Verzauberter April – Elizabeth von Arnim

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Als ich diesen Roman vor vielen Jahren in London zum ersten Mal las, war es tatsächlich an einem verregneten April-Wochenende und wie sehr habe ich mir damals gewünscht, in diesem Castello zu sein, im Frühling, in der Wärme, in dieser Blütenpracht und habe mir immer geschworen, sollte ich tatsächlich einmal in diese Gegend reisen, dann lese ich es nochmal.

Et voilà – da sind wir also. „Verzauberter April“ – ein kleines weißes Häuschen in Ligurien, Juli und nicht April, aber ansonsten ist alles einfach genau so schön, wenn nicht noch schöner als im Buch. Und es hat mir auch nach all diesen Jahren noch genauso gut gefallen.

Die Story dieses 1922 erstmalig erschienenen Romans ist einfach perfekt. Vier Frauen, die sich vorher nicht wirklich kennen, teilen sich einen Monat lang ein mittelalterliches Castello an der Italienischen Rivera. Jede der Ladies hat ihren eigenen Grund, ihrem trüben Londoner Leben zu entfliehen und das Castello verzaubert jede von ihnen und sie verwandeln sich, blühen auf durch ihre Reise dorthin.

Es ist nicht nur ein Roman voller Wärme und Charme, er ist auch extrem witzig und scharfsinnig. Die Geschichte ist eine Hymne an die Freundschaft, die Liebe und die verwandelnde Kraft des Reisens. Wie sehr einen Sonnenschein, Schönheit und Glück verändern können. Das Castello ist wirklich ein wenig „verzaubert“ und verzaubert auch alle die, die ein paar Tage darin verbringen.

„Denken Sie daran, wieviel freundlicher wir sein werden, wenn wir zurückkommen“, sagte Mrs. Arbuthnot, um diese bleiche Dame aufzumuntern.

„Jetzt hatte sie all ihr Gutsein abgelegt und in die Ecke geworfen wie einen Haufen durchnäßter Wäsche, und sie fühlte nur Freude.“

„Es war ein großer Irrtum zu glauben, daß eine Frau, eine ausgesprochen gut angezogene Frau, ihre Kleidung abnutzte; vielmehr war es die Kleidung, die eine Frau abnutzte – indem sie sie zu jeder tages- und Nachtzeit hierhin und dorthin schleppte.“
Ich fand die Entwicklung und Veränderung der vier so unterschiedlichen Frauen sehr spannend und die Geschichte hat für mich durch die Anreise der Ehemänner etwas an Charme verloren. Das sich zwei so derart zerrüttete Ehen durch ein paar Tage Aufenthalt im Märchenschloss gleich wieder hundertprozentig reparieren lassen, fand ich dann doch ein wenig übertrieben.

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„Loses Gerede über Ehemänner war in Mrs. Fishers Kreis nicht gerade ermutigt worden. In den Achtzehnachzigern, als sie ihre Hauptblütezeit hatte, wurden Ehemänner ernst genommen als die einzig wahren Hindernisse für die Sünde.“

„Sie hatte kein Vergnügen daran, andere Frauen auszustechen; sie wollte deren lästige Männer nicht. Was konnte man mit Männern anfangen, wenn man sie erobert hatte? Alle sprachen über nichts anderes als Liebeskram, und wie läppisch und langweilig das nach einer Weile wurde. Es war so, als kriegte ein gesunder Mensch mit normalem Appetit nichts als Zuckerzeugs zu essen. Liebe, Liebe …., das Wort schon weckte in ihr den Wunsch, jemanden zu ohrfeigen.“

„Es stimmte, am meisten mochte sie ihn, wenn er nicht anwesend war, aber andererseits mochte sie ganz allgemein diejenigen am meisten, die nicht anwesend waren.“
Eines ist sicher, sollte ich jemals in der Lotterie gewinnen oder eine mir noch unbekannte entfernte Verwandte vererbt mir ein Castello oder das notwendige Kleingeld für ein Castello, ich würde sofort ein solches für ein paar Wochen mieten und all meine Freunde einladen. Ich stelle mir das wundervoll vor.

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Die Ladies im Buch sind mir sehr ans Herz gewachsen, die verknöcherte alte Dame Mrs Fisher, die eigentlich nur noch in der Vergangenheit leben will, die wunderschöne It-Lady Caroline, die so sehr den Kanal voll hat, von allen bewundert zu werden und die ständig das Gefühl hat, jeder will sie vereinnahmen, sowie die verklemmte religiöse Rose Arbuthnot, die kaum über 30 schon wie eine alte Jungfer agiert und die exzentrische Mrs Wilkins, die unbeachtete Ehefrau eines erfolgreichen Anwalts. Sie alle blühen auf, verändern sich und ihre Umwelt.

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Die vier Stimmen – jede für sich unverwechselbar haben mich alle auf unterschiedliche Art und Weise angesprochen. Elizabeth von Arnim hat die Charaktere sehr clever entwickelt und die verschiedenen Schilderungen gekonnt zu einem kohäsiven Ganzen verbunden. Auch wenn man die literarische Absicht hinter den Sätzen spüren konnte, wirkte es doch wunderbar mühelos.

Vier Wochen verbringen sie im Castello und die größten Veränderungen finden im Inneren der Charaktere statt und in der Natur. Sie bleiben die ganze Zeit dort, sie düsen nicht durch die Gegend, um möglichst viel von der Gegend zu sehen, sind keine Touristen, die atemlos jeder Sehenswürdigkeit hinterher hecheln. Das hat mir gefallen, diese Ruhe, die das ausgestrahlt hat und diese Notwendigkeit ,die es gibt, für innere große Entwicklungen und Veränderungen braucht es vielleicht um so mehr äußere Beständigkeit und Ruhe.

Elizabeth von Arnims Sprache ist poetisch, stellenweise regelrecht karg. Das passt sehr gut zu einer Geschichte, die vom Glück trauriger Menschen handelt. Ein Buch, das hoffnungsvoll und warm ist, ohne sentimental zu sein. Ein Buch, das für jeden Italien-Urlaub eingepackt werden sollte.

Hier ein paar Ausschnitte aus der Verfilmung von Mike Newell aus dem Jahr 1992:

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4 Kommentare zu “Verzauberter April – Elizabeth von Arnim

  1. hallo sabine,
    im leben nicht… ! im leben wäre ich nicht drauf gekommen, dieses buch zu lesen. dass ich es jetzt doch tue (ich habs soeben bestellt), daran bist du schuld. nach deiner rezension will ich unbedingt wissen, was diese vier mädels so treiben.
    und dir wünsche ich noch einen sowas von schönen urlaub.
    susanne

  2. ich hab’s getan: ich bin – auf dein anraten hin – mit den vier ladies nach italien in das alte castello gereist. und ja, du hast vollkommen recht, es ist ein echtes vergnügen den mädels bei ihrer verwandlung zuzusehen. dieser leise, zarte humor – ich empfand ihn irgendwie als schelmisch. mir hat auch das dazustoßen der drei männer (zwei ehemänner, ein hausbesitzer) gut gefallen. sind ja auch drei knuffige typen.
    also: es hat sich gelohnt, auf dich zu hören, liebe sabine. ich werde es also gern wieder tun. questo e non pericoloso.
    susanne

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