The Spinning Heart – Donal Ryan

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Unsere Februar-Lektüre ist wieder ein gutes Beispiel dafür, warum ich es so liebe, durch den Bookclub auf Bücher gebracht zu werden, die ich sonst höchstwahrscheinlich nie gelesen hätte. Donal Ryan’s dünnes Debüt „The Spinning Heart“ ist so eines. 2013 auf der Longlist des Man Booker Prizes gelandet, ist es mir dennoch komplett unter den Radar durchgerutscht und vielleicht hätte ich es auch gar nicht gekauft, selbst wenn ich es entdeckt hätte, denn ein Buch über die Folgen der Wirtschaftskrise in Irland hört sich im ersten Moment nicht sonderlich anziehend an, da habe ich wohl vorurteilsbeladen ein etwas „Angela’s Ashes“-ähnliches alkoholgetränktes Depri-Buch befürchtet.

„My Father still lives back the road past the weir in the cottage I was reared in. I go there every day to see is he dead and very day he lets me town. He hasn’t yet missed a day of letting me down.“

„Why can’t I want to be me?“

Ryan wurde aber zum Glück in unsere jährliche Liste gewählt und das war sehr gut so. Ryan erzählt in seinem virtuosen Debüt in 21 unterschiedlichen Stimmen, die in ebensoviele Kapitel aufgeteilt sind, die Geschichte eines irischen Dorfes in der Provinz, das von der Wirtschaftskrise hart getroffen wird. Die paar Boomjahre haben die Arbeiter am Wohlstand teilhaben lassen, als einer der größten Arbeitgeber und der Bauunternehmer Pokey Burke über Nacht abhaut, stehen sie vor dem Nichts und die Dorfgemeinschaft steht unter Schock. Sie sind nicht nur betrogen worden von ihrem Arbeitgeber und der Wirtschaft allgemein, sie sind auch noch pleite und der einzige Trost vielleicht, das es nahezu jeden getroffen hat.

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Foto: joyzz.com

Bobby, ist der zentale Charakter der Geschichte, der Vorarbeiter und ehemals allseits beliebte Golden Boy des Dorfes, dem bislang alles zu gelingen schien, hört das Eis unter seinen Füßen knacken „he is filling up with fear like a boat filling with water“. Die Geschichte spielt in einem namenlosen irischen Dorf und Ryan widmet jedem direkt oder indirekt betroffenen Erzähler ein kurzes Kapitel und darin liegt sein ganz besonderes Können: wie er es schafft, 21 deutlich voneinander unterscheidbare Charaktere greifbar zu machen, ihnen eigene Stimmen zu geben, ihre individuellen Geschichten nachvollziehbar. Man fühlt sich an Dylan Thomas’s „Under the Milk Wood“ erinnert, aber Ryan’s Geschichten erschienen mir härter, vielleicht einfach weil sie aktueller sind.

“I wish to God I could talk to her the way she wants me to, besides forever making her guess what I’m thinking. Why can’t I find the words?”

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Unser organisiertestes Bookclub Mitglied, die diesen Monat auch die Diskussionsleitung übernommen hatte, hat neben diesen phantastischen Cupcakes im Bild auch eine Art Flow Chart gemacht, um darzustellen, wie die verschiedenen 21 Charaktere miteinander zusammenhängen. Es ist nicht unbedingt notwendig, ein solches Chart anzufertigen, man versteht die Geschichte schon auch so, aber es war schon hilfreich 😉

“Bernadette never went to Mass; she was a fundamentalist Christian. Mother often said she only used religion as a framework for her craziness. She could just as easily have been a Muslim or a Buddhist or a white witch.”

„The Spinning Heart“ ist ab und an ein ganz klein wenig alkoholgetränkt-depri, aber es ist überwiegend liebevoll, spannend, häufig auch lustig und ich war einfach nur erstaunt, wie er Ryan es geschafft hat ein so rundes Buch zu verfassen auf nur 160 Seiten. Es ist wirklich großartig – lesen, lesen, lesen!

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6 Kommentare zu “The Spinning Heart – Donal Ryan

  1. Ich bin ja völlig überzeugt: Wirtschaftskrise, 21 Stimmen und die Möglichkeit, die Geschichte zu visualisieren, das liest sich ganz vielversprechend. Wenn ich es aber richtig sehe, dann liegt der Roman leider – noch? – nicht auf Deutsch vor. Und mein altes, altes Schulenglisch ist schon so viele Jahre her, da würde mir wohl beim Buchstabenentziffern der Spaß vergehen. Hm, vielleicht gibt es ja noch eine Übersetzung.
    Viele Grüße, Claudia

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