#WomeninSciFi (5) Die MadAddam Reihe – Margaret Atwood

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Ich glaube niemand versteht mein Margaret Atwood Fangirling so gut, wie die smarte Ms Autumn vom Blog „1001 Bücher – das Experiment„. Würde nicht wagen einzuschätzen, wer hier das größere Fangirl ist. Aber es geht auch um Ms Atwood, da kann man schon mal zum literarisch kreischenden Teenie werden 😉

Überhaupt haben Ms Autum und ich ziemlich viele literarische Überschneidungen und ich bin nicht sicher, ob ich ihr schon mal verraten habe, dass ihr Blog der erste Literaturblog überhaupt war, den ich gelesen habe und dann gefolgt bin. Sie ist also quasi irgendwie Schuld an all dem hier.

Ich freue mich, dass sie uns heute eine sehr spannende dystopische Reihe von Margaret Atwood vorstellt – ich stehe in der Zwischenzeit mit Pompoms an der Seite und cheerleade ein wenig:

Als die Binge Readerin mich bat, über Frauen und Science Fiction zu schreiben, setzte ich mich an das Ufer eines Flusses und fing an, darüber nachzudenken, was mit diesen Worten gemeint sein konnte*. – Das ist natürlich geklaut, aber ähnlich wie Virginia Woolf habe ich so meine Probleme, einen Beitrag zur neuen Reihe zu leisten: Frauen und Science Fiction. Da fallen mir Namen wie Ursula K. LeGuin und Doris Lessing ein, aber dann fängt es schon an zu stottern. Sicher, ich sehe recht viel Science Fiction, aber lesen? Kaum.

Deshalb muss ich auf eine Untergruppe der Science Fiction zurückgreifen, um meinen Beitrag leisten zu können. Diese Untergruppe nennt sich Cli-Fi, Climate Fiction, und die Autorin, die ich hier vorstellen möchte, ist Margaret Atwood mit ihrer MadAddam-Reihe. Margaret Atwood, vielen bekannt durch The Handmaids Tale oder auch Alias Grace, hat einige Dystopien geschrieben. Sie verwendet allerdings in ihren Werken nur Entwickungen, die schon begonnen haben, die schon angelegt sind und somit, wenn nicht wahrscheinlich, doch zumindest möglich sind.

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Foto: margaretatwood.ca

Nun legt Margaret Atwood im ersten Teil der Trilogie, Oryx und Crake, eine Welt in der nahen Zukunft an, in der die Menschheit von Klimakatastrophen und Epidemien bedroht ist. Die Menschheit hat sich in diejenigen, die sicher in abgeschlossenen Komplexen leben, und diejenigen außerhalb aufgeteilt. Draußen herrscht das Gesetz der Straße, drinnen wird die Wissenschaft vorangetrieben. Intelligente Schweine, gen-manipulierte Schafe und so manch anderes Tier sollen dem Menschen in ganz neuen Dimensionen dienen.

 Crake und Jimmy, der die Geschichte erzählt, lebten in einem dieser Komplexe, und Crake, hochintelligent und ein Genie in Genetik, entwickelte neue Medikamente, die die Menschheit gegen Seuchen immunisieren sollten. Doch das ist nicht alles, was er entwickelte, er verfolgte einen eigenen Plan. Es hat sich jedoch eine Katastrophe ereignet, und Jimmy erzählt von seinem nun folgenden Überlebenskampf und von den Menschen, die Crake kreiert hat…

„Alles, was es braucht“, sagte Crake, „ist die Beseitigung einer einzigen Generation. Einer Generation von allem. Käfer, Bäume, Mikroben, Wissenschaftler, Leute mit Französischkenntnissen, was auch immer. Wenn man das zeitliche Bindeglied zwischen einer Generation und der nächsten unterbricht, heißt es für immer: Spiel aus.“ (S.229/230)

 Der zweite Teil der Trilogie befasst sich ebenfalls mit der Zeit vor der großen Katastrophe, erzählt diese jedoch aus der Sicht von Toby und Ren, zwei jungen Frauen, die außerhalb der Komplexe aufwachsen und alle Härten der Straße erleben. Sie entrollen ihre Lebensgeschichten, wie sie aufwuchsen, wie die Katastrophe geschah und wie es nun, im Jahr 25 nach der Katastrophe, ist. Sie waren Teil einer Gruppe namens „Die Gottesgärtner“, die mit der Welt und nicht gegen sie, leben möchte. Sie sind Veganer und machen alles selbst, Nahrung, Kleidung, alles. Was es in einer Welt, in der der wilde Westen herrscht, nicht leichter macht, vor allem nicht für junge Frauen.

