nur nicht stillstehen und Stück für Stück verliert er, der doch so fest mit beiden Füßen auf der Erde steht, immer mehr den Halt. Zurück in New York trennt er sich von seiner nervigen Geliebten, gibt seine Wohnung auf und schifft sich nach Europa ein, um in Paris an einer Arbeitskonferenz teilzunehmen.

„Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, ganze Kette von Zufällen.“

Auf dem Schiff dann ein weiterer schicksalshafter Zufall. Er trifft auf Sabeth, eine 20jährige, in die er sich nach anfänglichem Zögern verliebt ohne zu ahnen, dass es sich um seine Tochter handelt, die Hanna damals doch nicht abgetrieben hatte. Die beiden. Es ist eine Menge los in der Welt des Homo Faber. Die Ereignisse reissen nicht ab. Je verzweifelter Faber sich an sein rationales Weltbild klammert um so heftiger gerät es ins Wanken.

frisch

Foto: blogderbund.ch

Auf der Reise, die Sabeth und er zusammen unternehmen, kommt es zu einem schrecklichen Unfall. Wie in den griechischen Göttersagen kann Homo Faber seinem Schicksal nicht entkommen.

Ein phantastisches Buch. Die Sprache ist knapp, spröde – da ist kein Satz zuviel. Vor Jahren habe ich einiges von Max Frisch gelesen, auch Homo Faber, aber was für ein beglückendes Wieder-Lesen. Wenn möglich gefällt es mir heute noch viel besser als vor ein paar Jahren. An manchen Stellen kaum zu glauben, dass das ein Roman aus dem Jahr 1957 ist.

„Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind.“

„Jeder Apparat kann einmal versagen; es macht mich nur nervös, solange ich nicht weiß, warum.“

„Wir brauchen gar nicht mehr so viele Leute. Es wäre gescheiter, Lebensstandard zu heben. Alles andere führt zum Krieg und zur totalen Vernichtung.“

„Wir leben technisch der Mensch als Beherrscher der Natur, der Mensch als Ingenieur, und wer dagegen redet, der soll auch keine Brücke benutzen, die nicht die Natur gebaut hat“.

„Überhaupt der ganze Mensch! – als Konstruktion möglich, aber das Material ist verfehlt: Fleisch ist kein Material, Fleisch ist ein Fluch.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s