Takeshis Haut – Lucy Fricke

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Eigentlich war ja der Plan, dieses Jahr nach Japan zu reisen, doch dann hat die Vernunft gesiegt und es wird noch ein weiteres Jahr eisern gespart, damit wir dann nächstes Jahr gleich ein paar Wochen lang im Land herumreisen können. So lange wollte ich jetzt aber doch nicht warten auf „Takeshis Haut“, denn ich war sehr gespannt darauf.

Obwohl ich mich für Japan interessiere, mit Herrn Murakami einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller aus dem Land kommt, weiß ich nicht wirklich viel darüber. Kirschblüten, Kimonos, Herr Murakami, Frau Yoshimoto, leckeres Essen und die Bilder aus Tokio die man so kennt.

Daher große Vorfreude bei mir auf Lucy Frickes Buch, ein Weihnachtsgeschenk über das ich mich sehr gefeut habe, denn die Geschichte klingt ziemlich ungewöhnlich. Eine Geräuschemacherin namens Frida verschlägt es für die Vertonung von Filmaufnahmen nach Japan. Sie reist ohne große Erwartungen hin, sieht es hauptsächlich einfach als Arbeitsauftrag und merkt plötzlich, das Japan ganz anders klingt. Auf ihren Aufnahmen meint Frida ein Geräusch zu hören, das nicht dort hingehört, das sie ängstigt und es irgendwie bedrohlich durch ihren Körper zu rollen scheint. So recht will und kann ihr keiner glauben.

Ihr Auftraggeber in Deutschland vermittelt ihr mit Takeshi einen Begleiter, der ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen soll in Japan. Die beiden teilen bald nicht nur jede Menge Dosenbier miteinander, sondern auch das Bett. Er zeigt und erzählt ihr viel über seine Heimat, über sich selbst eher weniger.

„Er war so wenig Mann und sie so sehr Frau“

Die Geschichte spielt im Frühling 2011 und während Fridas Aufenthalt kommt es zur Katastrophe von Fukushima und ihr Leben gerät endgültig aus den Fugen. Wie ein Seismograph spürt der Roman die verschiedenen Erschütterungen auf. Die inneren und die äußeren. Sie bleibt trotz der Katastrophe, obwohl es bebt und schwankt und Frida droht den Boden unter den Füßen zu verlieren, ihre Stabilität, die sie auch so attraktiv für Takeshi macht.

„Wir akzeptieren das Unvermeidliche, in der Hoffnung, dass es nie passiert.“

Zurück in Deutschland erlebt sie die Deutschen, die nahezu in Panik sind, obwohl das Unglück soweit weg ist. Ganz im Gegensatz zu den Japanern, die versuchen schnellstmöglich in ihren gewohnten Alltag zurückzukommen. Freunde weichen aus Angst vor Strahlung vor ihr zurück, am Flughafen wird sie mit Geigerzähler empfangen.

Ob es ihr gelingen wird, in ihr altes Leben mit ihrem langjährigen Freund zurückzukehren, werde ich nicht verraten. Erst einmal kehrt sie zurück in ihr Haus, in dem es ebenfalls bebt durch die Bauarbeiten in der Nähe und durch das ein riesiger Riss geht.

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Fricke selbst trat nur wenige Wochen nach der Fukushima Katastrophe ein Stipendium am Goethe-Institut in Kyoto an. „Takeshis Haut“ ist ein Roman mit einer ganz und gar außergewöhnlichen Atmosphäre. Man muss in der richtigen Stimmung sein, um den Roman geniessen zu können. Die Sprache kann man aber jederzeit genießen. Lucy ist schon teilweise ein depressives Miststück, Takeshi manchmal ein bisserl sehr Film noir tragisch. Macht aber nix.

Ein bewegender Roman – hätte ich vorher nicht schon riesige Lust gehabt, nach Japan zu fahren, jetzt habe ich noch viel mehr. Ob es dort bebt oder nicht.

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