 Doch dann geschieht die Flut, und die wenigen Überlebenden sind auf sich allein gestellt. Ein purer Überlebenskampf entbrennt, von den gen-manipulierten Tieren und Menschen einmal ganz abgesehen…

 Der dritte Teil ist Die Geschichte von Zeb. Hier erfährt man in Rückblicken, was es mit den MadAddamiten auf sich hat, aber auch die Geschichte der „Jetzt-“Zeit wird weitererzählt. Einige der übriggebliebenen Menschen, darunter Toby, Ren und Zeb, haben sich zusammengeschlossen und kämpfen gemeinsam ums Überleben. Auch kümmern sie sich um die Craker, die Rasse, die Crake erschuf, und in den Erzählungen, die diesen das Wissen der Welt vermitteln sollen, wird nach und nach offensichtlich, wie verkommen die Menschheit war und warum die Flut über sie hinweggespült wurde.

 Sie dankten dem Allmächtigen, dass er die Welt mit CO2-Ausstößen und Giftstoffen gesegnet hatte, richteten den Blick gen Himmel, als wenn das Benzin von oben käme, und sahen dabei höllisch gottgefällig aus. […] Hochwürden hatte sich eine Theologie zurechtgezimmert, um möglichst effektiv die Kohle einzustreichen. Natürlich hatte er das Ganze auf der Bibel gegründet. Matthäus 16,18: ‚Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich bauen meine Gemeinde.‘ […] Es ist keine höhere Mathematik, hat Hochwürden immer gesagt, dahinterzukommen, dass Petrus das lateinische Wort für Stein ist und dass ich die wirkliche und wahre Bedeutung von ‚Peter‘ auf ‚Petroleum‘ bezieht oder dass Öl aus dem Stein kommt.’“ (146/147)

 Atwoods brillante Beispiele für die Wege, die die Menschen einschlugen, sind nur einige der Facetten, die dieses Werk so lesenswert machen. Sie nimmt sich Zeit, diese Welt zu entwickeln, und jede dieser Entwicklungen ist schon angelegt, was die Lektüre so intensiv und realistisch macht. Sie macht Angst, aber vor allen Dingen weist sie darauf hin, was sein könnte, und bringt vielleicht den ein oder anderen Menschen dazu, noch einmal umzudenken, nachzudenken über sein (Konsum-)Verhalten und seinen Umgang mit der Erde und ihren Ressourcen.

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ja ich habe sie getroffen und bin beim Buch signieren fast ohnmächtig geworden (Bingereader)

 Es ist, wie gesagt, kein Science Fiction im klassischen Sinn, wir bleiben auf dieser Welt und Raumschiffe und dergleichen gibt es auch keine. Aber neue Species und in gewissem Sinne eine neue Welt gibt es hier auch. Und genauso wie bei der klassischen Science Fiction zeigt sie eine mögliche Zukunft auf, nur ist diese nicht erstrebenswert. Oder vielleicht doch?!

 Neben der ungemeinen Phantasie und Weitsicht kann ich natürlich nicht müde werden, die großartige Sprache Atwoods hervorzuheben. Hier geht sie sogar noch einen Schritt weiter und kreiert teilweise eine neue Sprache, um die sich verändernde Welt angemessen beschreiben zu können. Wer diese Trilogie liest, wird die Welt nachher ein wenig anders sehen. Das ist es, was Margaret Atwood mit ihren Lesern macht.

 *Angelehnt an Virginia Woolf, Ein Zimmer für sich allein

Margaret Atwood: Oryx und Crake. Deutsch von Barbara Lüdemann. Berlin Taschenbuch Verlag, 2003. 381 Seiten.

Margaret Atwood: Das Jahr der Flut. Deutsch von Monika Schmalz. Berlin Verlag, 478

Margaret Atwood: Die Geschichte von Zeb. Aus dem Englischen von Monika Schmalz. Berlin Verlag, 2013. 477 Seiten.

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9 Kommentare zu “#WomeninSciFi (5) Die MadAddam Reihe – Margaret Atwood

  1. Liebe Bingereaderin, das hast Du mir noch nicht verraten 🙂
    Ich freue mich aber sehr, dass ich Dich zu einem meiner absoluten Lieblingsblogs inspirieren konnte und an dieser Reihe teilnehmen durfte!

  2. Wenn du mich fragst, ist Margaret Atwood eine literarische Schriftstellerin, die SciFi schreibt. Wenn ich an meine Lektüre der Trilogie zurück denke, dann gerate ich ins Schwärmen. Ganz großes Kino!
    LG, Katarina 🙂

  3. Pingback: [Die Sonntagsleserin] Februar 2018 | Phantásienreisen

  4. Uh yes 😀 Vor einer Weile habe ich Oryx und Crake zu meiner To-read-Liste hinzugefügt und dachte noch „davon hast du ja im Gegensatz zu Handmaid’s Tale noch gar nichts gehört“. Das war auch ein ganz nettes Gefühl, so als ob man einen Schatz entdeckt XD Aber jetzt bin ich umso motivierter es zu lesen. Klingt nach Dystopie nach meinem Geschmack.

  5. Dank deiner Rezension gebe ich der Atwoodschen Zukunftsvisionen doch noch eine zweite Chance. The Handmaid’s Tale konnte ich einfach nicht zuende lesen, es war mir in Vielem zu bieder.

  6. Pingback: Fremdgeträumt #2 | Gedankenfunken

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