The Interestings – Meg Wolitzer

wolitzer

Dieser Roman hat im Bookclub für ordentlich heiße Diskussionen gesorgt. Da gab es die gelangweilten, von den überhaupt nicht interessanten „Interestings“ genervten und auf der anderen Seite die recht euphorischen Befürworter des Romans. Dazwischen war eigentlich nicht viel.

Ich gehöre zu den eher euphorischen Anhängern und entsprechend ist meine Besprechung hier gefärbt. Zeitweise hatte ich das Gefühl eine „Justice for Jules“ Kampagne ins Leben rufen zu müssen, sie hat ordentlich einstecken müssen 😉

Im Sommer 1974 treffen sich 6 Teenager in einem recht exklusiven Kunst-Sommercamp in New England. Jules gelangt in den inneren Zirkel der coolen, urbanen New Yorker und aus der provinziellen Julie wird Jules, die der Enge ihrer Herkunft durch ihre Freunde zu entfliehen hofft. Die sechs schließen über den Sommer Freundschaft, die teilweise ein lebenlang halten wird. Kreativität und Kunst sind ihr Lebenselixier und alle versuchen, ihre Talente auch beruflich zu nutzen, aber einzig Ethan gelingt der wirklich große Durchbruch.

Die Gruppe nennt sich „The Interestings“ und insbesondere Jules und Ethan investieren unglaublich viel Energie und Herzblut in diese Freundesgruppe. Es ist wahrscheinlich nicht schwer, Jules nicht zu mögen. Sie schämt sich ihrer Wurzeln, hängt sich an ihre coolen Freunde, versucht sich ihnen anzupassen und ist gelegentlich neidisch auf ihre Freunde. Das Thema Neid fand ich sehr spannend in diesem Zusammenhang. Neid ist immer negativ besetzt, dabei gibt es ja durchaus zwei Ausprägungen, das bittere neiden, das einem anderen etwas nicht gönnt, nach dem Motto „ich will was du hast, denn ich gönne es dir nicht“ – das die Menschen ganz unglücklich macht und sie zerfrisst ist natürlich eine verdammt schlechte Eigenschaft. Aber es gibt – meine ich – auch eine Form von Neid, die ein notwendiger Motor von Veränderungen ist. Eine Neid von „ich will das auch was du hast und idealerweise nicht nur für mich, sondern auch für andere“. Ein positiver Motor, der nicht unglücklich macht, weil man etwas nicht hat, sondern der Möglichkeiten für positive Veränderungen sieht.

An der Stelle gab es eine Menge spannender Diskussionen in unserem Bookclub. Natürlich kann das total glücklich machen, einfach zu akzeptieren was man hat und sich daran erfreuen, ich sehe aber das Positive, das entsteht, wenn man den Status Quo nicht akzeptiert, sondern für sich und andere mehr erreichen will.

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Sehr spannend auch zu sehen, wie unterschiedlich Menschen mit Talent umgehen. Nur einer in der Gruppe hat ein überdurchschnittlich großes, ganz klar von klein auf ausgeprägtes Talent. Solche Menschen machen fast immer ihren Weg, auch wenn sie aus nicht privilegiertem Umfeld kommen. Die meisten Menschen haben aber denke ich, keine Supertalente, sondern entdecken und finden ihre Talente im Laufe ihres Lebens und da haben dann in der Regel die aus priviligiert stammendem Umfeld einen deutlich Vorteil. „Normales“ Talent reicht bei Privilegierten oft trotzdem zum Erfolg. Wie im Buch bei Ash, die es mit einem durchschnittlich ausgeprägten Maß an Talent schafft, erfolgreich als Regisseurin zu sein, dass durchschnittlich ausgeprägte Maß Talent reicht bei Jules, die keinen priviligierten Hintergrund hat nicht aus. Sie verlässt die Kunst irgendwann, um sich einen normalen Brot- und Butterjob zu suchen und ist in diesem dann auch ganz erfolgreich.

Der immer freundliche, nicht gutaussehende, aber super zuverlässige Ethan, der von klein auf ein begabter Comiczeichner ist, die feenartige hübsche Ash, um deren Achse die Gruppe zu spinnen scheint, ihr Bruder Goodman, der typische verwöhnte Lebemann ohne große Ambitionen und einem Hang zu Alkohol und Drogen, die Sexbombe Cathy, die Tänzerin werden möchte, und der zierliche gitarrespielende Hippie-Junge Jonah – ich konnte sie so deutlich vor mir sehen und fand es spannend, ihren Lebensläufen zu folgen.

Die Gruppe der „Interestings“ sind natürlich in Wirklichkeit gar nicht so interessant wie sie sich selber finden. Für sich selbst ja und sie betreiben auch einen ziemlichen Kult um sich selbst. Aber vielleicht hält sich jeder für wesentlich interessanter, als er eigentlich ist, vielleicht ist das auch gut so. Wenn wir uns selbst nicht interessant finden, wer denn dann ? 😉

Ein Buch, das polarisiert, das man langweilig findet, weil man nicht über eine Gruppe von Leuten lesen möchte, die sich selbst zu wichtig nehmen oder aber das man nicht aus der Hand legen kann, weil die Dialoge so gut sind und weil Meg Wolitzer nicht nur gut schreiben, sondern auch verdammt gut beobachten kann. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, ich mochte die Mischung aus Ehrgeiz, Sehnsucht, Eifersucht, Erfolg und Neid, die die Freunde prägt. Das Buch handelt vom Glück, seinem Talent zu begegnen, von der Schwierigkeit, es in einen Job und Erfolg zu verwandeln und auch den Preis, den man manchmal bereit ist dafür zu zahlen. Talente werden gepflegt, zerstört und wiederentdeckt.

Probiert es aus und entscheidet selbst, ich freue mich schon auf weitere Lektüre von Meg Wolitzer. Einig waren wir uns auf jeden Fall, dass wir mehr Talente brauchen, aus allen „Walks of Life“ und diese zu entdecken, zu fördern und zu „heben“ ist eine unserer wichtigsten Aufgaben als Gesellschaft.

 

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3 Kommentare zu “The Interestings – Meg Wolitzer

  1. So, nach deiner Vorwarnung war ich jetzt sehr stark und habe deine Besprechung tapfer gelesen … dass dich das Buch gepackt hat, merkt man 🙂 Ja, mir gings so, wie du schreibst: Ich mochte die Leute nicht besonders, fand die ziemlich überspannt und und sich selbst überschätzend (aber natürlich meine ich auch, dass ich viel interessanter bin 🙂 Scherz). Vielleicht lag es aber auch ein Stück weit an der deutschen Übersetzung – ich fand die Sprache auch nicht so interessant. Ich fand Dialoge und Figurenzeichnung nicht so lebendig …
    Vieles habe ich aber auch vergessen – ich habs besprochen, als es in deutscher Übersetzung recht frisch erschienen war und erinnere mich, dass es recht gehypt wurde (wieder eines dieser „Meisterwerke“). Vor dem Hintergrund fand ich die Interessanten halt auch eher mittelmäßig – aber schon ein Buch, das man in einem Flutsch durchliest.

  2. Pingback: 2016 – Das Jahr in Büchern | Binge Reading & More

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